In Gedenken an ein tapferes altes Pferd .

           

Es gibt unzählige  Geschichten von berühmten Pferden.Kaum ein Tier ist so faszinierend ; Jeder kennt Halla,Flicka,Black Beauty...

Blacky war nicht berühmt.Er war nur ein altes Schulpferd.............

Ich war schon sechzehn,als ich endlich Reitstunden bekam. Ich hatte ziemliches Lampenfieber,als ich das erste mal auf den Stall zuging.Jugendliche und Erwachsene kamen mir entgegen;redeten über das eine oder andere Pferd,das heute fabelhaft gegangen war,oder die Hinterhandwendung nicht richtig ausgeführt hatte.Was ich mir zur  Vorbereitung aus Fachbüchern eingepaukt hatte,erschien mir entsetzlich lächerlich angesichts der rauhen Wirklichkeit.In Gummistiefeln ging ich zum ersten Mal in die Reitbahn.Zu meiner Beruhigung war ich nicht der einzige Anfänger.Zwei Pferde waren gesattelt und warteten geduldig darauf,uns an der Longe das Reiter-ABC beizubringen.Wie einfach hatte alles in den Büchern geklungen.... Von Harmonie konnte keine Rede sein.Ich rutschte mit baumelnden Beinen und verbissenem  Gesichtsausdruck  im Sattel herum,und meine Hände hüpften auf und nieder,sobald Blacky; wie mein neuer Freund hieß,in Trab fiel.Und obwohl man mit neuen Schülern beim ersten Mal gnädig zu sein pflegt,steckte ich manche Rüge ein.Doch als ich ein wenig o-beinig "mein" Pferd  in den Stall brachte,ihm mehr schlecht als recht das Zaumzeug über die Ohren zog ,und es sanft den Zucker von meiner Hand nahm,kann ich nur sagen,daß ich sehr glücklich war!!

In dieser ersten Reitstunde war ich viel zu sehr mit mir selbst beschäftigt.Doch mit der Zeit lernte ich den allergrößten Respekt vor diesen Schulpferden,die Tag für Tag,Woche für Woche,die Jahr für Jahr,ständig neue Anfänger auf sich dulden.Sie gehen im Kreis,lassen ungeübte Hände an ihren empfindlichen Mäulern zerren und sich grob in die Flanken treten von Menschen ,die es nicht besser wissen. Und wenn sie dann endlich nicht mehr getreten werden; das zerren an den Zügeln nachgelassen hat,haben sie diesen Menschen das reiten beigebracht.Dann heißt es,sie brauchen die Schulpferde nicht mehr,sondern seien eines besseren Pferdes würdig.Und wieder sind es Anfänger,die auf sie klettern,und das zerren und treten beginnt von neuem..Dem Tier,auf dem ich in meiner ersten Stunde saß,fiel ich ebenso hart in den Rücken wie alle,die erst noch lernen müssen. Wie sonst kann man diese Harmonie;dieses Eins-sein mit dem Pferd erreichen,als durch Übung.

Weshalb aber erfahren sie so wenig Achtung ?Sie haben keinen guten Ruf,die Schulpferde.Sie gelten als abgestumpft,hart im Maul und dumm.... Sie müssen abstumpfen;sonst könnten sie dieses Leben nicht ertragen;Sie müssen hart im Maul sein,denn sie spüren nur selten eine weiche einfühlsame Hand. Und sie werden nie richtig gefordert und selten geliebt.

Weil Blacky das erste Pferd war,auf dem ich ritt,wurde er mein besonderer Liebling. Einige Zeit ritt ich nur auf ihm. Doch bald merkte ich selbst,daß er den Kommandos des Reitlehrers nur zu bereitwillig folgte.Ich wechselte auf schwierigere Pferde.Doch Blacky blieb ich treu.Er tat mir leid; hängten sich doch Anfänger voller Enthusiasmus an ihn,um ihn ebenso schnell zu vergessen,wenn sie ihn nicht mehr nötig hatten.Ich bildete mir Zeichen des Erkennens ein,wenn ich seine Box betrat. Heute sehe ich das realistischer; war ich doch nur einer von Vielen,die Woche für Woche kamen...

Ich hatte eigentlich ständig Angst um Blacky. Es hieß,er sei eben schon alt.Oft lahmte er,stolperte ohne offensichtlichen Grund.Erholung auf der Weide gab es nicht.Ein Schulpferd muß sich seinen Lebensunterhalt verdienen!Seine Hufe waren ausgebrochen und die Pfleger kümmerten sich nicht sonderlich darum.Sicher war er einmal sehr schön in seinem satten Schwarz und dem edlen Kopf.Nun erinnerte er mich eher an Schimmi,mein Schaukelpferd von damals mit dem durchgesessenen Rücken.

Blacky wäre nicht das erste Pferd gewesen,das sang-und-klanglos verschwand. Es durchschauerte mich jedesmal,wenn eine Box mit einem Mal leer war. Viel zu selten hat eines dieser Pferde das Glück,geliebt zu werden von jemandem,der auch Geld und Möglichkeit hat,es freuzukaufen. Gnadenhöfe gibt es leider viel zu Wenige....

Eines Tages war es soweit....Blacky war einfach nicht mehr da........

Ich und dieses Schulpferd;wir wären sicher gute Freunde geworden,wenn ich ein bischen mehr Zeit und Mglichkeiten gehabt hätte...So aber ..ich habe noch nicht einmal ein Foto von ihm,der mir die Liebe zu Pferden und das Reiten beibrachte!

Man hat mir nie gesagt,was mit ihm geschah.Alle wußten es und niemand sprach es aus.So ist das nun mal mit den Schulpferden.Er ist den Weg gegangen,mit dem wir Menschen Treue und Gutmütigkeit leider nur zu oft danken.Kreaturen wie Blacky,für die sich niemand recht verantwortlich fühlt,und um die niemand weint,werden weggeworfen wie altes Brot,das niemand mehr mag....

Ich bin dankbar dafür,daß es Menschen gibt,die sich ihrer Verantwortung bewußt sind,und ihre Pferden,die keine "Leistung" mehr bringen,um ihrer Selbst weiterlieben und ihnen eine wohlverdienten Lebensabend ermöglichen!

Und ich bin dankbar dafür ,daß es Gnadenhöfe gibt! Daß es Menschen gibt,die sich um Tiere wie Blacky kümmern,dem ich damals nicht helfen konnte...

 

 

 

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