Greifswalder Scherz (08.07.2006)
Foto: Stefan
Sauer/DPA
In Greifswald, knapp 40 km von George W. Bushs Besuchsort Stralsund, hat das „Theater Vorpommern“ im Museumshafen eine 12 Meter hohe Statue aufgestellt, die der New Yorker Freiheitsstatue sehr ähnlich ist. Wesentlicher Unterschied:
Statt
Fackel zeigt die Greifswalder Version den Stinkefinger.
Das hat die Landes-CDU in helle Aufregung versetzt. Sie
tobt.
Die Theaterleute bleiben allerdings ganz gelassen. Natürlich denken sie nicht daran, den „Stein des Anstoßes“ zu entfernen.
;-)
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Die Meldung zu dem Bild:
(Greifswald/dpa) - Der Metallbauer Ralf Schimps vom Unternehmen
Schimps & Söhne kontrolliert an der Greifswalder Freiheitsstatue die
Scharniere für die aufklappbaren Brüste der Figur (Foto vom 14.06.2006). Das
Monument ist Teil des Bühnenbildes für das Kultmusical "Hair", das in Greifswald
am 12. Juli auf einer neuen Freilichtbühne des Theaters Vorpommern Premiere
haben wird. Statt Fackel trägt die 12 Meter hohe Freiheitsstatue einen
Stinkefinger. Das Bühnenbild soll in der nächsten Woche fertig gestellt
werden.
Na, also! (08.07.2006)
Dr.
Werner Schnappauf (Foto: havelshouseofhistory.com)
Wie jetzt
eine ddp-Meldung mitteilt, wird es trotz der Anzeigen (Vgl. „Nachruf auf
Bruno“) kein Ermittlungsverfahren gegen den bayerischen Umweltminister Werner
Schnappauf (CSU) geben, der den Abschuss von JJ1 (Bruno) angeordnet
hatte.
Der Braunbär zählt nämlich nicht zu den Tierarten, die
durch das Jagdrecht geschützt sind.
Hoffentlich
taucht in Bayern kein Exemplar einer scheinbar völlig ausgestorbenen Art auf!
Das wäre sicher auch nicht „durch das Jagdrecht geschützt“.
Horrido!
Haifischmaedchen (12.03.2006)
Akrostichon-Gedicht
Halbe Sachen sind ihr Wesen nicht;
Achtung! heißt es, wenn von fern sie drohen.
Immer zählt man sie wohl zu den rohen
Furien mit den „Zähnen im Gesicht“¹.
Ist auch Abstandhalten meist geboten,
Sollte man sie nicht als schlimm verkennen.
Chaos droht dem, den sie überrennen.
Heut’ sind selber sie die viel Bedrohten.
Meine Meinung hat sich stark gewandelt,
Anders seh’ inzwischen ich die Tiere.
Eins, das weiblich, schwimmt hier² im Reviere.
Doch ich zweifle, ob sich’s wirklich handelt,
Charismatisch meist, um so ein Wesen.
Hebt sein Schreiben es doch hoch heraus.
Einen – wenn auch nur fiktiven – Blumenstrauß
Nehm’s von mir und
lass mich weiter lesen!
Als kleine Aufmerksamkeit
zu deinem heutigen Geburtstag,
liebe Kathleen,
mit den besten Wünschen
für das neue Lebensjahr
von
Friedhelm
¹ Zitat aus Brechts „Dreigroschenoper“
² bei keinVerlag
Sportreporterdeutsch (Kommentar zur Sprache)
Vor Beginn des Fußballländerspieldebakels (01.03.2006) gegen Italien mit der 4:1-Niederlage für die deutsche Mannschaft erging sich der Reporter, Reinhold Beckmann, in sprachstilistischem Höhenflug, als er die Beliebtheit eines italienischen Abwehrspielers auf dessen „subtile Aura der Arroganz“ zurückführte. Hoffentlich haben ihn alle Fußballfans verstanden. Was genau er damit gemeint hat, weiß ich zwar auch nicht, denn die Umsetzungsmöglichkeiten in normaleres Deutsch reichen von „zarten okkulten Strahlungserscheinungen des Dünkels“ bis zur „Gesamtheit der unterschwellig vorhandenen Wirkungen der Anmaßung“, die von dem Spieler
ausgehen soll.
Möge der gemeinte Sinn Reinhold Beckmanns Geheimnis bleiben! Sollte er etwa den Spieler wegen der Aura beneiden? – Er kann ganz beruhigt sein, ein Stückchen davon ist auch ihm selber zu Eigen.
Zwischen den Jahren
(29.12.2005)
Ha! „Zwischen den Jahren“,
so hört man von Scharen.
Die sind doch beschränkt!
Gibt’s niemand, der denkt?
Denn zwischen den Jahren,
ja, nicht einmal Haaren
dort bietet sich Platz.
Was soll dann der Satz,
der offenbar Unsinn?
Ob ich noch normal bin,
das frag’ ich mich jetzt,
von Schrott zugeschwätzt.
Was objektiv stimmt,
zur Kenntnis kaum nimmt
die Masse, die breite.
Selbst viele Gescheite,
die reden so auch.
Der Schall wird zum Rauch
vom Opferaltar,
wo alles, was wahr,
dem Zeitgeist verehrt.
Und das, was verkehrt,
als Wahrheit behandelt.
Die Logik verschandelt!
Doch „Halt!“ ruft ’ne Stimme,
’ne innere, schlimme,
„Du kannst nicht aufs Denken
allein dich beschränken.
Nach Kälte und Wärme
hat jetzt das Gedärme
die Zeit auch erfasst.
Ob dir das nun passt,
ob richtig verhasst,
ist ganz oder fast
belanglos zu nennen.
Du wirst schon erkennen:
Die Logik ist out,
weil nicht mehr vertraut.
Und tut’s dir auch Leid:
Gefühlt wird die Zeit.
Nach Weihnachten Feiern
mit Fressen und Reihern,
dann fühlt vor Silvester
so mancher, mein Bester:
Das Jahr ist vorbei.
Drum ist’s einerlei,
dass noch ein paar Tage
lang dauert die Plage.
Er fühlt sie als Loch
und folglich sich doch
mit Haut und mit Haaren
ganz zwischen den Jahren.“
Niederrheiner (11.12.2005)
Da lese ich gerade ein Zitat des leider am letzten Dienstag verstorbenen Hanns Dieter Hüsch:
„Ein Niederrheiner ist einer, der nix weiß und alles erklären kann.“
Nun lässt mich die Frage nicht los, woher der mich so gut gekannt hat...
Miss World (10.12.2005)
In Sanya (Hainan, Südchina) wurde heute die neue „Miss World“ gekürt.
Die Wahl fiel auf die Isländerin Unnur Birna Vilhjalmsdottir.
Opa weiß nicht recht...
Seine Nina gefällt ihm viel besser!
Störung
(07.12.2005)
Schon mehr als
dreizehn Stunden
ist hier an meinem
Ort
– so hab’ ich raus
gefunden –
der
Festnetzanschluss fort.
Das finde ich schon
happig
von dieser
Telekom,
gebührenmäßig
schrappig,
doch jetzt kein
bisschen „fromm“!
Zuerst, da hab’ ich
lange
bei mir herum
gesucht
und war schon
richtig bange,
weil ich nichts
fand, verflucht!
Nur: „Server nicht
gefunden“,
das sagte mein
PC.
So sucht’ ich viele
Stunden
und kam nicht auf
den Dreh.
Bis im Display am
Hörer
von meinem
Telefon
was stand von einem
„Störer“
als Grund, weshalb
kein Ton...
Nun harre ich der
Dinge
und hoff’, dass
irgendwann
den Störtrupps es
gelinge,
damit ich endlich
kann
noch kommen zu
kV.
Das fänd’ ich
wirklich nett!
Wenn nicht, bin ich
so schlau
und lege mich ins
Bett.
Leider hat es noch ein paar
Stunden mehr gedauert, bis die Störung beseitigt war. Ins Internet konnte ich
allerdings immer noch nicht, da ich – als ich noch nicht Bescheid wusste – bei
meinen vergeblichen Versuchen, den „Fehler“ zu beheben – offenbar meine
Verbindung beseitigt hatte.
Mein
Vater
(05.12.2005)
Mein Vater hat immer
nur Samtband gewebt
– beruflich will
damit ich sagen –,
doch dass seine
Firma er hat überlebt,
das konnte er schwer
nur ertragen.
Mit vierzehn da
hatt’ den Beruf er erlernt,
und zwar in
demselben Betriebe.
Nur Krieg und
Gefangenschaft haben entfernt
ihn neun Jahre von
seiner „Liebe.“
Als damals er
heimkam nach schrecklicher Zeit,
da lag der Betrieb
zwar in Trümmern.
Anstatt jedoch
selbst sich zu aalen im Leid,
begann er sich
darum zu kümmern.
Und während die
Maurer und Dachdecker bauten,
hat er über
längere Zeit
die Webstühle, die
ihm so innig vertrauten
Maschinen, von
Rost erst befreit.
Als Schreiner und
Dreher, als Schlosser und Schweißer
Sie aufgebaut, bis
sie dann liefen.
Und ob auch die
Tage mal kälter, mal heißer,
er musst’ es tun,
weil sie ihn riefen.
Und manche
Erfindung gelang ihm dabei,
das hat sich ganz
einfach ergeben.
Und als aus den
Trümmern erstieg Weberei,
da konnt’ sie auch
„Schlauchbänder“ weben.
Zwar wurde er
dafür auch „technischer Leiter“,
doch hat sich’s
für ihn nicht gelohnt.
Der Abbau der
Branche schritt weiter und weiter;
So wurde auch er
nicht verschont.
Ein Jährchen bevor
deren fünfzig vollbracht,
da war seine
Arbeit er los.
Das war für ihn
fast so wie ständige Nacht,
wie tückischen
Meuchelmords Stoß.
Und hätt’ er zu
Haus nicht gehabt seinen Garten,
die Frau und die
Kinder, die zwei,
dann hätt’ er den
Tod wohl kaum können erwarten,
nachdem seine
Arbeit vorbei.
Ein Jahr hat
danach noch die Firma gelebt,
mit jungen statt
älteren Kräften.
Doch dann hat am
Ende rein nichts mehr gewebt,
aus war es mit
allen Geschäften.
Mein Vater (Jahrgang 1907) kam mit 13 Jahren
in die Lehre als Samtbandweber bei einem Betrieb in Rheydt. Am Ende seiner
Lehrzeit besuchte er neben der Arbeit Kurse an der Textilschule in Krefeld, wo
er zum Textiltechniker ausgebildet wurde. Danach schickte ihn seine Firma für
anderthalb Jahre nach Bulgarien, wo er eine Samtbandweberei aufbaute und
bulgarische Weber anlernte. Zurück in Deutschland arbeitete er weiter im selben
Betrieb.
Zehn Jahre später heiratete er und wurde
Vater. 1939 wurde er eingezogen und kam schon bald nach Russland.
Erst 1948 kam er aus der Gefangenschaft
zurück, und machte sich tatkräftig an die Arbeit, um aus völlig verbrannten und
ausgeglühten Webstühlen wieder brauchbare zu machen. Als ihm das gelungen war –
einschließlich einiger beiläufiger Erfindungen, wie z. B. dem Weben von
Schlauchbändern, die damals als Trägerüberzüge bei der BH-Herstellung gebraucht
wurden – wurde Meister Schmitz zum technischen Betriebsleiter befördert.
Aber die internationale Konkurrenz wurde immer schlimmer. Ein knappes Jahr vor seiner 50-jährigen Betriebszugehörigkeit wurde er entlassen. Mit seinen damals 62 Jahren schickte ihn das Arbeitsamt noch auf entwürdigende Touren zu anderen Webereien, wo er natürlich nicht die geringste Chance hatte. Sein alter Betrieb ging jedoch ein Jahr später in Konkurs. Die Gebäude übernahm ein Supermarkt, zu dem ich später noch oft mit ihm gefahren bin.
Drei Jahre nach seiner Entlassung erkrankte mein Vater an Darmkrebs. Trotzdem ist er fast 89 geworden.
Parforceritt durch die deutsche Lyrik (04.12.2005)
Wer reitet so spät
durch den warmen Lehm?
Herr Walther
reitet, es ist wohl angenehm.
Es läuft der
Frühlingswind, die Luft ist so blau.
Es scheint so
fremd, so unbegreiflich weit,
was auf das Leben
folgt. Überlass es der Zeit,
erscheint dir
etwas unerhört. Und ob du tau-
sendmal vom
künftigen Alter ganz und gar
nicht Ermunterung
über Nacht, wahr-
lich ganz und gar
nicht eine Romanze
bei stiller Nacht,
Erleuchtung wie im Morgenglanze
siehst, sei
dennoch unverzagt:
Es bleibt das
Glück, wenn über stiller Heide es tagt.
Das Gedicht besteht
ausschließlich aus Anfängen und Titeln deutscher
Gedichte. Kein einziges anderes Wort ist
hinzugefügt.
Zu den ausgebeuteten
Autoren gehören Goethe (mehrfach),
Hofmannsthal (mehrfach), Fontane (mehrfach), Hölty,
J. Burckhardt, Eugen
Roth, Rückert, Angelus Silesius, Friedrich von Spee, Hebbel, Franz
Brentano, Schiller,
Raabe, Paul
Fleming, Chamisso, Julius Grosse und ein Volkslied.
Ganz nebenbei
(03.12.2005)
Als Opa heute oben
auftaucht, begrüßt ihn eine ausnehmend fröhliche Nina. Der „doofe Trottel“ ist
zwar schon im Supermarkt gewesen, weil er aber sein Geld vergessen hatte, muss
er noch mal hin. Irgendwann wird er vielleicht selber einsehen, dass Ninas
Charakterisierung zutreffen könnte...
Nina hört mit
sichtlichem Vergnügen zu, wie er Mama von seinem Missgeschick erzählt. Offenbar
hat sie Hintergedanken, von denen er noch nichts ahnt:
„Bringst du mir
bitte ‚Monte’ mit, Opa?“ – Aha, das nennt man wohl „Diplomatie.“
„Aber kein
‚Vanille’! Ich mag nur ‚Schokolade’.“ – Natürlich, wie Euer Gnaden wünschen,
sagt Opa zwar nicht, aber seine Gedanken gehen etwa in die Richtung.
Da er auch noch
zum Bäcker muss, bringt er zusätzlich ein Weckmännchen mit.
Dann ist er
zurück, samt Monte und dem Weckmännchen.
„Ist das für
mich?“, tut Nina ganz überrascht. „Danke, lieber Opa!“ Der findet den Kopf von
dem Kerlchen ziemlich klein. Nina stimmt lachend zu, beseitigt das Defizit aber
sofort durch einen energischen Biss. Als sie den Mund wieder halbwegs leer hat,
meint sie:
„Siehst du? Jetzt
ist das egal!“ Und weil die Füße auch ziemlich unterentwickelt sind, fährt sie
mit ihren „Korrekturmaßnahmen“ fort.
Da Opa noch eine
ganze Menge zu tun hat, muss er wieder nach unten. Nina bringt ihn zur
Wohnungstür. Unterwegs schnappt sie sich noch ein kleines Päckchen vom
Tisch.
„Weißt du, was das
ist, Opa?“ – Natürlich schüttelt der den Kopf, denn Ninas Finger verbergen ihm
die Aufschrift.
„Das ist Maoam,
Opa. Das schmeckt ganz lecker!“ Ehe Opa anfangen kann, sich zu fragen, ob sich
ihre Geschmacksvorliebe verändert hat, kommt der Nachsatz:
„Das schenk ich
dir, Opa!“ – Opas Weltbild ist wieder in Ordnung.
Wie
Europa sich erstickt – und die Welt
Enthüllung: Der
Preis an Umwelt für den Verbrauch in Europa
Von Stephen Castle
in Brüssel („The Independent“)
Veröffentlicht: 30.11.2005
(Übersetzung: Friedhelm
Schmitz)
Europas
hochtrabender Anspruch im Blick auf Umweltfragen ist gründlich erschüttert
worden durch einen verheerenden Bericht über sein Versagen im Kampf gegen die
globale Erwärmung und Umweltverschmutzung. Er Besagt: Europa verschlingt die
natürlichen Ressourcen mit der doppelten weltweiten
Durchschnittsgeschwindigkeit.
Ein Klimawandel,
wie ihn der europäische Kontinent seit 5.000 Jahren nicht erlebt hat, ist im
Gange, so der Bericht, der gestern davor warnte, dass bis 2050 drei Viertel der
Schweizer Gletscher geschmolzen sein werden.
Die Stadtgebiete
Europas werden sich in gut einem Jahrhundert ausdehnungsmäßig verdoppeln, da die
Lebenserwartung steigt und mehr Menschen allein wohnen. Zunehmender Wildwuchs
bei der Ausbreitung der Stadtgebiete hat zur Folge, dass in 10 Jahren eine freie
Fläche der dreifachen Größe Luxemburgs zugebaut sein wird. Der Luftverkehr wird
sich wohl bis 2030 verdoppeln, und maritime Ökosysteme, Wasservorräte und
Luftqualität sind in Gefahr.
Obwohl die
„European Environmental Agency“ in ihrer Einschätzung viele Umweltinitiativen
lobt, macht sie deutlich, dass noch viel mehr getan werden muss, wenn eine
ernste Krise vermieden werden soll.
Großbritannien –
obwohl in einigen Bereichen erfolgreich – wird kritisiert wegen der wachsenden
Hausmüllmenge, von der nur 14,5 % recycelt oder kompostiert werden bei einer
Zielvorstellung von 25 %.
Aber der Bericht,
eine Fünfjahreseinschätzung von 32 Staaten, konzentriert sich auf die Bedrohung
durch den Klimawandel. Er weist darauf hin, dass die 4 heißesten Jahre seit
Beginn der Klimaaufzeichnung 1998, 2002, 2003 und 2004 gewesen sind und dass 10
% der Alpengletscher allein im Sommer 2003 verschwanden.
Jacqueline
McGlade, die Geschäftsführerin der Agency, sagte: „Ohne wirksame und nachhaltige
Anstrengungen über mehrere Jahrzehnte wird die globale Erwärmung dafür sorgen,
dass die Eisflächen im Norden schmelzen und die Wüsten sich von Süden her
ausdehnen. Die Bevölkerung Europas könnte gezwungen sein, sich auf die Mitte des
Kontinents zurück zu ziehen.“
Sie sagte auch,
die Ausbreitung von Asphalt und Beton über ehemalige Grüngürtelbezirke sei eine
Erneuerung der Fehler, die zur Verwüstung von New Orleans durch den Hurrikan
Katrina geführt hätten, weil man Feuchtgebiete überbaut habe. „Selbst wenn wir
es schaffen, die globale Erwärmung auf die EU-Zielvorstellung von maximal 2° C
zu beschränken, werden wir in atmosphärischen Bedingungen leben müssen, die
Menschen noch nie erfahren haben. Tiefere Einschnitte bei den Emissionen sind
notwendig.“
Die Autoren des
Berichts glauben, das individuelle Verhalten müsse sich ändern, und sie regen
an, durch Änderungen im Steuersystem sicher zu stellen, dass Umweltverschmutzer
stärker zur Kasse gebeten werden.
Der Bericht hebt
den „ökologischen Fußabdruck“ Europas hervor, die geschätzte Fläche, die nötig
ist, um den Bedarf eines Menschen zu produzieren und seinen Abfall aufzunehmen.
Bei 5 Hektar pro Person weltweit, ist die Zahl für die 25 EU-Staaten halb so
groß wie die für die USA, aber größer als die für Japan und mehr als doppelt so
groß wie der Durchschnitt für Staaten wie Brasilien, China oder Indien.
...............
[so weit die Übersetzung. Das Original ist auf der Homepage
des „INDEPENDENT“ nachzulesen]
Das
Keyboard
(29.11.2005)
Gestern hat Opa
ein Keyboard gekauft. Noten kennt er zwar seit frühester Jugend, aber
Klavierspielen hat er nie gelernt. Als er ganz allein im Haus ist, probiert er
das Ding ganz vorsichtig aus. Die Möglichkeiten sind einfach überwältigend. Aber
er muss noch unheimlich viel studieren...
Heute Mittag nimmt
die hungrige Mama Kurs auf Opas Esstisch, nachdem sie Nina mit dem Versprechen
geködert hat, sie dürfe den Adventskalender auspacken, den Mama vom Betrieb
mitgebracht hat, wenn sie den Abstecher in Opas Wohnung „erlaube.“
Zuerst ist Nina
völlig vom Adventskalender in Anspruch genommen, dessen straffe Zellophanhülle
ihre ganze Fingerfertigkeit erfordert. Opas Hilfsangebot wird abschlägig
beschieden:
„Nää (!), danke,
Opa, das kann ich selber!“
So ist es auch.
Auf Opas Anregung hin sucht sie zwar zuerst das Fensterchen mit der 1, dann aber
werden die Fensterchen systematisch der Reihe nach auf gefummelt. Und geleert,
wobei die Schokoladefigürchen à 3 g gründlich begutachtet und dann in einem
Schüsselchen abgelegt werden. Nur selten verschwindet eins in Ninas Mund. Opa
und Mama kommen jedoch nicht zu kurz.
Als Opa gegen Ende
der Prozedur unbemerkt das Keyboard einschaltet und eine der gespeicherten 50
Melodien abspielt, hat sich der Adventskalender natürlich auf einen Schlag
erledigt. Schon steht Nina am Schreibtisch und testet die Tastatur, ohne sich
durch das laufende Lied stören zu lassen.
Dann ist das Lied
zu Ende, und Opa drückt eines der vielen Knöpfchen, um es erneut laufen zu
lassen. Nina hat ganz genau hingeschaut. Denn als das Lied wieder aus ist,
drückt sie mit traumhafter Sicherheit genau dasselbe Knöpfchen mit demselben
Ergebnis.
Irgendwelche
Hemmungen sind ihr vollkommen fremd. Fasziniert von den vielen Köpfchen muss sie
natürlich möglichst alle gleich selber einmal untersuchen und das, was bei Opa
Stunden gedauert hat, erledigt sie so zu sagen im „Schnelldurchgang.“
Opa hat offenbar
das Richtige gekauft. Das merkt er spätestens in dem Augenblick, als sein
Schätzchen – von der „Musik“ überwältigt – zu tanzen beginnt. Er bemüht sich
mitzutanzen, muss sich aber in seinen Sessel verweisen lassen:
„Nein (!), Opa!
Ich will allein tanzen. Setz du dich da hin!“ Eigentlich ist ihm das auch
lieber. So kann er seine Tänzerin ja noch viel besser genießen. Er ist nur ein
bisschen traurig, dass Oma das nicht sieht, die sicher auch ihre helle Freude
daran gehabt hätte.
Und immer, wenn
ein Lied zu Ende ist, kann er gleich sitzen bleiben. Nina hat längst gemerkt,
wie sie ein neues hervorzaubern kann. Schließlich ist Mama mit dem Essen fertig,
und seltsamerweise ist die Kleine sofort bereit, mit nach oben zu gehen. Wenn
man sich klar macht, wie lange sie schon auf den Beinen ist, dann kann ihre
Müdigkeit nicht verwundern. Obwohl sie bisher nichts davon hat spüren lassen.
Zurück bleibt ein
restlos zufriedener und glücklicher Opa. Und ein sehr verlockendes Sofa!
Kraftwerke (Aphorismus, 29.11.2005)
Braunkohlekraftwerke sind Dreckschleudern; AKWs auch.
Sprachentwicklung
Bisher hat Nina
immer „Nein“ gesagt. Neuerdings benutzt sie mit Vorliebe „Nää!“
Opa sorgt sich ein
wenig um ihre Sprachkultur und erkundigt sich, ob das die Kinder im Kindergarten
sagen würden.
„Nää, Opa. Ich
sage das.“, lautet die Antwort.
Nina und Opas Geburtstag
Am Vorabend
von Opas 70. Geburtstag hat Nina einen kleinen Kranzkuchen (s. Bild) für ihn
gebacken. Das ist gar nicht übertrieben, denn sie hat die Zutaten, die Mama auf
dem Ninatisch in der Küche bereit gestellt hat, ganz allein zusammen geschüttet
und gerührt, bis der Teig fertig war. Den hat sie dann selber in die kleine
Springform gefüllt und die in den Backofen geschoben. Mama hat zwar den Ofen
eingeschaltet
und den heißen Kuchen heraus geholt, aber Nina hat ihn dann ganz
sorgfältig mit Kuvertüre bepinselt. Natürlich hat sie auch die „Zuckerkonfetti“
darüber gestreut und – das Wichtigste: die sieben kleinen Kerzen hinein
gesteckt, eine für jedes Jahrzehnt, und eine gelbe Serviette gefaltet und das
Loch in der Mitte damit dekoriert.
Als der
Kuchen fertig ist – schon recht spät am Abend – muss sie ihn dem
„Geburtstagskind“ selbstverständlich sofort bringen. Mamas Protest ist zwecklos.
Opas Überraschung und Riesenfreude sind offenbar der schönste Lohn für die
kleine Bäckerin. Nun kann sie sich zufrieden in ihr Bett zurückziehen.
Die
eigentliche Überraschung für Opa kommt allerdings erst am Geburtstagsmorgen:
Diesmal kommt keine stumme Nina die Treppe herunter – wie sonst auf dem Weg zum
Kindergarten –, sondern eine freudestrahlende, die ihm ganz lieb gratuliert und
sich herzlich von ihm verabschiedet.
Während Opa
noch den ganzen Morgen darüber grübelt, wie Mama das wohl geschafft haben mag,
erwartet ihn am frühen Nachmittag noch eine Steigerung: Keine herausgestreckte
Zunge, keine Tritte vors Schienbein, keine „bösen“ Wörter, kurz keinerlei
Aggression, sondern nur sein lieber Schatz, der ihm haarklein erzählt, wie es im
Kindergarten gewesen ist und Opa für eine geraume Zeit seinen mittlerweile
erschienenen Gästen abspenstig macht. Gut, dass Oma da ist und sich um die Gäste
kümmert.
Als sich
Opa dann doch wieder den Gästen widmen muss, weiß sich sein Schätzchen sehr
geschickt darin zu fügen und die Gesellschaft durch ihren Charme zu bezaubern.
Opa ist ganz stolz!
Am Tag
darauf scheint zwar alles wieder „normal“ zu sein, aber bei der Rückkehr vom
Einkauf lacht ihn Nina wenigstens wieder an. Wo sie war, will sie zwar nicht
verraten, aber das Reklamefähnchen in ihrer Hand verrät es Opa schon von selber
– denn der kann ja lesen.
Am Abend
kreuzt sie aber ganz plötzlich wieder bei ihm auf und bleibt über eine Stunde
allein da, um mit Opa zu spielen, vor allem Rollenspiele mit Tieren, und Bücher
zu „lesen“.
Beim Lesen
des großen Bilderbuchs „Meine Uhr“, überrascht sie ihn noch einmal, denn sie
kann jetzt jede genannte Uhrzeit (volle Stunden) auf der im Buch integrierten
Uhr richtig einstellen.
Opa hat ein
Glas mit dem Kleingeld, das er regelmäßig aus seiner Geldbörse aussortiert,
damit die ihm nicht seine Hose herunterzieht. Zur Feier des Tages schüttet er
Nina eine Portion aus dem Glas auf den Tisch, damit sie etwas in ihre Spardose
werfen kann. Nina teilt jedoch das Münzhäufchen und erklärt ihm, das kleinere
Häufchen sei genug für die Spardose, das größere solle er wieder in sein Glas
zurücklegen. Er brauche ja schließlich auch Geld.
Aber eine
frische Ananas, die vom Vortag übrig geblieben ist, nimmt sie gern mit nach
oben. Allerdings muss sie erst mal daran schnuppern, ob sie auch wirklich frisch
ist.
