drittesreich

Zurück

 

So weit deine Selbstbeherrschung geht, so weit geht deine Freiheit.                     

                                 -Marie von Ebner- Eschenbach -                                                

 

Ich dulde im Allgemeinen so ziemlich jede Meinung, aber die Meinung der Nationalsozialisten bzw. der jetzigen Rechtsradikalen (Nazis) will und kann ich weder tolerieren geschweige denn vertreten. Ich möchte hier etwas über den grausamen Völkermord an den Juden berichten, sowie einige Definitionen einfügen. Am Ende der Seite werde ich eine Liste mit empfehlenswerter Literatur zu diesem Thema erstellen.

 

 


Nationalsozialismus oder Nazismus bezeichnet die Weltanschauung, die das Denken und Handeln der Machthaber in Deutschland zur Zeit des Nationalsozialismus in den Jahren 1933-1945 bestimmte. Es war ihre eigene propagandistisch motivierte Bezeichnung, die später in der Bundesrepublik übernommen wurde; in der DDR wurde dafür die Bezeichnung Faschismus und Hitlerfaschismus verwendet. Die Bezeichnung "Nationalsozialismus" sollte eine Nähe zum Sozialismus suggerieren. Die Partei der deutschen Faschisten/Nationalsozialisten war die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei.

1 -->

Hauptmerkmale des Nationalsozialismus

Es ist strittig, inwieweit es eine geschlossene nationalsozialistische Ideologie gab. Überliefert ist die Aussage Hans Franks aus den Nürnberger Prozessen, dass es "soviele Nationalsozialismen wie Nationalsozialisten" gegeben habe. Die Frage muss letztlich offen bleiben, weil man nicht sagen kann, inwieweit der Nationalsozialismus als Ideologie seinen "Führer" überdauert hätte. Es lassen sich aber einige Hauptmerkmale benennen:

  • Rassismus, insbesondere Antisemitismus, der im Holocaust kulminierte und "Höherzüchtung" einer Herrenrasse im Lebensborn, sowie Antislawismus und Verherrlichung der "arischen und germanischen Rasse" (vgl. Rassentheorie)
  • Euthanasie und Eugenik bzw. "Rassenhygiene"
  • Antimarxismus/Antikommunismus/Antibolschewismus
  • Ablehnung der Demokratie mit der Zerschlagung von politischen Parteien, Gewerkschaften und freier Presse als Folge
  • Führerprinzip/Führerglaube (Verantwortung "nach oben", Autorität "nach unten")
  • Starke Betonung des "Völkischen"
  • Sozialdarwinismus
  • Verteidigung von "Blut und Boden"
  • "Lebensraumpolitik", "Lebensraum im Osten"
  • Militarismus
  • Verwandtschaft zum FaschismusZentrale Grundlagen nationalsozialistischen Handelns waren der Antikommunismus, der Antisemitismus und die Ablehnung der Demokratie. Ähnlich wie der Faschismus in Italien, die deren Urheber Benito Mussolini als "Verschmelzung von Grosskapital und Staat" definiert hatte, waren die Nationalsozialisten von deutschen wie auch ausländischen Unternehmern als Bollwerk gegen den Bolschewismus finanziell aufgebaut worden.
  • Der Antisemitismus speiste sich aus verschiedenen, teilweise widersprüchlichen, Richtungen. So wurden Juden als Sündenböcke pauschal für Missstände wie Massenarbeitslosigkeit, Verstädterung, Abwanderung der Landbevölkerung in die Städte, Zersiedelung der Landschaft u.s.w. verantwortlich gemacht. Sie wurden auch als Hintermänner von Marxismus und Kapitalismus dargestellt und als "zersetzend" und einer "minderwertigen Rasse angehörend" gebrandmarkt.

    Der Begriff der Rasse war ein zentraler Begriff nationalsozialistischer Weltanschauung. Er postulierte die Überlegenheit einer arischen Rasse über andere, wobei "Arier" fälschlicherweise mit Indogermane gleichgesetzt wurde. Diese sollten vor dem schädlichen Einfluss, den die Nationalsozialisten in der Vermischung mit anderen "Rassen" sahen, bewahrt werden. Das eigentliche wichtige für die Nationalsozialisten war die "Reinheit des Blutes". Damit rechtfertigten die Nationalsozialisten die "Arisierung" des Dritten Reiches, z.B. die in den Nürnberger Gesetzen erlassenen Heiratsverbote von Deutschen mit "überwiegenden anderer Rasse zugehörigen" Partnern. Die Sterilisierung von geistig Behinderten und von Schwerverbrechern sollte verhindern, dass sich "krankes" Erbgut weitervererben konnte. - Parallel dazu sollte die Aufrüstung betrieben werden, zuerst geheim, dann offen. Sobald die Wehrmacht stark genug sein würde, wollten Hitler und andere hohe Nazi-Führer gezielt Angriffskriege einfädeln, die als Improvisation getarnt waren. Dabei sollte ein Land nach dem anderen isoliert und einzeln "niedergekämpft" werden. Das Endziel war die Eroberung und gnadenlose Ausbeutung des kontinentalen Festlands, Großbritanniens und der Sowjetunion bis zur Linie Archangelsk - Uralgebirge - Kaukasus und die Besiedelung dieser Gebiete durch die "Herrenrasse". Den eigenen historischen Anspruch an besetzten Gebieten versuchte man auf verwalterischem Wege zu erreichen, indem volkszählungsähnliche Volkslisten zur gezielten Vertreibung unerwünschter Bevölkerungsgruppen herangezogen wurden.

    2 -->

    Machtergreifung des Nationalsozialismus

    In Deutschland verpasste Hitler mit der NSDAP bei den Reichstagswahlen Anfang 1933 nur knapp die absolute Mehrheit, infolgedessen schloss er vorerst einen Pakt mit dem Zentrum und der DNVP. Hitler wurde als Vorsitzender der stärksten Partei des Reichstags Reichskanzler. Obwohl die Nazis diesen Tag (30. Januar 1933) als Tag der "Machtergreifung" propagandierten, war es doch vorerst nur ein ganz normaler Regierungswechsel. Dann jedoch inzenierten die Nazis den "Reichstagsbrand" und gaben die Schuld dafür der KPD. Infolge dessen wurden die Grundrechte durch eine Notverordnung des Reichspräsidenten Hindenburg nach §48 außer Kraft gesetzt. Dadurch konnten die Nazis ohne Probleme ihre politischen Gegner, die Linken, ausschalten. Die totale Macht erlangten die Nazis aber erst durch das Ermächtigungsgesetz, für das sie eine Zwei-Drittel-Mehrheit benötigten, die sie durch das Verbot der KPD und einen Pakt mit dem Zentrum erlangten. Außerdem zählten sie die Stimmen der unentschuldigt abwesenden Abgeordneten, die größtenteils in Konzentrationslagern festgehalten oder durch andere Maßnahmen der SA/SS von der Abstimmung ferngehalten wurden. Durch dieses Gesetz nahm der Reichstag sich selbst die Macht, indem er die Trennung von Exekutive und Legislative aufhob und sich damit selbst überflüssig machte.

    3 -->

    Grundlagen und Weiterentwicklungen

    Die wesentliche Elemente der NS-Ideologie wurden von Adolf Hitler in seinem Buch Mein Kampf niedergeschrieben. Das Buch galt als Grundlage aller anderen Schriften des Nationalsozialismus. Als bedeutender Ideologe wird daneben Alfred Rosenberg angesehen, der mit seinem Buch "Mythus des zwanzigsten Jahrhunderts" eine sehr weite Verbreitung seiner Gedanken erreichen konnte. Der "Mythus" Rosenbergs wurde zusammen mit Hitlers "Mein Kampf" in den Grundstein der riesigen Kongresshalle in Nürnberg eingemauert, um die Grundlagen des Nationalsozialismus für die Zukunft zu bewahren. Gleichwohl wurde Rosenbergs Buch sogar von führenden NS-Politikern nicht sehr ernst genommen. Besonders Goebbels soll über Rosenberg immer wieder gespottet haben.

