Gespräch über Gott: Das Problem der Theodizee ist gelöst "In den gewaltigen Dimensionen des Universums, aber auch im winzigen Mikrokosmos werden Allmacht und Herrlichkeit Gottes offenbar. Die Wunder der Natur zeugen von seiner Größe." "Lass mich bloß mit diesem allmächtigen Gott zufrieden! Was muss das für ein Gott sein, der für die natürliche Evolution und Selektion verantwortlich ist und damit auch für Leid, Schmerz und Tod. An einen solchen Gott kann und will ich nicht glauben!" "Das ist ja interessant. Du bist also ein Gottesleugner, ein ganz übler Atheist. Das hätte ich wirklich nicht von dir gedacht. Glaubst du denn tatsächlich, dass sich das Universum von alleine organisieren und entwickeln konnte?" "Durchaus möglich." "Das wird ja immer schöner. Du bist ein bedauernswerter Mensch. Dir bleibt doch nur der Nihilismus." "Warum denn? Ich glaube an Jesus Christus!" "Jetzt verstehe ich überhaupt nichts mehr." "In Jesus Christus hat sich der Gott der barmherzigen Liebe offenbart, dessen Reich nicht von dieser Welt ist, der also nichts mit natürlicher Evolution und Selektion zu tun hat. An diesen Gott der barmherzigen Liebe kann und will ich glauben!" "Du leugnest aber die Allmacht Gottes!" "Keineswegs." "Dann habe ich mich wohl verhört?" "Natürlich kommt es darauf an, was man unter Allmacht versteht. Allmacht im landläufigen Sinn stellt nämlich einen Widerspruch in sich selbst dar. Wenn Gott in diesem Sinne allmächtig wäre, müsste er ja einen Stein erschaffen können, der so schwer wäre, dass er ihn nicht tragen könnte. Dann wäre er aber nicht mehr allmächtig. Aus dieser Überlegung folgt, dass mit göttlicher Allmacht etwas anderes gemeint sein muss. Außerdem hat das landläufige Verständnis von Allmacht das Problem der Theodizee zur Folge. Wenn Gott in diesem Sinne allmächtig und gleichzeitig die Liebe ist, darf es eigentlich Leid, Schmerz und Tod nicht mehr geben, weil ein Wink genügt, um alles Elend zu beenden. Das auf unserer Erde herrschende Elend führt dann ganz zwangsläufig zur Frage, ob Gott wirklich die Liebe ist, wenn er Leid, Schmerz und Tod zulässt. Begriffslogik und Theodizee-Problem zeigen also deutlich, dass unter Allmacht etwas anderes zu verstehen ist. Allmacht Gottes bedeutet, dass er mit hundertprozentiger Sicherheit den Sieg im Kampf gegen das Böse erringen wird. Seit gottfeindliche Mächte die Herrschaft über die Welt an sich gerissen haben, tobt ein gewaltiger Kampf zwischen ihnen und Gott. Wir Christen können mitten im Kampfgetümmel die Siegesfahne hissen, weil Gott allmächtig ist und deshalb ganz gewiss siegen wird. Wenn wir Allmacht in diesem Sinne verstehen, gehört das Theodizee-Problem der Vergangenheit an und wir können voll Freude und Zuversicht an den barmherzigen Gott der Liebe glauben, dessen Sieg über das Böse aufgrund seiner Allmacht schon jetzt feststeht." Ein kritischer Zeitgenosse greift in das Gespräch ein: "Bist du dir darüber im Klaren, dass das Problem der Theodizee zu den großen ungelösten Fragen der Philosophie gehört, das schon von Immanuel Kant als unlösbar bezeichnet wurde?" "Lass dich bitte von dem großen Namen nicht so sehr beeindrucken, dass du selbst darüber das Denken vergisst! Liefere mir lieber ein Gegenargument!" "Nun, du hast das Problem der Theodizee, also der Rechtfertigung Gottes, durch die Behauptung gelöst, gottfeindliche Mächte hätten die Herrschaft über die Welt an sich gerissen. Woher kommen aber diese bösen Mächte? Wenn Gott sie geschaffen hat, ist er indirekt doch für das Böse verantwortlich und das Theodizee-Problem bleibt ungelöst." "Diese Frage lässt sich mit Hilfe der Bibel beantworten. Du wirst jetzt sicherlich die Nase rümpfen und die Bibel als historisch unzuverlässiges Buch ablehnen. Doch du brauchst nicht zu befürchten, dass