So weit deine Selbstbeherrschung geht, so weit geht deine Freiheit.
-Marie von Ebner- Eschenbach -

Ich dulde im Allgemeinen so ziemlich jede Meinung, aber die Meinung der Nationalsozialisten bzw. der jetzigen Rechtsradikalen (Nazis) will und kann ich weder tolerieren geschweige denn vertreten. Ich möchte hier etwas über den grausamen Völkermord an den Juden berichten, sowie einige Definitionen einfügen. Am Ende der Seite werde ich eine Liste mit empfehlenswerter Literatur zu diesem Thema erstellen.
Nationalsozialismus oder Nazismus bezeichnet die Weltanschauung, die das Denken und Handeln der Machthaber in Deutschland zur Zeit des Nationalsozialismus in den Jahren 1933-1945 bestimmte. Es war ihre eigene propagandistisch motivierte Bezeichnung, die später in der Bundesrepublik übernommen wurde; in der DDR wurde dafür die Bezeichnung Faschismus und Hitlerfaschismus verwendet. Die Bezeichnung "Nationalsozialismus" sollte eine Nähe zum Sozialismus suggerieren. Die Partei der deutschen Faschisten/Nationalsozialisten war die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei.
1 -->Es ist strittig, inwieweit es eine geschlossene nationalsozialistische Ideologie gab. Überliefert ist die Aussage Hans Franks aus den Nürnberger Prozessen, dass es "soviele Nationalsozialismen wie Nationalsozialisten" gegeben habe. Die Frage muss letztlich offen bleiben, weil man nicht sagen kann, inwieweit der Nationalsozialismus als Ideologie seinen "Führer" überdauert hätte. Es lassen sich aber einige Hauptmerkmale benennen:
Der Antisemitismus speiste sich aus verschiedenen, teilweise widersprüchlichen, Richtungen. So wurden Juden als Sündenböcke pauschal für Missstände wie Massenarbeitslosigkeit, Verstädterung, Abwanderung der Landbevölkerung in die Städte, Zersiedelung der Landschaft u.s.w. verantwortlich gemacht. Sie wurden auch als Hintermänner von Marxismus und Kapitalismus dargestellt und als "zersetzend" und einer "minderwertigen Rasse angehörend" gebrandmarkt.
Der Begriff der Rasse war ein zentraler Begriff nationalsozialistischer Weltanschauung. Er postulierte die Überlegenheit einer arischen Rasse über andere, wobei "Arier" fälschlicherweise mit Indogermane gleichgesetzt wurde. Diese sollten vor dem schädlichen Einfluss, den die Nationalsozialisten in der Vermischung mit anderen "Rassen" sahen, bewahrt werden. Das eigentliche wichtige für die Nationalsozialisten war die "Reinheit des Blutes". Damit rechtfertigten die Nationalsozialisten die "Arisierung" des Dritten Reiches, z.B. die in den Nürnberger Gesetzen erlassenen Heiratsverbote von Deutschen mit "überwiegenden anderer Rasse zugehörigen" Partnern. Die Sterilisierung von geistig Behinderten und von Schwerverbrechern sollte verhindern, dass sich "krankes" Erbgut weitervererben konnte. - Parallel dazu sollte die Aufrüstung betrieben werden, zuerst geheim, dann offen. Sobald die Wehrmacht stark genug sein würde, wollten Hitler und andere hohe Nazi-Führer gezielt Angriffskriege einfädeln, die als Improvisation getarnt waren. Dabei sollte ein Land nach dem anderen isoliert und einzeln "niedergekämpft" werden. Das Endziel war die Eroberung und gnadenlose Ausbeutung des kontinentalen Festlands, Großbritanniens und der Sowjetunion bis zur Linie Archangelsk - Uralgebirge - Kaukasus und die Besiedelung dieser Gebiete durch die "Herrenrasse". Den eigenen historischen Anspruch an besetzten Gebieten versuchte man auf verwalterischem Wege zu erreichen, indem volkszählungsähnliche Volkslisten zur gezielten Vertreibung unerwünschter Bevölkerungsgruppen herangezogen wurden.