    Eine eigene Weiterentwicklung der nationalsozialistischen Ideologie nahm Heinrich Himmler vor. Die bereits bei Rosenberg vorhandenen Bezugspunkte zu Indien wurden in den SS-Einrichtungen wie den "Ordensburgen" (die Himmler als Elite des Systems verstand) ausgebaut. Esoterische Lehren mit deutlichen östlichen Einflüssen, die sich in der SS entwickelten, haben das Kriegsende überdauert und leben - meist als unpolitische religionsähnliche Lehren - bis heute fort. Himmler nahm auch eine Europäisierung vor. Bekannt sind vor allem die Freiwilligen-Einheiten der "Europäischen SS" aus vielen Ländern, jedoch gab es auch Konzepte für einen europäischen Wirtschaftsraum.

    Häufig nahm der Nationalsozialismus religiöse Züge an. Auf den Reichsparteitagen wurde der Nationalsozialismus geradezu zelebriert, was durch den Film "Triumph des Willens" der Regisseurin Leni Riefenstahl besonders herausgearbeitet und verstärkt wurde. Das Verhältnis des Nationalsozialismus zur christlichen Religion war daher auch zwiespältig. Einerseits gab es den Versuch, mit einem "Deutschen Christentum" die Religion für den Nationalsozialismus einzuspannen. Andererseits aber gab es antichristliche Elemente bei Rosenberg und eine völlige Abwendung vom Christentum durch die Himmlersche Bezugnahme auf Buddha und vorbuddhistische indische Schriften. Die Haltung der Religionen und derer Vertreter während des NS-Regimes muss differenziert gesehen werden (siehe hierzu Religion während des Nationalsozialismus).

    4 -->

    Zitat

    "Ich betrachte das Nachleben des Nationalsozialismus in der Demokratie als potentiell bedrohlicher denn das Nachleben faschistischer Tendenzen gegen die Demokratie."
    Theodor W. Adorno (Was bedeutet: Aufarbeitung der Vergangenheit? 1959)

 

          

Holocaust
"Holocaust" ist die gebräuchliche Bezeichnung für die Massenvernichtung von Juden durch das nationalsozialistische Regime im 2. Weltkrieg. Der Begriff Holocaust stammt vom griech.-lat. Wort "holocaustum" ab und bedeutet "ganz verbrannt", "Brandopfer". Das Brand- oder Sühneopfer musste völlig verbrannt werden, da von diesem, z.B. bei den Israeliten, nichts gegessen werden durfte.

 

 

Sterbehilfe, Mord und Aktion T4

Propagandaplakat von 1936 zur Wegbereitung der Euthanasie.
Propagandaplakat von 1936 zur Wegbereitung der Euthanasie.
Der Begriff Euthanasie (griech.) meint Erleichterung des Todeskampfes, i.d.R. durch Narkotika, um unheilbar Kranke oder Schwerstverletzte von unerträglichem Leiden zu erlösen. Im Gegensatz dazu spricht man von passiver Sterbehilfe bei reiner Unterlassung von lebensverlängernden Maßnahmen. Als aktive Sterbehilfe bezeichnet man eine vorsätzliche Handlung, um den Tod herbeizuführen.

Der Begriff „Euthanasie“ ist bereits in der griechisch-römischen Antike zu finden. Er bezeichnete damals einen „guten“, schmerzlosen, schnellen Tod, der ohne jegliches Einwirken z.B. eines Arztes oder anderer Personen eintritt.

Die ideologischen Hintergründe des neuzeitlichen Vernichtungsgedankens sind im sozialdarwinistischen Denkmodell (Charles Darwin, 1859: Die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl) zu suchen. Gesellschaftstheoretiker übertrugen den Sozialdarwinismus und dessen Lehre von der natürlichen Auslese ("persuit of the fittest"), die so genannte „Selektionstheorie“, auf die Entwicklung von Gesellschaften. Damit war durch den Sozialdarwinismus in den Augen der Nationalsozialisten im Dritten Reich eine Rechtfertigung für die Ideologie und des Tötens von „Schwächeren“ und von als minderwertig bezeichneten Menschen gegeben.

Die Einordnung von Menschen nach rassischen Kriterien existierte schon lange. Die Nationalsozialisten übernahmen diese im Zusammenhang mit dem Sozialdarwinismus als fertige Ideologie, aus der das Bild des "arischen Mensch" als Vorbild geschaffen wurde. Im Zusammenhang mit dem Antisemitismus wurde das z.B. in den Nürnberger Gesetzen genauer definiert und instrumentalisiert.

Mit seinem „Euthanasiebefehl“ vom Oktober 1939 (geheime Anordnung vom 1.9.39) ermächtigte Adolf Hitler die Tötung so genannten „lebensunwerten Lebens". Mit ihm begann die erste systematische Vernichtung von Menschen im Dritten Reich. Verschleiert wurde die Aktion durch den von Hitler in seinem Ermächtigungsschreiben verwendeten Begriff „Gnadentod". Als „lebensunwert" galten nach seiner Definition vor allem missgebildete Kinder und an Geistes- und Erbkrankheiten oder Syphilis leidende Erwachsene, insbesondere wenn sie entsprechend der nationalsozialistischen Rassenkunde einer „minderwertigen Rasse" angehörten. Hitler radikalisierte damit einen Standpunkt, der in Menschen, die für Staat und Wirtschaft nicht nützlich sind, nur noch eine Belastung sieht. Man setzte dies mit lebensunwertem Leben gleich und organisierte dessen systematische Vernichtung.

 

Organisation und Durchführung

Karl Brandt
Karl Brandt
Philipp Bouhler
Philipp Bouhler
Mit der Durchführung der Tötungsmaßnahmen war die „Kanzlei des Führers der NSDAP" unter Philipp Bouhler und Hitlers Leibarzt Karl Brandt beauftragt. Um die Opfer zu erfassen und auszuwählen, gründete er die Tarnorganisation „Reichsarbeitsgemeinschaft Heil- und Pflegeanstalten". Den Transport der „Selektierten" zu den Tötungszentren übernahm das SS-Unternehmen „Gemeinnützige Krankentransport GmbH". Im Schloss Grafeneck in Württemberg nahm gegen Ende 1939 die erste Tötungsstätte ihren Betrieb auf. Weitere Euthanasieanstalten wurden in Hadamar, Brandenburg an der Havel, Bernburg, Schloss Hartheim und Sonnenstein errichtet. Betitelt wurde das Unternehmen als „Aktion T 4", benannt nach der Ende 1939 für den Massenmord eingerichteten Organisationszentrale (Zentrale der Reichskanzlei) in der Berliner Tiergartenstraße 4. Bis 1941 fielen der „Aktion T 4" mindestens 120 000 Menschen durch Vergasung, Erschießung und tödliche Injektionen zum Opfer. Den Hinterbliebenen teilten eigens für diesen Zweck in den Tötungsanstalten eingerichtete Standesämter den angeblich unerwarteten Tod ihrer Angehörigen mit.

 

Die T4 Tötungsanstalten

Anstalt Ort Bundesland (heute) Zeitraum
Grafeneck Gomadingen Baden-Württemberg 20. 1.1940 - Dezember 1940
Brandenburg Brandenburg Brandenburg 8. 2.1940 - Oktober 1940
Hartheim Alkoven (bei Linz) Oberösterreich 6. 5. 1940 - Dezember 1944
Sonnenstein Pirna Sachsen Juni 1940 - September 1942
Bernburg Bernburg Sachsen-Anhalt 21. 9. 1940 - 30. 7. 1943
Hadamar Hadamar Hessen Januar 1941 - 31. 7. 1942

In den von Deutschland annektierten Gebieten Nord- und Westpolens (Reichsgaue Danzig-Westpreußen und Wartheland) gab es weitere Tötungsanstalten, die aber zunächst nicht der T4 unterstanden.