Fortschritt
(16.11.2005)
Nina sei, ohne
sich festzuhalten – weil sie ja in jedem Händchen ein Eis gehalten habe (eins
für Opa und eins für sich selber), die Kellertreppe hochgestiegen, sagt Mama.
Dann lässt sie die beiden allein.
Die lassen sich
das Eis schmecken. Gegen Ende des „Gelages“ fällt Nina ein aufgeweichtes
Stückchen Eis auf den Teppich. Sofort bückt sie sich, hebt das, was sich noch
fassen lässt, auf und schmiert es dem vor ihr hockenden Opa auf den Kopf.
„Das ist gut für
die Haare“, meint sie dabei. Bei so viel Fürsorglichkeit kann Opa natürlich
nicht protestieren.
Beim
anschließenden Singen geht’s diesmal nicht von Seite zu Seite im Liederbuch,
sondern die kleine Sängerin sucht die Lieder ganz gezielt aus. Alle, die sie
schon einigermaßen beherrscht, scheinen ihre „Favoriten“ zu sein. Opa rätselt
noch, woran sie sie erkennen mag, denn diesmal hat sie ein Liederbuch ohne
Bilder ausgesucht.
Als für sie die
Zeit kommt, wieder nach oben zu gehen, fällt ihr die neue Fertigkeit wieder
ein.
„Weißt du, was ich
schon kann, Opa?“, sagt sie, „Ich kann schon ohne Geländer die Treppe rauf
gehen!“ Als der ihr zu skeptisch erscheint, ergänzt sie ihre Aussage noch ein
wenig:
„Das kannst du
glauben! Komm mal, ich zeig dir das!“
Und tatsächlich!
Es stimmt! Opa geht zwar vorsichtshalber dicht hinter ihr, aber sie schafft den
Aufstieg problemlos.
Na ja, beide
Händchen sind auch diesmal wieder voll. Denn Opa hatte den Fehler begangen,
seine Geldbörse auf dem Tisch liegen gelassen zu haben. Beim obligatorischen
„Blick hinein“ hatte sein Schätzchen unbekümmert zugegriffen. Und was sie jetzt
nach oben trägt, ist ihre „Beute.“
Oben kann der
Ex-Besitzer nur noch registrieren, wie das Geld klimpernd in Ninas großem roten
Sparschwein verschwindet, Münze für Münze.
Heut’ klang es –
recht zerknirscht – aus Edmunds Mund:
„Ehrlich gesagt, ich leide wie ein Hund.“
Abendstimmung
(14.11.2005)
Opa hat gestern einen herrlichen Abend mit der jungen
Familie verbracht. Allen schmeckte das Essen außerordentlich gut, das er für sie
gekocht hatte. Und Nina war mit einem Törtchen für ihn herunter gekommen, das
sie (mit Mama) "gebackt" hatte. Eigentlich hätte er das jetzt nicht mehr so schreiben dürfen, denn da er es nicht hatte
lassen können, noch einmal "gebacken" zu sagen, bemerkte er, dass sie ganz
versonnen einige Male "gebacken" vor sich hin sagte. Nach dem Essen blieben die
beiden "Frauen" noch fast zwei Stunden bei ihm.
Dabei überraschte ihn die Kleine, weil sie Oma und Opa
sogar auf uralten Kinderbildern mit traumhafter Sicherheit identifizieren
konnte, obwohl sie die Bilder noch nie gesehen hatte. Er konnte gar nicht
schnell genug immer neue hervorkramen.
Dann spielten alle - unter Ninas Anleitung - noch ein paar
Spiele aus dem Kindergarten, zu denen man nur die Hände gebraucht, und die
Stimme natürlich, zum Singen. Die Zeit verging wie im Flug.
Als die beiden wieder nach oben gingen, wurde Opa noch ein
„überaus freundliches“ Abschiedswort zu Teil:
„Gute Nacht, du blöder Kerl!"
Aber es klang wie eine Liebeserklärung, vor allem, wenn man
ihre Augen dabei sah. Und wegen des Tonfalls.
Ex opere operato
(14.11.2005)
Jahrzehntelange aktive Teilnahme an Gottesdiensten beider
Konfessionen (römisch-katholisch und evangelisch) hat mir einen Unterschied beim
„Vaterunser“ bewusst gemacht, eine Kleinigkeit in manchen Augen (besser: Ohren)
vielleicht, aber deutlich.
In der römisch-katholischen Messe ist das Vaterunser viel schneller.
Dass die
Geschwindigkeit, mit der das „Gebet des Herrn“ in der Messe gebetet wird, in mir
– als evangelischem Christen – ein gewisses Unbehagen auslöste, war mir lange
nicht ganz klar. Aber je mehr ich es spürte, desto stärker wurde mein innerer
Vorbehalt.
Dann
begegnete mir – bei der Beschäftigung mit der katholischen Theologie – der
Begriff des „ex opere operato“ (lateinisch; = „aus dem Vollzug des Werkes
heraus“), mit dem ausgedrückt werden soll, dass sich die Wirkung, in diesem Fall
des Gebetes, aus seinem bloßen Vollzug ergibt, unabhängig von der inneren
Einstellung dessen, der es tut, hier: spricht. Derselbe Grundsatz betrifft auch
die Sakramente.
Klar,
dachte ich zuerst, für einen Katholiken genügt es, das Gebet
„herunterzurasseln“, ohne sich etwas dabei zu denken. Aber das erwies sich als
falsch!
Nach der
heutigen katholischen Lehre ist die Vorstellung, „die Wirkung von Gebeten oder
sakramentalen Zeichen ihrem bloßen äußeren Vollzug zuzuordnen, unabhängig von
der inneren Einstellung, ein Rückfall in den Aberglauben und ein Verstoß gegen
das erste Gebot.“
Dass das
nicht immer so war, sondern die lange, auf Peter von Poitiers (um 1205), Thomas
von Aquin und Papst Innozenz III. zurückgehende Idee des „ex opere operato“ noch
heute in der kirchlichen Praxis nachwirkt, zeigt deutlich, wie lange sich
„Sitten und Gebräuche“ halten können.
Ich selber
habe es inzwischen gelernt, mich auch innerlich schneller zu sammeln.
In der Kirche
(13.11.2005)
Eben war
Nina zum ersten Mal in der Kirche. Wenn man von ihrer Taufe mal absieht. Der
Kindergarten „Unserer lieben Frau“ hatte die Gestaltung der Sonntagsmesse zum
Thema „St. Martin“ in „St. Jakobus d. Ä.“ übernommen. Opa durfte in Mamas Auto
mitfahren.
Schon
gleich beim Einsteigen erklärte ihm Nina:
„Wenn mir
das nicht gefällt, gehen wir alle wieder raus und fahren nach Hause!“ Opa war
gespannt.
Zuerst
ging’s zum Kindergarten. Opa wartete draußen, und Mama ging mit Nina hinein.
Aber lange war er nicht allein, denn – wie alle anderen Mütter – wurde Mama
wieder hinaus geschickt. Also ging sie mit Opa schon mal den Kirchberg hinauf
und, als es Zeit war, in die Kirche hinein.
Um Punkt
9:30 Uhr öffnete sich die große Kirchentür, und alle Kinder kamen mit ihren
Fackeln und den Betreuerinnen herein, angeführt von Dechanten mit den
Messdienern.
Da alle
Lichter in der Kirche erloschen waren, herrschte ein mystisches Halbdunkel.
Trotzdem konnte Opa sehen, dass ihn Nina im Vorübergehen erkannte. Noch schien
ihr alles zu gefallen, denn sie lächelte ihm zu.
Da sein
Platz aber ziemlich weit hinten war, konnte er das Folgende nur noch akustisch
wahrnehmen. Zum Glück gingen bald auch die Lichter wieder an, und erstaunlich
kraftvoll erklang der Gesang der hellen Kinderstimmen, nur von Gitarren
begleitet.
Opa war
froh und zufrieden. Ninas „Rausgeh-Option“ schien vergessen. Und er staunte,
welche Teile der Liturgie problemlos von den Kindern übernommen wurden,
kindgemäß zwar, aber ohne jeden Verlust an geistlicher Substanz. Leid tat ihm
nur der ältere Herr, der ihm vor der Messe – im Blick auf die Gestaltung durch
den Kindergarten – erklärt hatte, er bedaure, nicht zu Hause geblieben zu sein.
Mit den Kindern gebe es doch „keine richtige Andacht.“ Armer Mann! Opa
jedenfalls erlebte den tieferen Sinn des Jesu-Wortes „Lasset die Kinder zu mir
kommen!“ ganz neu.
Und das
„Wunder“ geschah: Offenbar hatte Nina keinerlei Unlustgefühle. Nichts mit
Rausgehen! Nur Opa musste – wegen seiner operationsbedingten Blasenverkleinerung
– etwas früher nach draußen. Nach der Erleichterung betätigte er sich als Tester
für den vor der Kirche angebotenen „Glühwein“ und stellte fest, dass der eine
irreführende Bezeichnung trug. „Lauwein“ wäre treffender gewesen! Den jungen
Damen, die das Getränk anboten, blieb gerade noch etwas Zeit, die Temperatur zu
steigern.
Dann kamen
Nina und Mama im Strom der anderen Messteilnehmer aus der Kirche. Nina wollte
weder Kakao noch ein Weckmännchen. „Glühwein“ bot Mama ihr wohlweislich nicht
an. Opa auch nicht! Da aber alle Kinder des Kindergartens einen Gutschein
erhalten hatten, holte Mama den Weckmann wenigstens ab. Dann ging’s den
Kirchberg hinab zum Auto zurück. Beim „Abstieg“ erfuhr Opa, Nina habe „alles
schön“ gefunden.
Und der
kleine Weckmann war nur noch zur Hälfte vorhanden, als der Wagen zu Hause
anhielt.
Koalitionsvereinbarungen
(12.11.2005)
O-Ton Stoiber:
„Gemein...samm...eeh...“
So klang es, als Edmund Stoiber die
Überschrift der Koalitionsvereinbarungen nannte.
Richtig lautet deren Titel natürlich nicht
„Gemein sind wir“, sondern:
„Gemeinsam für Deutschland mit Mut und
Menschlichkeit“
Marken-Kids
Unter dieser Überschrift berichtet die
„Frankfurter Rundschau“ heute (11.11.2005) auf ihrer Titelseite von einem
Phänomen, das in Großbritannien immer stärker um sich greift:
Eltern benennen ihre Kinder mit Markennamen,
wie „Ikea“, „Moët“, „Apple“ usw.
Diese Erscheinung habe in den letzten zwölf
Monaten um 20 % zugenommen.
Dazu ein Kurzgedicht:
Manch Hündchen, das heißt „Waldi“,
doch wenn in Zukunft „Aldi“
als Jungenname üblich,
das wär’ schon recht betrüblich.
Auch wer ganz preisbewusst,
sollt’ dennoch seine „Lust
nicht einfach übertragen
so auf die armen Blagen.
Darf Opa zur Chorprobe? (10.11.2005)
Heute Abend
war Opa noch mal kurz zum Einkaufen weg, als Nina mit Mama nach Hause kam.
Natürlich betätigten sich die beiden als „Einbrecher“ in Opas Wohnung, denn Mama hatte Hunger,
und Opa hatte vorsorglich das Sauerkraut mit Schweinebauch und Kartoffelbrei auf
dem Herd bereit gestellt. Da Nina im Kindergarten und bei Oma schon genug
gegessen hatte, hatte sie natürlich keinen Hunger.
Stattdessen
musste Opa ihr zuerst einmal das Reklameschaumgummibällchen von Skoda erklären,
das er beim etwas gründlicheren Staubsaugen unter der Couch wieder entdeckt und
auf die Couch gelegt hatte. Das Bällchen war eine stark vereinfachte und
ziemlich verzerrte Wiedergabe der Erdkugel.
Das war für
Nina nichts Neues. Sie wollte jedoch genau wissen, wo sie selber wohl war.
Natürlich irgendwo auf dem Grünen, nicht in dem Blauen. Das war ja Wasser.
Systematisch zeigte sie auf alle Erdteile, einen nach dem anderen, und gab erst
Ruhe, wenn sie wusste, was das war. Opa musste nicht nur zeigen, wo Deutschland
und das Rheinland waren, sondern auch Spanien wurde verlangt.
Seltsam,
immer wieder kam sie zu Sumatra! Und auch Tasmanien und Neuseeland hatten es ihr
offensichtlich angetan. Dabei waren das doch nur kleine grüne Flecken auf dem
blauen Bällchen. Vielleicht gefielen ihr die Namen der Inseln? Opa kam nicht
dahinter.
Anschließend schnappte sie sich einen Kugelschreiber von
Opas Schreibtisch und wollte die Tischplatte im Wohnzimmer „verschönern.“
Merkwürdig: Opas Einwände dagegen wurden diesmal ernst genommen! Natürlich
brauchte sie ein Blatt Papier als Ersatz.
Das gab ihr
Opa zusammen mit einem Stück Pappe als Schreib- und Zeichenunterlage, da sie
sich auf dem Teppich niedergelassen hatte. Die Pappe war natürlich überflüssig,
denn Nina zeigte dem alten Mann ganz genau, dass überhaupt keine Löcher ins
Papier kommen, wenn man nur behutsam genug mit dem Kugelschreiber umgeht.
Nachdem sie
noch zwei Bücher sehr gründlich studiert hatten, wobei Opa ihr erklärte, wieso
sich das große („Unser Haus“) nur so schwer öffnen ließ – es hatte nämlich einen
Magnetverschluss -, erwähnte er beiläufig, dass er heute Abend noch zum Chor
müsse, zum Singen.
Nina fand
das gar nicht gut. Sie meinte:
„Singen
kannst du doch auch mit mir, Opa! Das ist doch viel schöner.“
Aber Opa
versuchte ihr ganz geduldig klar zu machen, dass er zum Singen gehen müsse.
Und sie
selber gehe doch gleich mit Mama zu Papa nach oben. Dann sei er selber doch
allein. Das einzige, was sie wohl einsah, war, dass sie Opa nicht daran werde
hindern können, zu gehen. Also wollte sie seine Hand.
Als Opa ihr
die Hand gab, hatte sie ihm blitzschnell mit dem Kugelschreiber, seinem eigenen,
den sie immer noch in der eigenen Hand hielt, etwas auf den Handrücken
„geschrieben.“ Das konnte Opa natürlich nicht lesen, obwohl es deutlich nach
einer sogar ziemlich eleganten Schrift aussah. Auf ein etwas längeres Zeichen
folgte ein ziemlich kurzes.
Als sie ihm
das vorlesen sollte, sah sie ihn zuerst recht kritisch an, zumindest kam es ihm
so vor. Dann folgte sie seiner Bitte und sagte:
„Da steht:
‚Blöder Kerl!’“
Opa hat die
Charakterisierung erst in der Probenpause abgewaschen.
Kuschelwohnen?
(10.11.2005)
„Kuschelwohnen
macht glücklich“
„Kuschelwohnen
färbt Nebeltage heiter“
„Kuschelwohnen
lässt die Seele atmen“
„Kuschelwohnen
dehnt die Zeit“
Jetzt weiß ich
Bescheid. Wenn man sich – für teures Geld – all den Schrott zugelegt hat, den
„Das Haus“ (Nr. 11/2005, Seite 11 – 17) anpreist, kann man an heiteren
Nebeltagen glücklich die Seele atmen (zum Glück nicht „baumeln“!) lassen und die
Dehnung der Zeit genießen.
Oder sich über die
unnötigen Ausgaben ärgern.
Dazu:
Man möge mich verschonen
mit solchem „Kuschelwohnen“!
Ich wohne lieber schlicht
und kauf den Krempel nicht.
Der Tagedieb
(10.11.2005)
Ein „Tagedieb“ klaut Tage,
so legt das
Wort es nah.
Wie’s geht,
das ist die Frage,
und auch,
ob’s je geschah.
Schaut man
auf all die Fakten,
die unsrer
Lebenszeit,
schon
manches Stück abzwackten,
dann ist
man schon bereit,
das eine
oder andre
dazuzurechnen wohl.
Doch wenn
im Geist ich wandre,
erscheint
mir das recht hohl.
Da jeder
Dieb den eignen
Profit nur
hat im Blick,
so lässt es
sich nicht leugnen:
Es klappt
nicht mir dem Trick,
den
Tagedieb zu fassen
als „das,
was Tage klaut.“
Das sollt’
man lieber lassen,
wenn auf
den Sinn man schaut.
’ne kleine
Zigarette
zählt sonst
vielleicht dazu,
obwohl sie
doch – ich wette –
ist niemals
so’n Filou.
Der
Tagedieb, wie alle,
die klauen,
tut’s für sich.
Das heißt
in diesem Falle,
da denk ich
mehr an dich,
du „guter“
Arbeitgeber,
der ohne
Lohnausgleich
als
Mehrarbeitsanstreber
jetzt
klopft die –nehmer weich.
Du klaust
mit deinem Treiben
dem armen
kleinen Mann
schon
ziemlich dicke Scheiben
der
Lebenswurst. Und dann?
Wenn du
dann auch das Deine
– grad wie
ein Ackergaul –
würd’st
tun, nur dann alleine
wär’s gut.
Dein Trick ist faul.
Wer immer
nur im Auge
den eigenen
Profit,
dass der so
recht nichts tauge,
will sagen
ich damit.
Ein
Tagedieb deswegen
ist
keinesfalls ein Ding,
ein böser
Mensch dagegen,
dem ich
kein Loblied sing.
Umsicht und
Fürsorge
(10.11.2005)
Gestern hat Opa
Oma begleitet, als sie Nina im Kindergarten abholte.
Auf dem Weg zu
Omas Wohnung hüpfte die Kleine fröhlich voraus, etwa zehn bis zwanzig Meter.
Aber an jedem Bordstein wartete sie schön. Nur wo Vorgärten mit einer niedrigen
Steineinfassung waren, musste sie an Omas Hand balancieren.
An drei Stellen
war die Fahrbahn zu überqueren. An der ersten Stelle ist ein Zebrastreifen. Nina
war mit Oma schon drüben, Opa noch auf dem Zebrastreifen, als ein Bus kam. Ganz
aufgeregt rief sie:
„Opa, pass auf! Da
kommt ein Bus!“
Offenbar hat sie
Opa immer im Blick. Nun ja, Trottel darf man ja wohl nicht aus dem Auge lassen.
Auch auf dem Stück Weg am Altenheim entlang, einem reinen Fußweg, wo eigentlich
nichts passieren kann. Leider wird der Weg immer wieder von Radfahrern benutzt.
So war’s auch gestern.
Fast wäre Opa
umgefahren worden, aber sein „Schutzengelchen“ konnte ihn noch rechtzeitig
warnen.
In Omas Wohnung
hatte Nina keine Zeit für frische Pflaumen und ihre geliebten Fruchtzwerge.
Zuerst musste sie Opas Kakao fertig machen. Im Handumdrehen schob sie einen
Stuhl an den Arbeitstisch und füllte geschickt die richtige Menge Kakaopulver in
die große Tasse. Ohne Schweinerei! Nur die kochende Milch durfte Oma
hinzufügen.
Erst als Opa
seinen Kakao hatte, holte sich Nina zwei Fruchtzwerge aus dem Kühlschrank. Die
waren eher leer als Opas Tasse Kakao. Aber der war ja auch viel heißer!
Als der alte Mann
in kleinen Schlückchen seinem Heißgetränk zu Leibe rückte, fühlte er sich
richtig glücklich – so umsorgt und umhegt.
Abendstunde (08.11.2005)
Der Kindergarten
ist wirklich vorbildlich: Ninas Martinstüte – die sie gestern nicht erhalten
hatte, weil sie den Martinszug versäumt hatte – stand eben heute für sie
bereit.
Natürlich musste
Opa den gesamten Inhalt – der schon gewaltig war – begutachten. Er hatte aber
kaum Hände genug, all die „milden Gaben“ abzuwehren, mit denen Nina ihn
überhäufen wollte. (Schließlich ist Papa, im Gegensatz zu seiner Tochter, ein
ausgesprochener Fan von Süßigkeiten!)
Warum ausgerechnet
Opa zum Adressaten all der Geschenke ausgesucht war, blieb ihm allerdings
verborgen, denn Nina weigerte sich beharrlich, ihn als „lieb“ zu bezeichnen. Im
Gegenteil: einziges Ergebnis seiner Bemühungen war: Wieder einmal durfte er
hören, dass er ein „Trottel“ sei. Als er es nicht aufgab, eine günstigere
Beurteilung anzustreben, kam nur die Präzisierung:
„Ach, Opa, du bist
ein blöder Trottel!“
Auf die
vorsichtige Erkundigung, ob jemand im Kindergarten solche Wörter gesagt habe,
erfuhr er nur:
„Nein, ich sage das!“
Na ja, da war er
schon ganz erleichtert, als sein Vorschlag, noch mal ein paar Bücher zu lesen,
mit Begeisterung aufgenommen wurde.
Und dass sich Nina
beim Lesen ganz eng an ihn kuschelte, tat dem Trottel richtig gut.
Die
Geburtstagskarte (07.11.2005)
Heute hat Opa die
erste Geburtstagskarte zum seinem bevorstehenden Siebzigsten bekommen. Und das
kam folgendermaßen.
Der Kindergarten
hatte am heutigen Spätnachmittag seinen Martinszug. Nina hatte (mit Mamas Hilfe)
eine wunderschöne Laterne gebastelt. Um 12 war im Kindergarten Schluss, die
Kinder sollten um 17:15 Uhr mit ihren Laternen wieder da sein. Da Mama bis 16:00
Uhr arbeiten musste, hatte Oma die Kleine um 12 abgeholt.
Aber alles kam
ganz anders. Als Mama um kurz nach 4 zu Oma gekommen war, war Nina auf ihrem
Bauch eingeschlafen. Nicht untypisch!
Mama konnte es
nicht übers Herz bringen, das Kind zu wecken. Also verpassten sie den Martinszug
– und die Martinstüte! Aber das mit der Tüte war noch das geringste Übel, da
Nina sich nichts aus Süßigkeiten macht. Als sie endlich wieder wach war, da war
schon alles zu spät. Und sie wollte so wie so noch bei Oma bleiben.
Schon Mittags
hatte sie in einer von Omas Schubladen eine winzige Karte entdeckt. Die wollte
Oma eigentlich behalten, um sie einem „Geburtstagskind“ ans Geschenk zu hängen.
Auf entsprechende Fragen gestand sie Nina, dass Opa als Nächster Geburtstag
habe.
Das war für Nina
natürlich das richtige Stichwort. Jetzt wollte sie selber Opa die Karte
schreiben. Und das tat sie auch umgehend.
Aber als sie am
Abend mit Mama nach Hause kam, hatte sie zwar die kleine Karte im lila Umschlag
dabei, aber sie wollte sie Opa nicht
selber geben. Das musste Mama tun. Ist ja auch nicht normal, dass der
Briefschreiber selber seine Post überreicht.
Opa war ganz
überrascht und hellauf begeistert; dass sein Geburtstag erst in mehr als zwei
Wochen ist, war ihm ganz egal. Und dass Nina ihm die ganze Karte vorgelesen hat,
empfand er als besonders hilfreich und angenehm. So konnte er wenigstens alles
richtig verstehen.
Da er die beiden
am Wagen abgeholt hatte, war ihm kalt geworden. Nina machte die Kälte aber
nichts aus. Im Gegenteil, sie ging noch ganz begeistert mit Opa zum
Tiefkühlschrank im Keller, um sich ein Eis auszusuchen. Dass Opa keins wollte,
war ihr zwar unverständlich, aber sie ließ ihm seinen Willen.
Die
Geburtstagskarte hat nun einen Ehrenplatz in Opas Dokumentenmappe!
Wandel
(06.11.2005)
(Aphorismus)
Früher ließ man
Schwerverbrecher baumeln, heute die Seele. – Arme Seele!
Nina als Küchengeriagogin¹ (05.11.2005)
Als Opa gestern
stundenlang auf „seine Frauen“ gewartet hatte², vergeblich, weil Mama mit Nina
(und Tiffy) nach dem Kindergarten gleich zu Oma gefahren war, da hat er eine
Premiere verpasst. Doch heute hat er es am Telefon von Oma erfahren.
Weil Mama Hunger
hatte, wollte Oma ihr Rührei machen und Mama ließ die Bemerkung fallen, Nina
könne schon Eier aufschlagen – was Oma allerdings anzweifelte. Jedenfalls durfte
sich die „kleine Köchin“ einen Hocker als Standfläche an Omas Arbeitsplatte
schieben.
Oma gab ihr eine
Schüssel und legte ihr Eier hin. Nina nahm das erste Ei und sagte zu Oma:
„Pass auf, Oma! So
geht das.“
Dann schlug die
das Ei mit Gefühl auf den Schüsselrand, und im Nu waren Eiweiß und Dotter in der
Schüssel. Kein Tröpfchen daneben! Dasselbe geschah mit dem zweiten Ei. Oma war
starr vor Staunen. Aber nicht lange, denn schon sagte Nina:
„So. Jetzt hast du
gesehen, wie das geht. Ich glaube, das kannst du auch.“ Und mit den Worten:
„Probier’s doch mal!“, gab sie Oma das nächste Ei.
Oma „probierte“,
und es klappte auf Anhieb. Nina strahlte vor Begeisterung:
„Siehst du? Jetzt
kannst du es schon.“
Vom Rührei hat sie
natürlich selber nichts gegessen. Sie hatte ja bereits im Kindergarten ihr
Mittagessen gehabt. Dafür aber hat sie in Omas Bett Mittagsschlaf gehalten.
Ausgiebig!
Oma war noch heute
ganz voll Bewunderung für den kleinen Schatz, den sie immerhin ganze drei Tage
nicht gesehen hatte. Ein echtes Versäumnis, wie Opa nur bestätigen kann.
¹ Eine „Geriagogin“ ist
eine „Altenerzieherin“, wie eine „Pädagogin“ eine „Kindererzieherin“ ist. Dass
Ninas geriagogische Aktivität sich nicht nur auf Oma richtet, hat Opa ja schon
auf seiner Autorenseite zum Ausdruck gebracht.
² Speziell mit dieser „Warterei“ beschäftigt sich der Beitrag "Beim Warten mit dem Mittagessen" vom Vortag:
Beim Warten mit dem Mittagessen
(04.11.2005)
Heute treiben’s meine „Frauen“ auf die Spitze!
Jetzt sind es schon wieder Stunden, dass ich sitze
und mit banger Hoffnung auf sie warte.
Bin doch kein Geduldschwein, dick von Schwarte!
Längst das Essen fertig, mehrfach aufgewärmt.
Blick ich in den Spiegel, seh’ ich, wie verhärmt
ich inzwischen aus den Augen schau.
Schwer ertrag ich den Erwartungsstau.
... des Jahres? (05.11.2005)
Seehund,
Phoca vitulina (Foto: Aquarium Kiel)
Der Seehund, Phoca
vitulina,
der reimt sich ja
auf Opas Nina!
Deshalb, ihn jetzt
geehrt zu seh’n
als „Tier des
Jahres“, das ist schön.
Zwar ist er erst
im nächsten Jahr,
was Opas Nina
längst schon war,
natürlich nicht
als „Tier des Jahres“,
vielmehr als Kind,
als wunderbares,
und auch nicht nur
als „Kind des Jahres.“
Nein, sie ist
mindestens, wen wundert’s,
für Opa – schlicht – Kind des Jahrhunderts.“
"Kind des
Jahrhunderts" (Foto: S. Schmitz)
Entwicklung
(04.11.2005)
(Aphorismus)
Urnen gehören nicht zu den Entwicklungsvasen, denn sie treten erst in Erscheinung, wenn diese vorbei sind.