ich die Bibel jetzt in Konkurrenz zu philosophischen oder gar naturwissenschaftlichen Werken setzen werde. Im 2. Korintherbrief lesen wir nämlich im 3. Kapitel, Vers 6: "Der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig." Bei der biblischen Lektüre sind wir nicht sklavisch an jedes einzelne Wort gebunden. In besonderem Maße gilt dies für das Alte Testament, das am Anfang der göttlichen Heilsgeschichte steht, als Gottes großer Sieg über die bösen Mächte durch Christi Auferstehung noch nicht errungen war. Entsprechend unscharf bleibt das Gottesbild des Alten Testamentes. Wenn die Ausrottung besiegter Völker mit einem Befehl Gottes begründet wird, zeigt dies nur, welch dichte Schleier damals noch den Gott der Liebe verbargen. Je weiter die Heilsgeschichte fortschreitet, desto klarer tritt die Liebe Gottes in den Vordergrund. Jesus selbst hat die Bibel in diesem Sinne verstanden. Wenn zum Beispiel die strengen biblischen Sabbatgebote mit der Nächstenliebe in Konflikt gerieten, entschied sich Jesus ohne zu zögern für die Nächstenliebe und missachtete das biblische Gesetz, was ihm die erbitterte Feindschaft gesetzestreuer Juden einbrachte. Die Bibel ist weder Gesetzbuch noch historisches Protokoll, sondern sie spiegelt den Kampf Gottes gegen die bösen Mächte wider, die unsere Welt noch beherrschen. Nicht wissenschaftliche Akribie erschließt den Sinn des biblischen Wortes, sondern der Geist Gottes. Eine statische, auf jedes einzelne Wort fixierte Betrachtungsweise wird der biblischen Botschaft nicht gerecht. Vielmehr verlangt die Bibel eine dynamische Auslegung im heilsgeschichtlichen Zusammenhang. Die Trennung des Menschen von Gott ist so vollständig, dass wir nicht einmal seine Existenz beweisen können, sondern auf den Glauben angewiesen sind. Trotz dieser absoluten Gottesferne ist Gott auf unserer Erde stets gegenwärtig und wirksam. Der scheinbare Widerspruch dieser Aussage löst sich auf, wenn wir bedenken, in welcher Form Gott anwesend ist. Es ist sein Geist, also der Heilige Geist, der die von Gott abgefallene Schöpfung nie verlassen hat. Die Anwesenheit des Heiligen Geistes erklärt die Wirksamkeit des Gebets und die vielfach bezeugten Gebetserhörungen. Wer sich dem Heiligen Geist in Demut und im Bewusstsein der eigenen Unvollkommenheit nähert, kann bereits auf dieser Erde mit Gott in Verbindung treten. Wenn unsere Gebete jedoch nicht erhört werden, sollten wir uns daran erinnern, dass wir auf Gottes endgültigen Sieg über das Böse noch warten müssen, weshalb Leid, Schmerz und Tod nach wie vor unser Leben bestimmen." "Ist es denn wünschenswert, mit einem Gott in Verbindung zu treten, der wenigstens indirekt für das Böse verantwortlich ist? Oder kannst du das Böse mit Hilfe der Bibel erklären?" "Aus dem biblischen Wort geht hervor, dass Gott neben der sichtbaren auch eine unsichtbare Welt erschaffen hat, zu der die Engel gehören, die in der Bibel eine wichtige Rolle spielen. Weiter erfahren wir, dass ein mächtiges Wesen aus dieser für den menschlichen Verstand unzugänglichen Dimension gegen Gott rebellierte und die Herrschaft über die Welt, in der wir Menschen leben, an sich riss. Dadurch stürzte dieses Wesen, das im Evangelium des Johannes als 'Fürst dieser Welt' bezeichnet wird, unsere Welt in tiefes Elend." "Wann soll denn diese Machtübernahme des Bösen stattgefunden haben? Vielleicht erst vor einigen tausend Jahren, wie es bibeltreue Kreationisten behaupten? Wenn man sich jedoch vergegenwärtigt, dass schon bei den Dinosauriern vor 100 Millionen Jahren das Prinzip von Fressen und Gefressenwerden galt, muss sie früher stattgefunden haben. Geschah es dann vielleicht in der Karbonzeit vor 300 Millionen Jahren, als die Wälder wuchsen, aus denen unsere Steinkohle entstand? Das ist