
Das ist seit nunmehr über 33 Jahren meine Heimat: Jüchen (http://www.juechen.de) im Rheinkreis Neuss. Nicht ohne Grund habe ich als "Heimatbild" die zwei Kirchen im Ortskern gewählt, denn ohne engen Kontakt zu meiner Evangelischen Kirchengemeinde Jüchen und auch zur katholischen Pfarrgemeinde St. Jakobus d. Ä. wäre Jüchen nicht meine Heimat geworden. Die Perspektive, die ich vor langer Zeit für meine Federzeichnung gewählt habe, besteht nicht mehr. Denn wo ich beim Skizzieren stand, steht jetzt unser Altenheim (Maria Frieden), und mehrere Wohnhäuser sperren den damaligen Blick.
Zu "Heimatgeschichten" bin ich durch den leider all zu früh verstorbenen Leiter des Kirchenchors von St. Jakobus, Josef Hintzen, gekommen, der auf unnachahmliche Art Jüchener Anekdoten zu erzählen wusste. Nach seinem Tod habe ich eine Reihe dieser Anekdoten, die er mir Jahre vorher auf Tonband gesprochen hatte, um ein paar selber gesammelte und erfundene ergänzt, mit Federzeichnungen illustriert und 1995 unter dem Titel De Lüschbangk herausgegeben. Das wäre ohne Hilfe der Raiffeisenbank Grevenbroich nicht möglich gewesen, der ich auch an dieser Stelle noch einmal danken möchte. Ebenso danke ich meinem Bruder Hans A. Schmitz für die tatkräftige Unterstützung beim elektronischen Satz, dem Erstellen eines TTF der Rheinischen Dokumenta und der Lösung von Problemen vor dem Druck. Ein paar Reste des mit einer Auflage von 2150 Exemplaren gedruckten Büchleins sind heute noch bei der Bank für ca. € 2,50 zu bekommen.
Das Büchlein lässt sich ein Stück weiter unten als PDF-Datei öffnen.
Hermann Kurth (* 27.06.1942 + 13.01.1999); hier mit Josef Hintzen (*04.02.1933 + 19. September 1994) in Rom im September 1993. Ein Bild mit Symbolgehalt: Das Durchfahrt-verboten-Schild verweigert Weiterfahren, Hermann weist die Richtung, die für beide bestimmt ist.
Ein lieber und zuverlässiger Freund war der seit 1980 in Jüchen zunächst als Pfarrer an St. Jakobus d. Ä., ab 1983 als stellvertretender Dechant und ab 1988 als Dechant des Dekanats Hochneukirch tätige Hermann Kurth. Noch am 24.02.1998 hatte er sein silbernes Priesterjubiläum gefeiert, zu dem ich ihm die folgenden Zeilen schrieb, ohne zu ahnen, wie bald er von uns gehen würde.
Zum silbernen Priesterjubiläum
Flüchtig sind die Menschenjahre,
Überrasch zieh'n sie dahin.
Richtig grau sind bald die Haare;
Hat das Leben einen Sinn?
Eine Antwort hier zu finden,
Reicht ein Grübeln wohl nicht aus.
Mancher muß sich stärker binden
An das ew'ge Vaterhaus.
Nacht und Zweifel mögen nagen,
Narren sind wir doch zumeist.
Klarheit kommt bei all den Fragen
Uns nur zu durch Gottes Geist.
Reiflich war der Schritt erwogen,
Tapfer trat er auf die Bahn.
Hatte Gott ihn selbst gezogen?
Gnade oder frommer Wahn?
Ohne hier zu übertreiben,
Tat und Absicht waren recht.
Trefflich läßt er sich beschreiben:
Ein beruf'ner Gottesknecht!
Seinen Weg ist er gegangen
Segensreich schon all die Zeit.
Einer, dem man unbefangen,
Gern begegnet, nicht nur heut.
Er mög noch Jahrzehnte uns betreuen,
Niemals aber seinen Schritt bereuen!
Der Wunsch in der letzten Strophe sollte leider unerfüllt bleiben.
Evangelische Hofkirche am Markt in Jüchen
Das Denkmal auf dem Markte (23.02.2006)
Parodie auf „Am Brunnen vor dem Tore…“ („Der Lindenbaum“ von Wilhelm Müller)
Ich Jüchen auf dem Marktplatz,
da steht ein Stahlgestell,
das trägt ganz viele Scheiben,
darunter ist es hell.
Im Sommer sind da Tische
mit Stühlen drum herum.
„Die Scheune“ nennt’s der Volksmund,
und das ist gar nicht dumm.
Denn wie die Faust aufs Auge,
so passt das Ding dahin.