(Von Mitteilungen
in Bezug auf die Rechtschreibung, bitte ich – aus Pietätsgründen –
abzusehen.)
A oder I
(04.11.2005)
Vokaldreieck
(aus Wikipedia)
A und I sind nur
zwei Vokale im Deutschen. Als Buchstaben oder Laute betrachtet, sagen sie nicht
viel aus. Lang ausgesprochen, wie bei „ah“ oder „ih“, wird schon eher ein
Unterschied erkennbar: „Ah“ drückt Bewunderung aus, „ih“ dagegen Ablehnung oder
Ekel.
Die Abbildung
(„Vokaldreieck“) zeigt die unterschiedlichen Artikulationsstellen der beiden
Laute: „A“ entsteht bei offenem, „i“ bei geschlossenem Mund. Allerdings soll das
hier keine phonologische Abhandlung werden. Mir geht es um ganz etwas
anderes.
Meine geneigten
Leserinnen und Leser werden kaum verwundert sein, wenn sie lesen, dass wieder
einmal Nina der Ausgangspunkt meiner Überlegungen ist. Keine Rolle spielt dabei
die Tatsache, dass die beiden Laute den vokalischen Anteil an Ninas Namen
bilden. Hier geht es vielmehr um „Opa“ und „Opi.“
Als die Kleine
sich heute Morgen liebevoll verabschiedete, um zum Kindergarten zu fahren, da
drehte sie sich auf dem Weg zum Wagen noch einmal um und rief:
„Tschö, Opi.“
Auf dem Weg zurück
ins Wohnzimmer wurde mir bewusst, dass sie in letzter Zeit immer häufiger diese
Variante benutzt, um mich anzusprechen. Dabei kann sie auf kein Vorbild aus der
Familie zurückgreifen, denn weder Mama oder Papa noch Oma oder sonst jemand
verwendet diese Form.
Aber viele ihrer
Lieblingstiere und –puppen tragen Namen auf –i (-ie, -y). Mama, Papa und Oma
werden auch mit den Varianten auf –i angesprochen, aber eigentlich nur in
besonderen Situationen. Na ja, und Opa. Und der glaubt bemerkt zu haben, dass
die I-Variante niemals in Kombination mit Schimpfwörtern vorkommt, nur bei
Sätzen wie: „Du bist mein lieber Opi.“ Oder „Danke, Opi, das hast du fein
gemacht (gekocht, gebacken, gesungen...).“
Inzwischen hat Opa
schon richtig Angst, „Opi“ könnte für ihn zum reinsten „Opiat“ werden...
Tischgespräche
(02.11.2005)
Heute hat Nina
schon im Kindergarten zu Mittag gegessen: Königsberger Klopse mit Kapernsoße,
Kartoffeln und Bohnen. Außer den Bohnen hat sie alles gegessen. Logisch, dass
sie da nicht mitessen will, als sie um 14:30 Uhr mit Mama nach Hause kommt.
Opa hat das Auto
gehört und schnell die Kartoffeln abgeschüttet und auf den Tisch gestellt, der
schon gedeckt ist, dazu die Pfanne mit den Koteletts. Der Salat stand schon da.
Da Opa Hunger hatte, hat er schon eher gegessen. Aber er setzt sich zu Mama, um
ihr Gesellschaft zu leisten. Und – o Wunder – Nina möchte auch am Tisch sitzen;
allerdings um zu malen, nicht zum Essen.
Irgendwie scheint
das Vorbild der essenden Mama abzufärben. Nina macht ihre Frühstücksdose auf und
inspiziert, was noch da ist. Nicht schlecht: ein paar Stücke Paprika (gelb), ein
paar Gurkenstücke und ein Schwarzbrotbutterbrot mit Salami. Nach und nach
verschwinden Paprika und Gurke zwischen Ninas Zähnen, ohne dass sie deswegen das
Malen unterbricht.
Da Opa weder zu
kauen noch zu schlucken braucht, kann er sich mit Nina unterhalten. Die malt mit
Ölkreiden, schönen bunten. Aber der doofe Opa vertut sich immer wieder mit den
Farben. Selbst die gelbe Paprika hält er für rot! Geduldig klärt Nina ihn auf.
Immer wieder. Bis er sie fragt, ob sie nicht in das Butterbrot in der Dose
beißen wolle. Da sagt Nina:
„Das ist kein
Butterbrot. Das ist eine Flasche Apfelschorle. Das Butterbrot ist da!“, wobei
sie auf die Schorle zeigt. Und dabei grinst sie nicht einmal. Trotzdem glaubt
Opa eine gewisse Genugtuung zu spüren.
Dann aber schaut
sie ihn plötzlich ganz ernsthaft an:
„Hast du schon
gegessen, Opa?“ Als der Gefragte bejaht, ist sie zufrieden. Aber seine Frage, ob
er sich denn jetzt auf die Couch legen dürfe, weil er so müde sei, wird
abschlägig beschieden:
„Nein, Opa, das
sollst du nicht. Du bleibst hier bei uns am Tisch!“ Alles Bitten nutzt nichts.
Das einzige Zugeständnis, das Opa erreichen kann, ist:
„Nun hör mal gut
zu! Wenn Mama fertig gegessen hat, gehen wir nach oben. Dann kannst du dich auf
die Couch legen.“ Und nicht immer die falschen Farben zu sagen, das muss er auch
versprechen.
Und so geschieht
es dann auch. Als Opa auf der Couch liegt, macht Nina ihm noch mit der
Fernbedienung die Stehlampe an, damit er es etwas „gemütlicher“ hat. Alle
anderen Lampen werden ausgemacht. An der Tür zur Diele dreht Nina sich noch
einmal um, winkt und ruft.
„Schlaf gut,
Opa!“
Dummerweise bringt
Papa am Abend ganz viel frische Bohnen mit. Die muss Opa natürlich morgen
kochen. Mal sehn, ob seine Bohnen denn
wenigstens Gnade finden. Um seinen Sauerbraten braucht er sich zum Glück keine
Gedanken zu machen...
Auf dem Weg zum
Mülleimer hat Opa heute Morgen eine letzte (?) Erdbeere entdeckt. Das fällt ihm
zum Glück wieder ein, als er den Wagen der jungen Familie am Nachmittag vom
Tierpark zurückkommen hört.
Nina ist sichtlich
aufgeschlossener als bei der Abfahrt. Diesmal spricht sie sofort mit ihm, als
sie ihn hinter dem Zaun entdeckt. Beim Stichwort „Erdbeeren Suchen“ muss Mama
sie direkt über den Zaun heben, damit sie schneller anfangen kann. An Opas
kleinem Finger geht’s gleich zu den bekannten Stellen. Miffy ist auch dabei.
Der „doofe“ Opa
hat ganz vergessen, wo genau er die kleine Erdbeere gesehen hat. Jetzt ist es ja
auch schon etwas dunkel. Aber Nina findet sie im Nu, und sogar noch eine
zweite.
Ganz nebenbei
erfährt Opa, wie sehr sich Miffy gefreut hat, dass sie im Tierpark all die Tiere
sehen durfte. Nein, diesmal hat Nina keine Tiere gefüttert. Das hat sie Mama
überlassen.
Zurück im
Wohnzimmer versucht sich Opa als routinierter Gastgeber: Banane? Apfel? Gurke?
Wurst? Käse? Etwas zu trinken? –
„Nein, danke, Opa.
Ich habe schon gegessen.“
Opas Enttäuschung
scheint ihr nahe zu gehen. Sie nimmt zwei Walnüsse und den Nussknacker aus der
Schale auf dem Schranksims und legt dem „Knacker“ auch die Fernsehzeitung als
Knackunterlage bereit.
Dummerweise ist
die erste Nuss taub. Insgeheim freut sich Opa, denn offensichtlich gibt’s nicht
nur doofe (= taube) Opas. Nina macht das
so wie so nichts aus, denn sie hat ja keinen Hunger. Bei der zweiten Nuss hilft
sie Opa sehr geschickt dabei, den Kern aus der Schale zu befreien. Aber essen
darf er die Nuss selber. Grund: siehe oben.
Nina möchte noch
einmal mit Opa ein Buch lesen. Miffy kennt ja auch noch nicht alle von Ninas
Büchern. Am liebsten wäre ihr ein Mausi-Buch, weil man da so viel ziehen,
schieben und klappen kann. Da die aber inzwischen alle oben sind, sucht sie ein
paar andere aus.
Und dann zeigt und
erklärt sie Miffy alles, was da zu sehen ist und was da steht. Der alte Mann ist
reduziert auf die Rolle ihres Sessels und – ach ja – die eines stummen
Zuschauers und –hörers. Aber der ist ganz begeistert von dem, was er sehen und
hören darf.
Eine Stunde ist im
Handumdrehen vorüber. Beim Blick durch die Terrassentür stellt Nina fest:
„Jetzt ist Nacht.
Ich geh besser nach oben.“
Aber Opa darf sie
wenigstens nach oben begleiten, als Gepäckträger gewissermaßen, damit ihre
Jacke, Miffy und eins von den Büchern auch nach oben kommen...
Stoiber und andere
Stäuber...
(01.11.2005)
Am Tag vor
Allerseelen
mag er sich nicht
mehr quälen.
Er bleibt wohl
doch in Bayern,
statt Wirtschaft
anzuleiern.
Und all der
Riesenstaub,
den Stoiber – mit
Verlaub –
bisher gewirbelt
auf
senkt sacht sich
im Verlauf...
Noch ist zwar
nicht vorbei
die ganze
Spielerei.
Der arme
Wählertor
steht ratlos nun
davor.
Wer, außer er?
Schon merkwürdig
fand ich die Sache,
die Baumann da
trieb mit der Sprache.
Zur Frage nach
Müntes Gewicht
beging er
Grammatikverzicht.
Gleich zweimal
erklang ungeniert,
was mich doch
schon stark irritiert:
Denn „Wer, außer
er?“ ist verkehrt.
Hat Baumann den
Dativ verzehrt?
Beim dritten Mal
endlich war’s richtig.
Das sage ich, weil
es mir wichtig.
Als Schwimmer im
„grammar main stream“
sprach brav er
nun: „Wer, außer ihm?“
Zum einem Interview mit Thomas Baumann im
ARD-Mittagsmagazin am 01.11.2005, 13:20 Uhr, über die aktuelle Lage der SPD.
Interviewerin: Hannelore Fischer.
Auf der Titelseite
zitiert die Reklamezeitung „Extra Tipp am Sonntag“ heute (30.10.2005) den
Vorsitzenden der CDU-Fraktion im NRW-Landtag, Helmut Stahl, mit den Worten:
„Äußere Zeichen wie das Kopftuch, die weltanschauliche
Fragen verkörpern, haben an unseren Schulen nichts zu suchen.“
Ordenstrachten und
Kreuze sind seit jeher an unseren Schulen zu Hause. Dass es sich auch dabei um
„äußere Zeichen“ handelt, dürfte nicht zu leugnen sein. Aber dagegen richtet
sich Stahl ganz bestimmt nicht. Ich frage mich nur, worin er denn den
Unterschied sieht. Vielleicht darin, dass Ordenstrachten und Kreuze keine
„weltanschaulichen Fragen verkörpern“,
sondern „weltanschauliche Antworten“?
Gegen
Markenklamotten hat Stahl bestimmt auch nichts einzuwenden. Ist nicht auch
Abgrenzung gegen andere, die sich so etwas nicht leisten können (oder wollen),
für manche Zeitgenossen eine „Weltanschauung“?
Aber – ach ja,
richtig! Eine solche Abgrenzung ist selbstverständlich auch keine „Frage“, sondern eine „Antwort.“
Kranzkuchen und Feigen (Foto:
Opa)
Heute, am
Spätnachmittag, kam Nina mit einem kleinen Kranzkuchen (siehe Abbildung) für Opa
nach unten. Den hatte sie mit Mama „gebackt.“
Nina und Mama
waren auf dem Weg zum Spielplatz. Nina bestand darauf, dass Opa mitging. Der
schaltete natürlich sofort seinen Rechner aus und zog sich Schuhe an. Auf
Pantoffeln wollte er nun doch nicht... Nach einem Blick aufs Thermometer (21,8
°C) verzichtete er auf eine Jacke. Absolut richtig, wie sich bald
herausstellte.
Staunen durfte er,
als ihm Nina auf dem Spielplatz zeigte, wie schnell sie schon – allein – das
Klettergerüst zur Rutsche hinaufsteigen konnte. Und Rutschen ist schon lange
kein Problem mehr.
Anschließend
eröffnete Frau Dr. Nina im Gebüsch am Spielfeldrand ihre Praxis. Mama und Opa
mussten sich ganz schön bücken, ehe sie ins eigentliche Behandlungszimmer kamen,
das sich dann doch als recht geräumig erwies. Dummerweise war der
Erste-Hilfe-Kasten nicht dabei. Aber Frau Doktor ließ sich nicht aus der Ruhe
bringen.
Mama
„schmerzendes“ Knie erhielt eine sanfte, schmerzstillende Speichelmassage. Dann
war Opa an der Reihe.
Erwartungsvoll hob
er sein rechtes Hosenbein an, bis sein Gebrechen zu sehen war: Auf dem
Schienbein prangte eine verschorfte echte Stoßverletzung, Andenken an eine Bank,
die er auf dem Marktplatz übersehen hatte, ausgerechnet auf dem Weg zur
Apotheke.
Dr. Nina unterzog
die Stelle einer eingehenden Untersuchung. Dann war ihr Entschluss gefasst. Ein
buntes Herbstblatt wurde mit einer gehörigen Portion Spucke haftfähig gemacht,
und schon war der Schaden versorgt. Der Patient musste selber staunen, dass auch
das Herunterlassen des Hosenbeins dem Wund(er)verband nicht schadete.
Wegen des
Abendessens ging Opa schon etwas früher nach Hause als die Frauen. Da er aber an
der Ecke bei einem Freund hängen blieb, der gerade seine zweite diesjährige
Feigenernte einholte, nutzte ihm sein Vorsprung gar nichts. So war auch Nina
schon da, als ihm der Freund und Nachbar ein Körbchen frisch geernteter Feigen
(siehe Abbildung) gab.
Zu Hause wollte
der Beschenkte Nina ein paar davon geben. Aber obwohl er ihr zeigte, wie lecker
sie waren, indem er vor ihren Augen eine Feige voll Behagen verzehrte, war der
Erfolg gleich Null.
„Nein, Opa, ich
mag die Feigen nicht!“, hieß es kategorisch. Auch der Blick in das rote Innere
einer frisch durchgebissenen Feige konnte daran so wenig ändern wie Opas
Hinweis, dass er ja auch den Kuchen von Nina angenommen habe...
„Das war was
anderes! Der Kuchen ist lecker. Die Feigen sind ekelig! Bah!“
Nicht einmal zum Riechen, geschweige denn zum Probieren ließ sie sich bewegen.
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Anm.: Die
in der Abbildung zu lesenden Schlagzeilen der Zeitungen sind reiner Zufall.
Es handelt sich um Ausgaben vom selben
Tag.
Rekordhitze schürt
Klimaängste
Am Strand von Brighton (Foto:
Scyscraper)
Von Steve Connor (Herausgeber für das Ressort
„Naturwissenschaften“, THE INDEPENDENT)
28.10.2005
(Übersetzung: Friedhelm Schmitz)
Zu Hunderten
bevölkerten Sonnenanbeter gestern den Strand von Brighton, wo die Temperatur
18,1 °C erreichte. In Kinlochewe an der äußersten NW-Küste
Schottlands waren es laue 22,4 °C.
Gerade mal vier
Tage vor Hallowe’en genoss Großbritannien den wärmsten 27. Oktober seit Beginn
der Aufzeichnungen 1880. Da sich das Vereinigte Königreich in der Hitze förmlich
aalte, wäre es früher abwegig erschienen, nach einer Erklärung dafür zu suchen.
Aber heutzutage, unter der düsteren Zukunftsaussicht der globalen Erwärmung,
treten extreme Wettermuster immer zusammen mit einer Gesundheitswarnung auf.
Warum war es also so warm?
Die Wetterexperten
erklärten, die Mini-Hitzewelle sei das Ergebnis eines großen Hochdruckgebiets
über SO-Europa und niedrigen Luftdrucks unmittelbar westlich von Irland.
Großbritannien war
zwischen diesen beiden Wettersystemen wie in einem Butterbrot eingeklemmt und
befand sich glücklicher Weise genau im Weg einer warmen Südbrise, die
unmittelbar aus dem heißen Sand N-Afrikas herüber wehte.
Ist dies wieder
einmal ein Beweis für den Klimawandel? War das die Art von Oktobertag, die
Britannien zu erwarten hat in einer Welt, wo globale Erwärmung Wirklichkeit
geworden ist?
Gestern sagte der
Price of Wales, der Klimawandel sei eines der größten Probleme, mit denen der
Mensch konfrontiert sei. Inzwischen hat der oberste Naturwissenschaftler, Sir
David King, zum wiederholten Male seine Überzeugung zum Ausdruck gebracht, die
globale Erwärmung sei ein größeres Problem als der Terrorismus.
Müssen wir jetzt
annehmen, ein ungewöhnlich warmer und sonniger Tag im Spätoktober sei der
Vorbote von etwas Beängstigenderem als einem Bombenanschlag auf die Londoner
U-Bahn?
Erderwärmungsskeptiker mögen sich abschätzig über den
Gedanken äußern, Tatsache ist: Ein Muster extremer Wetterereignisse ist drauf
und dran, unerschütterliche Beweise dafür zu liefern, dass sich das Weltklima
wandelt.
Ein einzelner
warmer Tag Ende Oktober beweist nichts, aber eine Serie warmer Tage oder Wochen
oder Jahre kann durchaus als Langzeitmodell des Klimawandels betrachtet
werden.
...
[Das Original, zu finden auf der Homepage von
THE INDEPENDENT, ist doppelt so lang; lesenswert.]
Das "Lösungsmittel"
Um die
Schwierigkeiten der Koalitionsverhandlungen bzw. der Regierungsaufgaben zu
veranschaulichen, benutzte die Physikerin A. Merkel heute einen bemerkenswerten
Vergleich. Im ZDF-Mittagsmagazin (28.10.2005, 13:05 h) sagte sie, diese Schwierigkeiten seien „mindestens so groß wie die der
Quadratur des Kreises, wenn nicht gar der Würfelung der Kugel.“
Dann ist ja alles
so einfach, dass jeder Handwerker es
ausrechnen können müsste. Wozu gibt es schließlich die Näherungszahl Pi? Sicher
nicht nur, um Pisageschädigte darauf hinzuweisen, dass sie auch einen
Taschenrechner nehmen können.
Jedenfalls lassen
sich mit π Quadratur und Würfelung praktisch leicht lösen. Die eigentliche
Problematik liegt doch in einem so vernachlässigendwerten theoretischen Bereich,
dass man sie schlicht vergessen darf. Oder nehmen Politiker plötzlich etwas
so genau?
Meines Erachtens
verstehen sie doch auch eine ganze Menge vom Würfeln.
Also Entwarnung:
Alles halb so schlimm!
Zackenbarsch ist kein
Bobo
(27.10.2005)
Weshalb gehört Z.
nicht zu den „Bohémiens Bourgeois“ – den „Bobos“? — Er schreibt nicht mit einem
teuren Füller. Überhaupt noch mit Füller zu schreiben, ja – so peinlich es ihm
jetzt auch ist, es eingestehen zu müssen – das hat er schon vor Jahren
aufgegeben.
Und wenn er sich
gelegentlich (trotz PC) noch einmal kalligraphisch betätigt, dann greift er
lieber zur guten alten Stahlfeder, einer breiten, und zum Holzfederhalter.
Was sind
eigentlich „teure“ Füller?
Z. weiß es jetzt,
nachdem er den höchst informativen Artikel „Ein Herz für Tinte“ von Christa
Hasselhorst in der heutigen Sonderbeilage „Inspiration“ der „ZEIT“ studiert hat.
Der „Pen of the
year“ von Faber-Castell mit seinem Schaft aus Perlrochenhaut? Der „Caelum“ von
Pelikan aus Sterlingsilber mit 18-Karat-Goldfeder? — Pah, das sind doch nur
„Peanuts“ mit ihren lächerlichen Preisen von 2.300 bzw. 1.950 €.
Teuer? Nun, da
müsste es schon so einer sein, wie ihn sich der Sultan von Brunei gelegentlich
im Dutzend schicken lässt — als kleine Aufmerksamkeit für seine Gäste. Zum
Beispiel der „Black Diamond“ von „Montblanc“, besetzt mit 4.810 schwarzen
Diamanten, zum „Schnäppchenpreis“ von 125.000 €!
Aber Z. wäre es
einfach zu umständlich und aufwändig, mit mühseliger Zählerei zu kontrollieren,
ob auch wirklich 4.810 Diamanten drauf sind...
Und die andauernd
leeren Tintenkartuschen für seinen „preiswerten“ Drucker sind ihm gerade
kostspielig genug.
Knigge über
unter-...
(27.10.2005)
„Man soll nie vergessen, dass die Menschen lieber
unterhalten als unterrichtet werden wollen.“ (Adolph Freiherr von
Knigge, 1788)
Diese Erkenntnis, die Knigge mit 36 Jahren niedergeschrieben hat (in seinem Hauptwerk: „Über den Umgang mit Menschen“), erfreut sich ungebrochener Geltung.
Für die „breite
Masse“ der Menschen.
Es sind wohl die
Ausnahmen, die dem menschlichen Geschlecht zur Ehre gereichen – und es weiter
bringen. Zum Glück kenne ich eine (Noch-)Ausnahme persönlich: Nina.
Der Admiral
(26.10.2005)
Der Admiral
(Vanessa atalanta) ist Ninas Lieblingsschmetterling.
Da Opa den Efeu an
der Doppelgarage in diesem Jahr nur so hoch geschnitten hat, wie er ohne Leiter
reichen konnte, ist jetzt oben ein Blütenmeer. Na ja, das Wort ist irreführend,
da die Efeublüten recht unscheinbar sind.
Nicht aber für die
unzähligen Bienen, die die goldenen Oktobertage 2005 dazu benutzen, ihre
Nektarvorräte für den Winter noch einmal gehörig aufzustocken. Und seltsam, wann
immer die Sonne scheint, sind mit den Bienen auch Dutzende von Admirälen da.
Nina sitzt gern
auf ihrer Sandkastenbank und schaut dem emsigen Treiben zu. Hin und wieder
landet ein Admiral direkt neben ihr auf dem Boden, manchmal auch auf der Bank,
um sich gründlich aufzuwärmen. Dann ist die Kleine ganz fasziniert und hält
beinahe den Atem an. Aber ihr Mund steht gar nicht still dabei:
„Guck mal, Opa“,
tönt es immer wieder, „da nimmt wieder einer ein Sonnenbad! Und der hat keine
Angst vor mir.“ Förmchen, Sieb und Schaufel sind dann vergessen.
Und Opa freut sich
insgeheim, dass er zu faul gewesen ist, den Efeu gründlicher zu schneiden.
Entwarnung
Bild: www.derBabyclub.de
„Das ist eine Ente.“
Das sagte Kerstin
Stiefel, Sprecherin des rheinland-pfälzischen Landesuntersuchungsamtes, am
Dienstag (25.10.2005) zu Berichten über den Tod weiterer toter Vögel (Graugänse)
im Landkreis Neuwied. (ap)
Wie sich
herausgestellt hat, waren die Graugänse an Rattengift verendet.
Die Entwarnung bezieht sich auf den Limerick (bei
Limericks II) Alarm.
Rückkehrgedanken
(25.10.2005)
Die
schlimmste Folge von Opas „langem Vorabend“: Heute hat er Ninas Aufbruch zum
Kindergarten glatt verpasst. Verschlafen!
Beim Kochen
ist ihm schon bewusst, dass ihr sein heutiges „Menü“ nicht zusagen wird:
Milchreis mit Zimt und Zucker. Aber sie dürfte ja so wie so schon im
Kindergarten gegessen haben. Und schließlich muss man auch – bisweilen
wenigstens – etwas Einfaches, Schnelles und Preiswertes auf den Tisch
bringen.
Als Nina um
14:20 mit Mama heimkommt, ruft diese gleich nach etwas Essbarem. Sie ist
wenigstens mit dem Angebot zufrieden. Aber leider kann sie nicht mit Opa
zusammen essen, sondern muss gleich mit Nina nach oben, um den Schatz aus den
nassen Klamotten zu befreien. Nina hat die kurzen Strecken vom Kindergarten zum
Wagen und vom Wagen zum Haus jedenfalls gründlich für ihre pfützologischen
Untersuchungen genutzt.
Ninas
Kommentar beim Blick auf den Teller, als Mama ihr Essen mit nach oben nimmt:
„Puuh, das
sieht aber eklig aus!“ Klar; sie weiß ja, dass das Zeug süß ist. Und wenn man
Süßes verabscheut...
Wer so
etwas kocht, der muss natürlich genau so sein, wie Opa nun einmal ist, nämlich
„doof.“ Und dem kann man auch – von der Hälfte der Treppe aus – ruhig mal die
Zunge heraus strecken, nachdem man ihm seine „geistigen Qualitäten“ noch einmal
ausdrücklich bestätigt hat.
Der alte
Mann nimmt das alles ganz gelassen. Er weiß ja: Das Verhältnis zwischen dem Kind
und ihm selber ist Liebe in ihrer reinsten Form, von beiden Seiten. Daran können
auch solche kleinen Aggressionsschübe absolut nichts ändern, wie sie sich bei
Ninas Rückkehr von Kindergarten manchmal zeigen. Offensichtlich ist das nur ein
ganz gesunder Vorgang, mit dem sie die Eindrücke des Vormittags
„verarbeitet.“
Bei diesen Gedanken muss Opa lächeln, als er langsam wieder ins Wohnzimmer zurück geht. Und er ist einfach glücklich!
Die Fortsetzung:
Ein
paar Stunden später
Opa ist offensichtlich nicht das einzige Opfer von Ninas
Aggression bei der Heimkehr vom Kindergarten gewesen. Von seinem schönen gelben
Chrysanthemenbusch liegen einige Dutzend Blütenköpfchen auf dem nassen
Pflaster.
Nach dem Mittagsschlaf kommt ein völlig verwandeltes
Schätzchen strahlend mit einem neuen Törtchen für Opa herunter. Da sie mit Mama
auf dem Weg zum Einkaufen ist, geht Opa mit ihr zur Haustür, wo er die
„Bescherung“ sieht.
Auf seine Frage, wer das denn wohl getan haben könnte,
kommt ein leicht verschämtes:
„Das war ich, Opa.“ Aber gleich dahinter das Bemühen, ihn
zu trösten. Mit einem Blick, der zwischen den Blütenköpfchen und Opas Augen hin
und her wandert, meint sie geheimnisvoll:
„Diese Nacht klettern die bestimmt alle wieder rauf!“
Auf dem Weg zum Auto findet sie neben dem Winken und Opa
Zulächeln noch genügend Zeit, ihre trockene Hose in der nächsten Pfütze einem
gründlichen Materialtest zu unterziehen.
Jetzt darf Opa nur nicht vergessen, heute Abend, wenn sie
im Bett ist, die Blütenköpfchen sorgfältig zusammenzukehren und in der braunen
Tonne zu entsorgen. Schließlich soll ihre tröstliche Vorhersage doch „wahr“
werden...
Doch!
Aber!
Nein!
Wie das
Akrostichon zeigt, haben Ninas Lieblingswörter durchaus Kampfqualität. „Dan“ ist bekanntlich der Begriff für den „Grad“,
den ein/e Kämpfer/in einer der asiatischen Budo-Kampfsportarten erreicht hat.