auch nicht möglich, weil der Tod damals die Tierwelt genauso regierte wie heute. Seit seiner Entstehung wird das Leben vom Tod bedroht. Du siehst also, dass natürliche Auslese und Tod von Anfang an notwendige Bestandteile des Lebens waren, welche die Weiter- und Höherentwicklung der Lebewesen erst ermöglichten. Die biblische Lehre vom Sündenfall, die deiner Behauptung, böse Mächte hätten die Herrschaft über unsere Welt an sich gerissen, zugrunde liegt, ist aufgrund der modernen naturwissenschaftlichen Erkenntnisse nicht mehr haltbar." "Da muss ich dir aber ganz entschieden widersprechen! In Gottes ursprünglicher, vollkommener Schöpfung galten unsere Naturgesetze nicht. Nicht Kampf und Tod, sondern Frieden und Freude sorgten für die Höherentwicklung des Lebens. Als gottfeindliche Mächte die Herrschaft an sich rissen, zwangen sie unsere Welt mit ihren Lebewesen einschließlich der Menschen unter das Joch der Naturgesetze. Mit einem Schlag wurden sowohl Gegenwart als auch Vergangenheit im Sinne der Naturgesetze verändert. Dieses katastrophale Ereignis dürfte vor einigen tausend Jahren stattgefunden haben. Eine genaue zeitliche Festlegung ist nicht möglich, weil damals ein Stück aus der übernatürlichen Welt herausbrach und zu unserer natürlichen Welt mutierte - ein Vorgang, der sich der naturwissenschaftlichen Forschung entzieht, da diese nur Aussagen über die natürliche Welt erlaubt, während ihr alles Übernatürliche verschlossen bleibt. Die erdgeschichtliche Vergangenheit, die von den Geowissenschaften vor allem mit Hilfe fossiler Zeugnisse im Gestein rekonstruiert wird, entstand erst im Augenblick der Machtergreifung. In Gottes vollkommener Schöpfung gab es keine Zeit in unserem Sinne. Der Zeitbegriff Gottes, der Entstehung und Entwicklung beinhaltet, aber Rückschritt und Verlust ausschließt, unterscheidet sich von unserem Zeitbegriff grundlegend, wie auch die Naturgesetze dem Willen Gottes fundamental widersprechen." "So sieht also die moderne christliche Interpretation des biblischen Sündenfalles aus. Dann stellt sich aber die Frage, welche Bereiche des Universums von der satanischen Machtübernahme betroffen sind. Ist es vielleicht nur unser Sonnensystem?" "Die Frage ist sehr leicht zu beantworten. Überall dort, wo die Naturgesetze gelten, regieren gottfeindliche Mächte." "Dann bleibt aber für Gott nicht mehr viel Platz, weil das gesamte Universum den Naturgesetzen gehorcht." "Das siehst du falsch. Gott schuf alles aus dem Nichts. Sein Werkzeug war einzig und allein die Liebe. Gesetze waren nicht nötig, weil in Gottes vollkommener Schöpfung, dem Paradies, alles von seiner Liebe gelenkt wurde. Um unsere Welt beherrschen zu können, mussten die satanischen Mächte die Naturgesetze entwickeln, weil ihnen die göttliche Liebe fehlte, die bis dahin die Welt gesteuert hatte. Die Naturgesetze, zu denen auch Zufall und Wahrscheinlichkeit gehören, sind also nicht göttlichen, sondern satanischen Ursprungs. Deine Sorge, Gott habe keinen Platz mehr in seiner Schöpfung, weil die Naturgesetze im gesamten Kosmos gelten, ist unbegründet, da der Kosmos nur einen Teil der Schöpfung darstellt. Unserer eng begrenzten menschlichen Erkenntnis ist die übernatürliche Welt verschlossen. In genau dieser übernatürlichen Welt gelten aber die Naturgesetze nicht und die göttliche Liebe regiert uneingeschränkt. Um unseren Kosmos in Gang zu halten, traten die Naturgesetze an die Stelle der göttlichen Liebe und Schöpferkraft. Die gottfeindlichen Mächte sind eifrig bemüht, Gott in jeder Hinsicht nachzuahmen. So sollen natürliche Evolution und Selektion die von Gott geplante Höherentwicklung des Lebens sicherstellen. Der entscheidende Unterschied besteht allerdings darin, dass Gott diese Entwicklung in Frieden und Freude vorgesehen