2 -->In Deutschland verpasste Hitler mit der NSDAP bei den Reichstagswahlen Anfang 1933 nur knapp die absolute Mehrheit, infolgedessen schloss er vorerst einen Pakt mit dem Zentrum und der DNVP. Hitler wurde als Vorsitzender der stärksten Partei des Reichstags Reichskanzler. Obwohl die Nazis diesen Tag (30. Januar 1933) als Tag der "Machtergreifung" propagandierten, war es doch vorerst nur ein ganz normaler Regierungswechsel. Dann jedoch inzenierten die Nazis den "Reichstagsbrand" und gaben die Schuld dafür der KPD. Infolge dessen wurden die Grundrechte durch eine Notverordnung des Reichspräsidenten Hindenburg nach §48 außer Kraft gesetzt. Dadurch konnten die Nazis ohne Probleme ihre politischen Gegner, die Linken, ausschalten. Die totale Macht erlangten die Nazis aber erst durch das Ermächtigungsgesetz, für das sie eine Zwei-Drittel-Mehrheit benötigten, die sie durch das Verbot der KPD und einen Pakt mit dem Zentrum erlangten. Außerdem zählten sie die Stimmen der unentschuldigt abwesenden Abgeordneten, die größtenteils in Konzentrationslagern festgehalten oder durch andere Maßnahmen der SA/SS von der Abstimmung ferngehalten wurden. Durch dieses Gesetz nahm der Reichstag sich selbst die Macht, indem er die Trennung von Exekutive und Legislative aufhob und sich damit selbst überflüssig machte.
3 -->Die wesentliche Elemente der NS-Ideologie wurden von Adolf Hitler in seinem Buch Mein Kampf niedergeschrieben. Das Buch galt als Grundlage aller anderen Schriften des Nationalsozialismus. Als bedeutender Ideologe wird daneben Alfred Rosenberg angesehen, der mit seinem Buch "Mythus des zwanzigsten Jahrhunderts" eine sehr weite Verbreitung seiner Gedanken erreichen konnte. Der "Mythus" Rosenbergs wurde zusammen mit Hitlers "Mein Kampf" in den Grundstein der riesigen Kongresshalle in Nürnberg eingemauert, um die Grundlagen des Nationalsozialismus für die Zukunft zu bewahren. Gleichwohl wurde Rosenbergs Buch sogar von führenden NS-Politikern nicht sehr ernst genommen. Besonders Goebbels soll über Rosenberg immer wieder gespottet haben.
Eine eigene Weiterentwicklung der nationalsozialistischen Ideologie nahm Heinrich Himmler vor. Die bereits bei Rosenberg vorhandenen Bezugspunkte zu Indien wurden in den SS-Einrichtungen wie den "Ordensburgen" (die Himmler als Elite des Systems verstand) ausgebaut. Esoterische Lehren mit deutlichen östlichen Einflüssen, die sich in der SS entwickelten, haben das Kriegsende überdauert und leben - meist als unpolitische religionsähnliche Lehren - bis heute fort. Himmler nahm auch eine Europäisierung vor. Bekannt sind vor allem die Freiwilligen-Einheiten der "Europäischen SS" aus vielen Ländern, jedoch gab es auch Konzepte für einen europäischen Wirtschaftsraum.
Häufig nahm der Nationalsozialismus religiöse Züge an. Auf den Reichsparteitagen wurde der Nationalsozialismus geradezu zelebriert, was durch den Film "Triumph des Willens" der Regisseurin Leni Riefenstahl besonders herausgearbeitet und verstärkt wurde. Das Verhältnis des Nationalsozialismus zur christlichen Religion war daher auch zwiespältig. Einerseits gab es den Versuch, mit einem "Deutschen Christentum" die Religion für den Nationalsozialismus einzuspannen. Andererseits aber gab es antichristliche Elemente bei Rosenberg und eine völlige Abwendung vom Christentum durch die Himmlersche Bezugnahme auf Buddha und vorbuddhistische indische Schriften. Die Haltung der Religionen und derer Vertreter während des NS-Regimes muss differenziert gesehen werden (siehe hierzu Religion während des Nationalsozialismus).