Fehlplanung
(24.10.2005)
Als Nina heute
Abend zu Opa runter kommt, freut er sich zwar – wie immer, wenn er sein
Schätzchen sieht –, aber leider hat er nur wenig Zeit. Er muss in spätestens
zwanzig Minuten in den acht Kilometer entfernten Nachbarort fahren, um dort bei
einem Mundartabend aus eigenen „Werken“ vorzulesen. Mama hört zwar, was er sagt,
aber sie lässt ganz unbekümmert die Kleine unten, während sie selber wieder nach
oben entschwindet.
Nina ist mit ihrem
Körbchen gekommen. Was mag wohl darin sein? – Natürlich! Eins von den Törtchen,
die sie gestern Abend „gebackt“ hat: Schokoladenteig mit Kirschen. Versprochen
ist versprochen! Mit im Körbchen ist Miffy (oder Nijntje), die mit der Bewachung
des Inhalts beauftragt ist. Denn außer dem Törtchen (und Miffy) ist noch mehr im
Körbchen: ein kleiner Eichenzweig mit drei Eicheln und ein schöner Kieselstein,
beides „Beutestücke“ vom gestrigen Ausflug in den „Regenwald.“ Und alles ist für
Opa.
Der schaut
verstohlen auf die Uhr: schon fünf Minuten weg! Aber er bekommt Miffy über den
Finger gestülpt und muss deren Rolle spielen, bzw. sprechen. Nicht nur mit Nina,
nein auch mit dem Osterhasen, der dummerweise neben Opa auf der Fensterbank
steht.
Also, um das mal
ganz klar zu machen. Der Osterhase steht allein auf der Fensterbank, Opa sitzt
in seinem Sessel. Schon wieder falsch, denn inzwischen hat sich Nina den
Keramikhasen geschnappt, weil sich das Rollenspiel so viel besser inszenieren
lässt.
Früher hatte Opa
immer ein bisschen Angst, wenn Nina mit Keramik- oder Porzellanfiguren
herumhantierte. Heute würde er ihr ohne Bedenken eine antike chinesische Vase
anvertrauen. Noch nie hat sie zerbrechliche Gegenstände fallen lassen. Selbst
wenn die so groß waren, dass ihre kleinen Händchen sie eigentlich gar nicht
richtig fassen konnten.
Na ja, Opa hat gut
reden. Was er nicht besitzt, kann Nina ihm ja auch nie kaputt machen. Logo!
Die Zeit rast...
Mama bleibt verschwunden. Und der Osterhase kommt auf die Idee, jetzt könnte Opa
mit Nina „Mausi-Bücher“ anschauen. Wenn Osterhasen schon mal reden, dann hat
ihre Stimme Gewicht!
Also Ortswechsel:
hinüber zur Couch, dem für Vorlesungen traditionellen Platz. Nina kramt schon
mal die Bücher aus dem Karton. Freundlicherweise beschränkt sie sich auf drei.
Ob sie Opas Unruhe spürt? Nur noch fünf Minuten...
Opa zwingt sich
zur Ruhe und setzt sich neben Nina. Die schlägt das erste Buch auf – und sie liest
Opa vor. Dabei schiebt und klappt sie alle entsprechenden Vorrichtungen
auf den einzelnen Seiten, damit er auch dem Geschehen richtig folgen kann.
Bemerkenswert ganz nebenbei: Trotz monatelanger Benutzung sind noch all die im
Grunde höchst fragilen Klapp- und Schiebedinger aus Papier noch vollkommen
intakt.
Insgeheim
verflucht Opa seine Zusage für den Mundartabend. Ninas Vortrag ist tausendmal
schöner. Nach dem ersten Buch aber entschuldigt er sich bei Nina und sendet Mama
eine unmissverständliche Botschaft durchs Treppenhaus. Da kommt die endlich
herunter. Opa ist schon fünf Minuten zu spät dran.
Merkwürdig. Nina
protestiert überhaupt nicht, sondern geht brav mit Mama die Treppe hinauf.
Allerdings ist Opa keineswegs vergessen. Während sie nach oben entschwindet,
dreht sie sich ständig nach Opa um und winkt ihm zum Abschied, inklusive
Kusshändchen und „Tschö, Opa“-Rufen. Bis Opa die Haustür hinter sich ins Schloss
fallen lässt.
Da Opa gewohnheitsmäßig immer reichlich „Vorlaufzeit“ einplant, kommt er noch lange nicht zu spät. Doch der tosende Beifall, den er für seinen Vortrag einheimst, kann kein winkendes Ninahändchen aufwiegen... Und ihre Stimme erst recht nicht!
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Wo Opa hin musste, ist bei diesem Link zu sehen:
http://www.odenkirchen.de/archiv_ruekschau/05-10-24_platt.htm
Mit seinen
„starken“ Verben ist Opa ins Hintertreffen geraten. Gestern Abend kam Nina mit
der Neuigkeit:
„Ich backe mit
Mama Törtchen; die sind schon im Ofen!“
Mama erklärte Opa,
Nina habe den Teig ganz allein zusammengemengt und –gerührt. Sie selber habe nur
die Zutaten auf Ninas kleinen Küchentisch gestellt. Die Förmchen habe Nina
selbstverständlich auch selber gefüllt.
Opa staunt.
Vorsichtig fragt er, ob er vielleicht..., wird aber sofort von Nina
unterbrochen:
„Du kriegst auch
welche. Aber erst, wenn sie gebackt sind.“
Der alte Lehrer in
Opa wird vorwitzig und wagt den Einwurf: „... gebacken.“ Irgendwie schwebt ihm
da etwas von „backen – buk (backte) – gebacken“ im Kopf herum. Nina lässt sich
nicht beirren:
„Nein, Opa!
‚Gebackt’ heißt das!“
Als Opa weiterhin
auf der anderen Form beharrt, wird sie deutlicher:
„Opa, das heißt
‚gebackt’! Früher hab ich doch auch nicht in die Windel ‚gekacken’!“
Opa gibt auf. Wie
soll er der kleinen Sprachtheoretikerin auch erklären, dass es sich dabei schon
immer um ein „schwaches“ Verb gehandelt hat?
Und im übrigen:
Eigentlich doch ein recht „anrüchiges“ Thema im Zusammenhang mit den Törtchen.
Sonnenschein im Regen (23.10.2005)
Ganz gegen
seine Gewohnheit hat Opa am Sonntag länger geschlafen. Eigentlich müsste er
deswegen missmutig sein, denn auch der Blick aus dem Fenster ist kaum dazu
geeignet, seine Stimmung zu heben. Da er aber – laut Vereinbarung – heute nicht
für seine Lieben zu kochen braucht, nimmt er das späte Aufstehen recht
gelassen.
Von oben
ist zu hören, dass Nina offenbar schon sehr wach ist – und in Bewegung.
Opa nimmt
sich zuerst einmal für alles richtig Zeit. Und bald merkt er: Das ist gar nicht
so schlecht! Sogar seine Tabletten nimmt er in den vorgeschriebenen Abständen
und zu den vorgesehenen Uhrzeiten ein. Aber etwas mehr und anderes als Tabletten
muss er natürlich auch essen...
Als er mit
Broten und Kaffee zu Mittag am Tisch sitzt, hört er etwas. Er schaut aus dem
Fenster und sieht Nina mit Papa und Mama schon beim Auto. Es regnet zwar immer
noch, aber Opa ist ja nicht aus Zucker.
Opa erhebt
sich, öffnet die Terrassentür und geht über Terrasse und Rasen zum Zaun. Nina
sitzt schon im Wagen und winkt ihm fröhlich zu. Auf seine Frage, wohin es denn
gehen solle, erfährt er nur: „Wald.“ Mama erklärt ihm, sie wisse selber noch
nicht, zu welchem Wald sie fahren würden. Na, groß ist die Auswahl in unserer
Gegend eigentlich nicht. Aber schon klappen die Autotüren zu, und die
„Staatskarosse“ mit der immer noch winkenden „Prinzessin“ gleitet davon. Opa
zieht es vor, doch lieber wieder ins Haus zu gehen, statt im Regen stehen zu
bleiben.
Etwa drei
Stunden später hört Opa wieder etwas; Blick aus dem Fenster, wie gehabt: Der
Wagen ist zurück. Es regnet noch immer. Mama ist schon ausgestiegen, und Papa
hebt eine schlafende Nina aus ihrem Kindersitz. Wenigstens kommt Mama diesmal
kurz zu Opa herein und erzählt ihm, wo sie gewesen sind: in Liedberg.
Liedberg
(Stadt Korschenbroich, Rheinkreis Neuss) ist ein Sandhügel mit Burg, Dorf und
Wald, mitten in der Ebene, die vorzeiten einmal das Bett des Rheins gewesen ist.
Früher wurde dort Sand abgebaut, feiner weißer, zum Bestreuen der Fußböden zum
Sonntag.
Beide
Eltern sind schon leicht „ausgeriffelt“. Zu groß ist die Anstrengung gewesen
beim Bemühen, Nina wenigstens aus den tiefsten Pfützen und „Gebirgsbächen“
heraus zu halten. Aber sonnenklar ist auch: Nina – unsere „Regenliebhaberin“ –
hat ihren Spaß gehabt. Und nicht zu knapp! Dafür war sie auch fast
augenblicklich eingeschlafen, als sie die Heimfahrt antraten.
Am Abend
kommt jemand die Treppe herunter. Opa, der im Wohnzimmer sitzt, hört, wie dieser
Jemand seine Küche betritt, die im Dunkel liegt. Zwischen der Küche, der
ehemaligen Essecke – die jetzt Couchecke ist – und dem eigentlichen Wohnzimmer
gibt es nur eine „halbe“ Wand.
Natürlich
muss Opa fragen, wer denn da in seiner dunklen Küche ist. Aber schon kommt sein
strahlender Schatz um die Ecke, schwer bepackt: in einem Händchen eine
Plastikdose mit zwei neumodischen „Möhrenfrikadellen“, noch warm, für Opa, in
der anderen ein Buch: „Mit Winnie Puuh durch das Jahr.“
Mit den
Worten: „Die sind für dich“, stellt Nina die Plastikdose auf den Tisch und steht
sofort am Fernsehsessel, wo Opa sitzt.
„Hier ist
ein Lied drin“, zeigt sie ihm das Buch, „das kann Mama mir nicht vorsingen.
Kannst du das mal?“ Uns schon hat sie das Buch an der richtigen Stelle
aufgeschlagen. Die linke Seite zeigt die Kapitelüberschrift: „Herbst. Fröhlich
durch Wind und Wetter – September bis Dezember“, darunter steht ein dicker Baum
im Herbstlaub, und Winnie, Ferkel, Tigger und I-aah vergnügen sich im
Herbstwind. Und rechts ist das Lied:
„Bunt sind schon die Wälder,
gelb die Stoppelfelder,
und der Herbst beginnt.
Rote Blätter fallen,
graue Nebel wallen,
kühler weht der Wind.“¹
Opa hätte
die Noten nicht gebraucht. Da das keins von den neumodischen Liedern ist (wo er
die Noten dringend benötigt), kann er die Melodie auswendig. Schnell sind die
vier Strophen gesungen, und Nina tanzt ganz selig dazu.
Opa könnte
zwar ruhig noch mal von vorn beginnen, aber es reizt ihn wieder, einfach das zu
tun, was er schon so oft getan hat: einen frei erfundenen Text singen. Früher –
in ihrer Jugend – hatte Nina dann immer gleich protestiert, aber inzwischen hat
sie sich angewöhnt, erst einmal abzuwarten, was Opa denn genau singt.
Und Opa
merkt mit jeder Zeile der erfundenen Strophe, dass er Ninas Geschmack voll
getroffen hat:
Ihre
Physiognomie wechselt fast unmerklich aus einer oberflächlichen Fröhlichkeit in
eine verzauberte Träumerei. Sogar ihr Tanz wird anders, feenhafter.
Und dabei
ist dem „einfach strukturierten“ Opa doch nur ein ganz „simpler“ Text beim
Singen eingefallen, nämlich:
„Opa kann noch singen,
lässt das Lied erklingen,
ist es noch so alt.
Nina soll es hören,
Opas Herz betören,
Freude macht das bald.“
Komisch –
so etwas klappt nur, wenn Nina anwesend ist. Sie ist wirklich Opas Muse.
¹ Text: Johann
Gaudenz von Salis-Sewis (1782)
Melodie: Johann
Friedrich Reichardt (1799)
Heute hat der
Börsenverein des deutschen Buchhandels seinen diesjährigen Friedenspreis verliehen. Neuer Preisträger ist der
türkische Schriftsteller Orhan Pamuk.
Christel
Lauterbach (Justus-Liebig-Universität, Gießen) schreibt dazu:
„Der in der Türkei viel beachtete, aber auch umstrittene
Autor Orhan Pamuk wird vom Börsenverein des deutschen Buchhandels als "ein
Schriftsteller geehrt, der wie kein anderer Dichter unserer Zeit den
historischen Spuren des Westens im Osten und des Ostens im Westen nachgeht,
einem Begriff von Kultur verpflichtet, der ganz auf Wissen und Respekt vor dem
anderen gründet." Und tatsächlich hat der 1952 in einer bürgerlichen Istanbuler
Familie geborene Orhan Pamuk ein mittlerweile in zahlreiche Sprachen übersetztes
Roman-Oeuvre geschaffen, in dem immer wieder die Konzepte von Orient und
Okzident, von islamischer Welt und Abendland hinterfragt werden. Nicht nur durch
die EU-Beitrittsperspektive der Türkei und die damit verbundene Diskussion
bekommt Pamuks Schaffen in diesen Tagen eine ungeheure Brisanz.“ (Quelle: idw)
Diese zweifellos zutreffende Charakterisierung eines der
bedeutendsten türkischen Schriftsteller der Gegenwart, macht allerdings eins
deutlich:
Sein Familienname ist eine sehr geschickte Tarnung, denn
„Pamuk“ heißt auf Deutsch „Baumwolle“, ja sogar „Watte.“ Seine Bücher aber machen jedem Leser sehr
rasch bewusst, dass ihr Autor keineswegs „aus Watte" ist.
_____________________________________________________
In deutscher Sprache liegen von Orhan Pamuk mittlerweile
vor:
Die weiße
Festung (dt. 1990), Das schwarze
Buch (dt. 1994), Das neue Leben
(dt. 1998),
Rot ist mein Name (dt. 2001), Schnee (dt. 2005)
Draußen Regen, drinnen
Sonnenschein
(22.10.2005)
Heute war Nina
ausgesprochen lieb.
Schon gestern
hatte Oma am Telefon erzählt, wie lieb sie gewesen sei, als sie in Omas Wohnung
zu Besuch war. Krankheit auf beiden Seiten hatte das ein paar Tage lang
verhindert. Vielleicht hatte das eine Art Entzugserscheinung bei den beiden
ausgelöst, bei Oma und Nina.
Jedenfalls hatte
Nina gestern getanzt und dabei gesungen:
„Ich bin bei
meiner lieben Oma!“ An Melodien mangelt es ihr nie, auch nicht an Ausdauer. Und
dann war sie dort am Ende noch eingeschlafen, auf ihrer „kleinen Wolke.“ Papa
hatte ein paar Stunden warten müssen, bis seine „Frauen“ wieder zu Hause
waren.
Heute Morgen war
Opa – unter einem Vorwand – nach oben gestiegen. Und, o Wunder, sogleich wurde
er von der kleinen Fee in ihr Reich gebeten, wo er doch schon insgeheim damit
gerechnet hatte, umgehend wieder hinaus komplimentiert zu werden.
Ganz ausführlich
zeigte und erklärte ihm Nina alle neuen Errungenschaften, die er noch nicht
kannte. Dann zog sie ein Buch aus einem ihrer Regale, und Opa durfte vorlesen.
Das Buch legte sie ihm unaufgefordert so hin, dass er die Texte „richtig“ sehen
konnte. Da sich die beiden auf dem Teppich gegenüber saßen, standen für Nina
selber alle Bilder auf dem Kopf. Das machte ihr aber nichts aus. Und sie hörte
ganz geduldig zu, bis Opa die jeweilige Seite zu Ende gelesen hatte. Dann
blätterte sie jedes Mal weiter, bis das Buch aus war.
Anschließend wurde
Opa Charlotte vorgestellt, eine schwarze Plüschspinne mit Kordelbeinen und
Plüschfüßen. Die sei etwas zum „Erschrecken“, wurde Opa aufgeklärt. Na ja,
zumindest Papa ekelt sich vor Spinnen. Opa überhaupt nicht. Und Nina selber auch
nicht. Nicht einmal vor „richtigen“. Opa sollte raten, wie viel Beine Charlotte
habe. Da er es leider nicht wusste, besser gesagt, so tat, als wisse er es
nicht, zählte Nina ihm die Beine vor. Da die Beine ziemlich wir durcheinander
hingen, war das gar nicht so einfach. Aber es klappte:
„Eins, zwei, drei,
vier, fünf, sechs, sieben, acht!“
Leider musste Opa
wieder nach unten. Nina begleitete ihn artig bis zur Wohnungstür und
verabschiedete ihn nach allen Regeln der Höflichkeit. Opa staunte noch immer,
als er unten beim Kochen war. Dass sie das Sauerkraut nicht möchte und den
selbst gemachten Kartoffelbrei nicht einmal „probieren“ würde, darauf hatte Nina
ihn ja schon vorbereitet. Hm, aber das Fleisch würde sie sicher essen. Das hatte
sie nicht nur angekündigt, sondern das wusste er aus Erfahrung. Frische Trauben
(statt Sauerkraut) und eine Banane (statt Kartoffelbrei) wäre ja eine einfache
Alternative.
Wie richtig seine
Annahme gewesen war, zeigte sich beim Mittagessen. Sein liebes Kind aß tüchtig
und manierlich, was nicht immer der Fall ist. Und selbst die Tatsache, dass die
Trauben nicht „kernlos“ waren, änderte daran nichts. Im Gegenteil, für Opa
wieder einmal Gelegenheit, das reibungslose Zusammenspiel von Ninas geschickten
Fingerchen mit Lippen, Zähnen und Zunge zu bewundern. Opas Hand reichte als
Mülleimerersatz für die Traubenkerne...

Der Stein des Anstoßes
1998: Fereshta Ludin (Zeichnung: F. Schmitz)
„Kopftuch-Verbot in NRW kommt“, lautet eine Schlagzeile auf der Titelseite meiner heutigen Lokalzeitung („Rheinische Post“ vom 19.10.2005). Der Schluss des dazu gehörigen Artikels spricht von „Symptomen für eine unter Rot-Grün völlig gescheiterte Integrationspolitik.“
Das bringt mich zum Nachdenken. „Parallelgesellschaften“ können Gefahren bergen. Klingt einleuchtend. Deshalb sollten alle Anstrengungen unternommen werden, für eine bessere Integration unserer Mitbürger ausländischer Herkunft zu sorgen.
Also weg mit den Kopftüchern!
Nur gut, dass meine liebe Mutter das nicht mehr erlebt. Die hat nämlich früher viel mit Kopftuch erledigt. Aber Kopftücher sind wohl doch sehr gefährlich.
Noch gefährlicher aber scheint mir der Gebrauch von Fremdsprachen zu sein. Also weg mit Türkisch, Arabisch und Russisch! Und Ersatz durch unser vertrautes Denglisch. Schließlich soll doch jeder verstehen, wovon die Rede ist. Und in muslimischen Moscheen sind Arabisch und Türkisch durch die altvertraute lateinische Sprache zu ersetzen. Semper una lingua sancta!
Anders ist die Sache bei den Standesämtern. Deutschstämmige Vornamen sollten ab sofort verboten werden. Man stelle sich nur die Außenseiterrolle vor, die ihre Träger in einer völlig andersartigen Umwelt – voller ausländischer Vornamen – spielen müssten.
Eine besonders schwierige Frage drängt sich allerdings auch noch auf: Was ist mit den vielen kulinarischen Niederlassungen fremder Kulturen in Deutschland? Schwierig! —
Ach, Unsinn! Zurück zur „gutbürgerlichen Küche“! Das bisschen Übergewicht durch Eisbein und Knödel könnte sich zudem recht günstig auf die Altersstruktur unserer Gesellschaft auswirken und die Rentenproblematik entschärfen.
Aber das Kopftuch geht mir immer noch nicht aus dem eigenen. Was? — Ach, so: Kopf natürlich.
Seit wir demokratisch sind, gehört die „Gleichheit“ zu unseren Grundwerten. Unser Grundgesetz fordert unter anderem die Gleichheit der Geschlechter. Und da wird die Sache mit dem Kopftuch kritisch, denn: nur Frauen sind davon betroffen. Wie ließe sich nur eine größere Geschlechtergerechtigkeit herstellen?
Das Kopftuch ist schon auf den ersten Blick sichtbar. Wenn man gründlich nachdenkt, könnte man vielleicht auch verborgene Integrationshindernisse finden.
Ha! Jetzt hab ich’s! Der Unterschied zur deutschen Tradition bei den Männern ist: die Beschneidung! — Hm... ganz besonders schwierig... — Es sei denn, unser neu gewählter (ach, so demokratischer) Bundestag erließe schleunigst ein Gesetz zur Zwangs-Präputialtransplantation...
Die letzte Erdbeere? (18.10.2005)
Beim Schneiden der Sträucher im Garten — schmerzhaft, weil
Feuerdorn und Heckenrosen — hat Opa eine besonders schöne Walderdbeere entdeckt.
Natürlich lässt er sie hängen. Sie befindet sich nämlich außer
Schneckenreichweite. Und die Vögel? Komisch, die scheinen sich nichts aus
Walderdbeeren zu machen. Na ja, sie haben ja auch genug andere Beeren:
Feuerdorn, Hagebutten, Vogelbeeren...
Nina ist letzte Woche nicht im Kindergarten gewesen.
Grippaler Infekt. Mama hatte dasselbe: krank geschrieben. Praktisch! Am
Montagmorgen war dann alles wieder normal.
Opa hört am frühen Nachmittags Mamas Auto. Ehe Nina
ausgestiegen ist, steht er schon parat. Ihrer möglichen Reaktion bei seinem
Anblick vor dem Haus, nämlich ihn hinein zu schicken, weil sie doch so gern
„Schellemännchen“ macht, kommt er zuvor.
„Ich hab etwas im Garten gefunden“, flüstert er ihr zu.
Flüstern wirkt bei Nina besser als lautes Reden.
„Zeig mal!“, flüstert sie zurück und überschlägt sich fast
beim Aussteigen. Es sind nur ein paar Schritte bis zu der Erdbeere im Vorgarten.
„Eine Erdbeere! Eine ganz schöne Erdbeere!“
Nina jubelt richtig. Ein Griff, und schon ist die Erdbeere
gepflückt. Aber dann ist die Zeremonie anders als sonst. Bisher sind Pflücken
und Essen fast simultan gewesen. Heute aber läuft Nina zuerst zu Mama, um ihr
den Fund zu „vorzuführen.“
Ob sie wohl ahnt, dass es die letzte gewesen sein könnte?
In diesem Jahr natürlich.
Ziele
Auf die Frage eines Journalisten nach den Zielen der CDU bei den heutigen Koalitionsverhandlungen im Berliner Willy-Brandt-Haus antwortete die designierte Bundesfamilienministerin Dr. Ursula von der Leyen im Blick auf die speziellen Zielvorstellungen in ihrem Ressort:
„Wie können wir die älteren Menschen in unserer Gesellschaft mehr integrieren und ihre Chancen besser nutzen?“
Gut aussehen tut sie ja...
[Quelle: „heute journal“ (ZDF), 17.10.2005, 21:45 – 22:15]
Nijntje, alias
Miffy
Nina liebt Miffy, das kleine weiße Kaninchen. (In den vorigen Geschichten hat der „einfach strukturierte“ Opa dessen Namen zwar immer falsch geschrieben, nämlich mit I am Ende, aber das war ja nicht zu hören.)
Jetzt hat Opa mal im Net nachgesehen, wo das süße Geschöpf herkommt. Und — o Wunder — es ist schon 50 Jahre alt! Und es kommt aus den Niederlanden, wo es sein Schöpfer, Dick Bruna, schon vor einem halben Jahrhundert geschaffen hat.
Aber es kommt noch
viel besser: Eigentlich heißt es gar nicht „Miffy,“ sondern „Nijntje,“ und das ist die niederländische
Entsprechung für „Ninchen“ oder „kleine
Nina.“
Schimpfen
(16.10.2005)
Seit gestern, es war am frühen Nachmittag, findet Opa keine Ruhe mehr. Der Grund? — Er hat geschimpft. Mit Nina. Nicht laut, aber energisch.
Da hatte er doch vorgestern mit viel Mühe die Haustür geputzt. Und wieder einmal gemerkt, warum sein Behindertenausweis als Grad der Behinderung 100 % angibt.
Zugegeben, nach der Putzaktion sind Ninas „Kreidekunstwerke“ alle verschwunden. Restlos. Aber wozu hat Mama wohl die Dose mit der Kreide ausgerechnet auf die erste Treppenstufe gestellt?
Bei der Rückkehr vom Stadtbummel hat Nina natürlich sofort mit der Wiederherstellung der Kunstwerke begonnen, und das am Samstagnachmittag.
Opa hatte etwas gehört — obwohl er „doof“ (= taub) ist. Zur Diele Eilen, Sehen und den Mund Aufmachen waren nahezu simultan.
Aber Opas Bitte, auf die er sich zuerst verlegt hatte, wurde abschlägig beschieden:
„Ich will jetzt neue Bilder malen!“ Opas Argumente waren zwecklos.
Da hat er geschimpft und Nina auch noch die Kreide aus der Hand genommen. Pure Gewaltanwendung!
Und jetzt quält ihn das Bild, das er seitdem vor Augen hat:
Eine
tränenüberströmte Nina, die ganz untröstlich ist. Und das Schlimmste: Seit
nunmehr rund zwanzig Stunden hat er sie nicht mehr gesehen...
Erkenntnis 01
Nina trägt Opa sein gestriges Schimpfen nicht nach. Zum Sonntagsessen erscheint sie strahlend wie immer – mit den Eltern natürlich. Leider ist Opa noch nicht ganz fertig mit dem Essen. Da er die übliche Verspätung einkalkuliert hatte, überrascht ihn das pünktliche Erscheinen seiner „Mitesser.“
Beim obligatorischen Blick in die Kochtöpfe ist Nina zwar noch etwas skeptisch, ob der „kleine“ Braten (ca. 1.880 g) auch lecker sein wird. Aber bei Tisch langt sie um so kräftiger zu. Fleisch, Salat und Nudeln sind ganz nach ihrem Geschmack.
Papa verzichtet leider vollständig auf das Fleisch, weil ihm dessen Inneres „zu rosa“ ist. Da kann Opa noch so wortreich versichern, es sei wirklich gar. Wie zart es ist, merkt man beim Essen ja selber. Nina ist jedenfalls mehr als zufrieden damit.
Während des Essens steht die Terrassentür offen; dieser „goldene Oktober“ lässt das einfach zu. Als Nina ihren Hunger gestillt hat, will sie natürlich nach draußen. Opa soll mitkommen, niemand sonst.
Im Sandkasten entwickelt sich ein überaus produktives Spiel. Zuerst werden Äpfel, Birnen, Pflaumen, Brom- und Erdbeeren „gebacken“, überdimensional. Nina macht fast alles schon allein: feuchtere Sandschicht angraben, Form füllen und Inhalt anklopfen, Platzierungsstelle glätten. Nur die ziemlich schweren — weil großen — „Förmchen“ umdrehen und kräftig ausklopfen, dabei muss Opa helfen.
Anschließend sind die Plastiktiere von Old MacDonald dran. Denen muss Opa seine Stimme leihen, damit sie sich mit Nina, MacDonald und untereinander unterhalten können.
Plötzlich schaut Nina Opa ganz tief in die Augen und setzt ihr strahlendstes Lächeln auf.