hatte, während die gottfeindlichen Mächte dafür Leid, Schmerz und Tod einsetzen. Das Ergebnis - die Schönheit der Natur und die Faszination des Lebens - kann sich durchaus sehen lassen, wenn man den furchtbaren, blutigen Preis übersieht. Nachdem die Individuen ihre Pflicht im Evolutionskampf getan und damit zur Höherentwicklung des Lebens beigetragen haben, werden sie von den satanischen Mächten achtlos weggeworfen. Mitleid mit dem einzelnen Lebewesen im Lebens- oder Todeskampf ist diesen Mächten völlig fremd. Mit Selbstgerechtigkeit gepaarte Religiosität und Wohlanständigkeit liegen durchaus in ihrem Sinne. Optimismus, Lebenslust und Leistungsfreude sind in Verbindung mit Kampf, Tod und Zerstörung unabdingbare Voraussetzungen für die Evolution der menschlichen Gesellschaft. Als Lohn und Ansporn halten die gottfeindlichen Mächte vergängliche Lust und Begierde für den Einzelnen bereit. Das Individuum muss also bei Laune gehalten werden, bis es auf dem Müllhaufen des Todes landet. Um die Menschen auf seine Seite zu ziehen, täuscht der Widersacher Gottes diese über seinen wahren Charakter hinweg. Listenreich verstellt er sich als 'Engel des Lichts' (2. Korinther 11, 14), um die Menschen zu verblenden." "Dann muss er aber vor allem die Christen verblendet haben, wenn ich an die Hexenverbrennungen, die gewaltsame Missionierung der Indianer oder die jahrhundertelangen Judenverfolgungen in Europa denke." "Dein Einwand klingt zwar sehr polemisch, doch muss ich dir leider Recht geben. Wo Gott seine Kirche baut, stellt der Satan seine Kapelle daneben. Der Kampf gegen okkulte Praktiken oder heidnische Religionen war zwar ein gottgefälliges Unterfangen, doch hätte sich die Kirche unbedingt auf die Macht des Wortes und des Gebetes beschränken müssen. Stattdessen verließ sie sich auf die Werkzeuge des Satans, nämlich Feuer und Schwert. Verleumdungen und durch Folter erzwungene Geständnisse waren an der Tagesordnung. Es ist erschreckend, was die von rücksichtsloser Selbstsucht regierte Bestie Mensch sogar aus der Kirche Christi machen konnte. Wieso hat Gott der Menschheit trotz solcher Verbrechen, die in Sadismus, Geldgier, Sturheit und Feigheit wurzelten, die Treue gehalten? Es müssen die Schreie der Gefolterten gewesen sein, die er nicht vergessen konnte! Den größten Triumph der bösen Mächte stellt aber die christliche Judenverfolgung dar. Jahrhundertelang schlug Satan viele Christen mit einer heute unbegreiflichen Blindheit gegenüber dem Wort Gottes. Wie konnten die Kirchen die glühende Liebe des Apostels Paulus zu den Juden übersehen, die im Römerbrief klar zum Ausdruck kommt? Jesus und seine Apostel waren keine Römer oder Germanen, sondern Juden! Gott wählte das Volk der Juden für den Beginn seiner Heilsgeschichte aus, an deren Ende eine neue Welt ohne Leid, Schmerz und Tod stehen wird." "Es erscheint mir recht naiv, heute noch an die Wiederkunft Christi zu glauben. Seit zweitausend Jahren warten die Christen vergeblich auf dieses Ereignis. Schon die ersten Christen rechneten fest mit der Wiederkunft noch zu ihren Lebzeiten. Auch der Apostel Paulus lebte in dieser Naherwartung. Doch nichts geschah." "Offensichtlich verzögert sich die Wiederkunft Christi, weil der Widerstand Satans noch nicht gebrochen ist. Zwar wurde durch Christi Tod und Auferstehung der entscheidende Sieg über den Satan errungen, doch erweist sich das wütende Aufbäumen des besiegten Tyrannen gegen seine Niederlage als dramatischer und langwieriger Endkampf mit erbitterten Angriffen gegen die Gemeinde Gottes. Zunächst sollten die blutigen Christenverfolgungen die Gemeinde ausrotten. Nachdem dieser Versuch fehlgeschlagen war, schenkte der Widersacher Gottes der Kirche weltliche Macht im Überfluss. Wenn man die zahlreichen Verbrechen