4 -->
"Holocaust" ist die gebräuchliche Bezeichnung für die Massenvernichtung von Juden durch das nationalsozialistische Regime im 2. Weltkrieg. Der Begriff Holocaust stammt vom griech.-lat. Wort "holocaustum" ab und bedeutet "ganz verbrannt", "Brandopfer". Das Brand- oder Sühneopfer musste völlig verbrannt werden, da von diesem, z.B. bei den Israeliten, nichts gegessen werden durfte.
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| Propagandaplakat von 1936 zur Wegbereitung der Euthanasie. |
Der Begriff „Euthanasie“ ist bereits in der griechisch-römischen Antike zu finden. Er bezeichnete damals einen „guten“, schmerzlosen, schnellen Tod, der ohne jegliches Einwirken z.B. eines Arztes oder anderer Personen eintritt.
Die ideologischen Hintergründe des neuzeitlichen Vernichtungsgedankens sind im sozialdarwinistischen Denkmodell (Charles Darwin, 1859: Die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl) zu suchen. Gesellschaftstheoretiker übertrugen den Sozialdarwinismus und dessen Lehre von der natürlichen Auslese ("persuit of the fittest"), die so genannte „Selektionstheorie“, auf die Entwicklung von Gesellschaften. Damit war durch den Sozialdarwinismus in den Augen der Nationalsozialisten im Dritten Reich eine Rechtfertigung für die Ideologie und des Tötens von „Schwächeren“ und von als minderwertig bezeichneten Menschen gegeben.
Die Einordnung von Menschen nach rassischen Kriterien existierte schon lange. Die Nationalsozialisten übernahmen diese im Zusammenhang mit dem Sozialdarwinismus als fertige Ideologie, aus der das Bild des "arischen Mensch" als Vorbild geschaffen wurde. Im Zusammenhang mit dem Antisemitismus wurde das z.B. in den Nürnberger Gesetzen genauer definiert und instrumentalisiert.
Mit seinem „Euthanasiebefehl“ vom Oktober 1939 (geheime Anordnung vom 1.9.39) ermächtigte Adolf Hitler die Tötung so genannten „lebensunwerten Lebens". Mit ihm begann die erste systematische Vernichtung von Menschen im Dritten Reich. Verschleiert wurde die Aktion durch den von Hitler in seinem Ermächtigungsschreiben verwendeten Begriff „Gnadentod". Als „lebensunwert" galten nach seiner Definition vor allem missgebildete Kinder und an Geistes- und Erbkrankheiten oder Syphilis leidende Erwachsene, insbesondere wenn sie entsprechend der nationalsozialistischen Rassenkunde einer „minderwertigen Rasse" angehörten. Hitler radikalisierte damit einen Standpunkt, der in Menschen, die für Staat und Wirtschaft nicht nützlich sind, nur noch eine Belastung sieht. Man setzte dies mit lebensunwertem Leben gleich und organisierte dessen systematische Vernichtung.
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| Karl Brandt |
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| Philipp Bouhler |
| Anstalt | Ort | Bundesland (heute) | Zeitraum |
|---|---|---|---|
| Grafeneck | Gomadingen | Baden-Württemberg | 20. 1.1940 - Dezember 1940 |
| Brandenburg | Brandenburg | Brandenburg | 8. 2.1940 - Oktober 1940 |
| Hartheim | Alkoven (bei Linz) | Oberösterreich | 6. 5. 1940 - Dezember 1944 |
| Sonnenstein | Pirna | Sachsen | Juni 1940 - September 1942 |
| Bernburg | Bernburg | Sachsen-Anhalt | 21. 9. 1940 - 30. 7. 1943 |
| Hadamar | Hadamar | Hessen | Januar 1941 - 31. 7. 1942 |
In den von Deutschland annektierten Gebieten Nord- und Westpolens (Reichsgaue Danzig-Westpreußen und Wartheland) gab es weitere Tötungsanstalten, die aber zunächst nicht der T4 unterstanden.
