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Sindarin

 

Was ist Sindarin?

Sindarin ist die Sprache der Sindar, der Grauelben von Mittelerde. Ihre Vorväter gehörten zu den Eldar, die einst an den Wassern des Erwachens ins Leben gerufen wurden. Sie schlossen sich dem Zug der Elben nach Westen, zu den Unsterblichenlanden, an, beendeten jedoch ihre Wanderung, als sie die Küste des Großen Meeres erreichten.

Die Sprache der Sindar entwickelte sich gleichzeitig mit dem Quenya, der Sprache der Noldor im fernen Westen. Doch in den Sterblichenlanden ging die Veränderung schneller und unkontrollierter vonstatten. Sindarin ist eine Sprache mit vielen Lautangleichungen, die sie sehr weich und flüssig macht.

Beleriand, das Reich der Sindar, ging bei der Schlacht der Valar am Ende des Ersten Zeitalters im Meer unter. Die Überreste der Blauen Berge, die einst die Ostgrenze von Beleriand bildeten, findet man auf der Karte von Mittelerde im Dritten Zeitalter westlich des Auenlandes.

In den Reichen der Waldelben sprach man ebenfalls Sindarin, da die Könige dieser Länder meist Hochelben waren. Einige alte Namen und Bezeichnungen dort sind jedoch vom Dialekt der Waldelben beeinflusst

Sindarin wurde auch von den Menschen des Westens verwendet. Im Dritten Zeitalter ist es in Gondor immer noch die Sprache von Menschen hoher Abkunft. Sindarin sind auch die Namen der Stammesfürsten der Dunedain des Nordens, mit einigen Besonderheiten in der Wortbildung. In Gondor griff man oft alte Namen der Vorzeit auf, und andere haben sich so abgeschliffen, dass es schwierig ist zu sagen, was sie genau bedeuten.

Texte

»Hîr i·Chorvath« – Der Herr der Ringe

 

    1 Hîr i·Chorvath

     

    2 Nêl Cyrf 'nin Eledherain nui·menel,

    3 Odog 'nin hîr Nogothrim vi ethrynn dîn,

    4 Neder 'nin Edain Fírib beraid nan gûr,

    5 Mîn 'nin Hîr Vorn bo Mahal Vorn

    6 Vi Mordor innas i·Nguruthos.

    7 Mîn Corf an·orthored hain phain, Mîn Corf hain an·nired,

    8 Mîn Corf an·nolthad hain phain ar ned môr hain an·noded

    9 Vi Mordor innas i·Nguruthos.

     

Der Text ist die Sindarin-Fassung eines Gedichtes, das in der elbischen Überlieferung seit langem bekannt ist. Es findet eine relativ genaue Entsprechung in der englischen Textfassung, übertragen von J. R. R. Tolkien aus dem Roten Buch der Westmark:

 

    The Lord of the Rings

     

    Three Rings for the Elven-kings under the sky,

    Seven for the Dwarf-lords in their halls of stone,

    Nine for Mortal Men doomed to die,

    One for the Dark Lord on his dark throne

    In the Land of Mordor where the Shadows lie.

    One Ring to rule them all, One Ring to find them,

    One Ring to bring them all and in the darkness bind them

    In the Land of Mordor where the Shadows lie.

 

In zeilengetreuer Übertragung:

 

    1 Der Herr der Ringe

     

    2 Drei Ringe für die Elbenkönige unter dem Himmel,

    3 Sieben für die Herren des Zwergenvolkes in ihren unterirdischen Festungen,

    4 Neun für die sterblichen Menschen, verdammt zum Tode,

    5 Einer für den Dunklen Herrn auf dunklem Thron,

    6 In Dunkelland, wo der Todesschatten ist.

    7 Ein Ring, sie alle zu meistern, Ein Ring, sie zu suchen

    8 Ein Ring, sie alle zu holen und sie in Dunkelheit zu binden

    9 In Dunkelland, wo der Todesschatten ist.

 

Anmerkungen:

1 hîr – ›Herr‹; i[n] – Pl.-Artikel ›die‹ (mit Nasalmutation); chorvath – mut. Form von corf ›Ring‹ (von Qu. corma) + -ath kollektive Endung.

2 nêl – ›drei‹; cyrf – Pl. von corf ›Ring‹; 'nin - an ›für‹ + -in gebundene Form des Artikels (mit gem. Mutation); Eledherain - Eledh ›Elbe‹ + erain Pl. von aran ›König‹; nuinu Präp. ›unter‹ + -i[n] gebundene Form des Artikels; menel ›Himmel‹.

3 odog – ›sieben‹; Nogothrimnogoth ›Zwerg‹ + -rim koll. ›Volk‹; vi – Präp. in (mit Lenierung); ethrynn – Pl. von othronn (< ost + ronn/rond) ›Festung-Höhle‹, ›unterirdische Wohnstatt‹ ; dîn – Personalpronomen 3. Pers. Pl. Poss. ›ihre‹.

4 neder – neun; Edain – Pl. von adan ›Mensch‹; fírib – Pl. von fíreb ›sterblich‹; beraid – Pl. von barad ›verdammt‹; nan – Präp. na ›mit, durch‹ + -in gebundene Form des Artikels; gûr – Tod (Wurzel NGUR).

5 mîn – eins, einer; vorn – mut. Form von morn ›dunkel‹; bo – Präp. ›auf‹; mahal – ›Thron‹ (Lehnwort von Qu. mahalma [ursprüngl. aus dem Valarin]; daher nicht mutiert).

6 Mordor – ›Dunkles Land‹; innas – ›wo‹ (< i Relativpronomen ›der, die, das‹ und ennas – dort); nguruthos – mut. Form von guruthos (Wurzel NGUR) ›Todesschatten‹.

7 an·orthoredan Präp. ›auf ... zu‹, hier im Sinne von ›um zu‹ (mit Nasalmutation) + orthored Ger. von orthor- ›meistern, besiegen‹; hain - Personalpronomen 3. Pers. Pl. Akk. unpers. ›sie‹; phain – mut. Form von pain ›alle‹, Pl. von pan ›jeder‹ (vgl. mellyn în phain ›alle seine Freunde‹ im »King's Letter«); nired mut. Form von tired, Ger. von tir- ›Ausschau halten nach‹.

8 nolthad mut. Form von tolthad, Ger. von toltha- ›holen, kommen lassen‹; môr – ›Dunkelheit‹; ned – Präp. in (mit Plosivmutation); noded, Ger. von nod- ›binden‹.

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