 

Proteste

Tiergartenstrasse 4 in Berlin.
Tiergartenstrasse 4 in Berlin.
Trotz strenger Geheimhaltung zwangen Gerüchte in der Bevölkerung und besonders Proteste von kirchlicher Seite Hitler am 24. August 1941 zur formalen Einstellung der „Aktion T 4". Insbesondere Bischof Clemens August Graf von Galen hatte sich sehr deutlich zu den Vorgängen geäußert, so in seiner bekannten "Euthanasiepredigt" in St. Lamberti zu Münster am 3.8.1941. Dennoch gingen die Morde im Geheimen noch bis kurz vor Kriegsende weiter. Zwischen 1941 und 1945 wurden nochmals etwa 30 000 Menschen aufgrund des Euthanasiebefehls ermordet. Unter dem Codenamen "14 f 13" (Aktenzeichen des Inspekteurs der KZ) wurden zudem ab 1941 auch in Konzentrationslagern in gesonderten Abteilungen als „lebensunwert" eingestufte Häftlinge getötet.

Das Personal der „Aktion T 4" wechselte zum großen Teil als Spezialisten für Massentötungen in die Vernichtungslager in Osteuropa. Den Zusammenhang zwischen Euthanasie und Krieg um „Lebensraum" verdeutlicht Hitlers symbolische Rückdatierung des Euthanasiebefehls auf den 1. September 1939, den Tag des Angriffs auf Polen.

 

Opferzahlen

Eine erhalten gebliebene interne T4-Statistik überliefert die genauen Zahlen der in den sechs "Anstalten" 1940 und 1941 bis zum 1. September 1941 "desinfizierten" (vergasten) Menschen:

Anstalt 1940 1941 Summe
A (Grafeneck) 9.839 - 9.839
B (Brandenburg) 9.772 - 9.772
Be (Bernburg) - 8.601 8.601
C (Linz) 9.670 8.599 18.269
D (Sonnenstein) 5.943 7.777 13.720
E (Hadamar) - 10.072 10.072
35.224 35.049 70.273
Quelle: Hartheimer Statistik, gedr. in: Ernst Klee, Dokumente, Dok. 87, S. 232

Diese Zahlen spiegeln jedoch nur einen Teil des Verbrechens wider. Im Ärzte-Prozess von Nürnberg (1947) ging die Anklage insg. von 275000 Getöteten aus (inkl. umgebrachter psychisch Kranker während des Luftkriegs zum Freimachen von Betten und der Ermordung von Behinderten in den besetzten Ostgebieten).

 

Antisemitismus im Dritten Reich

Der Höhepunkt antisemitisch bedingter Verfolgungen wurde in den Jahren 1933-1945 unter der Herrschaft der Nationalsozialisten erreicht. Hitler und die NSDAP propagierten den rassistischen Antisemitismus. Das nationalsozialistische Weltbild ist geprägt durch Vorstellung des angeblich ständigen Kampfes zwischen der "hochwertigen" Rasse, den Ariern, und der "minderwertigen" Rasse, den Juden weg. Durch Vermischung mit den Juden werde die germanische Rasse verdorben und sei auf lange Sicht zum Untergang verurteilt. "Die Juden sind unser Unglück" lautete eine von den Nazis verbreitete Parole. Ziel der nationalsozialistischen Politik war es deshalb, die "Reinheit des deutschen Blutes" zu bewahren bzw. wiederherzustellen. Bei der deutschen Bevölkerung, in der viele Menschen antisemitisch und nationalistisch dachten und fühlten, fanden die Nazis damit breite Zustimmung. Die Feindschaft gegen das Judentum gehörte von Anfang an zum Parteiprogramm der Nationalsozialisten.

Nach der Machtergreifung im Jahre 1933 wurden sofort antijüdische Maßnahmen durch die Nazis eingeleitet, weg ständig verschärft und ausgeweitet.

1933: Boykott aller jüdischen Geschäfte in Deutschland durch die SA. Die Aktionen richteten sich auch gegen jüdische Rechtsanwälte und Ärzte sowie gegen den Besuch von Schulen und Universitäten durch Juden. Jüdische Beamte wurden aus den Ämtern entfernt, Künstler und Schriftsteller und Schriftleiter bei den Zeitungen erhielten praktisch Berufsverbot.

1935: Die "Nürnberger Gesetze" werden beschlossen und in Kraft gesetzt. Darin heißt es:

  • §1: Eheschließungen zwischen Juden und Staatsangehörigen deutschen oder artverwandten Blutes sind verboten. Trotzdem geschlossene Ehen sind nichtig, auch wenn sie zur Umgehung dieses Gesetzes im Ausland geschlossen sind.
  • §2: Außerehelicher Verkehr zwischen Juden und Staatsangehörigen deutschen und artverwandten Blutes ist verboten.
  • §3: Juden dürfen weibliche Staatsangehörige deutschen oder artverwandten Blutes unter 45 Jahren in ihrem Haushalt nicht beschäftigen.

1937: Beginn der "Arisierung" der Wirtschaft. Die jüdischen Besitzer von Unternehmen und Geschäften werden gezwungen, ihren Besitz meist weit unter Wert an Deutsche zu verkaufen. Viele deutsche Geschäftsleute bereichern sich an jüdischem Eigentum.

1938: Einweisung aller so genannten vorbestraften Juden in Konzentrationslager. Die jüdischen Ärzte verlieren ihre Approbation. Sie dürfen nur noch als "Krankenbehandler" für Juden tätig sein. Juden müssen ihrem offiziellen Namen die Vornamen "Israel" oder Sara" hinzufügen. "Reichskristallnacht" am 9./10. 11.: Zerstörung von Synagogen, Geschäften und Wohnhäusern der Juden. Verhaftung von über 26000 männlichen Juden und Einweisung in die Konzentrationslager Dachau, Buchenwald und Sachsenhausen. Mindestens 91 Juden werden getötet.

Juden dürfen keine Kinos, Theater und Konzerte mehr besuchen.

1939: Hitler kündigt vor dem Reichstag im Falle eines Krieges die Vernichtung der jüdischen Bevölkerung in Europa an. Deutscher Angriff auf Polen am 1.9., Beginn des Zweiten Weltkriegs. Beginn der Judenverfolgungen und -vernichtungen in allen von deutschen Truppen eroberten Gebieten: in Polen, Rumänien, in Estland, Lettland und Litauen und in der Sowjetunion.

1941: Einführung des Judensterns. Juden über sechs Jahren ist es verboten, sich in der Öffentlichkeit ohne den gelben Judenstern zu zeigen. Juden dürfen ihren Wohnbezirk ohne Genehmigung der Polizei nicht verlassen.

1942: Verbot der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel durch Juden. Weitere Einschränkungen im Laufe des Krieges: Es war Juden verboten, Fernsprecher zu benutzen, Zeitungen zu beziehen, sich auf Bahnhöfen und in Gaststätten aufzuhalten. Radios, andere elektrische und optische Geräte mussten abgeliefert werden. Juden erhielten keine Fleischkarten, keine Kleiderkarten, keine Milchkarten, keine Raucherkarten, kein Weißbrot, kein Obst, keine Obstkonserven, keine Süßwaren.

10/43: Auswanderungsverbot

 

Antisemitismus und Holocaust/Shoah

Nach der Machtergreifung im Jahr 1933 begannen die Nationalsozialisten, die jüdische deutsche Bevölkerung durch gesetzliche Verordnungen und Willkürmaßnahmen zu verfolgen und zu terrorisieren. Auf der so genannten "Wannseekonferenz" am 20.1.1942 beschlossen die Nazis die Deportation und Ausrottung des gesamten europäischen Judentums. Hitler machte damit wahr, was er schon lange als seine Absicht angekündigt hatte und was eigentlich jeder in Deutschland voraussehen konnte, sofern er es sehen wollte. Adolf Eichmann wurde mit der Organisation der "Endlösung" beauftragt.

1942-45: Beginn der Massenvernichtungen in Auschwitz und anderen großen Vernichtungslagern wie Maidanek, Sobibor, Treblinka. In diese (von den Konzentrationslagern zu unterscheidenden) Lager wurden die Menschen jüdischer Herkunft aus dem ganzen Machtbereich des "Dritten Reiches" nach und nach deportiert, sofern sie nicht schon den Erschießungskommandos der SS-Einsatzgruppen in den eroberten russischen Gebieten zum Opfer gefallen waren. Die absolut genaue Zahl der Opfer lässt sich nicht mehr feststellen. Doch wurden insgesamt wohl in den Jahren 1942 bis 1945 ca. sechs Millionen Juden aus ganz Europa getötet, wie in den NS-Prozessen der Nachkriegszeit festgestellt wurde.