betrachtet, die im Laufe der Kirchengeschichte begangen wurden, wird der Erfolg dieser satanischen Strategie in erschreckender Weise deutlich. Es hat sehr lange gedauert, bis die Christen ihre fürchterlichen Verirrungen eingesehen haben. Lange vergiftete der Hass auf vermeintliche Ketzer und Juden die Christenheit. Aber der Zeitgeist ist eine schreckliche Macht, der einzelne Menschen nur wenig entgegenzusetzen haben. Was einmal von der Allgemeinheit als richtig akzeptiert wurde, lässt sich nur schwer aus den Köpfen verbannen, auch wenn es sich um falsche und gefährliche Überzeugungen handelt. Die Trägheit des menschlichen Denkens und sein Hang zu Vorurteilen stehen der notwendigen Einsicht häufig im Wege." Der erste Gesprächspartner unterbricht: "Wenn von gefährlichen Überzeugungen die Rede ist, denke ich in erster Linie an die beiden bluttriefenden Ideologien des Zwanzigsten Jahrhunderts, den Nationalsozialismus und den Marxismus-Leninismus, zu deren Opfern auch viele bekennende Christen gehören. Hitler und Stalin haben unter Berufung auf diese Ideologien Millionen von Menschenleben ausgelöscht." "Besonders ernüchternd ist auch die Erkenntnis, wie schwach der Widerstand gegen solche verbrecherischen Regime immer wieder ausfällt. Borniert und verblendet lässt sich die Masse in der jeweils herrschenden Zeitströmung treiben, ohne sie kritisch zu hinterfragen. In diesem Klima wird der Widerstand Einzelner zu einem lebensgefährlichen Unterfangen. Erst in derartigen Situationen wird wahrer Mut sichtbar: Man soll nicht mit den Wölfen heulen, die Masse hat nicht immer Recht. Der Widerstand braucht starke Säulen, nur Mut, der hier besteht, ist echt. Doch leider gehört echter Mut nicht zu den hervorstechenden Charaktereigenschaften des Menschen." Ungeduldig ruft der zweite Gesprächspartner: "Lenkt bitte nicht von den Verbrechen der Kirchen ab! Auch sie haben Millionen von ausgelöschten Menschenleben auf dem Gewissen. Allerdings muss ich zugeben, dass die Kirchen heute ihre historische Schuld nicht mehr leugnen. Noch erfreulicher ist die Beobachtung, dass moderne Christen endlich die Toleranz zeigen, die man auf christlicher Seite jahrhundertelang vermissen ließ." "So positiv kann ich diese Entwicklung leider nicht beurteilen. Die Reaktionen moderner Christen auf die schlimmen historischen Verfehlungen geben erneut Anlass zu großer Sorge. Man vergisst heute die Einzigartigkeit der christlichen Botschaft von der Erlösung der Welt durch Christi Tod und Auferstehung. War früher Toleranz für die Kirchen ein Fremdwort, üben sie heute oft falsche Toleranz gegenüber anderen Religionen und Geistesströmungen." "Ich glaube, ich höre nicht recht! Du willst wohl zu einem neuen Kreuzzug aufrufen?" "Genau richtig!" "Das kann nicht dein Ernst sein! Da haben die Kirchen endlich gelernt, was Toleranz bedeutet, und du hast nichts Besseres zu tun als die alten Zeiten der Intoleranz heraufzubeschwören. Du solltest dich schämen! Am liebsten würde ich jetzt das Gespräch mit dir beenden." "Moment mal! Wenn ich von einem Kreuzzug spreche, denke ich natürlich nicht an die historischen Kreuzzüge, als die Christen mit den Werkzeugen des Satans, also Feuer und Schwert, dem christlichen Glauben zum Sieg verhelfen wollten. Einen größeren Widersinn kann ich mir wirklich nicht vorstellen. Natürlich darf ein Kreuzzug nur auf die Macht des Wortes und des Gebetes gegründet sein. Die christliche Toleranz führt aber heute oft dazu, dass die Einzigartigkeit der christlichen Erlösungsbotschaft geleugnet wird. Christentum, Judentum, Islam oder Buddhismus werden als gleichberechtigte Angebote betrachtet. Natürlich müssen Christen die Anhänger anderer Religionen mit Respekt und Toleranz behandeln. Das darf aber nicht so weit führen, dass