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| Tiergartenstrasse 4 in Berlin. |
Das Personal der „Aktion T 4" wechselte zum großen Teil als Spezialisten für Massentötungen in die Vernichtungslager in Osteuropa. Den Zusammenhang zwischen Euthanasie und Krieg um „Lebensraum" verdeutlicht Hitlers symbolische Rückdatierung des Euthanasiebefehls auf den 1. September 1939, den Tag des Angriffs auf Polen.
Eine erhalten gebliebene interne T4-Statistik überliefert die genauen Zahlen der in den sechs "Anstalten" 1940 und 1941 bis zum 1. September 1941 "desinfizierten" (vergasten) Menschen:
| Anstalt | 1940 | 1941 | Summe |
|---|---|---|---|
| A (Grafeneck) | 9.839 | - | 9.839 |
| B (Brandenburg) | 9.772 | - | 9.772 |
| Be (Bernburg) | - | 8.601 | 8.601 |
| C (Linz) | 9.670 | 8.599 | 18.269 |
| D (Sonnenstein) | 5.943 | 7.777 | 13.720 |
| E (Hadamar) | - | 10.072 | 10.072 |
| 35.224 | 35.049 | 70.273 | |
| Quelle: Hartheimer Statistik, gedr. in: Ernst Klee, Dokumente, Dok. 87, S. 232 | |||
Diese Zahlen spiegeln jedoch nur einen Teil des Verbrechens wider. Im Ärzte-Prozess von Nürnberg (1947) ging die Anklage insg. von 275000 Getöteten aus (inkl. umgebrachter psychisch Kranker während des Luftkriegs zum Freimachen von Betten und der Ermordung von Behinderten in den besetzten Ostgebieten).
Der Höhepunkt antisemitisch bedingter Verfolgungen wurde in den Jahren 1933-1945 unter der Herrschaft der Nationalsozialisten erreicht. Hitler und die NSDAP propagierten den rassistischen Antisemitismus. Das nationalsozialistische Weltbild ist geprägt durch Vorstellung des angeblich ständigen Kampfes zwischen der "hochwertigen" Rasse, den Ariern, und der "minderwertigen" Rasse, den Juden weg. Durch Vermischung mit den Juden werde die germanische Rasse verdorben und sei auf lange Sicht zum Untergang verurteilt. "Die Juden sind unser Unglück" lautete eine von den Nazis verbreitete Parole. Ziel der nationalsozialistischen Politik war es deshalb, die "Reinheit des deutschen Blutes" zu bewahren bzw. wiederherzustellen. Bei der deutschen Bevölkerung, in der viele Menschen antisemitisch und nationalistisch dachten und fühlten, fanden die Nazis damit breite Zustimmung. Die Feindschaft gegen das Judentum gehörte von Anfang an zum Parteiprogramm der Nationalsozialisten.
Nach der Machtergreifung im Jahre 1933 wurden sofort antijüdische Maßnahmen durch die Nazis eingeleitet, weg ständig verschärft und ausgeweitet.
1933: Boykott aller jüdischen Geschäfte in Deutschland durch die SA. Die Aktionen richteten sich auch gegen jüdische Rechtsanwälte und Ärzte sowie gegen den Besuch von Schulen und Universitäten durch Juden. Jüdische Beamte wurden aus den Ämtern entfernt, Künstler und Schriftsteller und Schriftleiter bei den Zeitungen erhielten praktisch Berufsverbot.
1935: Die "Nürnberger Gesetze" werden beschlossen und in Kraft gesetzt. Darin heißt es:
1937: Beginn der "Arisierung" der Wirtschaft. Die jüdischen Besitzer von Unternehmen und Geschäften werden gezwungen, ihren Besitz meist weit unter Wert an Deutsche zu verkaufen. Viele deutsche Geschäftsleute bereichern sich an jüdischem Eigentum.