Dazu die Aussage des KZ-Kommandanten Rudolf Höß: "... Ich befehligte Auschwitz bis zum 1. 12.1943 und schätze, daß mindestens 2,5 Millionen Opfer durch Vergasung und Verbrennen hingerichtet und ausgerottet wurden; mindestens eine weitere halbe Million starben durch Hunger und Krankheit, was eine Gesamtzahl von ungefähr 3 Millionen Toten ausmacht. Unter den hingerichteten und verbrannten Personen befanden sich ungefähr 20.000 russische Kriegsgefangene. Der Rest umfaßte ungefähr 100.000 deutsche Juden und eine große Anzahl von Einwohnern aus Holland, Frankreich, Belgien, Ungarn, Griechenland und anderen Ländern." Zwei Drittel der in Europa lebenden Juden fielen dem Holocaust zum Opfer. An den Folgen dieser Vernichtungsaktion leiden nicht nur die Überlebenden der Vernichtungslager, die die eintätowierte Lager-Nummer zeitlebens mit sich herumtragen. Sehr viele der heute lebenden Juden, deren Familien aus Europa stammen, haben nahe Angehörige unter den Opfern.

 

Schuldfrage/ Erklärungsansätze

Der Holocaust war in Deutschland auch deshalb möglich, weil die überwiegende Mehrheit der deutschen Bevölkerung Hitlers "strengem Vorgehen" gegen die Juden zunächst positiv gegenüber stand und es billigte. Die Kirchen blieben stumm, ja sie übernahmen z.T. die Nazi-Rassegesetze und belegten Pfarrer jüdischer Herkunft mit Berufsverbot. Diese Sympathie gegenüber dem judenfeindlichen Gedankengut der Nazis bedeutet nicht, dass die Deutschen in ihrer Mehrheit auch die entsetzliche Vernichtungsaktion gebilligt hätten. Als man das Ausmaß und die Umstände des Holocaust nach und nach erkannte, war es für Protestaktionen längst zu spät. Sich für das Schicksal der Juden zu interessieren oder ihnen gar zu helfen, war lebensgefährlich. Nur einzelne wie z.B. Oskar Schindler oder Raoul Wallenberg fanden dazu den Mut und die Möglichkeit, unter Einsatz ihres Lebens.

Als nach Kriegsende die Wahrheit über den Holocaust immer deutlicher wurde, berief man sich weitgehend auf angebliche Unwissenheit, um die Mitverantwortung von sich wegzuschieben. Bis heute finden in der deutschen Bevölkerung auch diejenigen noch Gehör, die behaupten, so schlimm könne alles doch nicht gewesen sein und dass es eine Lüge sei zu behaupten, 6 Millionen Juden umgekommen seien (so genannte Auschwitz-Lüge).

Die Evangelische Kirche hat am 30. 10.1945 die "Stuttgarter Schulderklärung" veröffentlicht, in der sie sich zu ihrer Mitverantwortung an den Vorgängen im "Dritten Reich" bekennt. In diesem Schuldbekenntnis heißt es: „... Durch uns ist unendliches Leid über viele Völker und Länder gebracht worden. ... Wir klagen uns an, daß wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben." An diesem Bekenntnis wird jedoch kritisiert, dass es nicht konkret die Mitschuld an den Nazi-Verbrechen nennt und mit keinem Wort auf den Holocaust eingeht. Von vielen Christen in der Evangelischen Kirche wurde auch dieses vage formulierte Schuldbekenntnis als zu weit gehend abgelehnt.

 

Antisemitismus nach dem Zweiten Weltkrieg

In den westlichen Demokratien hat das abschreckende Beispiel der nationalsozialistischen Politik der Judenvernichtung dazu geführt, dass der Antisemitismus in der Nachkriegszeit abnahm. Dennoch zeigten Umfragen in den achtziger und neunziger Jahren in Deutschland und Österreich, dass 10 bis 15 Prozent der jeweiligen Bevölkerung als überzeugte Antisemiten einzustufen sind, ein weiteres Drittel antijüdischen Ressentiments anhängt. In den neunziger Jahren sind in Großbritannien, Frankreich, Deutschland und anderen europäischen Ländern und den USA erneut reaktionäre und rassistische Parteien und Gruppen entstanden, die antisemitische Ideologien vertreten und häufig in enger Verbindung zu neofaschistischen Gruppierungen stehen. Nach dem Fall der Mauer nahm die Zahl antisemitischer Übergriffe in Deutschland erneut zu.

 

Vor 60 Jahren wurde Auschwitz befreit: Gefangene erinnern sich BOOKMARK PDF Drucken E-mail
Geschrieben von Konstantin Scekocichin   

Was unter Berliner Mahnmal-Trubel gelegentlich in Vergessenheit gerät: Der 27. Januar, also der Tag, an welchem 1945 das KZ Auschwitz befreit wurde, ist seit Jahren ein deutscher Gedenktag. Und er ist ein Datum, das in Osteuropa weit mehr Beachtung als in unseren Breiten findet. Dies gilt besonders für das laufende Jahr, in dem sich die Befreiung zum 60. Mal jährt. Als Beleg bringt Shoa.de die deutsche Übersetzung einer russischen Reportage, die diese spezifische Sicht illustriert.

Befreiung von AuschwitzAm Mittwoch (26.1.2005) weilen in Krakau 40 Staatsoberhäupter, um an einer Zeremonie teilzunehmen, die dem 60. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz gewidmet ist. Gegenwärtig leben in Moskau etwas mehr als drei Dutzend Menschen, die die Hölle des faschistischen Konzentrationslagers überlebt haben.

Auschwitz befreiten am 27. Januar 1945 die Truppen der Ersten Ukrainischen Front, die auf Krakau zumarschierten. Soldaten der Aufklärungseinheit von Grigorij Demin öffneten die Tore des Todeslagers. Demin erinnert sich: „Langsam verließen sie die Baracken. Die Menschen kamen näher, sie kamen in Massen. Sie waren, wie man so sagt, nur Haut und Knochen“. Bei Kriegsende gab es in der Sowjetunion rund 110.000 ehemalige Gefangene in Auschwitz. Wie viele von ihnen derzeit noch leben, weiß niemand. Bekannt ist nur die Tatsache, dass es allein Moskau genau einunddreißig Personen sind.

Kurz vor der Befreiung von Auschwitz jagten die Deutschen ihre Gefangenen gen Westen. Im letzten Moment ritzte Ina Ionovna Vjalikova, die schon alle Hoffnung auf Rettung verloren hatte, ihre Heimadresse in Novošachtinsk auf die Barackenwand. Sie hatte das Glück, nach Hause zurückzukehren, wo sie die schwerste Beschuldigung erwartete: Verrat der Heimat. Ihr Leben verdankt Nina Vjalikova einem unerwarteten Brief, der im Herbst 1945 bei ihren Eltern eintraf. In dem stand: „Teilen Sie mir bitte mit, ob Ihre Tochter lebt. Ich fand Ihre Adresse oder die Adresse Ihrer Tochter auf einer Wand des Konzentrationslagers“. „Und mit diesem Brief ging ich zum KGB“, erzählt Nina Ionovna. Dort ließ man die Anklage augenblicklich fallen, bat sie nur, die Auschwitz-Tätowierung zu entfernen: Sechs Nummern an linken Arm. Die Nummern waren sehr lang – die Gesamtzahl der Gefangenen ging in die Millionen.

„Nummer Einhundertfünfzigtausendsiebenhunderteins. Solche Nummern wurden sofort nach der Ankunft vergeben“, erinnert sich der ehemalige Auschwitz-Häftling Ivan Semenovič Šaškov. Er war acht Jahre alt, als er zum ersten Mal Musik von Wagner hörte. Aus dem Lagerlautsprecher. Dröhnend laut. Unter dieser Musik kam in Auschwitz seine gesamte Familie um. „Ich überlebte, weil ich als künftiger Arbeiter (im Original deutsch, A.d.Ü) für Deutschland ausersehen war. Aus uns Kindern machten sie Sklaven, damit wir, sobald wir herangewachsen waren, für die Deutschen arbeiteten“, sagt Ivan Semenovič.