man den christlichen Glauben als eine Religion unter vielen ansieht. Die christliche Botschaft ist keinesfalls austauschbar. So ist die jüdische Religion zwar die Wurzel des Christentums, die christliche Botschaft stellt aber andererseits erst die Erfüllung der jüdischen Heilserwartungen dar. Der Islam bietet seinen Anhängern eine klare Richtschnur zur Führung eines gottgefälligen Lebens und verehrt auch Jesus. Er weiß aber nichts von der großen Erlösungstat Gottes, der sich in Jesus Christus zum Menschen erniedrigte, um durch seinen Tod und seine Auferstehung den Sieg über den Fürsten dieser Welt zu erringen. Am Buddhismus faszinieren Toleranz und weise Abgeklärtheit. Er lässt dem religiösen Bemühen des einzelnen Menschen großen Spielraum, ohne ihn durch feste Gottesvorstellungen einzuengen, was dem modernen Lebensgefühl durchaus entgegenkommt. Die Zwänge und Einengungen, die aus den Vorstellungen von Seelenwanderung und Reinkarnation resultieren, werden zunächst oft nicht wahrgenommen. Mit dem christlichen Glauben lässt sich der Buddhismus jedenfalls nicht vereinbaren. Noch augenfälliger sind die Unterschiede zum Hinduismus mit seinen vielen Göttern, der Seelenwanderung und dem Kastenwesen." "Glaubensunterschiede bestehen doch genauso zwischen den einzelnen christlichen Kirchen. Welche Konfession vertritt denn eigentlich den wahren Glauben? Oder hat vielleicht sogar eine der vielen christlichen Sekten die Wahrheit gepachtet? Bei dieser offensichtlichen Zerstrittenheit kann man doch nicht von der Einzigartigkeit des christlichen Glaubens sprechen." "Das Trauerspiel der Zersplitterung in viele christliche Kirchen und Gruppierungen ist als weiteres Beispiel menschlicher Unzulänglichkeit zu werten. Verantwortlich dafür waren und sind einerseits Missstände in den etablierten Kirchen, andererseits aber auch das sture Beharren auf besonderen Glaubensauffassungen, die als unverzichtbar hingestellt werden. Unverzichtbar ist jedoch nur der Glaube an den barmherzigen Gott der Liebe, der sich in Jesus Christus offenbart hat. Die Freude über diesen befreienden Glauben sollte so groß sein, dass Meinungsunterschiede in Einzelfragen keine Rolle mehr spielen. In Gottes Augen gibt es nur eine christliche Gemeinde. Ihr gehören alle Menschen an, die Jesus Christus als ihren Erlöser feiern und anbeten, unabhängig davon, welcher christlichen Konfession oder Gruppierung sie zugerechnet werden. Gott hat den Menschen mit der Frohen Botschaft von Jesus Christus eine wertvolle Perle geschenkt, die der Fürst dieser Welt immer wieder mit stinkender Jauche übergießt, weil er weiß, dass diese Botschaft seinen Untergang bedeutet. Inquisition und Glaubenskriege sowie Judenverfolgung und gewaltsame Bekehrungen bezeugen die schweren Angriffe Satans gegen Gottes Heilswirken und haben das Kleid der christlichen Gemeinde im Laufe der Geschichte in schrecklicher Weise besudelt." Der erste Gesprächspartner wirft ein: "Du darfst die Christen nicht immer als Täter und andere Religionsgruppen als Opfer darstellen. Wenn heute gewaltsame religiöse Auseinandersetzungen stattfinden, gehören die Christen häufig zu den Opfern. Ein besonders erschreckendes Beispiel ist der blutige Bürgerkrieg im Sudan zwischen dem islamischen Norden und dem christlich geprägten Süden. In dem von den Moslems ausgerufenen Heiligen Krieg werden Christen und Anhänger von Naturreligionen, die sich der Ausbreitung des Islam widersetzen, verfolgt und getötet. Den Überlebenden zwingt man das als Scharia bezeichnete islamische Recht auf. Der internationale christliche Protest fällt merkwürdig schwach aus. Vielleicht hat dies damit zu tun, dass die unheilvolle Grenzziehung im Sudan, durch die der Süden in einen überwiegend islamischen Staat hineingezwungen