Klapphornvers
Der Klapphornvers ist eine in Deutschland entstandene humoristische Gedichtform mit vier Zeilen. Sie ist von der poetischen Ebene dem englischen Limerick (Gedicht) (der fünf Verszeilen hat) verwandt und entstand vor über 100 Jahren. In der humoristischen Zeitschrift "Fliegende Blätter" vom 14. Juli 1878 schrieb der Göttinger Notar Friedrich Daniel ein durchaus ernst gemeintes Gedicht. Er sandte diesen Versuch ein:
Zwei Knaben liefen durch das Korn,
der eine blies das Klappenhorn,
er konnte es zwar noch nicht ordentlich blasen,
doch blies er es schon einigermaßen.
Redakteur und Leser der "Fliegenden Blätter" erkannten die unfreiwillig komische Qualität der ernst gemeinten Einsendung und reagierten mit einer lebhaften, lang anhaltenden Welle von Nachahmungen und Weiterdichtungen, zum Beispiel:
- Zwei Knaben gingen durch das Korn,
- der Zweite hat seine Hut verlor´n.
- Der Erste würd ihn finden,
- ging er statt vorne hinten.
oder:
- Zwei Knaben liefen durch das Korn,
- der eine hinten, der andere vorn
- und keiner in der Mitte,
- man sieht, es fehlt der dritte.
Noch Jahrzehnte später folgten der Form prominente Autoren und Dichter wie zum Beispiel Christian Morgenstern oder Karl Valentin:
- Zwei Knaben stiegen auf einen Baum,
- Sie wollten Äpfel runterhaun;
- Am Gipfel drobn wurd´s ihnen klar,
- Dass das a Fahnenstange war.
Die Klapphornverse wurden oft mündlich weitergegeben und vorgetragen.
Formaler Aufbau:
- Vier Verse,
- Reimschema meist: aabb
- Im ersten Vers werden die beiden handelnden Personen (oft Knaben) eingeführt. *In den folgenden wird ihre Handlung oder ihr Wesen beschrieben. Dabei entsteht eine groteske oder skurrile Komik.
Saved in parser cache with key dewiki:pcache:idhash:125310-1!1!0!1!0!1!0!!de and timestamp 20050522150414 -->