Die zahnlosen, ausgemergelten Baracken-Nachbarinnen von Ėleonora Josifovna Filonova waren gerade mal um die 20 Jahre alt. Ėleonora selber, die Tochter eines Partisanen, war von Bewohnern ihres Dorfs verraten worden. Es folgten das Gefängnis von Dresden, Königsberg, Auschwitz. „Wir waren rund 60 Gefangene, um uns herum standen andere, zu denen wir riefen: Mädchen, sagt bitte, die backen Tag und Nacht Brot, aber uns geben sie nichts. Wir hungern! Die anderen klärten uns auf: Das ist keine Bäckerei, hier wird kein Brot gebacken – hier werden Menschen verbrannt, lebendige und tote“, so ihre Erinnerungen.

Das Gefühl des Hungers, sagt Ėleonora Iosifovna, kriegst du nicht aus dem Kopf heraus. Es verkörpert dein Verhältnis zum Leben. Ėleonora Iosifovna zeigt eine Photo einer Mitgefangenen: „Hier liegt eine Kranke, die nur noch 25 Kilo wiegt. Ich war auch so eine“.

 

Zyklon B BOOKMARK PDF Drucken E-mail
Geschrieben von Forschungsgruppe Zyklon B Dessau   

Zyklon BHandelsname von Blausäure bzw. Cyanwasserstoff (HCN), war ein hochgiftiges Gas. Nur in chemisch reinem Zustand ist Blausäure als Flüssigkeit beständig. Der Siedepunkt liegt bei 25,7°C. Daher verdunstet Blausäure sehr rasch und geht in die gasförmige Phase über. Ihre Wirkung bei Lebewesen beruht auf der Hemmung oder Unterbindung der Sauerstoffversorgung der Zellen. Dadurch wird die Atmung zum Stillstand gebracht. Es genügen ca. 70 mg Blausäure, um einen erwachsenen Mann zu töten, d.h. ca. ein Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Bei der für Entwesungen üblichen Konzentration von 10g/m3 enthalten ungefähr 10 Atemzüge die tödliche Dosis. Erst zum Ende des 19. Jahrhunderts ist Blausäure, zunächst in flüssiger Form, als Schädlingsbekämpfungsmittel bekannt und benutzt worden. Das Vorgängerprodukt von Zyklon B war Zyklon A, ein flüssiges Blausäuremittel, das für Entwesungszwecke Verwendung gefunden hat. Sein Verschwinden aus der Begasungspraxis ist weniger auf seine technischen Mängel als auf die größere Wirtschaftlichkeit und die technischen Vorzüge des später eingeführten "Zyklon B" zurückzuführen. Die Herkunft des Namens "Zyklon B" lässt sich nicht mehr eindeutig feststellen. Einerseits stand er als Abkürzung für Zyklon-Blausäure, auf der anderen Seite könnte er auch nur die alphebethische Reihenfolge A, B, als Nachfolgeprodukt von Zyklon A kennzeichnen. Im nicht-deutschsprachigen Raum trifft man auch häufig auf die Bezeichnung Cyklon, Cyklon B, oder französisch "Làcide cyanhydrique" oder "Cyanure d` Hydrogene". Auf den Büchsenetiketten stand oft auch nur die Bezeichnung "Zyklon".

Zyklon BBei Zyklon B ist eine chemische Stabilisation durch Oxalsäure oder Chlorkohlensäuremethylester mit einer mechanischen Stabilisierung durch Aufsaugung in porösem Material (Erco) verbunden. Als Warn- oder Reizstoff wurde Bromessigsäuremethylester verwendet. Als Verpackung dienten Blechdosen durch Umbördeln der Böden und Deckel unter Einlage einer dünnen Gummidichtung abgedichtet. Die Verpackung in Dosen ermöglichte die Abfüllung von Einheiten zu je 100, 200, 500, 1000, 1200 und 1500 Gramm. Die Dosen hatten eine Wandstärke von 0,35 -0,42 mm und hielten je nach dem Durchmesser einen Innendruck von 6-10 atü aus. Sie konnten nach Gebrauch wiederverwendet werden. Es bestand keine Explosionsgefahr, da die eingesetzten Konzentrationen des Zyklon B zweihundert mal geringer waren, als die Konzentration zur Erzeugung eines hochexplosiven Gasgemisches hätte sein müssen.

Mit Zyklon B ermordeten die deutschen Faschisten (Nationalsozialisten, wie sie sich selbst bezeichneten) in den Konzentrationslagern in Auschwitz, Majdanek, Sachsenhausen, Ravensbrück, Stutthof, Mauthausen und Neuengamme in den Jahren 1941 - 1945 Millionen Menschen aus ganz Europa, Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, sowjetische Kriegsgefangene, politische und andere Verfolgte des Naziregimes Der Einsatz von Zyklon B zur Ermordung von Menschen testete die SS erstmals im Herbst 1941 in Auschwitz, als verschiedene Institutionen im Reich und den besetzten Gebieten nach einer Methode zur Ermordung der europäischen Juden suchten. Im September 1941 wurde im Lager Auschwitz 1 eine Gruppe sowjetischer Kriegsgefangener und anderer Häftlinge mit Zyklon B getötet. Von da an wurde in Auschwitz II Birkenau Zyklon B zur fabrikmäßigen Vergasung der aus allen Teilen des besetzten Europa deportierten Juden verwendet. Im Konzentrationslager Majdanek wurden Zyklon B und Kohlenmonoxyd zur Vergasung von Häftlingen eingesetzt, in geringerem Maße auch in den Konzentrationslagern Stutthof und Neuengamme. Im Gegensatz dazu erfolgten die Ermordungen in den Vernichtungslagern Chelmo, Belzec, Sobibor und Treblinka mittels Kohlenmonoxyd in Flaschen oder durch Motorenabgase.

Die Herstellung von Zyklon B und seine Lieferung an die Lager lagen in der Hand der 1919 gegründeten Degesch (Deutsche Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung mbH). Herstellungsbetriebe waren die Dessauer Werke für Zucker und Chemische Industrie (Dessauer Zuckerraffinerie), die Kaliwerke Kolin (ab 1935/36, heute in Tschechien) und im Gemeinschaftsunternehmen der deutschen Degussa und der französischen Ugine in Villers- Saint - Sepulcre. Der Hauptproduzent war in Dessau. 1930 trat die IG Farben in den Gesellschafterkreis der Degesch ein und war mit 30% an ihr beteiligt. Bis dahin galt die Degesch als 100%ige Tochterfirma der Degussa. Sitz der Degesch war in den Räumen der Degussa in Frankfurt am Main, später in Friedberg/Hessen. 1936 wurde ein neuer Vertrag abgeschlossen. Dementsprechend gehörte die Degesch zu 42,5% der IG Farben, zu 42,5% der Degussa und zu 15% dem Theo Goldschmidt Konzern. Der Firmenleitung von Degesch kann die Verwendung ihres Produkts Zyklon B nicht verborgen geblieben sein. Die SS beauftragte Mitte 1943 die Gesellschaft, den als Warnsignal vorgeschriebenen, besonderen Geruch des Gases, der vor der Gefährlichkeit der Substanz warnen sollte, zu beseitigen.

 

Opferzahlen des Holocaust BOOKMARK PDF Drucken E-mail
 
Länder (Grenzen 1937) geschätzte Zahl
Albanien 100
Belgien 28.500
Deutschland 165.000
Dänemark 116
Estland 1.000
Frankreich 75.000
Griechenland 59.000
Italien 7.000
Jugoslawien
(Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Mazedonien, Serbien, Slowenien)
65.000
Lettland 67.000
Litauen 160.000
Luxemburg 1.200
Niederlande 102.000
Norwegen 758
Österreich 65.500
Polen 3.000.000
Rumänien 350.000
Sowjetunion
(inkl. Weißrussland, Ukraine, Russland)
1.000.000
Tschechoslowakei 263.000
Ungarn 270.000
 
Geschätzte Gesamtzahl der ermordeten Juden 5.700.000

Zahlen basierend auf Forschungen von Dieter Pohl und Wolfgang Benz ". Pohl geht von einer Opferzahl von höchstens 5,7 Millionen ermordeter Juden aus, während andere Forscher eine Zahl von bis zu 6,1 Millionen für realistisch halten.