1938: Einweisung aller so genannten vorbestraften Juden in Konzentrationslager. Die jüdischen Ärzte verlieren ihre Approbation. Sie dürfen nur noch als "Krankenbehandler" für Juden tätig sein. Juden müssen ihrem offiziellen Namen die Vornamen "Israel" oder Sara" hinzufügen. "Reichskristallnacht" am 9./10. 11.: Zerstörung von Synagogen, Geschäften und Wohnhäusern der Juden. Verhaftung von über 26000 männlichen Juden und Einweisung in die Konzentrationslager Dachau, Buchenwald und Sachsenhausen. Mindestens 91 Juden werden getötet.
Juden dürfen keine Kinos, Theater und Konzerte mehr besuchen.
1939: Hitler kündigt vor dem Reichstag im Falle eines Krieges die Vernichtung der jüdischen Bevölkerung in Europa an. Deutscher Angriff auf Polen am 1.9., Beginn des Zweiten Weltkriegs. Beginn der Judenverfolgungen und -vernichtungen in allen von deutschen Truppen eroberten Gebieten: in Polen, Rumänien, in Estland, Lettland und Litauen und in der Sowjetunion.
1941: Einführung des Judensterns. Juden über sechs Jahren ist es verboten, sich in der Öffentlichkeit ohne den gelben Judenstern zu zeigen. Juden dürfen ihren Wohnbezirk ohne Genehmigung der Polizei nicht verlassen.
1942: Verbot der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel durch Juden. Weitere Einschränkungen im Laufe des Krieges: Es war Juden verboten, Fernsprecher zu benutzen, Zeitungen zu beziehen, sich auf Bahnhöfen und in Gaststätten aufzuhalten. Radios, andere elektrische und optische Geräte mussten abgeliefert werden. Juden erhielten keine Fleischkarten, keine Kleiderkarten, keine Milchkarten, keine Raucherkarten, kein Weißbrot, kein Obst, keine Obstkonserven, keine Süßwaren.
10/43: Auswanderungsverbot
Nach der Machtergreifung im Jahr 1933 begannen die Nationalsozialisten, die jüdische deutsche Bevölkerung durch gesetzliche Verordnungen und Willkürmaßnahmen zu verfolgen und zu terrorisieren. Auf der so genannten "Wannseekonferenz" am 20.1.1942 beschlossen die Nazis die Deportation und Ausrottung des gesamten europäischen Judentums. Hitler machte damit wahr, was er schon lange als seine Absicht angekündigt hatte und was eigentlich jeder in Deutschland voraussehen konnte, sofern er es sehen wollte. Adolf Eichmann wurde mit der Organisation der "Endlösung" beauftragt.
1942-45: Beginn der Massenvernichtungen in Auschwitz und anderen großen Vernichtungslagern wie Maidanek, Sobibor, Treblinka. In diese (von den Konzentrationslagern zu unterscheidenden) Lager wurden die Menschen jüdischer Herkunft aus dem ganzen Machtbereich des "Dritten Reiches" nach und nach deportiert, sofern sie nicht schon den Erschießungskommandos der SS-Einsatzgruppen in den eroberten russischen Gebieten zum Opfer gefallen waren. Die absolut genaue Zahl der Opfer lässt sich nicht mehr feststellen. Doch wurden insgesamt wohl in den Jahren 1942 bis 1945 ca. sechs Millionen Juden aus ganz Europa getötet, wie in den NS-Prozessen der Nachkriegszeit festgestellt wurde.
Dazu die Aussage des KZ-Kommandanten Rudolf Höß: "... Ich befehligte Auschwitz bis zum 1. 12.1943 und schätze, daß mindestens 2,5 Millionen Opfer durch Vergasung und Verbrennen hingerichtet und ausgerottet wurden; mindestens eine weitere halbe Million starben durch Hunger und Krankheit, was eine Gesamtzahl von ungefähr 3 Millionen Toten ausmacht. Unter den hingerichteten und verbrannten Personen befanden sich ungefähr 20.000 russische Kriegsgefangene. Der Rest umfaßte ungefähr 100.000 deutsche Juden und eine große Anzahl von Einwohnern aus Holland, Frankreich, Belgien, Ungarn, Griechenland und anderen Ländern." Zwei Drittel der in Europa lebenden Juden fielen dem Holocaust zum Opfer. An den Folgen dieser Vernichtungsaktion leiden nicht nur die Überlebenden der Vernichtungslager, die die eintätowierte Lager-Nummer zeitlebens mit sich herumtragen. Sehr viele der heute lebenden Juden, deren Familien aus Europa stammen, haben nahe Angehörige unter den Opfern.
