Am Samstag den 16.04.05 soll im Rosenheimer Blackout das
rechtsextreme Neofolkprojekt Allerseelen (Wien) auftreten.
Hintergrundinformationen über "Allerseelen" bietet ein
umfangreicher Artikel aus der Broschüre "Die Geister, die
ich rief..." (Ausgabe II, Juni 2000, 84 Seiten, Din A 4,
Bremen) und in einem Artikel des
Duisburger Institut für Spach- und Sozialforschung . Kurze
Informationen über Gerhard Petak ( dem Kopf von Allerseelen) gibt
es beim Informationsdienst
gegen Rechtsextremismus. Hier findet Ihr nun einen
"offenen Brief" an das Blackout, der unserer Meinung nach
die Fakten zusammengefasst sehr gut wiedergibt:
Offener Brief
An das
Blackout
Am Rossacker 7
83022 Rosenheim
info@club-blackout.de
Tel.: 08031/380328
Nachrichtlich an:
+ Regionale Presse
+ Lokale Parteien, Organisationen, Initiativen und
Einzelpersonen
Rosenheim, 14.03.05
Betr.: Rechtsextremes Konzert im Rosenheimer Club Blackout?
Laut Ankündigung auf Ihrer Homepage soll am 16. April 2005 in Ihrem
Club Blackout in Rosenheim ein Konzert mit der österreichischen
Dark-Wave-Band Allerseelen stattfinden. Da wir davon ausgehen,
dass das blackout kein Interesse daran hat Faschisten eine
Plattform zu bieten, wollen wir Sie, mit diesem offenen Brief, über
den rechtsextremen Charakter dieser Band informieren und Sie
gleichzeitig dazu auffordern, dieses Konzert abzusagen.
Die Band Allerseelen wurde 1989 von dem Wiener Gerhard Petak, alias
Kadmon, der aktuell nach eigenen Angaben im Raum Berchtesgaden
wohnt gegründet und seitdem maßgeblich geprägt. Nach Einschätzung
von Alfred Schobert, Mitarbeiter des Duisburger Institut für
Sprach- und Sozialforschung, gehen die Pinoiertaten (Petaks; Anm.
Infogruppe) über die Rehabilitierung faschistischer Symbolik
hinaus. Er rehabilitiert komplette nazistische Ideolgiebestände.
So vertonte Petak beispielsweise auf der CD Gotos-Kalanda einen
Gedichtzyklus des Karl Maria Willigut, der bis 1938 maßgebliches
Mitglied des SS-Ahnenerbes war und der den SS-Totenkopfring
entworfen hatte. Willigut wird entkontextualisiert die SS als
verbrecherische Organisation erscheint bei Petak nicht als
bewundernswerter Geschichtsforscher und Runendichter dargestellt.
Weitere von Petak angepriesene Persönlichkeiten sind Leni
Riefenstahl, Ernst Jünger, Otto Rahn, ebenfalls Mitglied im
SS-Ahnenerbe, und der rumänische Faschist Corneliu Z. Codreanu, der
in den 1920er und 1930er Jahren Mitbegründer und Führer der extrem
antisemitischen Eisernen Garden war. In Lieder von Allerseelen baut
Petak auch Gesänge und Märsche der Eisernen Garde bzw. eine Rede
Codreanus ein.
Die Band veröffentlichte bis dato mehrere CDs, sog. Split-Singles
und beteiligte sich an diversen Samplern, die der Hommage an
verschiedene Persönlichkeiten dienen sollten. Genannt seien hier
Sampler zum Gedenken an Reni Liefenstahl, der vom rechtextremen,
(vom Verfassungsschutz beobachteten) VAWS-Verlag produziert wurde,
an Ernst Jünger oder an den italienischen faschistischen
Theoretikers Juluis Evola. Eine Rezension dessen Buches Den Tiger
reiten von Gerhard Petak in der rechtextremen Berliner
Wochenzeitung Junge Freiheit ist als nichts anderes als eine
Ehrerbietung an den Autor Evola zu werten. Dieser Evola empfahl im
Jahr 1928: Wir machen Schluss mit jeder Schwäche, mit jeder
Nachsicht gegenüber allem, was von der semitisch-christlichen
Wurzel herkommt. Anti-Europa, Anti-Semitismus, Anti-Christianismus,
das ist unsere Losung.
Gemeinsam mit der amerikanischen Formation Blood Axis um den
Rechtsextremisten Michael Moynihan veröffentlichte Allerseelen im
Jahr 1998 die Split-Single Käferlied/ The March of Brian Boru.
Dieser Moynihan berichtete in einem Interview mit dem Magazin No
longer a Fanzine: Einerseits denke ich, dass die Zahl 6 Millionen
nur zufällig und ungenau und wahrscheinlich eine grobe Übertreibung
ist. Ich habe revisionistische Bücher gelesen, die gut gegen den
Holocaust- Kanon argumentieren, und selbst die jüdischen
Historiker verändern fortlaufend ihre Ansprüche. Doch mein
Hauptproblem bezüglich der Revisionisten ist, dass sie von der
Annahme ausgehen, das Töten Millionen unschuldiger Menschen sei als
solches böse. Mehr und mehr neige ich zur entgegengesetzten
Schlussfolgerung. Ich geriete nicht aus der Fassung, wenn ich
herausfände, dass die Nazis jede ihnen zugeschriebene Grausamkeit
begangenen hätten ich zöge es vor, wenn es wahr wäre.
