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Quenya

 

Was ist Quenya?

Quenya ist die Sprache der Hochelben des Westens. In Mittelerde, am Ende des Dritten Zeitalters, wird sie nur noch als Sprache der Gelehrten und für rituelle Zwecke verwendet.

Die Geschichte der Elben reicht zu dieser Zeit bereits über zehntausend Jahre zurück. Die Ersten von ihnen erwachten vor der Zeit von Sonne und Mond am See von Cuiviénen im Osten von Mittelerde. Beim Anblick der Sterne erwachte in ihnen die Fähigkeit zu sprechen. Darum nannten sie selbst sich Quendi, »die mit Stimmen reden«.

Auf Einladung der unsterblichen Valar machten sich viele Elben auf den langen Weg in das Land Aman, das jenseits des Westlichen Meeres liegt. Manche von ihnen blieben auf dem Weg zurück. Unter denen, die Aman erreichten, war der Stamm der Noldor.

Die Noldor waren die Klügsten unter den Hochelben des Westens. Ihr größtes Genie war Feanor, Sohn des Hochkönigs Finwe. Er schuf die Silmaril, drei große Edelsteine, in denen das Licht der Unsterblichenlande eingefangen war. Er gilt auch als der Schöpfer der Tengwar-Schriftzeichen.

Als die Silmaril von dem abtrünnigen Valar Melkor, genannt Morgoth, gestohlen wurden, wollte Feanor sie wiedererlangen. Darum rebellierte er gegen die Valar und kehrte mit vielen seines Volkes nach Mittelerde zurück. Mit sich brachten sie ihre Sprache, Quenya genannt.

Aufgrund der Untaten der Noldor verbot König Thingol von Doriath den Gebrauch von Quenya bei seinem Volk. Sindarin wurde zur Umgangssprache unter den Elben, und Quenya war fortan in Mittelerde keine lebende Sprache mehr.

Texte

»Heru i Cormaron« – Der Herr der Ringe

 

    1 Heru i Cormaron

     

    2 Nelde Cormar Eld’aranin nu i menel,

    3 Otso Naucoheruin mí ondomardentar,

    4 Nerte Firim’atanin fairenen marte,

    5 Mine Herumoren mahalma mornasse

    6 Mi Mornanóre yasse caitar Huini.

    7 Mine Corma turiën te ilye, Mine Corma tuviën te,

    8 Mine Corma tuciën te ilye ar morniësse nutiën te

    9 Mi Mornanóre yasse caitar Huini.

 

Der Text ist die Quenya-Fassung eines Gedichtes, das in der elbischen Überlieferung seit langem bekannt ist. Es findet eine relativ genaue Entsprechung in der englischen Textfassung, übertragen von J. R. R. Tolkien aus dem Roten Buch der Westmark:

 

    The Lord of the Rings

     

    Three Rings for the Elven-kings under the sky,

    Seven for the Dwarf-lords in their halls of stone,

    Nine for Mortal Men doomed to die,

    One for the Dark Lord on his dark throne

    In the Land of Mordor where the Shadows lie.

    One Ring to rule them all, One Ring to find them,

    One Ring to bring them all and in the darkness bind them

    In the Land of Mordor where the Shadows lie.

 

In zeilengetreuer Übertragung:

 

    1 Der Herr der Ringe

     

    2 Drei Ringe den Elbenkönigen unter dem Himmel,

    3 Sieben den Zwergenherren in ihren Steinhallen,

    4 Neun den sterblichen Menschen, zum Tode verdammt,

    5 Einer dem Dunkelherrn auf dem Thron, dem dunklen,

    6 In Dunkelland, wo die Schatten liegen.

    7 Ein Ring, sie alle zu beherrschen, Ein Ring, sie zu finden,

    8 Ein Ring, sie alle herbei zu bringen und sie in der Dunkelheit zu binden

    9 In Dunkelland, wo die Schatten liegen.

 

Anmerkungen:

1 heru – ›Herr‹; i – Artikel ›der, die, das‹; cormaron – Gen. Pl. von corma ›Ring‹ (wie in cormacolindor ›Ringträger‹).

2 nelde – ›drei‹; cormar – Nom. Pl. von corma ›Ring‹; Eld'aranin – Dat. Pl. von Eld'aran (< Eld[a] + aran) ›Elbe(n)könig‹; nu – Präp. ›unter‹; menel – ›Himmel, Himmelskuppel, Gesamtheit der Himmelszonen‹.

3 otso – ›sieben‹; NaucoheruinNauco ›Zwerg‹ + Dat. Pl. von heru ›Herr‹; mi Präp. ›in‹ + Artikel i; ondomardentarondo ›Stein‹ + marde ›Halle‹ (wie in oromardi ›Hohe Hallen‹ in »Namárië«) + -nta Poss. Pron. 3. Pers. Pl. ›ihre‹ + -r Pl.-Marker.

4 nerte – ›neun‹; Firim'atanin – Pl. (< Firim[e]) von firima ›sterblich‹ + Dat. Pl. von Atan ›Mensch‹; fairenen – Instr. Sg. von faire ›Tod‹; marte – Pl. von marta ›schicksalhaft, verdammt‹.

5 mine – ›eins‹, ›ein(er, e, es)‹; Herumoren – Dat. Sg. von Herumor (< heru + mor) ›Herr-Dunkel‹; auch als Eigenname überliefert; mahalma – ›Thron‹, Lehnwort von Val. maχallām, eig. einer der Sitze der Valar im Máhanaxar oder Schicksalsring von Aman; mornasse – Lok. Sg. von morna ›dunkel‹; die Wortstellung mahalma mornasse ist poetisch, wobei hier das Adj. nach der Regel vom letztgebeugten Wort die Endung trägt.

6 Mornanóremorna ›dunkel‹ + nóre ›Land‹ (wie in sindanóriello ›vom grauen Land‹ in »Namárië« und Arna-nóre ›Königliches Land‹, Langform von Arnor), Sind. Mordor; yasse – ›wo‹, Relativpron. ya + Lok.-Endung -sse (vgl. Lok. Pl. yassen ›wo‹ in »Namárië«); caitar – ›[sie] liegen‹, 3. Pers. Pl. Aor. von caita-; die Wortstellung ist poetisch (wie in yassen tintilar i eleni ›worin die Sterne funkeln‹ in »Namárië«); huini – Nom. Pl. von huine ›tiefer Schatten, Dunkelheit, Düster‹ (auch personifiziert verwendet für ›Schatten‹).

7 ilye – Pl. ›alle‹ von Adj. ilya ›jede(er, e, es)‹; turiënturië (Gerundium von tur- ›beherrschen‹) + [e]n (finale Dat.-Endung wie in enyaliën ›zum Gedenken‹ in »Cirions Eid«) + te ›sie‹ (3. Pers. Pl.) [möglich wäre auch ta, auf die Ringe als unbelebte Objekte bezogen]; tuviëntuvië (Gerundium von tuv- ›finden‹) + [e]n (finale Dat.-Endung).

8 tuciënttucië (Gerundium von tuc- ›bringen‹) + [e]n (finale Dat.-Endung); morniësse – Lok. Sg. von mornië ›Dunkelheit‹; nutiënnutië (Gerundium von nut- ›binden‹) + [e]n (finale Dat.-Endung).

 

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