„Opa“, sagt sie, „weißt du, wer in deinen Augen ist?“
Opa hat natürlich keine Ahnung. Zum Glück beendet Nina seine Unwissenheit:
„Opa, da bin ich selber! In deinen Augen!“
Nicht nur da, denkt Opa insgeheim.
Gut
Schlechte Texte sondern die Leute. — Schrecklich?
(Projekt: "Heimliche Plagiate" bei keinVerlag.de; 13.10.2005)
Der Arm ist
heil (12.10.2005)
Opa ist
ungehorsam gewesen. Vorhin hat er sich einfach des vorzüglichen Verbandes
entledigt, den Nina (3) ihm gestern angelegt hatte. Dreißig Stunden müssten
gereicht haben, meint er.
Dabei hatte
Nina ihm am frühen Abend noch eingeschärft, er müsse den Verband unbedingt „bis
Weihnachten“ dran lassen.
Als Binden
und Pflastern und Mullkompressen weg waren, zeigte es sich: Die fürchterliche
Wunde war zum größten Teil in das Verbandmaterial hinüber gewechselt. Der letzte
Rest Filzstiftfarbe wird bestimmt unter der Dusche verschwinden, der Opa sich
endlich wieder „vollständig“ hingeben kann.
Nur eine
kleine Sorge trübt Opas Aufatmen ein wenig: Ob Nina morgen etwas merken wird?
Vorsichtshalber nimmt er sich vor, etwas „mit langen Ärmeln“ anzuziehen.
Hoffentlich
denkt er auch dran!
Gegen Abend
ist Opa noch mal rasch zum Supermarkt gefahren.
„Was hast
du denn gemacht?“
Die
plötzliche Frage einer Bekannten reißt ihn aus seiner Einkaufskonzentration.
Entsetzt starrt die Bekannte auf Opas rechten Unterarm.
„Trümmerbruch von Elle und Speiche“, will er gerade sagen,
aber dann müsste er ja einen Gipsverband tragen, doch der Verband, der bei
seinem kurzärmligen Hemd in voller Breite zu sehen ist, das ist nun mal kein
Gipsverband.
Opa muss
lachen. Die Bekannte guckt leicht verwirrt.
„Ach, ist
nicht so schlimm!“, beeilt sich Opa zu versichern. Und dann gesteht er die
Wahrheit:
Kurz nach
Mittag war Nina zu ihm gekommen, „bewaffnet“ mit einem Erste-Hilfe-Kasten, den
Mama gerade „ausrangiert“ hatte, weil das „Haltbarkeitsdatum“ abgelaufen war.
Opa hatte
sich natürlich gleich mit Filzstiften eine grausige Riesenwunde auf den Unterarm
gemalt, richtig krass! — Zum Glück hatte er den Gedanken an Marmelade gerade
noch rechtzeitig verworfen; da wäre die Schweinerei etwas zu arg geworden.—
Opa hatte
seinen Spaß daran gehabt, mit welcher Umsicht und Geschicklichkeit „Schwester“
Nina seinen Arm „versorgt“ hatte.
Sicher, ein
paar Pflaster weniger hätten auch gereicht, und die Mullkompressen wären auch
nicht unbedingt nötig gewesen. Aber die abschließenden drei elastischen Binden
hatten alles ganz schön getarnt.
Natürlich
hatte Opa den Verband am Arm gelassen, bis Nina sich zum Mittagsschlaf nach oben
verzogen hatte. Aber vorher hatten sie noch ein paar Lieder miteinander gesungen
und im Sandkasten gespielt.
Als Nina
dann nach oben gegangen war, hatte Opa sich so an den „Verband“ gewöhnt, dass er
ihn vollkommen vergessen hatte. Auf Dauer!
Denn jetzt,
im Supermarkt, hat er ihn ja noch immer am Arm.
Da muss
auch die Bekannte lachen.
Und ein
paar Stunden später überkommt Opa selber ein Schmunzeln, weil er plötzlich
bemerkt: Selbst jetzt — beim Aufschreiben der Geschichte — ist das Ding noch
nicht weg.
Sollte er
vielleicht mit dem Entfernen bis morgen warten? Stören tut’s jedenfalls
überhaupt nicht, und irgendwie war Opa ja seit jeher ein Gewohnheitstier...
Warum ich manchmal
skeptisch bin
(10.10.2005)
Leseempfehlungen sind längst nicht immer hilfreich. In
dieser Einschätzung hat mich vor einiger Zeit ein kleines Erlebnis bestärkt.
Als Elke Heidenreich noch als Kabarettistin auftrat, habe
ich sie sehr geschätzt. In ihrer Rolle als Leseberaterin erscheint sie mir
dagegen weniger überzeugend, seit sie in einer Zeitschrift (leider ist mir
entfallen, wann und wo) sehr eindringlich das „Buch“ von Michael Moore „Bowling for Columbine“ zum „Lesen“ empfohlen hat.
Dummer Weise ist „Bowling for Columbine“ kein Buch, sondern ein Film, ein wirklich sehenswerter – nebenbei
bemerkt.
Wer Urteile über Bücher fällt, sollte sie zumindest selber
gelesen haben. Vorher!
Perspektiven
(09.10.2005)
Nina (3) spielt in
der Oktobersonne auf der Terrasse vor Opas Wohnzimmer; Mama sitzt lesend am
Gartentisch. Opa selbst ist der Zutritt zur Terrasse „verboten.“ Er könnte ja
Ninas Aktivitäten „stören.“
Nina malt mit
Rieseneifer neue bunte Kreidebilder auf die grauen Betonplatten der Terrasse,
viel schöner als die vor dem letzten Regen. Opa blättert noch mal in dem
Zeitungsstapel auf seinem Wohnzimmertisch. Vielleicht kann er ja noch etwas
Interessantes entdecken.
Plötzlich sieht er
Nina auf dem Absatz – einer Art niedriger Außenfensterbank – vor seinem großen
Wohnzimmerfenster herumturnen. Mit weit ausholenden Bewegungen verziert sie die
Scheibe mit bunten Arabesken.
Opa möchte das
ignorieren, aber ehe es ihm selbst bewusst wird, hat er schon hinaus
gerufen:
„Was machst du
denn da, Nina?“
So „schlicht“ kann
nur ein „einfach strukturierter“ Opa fragen.
„Ich male, Opa“,
kommt sofort von draußen die präzise Antwort – wenn man mal von dem Unterschied
zwischen Malen und Zeichnen absieht.
„Warum malst du
denn auf die Scheibe?“ will Opa wissen.
„Das ist schön,
Opa!“
Als Opa erfahren
möchte, weshalb Nina das „schön“ findet, stürzt ihn die spontane Antwort in
tiefes Grübeln:
„Das ist Kunst,
Opa!“
Giordano Bruno

italienischer Naturphilosoph,
Dominikaner und „Ketzer“
(* 1548 in Nola bei Neapel, V
17.02.1600 in Rom verbrannt)
Bruno vertrat den
Gedanken der Unendlichkeit des Weltraums. Er stellte sich damit der herrschenden
Meinung einer in Sphären untergliederten geozentrischen Welt entgegen. Was
jedoch für die damalige Zeit noch schwerer wog, war, dass seine Thesen von einer
unendlichen Welt die Personalität Gottes in Frage stellten und er sich sehr
negativ über Jesus Christus äußerte. Als Ketzer verurteilt, wurde er auf dem
Scheiterhaufen hingerichtet. Vorher wurde ihm noch die Zunge heraus
geschnitten.
Lebenslauf
Giordano Bruno
wurde unter dem Namen Filippo in Nola bei Neapel geboren. Von seinem Heimatort
ist seine spätere Selbstbezeichnung "Nolano" (der Nolaner) abgeleitet. Sein
Vater war Giovanni Bruno, ein Soldat, seine Mutter Fraulissa (Flaulisa?)
Savolino.
Bruno studiert
zunächst in Polen und tritt 1565 in den Dominikanerorden ein. Dort legt er den
Taufnamen Filippo ab und nimmt den Ordensnamen Jordanus/Giordano an.
Bald darauf gerät
er in Konflikt mit der Kirche, weil er sich der Marienverehrung verweigert und
alle Heiligenbilder aus seiner Klosterzelle entfernt. Doch das wird als
jugendliche Verirrung aufgefasst und bleibt zunächst einmal folgenlos. 1572
empfängt er die Priesterweihe. 1576 gerät er zum ersten Mal unter
Ketzereiverdacht und muss Neapel verlassen. Er flieht nach Rom, um sich dem
Papst zu Füßen zu werfen. Als dort jedoch ruchbar wird, dass Bruno seine Flucht
aus dem Kloster mit der Beförderung der
Schriften des
Kirchenvaters Hieronymus in die Latrine gekrönt hatte, muss er auch von dort
fliehen.
Die wieder
entdeckten Ideen der antiken Naturphilosophien übten große Anziehung auf ihn
aus. Zu dieser Zeit wurde das geozentrische Weltbild durch Kopernikus
angegriffen. Hierdurch ermutigt, entwickelte Bruno im Laufe der folgenden Jahre
seine eigene Philosophie.
Über Chambery geht
er zunächst nach Genf. Er tritt der calvinistischen Kirche bei, aber Calvin kann
mit den kopernikanischen Thesen, denen Bruno anhängt, gar nichts anfangen. Bruno
wird verhaftet und von den Calvinisten exkommuniziert. Er widerruft und kommt
frei.
Er gelangt 1579
nach Toulouse, hat dort kurz einen Lehrstuhl inne. Zu dieser Zeit beginnt sein
phänomenales Gedächtnis Furore zu machen. Bruno arbeitet mit einem speziellen
Merksystem. Aber die Erklärung, dass er magische Fähigkeiten habe, scheint
manchen Zeitgenossen dann doch einleuchtender.
Die
Hugenottenkriege treiben ihn dann zwei Jahre später nach Paris weiter. Dort
bleibt er bis 1583, wird von Heinrich III. gefördert. Mit Empfehlungsschreiben
von diesem geht er 1583 nach England, versucht zunächst in Oxford zu lehren,
verursacht mit seinen Angriffen auf Aristoteles jedoch einen Skandal und erhält
keinen Lehrstuhl.
Bis Mitte 1585 lebt er dann im Haus seines Freundes und Förderers, des
französischen Botschafters in London. Dort veröffentlicht er seine
"italienischen Dialoge", darunter Cena de le Ceneri (Das
Aschermittwochsmahl) (1584), in dem er schonungslose
Polemik gegen den Oxforder Gelehrtenstand übt und das Londoner Geistesleben
heftig karikiert, sowie De l'Infinito, Universo e Mondi (Über die Unendlichkeit,
das Universum und die Welten). In letzterem erklärt er die Sterne damit, dass
sie wie unsere Sonne seien, dass das Universum unendlich sei, es eine unendliche
Anzahl von Welten gebe und diese mit einer unendlichen Anzahl intelligenter
Lebewesen bevölkert seien.
1585 geht er
wieder nach Paris, die Stimmung dort ist aber nicht so aufgeschlossen wie noch
zwei Jahre zuvor. Nach Tumulten, die durch seine 120 Thesen gegen die
aristotelische Naturlehre und ihre Vertreter entfacht wurden, und nach einer
Schmähschrift gegen den katholischen Mathematiker Fabrizio Mordente muss er
Paris verlassen.
Er reist nach
Deutschland weiter und versucht einen Lehrstuhl in Marburg zu erhalten. Das
gelingt ihm nicht, aber in Wittenberg erhält er eine Lehrerlaubnis. Von 1586 bis
1588 lehrt er dort Aristoteles. Als die
Meinungsverhältnisse in Wittenberg wechseln, geht er für
ein halbes Jahr nach
Prag. Es gelingt
ihm zwar, die Gunst von Kaiser Rudolf II. zu erhalten, aber keinen Lehrauftrag.
Mit einer finanziellen Unterstützung von 300 Talern von Rudolf II., reist er
nach Helmstedt weiter. Dort erhält er eine Professur. Auch hier hält es ihn
nicht lange, nach den Calvinisten in Genf wird er jetzt von den Lutheranern
exkommuniziert.
Wo auch immer
Bruno wirkt, versucht er Fuß zu fassen und einen festen Lehrstuhl zu erhalten -
erfolglos. Brunos Talent, sich in der Welt der komplizierten Machtverhältnisse
der Renaissance zu behaupten, könnte zwiespältiger nicht interpretiert werden:
Auf der einen Seite gelang es ihm immer wieder, mächtige Gönner auf seine Seite
zu ziehen. Auf dem theologisch-philosophischen Kampfplatz aber scheint er ein
besonderes Talent dafür gehabt zu haben, sich mit rücksichtsloser Polemik,
beißendem Spott und insbesondere mit der Leugnung der Gottessohnschaft Christi
und mit seiner kompromisslosen Gegnerschaft zu Aristoteles Feinde zu
schaffen.
1590 landet er in
Frankfurt am Main, legt sich mit den Stadtoberen an, die ihn prompt 1591
ausweisen. Es folgt ein Kurzaufenthalt in Zürich. Während seiner Frankfurter
Zeit beginnt vielleicht so etwas wie Heimweh nach Bruno zu greifen. Aber in
Italien war die Inquisition mächtig, die katholische Kirche kämpfte mit allen
Mitteln gegen die Reformation. Doch schließlich waren es der Tod des
konservativen Papstes Sixtus V. und die Vakanz eines Lehrstuhls für Mathematik
an der Universität Padua, die den Ausschlag gaben, dass Bruno nach Italien
zurück tendiert. Schließlich erreicht ihn eine Einladung nach Venedig.
Zwar lehrt er
zunächst in Padua, aber dieser Lehrstuhl wird bald an Galileo Galilei vergeben.
Bruno nimmt jetzt die Einladung nach Venedig an. Sein Gastgeber, Zuane Mocenigo,
möchte in die Gedächtniskunst eingeweiht werden, doch es ist nicht
unwahrscheinlich, dass er sich von Bruno Einblick in weit "magischere" Künste
erhoffte. Wohl aus Enttäuschung, dass diese Erwartungen nicht erfüllt wurden,
kommt es zum Streit. Während Bruno noch überlegt, Venedig zu verlassen, wird er
von Mocenigo denunziert und am 22. Mai 1592 von der Inquisition verhaftet. Im
venezianischen Kerker widerruft er nach sieben Verhören. Aber die Macht der
Inquisition trifft auf nicht viel Widerstand in Venedig, das sich für Bruno mehr
oder minder als nicht zuständig erachtet haben dürfte.
Anfang 1593 wird
Giordano Bruno nach Rom gebracht und in der Engelsburg gefangen gesetzt. In den
folgenden sieben Jahren wird der Prozess gegen ihn vorbereitet. Er versucht
vergeblich, eine Audienz bei Papst Clemens VIII. zu erreichen, ist bereit,
teilweise zu widerrufen. Das genügt der Inquisition nicht. Als sie den
vollständigen Widerruf fordert, reagiert Bruno hinhaltend und schließlich
weigerlich: u.a. an der Leugnung der Gottessohnschaft Christi und des Jüngsten
Gerichts und der Behauptung vieler 'Welten' hält er fest. Am 8. Februar 1600
wird das Urteil verlesen:
Giordano Bruno
wird aus der Kirche und dem Orden der Dominikaner ausgestoßen und wegen Ketzerei
und Magie zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt.
Bruno reagiert auf
das Urteil mit seinem berühmt gewordenen Satz:
„Mit mehr Angst verkündet Ihr das Urteil, als ich es
entgegen nehme.“
Von achtjähriger
Kerkerhaft körperlich gebrochen, wird der 52-jährige Giordano Bruno am 17.
Februar 1600 auf dem Campo dei Fiori auf dem Scheiterhaufen hingerichtet.
Seine Bücher
werden auf den Index der verbotenen Schriften gesetzt, wo sie bis zur
Abschaffung des Index 1965 im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils auch
blieben. Das Todesurteil gegen Bruno wurde von Papst Johannes Paul II. am 12.
März 2000
im Rahmen eines Gottesdienstes zum 'Tag der Vergebung' öffentlich bereut.
Seltsame Blüten
gedeihen fast überall.
Unter den
„Familienanzeigen“ (auf Seite D5) in der „Rheinischen Post“ von heute
(08.10.2005) findet sich als prächtiges Beispiel dafür die folgende „Blüte“:
Das Produkt aller
natürlichen Zahlen größer als Null,
bis zur Zahl n
einschließlich, ist nicht durch
die Primzahl n + 1 ohne Rest teilbar.
Dass diese
Formulierung des begeisterten Hobby-Mathematikers aus Geldern, der für sein
Inserat gutes Geld ausgegeben hat, nicht ganz stimmt, ist auf den ersten Blick
klar, und zwar ist das Satzstück nach dem zweiten Komma unscharf.
Der Ausdruck „die
Primzahl n + 1“ lässt sich unterschiedlich auffassen:
a) Die Primzahl
ist n, und dazu wird 1 addiert.
b) Die Primzahl
ist (n + 1).
Gemeint war wohl
b). Aber dass Produkte natürlicher Zahlen durch Primzahlen nur dann ohne Rest
teilbar sind, wenn sie die betreffende Primzahl als Faktor enthalten, ist eine
Binsenweisheit.
Die Version a) ist
dagegen ganz falsch, wie folgende Beispiele zeigen (wobei schon ein Beispiel zur
Widerlegung genügt hätte):
1 x 2 x 3 x 4 x 5
= 120
1 x 2 x 3 x 4 x 5 x 6 x 7 = 5040
120 : (5 + 1) = 20
5040 : 8
=
630
Merke: Auch in der
Mathematik ist Sprache durchaus wichtig!
Idee beim Lesen
Als Opa gerade im
neuen „stern“ geblättert und dabei den lesenswerten
„Zwischenruf“ von Hans-Ulrich Jörges („Ärztin oder Krankenschwester“, stern 41/2005, S. 36)
überflogen hat, kommt ihm ein Gedanke:
Wie wäre es, wenn
ich meine Nina dazu überredete, statt ihres Ausdrucks „doofer Opa“ lieber die viel elegantere Version
„einfach strukturierter Opa“ zu
benutzen?
Hat
was!
(Der folgende Text ist die Fortsetzung.)
Sprachregelungsversuch
Nach Ninas
Heimkehr aus dem Kindergarten versucht der „einfach strukturierte“ Opa sein
Glück. Nina hört ihm geduldig zu. Dann kommt ihr Veto:
„Ich möchte das
nicht sagen.“ Punktum.
Opa gibt nicht
auf. Wieder hört Nina zu. Jetzt ist ihr Widerspruch jedoch entschiedener:
„Nein, Opa, ich
will nicht ‚einfach strukturiert’ sagen, „du bist ‚doof’. — Und blöd!“
Trotzdem wagt Opa
einen letzten Versuch, diesmal mit „schlicht.“ —
„Nein, Opa, das
will ich auch nicht sagen. Und das heißt nicht „schlicht“, das heißt
„schlecht.“
Als sie Opas
traurige Miene sieht, meint sie versöhnlich:
„Du bist doch kein
schlechter Opa.“
Ihre Antwort auf
Opas klägliches „Was denn?“:
„Du bist lieb.“ —
(Pause) — „Und doof!“
Rückkehr vom Kindergarten
(04.10.2005)
So fröhlich, wie
sie heute Morgen das Haus verlassen hat, kommt Nina um 14:15 Uhr zurück. Aber
zunächst hat sie überhaupt keine Lust, das Auto zu verlassen.
Auf dem Schoß hat
sie ihre geöffnete Frühstücksdose und lässt es sich schmecken. Nein, zum
Frühstück hat sie nichts davon angerührt, da hat sie „etwas Braunes“ gegessen.
Sie weiß nicht, was das war. Schokolade war es nicht. Brot war es auch nicht.
Pudding erst recht nicht. Opas vorsichtige Frage, ob es etwa „Aa“..., wird mit
einem Aufschrei der Empörung im Keime erstickt:
„Nein, Opa!, so
was kann man doch nicht essen!“
Da sie auf die
Fragen bei „Brot“ mit „so was Ähnliches“ geantwortet hat, einigen sich Mama und
Opa auf „Lebkuchen“.
Ninas „Picknick“
zieht sich in die Länge. Mama darf schon mal die Sachen ins Haus tragen.
Inzwischen staunt Opa über Ninas Appetit. Als nächstes ist ein Würstchen an der
Reihe, das unter Ninas geschickten Fingern im Handumdrehen seiner Pelle beraubt
wird.
Endlich im Haus
angekommen, schüttet Opa nur rasch noch die Nudeln ab. Der Tisch für Nina, Mama
und Opa selbst ist schon gedeckt. Aber Nina weigert sich, am Tisch Platz zu
nehmen. Dummerweise hat sie das Ebay-Päckchen auf der Treppe entdeckt und muss
das natürlich erst mal auspacken. Zum Vorschein kommt ein Malbuch mit den
Teletubbies.
Während Mama und
Opa mit dem Essen begonnen haben, sitzt Nina auf der Couch im Nebenraum und
„studiert“ ihre neue Errungenschaft.
„Jetzt möchte ich
das ausmalen!“, tönt es unüberhörbar von der Couch. Opa lässt Essen Essen sein
und beeilt sich, den „Wunsch“ seiner Prinzessin zu erfüllen. Angesichts der
schnell geöffneten Buntstiftdose bricht eine regelrechte Danklitanei aus.
Während sie „malt“, singt Nina eine ganze Reihe unterschiedlicher Melodien, aber
alle mit nur dem einen Wort als Text: Danke! Das erfüllt Opa mit tiefem
Glück.
Trotz des
„Picknicks“ im Auto kommt Nina aber schließlich doch noch zum Esstisch.
Nein, an ihrem
Platz und auf ihrem Teller möchte sie immer noch nichts.
„Danke! Ich kann
doch von Mamas Teller mit essen!“ Und unbekümmert greift sie sich die Nudeln
gleich Händchenweise, und Opa staunt schon wieder, weil alles ganz sorgfältig im
Mund verstaut wird. Zwischendurch sind auch hin und wieder die dicken Bohnen
dran, die Opa zu Salat verarbeitet hat. Nina bestätigt ausdrücklich, dass sie
ihr gut schmecken. Aber sie benutzt sie ungeachtet dieser Aussage auch fröhlich
als biologisches Forschungsmaterial, indem sie jeweils eine halbe Bohne abbeißt
und den Rest durch leichten Fingerdruck auf Mamas Teller „zurückflutschen“
lässt. Die Schalen und die geschälten Halbkerne „darf“ Mama essen.
Als Opa Nina ein
Papiertaschentuch für ihre Finger reichen will, verzichtet sie dankend darauf
und zeigt ihm, wie einfach sie sich die Finger an den Lehnen seines
Fernsehsessels abwischen kann. Zum Glück sind die Bezüge abnehmbar, so dass Opa
sie waschen kann.
Opa hat ja auch
gar nichts zu tun. Wenn er noch die Zeit hat, solchen Kram für kV zu
schreiben...
Morgenunterhaltung im
Vorübergehen
(04.10.2005)
Ort des Dialogs: Diele
Opa: „Guten Morgen, meine liebe Nina.“
Nina (lächelnd): „Guten Morgen, Opa.“
Opa: „Wo geht ihr denn heute hin?“
Nina (mit gerunzelter Stirn): „Nicht gehen, Opa,
fahren!“
Opa: „Wo fahrt ihr denn heute hin?“
Nina (strahlend): „Zum Kindergarten. Mama holt mich
wieder ab. Um 2 Uhr! Tschö, Opa.“
Opa: „Tschö, mein Schatz.“
Inzwischen ist
Nina mit Mama schon zu weit vom Haus weg, als dass sie noch gegen den „doofen Namen Schatz“ protestieren könnte. So beschränkt sich ihre
Antwort auf ein fröhliches Winken...
Fürsorgliche Warnung und
Streich (03.10.2005)
Auf dem Weg zur
Schaukel im Garten kommt Nina mit einem kleinen Teller durch Opas Wohnzimmer.
Opa schaut ganz überrascht: Auf dem Teller liegt ein sehr großes Nussplätzchen.
Nina sieht Opas Riesenaugen und sagt:
„Das ist für
dich!“
Opa ahnt, dass das
Plätzchen gerade aus dem Ofen kommt.
„Hast du das mit
Mama gebacken?“ fragt er.
„Ja, und noch
mehr“, ist die Antwort.
„O, das ist ja
noch warm“, meint Opa, als er das Plätzchen in die Hand nimmt.
„Nein, Opa“,
ertönt es sofort, „das ist nicht warm, das ist heiß. Das kannst du noch nicht
essen. Da musst du noch ein bisschen warten!“
Opa legt das
Gebäck gleich wieder zurück, damit es in Ruhe abkühlen kann. Zufrieden nimmt
Nina mit Mama Kurs auf die Schaukel. Durchs Fenster sieht Opa noch, wie sie –
statt zu schaukeln – erst noch auf Mama einredet. Dann steigt sie wieder ab und
verschwindet mit Mama um die Hausecke.
Aha, denkt Opa,
jetzt geht es erst mal auf Walderdbeersuche. Da die auch im Vorgarten zu finden
sind, führt die Suche ums Haus herum; Gelegenheit, „Schellemännchen“ zu spielen.
Und schon ertönt die Klingel!
An der Haustür
angekommen, sieht Opa natürlich niemanden.
Im Garten sitzt
Nina längst auf der Schaukel. Als Opa sich bei ihr über das „böse
Schellemännchen“ beklagt, das ihn zur Tür gescheucht hat, lacht sie ihn
entwaffnend an und sagt:
„Ach, Opa, das war
doch ich!“
Doof (03.10.2005, 10:00 h)
Zumindest
in einer Hinsicht hat Nina Recht, wenn sie Opa als „doof“ bezeichnet, in der
Grundbedeutung des Wortes nämlich, das ja die niederdeutsche Variante des
hochdeutschen „taub“ ist.
Da schreibt
Opa, um seine Sehnsucht in den Griff zu bekommen, gegen Mitternacht den Beitrag
„Wieder ohne Nina“, und dabei ist sie schon seit 22:00 Uhr mit ihren Eltern
wieder da.
Und der „doofe“
Opa hat nichts bemerkt!
Als er heute
Morgen das Fotoalbum wieder nach oben trägt, aus dem er ein paar neuere
Ninabilder eingescannt hat, will er sich schon ärgern, dass er gestern offenbar
das Licht hat brennen lassen.
Und was sieht er?
– Die ganze Familie fröhlich beim Frühstück!
Insgeheim meint er
zwar: Die hätten sich ja auch mal bemerkbar machen können! Aber die Freude
überwiegt, vor allem, als Nina ihn anlächelt und „Hallo, Opa!“ sagt...
Schon wieder ohne Nina (3.10.2005, 00:32 h)
Letzten
Freitagnachmittag hat sie zum letzten Mal gewinkt, und dann war sie weg.
Mit Papa und Mama
ist sie wieder mal zu den anderen Großeltern gefahren. Stimmt schon, die möchten
schließlich auch etwas von ihrer kleinen Enkelin haben. Und Willi, das
Kaninchen, auch. Mehr als sechs Stunden haben sie für die Fahrt gebraucht, die
sonst knapp drei dauert. Von einem Stau in den anderen! Kein Wunder beim
Herbstferienbeginn.
Nur im Hintergrund
konnte Opa ihre Stimme am Telefon hören. Aber morgen wird sie wohl wieder hier
sein. Hoffentlich schaffen sie’s dann schneller!
Vorsichtshalber
hat Opa schon einen großen Braten vorbereitet, wie ihn Nina so gern mag. Und die
große Gurke wartet auch schon im Kühlschrank. Wenn sie nur nicht wieder kurz vor
der Ankunft bei einem Schnellimbiss Rast machen! Von sich aus würde Nina das
bestimmt nicht tun. Hofft Opa jedenfalls.