Der Holocaust war in Deutschland auch deshalb möglich, weil die überwiegende Mehrheit der deutschen Bevölkerung Hitlers "strengem Vorgehen" gegen die Juden zunächst positiv gegenüber stand und es billigte. Die Kirchen blieben stumm, ja sie übernahmen z.T. die Nazi-Rassegesetze und belegten Pfarrer jüdischer Herkunft mit Berufsverbot. Diese Sympathie gegenüber dem judenfeindlichen Gedankengut der Nazis bedeutet nicht, dass die Deutschen in ihrer Mehrheit auch die entsetzliche Vernichtungsaktion gebilligt hätten. Als man das Ausmaß und die Umstände des Holocaust nach und nach erkannte, war es für Protestaktionen längst zu spät. Sich für das Schicksal der Juden zu interessieren oder ihnen gar zu helfen, war lebensgefährlich. Nur einzelne wie z.B. Oskar Schindler oder Raoul Wallenberg fanden dazu den Mut und die Möglichkeit, unter Einsatz ihres Lebens.
Als nach Kriegsende die Wahrheit über den Holocaust immer deutlicher wurde, berief man sich weitgehend auf angebliche Unwissenheit, um die Mitverantwortung von sich wegzuschieben. Bis heute finden in der deutschen Bevölkerung auch diejenigen noch Gehör, die behaupten, so schlimm könne alles doch nicht gewesen sein und dass es eine Lüge sei zu behaupten, 6 Millionen Juden umgekommen seien (so genannte Auschwitz-Lüge).
Die Evangelische Kirche hat am 30. 10.1945 die "Stuttgarter Schulderklärung" veröffentlicht, in der sie sich zu ihrer Mitverantwortung an den Vorgängen im "Dritten Reich" bekennt. In diesem Schuldbekenntnis heißt es: „... Durch uns ist unendliches Leid über viele Völker und Länder gebracht worden. ... Wir klagen uns an, daß wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben." An diesem Bekenntnis wird jedoch kritisiert, dass es nicht konkret die Mitschuld an den Nazi-Verbrechen nennt und mit keinem Wort auf den Holocaust eingeht. Von vielen Christen in der Evangelischen Kirche wurde auch dieses vage formulierte Schuldbekenntnis als zu weit gehend abgelehnt.
In den westlichen Demokratien hat das abschreckende Beispiel der nationalsozialistischen Politik der Judenvernichtung dazu geführt, dass der Antisemitismus in der Nachkriegszeit abnahm. Dennoch zeigten Umfragen in den achtziger und neunziger Jahren in Deutschland und Österreich, dass 10 bis 15 Prozent der jeweiligen Bevölkerung als überzeugte Antisemiten einzustufen sind, ein weiteres Drittel antijüdischen Ressentiments anhängt. In den neunziger Jahren sind in Großbritannien, Frankreich, Deutschland und anderen europäischen Ländern und den USA erneut reaktionäre und rassistische Parteien und Gruppen entstanden, die antisemitische Ideologien vertreten und häufig in enger Verbindung zu neofaschistischen Gruppierungen stehen. Nach dem Fall der Mauer nahm die Zahl antisemitischer Übergriffe in Deutschland erneut zu.
| Vor 60 Jahren wurde Auschwitz befreit: Gefangene erinnern sich | |
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| Geschrieben von Konstantin Scekocichin | |
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Was unter Berliner Mahnmal-Trubel gelegentlich in Vergessenheit gerät: Der 27. Januar, also der Tag, an welchem 1945 das KZ Auschwitz befreit wurde, ist seit Jahren ein deutscher Gedenktag. Und er ist ein Datum, das in Osteuropa weit mehr Beachtung als in unseren Breiten findet. Dies gilt besonders für das laufende Jahr, in dem sich die Befreiung zum 60. Mal jährt. Als Beleg bringt Shoa.de die deutsche Übersetzung einer russischen Reportage, die diese spezifische Sicht illustriert.