 

Adolf Hitler (1889-1945) BOOKMARK PDF Drucken E-mail
 

Deutscher Reichskanzler (von 1933 bis 1945) und Führer der NSDAP

Adolf HitlerKaum eine Persönlichkeit der Weltgeschichte hat eine so nachhaltige Wirkung in den Köpfen der Menschen hinterlassen wie der deutsche Diktaktor, der die Welt mit seiner unmenschlichen Ideologie in einen blutigen Krieg noch nie da gewesenen Ausmaßes stürzte. Heute, 60 Jahre nach seinem Tod, ist seine Person so aktuell wie nie zuvor. Jede Generation versucht aufs Neue, sein Handeln und seine Motive zu verstehen, die zum Holocaust und zum Zweitem Weltkrieg geführt haben. Ein Unterfangen, das kaum zu realisieren ist, das immerhin als Versuch gelten soll, aus der Geschichte zu lernen.

Hitlers Jugendjahre (1889-1918)

Adolf Hitler wurde am 20. April1889 als Sohn eines Zollbeamten in Braunau am Inn in Österreich geboren. Er wuchs in Braunau, Passau sowie in Linz und Umgebung auf. Zwei Jahre nach dem Tod seines Vaters brach er 1905 den Besuch der Realschule ohne Abschluß ab. Von 1905 bis 1907 lebte er ohne Ausbildung und ohne Ausübung eines Berufes mit finanzieller Unterstützung seiner Mutter in Linz. Im September 1907 ging Hitler nach Wien, um die Allgemeine Malschule an der Akademie der Bildenden Künste zu besuchen. Er scheiterte jedoch zweimal an der Aufnahmeprüfung. Auch in Wien führte er das Leben eines Bohemiens und bezeichnete sich als Schriftsteller und Kunstmaler. Im Gegensatz zu seinen Darstellungen in «Mein Kampf», mußte er sich nicht als Hilfsarbeiter verdingen. Er lebte nach dem Tod seiner Mutter im Dezember 1907 von einer Rente sowie von Zuwendungen von seiner Familie. Von 1908 bis 1913 wohnte er in Obdachlosen- und Männerwohnheimen. Während seiner Zeit in Wien kam Hitler mit extremen antisemitischen und nationalistischen Ideologien in Kontakt. Mit der Verinnerlichung dieses Gedankenguts wuchs seine Abneigung gegen Marxismus und Liberalismus. 1913 zog er nach München, um sich dem österreichischen Militärdienst zu entziehen, mußte jedoch zur Musterung zurückkehren, als er von den österreichischen Behörden in München aufgespürt worden war. Für untauglich erklärt, meldete er sich ein Jahr später freiwillig zur Front. Seit dem Beginn des 1. Weltkrieges diente er freiwillig bei dem bayerischen Reserve-Infanterie-Regiment 16 als Meldegänger. Sein militärischer Rang überstieg nie den eines Gefreiten, jedoch wurde er mit dem Eisernen Kreuz beider Klassen ausgezeichnet. Die Kriegserlebnisse prägten Hitler entscheidend. Die militärische Hierarchie sollte sich seinem Führungsprinzip wieder finden, die Erfahrung der Gemeinschaft in seiner Auffassung von der Volksgemeinschaft. Vom Abschluss des Waffenstillstandes erfuhr Hitler, vorübergehend durch Giftgas erblindet, im November1918 in einem Lazarett in Pommern. Einer weit verbreiteten Meinung folgend, verstand er die Kapitulation als Dolchstoß von Juden und Marxisten.

 

Der politische Aufstieg Hitlers

Nach Ende des Ersten Weltkriegs blieb Hitler zunächst in der Reichswehr, die ihn für die nationalistische Schulung der Soldaten und als politischen Informanten einsetzte. In dieser Funktion besuchte er im September 1919 die Versammlung der Deutschen Arbeiterpartei (DAP). Wenig später wurde er aufgenommen und entwickelte sich rasch zu ihrem Versammlungsredner und Propagandachef. Im Februar 1920 benannte sich die DAP in Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) um. Hitler wirkte fortan als Trommler der Partei und formte sie innerhalb kurzer Zeit zu seiner Parte, der Hitlerbewegung um. Auf Kundgebungen und Massenveranstaltungen agitierte er demagogisch geschickt gegen den Vertrag von Versailles und gegen die Weimarer Republik. Damit verschaffte er seiner Partei großen Zulauf. Am 29. Juli1921 wählte man ihn zum Vorsitzenden der NSDAP, und er erhielt diktatorische Vollmachten. Am 1./2. September 1923 gründete Hitler in Nürnberg zusammen mit dem General a. D., Erich Ludendorff, aus mehreren rechtsradikalen Gruppierungen den Deutschen Kampfbund. Mit diesem Bund unternahm Hitler am 8. November 1923 den Versuch, die Macht in Bayern zu erringen und durch einen Marsch auf Berlin die Reichsregierung zu stürzen. Die erhoffte Unterstützung durch die gleich gesinnte bayerische Regierung unter Ritter von Kahr blieb jedoch aus, und der Putsch wurde vor der Münchner Feldherrnhalle niedergeschlagen. NSDAP, SA und Völkischer Beobachter wurden verboten. Den Hochverratsprozess wegen dieses Vorfalls (vom 26. Februar bis am 1. April 1924) nutzte Hitler propagandistisch für sich und seine Partei. Das Urteil vom 1. April setzte lediglich fünf Jahre Festungshaft fest. Hitler wurde bereits am 20. Dezember 1924 aus der Festung Landsberg am Lech vorzeitig entlassen. Während seiner Haft verfasste Hitler den ersten Band von «Mein Kampf». In diesem sowie im Ende 1926 konzipierten zweiten Band formulierte Hitler seine zentralen Ziele und Überzeugungen: Antibolschewismus, Radikaler Antisemitismus sowie die Schaffung von Lebensraum im Osten. «Mein Kampf» erreichte bereits vor 1933 sehr hohe Auflagen. Die darin veröffentlichten Zielvorstellungen wurden jedoch allgemein stark unterschätzt. Am 26. Februar 1925 wurde die NSDAP wiederbegründet und Hitler übernahm die Führung. Er baute sukzessive seine Führungsposition in der Partei aus. Bei den Reichstagswahlen vom 14. September 1930 gewann die NSDAP 18,2 Prozent der Stimmen. Nur einen Tag nach der Wahl erklärte Hitler, dass ihm eines Tages die Macht von selbst zufallen werde, und zwar auf legalem Weg. Am 11. Oktober 1931 schlossen sich NSDAP, DNVP und weitere rechts gerichtete Gruppierungen zur Harzburger Front zusammen. Das Bündnis war zwar wegen vieler Differenzen zwischen den Parteiführern politisch kaum wirksam, machte aber Hitler für die Industrie interessant. Im März 1932 kandidierte Hitler bei den Reichspräsidentschaftswahlen, unterlag aber im ersten Wahlgang mit 30,23 Prozent der Stimmen, im zweiten Wahlgang mit 36,68 Prozent dem Amtsinhaber Paul von Hindenburg. Bei den Wahlen zum Reichstag am 31. Juli 1932 wurde die NSDAP nicht zuletzt aufgrund der Wirtschaftskrise mit 37,4 Prozent zur stärksten Fraktion. Eine Regierungsbeteiligung lehnte Hitler jedoch ab, da er selbst die Regierung übernehmen wollte. Bei den Wahlen vom 6. November 1932 verlor die NSDAP zwar über vier Prozent, blieb aber weiterhin stärkste Kraft. Am 30. Januar 1933 wurde Hitler, unterstützt vom ehemaligen Reichskanzler Franz von Papen, vom Reichspräsidenten zum Reichskanzler ernannt.