wurde, ein Ergebnis der europäischen Kolonialzeit ist. Als Folge der unglückseligen Grenzziehung versucht heute der Sudan, in seinem Südteil die islamische Gesellschaftsordnung mit Gewalt durchzusetzen. Die damaligen britischen Kolonialherren kümmerten sich offensichtlich nur wenig um das weitere Schicksal ihrer schwarzen christlichen Untertanen. Zwar waren die Briten dem Namen nach Christen, interessierten sich jedoch hauptsächlich für Macht und Geld. Ihre christlichen Missionare ließen sie gewähren, lieferten dann aber die zum Christentum bekehrten schwarzen Eingeborenen bedenkenlos der religiösen Verfolgung in einem fremden Kulturkreis aus. In Europa reagierten die westlichen Industriestaaten auf die Verletzung der Menschenrechte im Kosovo mit einem Luftkrieg gegen Serbien - ein zu Recht umstrittenes Vorgehen, besonders wenn man an die zahlreichen Opfer der Luftangriffe unter der serbischen Zivilbevölkerung denkt. Um die Christenverfolgungen in Afrika und Asien kümmert man sich dagegen kaum. Christliche Solidarität wird zunehmend zum Fremdwort. Auch die Behinderung oder sogar das Verbot christlicher Missionstätigkeit in vielen Staaten der Erde nimmt man achselzuckend hin." "In den westlichen Demokratien, wo Christen vor Verfolgung sicher sind, verdrängt ein hemmungsloser Materialismus mehr und mehr den christlichen Glauben. Ein wichtiger Grund für die zunehmende Ablehnung des Glaubens ist die Unfähigkeit der Christen, überzeugende Antworten auf drängende Glaubensfragen zu geben. Wenn zum Beispiel die Theodizee-Frage unbeantwortet bleibt, braucht man sich nicht zu wundern, dass die christliche Botschaft insgesamt unglaubwürdig erscheint. Ein Gott, der offensichtlich für Leid, Schmerz und Tod verantwortlich ist, zieht entweder bittere Vorwürfe auf sich oder wird als bloßes Hirngespinst abgetan. Es ist höchste Zeit, dass die passenden Antworten bekannt gemacht werden, damit der moderne Mensch, von quälenden Zweifeln befreit, an Jesus Christus glauben kann, der durch seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung von den Toten den entscheidenden Sieg über die satanischen Mächte errungen hat." "Du hast viel über die dunklen Seiten der Kirchengeschichte gesprochen, aber ihren segensreichen Einfluss auf die Welt bisher verschwiegen. So vermisse ich in deinen Schilderungen den Hinweis auf die Werke der Nächstenliebe, die durch die Jahrhunderte typisch für christliches Handeln waren. Armenspeisungen und Missionskrankenhäuser sind als beeindruckende Beispiele zu nennen." "Danke für deinen Einwand! Christen haben mit ihren Werken der Nächstenliebe immer wieder Zeichen gesetzt. Selbstlosigkeit und Opferbereitschaft dieser Christen bereiten als vorgeschobene Leuchtfeuer dem anbrechenden Gottesreich den Weg. Entscheidend für den Fortbestand der christlichen Gemeinde trotz aller Angriffe des Bösen waren aber stets die Vergebungsbereitschaft und der Schutzschirm Gottes." Der zweite Gesprächspartner unterbricht: "Die Leuchtfeuer sind aber sehr dünn gesät. Denn die meisten Christen, die ich kenne, opfern sich nicht für andere auf, sondern verfolgen entschieden ihre eigenen Interessen." "Du kritisierst mit Recht den Egoismus vieler Christen. Allerdings sollte man bedenken, dass die von Jesus geforderte Nächstenliebe auch die Eigenliebe beinhaltet. Denn Jesus sagt nicht "Liebe deinen Nächsten!", sondern "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!". Folglich verlangt das Gebot der Nächstenliebe nicht, dass wir uns ohne Rücksicht auf uns selbst für den Mitmenschen einsetzen. Hilfe für den Nächsten brauchen wir nur im Rahmen unserer Möglichkeiten zu leisten. Ebenso bedeutet Nächstenliebe nicht, dass wir uns von rücksichtslosen Menschen ausnützen und demütigen lassen müssen. Wer vor echter