Kritik an seiner Ideologie, die er mit seiner Musik transportiert,
vergleicht Gerhard Petak alias Kadmon mit der Judenverfolgung im
Dritten Reich. So formulierte er in einem Szene-Magazin: Offenbar
braucht jede Kultur ein Hexenmal, einen Judenstern. (
) Heute ist
der Faschismusvorwurf gegen die industrielle Musik und Dark Wave
ein Judenstern. (
) Die Judensterne sehen heute anders aus, es sind
ariosophische völkische Zeichen, Runen, Thorshammer, Kruckenkreuz,
Hakenkreuz. [Black 14/1998]
Zusätzlich neben der Band Allerseelen nutzte Gerhard Petak die
Zeitschrift Aorta, die er später in Ahnstern umbenannte als
Möglichkeit, um seine Ideologie zu verbreiten. In den beiden
Publikationen findet sich ein obskurer Mix aus Heidentum,
Nazi-Esoterik und völkischem Denken. Neben Huldigungen an die
bereits genannten Julius Evola und Corneliu Z. Codreanu,
veröffentlichte Petak hier u.a. Artikel über sog. Flugscheiben, die
als geheime Wunderwaffen der Nazis verklärt werden. Nach gerade
in rechtsextremen Kreisen weit verbreiteten Theorien seien diese
Flugscheiben u.a. in Neuschwabenland, einem Gebiet in der
Antarktis, das in den Jahren 1938 und 39 Ziel einer SS-Expedition
gewesen ist, stationiert worden. Eine Rest-SS hätte sich bis 1955
in Neuschwabenland aufgehalten. Neuschwabenland ist im Übrigen
auch der Titel einer Allerseelen-CD. Gerade die Tatsache, dass der
vermeintliche Konstrukteur dieser Nazi-Flugscheiben mit dem
mittlerweile verstorbenen Andreas Epp ein Rosenheimer gewesen soll
[siehe u.a. Oberbayerisches Volksblatt vom 22.12.2004, S. 12],
erscheint das Konzert von Allerseelen bzw. von Gerhard Petak samt
seines Faibles für Neuschwabenland und Flugscheiben in Rosenheim in
einem ganz besonderen Licht.
In der Publikation Musik-Mode-Markenzeichen des
nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes wird Gerhard Petak mit
seiner Band Allerseelen selbst erwähnt. Petak, außerdem Autor in
diversen rechtsextremen Theorieorganen, wie Staatsbriefe,
Opposition und Junge Freiheit, wird eine Affinität zum
Rechtsextremismus attestiert. Weiter heißt es hier, dass
Allerseelen einer der Bands dieses Musikgenres sei, die seit
Anfang der 1990er Jahre NS-Symbolik aufgegriffen und positive
Bezüge zu Leitfiguren des Rechtsextremismus hergestellt habe.
Die Band Allerseelen um ihren Kopf Gerhard Petak ist einer der
führenden Protagonisten, die das Musikgenre Dark Wave nutzen um
ihre rechtsextreme Ideologie zu transportieren. Seit Anfang der
1990er Jahre ist in der Dark-Wave-Szene, aber auch in anderen
Subkulturen, zu beobachten, dass neu-rechte Akteure bemüht sind,
ihre rechtsextreme Ideologie zu verbreiten. Ansatzpunkte in der
schwarze Szene sehen diese durch angeblichen Mystizismus,
Irrationalismus sprich Heidentum und Esoterik,
Anti-Modernes-Denken, das sich in positiven Bezügen auf Mittelalter
und Romantik äußert, und letztendlich durch ein in der Szene weit
verbreitetes elitäres, antiegalitäres Selbstverständnis. Auch in
diversen Verfassungsschutzberichten der letzten Jahre wurde auf
diese Ausbreitungsversuche in der Dark-Wave-Szene mit Besorgnis
hingewiesen. So heißt es beispielsweise im Verfassungsschutzbericht
des Landes Nordrhein-Westfalen aus dem Jahre 2003, dass der
Versuch, Musik mit rechtsextremistischen Inhalten oder mit einem
solchen Hintergrund in einer Subkultur zu verankern, nur in solchen
Bereichen Erfolg versprechend (sei), wo Anknüpfungspunkte und
Schnittmengen mit rechtsextremistischem Gedankengut und Symbolen
feststellbar sei. Die Jugendszenen des Black Metal und des Dark
Wave können Anknüpfungspunkte und Schnittmengen mit
rechtsextremistischem Gedankengut bieten. [VS-Bericht NRW 2003, S.
40]
Vor dem Hintergrund dieser hier gelieferten Informationen über die
Band Allerseelen fordern wir Sie - die Betreiber - des Club
Blackout auf, das Konzert mit Allerseelen abzusagen. Vorbild
können hier die Vermieter das Hotel Hilton eines
Veranstaltungsortes in der Bremer Innenstadt sein, die ein Konzert
mit den Bands Allerseelen und Belborn aus Rosenheim kurzfristig,
nachdem sie über den Charakter dieses Events informiert worden
sind, abgesagt haben.
Mit freundlichen Grüßen
i.A. Michael Kurz
AK Antifaschismus Rosenheim
GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) Jugendvertretung
Grüne Jugend Rosenheim (www.gruene-jugend-rosenheim.de)
Infogruppe Rosenheim (www.infogrupperosenheim.tk)
Trümmernacht (www.truemmernacht.com)