Hitler und das nationalsozialistische Regime

Der neuen Reichsregierung gehörten zunächst nur drei Nationalsozialisten an. Dies waren neben Hitler selbst Hermann Göring und Wilhelm Frick. Es gelang ihm innerhalb kurzer Zeit, eine Diktatur zu errichten. Erster Anlass dazu bot der Reichstagsbrand vom 27. Februar 1933. Das auf Hitlers Veranlassung vom Reichspräsidenten am 28. Februar erlassene Gesetz zum Schutz von Volk und Reich setzte auf Dauer die in der Weimarer Verfassung garantierten Grundrechte außer Kraft. Schon in der Nacht zum 28. Februar setzte eine große Verhaftungswelle ein, der Kommunisten, intellektuelle Linke, Sozialdemokraten und Anarchisten zum Opfer fielen. Das Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich vom 24. März 1933, das so genannte Ermächtigungsgesetz, schuf mit der Aufhebung der Gewaltenteilung die Grundlage für den Aufbau eines autoritären, auf Hitler ausgerichteten Herrschaftssystems. Zeitgleich richtete die SA die ersten Konzentrationslager zur Internierung politischer Feinde ein. Nach der Beseitigung der politischen Opposition schaltete Hitler im Rahmen des so genannten Röhm-Putsches am 30. Juni 1934 die innerparteiliche Opposition aus, als er mit Hilfe von SS und Reichswehr in einer blutigen Aktion Ernst Röhm und andere führende SA-Männer ermorden lies. Durch das Gesetz vom 3. Juli wurde die Aktion nachträglich als Staatsnotwehr für rechtmäßig erklärt. Die SA verlor damit ihren selbstständigen Status und die SS wurde Hitler direkt unterstellt. Nach dem Tod Hindenburgs wurde Hitler am 2. August 1934 auch Reichspräsident und wurde damit Führer und Reichskanzler. Die Wehrmacht wurde nun auf ihn und nicht mehr auf die Verfassung vereidigt.

Nach der erfolgten Gleichschaltung der Länder, Organisationen und Parteien konzentrierte sich Hitler auf Außen- und Rassenpolitik. Die Nürnberger Gesetze vom 15. September 1935 forderten auf zu Diskriminierung und Verfolgung der Juden, die in der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 erstmals eskalierten. In der Außenpolitik zielte Hitler zunächst auf eine Revision des Versailler Vertrags und damit auf Wiederherstellung der deutschen Machtposition in Europa. Sein erster Erfolg auf diesem Gebiet war nach einer Volksabstimmung im Januar 1935 die Rückkehr des Saarlandes zum Deutschen Reich. Es folgte die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht im Mai 1935 und eine massive Aufrüstung der Wehrmacht. Die militärische Besetzung des entmilitarisierten Rheinlandes am 7. März 1936 blieb ungestraft durch die Siegermächte des Ersten Weltkrieges.

Im Oktober 1936 trat der erste Vierjahresplan in Kraft mit dem Ziel, die Kriegsfähigkeit der deutschen Armee und Wirtschaft innerhalb von vier Jahren sicherzustellen. 1936 leistete Hitler Franco militärische Hilfe im Spanischen Bürgerkrieg. Ende 1936 erfolgte die Errichtung der Achse Berlin-Rom zwischen dem faschistischen Italien unter Benito Mussolini und dem nationalsozialistischen Deutschland. Vor hohen Wehrmachtsoffizieren formulierte Hitler am 5. November 1937 seine Risikopolitik und konkretisierte seine außenpolitischen Pläne, die alle auf die Schaffung von Lebensraum in Europa ausgerichtet waren. Erstes Ziel sollte der Anschluß Österreichs und die Niederwerfung der Tschechoslowakei sein. Mit dieser Planung provozierte Hitler jedoch den Widerspruch des Reichskriegsministers Werner von Blomberg und des Oberbefehlshabers des Heeres, Werner von Fritsch. Unter konstruierten Umständen wurden beide Anfang 1938 im Zuge der Blomberg-Fritsch-Krise entlassen. Um seine Macht auf die Wehrmacht auszudehnen, übernahm Hitler am 4. Februar 1938 selbst als Chef des neu geschaffenen Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) den Oberbefehl. Begünstigt wurde seine aggressive Außenpolitik durch die Appeasement Politik der europäischen Mächte, allen voran Großbritannien. So gelang ungehindert am 12. März 1938 der Anschluss Österreichs, und am 29. September 1938 mit dem Münchner Abkommen die Abtretung des Sudetenlandes an Deutschland.

Als Hitler am 15. März 1939, unter Bruch des Münchner Abkommens, Böhmen und Mähren besetzen und zum Reichsprotektorat erklären liess, war er damit für jeden sichtbar zu einer imperialistischen Expansionspolitik übergegangen. Zur deren Absicherung schloss er am 22. Mai1939 mit Mussolini ein Militärbündnis, den Stahlpakt, und am 23. August 1939 überraschend einen Nichtangriffspakt mit Stalin. Das darin enthaltene geheime Zusatzabkommen teilte Ost- und Mitteleuropa in ein deutsches und ein sowjetisches Interessengebiet. Der Angriff auf Polen am 1. September 1939 löste schließlich den 2.Weltkrieg aus, als dessen Ziel Hitler die Schaffung von Lebensraum im Osten sowie die Lösung der Judenfrage in Europa erklärte. Schon am 31. Januar 1939 hatte Hitler in einer Reichstagsrede die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa im Rahmen eines Weltkrieges angekündigt, ebenso wie in dem von ihm stark geprägten, antisemitischen Propagandafilm «Der Ewige Jude».

Der Zweite Weltkrieg

Mit den erfolgreichen so genannten Blitzkriegen gegen Polen (1. September 1939), Dänemark und Norwegen (9. April 1940) sowie die Niederlande, Belgien und Frankreich (10. Mai 1940), zog Hitler die deutschen Militärs auf seine Seite. Im Zuge der Vorbereitung des Angriffs auf die Sowjetunion erließ er am 13. März 1941 eine OKW-Weisung zur Aufstellung von Einsatzgruppen und am 6. Juni 1941 den so genannten Kommissar-Befehl zur Behandlung der politischen Kommissare der Roten Armee. In beiden Befehlen zeigen sich die Ziele Hitlers: Die Führung eines rassischen und ideologischen Vernichtungskrieges. Ohne Widerspruch seitens der Militärs erfolgte am 22. Juni 1941 der Angriff auf die Sowjetunion. SS-Einsatzgruppen begannen gleich darauf in den besetzten Gebieten mit der systematischen Vernichtung der Juden, Sinti und Roma und anderer rassisch und politisch Unerwünschter. Als der deutsche Vorstoß im Spätherbst sich verlangsamte, übernahm Hitler am 19. Dezember 1941 selbst den Oberbefehl über das Heer und bestimmte nun immer mehr selbst die einzelnen militärischen Operationen. Nach dem japanischen Überfall auf Pearl Harbor erklärte das Deutsche Reich, seit 1940 mit Japan im Dreimächtepakt verbündet, am 11. Dezember 1941 den USA den Krieg. Hitler versuchte mit diesem Schritt eine Niederlage Japans und eine Konzentration der US-amerikanischen Kriegsführung auf Deutschland zu verhindern, um die Sowjetunion doch noch zu schlagen: eine Wahnvorstellung. Ab Ende 1942, Anfang 1943 begann sich eine deutsche Niederlage immer deutlicher abzuzeichnen. Die Niederlage bei Stalingrad im Februar1943 markierte den Wendepunkt des Ostkrieges. Dennoch ließ er den Krieg und den industriellen Mord an den Juden weiterführen. 20. Juli1944 scheiterte ein Attentat, das militärische Widerstandsgruppen organisiert hatten, und der innenpolitische Terror intensivierte sich nochmals. Als das Ende seines tausendjährigen Reiches abzusehen war, ordnete er am 19. März 1945 mit dem Nero-Befehl die Zerstörung aller lebenswichtigen Produktionsanlagen an, da nach seiner Auffassung das deutsche Volk gescheitert war und damit sein Existenzrecht verwirkt hatte.

Am 29. April 1945 ernannte Hitler Admiral Karl Dönitz als Nachfolger und verfasste sein politisches Testament. Er betonte darin die Notwendigkeit der Vernichtung der europäischen Juden. Am 30. April nahm er sich zusammen mit seiner Frau Eva Braun im Führerbunker der Reichskanzlei in Berlin das Leben.