Auschwitz befreiten am 27. Januar 1945 die Truppen der Ersten Ukrainischen Front, die auf Krakau zumarschierten. Soldaten der Aufklärungseinheit von Grigorij Demin öffneten die Tore des Todeslagers. Demin erinnert sich: „Langsam verließen sie die Baracken. Die Menschen kamen näher, sie kamen in Massen. Sie waren, wie man so sagt, nur Haut und Knochen“. Bei Kriegsende gab es in der Sowjetunion rund 110.000 ehemalige Gefangene in Auschwitz. Wie viele von ihnen derzeit noch leben, weiß niemand. Bekannt ist nur die Tatsache, dass es allein Moskau genau einunddreißig Personen sind. Kurz vor der Befreiung von Auschwitz jagten die Deutschen ihre Gefangenen gen Westen. Im letzten Moment ritzte Ina Ionovna Vjalikova, die schon alle Hoffnung auf Rettung verloren hatte, ihre Heimadresse in Novošachtinsk auf die Barackenwand. Sie hatte das Glück, nach Hause zurückzukehren, wo sie die schwerste Beschuldigung erwartete: Verrat der Heimat. Ihr Leben verdankt Nina Vjalikova einem unerwarteten Brief, der im Herbst 1945 bei ihren Eltern eintraf. In dem stand: „Teilen Sie mir bitte mit, ob Ihre Tochter lebt. Ich fand Ihre Adresse oder die Adresse Ihrer Tochter auf einer Wand des Konzentrationslagers“. „Und mit diesem Brief ging ich zum KGB“, erzählt Nina Ionovna. Dort ließ man die Anklage augenblicklich fallen, bat sie nur, die Auschwitz-Tätowierung zu entfernen: Sechs Nummern an linken Arm. Die Nummern waren sehr lang – die Gesamtzahl der Gefangenen ging in die Millionen. „Nummer Einhundertfünfzigtausendsiebenhunderteins. Solche Nummern wurden sofort nach der Ankunft vergeben“, erinnert sich der ehemalige Auschwitz-Häftling Ivan Semenovič Šaškov. Er war acht Jahre alt, als er zum ersten Mal Musik von Wagner hörte. Aus dem Lagerlautsprecher. Dröhnend laut. Unter dieser Musik kam in Auschwitz seine gesamte Familie um. „Ich überlebte, weil ich als künftiger Arbeiter (im Original deutsch, A.d.Ü) für Deutschland ausersehen war. Aus uns Kindern machten sie Sklaven, damit wir, sobald wir herangewachsen waren, für die Deutschen arbeiteten“, sagt Ivan Semenovič. Die zahnlosen, ausgemergelten Baracken-Nachbarinnen von Ėleonora Josifovna Filonova waren gerade mal um die 20 Jahre alt. Ėleonora selber, die Tochter eines Partisanen, war von Bewohnern ihres Dorfs verraten worden. Es folgten das Gefängnis von Dresden, Königsberg, Auschwitz. „Wir waren rund 60 Gefangene, um uns herum standen andere, zu denen wir riefen: Mädchen, sagt bitte, die backen Tag und Nacht Brot, aber uns geben sie nichts. Wir hungern! Die anderen klärten uns auf: Das ist keine Bäckerei, hier wird kein Brot gebacken – hier werden Menschen verbrannt, lebendige und tote“, so ihre Erinnerungen. Das Gefühl des Hungers, sagt Ėleonora Iosifovna, kriegst du nicht aus dem Kopf heraus. Es verkörpert dein Verhältnis zum Leben. Ėleonora Iosifovna zeigt eine Photo einer Mitgefangenen: „Hier liegt eine Kranke, die nur noch 25 Kilo wiegt. Ich war auch so eine“. |
| Zyklon B | |
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