Das Wetter war
zwar nicht ganz danach, aber im Garten könnten die letzten Walderdbeeren reif
sein. Um noch mit Nina nachschauen zu können, müssten sie aber ankommen, solange
es noch hell ist.
Opa sollte endlich
damit aufhören, sich Sorgen zu machen. Möchte er eigentlich auch. Schließlich
weiß er genau, dass das nur eine dumme Angewohnheit ist. Aber sie scheint zu den
Dummheiten zu gehören, von denen man so schlecht los kommt.
Mensch, Opa, mach
endlich Schluss damit. Morgen ist das Warten vorbei!
Hurrah! Nicht erst morgen, nein, heute schon, denn es ist
ja schon nach Mitternacht!
Ninas Geheimnis (01.10.2005)
Seit ihrer Geburt
„tackt“ Nina regelmäßig. Zugegeben, das Wort „tacken“ gehört nicht zum normalen
deutschen Wortschatz. Aber es gehört zu Ninas ganz persönlichem und ist für sie
eines der wichtigsten Wörter.
Am kommenden
Montag, dem 3. Oktober, beginnt in Deutschland die „Weltstillwoche“, die von der
WHO ausgerufen worden ist, um auf die Bedeutung des Stillens hinzuweisen. Was
durch große Untersuchungsreihen in den letzten Jahren immer deutlicher geworden
ist, hat Nina für sich selber längst erkannt – und Mama zum Glück auch.
Mein kleiner
Schatz hat sich bestimmt nicht zuletzt deshalb so prächtig entwickelt, weil das
„Tacken“ – das Trinken aus der Mutterbrust – bis heute eine heiß geliebte
Selbstverständlichkeit geblieben ist. Sicher war es ein wesentlicher Grund
dafür, dass Nina weitgehend von Krankheiten verschont blieb und die
gelegentlichen Kränkeleien im Handumdrehen überwunden waren.
Mamas Seufzen im
Blick auf die Aussicht, in ein paar Jahren regelmäßig in der großen Pause auf
dem Schulhof aufkreuzen zu müssen, um dort ihrer „Pflicht“ nachzukommen, hält
Opa für maßlos übertrieben.
Wildwestmethoden jetzt legal
Ab heute
(1. Oktober 2005) gilt in Florida ein Gesetz, das der Gouverneur, Jeb Bush,
der jüngere Bruder des Präsidenten, im April gebilligt hat. Leider kein
Aprilscherz!
Das Gesetz
erlaubt es den Bürgern von Florida, sofort die Waffe zu ziehen, wenn sie sich zu
Hause oder in der Öffentlichkeit bedroht fühlen.
Es ist zu
befürchten, dass damit kleine Auseinandersetzungen (z. B. im Straßenverkehr oder
bei Nachbarschaftsstreitigkeiten) in hemmungslose Waffengewalt ausarten. Da
erscheint mir die Frage nicht ganz unberechtigt, ob man einem solchen
US-Demokratiemodell weltweite Verbreitung wünschen sollte...
„Stilvoll“

Glosse zu einem schönen Herbstwaldartikel
Auf Seite
A3 bringt die RP von heute (01.10.2005) unter dem Titel „Kleine Blätterkunde“
einen lesenswerten Beitrag, der rund 2/3 der Seite einnimmt. Die Autorin Dirke
Köpp stellt darin sechs Baumarten unserer Wälder vor, vor allem unter dem Aspekt
ihrer Erscheinungsform im Herbst.
In sieben
farbigen Bilder werden dazu die behandelten Bäume, einschließlich ihrer Blätter
in Großaufnahme, und die ansehnliche „Informationsquelle“, die Waldpädagogin
Nina Piechottka, gezeigt. Zu hoffen und – optimistischer Weise – zu erwarten
ist, dass auch viele junge Menschen den Artikel lesen werden.
Da aber
sind wir bei dem Punkt, der mich ein wenig bekümmert. Ob die Autorin oder jemand
aus dem Satz dafür verantwortlich ist, kann ich natürlich nicht entscheiden.
Aber ein ziemlich dummer Rechtschreibfehler hat mich beim Lesen leider doch
etwas gestört, vor allem, weil er so konsequent durchgehalten wird.
Jedes Mal,
wenn von der Stieleiche die Rede ist, steht da „Stileiche“ – auch in der
Bildlegende – und aus dem Stängel (alte Rechtschreibung „Stengel“), dem Stiel,
wird „Stil.“
Da der
Artikel sachlich, sprachlich und „stilistisch“ durchaus gelungen ist, wäre es
gar nicht nötig gewesen, den Wald auf diese Weise „aufzuwerten.“ Mir tun schon
die jungen Leserinnen und Leser Leid, die hier vielleicht ihre „Stilkunde
erweitern.“
Gewohnheit (30.09.2005)
Opa
schanzt Mini
— Nina
Schmitz —
beim Essen
die besten
Bröckchen
zu.
Anagramm: Die zweite und die dritte Zeile
enthalten dieselben Buchstaben, nur in anderer Reihenfolge.
Tippen
(30.09.2005)
Wenn ich es mal
erlebe, wie andere Menschen mit der Tastatur umgehen (bzw. früher mit der
Schreibmaschine), dann komme ich aus dem Staunen nicht heraus.
Viele beherrschen sogar das Zehnfingersystem!
Mir selber ist
schon das so genannte „Zweifinger-Suchsystem“ viel zu kompliziert. Das weiß ich
aus entsprechenden vergeblichen Versuchsreihen. Dabei kamen immer nur
Legastheniker-Texte heraus.
Wahrscheinlich ist
mein Gehirn zu simpel gestrickt. In meiner Jugend habe ich zwar jahrelang
Trompete gespielt, und das nicht einmal schlecht, aber dafür brauchte ich ja
auch nur drei Finger.
Inzwischen habe
ich mich längst damit abgefunden. Wenn man alt ist, sollte man nicht unbedingt
mit aller Gewalt unerreichbare Ziele anstreben.
Und so tippe ich
meine Texte weiter wie bisher, mit nur einem einzigen Finger der rechten Hand –
und das ist ausgerechnet der „Stinkefinger“. Bitte nicht weiter sagen.
Harter
Kurs
(29.09.2005)
Opa hat etwas Schönes gekocht und sorgfältig den Tisch
gedeckt. Aber Mama und Nina lassen auf sich warten. Opas düstere Vorahnungen
bestätigen sich, als die beiden gegen halb Vier endlich ankommen: Sie haben
schon bei Oma gegessen!
„Spinat!“, strahlt Nina ihn an. Sie will nicht mal in
seinen Topf gucken, als sie hört, dass er auch Pilze in die
Tomaten-Hackfleisch-Soße getan hat. „Puuhhh!“, sagt sie nur.
Am Morgen hatte Opa ein Päckchen mit Mamas Anschrift
entgegengenommen.
„Sicher was für mich“, sagt Nina, als sie es auf der Treppe
liegen sieht. Jetzt will sie natürlich erst recht sofort nach oben gehen.
Seufzend blickt Opa seinen Grazien nach...
Zurück im Wohnzimmer, lässt er seine Blicke schweifen. Da!
Die Obstschale! Einer Eingebung folgend, nimmt er vorsichtig eine dicke,
vollreife Nektarine und steigt mühsam die Treppen hinauf. Er klopft zwar höflich
an die Wohnungstür, tritt aber doch gleich ein. Wegen seiner Schwerhörigkeit
kann er so wie so nicht entscheiden, ob jemand „Herein“ gesagt hat.
Stolz thront die Prinzessin auf der Couch, natürlich schon
„im Inhalt des Päckchens“: einem traumhaft schönen hellblauen Esprit-Jäckchen
mit zierlichen Stickereien. Ebay lässt grüßen.
Opas Nektarinen-Trick erweist sich als wirkungsvoll. Nina
greift dankend zu und beißt gleich hinein. Eigentlich ist die Frucht für das
kleine Händchen viel zu groß, aber Mamas Angebot, sie klein zu schneiden, wird
abschlägig beschieden. Als Mama sich beklagt, dass die Kleine (jetzt, mit ihrer
Bronchitis) sich fast nur von Obst ernährt, sieht man förmlich, wie Nina die
Ohren „zuklappt.“
Opa setzt sich auf die Couch, wird aber von Nina gleich
wieder hoch gescheucht:
„Da sollst du nicht sitzen, Opa; das ist Papas Platz!“ Opa
will auf die andere Seite wechseln, wird jedoch schon wieder belehrt:
„Da auch nicht! Das ist Mamas Platz.“ –
„Jetzt bin ich aber ganz traurig“, versucht Opa es noch
einmal, „wo darf ich denn sitzen?“ Und schon kommt eine genaue Beschreibung,
warum keine der vorhandenen Sitzgelegenheiten für ihn in Frage kommt; alle sind
entweder Papa oder Mama oder Nina selber zugeordnet.
„Soll ich denn so traurig wieder nach unten gehen und
weinen?“, macht er den letzten Versuch. Nina nimmt die Nektarine vom Mund und
sagt so trocken, wie das bei der saftigen Frucht möglich ist:
„Ja, Opa, das ist besser!“
Kleine Beschwerden (29.09.2005)
Im Kindergarten
grassiert Bronchitis. Logisch, dass Nina auch nicht ungeschoren davongekommen
ist. Oma, die als Kindergartenersatz herhalten muss, scheint darunter stärker zu
leiden als Nina selber. Wohlgemerkt: unter NINAS Bronchitis, Oma selber hat
(noch) keine!
Nach dem
obligatorischen Besuch beim Kinderarzt gehen die beiden zur Apotheke, um das
erhaltene Rezept für den Hustensaft einzulösen. Über den Kinderarzt kann sich
Nina gar nicht beruhigen, noch des Nachmittags erzählt sie Opa, wie „doof“ der
Doktor war:
„Weißt du, wo der
meine Ohren gesucht hat? Hier!“, und dabei zeigt sie in die Tasche vorn auf dem
Latz ihrer Hose. Sie selbst hat ihm zeigen müssen, wo ihre Ohren sind!
Beiläufig erfährt
Opa, dass es Oma nicht gelungen ist, Nina zum Einnehmen des Hustensaftes zu
bewegen. Als Mama da ist, versucht sie ihr
Glück. Vergeblich.
Dummerweise hatte
Oma Nina am Hustensaft riechen lassen. Opa schnuppert auch mal und kann Nina
verstehen. So ein künstlicher, süßlicher Geruch kann bei einem Kind, das fast
nichts Süßes mag, nur auf Ablehnung stoßen.
Vor die
Alternative gestellt, Saft schlucken oder weiter husten, entscheidet sich Nina
ganz spontan für weiter husten. Opa staunt, wie wirksam der Hustensaft zu sein
scheint. Denn nach dem einmaligen Riechen hustet der Schatz schon bedeutend
seltener.
Hektischer Morgen
(28.09.2005)
Heute Morgen hat
Opa Pech. Als er schon vor 8 die Müllabfuhr hört, sieht er beim kurzen Blick aus
dem Fenster, dass er gestern Abend die falsche Tonne raus gestellt hat: Nicht
die graue (Restmüll), sondern die gelbe (Verpackungen, Plastik) hätte es sein
müssen. Hätte er doch nur selber auf der Liste nachgesehen, statt sich auf das
Vorbild eines Nachbarn zu verlassen!
Leider ist Opa
noch nicht angezogen, obwohl er schon seit zwei Stunden seine Zeitungen
studiert. Was soll’s? Rasch entschlossen schnappt er sich den Hausschlüssel und
begibt sich nach draußen, so wie er ist, im Morgenmantel und mit nackten Füßen
in den alten Schlappen. Zum Glück liegt das Haus an einem Fußweg, der alle 100
Meter von einer Stichstraße berührt wird. Also: so schnell es geht, die gelbe
Tonne zur nächsten Stichstraße bringen! Dem Himmel sei Dank! Es klappt.
Als er zurück
kommt, verlassen Nina (3) und Mama gerade das Haus. Ninas Blick gleitet ziemlich
kritisch über die Opafigur, die sich ihr da bietet, von Kopf bis Fuß. Schon
wieder hat Opa Glück, denn Nina verkneift sich jeden Kommentar.
Mama fällt ein,
dass sie etwas vergessen hat. Sie muss noch mal rauf. Sie gibt Nina den
Autoschlüssel mit der Bitte, schon mal den Wagen aufzuschließen. Opa begleitet
Nina zum Auto, voller Neugier, ob sie das auch schafft. Zur Not könnte er ihr ja
helfen.
Als sie an der
Autotür stehen, steckt Nina souverän den Schlüssel ins Schloss. In diesem
Augenblick kommt „Mira“, eine schwarze Katze aus der Nachbarschaft, vorbei. Nina
hat nur noch Augen für Mira, und sie erzählt Opa, was Mira gestern gemacht hat.
Ganz nebenbei macht es „klick“, und die Zentralverriegelung ist offen.
Am liebsten möchte
Nina jetzt noch die nassen Autoscheiben trocken putzen, aber leider ist sie zu
klein, um ganz heran zu kommen. Und Mama, die inzwischen wieder da ist, drängt
sie einzusteigen. Keine Zeit!
Gekonnt schwingt
sich Nina in ihren Kindersitz und klickt das Gurtschloss zu. Ein letztes Winken,
und das Auto mit den beiden verschwindet um die Ecke...
Nina und der Computer
(27.09.2005)
Als Mama am
frühen Nachmittag mit Nina nach Hause kommt, muss sie gleich noch mal weg, weil
sie noch einkaufen will. Opa und Nina sind also allein.
Nina
interessiert sich für Opas frisch gebratene Frikadellen, probiert eine, findet
sie „lecker“ und isst sie samt einer halben rohen grünen Paprikaschote gleich
auf. Opas freundliche Einladung, dazu doch besser am Tisch Platz zu nehmen, wird
dankend abgelehnt. Die Hände wäscht sie sich jedoch ganz von selber.
Dann möchte
Nina an Opas PC mit den „Teletubbies“ spielen. Na gut! Ist ja auch schon ein
paar Wochen her, dass die beiden das gemacht haben. Opa geht also auf die
Homepage der Teletubbies bei BBC. Nina thront natürlich auf Opas Schoß.
Kaum ist
die Homepage geöffnet, spürt Opa, wie Ninas Händchen seine Hand sanft, aber
bestimmt von der Maus weg schiebt. Das ist für Opa ganz neu. Mama hatte zwar
schon mal Andeutungen gemacht, hm, so richtig hatte er sich das jedoch nicht
vorstellen können. Jetzt ist er richtig gespannt.
So schnell,
wie es nun los geht, kann Opa kaum gucken. Die Maus ist zwar eigentlich viel zu
groß für Ninas Händchen, trotzdem kommt sie ganz problemlos damit klar.
Blitzschnell saust der Mauszeiger über den Monitor. Spiel Auswählen, auf ganzen
Bildschirm Umschalten und Spielen, einschließlich Verschieben von Objekten,
Kolorieren, Anklicken und Doppelklicken usw., läuft ohne Unterbrechung. Opa
kommt aus dem Staunen nicht heraus. Dabei stehen alle Anweisungen nur in
Englisch auf dem Bildschirm. Und auch zu hören ist nur die englische Sprache.
Ach ja, richtig lesen könnte sie ja auch keine deutschen Texte...
Opa ist auf
die Rolle des passiven Zuschauers beschränkt, und die von Ninas „Sitzkissen“
natürlich. Wenigstens darf er gelegentlich ein wenig kommentieren. Schließlich
sind alle Spiele, die Nina „mag“, durchgespielt. Ein paar mag sie nun mal nicht.
Die sind ihr zu „doof.“
„Jetzt bin ich
fertig“, sagt Nina nach einer knappen halben Stunde, „wir gehen nach oben!“
Selbstverständlich hat Opa nicht die geringsten Einwände.
Die
Rolltreppe
(27.09.2005)
Wegen einer
leichten Bindehautentzündung darf Nina heute nicht in den Kindergarten.
Ansteckungsgefahr! Also liefert Mama sie um 8 bei Oma ab. Nach einem gemütlichen
Frühstück geht’s gegen 10 mit dem Bus in die Stadt.
Im Kaufhof
möchte Nina mit der Rolltreppe nach oben fahren. Oma soll sie dazu auf den Arm
nehmen, wie sie’s gewohnt ist. Aber Oma findet Nina inzwischen schon etwas zu
schwer für ihre angeknackste Wirbelsäule.
Also stellt
sie die Kleine auf die Stufe vor sich. Nach einem Augenblick der Verblüffung
kreischt Nina vor Begeisterung. Am liebsten würde sie jetzt tanzen. Aber sie
möchte auch das Vergnügen nicht in Gefahr bringen, das ihr der geheimnisvolle
Anstieg bereitet. Immer wieder jubelt sie:
„Das muss
ich Mama erzählen!“
Der auf der
Treppe unterdrückte Tanz wird im ersten Stock sofort nachgeholt, immer um Oma
herum. Und dass Tanzen ohne Singen nicht geht, versteht sich eigentlich von
selbst.
Der
Vormittag vergeht wie im Flug. Nach manchem Abenteuer und „ungeplanten Einkauf“
(immer zu Ninas Gunsten!) sitzen die beiden endlich wieder im Bus. Und da
scheint Ninas Köpfchen bald immer schwerer zu werden. Oma will ein wenig
stützen. Ihre helfende Hand wird zwar zuerst weg geschoben, aber nicht
lange...
Zurück im
„Dorf“ muss Oma sich Nina auf die Schulter legen, um aus dem Bus aussteigen zu
können. Wider Erwarten wird der Schatz dabei jedoch keineswegs wach, und was die
arme Oma im Kaufhof noch hat vermeiden können, ist nun ihre Dauerbeschäftigung
für die letzten rund 400 Meter Heimweg. Nina merkt nicht einmal mehr, wie Oma
sie zu Hause vorsichtig aufs Bett legt.
Dafür merkt
Oma um so deutlicher, was sie getan hat. Arme Oma! Danke.
Nina und
Sprachen
(27.09.2005)
Nina spricht Hochdeutsch, und zwar in einem für ihre drei
Jahre schon bemerkenswert „elaborierten Code.“ So ganz nebenbei hat sie auch
bereits eine Menge englischer Brocken aufgeschnappt. Ein paar englische
Kinderlieder beherrscht sie schon vollständig, wobei sie offensichtlich
versteht, wovon die Rede ist. Quelle: meist Kindersendungen von BBC.
Etwas anders ist die Sache beim niederrheinischen Platt.
Wenn Opa mal – heimlich – Platt mit ihr spricht, scheint ihr das richtig Spaß zu
machen. Jedenfalls lacht sie viel dabei. Verständigungsprobleme? – Fehlanzeige.
Allerdings geht es beim Platt auch nie um schwierige (abstrakte) Sachverhalte.
Die Situation trägt immer erheblich zum Verständnis bei.
Seltsam ist nur: sie wiederholt die Ausdrücke völlig
akzentfrei und auch im Gespräch mit anderen Menschen. Oft berichtet eine völlig
verblüffte Oma davon (wie sie z. B. gesagt hat: „Opa es e Deer!“).
Aber Nina scheint das Platt für eine Sprache zu halten, die
speziell für „Quatsch“ da ist, etwas zum Lachen.
Da hat Opa noch eine Menge zu tun (und zu reden), um das
etwas zurecht zu rücken...
Prüfung
bestanden
(26.09.2005)
Kurz vor Acht. Opa
hört Nina mit Mama die Treppe herunter kommen. Es geht zum Kindergarten. Opa
lässt die Zeitungen liegen und beeilt sich, rechtzeitig in der Diele zu stehen,
um den beiden einen guten Morgen zu wünschen. Zum Glück schließt er Fizz
(Großporträt auf Ninas T-Shirt) und Miffi (in Ninas rechtem Händchen) in die
namentliche Begrüßung ein. Nina strahlt ihn an:
„Wir gehen in den Kindergarten! Und Oma holt uns um 12
ab.“
(Das hätte Opa mal
sagen sollen! Hätte er von „Gehen“
gesprochen, wäre er sofort berichtigt worden: „Wir ‚fahren’!“ – Na ja, das wussten schon die alten
Römer: „Quod licet Iovi [Nina], non licet bovi [Opa].“ Zu Deutsch: „Was Jupiter
sich leisten kann, steht keinesfalls dem Ochsen an.“)
Auf dem
Bürgersteig vor dem Haus dreht sich Nina noch einmal um, wirft Opa ein
zauberhaftes Lächeln zu und winkt.
Opa freut sich
über seine ungebrochene Lernfähigkeit. Heute hat er Fizz und Miffi ja nicht
vergessen. Alles scheint besser zu werden...
Ninas Farbenspiel (25.09.2005)
Zu den Koalitionsverhandlungen nach der Bundestagswahl
2005)
Nina sitzt am
Tisch und „malt“ mit Wasserfarben. Sie hat nur einen kleinen Farbkasten mit
sechs Farben. Opa zeigt ihr, wie sie durch Mischen andere Farben machen kann;
der Kastendeckel hat dafür sogar eigens verschiedene Fächer.
Nina findet das
ganz toll, wie aus Rot und Gelb Orange entsteht. Und aus Gelb und Blau Grün.
Aber Grün ist ja schon da.
Begeistert macht
sie sich selber ans Werk.
Zuerst mischt sie
Orange mit Schwarz. Ergebnis: Grau. Dann kommt etwas Rot zu Grün. Ergebnis:
Grau. Und je mehr sie versucht, um so deutlicher merkt sie: Immer wieder kommt
Grau dabei heraus. Aber Grau gefällt ihr nun wirklich nicht.
Opa denkt: ‚Ja,
wenn das so ist...’
Internet und
Rumpelstilzchen
Das Märchen vom Rumpelstilzchen veranschaulicht eine
menschliche Urangst: Wer weiß, wer ich
bin, hat Macht über mich.
In Ansätzen ist das sicher nicht unbegründet. Wer
Vorschriften oder Gesetze übertritt, wird zur Rechenschaft gezogen werden, wenn
man seinen Namen kennt. Kein Wunder also, dass das „Rumpelstilzchensyndrom“ –
wie man diese Urangst vielleicht nennen könnte – in einschlägigen Kreisen
besonders stark verbreitet ist.
Schon seit Generationen bedienen sich auch Künstler häufig
solcher Geheimhaltung ihrer wirklichen Identität, indem sie Pseudonyme oder
Künstlernamen wählen, um in ihrem Privatleben von den Folgen ihrer „Werke“
unbehelligt zu bleiben.
Die Wahl zu Reklamezwecken soll hier außer Betracht
gelassen werden.
Dass das Internet geradezu eine Flut solcher Pseudonyme
oder Nicknames ausgelöst hat, darf also nicht verwundern, denn nie zuvor hat es
solche Massen von Individuen gegeben, die sich „veröffentlicht“ haben. Aber –
wohlgemerkt – nicht als die Menschen, die sie wirklich sind, sondern nur in
Teilaspekten ihrer Persönlichkeit.
Und hier zeigt sich allerdings auch eine merkwürdige
Auffächerung dieser Erscheinung. Während ein großer Teil der „Surfer“ –
vorwiegend jüngere, wie ich meine – die wirkliche Identität hinter dem Nickname
ängstlich verbirgt, gibt es andere – meist wohl ältere – , denen es nichts
ausmacht, ihre Identität preiszugeben. Manche verzichten von vornherein auf den
Nickname und nennen sich beim „richtigen“ Namen.
Schaut man sich nun die Nicknames einmal etwas genauer an,
zeigt sich wiederum etwas ganz Verblüffendes. Während sie einerseits der Tarnung
dienen, enthüllen sie andererseits oft erheblich mehr, als der richtige Name je
könnte. Ich verzichte hier absichtlich auf Beispiele, und zwar aus zwei Gründen.
Erstens möchte ich niemandem zu nahe treten. Und zweitens kann sich jeder Leser
seine eigenen Gedanken machen, wenn er – zum Beispiel allein bei kV – die
Nicknames betrachtet.
Altmodisch, wie ich bin, habe ich selber kein Problem
damit, meine Identität preiszugeben. Mein eigener Nickname ist lediglich eine
Konzession an das, was ich einmal für „notwendig“ gehalten habe, um überhaupt
Zutritt zum Internet zu erhalten.
Friedhelm Schmitz (alias „Zacken B. Arsch“¹)
¹ Bevor jemand
anders auf die Idee kommt, das so zu schreiben, tu ich’s lieber selber.
;-) (24.09.2005)
Lasseru!
(24.09.2005)
Das waren noch
Zeiten! Inzwischen hat auch Nina ihre „Vergangenheit.“
Da war zum
Beispiel die Phase vor gut anderthalb Jahren. Damals – wie heute immer noch –
suchte sie ständig Gemeinschaft, sehr zu Mamas Leidwesen auch des Nachts. Nur
gelegentlich wollte sie unbedingt in ihr Kinderzimmer, und da – in ihr
„Häuschen“,
unter den kleinen Tisch mit der Decke darüber.
Wehe, jemand hob
einen Zipfel der Decke an, um hinein zu lauern!
„Lasseru!“,
fauchte ihm die kleine „Katze“ entgegen.
Bald wussten alle,
das war ein untrügliches Signal, dass kurz darauf die Windel gewechselt werden
musste...
Die frühkindliche
Sprachform hat sich mittlerweile zu einem „elaborierten Code“ entwickelt: „Lass
mich bitte in Ruhe!“
Aber dessen
Deutung ist erheblich schwieriger. Schließlich gehören die Windeln längst der
Vergangenheit an.
Buchstabensuppe (20.09.2005)
Nina geht
inzwischen ausgesprochen gern in den Kindergarten. Opa merkt das jeden Morgen,
wenn sie mit Mama zum Auto geht. Sie strahlt Opa an und redet freundlich mit
ihm. Aber sie geht ja auch nicht allein; „Miffi“, ihre weiße Häschenhandpuppe
mit dem gelben Kleidchen, muss immer mit.
Gestern hat
sich Nina einfach an den Mittagstisch im Kindergarten gesetzt und mit gegessen,
obwohl sie wusste, dass Oma schon da war, um sie abzuholen. Da musste Oma eben
ein wenig warten. Aber es gab ja auch Suppe mit Buchstaben. Und Nina liebt
Buchstaben!
„Nein, Opa,
ein O war nicht dabei, aber ein M wie Mama und ein U wie Uli und ein N wie Nina;
ja, auch ein P wie Papa. Aber jetzt wollen wir nicht mehr von Buchstaben
sprechen!“, bekam Opa auf seine diesbezügliche Frage zu hören.
Stattdessen
musste er mit Nina raus in den Garten. Bei dem herrlichen Spätsommerwetter war
das ja auch viel schöner.
„Ninas
kleine Schwester“ befindet sich zwar eigentlich seit dem Urlaub noch in Spanien,
aber sie spielt trotzdem eine große Rolle. Jeden Tag.
Gestern
Nachmittag fielen Nina die Romane von Theodor Fontane auf, die Oma gerade liest.
Da es Pappbände aus Opas Schullektüren-Bibliothek sind, aber schön glatt,
schnappte sich Nina gleich einen Kugelschreiber, den Blick auf die Bücher
gerichtet. Oma ahnte schon, was sie vorhatte. Also schnell ein Schreibheft
hingelegt und Nina gebeten, nur ja nichts auf die Bücher zu schreiben, die ja
Opa gehören. Ein Schreibheft ist ja auch zum Schreiben viel besser.
Aber dann
musste Oma ins Badezimmer.
Als sie
zurück kommt, sind die Bände „signiert.“ Zum Glück nur von außen. Komisch, mit
den eigenen Büchern, so viele es auch sein mögen, würde Nina das nie machen. Oma
ist enttäuscht, weil Nina ungehorsam und „böse“ gewesen ist.