 

Anne Frank (1929-1945) BOOKMARK PDF Drucken E-mail
  

Ein kurzes, tragisches Leben wird zur Weltliteratur

Anne FrankWer kennt es nicht, das Tagebuch der Anne Frank? Wer hat nicht voller Ergriffenheit, Trauer und Wut Anteil genommen an ihrem Schicksal, an ihrer ersten Liebe, an ihrem frühen und sinnlosen Tod? Ihre Niederschrift dokumentiert auf einzigartige Weise das jenseits aller Vorstellungskraft liegende Leid, welches die Nationalsozialisten über die Juden gebracht haben. Dieses Selbstzeugnis ist neben den Tagebüchern Victor Klemperers das wichtigste Zeitdokument, das wir aus dieser Zeit kennen. Es ist ein erschütterndes Symbol für den Genozid an den Juden in Deutschland.

 

Anne Frank - Ihr Leben

Geboren wird Anne (Annelies Marie) Frank am 12. Juni 1929 in Frankfurt am Main als zweites Kind der jüdischen Eheleute Edith Frank-Holländer und Otto Frank. Ihnen war bereits 1926 die Tochter Margot geboren worden. Bis zum Jahr 1933 lebt sie dort ein normales Leben, was sich nach der Machtübernahme der Nazis aber ändern soll. Da ihres Bleibens in Deutschland nicht mehr länger sein kann, flüchtet die Familie aus Deutschland. Der Vater geht, wenige Monate später gefolgt von seiner Ehefrau, als erster in die Niederlande. Anne und Ihre Schwester Margot bleiben zunächst bei der Großmutter in Aachen. In den neutralen Niederlanden, genauer in Amsterdam, finden sie Zuflucht Bis zu Ihrem elften Lebensjahr wächst sie dort sicher und unbeschwert auf. Ab dem Jahre 1940 brechen schwere Zeiten für die Familie Frank an. Diese beginnen mit dem Angriff der Wehrmacht auf die Niederlande am 10. Mai 1940. Durch die zahlreichen Gesetze wird das Leben für die jüdischen Bürgerinnen und Bürger zunehmend erschwert. Am 6. Juli versteckt sich die Familie Frank in einem Hinterhaus in Amsterdam. Durch die Besetzung war es ihnen unmöglich geworden, dass Land zu verlassen. Das Haus liegt an der Prinsengracht 263, dem Geschäftshaus, in welchem Annes Vater arbeitet. Ausser der Familie Frank verstecken sich noch vier weitere Personen in diesem Haus. Dabei handelt es sich um Hermann van Pels, Auguste van Pels und Peter van Pels, die im Tagebuch den Nachnamen van Daan tragen. Auguste van Pels bekommt den Vornamen Petronella. Dazu kommt ferner Fritz Pfeffer, der im Tagebuch Albert Dussel heißt. Getarnt wird die Eingangstür zur Wohnung durch ein drehbares Bücherregal. Anne beginnt mit intensiven Aufzeichnungen, die sowohl das Leben in diesem Versteck wiedergeben, als auch tagespolitische Ereignisse. Im Mai 1944 beginnt sie mit der Reinschrift ihres Tagebuches, um es nach Ende des Krieges veröffentlichen zu können. Das "Tagebuch der Anne Frank" endet mit dem letzten Eintrag am 1. August 1944. Am 4. August hält am frühen Vormittag ein Fahrzeug mit SS-Oberscharführer Silberhauer und drei Helfern der "Grünen Polizei" vor dem Haus. Alle acht Versteckten werden verhaftet, auch die beiden Helfer Viktor Kugler und Johannes Kleimann. Die jüdischen Gefangenen kommen in die Konzentrationslager im Osten. Am 3. September werden sie nach Auschwitz deportiert. Anne und ihre Schwester Margot kommen schliesslich nach Bergen-Belsen. Dort stirbt Anne Frank Ende Februar / Anfang März 1945, wenige Wochen vor der Befreiung des KZ, an Typhus. Ihr Todestag ist unbekannt.

 

Das Tagebuch der Anne Frank

Anne Franks Aufzeichnungen werden im Hinterhaus durch Mitarbeiter der dort ansässigen Firma gefunden. Otto Frank, Annes Vater der als einziger die Deportation überlebt hat, publiziert sie im Jahre 1947. Anne schildert hier sowohl das Leben im Versteck, als auch tagesaktuelle Ereignisse. "Kitty" wird für sie eine Art Freundin, der sie offen auch sehr private Dinge erzählt. Ihre heimliche Liebe zu Peter van Pels gehört vielleicht zu den bewegendsten Abschnitten des Buches. Auch die Beziehung zu den Eltern wird thematisiert. Ihr Vater wird für sie zu einer großen Stütze im Alltag, der aufgrund der Enge des Hauses und der Vielzahl der Personen nicht konfliktfrei verläuft. Ihr Verhältnis zu den übrigen Erwachsenen ist schwierig. So glaubt Anne, von allen bevormundet zu werden. Wie unterschiedlich die Beziehungen zu den Eltern sind und wie differenziert und negativ sie das Verhältnis zur Mutter sieht, zeigt der Eintrag vom 3. Oktober 1942. […] Gestern gab es wieder einen Zusamenstoß, und Mutter hat sich schrecklich aufgespielt. Sie hat Papa all meine Sünden erzählt und heftig angefangen zu weinen. Ich natürlich auch, und ich hatte sowieso schon schreckliche Kopfschmerzen. Ich habe Papi endlich gesagt, daß ich "ihn" viel lieber habe als Mutter. Daraufhin hat er gesagt, daß das schon wieder vorbeigehen würde, aber das glaube ich nicht. Mutter kann ich nun mal nicht ausstehen, und ich muß mich mit Gewalt zwingen, sie nicht anzuschnauzen und ruhig zu bleiben. Ich könnte ihr glatt ins Gesicht schlagen. Ich weiß nicht, wie es kommt, daß ich eine so schreckliche Abneigung gegen sie habe. […] Ich kann mir auch gut vorstellen, daß Mutter mal stirbt. Aber wenn Papa stirbt, das könnte ich, glaube ich, nicht aushalten. […] 1

Auch die äusseren Lebensumstände sind schwierig. Das Essen wird zunehmend schlechter, sogar Mahlzeiten müssen eingespart werden. Die Tagesabläufe werden zur Routine.Alles das geht zu Lasten der Stimmung im Hause. Dazu kommen auch Zustände der Angst. Alle Bewohner müssen sich so verhalten, dass sie für Nachbarn und Arbeiter des Betriebes unsichtbar bleiben. Lärmverursachende Tätigkeiten dürfen nur zu bestimmten Tageszeiten vorgenommen werden. Das Donnern von Kanonen und Bomben verursacht zusätzlich Angstzustände. Unter diesen schwierigen Lebensumständen schafft Anne Frank in jugendlichem Alter ein Zeitzeugnis, das seines Gleichen sucht.

 

Nachwort

Das Tagebuch der Anne Frank war lange Zeit nicht unumstritten. So wurde nicht selten an der Echtheit des Dokuments gezweifelt. Erst im Jahre 2001 erschien eine vollständige Ausgabe mit Teilen des Originalmanuskripts, die der Vater, Otto Frank, aus Diskretion zurückgehalten hatte. Hierbei handelte es sich um Details aus Annes Intimsphäre und um Schilderungen, die den Charakter von Annes Mutter betreffen. Die publizierenden Verlage nahmen vor der Veröffentlichung grammatikalische und stilistische Veränderungen am Manuskript vor. Somit erschien der Text in einer Weise verfremdet, dass dem Leser Zweifel an der Authentizität kommen mussten, da er reifer erschien, als von einem Mädchen in diesem Alter zu erwarten ist. Die zahlreichen Übersetzungen taten ein Übriges. Trotz allem ist und bleibt das Tagebuch der Anne Frank ein Werk von nahezu einzigartiger Relevanz. Ein junges Mädchen hatte ein Zeitzeugnis geschaffen, mit dem sich heute nur noch die Tagebücher des Viktor Klemperer vergleichen können.



Kostenlose Homepage von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!