Not die Augen verschließt, versündigt sich vor Gott. Wer dagegen unverschämte Zeitgenossen in ihre Schranken weist, handelt im Sinne Gottes. Jedem Menschen steht das Recht auf Selbstverteidigung zu. Die Anwendung von Gewalt zur Durchsetzung eigener Interessen widerspricht aber dem Willen Gottes. Christus erwartet von uns, dass wir den Schwachen und Kranken hilfreich unter die Arme greifen. Wer jedoch die Hilfe anderer in Anspruch nimmt, obwohl er aus eigener Kraft seinen Lebensunterhalt verdienen könnte, missbraucht das Gebot der Nächstenliebe. Aber auch das Verhalten mancher reicher Erben, die das Leben in vollen Zügen genießen und andere für sich schuften lassen, kann nur als verwerflich bezeichnet werden. Hier könnte ein reformiertes Erbrecht Abhilfe schaffen und der Entwicklung hin zu immer krasseren Vermögensunterschieden Einhalt gebieten. Entsprechend sollte eine gerechtere Weltwirtschaftsordnung zum Abbau des drastischen Wohlstandsgefälles zwischen Industrie- und Entwicklungsländern beitragen." "Was sagst du eigentlich zu den vielen wohlhabenden Christen? Spricht sich Jesus nicht deutlich gegen den Mammon, also Geld und Besitz, aus?" "Wenn jemand für sich und seine Angehörigen aus eigener Kraft sorgen kann und nicht auf die Hilfe anderer angewiesen ist, sollte er Gott für seine Gesundheit und Leistungsfähigkeit danken. Legt er Ersparnisse zur Altersvorsorge oder als Absicherung gegen unvorhersehbare Ereignisse an, braucht er deshalb kein schlechtes Gewissen zu haben. Reichtum wird erst dann zur Sünde, wenn er mit Habgier und Geiz verbunden ist. Andere Religionen oder philosophisch begründete Wertesysteme gelangen häufig zu ähnlichen Schlussfolgerungen. Sie besitzen zweifellos große Bedeutung in Bezug auf individuelle Sinnfindung und verantwortungsbewusstes Zusammenleben innerhalb menschlicher Gemeinschaften. Ihr gravierender Mangel besteht jedoch darin, dass sie den Menschen die große Erlösungstat Jesu Christi vorenthalten, ohne die unserer Welt ein Ende in ewiger Gottesferne sicher wäre." "Eigentlich hast du die Frage nach Gottes Verantwortung für das Böse noch nicht befriedigend beantwortet. Wenn Gott alles geschaffen hat, ist er doch letztlich auch für alles verantwortlich. Hätte er die Entstehung des Bösen nicht verhindern können?" "Gott schuf in seiner grenzenlosen Liebe keine Marionetten, sondern Wesen mit Willensfreiheit. Deshalb können wir ihn nicht für Handlungen seiner Geschöpfe - seien es nun Menschen oder übernatürliche Wesen - verantwortlich machen. So sind wir nun Zeugen des göttlichen Kampfes gegen eine Rebellion, durch die Leid, Schmerz und Tod erst in die ursprünglich vollkommene Schöpfung gelangten. Aufgrund der biblisch bezeugten göttlichen Allmacht wird dieser Kampf mit Gottes Sieg über das Böse enden. Das Problem der Theodizee gehört endgültig der Vergangenheit an. Im Lichte dieser Erkenntnis stellt sich die Frage "Wie kann Gott so viel Leid und Elend zulassen?" nicht mehr. Die Gräueltaten Hitlers und Stalins sind kein Grund mehr, an Gott zu zweifeln oder zu verzweifeln. Damit bricht auch die gesamte moderne Gotteskritik als unbegründet in sich zusammen. Ihr grundlegender Fehler besteht nämlich darin, dass sie das durch gottfeindliche Mächte verursachte Leid und Elend auf dieser Erde Gott selbst anlasten will. Es ist höchste Zeit, dieses verhängnisvolle Missverständnis aufzuklären! Entscheidend dabei bleibt allerdings, dass wir den Gott der barmherzigen Liebe meinen, der sich in Jesus Christus offenbart hat. Wer dagegen in der Natur, in anderen Religionen oder in philosophischen Gedankengebäuden einen gütigen Gott zu finden hofft, wird auch in Zukunft mit dem Theodizee-Problem leben müssen." © Reinhard Schmidt
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