Nina wird
tatsächlich ein bisschen rot, aber dann kommt ihre Verteidigungsrede:
„Ach, Oma,
meine Schwester hat mir gesagt, ich soll das tun. Ich selber wollte ja gar
nicht. Aber meine Schwester...“
Ninas
„alter ego“, personifiziert in der Gestalt der imaginären „kleinen Schwester.“
Opa findet das wunderschön und ist jetzt richtig glücklich mit seinen
„signierten“ Büchern.
Nina ist stärker als die starken Verben (19.09.2005)

Am Sonntag
war Opa mit Nina und ihren Eltern im Tierpark. Eigentlich hatte er das gar nicht
eingeplant, aber als die junge Familie losfahren wollte, war es Nina gewesen,
die darauf bestanden hatte, er solle mitkommen. Er musste jedoch seine Krawatte
wieder umbinden, die er nach dem Besuch im Wahllokal schon wieder abgelegt
hatte. Nina hat schließlich recht genaue Vorstellungen davon, wie ein Opa
auszusehen hat, wenn man ihn mal mitnimmt.
Im Tierpark
war Nina die Führerin, die schon alles kannte und Opa auf alles Sehenswerte
aufmerksam machen musste.
„Guck mal
da, Opa!“, tönte es in einer Tour.
Vor dem
riesigen Keiler hatte sie überhaupt keine Angst. Sorgfältig legte sie ihm die
Futterpellets aufs Mäuerchen und freute sich, wie er sie mit seiner Zunge
aufnahm.
Vom
Rotfuchs war sie nicht ganz so begeistert. Erstens schlief er nämlich, und
zweitens stank er ziemlich stark.
„Puh, der
stinkt aber ganz schlimm! Das kann ich nicht leiden“, sagte sie und strebte
weiter. Da waren die Meerschweinchen schon angenehmer und der große Affe, der
geruhsam einen Salatkopf verzehrte.
Am Schluss
durfte Nina sich ein Eis aussuchen. Ihre Wahl fiel auf ein gelbes Eis am Stiel.
„Au, meine
Güte, da hast du aber schon ein großes Stück abgebissen!“, meinte Opa nach
wenigen Augenblicken.
„Ach, Opa,
das heißt doch nicht ‚abgebissen’, das heißt ‚abgebeißt’. Mama hat das neue
Schränkchen doch auch nicht ‚gebizzen’, sie hat es ‚gebeizt’!“
Angesichts
solcher Systematik gab sich ein resignierender Opa geschlagen; schließlich
wusste er aus Erfahrung, wann es zwecklos ist, mit Nina über etwas zu streiten.
Dabei beherrscht die Kleine sehr viele starke Verben im Schlaf. Die Gehege, wo
die Tiere zu viel „geschissen“ hatten, gefielen ihr zum Beispiel nicht
besonders. Aber bei manchen Fragen hat sie eben ihre eigene Meinung, und die ist
das einzige, was zählt.
Das kann Nina nicht
verstehen
(11.09.2005)
Die ganze Familie
ist eingeladen zu einem besonderen Geburtstag. Omas Schwester und ihr Mann sind
50 geworden. Gefeiert wird mit vielen Gästen im Schloss Wickrath
(Mönchengladbach), einem zauberhaften Gebäudekomplex in einem wunderschönen
ausgedehnten Park.
Als Oma und Opa
losfahren, hält Nina noch ihren „Mittagsschlaf“, der angesichts der Tageszeit
besser „Vorabendschlaf“ hieße. Mama will mit ihr nachkommen.
Die
Festtagsgesellschaft ist recht vielseitig und abwechslungsreich. Aber Opa sehnt
sich nach Nina. Deshalb spaziert er mehrmals durch den Park, in die Richtung,
aus der Mama und Nina wohl kommen werden.
Endlich, nach fast
zwei Stunden, werden die beiden jenseits eines großen Teiches sichtbar. Opa
winkt und zeigt ihnen durch Gesten, an welcher Seite der kürzere Weg zu finden
ist. Und er humpelt ihnen entgegen.
Nina ist schon
mächtig beeindruckt durch die Umgebung. Sie weiß kaum, worauf sie Opa zuerst
aufmerksam machen soll, die bunten Enten, die schwarzen Schwäne oder die
Springbrunnen. Auf dem Weg zum Festsaal müssen sie noch einen recht breiten
Wasserlauf überqueren. Die solide Holzbrücke spannt sich ziemlich hoch über dem
Wasserspiegel. Opa kann Ninas Erregung an seinem kleinen Finger spüren, den
Ninas Händchen fest umschlossen hält.
Dann sind sie da.
Nina ist das einzige Kind unter rund achtzig Erwachsenen. Gelegenheit, auf
höchst charmante Weise „Miss Schüchternheit“ zu spielen.
Beim Essen
beschränkt sie sich auf rohe Paprikastreifen und – Hirschbraten. Mama hat ihr
eine Scheibe in Stückchen geschnitten, wovon eins nach dem andern in ihrem
Mündchen verschwindet. Zwischendurch wird die Serviette ausgiebig benutzt. Das
muss genetisch bedingt sein; auch Opa konnte als Kind keine Soße oder anderen
Schmutzerscheinungen an Händen oder Mund leiden.
Nach dem Essen
wird die Umgebung erkundet. Die Flut von schönen Eindrücken, wie Blumen,
Skulpturen, Wasserspielen, Schmetterlingen, Pferden (die allerdings „stinken“,
weil sie „Aa ins Stroh gemacht haben) und exotischen Wasservögeln, kann Nina nur
mit Tanzen und Singen „verarbeiten“. Sie ist glücklich. Daran kann auch ein
leichter Nieselregen nichts ändern, der später einsetzt. „Ist doch nicht
schlimm“, meint sie und lächelt.
Leider müssen Mama
und Nina das Fest schon früher verlassen. Auf dem Weg zum Parkplatz sieht Nina
Mama an und sagt:
„Mama, das kann
ich nicht verstehen. Warum war denn Opa da?“
Opas
Zwangslage
(10.09.2005)
Opa hat’s schwer.
Sein Alltagsleben ist rundum von Verboten eingeschränkt. Nicht nur, dass er Nina
nicht als seine „Sonne“ bezeichnen darf. Neuerdings ist auch der Begriff
„Schatz“ verboten. Ninas neuste Äußerung:
„Du sollst nicht
mehr ‚Schatz’ zu mir sagen. Ich bin ‚Nina’. ‚Schatz’ ist ein doofer Name.
‚Schatz’ Sagen ist verboten!“
Alle Argumentationsversuche sind zwecklos.
Zwischenfall im
Kindergarten
(23.08.2005)
Als Papa und Mama
Nina heute im Kindergarten abholen wollten, fanden sie eine alarmierende
Situation vor: Ein Halbkreis von Kindern und Eltern stand um eine Matratze
herum, und auf der lag Nina, fest schlafend!
Die Vorgeschichte:
Beim Mittagessen hatte es Möhren gegeben, aber die mag Nina nur roh. Aus
Enttäuschung (?) – zumal es nicht einmal Nudeln gab – war sie auf ihrem
Stühlchen eingeschlafen. Eine Erzieherin hatte sie vorsichtshalber auf die
Matratze gebettet, ehe sie vom Stühlchen kippen konnte.
Bei der Heimkehr
war Nina allerdings schon wieder hellwach.
Herbert W. macht schon wieder einen Witz
Am 23.08.2005, als die Fahrer der „Deutschlandtour“ um
14:21 Uhr die Loreley passieren, sagt
Herbert Watterott (ARD) über den berühmten Felsen:
„Es gibt sogar einen Text auf die „Loreley“, der von vielen
in der Region zwischen November und März gesungen wird.“
Von Ralf Scholt aufgefordert, das Lied einmal anzustimmen,
singt er zwar nicht, aber er zitiert:
„Lore, leih’ mir dein
Herz...“
Ninas
erster Tag im
Kindergarten
(23.08.2005)
Am Sonntagabend
war Nina erst um 22:00 Uhr zum Schlafen gekommen. Der folgende Montag brachte
nicht nur den Schulbeginn in Nordrhein-Westfalen, sondern auch ihren ersten
Kindergartentag. Da hieß es früh aufstehen!
Natürlich wollte
sie nicht, als Mama sie weckte. Aber Mama erzählte ihr ganz einfach, wie sehr
Frau Arndt und die Kinder auf sie warteten, und auf einmal war Nina Feuer und
Flamme.
Von all dem bekam
Opa natürlich nichts mit. Der hörte nur, wie um 7:40 Uhr die junge Familie die
Treppe herab kam. Als er in die Diele trat, um rasch noch einen Blick auf seinen
Schatz zu erhaschen, schaute er in zwei strahlende Augen. Diesmal brauchte er
auch gar nicht erst zu fragen und sich über „Auskunftsverweigerung“ zu grämen.
Denn geradezu jubelnd schallten ihm schon von der Treppe die Worte entgegen:
„Wir fahren in den
Kindergarten!“ Und fröhlich winkte ihm dann die Kleine noch zu, als der Wagen
startete.
Eine halbe Stunde
später waren die Eltern zurück, und Opa erfuhr, Nina habe genau so fröhlich
gewinkt, als sie sich im Kindergarten verabschiedet hätten.
Den ganzen Morgen
waren Opas Gedanken im Kindergarten. Ob sich ihre Fröhlichkeit wohl halten
würde? Bis 14:00 Uhr, das war doch schon ziemlich lange! Aber Opa hatte
schließlich schon manche Lektion in Geduld hinter sich gebracht.
Kurz vor Zwei
fuhren die Eltern zum Abholen. Als sie nach zwanzig Minuten zurückkehrten, stand
Opa schon an der Straße. Gott sei Dank! Nina war immer noch fröhlich. Schon von
weitem winkte sie mit ihren beiden kleinen „Schultüten“, als sie Opa sah. Aber
sie konnte Opa nicht mehr viel erzählen und zeigen. Dafür war sie einfach zu
müde.
Von Mama erfuhr er
jedoch, alles habe problemlos geklappt. Fröhlich habe Nina mit den anderen
Kindern gespielt, zwei Bilder gemalt (die sie Opa noch kurz zeigte), am
Frühstück und Mittagessen teilgenommen und auch den regelmäßigen Gang zur
Toilette nicht vergessen.
Nach ihrem
Mittagsschlaf, durfte, nein: musste er alles bewundern, was in den beiden
Schultüten gewesen war. Und sie hatte auch nicht vergessen, was er ihr bei der
Heimkehr beiläufig versprochen hatte:
„Wenn du
geschlafen hast, gehen wir Erdbeeren suchen.“ Als er alles Neue gebührend
bestaunt hatte, meinte sie plötzlich:
„Und jetzt suchen
wir die Erdbeeren!“
Zum Glück waren in
der Zeit ihres verlängerten Wochenendes mehr und schönere Erdbeeren gereift als
normalerweise. Nach der erfolgreichen Suche im Garten wollte sie noch bei Opa
bleiben. Opa hatte gerade ein neues LNB an seiner Satellitenschüssel und einen
digitalen Receiver installiert. Sehr sachverständig half sie ihm beim Testen. So
fand sie z. B. die WDR-Moderatorin Simone Standl sehr nett, vor allem auch ihr
Kleid. Leider musste er beim Gesprächspartner von Frau Standl passen. Es wollte
ihm einfach nicht einfallen, dass der Sprecher des „Weltjugendtages“ Matthias K.
hieß.
Als Nina dann ein
paar Walnüsse und den Nussknacker brachte, wurde es einfacher für ihn. Er musste
nur darauf achten, dass er die Kerne nicht aus den geknackten Schalen holte. Das
machte Nina selber, nur das Knacken war ihr noch zu schwer. Dafür denkt sie aber
immer ganz gewissenhaft daran, Opa ein Blatt Papier als Unterlage für die
Knackerei hinzulegen, damit sich der „Müll“ einfacher entsorgen lässt.
(Und jetzt hat Opa
ausgerechnet dieses Blatt dazu benutzt, diese Tagesbilanz aufzuschreiben.)
Herbert Watterott macht einen
Witz (19.08.2005)
Bei der Übertragung der Deutschlandtour 2005
sagte der Sportreporter Herbert Watterott am 19. August 2005, um ca. 14:10
Uhr:
„Wir sind in der ARD und befinden uns in
SAT.1.“
Watterott sprach dabei den Ortsnamen (A-6822)
„Sateins“ wie den Fernsehsender aus, indem er statt SA-TEINS das Wort SAT-EINS
trennte.
Hoffentlich hat er von dem Privatsender kein
Bestechungsgeld erhalten!
Benedikt XVI. und
Nina
(19.08.2005)
Im Fernseher läuft die Reportage von der
Ankunft Benedikts XVI. in Köln. Nina ist „beschäftigt“. Nur gelegentlich streift
ihr Blick den Bildschirm. Um so überraschender deshalb ihr plötzlicher
Kommentar:
„Ach, weißt du Opa, Oma soll besser Papst
werden.“
Zu näheren Erläuterungen ist sie nicht
bereit. Es interessiert sie auch nicht wirklich. Stören lässt sie sich bei ihrem
Spielen durch solche „Nebensächlichkeiten“ jedenfalls nicht.
Ninas erster Einkauf
(15.08.2005)
Heute, am frühen Nachmittag, war Nina mit Oma
im Supermarkt. Zum ersten Mal nahm sie sich selber einen kleinen Einkaufswagen.
Oma war schon gespannt, was sie wohl hineinlegen würde. Wider Erwarten war der
kleine Wagen noch ganz leer, als sie schon an den Sachen vorbei waren, die Nina
gern mag: Obst, Gemüse, Würstchen..., sogar Spielsachen und Bücher! Aber Nina
benutzte das Wägelchen keineswegs – wie Opa – als Gehhilfe.
„Ich kauf was für Mama und Papa“,
beschwichtigte sie Oma, die angesichts des leeren Gefährts schon etwas
ungeduldig wurde. Schließlich, am Ende der langen Fleischtheke, bog Nina in den
Gang mit Süßigkeiten und Gebäck ein. Nun ging alles ziemlich schnell.
Ganz bestimmte Schokoladen- und
Schokoriegelsorten füllten schon bald den Boden des Einkaufswagens. Ein paar mal
musste Oma helfen, weil die gewünschten Dinge für Nina zu hoch lagen. Aber was
sie aussuchte, wusste die Kleine ganz genau. Weil sie jedoch auch weiß, dass all
diese Sachen Geld kosten, wusste sie auch, wann es genug war.
Zum Schluss nötigte sie Oma nur noch, mit ihr
zum Joghurtregal zurück zu gehen. Da waren noch ein paar Becher Früchtejoghurt
fällig – wieder ganz bestimmte Sorten. Und dann war endgültig Schluss. Zumal Oma
auf die entsprechende Frage bestätigte, dass sie selber alles im Wagen habe, was
sie kaufen wolle.
„Ich hab jetzt auch alles“, meinte Nina. Nur
Geld hatte sie nicht mit. Dafür musste Oma herhalten.
„Du kannst ja mal bezahlen“, sagte Nina
großzügig.
Ninas Einkäufe kamen in eine große Tüte. Aber
es musste eine Papiertüte sein. Darauf bestand sie. Eine Plastiktüte kam nicht
in Frage. Und diese große Papiertüte wurde Opa vorgeführt, als die beiden am
Abend bei ihm angekommen waren.
Nina zeigte ihm den Inhalt in allen
Einzelheiten. Und bei jedem Teil erfuhr er, ob es für Mama oder für Papa war.
Und dass gar nichts für ihn selber war, erfuhr er auch. Aber das lag wohl daran,
dass er in ihrer Gegenwart noch nie mit sichtbarem Behagen Süßigkeiten zu sich
genommen hatte. Jedenfalls versuchte er sich mit diesem Gedanken zu trösten.
Richtig glücklich war Nina, als sich Mama und
Papa bei ihrer Heimkehr riesig über die Geschenke freuten. Am liebsten hätte sie
die Köstlichkeiten gleich ausgepackt, aber selber gegessen hätte sie von dem
Kram um alles in der Welt kein Stückchen. Leider von dem schönen Essen, das Opa
gekocht hatte, auch nichts. Sie wollte unbedingt wieder Pizza mit ihm backen,
wie zwei Tage zuvor. Irgendwie sah sie schließlich zwar ein, dass es dafür schon
zu spät war, aber andererseits musste so ein sturer Opa auch ein bisschen
bestraft werden, indem man seine neuste Kreation, auf die er so stolz war –
einen Eintopf aus großen weißen Bohnen, Tortiglioni, zwei in Würfel
geschnittenen Schnitzeln, Salz, Pfeffer, Thymian und Bohnenkraut – ganz schlicht
verschmähte. Ohne erst zu probieren, versteht sich.
Kategorische Erklärung
(15.08.2005)
In einer Woche ist es so weit: Dann kommt
Nina in den Kindergarten. Heute kam Opa zufällig darauf zu sprechen.
„Ich gehe nicht mehr in den Kindergarten!“,
bekam er als Antwort zu hören.
Seitdem grübelt er, wie sie das gemeint hat.
Wahrscheinlich – so hofft er – mehr im Sinne einer augenblicklichen
Situationsbeschreibung, versucht er sich zu trösten. Denn bei den Probebesuchen
vor einigen Wochen hatte ihr der Kindergarten sehr gut gefallen...
Hilfe beim
Pizzabacken
(14.08.2005)
Fürs Mittagessen hat Opa Pizza vorgesehen.
Natürlich selbst gemachte, keine fertig gekaufte. Mama hat mit untrüglichem
Gespür herausgefunden, wann Opa Ninas „Hilfe“ dabei am besten gebrauchen
kann.
Nina begleitet Opa in den Keller. Weil sie
schon „stark“ ist, trägt sie die Kilotüte Mehl ganz allein nach oben. Opa hat ja
noch genug Dosen zu tragen.
Teig Kneten und Bleche Einfetten sind schon
spannende Tätigkeiten. Opa muss alles haargenau erklären. Nina hat viele
„Verbesserungsvorschläge“, die sie auch gleich in die Tat umsetzt. Na ja.
Selbstverständlich sitzt sie auf der
Küchenbar, Opas „Schlachtfeld“. Zum Glück nimmt sie Opas Warnung vor den
Knethaken des Handrührers ernst, trotzdem hat die Rührschüssel in ihren Händchen
festen Halt.
Aber sobald genug geknetet ist, muss sie den
Teig abschmecken. Opa kann erleichtert aufatmen, ihr Geschmackstest fällt
positiv aus. Als Opa den Teig auf den Backblechen verteilt, „hilft“ sie mit dem
Pinsel dabei...
Dann kommt das Belegen. Vierzehn Scheiben
gekochter Schinken sind in ihren Augen eindeutig zu viel für zwei Bleche. Zwei
Scheiben muss Opa abtreten: ein Röllchen für jede Hand. Als das erste Händchen
leer gegessen ist, nimmt sie immer wieder Tomatenscheiben von den Pizzen, um
ihnen das Schicksal des heißen Backofens zu ersparen.
Doch dann kommt Opas Schreck: Trotz
eifrigsten Suchens findet er keinen Oregano mehr bei den Gewürzen. Und er war
sich doch so sicher...
„Was suchst du denn, Opa?“, kommt Ninas
Stimmchen.
Als Opa ihr gesteht, dass er keinen Oregano
mehr hat, blitzen ihre Augen auf:
„Aber Opa, der ist doch im Garten! Lass mich
runter, ich hol dir welchen!“
Opa ist völlig perplex. Wie konnte er das nur
vergessen? Und schon saust Nina durch den Regen über den Rasen und ist fast im
gleichen Augenblick schon wieder zurück, beide Händchen voll Oregano. Und ehe
sich Opa versieht, ist die ganze Beute schon auf den Pizzen gelandet.
Vorsichtshalber nimmt Opa das „Gestrüpp“ noch
einmal herunter, um es zu kontrollieren. Aber es ist wirklich nur Oregano, kein
fremdes Blättchen ist dabei. Ein paar winzige Käferchen lassen sich rasch
entfernen. Opa hackt den Oregano klein, und Nina verteilt ihn noch einmal auf
den Pizzen.
Als die Bleche dann im Ofen sind, holt Mama
die kleine Helferin wieder nach oben. Die Vorbereitungsprozedur hätte zwar ohne
Nina nicht so lange gedauert, aber ohne sie wäre Opa aufgeschmissen gewesen. Und
ist es wirklich schlimm, dass statt um Eins erst eine halbe Stunde später
gegessen wird?
Oma-Negative (12.08.2005)
Nina (3) findet in
Omas Schlafzimmer Fotonegative. Oma erklärt ihr, was das ist, und zeigt ihr, wie
sie darauf etwas sehen kann, unter anderem sich selber als kleine Fledermaus.
Nina will alle
Negative gleich aus der Hülle nehmen. Als Oma protestiert und darauf hinweist,
dass die Negative dann Schaden nehmen und man sie nicht mehr gebrauchen kann,
meint der süße Floh:
„Ach, Oma, geh
doch bitte ins Wohnzimmer! Dann hab ich meine Ruhe.“
ebay-Generation
(12.08.2005)
Ninas Mama hat
schon manches von ihren eigenen und Ninas Kleidungsstücken bei ebay
ersteigert.
Oma hat sich vom
letzten Stadtbummel einen wunderschönen Angorapullover mitgebracht, denn der
nächste Winter kommt ja bekanntlich bestimmt. Nina sieht den Karton mit dem
Pulli im Regal und will natürlich gleich wissen, was darin ist. Denn der Karton
ist ja noch unbekannt. Oma nimmt den Karton aus dem Regal und hebt den Deckel
ab.
Geradezu
ehrfürchtig streichelt Nina mit ihrem Händchen den Pulli. Dann schaut sie Oma an
und fragt:
„Hast du den
feinen weichen Pulli ersteigert?“
Spargel mit drei
Überraschungen (08.08.2005)
Ninas Papa hatte
Spargel mitgebracht, normalerweise im August in frischer Form nicht am Markt.
Und gleich 2,5 kg, zu je 500 g verpackt. Die Packungsaufschrift löste das
Rätsel: Der Spargel kam aus Peru.
Ninas Papa ist ein
lieber Mensch, denn er rührt selber keinen Spargel an, höchstens verpackten.
Natürlich hat Opa
gleich am nächsten Tag die milde Gabe in den Menüplan eingefügt und verarbeitet.
Dabei überraschte ihn die Frische der
Ware. Selbst die Schnittstellen brauchten kaum eingekürzt zu werden. Nur ein
einziger Nachteil war feststellbar: Da die Stangen sehr dünn waren, dauerte das
Schälen erheblich länger als sonst, und dann noch bei dieser Menge!
Die zweite Überraschung ergab sich bei Tisch. Keiner der
Spargelesser konnte sich erinnern, jemals so köstlichen Spargel erlebt zu
haben.
Nina hat
allerdings — leider — nicht probiert. Sie nahm nur eine Stange in die Hand und
schnupperte daran, entschied sich aber gleich dazu, sie unangebissen zurück zu
legen. Papas Vorbild? Sie begnügte sich jedenfalls mit gekochtem Schinken und
Kartoffeln. Auf die leckere holländische Soße verzichtete sie auch.
Nach der Mahlzeit
erlebte Opa die dritte Überraschung. Auf der Toilette. Beim „kleinen
Geschäft“ fehlte der typische Geruch vollkommen, der sonst nach Spargelgenuss
immer festzustellen ist. Auch bei allen folgenden „Sitzungen“. ...?
Ob die Peruaner ihren Spargel etwa genetisch manipuliert haben? Na, wenigstens haben Nina und ihr Papa mit Sicherheit keinen Schaden davongetragen. Und Opa ist ja schon alt...
Kontrolle (8. August
2005)
Opa kommt am frühen Nachmittag
vom Einkaufen zurück und erlebt eine freudige Überraschung: Oma, die Nina des
Nachmittags betreut, sitzt mit der kleinen auf seiner Couch. Der Regen hat die
beiden vom Spielplatz vertrieben, und seine Wohnung lag näher als Omas.
Interessiert beobachtet Nina,
wie Opa auf der Küchenbar die Einkäufe aus dem Korb nimmt. Alles wird genau
begutachtet, Unklares durch Fragen geklärt. Die letzte Frage ist
unausweichlich:
„Opa, wo hast du das alles
gekauft?“
Kaum hat Opa geantwortet: „Bei
Lidl, mein Schatz.“, kommt schon der Einspruch:
„Aber Opa, das stimmt nicht. Du
warst bei Rewe!“
Als Opa Nina fragend anschaut
und gerade noch einmal betonen will, dass er wirklich bei Lidl war, kommt schon
die Begründung:
„Lidl gibt es doch nicht mehr.
(Da hat sie eigentlich Recht, nachdem die Jüchener Lidl-Filiale Ende 2004
geschlossen hat.) Und guck doch mal, da steht doch REWE auf dem Korb!“
Tatsächlich, es ist nämlich der
rote REWE-Einkaufkorb, den der Supermarkt, gefüllt mit Fleisch und Gemüse, vor
rund zwei Jahren als Eröffnungsangebot für 10 € verkauft hat.
Opas Beteuerungen, er sei bei
Lidl in Mönchengladbach-Giesenkirchen gewesen und habe die Sachen nur in den
Rewe-Korb gepackt, können Nina nicht recht überzeugen. Das kann er ihrem
skeptischen Blick entnehmen. Endlich kommt ihm die rettende Idee.
„Pass mal auf“, sagt er und
kramt den Einkaufsbon aus der Tasche. „Das ist der Zettel von der Kasse bei
Lidl“, sagt er und zeigt ihn seinem Schatz. Ganz oben steht als erstes —
ziemlich klein zwar, aber Nina hat ja gute Augen — LIDL. Nina schaut ganz genau
hin.
„O ja! Da hast du aber noch mal
Glück gehabt“, meint sie dann und setzt ihr strahlendstes Lächeln auf.
Dass sie Großbuchstaben lesen kann — sie ist ja immerhin schon drei Jahre alt — hat eben, am Ende zu Opas Glück, seine zwei Seiten...
An
der Kasse
Vor der Kasse im Supermarkt legt
Mama noch schnell einen Schokoriegel in den Einkaufswagen. Schon ertönt Ninas
Stimme:
„Den brauchst du nicht, Mama.
Leg den wieder zurück!“
Mama verlegt sich auf
Verhandeln. Umsonst.
„Nein! Zu Hause haben wir doch
noch welche. Und gesund sind die auch nicht!“
Mama seufzt und ergibt sich in
ihr
Schicksal.
(10.08.2005)
Ninafrei! (6. Juni
2005)
Gerade habe ich ein Stündchen auf der Couch gelegen und
geschlafen. Und das zwischen Neun und Zehn am Vormittag!
Als Kind fand ich es furchtbar, wie meinem Großvater
ständig die Augen zufielen, wenn er nicht im Garten arbeitete, sondern sich mal
hingesetzt hatte. Als Erwachsener hatte ich für dieselbe Erscheinung bei meinem
Vater schon etwas mehr Verständnis. Übrigens seltsam: Dass ich etwas
Entsprechendes bei Großmutter oder Mutter erlebt hätte, daran kann ich mich gar
nicht erinnern. Die waren wohl immer zu sehr beschäftigt.
Als Opa kann ich mich natürlich nicht selber beim Einnicken
beobachten.
Deshalb stört es mich auch nie. Aber wenn dann mein
Schätzchen zugegen ist, normalerweise fast immer, kann ich was erleben.
„He, Opa, aufwachen!“, ertönt es im ersten Augenblick des
Liderniedergangs, und gleichzeitig trommeln erstaunlich harte Fäustchen auf
meine — medikamentnebenwirkungsbedingt — hochempfindliche Brust. Dann weiß ich,
jetzt dauert’s nur noch Sekundenbruchteile, bis meine Augen gewaltsam
aufgerissen werden. „Schlafen verboten!“, gellt es ganz dicht an meinem Ohr,
dass auch meine fortgeschrittene Schwerhörigkeit kaum noch Schutz bietet.
Urlaub hat also doch etwas sehr Schönes! Ungestört kann ich
mich nun meinen Schwächen hingeben, wenn dann nicht gerade das Telefon klingelt
oder ein Hausierer an der Haustür schellt!
Aber jedes mal, wenn ich mich auf meine Couch lege,
durchzuckt mich schmerzlich die Erkenntnis: Diesmal wird dir niemand mit
liebevoller Hartnäckigkeit die Lider hochreißen! Einziger Trost: Der Urlaub ist
schon fast zur Hälfte vorbei. Lange dauert’s nicht mehr.
Alte Leute hängen nun einmal an ihren Gewohnheiten.
Einstimmung auf den
Urlaub
Mama hatte wohl sehr anschaulich die Reize des
bevorstehenden Spanienurlaubs geschildert.
Am nächsten Tag war es sehr heiß. Opa und Nina waren allein
im Garten. Opa saß im Schatten und las ein Buch. Jetzt, wo auch das
Planschbecken schon halb im Schatten der großen Tanne lag, spielte die kleine
Nina Pfützentreten.
Ab und zu tauchte Opas Blick aus dem Buch auf und
registrierte keine besonderen Vorkommnisse: Pfützentreten mit nackten Füßen im
Planschbecken war bedeutend harmloser als das, was er bei Spaziergängen immer —
aber leider erfolglos — zu verhindern suchte.
Opas Augen und Konzentration versanken wieder im Buch. Erst
nach geraumer Zeit spürte er instinktiv eine Veränderung: Nina bewegte sich
regelmäßig zwischen Sandkasten und Planschbecken hin und her.
Als er richtig hinschaute, sah er, was die Kleine machte.
Eifrig schaufelte sie ihr Eimerchen voll Sand, lief damit zum Planschbecken und
kippte den Sand hinein. Wieder und wieder.
„Hallo, Nina, was machst du denn da?“ Opas können manchmal
richtig dumme Fragen stellen, manche jedenfalls.
Aber ganz geduldig kam die Antwort:
„Ich bringe Sand ins Wasser, Opa.“
Jetzt hatte Opa die Bestätigung, dass er keine Fata Morgana
sah.
„Und warum tust du das?“, fragte er leicht beunruhigt, denn
Papa hatte das Planschbecken am Vortag sauber gemacht, weil es mit in den Urlaub
sollte. Diesmal kam Ninas Antwort ganz begeistert:
„Ich mach mir einen Strand, Opa!“
Schneckenrätsel
Zum Abendbrot gibt’s
Bratwurstschnecken, Salzkartoffeln und Salat (Tomaten, Gurken, Paprika in drei
Farben).
Erste am Tisch ist Nina,
ausnahmsweise. Auf Opas „Guck mal die Würste, die ich heute gebraten habe!“,
kommt wie aus der Pistole geschossen ihre Frage: „Sind das Schnecken?“
Da Opa vorher noch nie solche
Würste gebraten hat, ist er ziemlich verblüfft. Auf Nachfrage bestätigt Mama,
dass sie die Dinger auch noch nie gekauft hat, obwohl es sie bei Aldi gibt. Die
einzigen formal vergleichbaren Gebilde, die Nina kennen könnte, sind süße
Hefeteigschnecken. Die aber liegen weitab ihrer Geschmacksrichtung.
Wie kommt die Kleine nur auf die
zutreffende Bezeichnung für die spiralförmig aufgerollten dünnen Bratwürste?
Mamas nüchterne Erklärung ist
einleuchtend: „Ja, Opa, du hast die leere Packung wohl noch nicht entsorgt, und
da steht’s doch wahrscheinlich drauf!“
Nun ja, schließlich wird Nina in gut vierzehn Tagen schon 3...
Widerspruch – einmal positiv
Heute hat Opa auch einmal von
Ninas Widerspruchsgeist profitiert.
Als er beim Diskutieren über
Altes und Junges sich selber als alt bezeichnete, meinte sein Schatz:
„Ach nein, Opa, du bist doch
nicht alt! Oma ist auch nicht alt.“
Was er denn ihrer Meinung nach
sei, wollte Opa natürlich wissen.
Ninas Antwort – recht
diplomatisch:
„Du bist nicht alt, du bist lieb!“
Überfluss
Früh am Geburtstagsmorgen hat
Opa sein kleines Geschenk für Nina verpackt. Sogar eine hübsche Schleife hat er
hingekriegt. Als er oben Lebenszeichen vernimmt, ruft er vorsichtshalber erst
noch an, um sich zu vergewissern, ob er auch kommen darf. Er darf.
Nina schenkt ihm ihr
zauberhaftestes Lächeln, als er seine kleine Glückwunschrede hält. Quer durch
das Wohnzimmer ist ein großes Transparent gespannt mit der Aufschrift: „HAPPY
BIRTHDAY.“ Als Opa das Lied anstimmen will, wird er gleich unterbrochen:
„Nein, Opa! Das Lied sollst du
nicht singen. Das ist ein doofes Lied!“
Na schön. (Stimmt ja auch. „Der
Mond ist aufgegangen“ ist viel schöner!)
Mittlerweile hat Opa sein
Geschenk hinter dem Rücken hervor geholt.
Als das die kleine Prinzessin im
Reich ihrer neuen Geschenke bemerkt, huscht ein leichter Schatten durch ihre
Heiterkeit.
„Ach Opa“, lässt sich ihre
kleine Stimme vernehmen, „nimm das Geschenk nur wieder mit nach unten. Guck mal,
ich hab doch schon so viele Geschenke!“
Die
Wikingerhelme
Erster Tag nach Ninas
Geburtstag. Opa macht seiner Prinzessin seine Morgenaufwartung. Kritischer Blick
aus leicht zusammen gekniffenen Augen:
Gott sei Dank! Prüfung
bestanden!
Die kleinsten Sachen hat sich
Nina aus den neuen Geschenken herausgesucht. Im Augenblick ist sie mit winzigen
Wikingerhelmen (?) aus Plastik beschäftigt. Opa findet keine passenden Figürchen
dazu. Er spürt, wie ihn ein nachdenklicher Blick seines Schätzchens streift.
Als er sich gar noch eines der
Helmchen auf den Kopf setzt, wird’s schon recht kritisch:
„Ach, Opa, dafür sind die doch
viel zu klein!“
Wo Nina Recht hat, hat sie
Recht. Aber wo sind denn nur die kleinen Wikinger?
Dass so ein kleines Persönchen
schon so tief aufseufzen kann, findet Opa erstaunlich. – Jetzt konzentriert sie
sich ganz auf die „Helme“. Opa ist vorübergehend abgemeldet.
Aber was macht sie denn da? Sie
steckt die „Helmchen“ ineinander, und unter ihren geschickten Fingerchen
entsteht in Windeseile ein beweglicher — Tausendfüßler!
„So geht das! Das sind keine
Helme. Das ist ein Tausendfüßler!“, kommt es entschlossen aus dem süßen
Mündchen.
Aber das ist noch nicht alles.
Opa ahnt schon, was sich unmittelbar anschließt:
„Und jetzt geh bitte wieder
runter!“
Wenigstens höflich! Schwacher
Trost! Manchmal ist ein zu begriffsstutziger Opa eben fehl am Platze...
25.07.2005
Tamponade oder Mädchen und Technik
Opa kann sich noch daran
erinnern. Früher hieß es einmal, Frauen hätten keinen Sinn für Technik. Oma hat
das wohl zu ernst genommen...
Aber schon Ninas Mama hat die
Mär als kleines Mädchen widerlegt.
Nina braucht ein Brettchen. Also
zieht sie Opa in den Keller, dahin, wo er Werkzeug und allerlei interessante
Kleinigkeiten hat. Unterwegs erfährt er wenigstens, wofür sie das Brettchen
braucht: Für ihre kleinen Autos. Früher nannte man die „Matchbox-Autos“. Wie die
heute heißen, hat Opa irgendwie nicht ganz mitbekommen. Und der Zusammenhang
zwischen diesen kleinen Autos und dem Brettchen wird ihm auch nicht ganz klar.
Na ja, bald haben die beiden ein
Brettchen gefunden, das Ninas Vorstellungen entspricht: den Deckel einer alten
Zigarrenkiste. Wohl oder übel muss Opa das gute Stück seines Deckels
berauben.
Auf dem Rückweg nach oben
erfährt er schon etwas mehr. Nina will eine Waschanlage für ihre kleinen Autos
bauen. Eigentlich könnte Opa den Rest der Zeile mit Fragezeichen füllen, um
anzudeuten, wie viel Ahnung er inzwischen hat...
Oben angekommen, geht Opas
„Einweihung“ aber weiter: Nina zeigt ihm ihre „Schätze“.
„Damit mach ich jetzt die
Waschstraße, guck mal!“
Opa erblickt eine Menge großer
Stopfnadeln – aus Mamas Nähzeug – und: eine neue Packung Tampons aus dem
Badezimmer. Die ersten davon sind schon säuberlich ausgepackt. Opa wird’s schon
etwas mulmig. Aber er hat keine Zeit, sich weiter gehende Gedanken zu
machen.
„Guck mal“, hört er schon
wieder, „ich zeig dir, wie das geht.“
Energisch steckt Nina eine
Stopfnadel nach der anderen in das Brettchen, schön in einer Reihe entlang der
Längsseite und mit Abstand von einander. Opa darf die Reihe auf der gegenüber
liegenden Seite stecken. Als genug Stopfnadeln ihren Platz gefunden haben und
eine Art kleiner Stopfnadelallee bilden, beginnt es Opa zu dämmern...
„Und jetzt kommen die Bürsten,
die Walzen“, meint Nina. Opa ist doch nicht so dumm, wie er manchmal tut.
Gemeinsam spießen die beiden jetzt die Tampons von oben senkrecht auf die
Stopfnadeln. Opa staunt! Eine richtige kleine Waschstraße!
Die eine Reihe Nadeln muss zwar
noch mal neu gesteckt werden, damit die Waschstraße für die kleinen Autos eng
genug ist, aber das Ergebnis ist mehr als verblüffend. Und wenn Mama das sieht,
wird sie sicher auch nicht schimpfen, wegen der Tampons...
26.07.2005
Scheißpolitik
„Da steht AA!“, überrascht mich meine Nina am frühen Morgen
und zeigt auf die Titelseite der „Frankfurter Rundschau“ (vom 16.07.2005). Und
tatsächlich, sie hat Recht:
Rechts oben steht die
Schlagzeile „Schily gibt AA Schuld“.
Und nun erklären Sie einem
kleinen Kind von kaum drei Jahren einmal, dass da zwar „AA“ steht, aber nicht
gemeint ist!
Oder sollte Schily das etwa doch gemeint haben?
Kinderohren
Oma betreut Nina an fünf
Nachmittagen in der Woche von 12 bis 19 Uhr. Dazu holt sie die Kleine meist ab.
Dann laufen die beiden den knappen Kilometer zu Omas Wohnung und des Abends
zurück. Mama muss ja den ganzen Nachmittag arbeiten.
Opa geht manchmal mit. Dann
müssen die beiden „Frauen“ zwar etwas langsamer gehen, aber so viel Rücksicht
bringen sie schon auf. Gelegentlich müssen sie tatsächlich „zurück sehen“, wo er
denn bleibt. Für Opa ist es schon bequemer, wenn er sie besuchen fährt.
Opa gegenüber hat Oma heute
Mittag Spinat erwähnt, den sie sich gekocht habe.
Als die beiden „Frauen“ in Omas
Wohnung angekommen sind, gibt es Gurke, Brot, Schinkenwurst und Nektarine für
Nina. Apfelschorle natürlich auch.
Heute hat Nina Appetit. Bald hat
sie ihre Portion bewältigt. Erwartungsvoll schaut sie Oma an.
„Möchtest du noch etwas?“, fragt
Oma. „Noch eine Nektarine?“
Nina schüttelt den Kopf:
„Nein, danke. Ich warte auf den
Spinat!“
Zum Glück kocht Oma immer etwas
mehr, als sie selber essen kann...
Klarstellung
Als Opa beim Abendessen kurz
aufsteht, um noch etwas zu holen, streicht er Nina übers Köpfchen, weil sie
heute besonders lieb war.
„Lass mich in Ruhe!“, blitzt sie
ihn an.
„Aber ich hab dich doch nur
gestreichelt“, verteidigt er sich.
„Ich bin doch keine Katze!“ — Recht hat sie ja... 5. August 2005
Das
Geschenk
Heute wurde mir ein Geschenk zu
Teil. Völlig unerwartet. Ich habe weder Geburtstag noch sonst ein Jubiläum.
Zudem ist es ein sehr kostbares Geschenk:
Eine Stunde Lebenszeit!
Damit sich niemand den Kopf zu
zerbrechen braucht, wie so etwas geschehen konnte, hier die ganze Geschichte,
die eigentlich recht kurz ist:
Als ich um 20:02 Uhr den
Fernseher einschaltete, um die Tagesschau zu sehen — schon ein wenig ärgerlich,
weil ich den Anfang verpasst hatte —, da sah ich gar keine Tagesschau, obwohl
ich den richtigen Kanal gewählt hatte. Zum Glück war ich allein; niemand konnte
also meine Verwirrung bemerken.
Beim Blick auf die Uhr fiel es
mir dann wie Schuppen von den Augen: Es war erst 19:02 Uhr! — Eine ganze Stunde
mehr zum Leben! Und dazu, die kleine Geschichte schriftlich festzuhalten, was
jedoch nur einen Bruchteil der geschenkten Zeit gedauert
hat...
05.08.2005
Opas Sonne?
Als Opa am Morgen hört, wie Nina
und ihre Eltern das Haus verlassen, geht er rasch in die Diele, um noch einen
Blick auf sein Schätzchen zu erhaschen. Seine Frage, wohin sie denn gehe, wird
gleich berichtigt:
„Wir gehen nicht. Wir
fahren!“
Wenigstens Mama hat so viel
Verständnis, Opa das Ziel zu nennen. Nina sieht wieder ganz zauberhaft aus, und
Opa meint:
„Ach Nina, du bist meine Sonne!“
—
„Ich bin doch keine Sonne“,
kommt die Antwort, „ich bin nur Nina!“ —
„Für mich strahlst du wie die
Sonne“, versucht Opa zu erläutern. Aber gleich kommt wieder die Ablehnung:
„Nein, guck mal, ich hab doch
keine Strahlen. Das sind nur meine Ohren und meine Haare!“
Opa lässt nicht locker mit
seinem Gesäusel. Ninas Blick wird dabei noch eine Spur ernster:
„Nein. Sonne Sagen ist verboten!
Ich hab doch eine Jacke an. Sonnen haben keine Jacken!“
Kindermund kann sehr
knapp, und trotzdem genau sein.
Der kleine Sohn krabbelte
bellend auf dem Wohnzimmerteppich herum und spielte „Hund".
Da es in der Nachbarschaft und im
Bekanntenkreis mehrere Hunde gab, fragte ihn der Papa:
„Welcher Hund bist du denn, bist
du Waldi, Struppi oder Hasso?"
Prompt kam die Antwort: „Ich bin ein Selberhund."
Der Selberhund (Foto: Horst Deußen)
Dialog beim Abendessen
Nina stopft sich beim Abendessen
Salat in ihre Apfelsaftschorleflasche.
Auf Opas Frage, was das denn
solle, antwortet sie:
„Ich mach mir Salatsuppe, und
die trink ich dann.“
Tatsächlich trinkt sie – hin und
wieder – aus der Flasche. Aber das Salat- Hineinstopfen scheint ihr insgesamt
deutlich mehr Spaß zu machen.
Dummerweise lässt sich Opa nach
einiger Zeit zu einer zweiten Bemerkung hinreißen. Prompt kommt die
Quittung:
„Ach Opa, jetzt mach mal die
Augen, den Mund und den Bart zu!“
Seitdem grübelt Opa – bisher
ergebnislos – über der Frage, wie er dem letzten Teil dieser Aufforderung
nachkommen
soll...
(17.07.2005)
DE BONO FVMATORVM
SIVE
DE INIMICITIA PERFIDIOSA HOMINVM MALORVM
Paccaleo Fabri
avctore
e collegio gymnasii Francisci Maioris
ad ecclesias Gisonis
Hier verdeutscht vom Verfasser:
PROMETHEISCHE
WEISHEITEN
ODER
MEHR ALS
HUNDERT APHORISMEN
ZU EINEM
FUMOLOGISCHEN CREDO
(nach dem
Volksmund)
Wo man raucht,
da lass dich ruhig nieder,
gute Menschen
rauchen immer wieder.
Wo man raucht,
kannst du getrost dich betten,
böse Menschen
meiden Zigaretten.
Wo man raucht,
da kannst du dich auch setzen,
böse Menschen
tun statt rauchen hetzen.
Wo man raucht,
herrscht wahre Friedensreife,
böse Menschen
haben keine Pfeife.
Wo man raucht,
da wirst du nicht getadelt,
bösen Menschen
fehlt der Rauch, der adelt.
Wo man raucht,
da wird dich niemand schlauchen,
böse Menschen
halten nichts vom Rauchen.
Wo man raucht,
gibt’s keine andren Laster,
böse Menschen
sind meist Kritikaster.
Wo man raucht,
sind alle lieb und teuer,
bösen Menschen
fehlt nun mal das Feuer.
Wo man raucht,
schreibt man Verständnis groß,
böse Menschen
leben tabaklos.
Wo man raucht,
sei dein Erholungsbettchen,
böse Menschen
haben keine Blättchen.
Wo man raucht,
genießt du Tabaks Würze,
böse Menschen
ham nur ihre Fürze.
Wo man raucht,
kannst du im Qualm dich gerben,
böse Menschen
haben Angst vorm Sterben.
Wo man raucht,
färbt dich der Teer zwar gelber,
böse Menschen
stinken nach sich selber.
Wo man raucht,
setz nur getrost dabei dich,
böse Menschen
sind auf Raucher neidisch.
Wo man raucht,
da findest du Prometheus’ Enkel,
böse Menschen
fürchten Raucherschenkel.
Wo man raucht,
da kommst du gut zurecht,
bösen Menschen
wird vom Rauchen schlecht.
Wo man raucht,
lässt man dich gelten ganz,
böse Menschen
hassen Toleranz.
Wo man raucht,
da schaut man lieb auf dich,
böse Menschen
sind pervers an sich.
Wo man raucht,
da brauchst du nichts zu missen,
böse Menschen
sind vom Geiz gebissen.
Wo man raucht,
da bist du richtig, Junge,
böse Menschen
ängstigt Raucherlunge.
Wo man raucht,
sind menschlich die Reviere,
böse Menschen
rauchen nicht –
wie Tiere.
Wo man raucht,
herrscht froher Witz statt Tratsch,
böse Menschen
machen lieber Knatsch.
Wo man raucht,
empfängt dich Heiterkeit,
böse Menschen
tun sich selber Leid.
Wo man raucht,
da ist die Luft zum Schneiden,
böse Menschen
sind nicht so bescheiden.
Wo man raucht,
da findest du auch Feuer,
bösen Menschen
ist das viel zu teuer.
Wo man raucht,
wird man dich liebevoll umarmen,
böse Menschen
sind verhinderte Gendarmen.
Wo man raucht,
erwacht der Geist zum Leben,
böse Menschen
nur nach Stumpfsinn streben.
Wo man raucht,
da fühlst du dich geborgen,
böse Menschen
machen dir nur Sorgen.
Wo man raucht,
kannst du dich amüsieren,
böse Menschen
müssen lamentieren.
Wo man raucht,
verfliegt ganz rasch dein Kummer,
böse Menschen
sind geborne Brummer.
Wo man raucht,
herrscht Euphorie,
böse Menschen
rauchen nie.
Wo man raucht,
da bist du immer richtig,
böse Menschen
nehmen sich zu wichtig.
Wo man raucht,
ist zwar die Bude (Raucherzimmer!) furchtbar klein,
böse Menschen
dürfen aber nicht herein.
Wo man raucht,
da ist der Raum (s.o.) recht knapp,
böse Menschen
könnten das nicht ab.
Wo man raucht,
ist Platz nur für ’ne Backe,
böse Menschen ham ’ne andre Macke.
Wo man raucht,
da schwelen Opferfeuer,
bösen Menschen
ist das nicht geheuer.
Wo man raucht,
kannst du dich konservieren,
böse Menschen
wollen’s nicht kapieren.
Wo man raucht,
muss Bosheit schnell verschwinden,
böse Menschen
wirst du hier nicht finden.
Wo man raucht,
da triffst du keine Schweine,
böse Menschen
sind fast niemals keine.
Wo man raucht,
kannst du den Schlund dir teeren,
böse Menschen
möchten’s dir verwehren.
Wo man raucht,
da bleibt kein Auge trocken,
böse Menschen
bleiben da nicht hocken.
Wo man raucht,
wird man dich niemals hassen,
böse Menschen
können das nicht lassen.
Wo man raucht,
da wird man dich willkommen heißen,
böse Menschen
sollen sich getrost was scheißen.
Wo man raucht,
da tut dir keiner Weh,
böse Menschen
trinken lieber Tee.
Wo man raucht,
da brauchst du nicht zu fliehn,
böse Menschen
hassen Nikotin.
Wo man raucht,
macht dich der Tabak munter,
böse Menschen
machen alles runter.
Wo man raucht,
genieß das Kondensat,
böse Menschen
tun nichts für den Staat.
Wo man raucht,
bist du bei Brüdern, Schwestern,
böse Menschen
müssen immer lästern.
Wo man raucht,
da denkt man nicht an morgen,
böse Menschen
machen sich nur Sorgen.
Wo man raucht,
da sind auch gute Freunde immer,
böse Menschen
haben davon keinen Schimmer.
Wo man raucht,
da kannst du glücklich leben,
böse Menschen
nie auf Wolken schweben.
Wo man raucht,
sind keine Menschenfresser,
böse Menschen
halten sich für besser.
Wo man raucht,
triffst du die Sündenböcke,
böse Menschen
tragen saubre Röcke.
Wo man raucht,
entstehen braune Soßen,
böse Menschen
machen die im Großen.
Wo man raucht,
sei Gift, so meinen Tester,
böse Menschen
sind die wahren Pester.
Wo man raucht,
da kannst du ruhig weilen,
böse Menschen
stets dem Rauch enteilen.
Wo man raucht,
kannst du in Wolken segeln,
böse Menschen
halten nichts von Vögeln.
Wo man raucht,
wird’s Atmen leicht beschwerlich,
böse Menschen
lieben’s nicht gefährlich.
Wo man raucht,
gehn alle Viren ein,
böse Menschen
glauben, nur zum Schein.
Wo man raucht,
ist immer etwas Glut,
böse Menschen
haben Eis im Blut.
Wo man raucht,
da gibt es kein Gelärme,
böse Menschen
haben schwache Därme.
Wo man raucht,
da kannst du ruhig schnorren,
bösen Menschen
ist das zu verworren.
da setzt du an
kein Fett,
böse Menschen
schwören auf Diät.
Wo man raucht,
da wirst du schneller alt,
böse Menschen
werden r(a)uchlos kalt.
Wo man raucht,
da bleibst du immer schlank,
böse Menschen
macht der Neid ganz krank.
Wo man raucht,
glimmt dir des Schicksals Rot,
böse Menschen
gehn von selber tot.
Wo man raucht,
darfst du getrost was sagen,
böse Menschen
können’s nicht vertragen.
Wo man raucht,
erlebst du heitre Sachen,
böse Menschen
können gar nicht lachen.
Wo man raucht,
darfst du auch frei dich rotzen,
böse Menschen
finden das zum Kotzen.
Wo man raucht,
ist Husten keine Schande,
böse Menschen
hüsteln nur – die Bande.
Wo man raucht,
da leidest du gemeinsam,
böse Menschen
leiden lieber einsam.
Wo man raucht,
da blühen Geist und Kunst,
böse Menschen
fliehen blauen Dunst.
Wo man raucht,
die Ernte (23) sicher ist,
böse Menschen
stochern nur im Mist.
Wo man raucht,
sind zuggestählte Hasen,
böse Menschen
können ja nur blasen.
gedeiht kein
Schieber,
böse Menschen
lutschen lieber.
Wo man raucht,
ist’s mollig warm im Winter,
böse Menschen
suchen was dahinter.
Wo man raucht,
da darfst du’s auch mit Fleiße,
böse Menschen
finden Rauchen Scheiße.
Wo man raucht,
da walten Menschlichkeit und Friede,
böse Mädchen
sind vor Abstinenz frigide.
Wo man raucht,
da sei dir nichts zu teuer,
böse Menschen
hinterziehen (Tabak-)Steuer.
Wo man raucht,
kannst du auch selber drehen,
böse Menschen
nie auf Rauchen stehen.
Wo man raucht,
da triffst du nie auf Plebs,
böse Menschen
fürchten Lungenkrebs.
Wo man raucht,
da sind die wahren Staatserhalter,
böse Menschen
denken nur ans eigne Alter.
Wo man raucht,
da denkt man optimistisch,
böse Menschen
sind nur egoistisch.
Wo man raucht,
triffst du auf nette Gesten,
böse Menschen
tragen weiße Westen.
Wo man raucht,
da fühlt man sich geächtet,
böse Menschen
haben uns entrechtet.
Wo man raucht,
ist es für alle urgemütlich,
böse Menschen
tun sich an sich selber gütlich.
Wo man raucht,
da wird man dich nicht meiden,
böse Menschen
fürchten Raucherleiden.
Wo man raucht,
da triffst du nicht auf Waffen,
böse Menschen
sind die, die nicht paffen.
Wo man raucht,
da ist die Luft so mild,
böse Menschen
macht das richtig wild.
Wo man raucht,
bist du willkommen rascher,
böse Menschen
haben keinen Ascher.
Wo man raucht,
sind freundlich die Manieren,
böse Menschen
hassen Inhalieren.
Wo man raucht,
kann sich dein Geist entfalten,
böse Menschen
müssen sich enthalten.
Wo man raucht,
kannst du dich frei ergehen,
böse Menschen
tun sich keine drehen.
Wo man raucht,
bekommst du Lust auf mehr,
bösen Menschen
stehn die Lippen leer.
Wo man raucht,
erlebst du Wolken sprießen,
böse Menschen
können nicht genießen.
Wo man raucht,
magst du dich niederlegen,
böse Menschen
hätten was dagegen.
Wo man raucht,
erschaffst du warmen Mief,
böse Menschen
sind nur destruktiv.
Wo man raucht,
ein Hoffnungslicht dir brennt,
böse Menschen
leben abstinent.
Wo man raucht,
da nimmt man dir nichts krumm,
böse Menschen
sind zum Ziehn zu dumm.
Wo man raucht,
da findest du Kultur,
böse Menschen
sind dafür zu stur.
Wo man raucht,
da schau dich ruhig um,
böse Menschen
nehmen Rauchen krumm.
Wo man raucht,
da wird dein Geist verbessert,
böser Menschen
Hirn ist oft verwässert.
Wo man raucht,
ruhst du in Morpheus’ Armen,
böser Menschen
Los ist zum Erbarmen.
Wo man raucht,
fühlst du dich neu geboren,
bösen Menschen
fehlt der Bock aufs Schmoren.
Wo man raucht,
da lass dich sacht vernebeln,
böse Menschen
sitzen meist an längern Hebeln.
Wo man raucht,
da wird dich niemand leimen,
böse Menschen
rauchen im Geheimen.
Wo man raucht,
kannst du dich sicher wähnen,
böse Menschen
reizt der Qualm zu Tränen.
Wo man raucht,
wirst du dich nicht erkälten,
böse Menschen
lassen das nicht gelten.
Wo man raucht,
kann kein Katharr entstehen,
böse Menschen lassen Durchzug wehen.
Wo man raucht, wird nicht nur braun die Decke,
sondern bringt
man sich auch selber um die Ecke.
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