Im Ortsbild mehr als störend,
macht es dort keinen Sinn.
Zwar bietet es bei Regen
ein wenig Schutz, na ja.
Doch, ob wir es auch hassen,
es ist nun einmal da.
Daneben steht ein Brunnen
aus teurem Edelstahl,
verrottet und vergammelt,
sein Anblick ist ’ne Qual.
Er ist gewiss ein „Kunstwerk“,
doch leider „postmodern“.
Und Wasser führt er auch nicht,
das bleibt ihm lieber fern.
Obwohl schon oft gereinigt,
ist er total verdreckt.
Kein Wasser sprudelt deshalb,
weil ständig er defekt.
Das war nicht gut entschieden
von dem Gemeinderat,
der sich dabei wohl selber
als „in“ empfunden hat.
Denn was er sich als „Denkmal“
auf unsern Markt gesetzt,
das ist – so kann man sagen –
ein Haufen Schrott zuletzt.
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Themengleich ist das folgende Gedicht:
Der Marktbrunnen Text und Melodie: Friedhelm Schmitz (11/2002)
Lied in der ripuarischen Mundart von Jüchen, Rheinkreis Neuss
1. Kenns de dä Brunne hee om Maat?
Es dat net e janz beschesse Denge?
Koom eene venk dä Schrott apaat,
Dröm dont mer jetz hee och dovon senge.
Off dä Künstler sälver doll,
jään sing Pomp jeloofe,
oder off hä domet woll
unges vür doof verkoofe.
2. Jans eejaal, wie dat och es,
et wüt Zick dä Brunne afzerieße.
Süüt ene Vremde ungese Mes,
hant mer Jronk, unges en de Vot ze bieße.
Suu e Denge, kraakedrüsch,
wolle mer net länger,
säät doch jeder, dää net lüsch,
un mer Jööscher Sänger.
Primitivübersetzung* ins Hochdeutsche:
1. Kennst du den Brunnen hier auf dem Markt?
Ist das nicht ein ganz beschissenes Ding?
Kaum einer findet den Schrott apart,
Darum tun wir jetzt hier auch davon singen.
Ob der Künstler selber doll,
gegen seine Pumpe gelaufen,
oder ob er damit wollte
uns für dumm verkaufen.
2. Ganz egal wie das auch ist,
es wird Zeit, den Brunnen abzureißen.
Sieht ein Fremder unseren Mist,
haben wir Grund, uns ins Gesäß zu beißen.
„So ein Ding, krachtrocken,
wollen wir nicht länger“,
sagt doch jeder, der nicht lügt
und wir Jüchener Sänger.
* in enger Anlehnung an die mundartlichen Denk- und Sprachstrukturen, um diese ein wenig transparenter zu machen

Vom Umgang mit der Mundart, dem Jööscher Platt
Im Zusammenhang mit den Mundartabenden, die seit Jahren regelmäßig Ende Januar bis Anfang Februar hier stattfinden, habe ich mittlerweile fast 40 plattdeutsche Texte zum ein- bis vierstimmigen Vortrag durch meine drei Chöre geschrieben. Inzwischen habe ich herausgefunden, wie ich die Texte in meiner üblichen Schreibweise, nämlich mit Hilfe der Rheinischen Dokumenta, hier hineinbringen kann. Dann lassen sie sich nämlich lautgerecht lesen, was bei Dialekten, die man nicht beherrscht, ja sonst nicht möglich ist. Dasselbe Problem besteht auch für die Wiedergabe der mundartlichen Heimatgeschichten und -gedichte, von denen inzwischen schon recht viele entstanden sind.
Damit die Rheinische Dokumenta auch bei den Lesern ankommt, die keine entsprechenden TrueTypeFonts installiert haben - was die meisten sein dürften - , habe ich die Texte als PDF-Dateien hier eingebaut. Als erster Text folgt hier meine 1995 erschienene Sammlung De Lüschbank. Wenn Sie Acrobat Reader installiert haben, brauchen sie nur den folgenden Link anzuklicken, und das Buch De Lüschbank öffnet sich. Eine Art Fortsetzung der Lüschbank öffnet sich beim folgenden Link: Jüchener Platt.
Eejedom
Anekdote in der ripuarischen Mundart von Jüchen, Rheinkreis Neuss
Kuëtze Zick nomm Franzuësekreesch sibzisch/eenensibzisch hott Bäbbere (Bedburdyck) ene nöe Börjermeester kriëje. Hä hott sie nöö Amp noch net lang aanjetroane, doo wuët-e noo Schloss Dyck enjelaane. D’r Först tso Salm-Reifferscheidt-Dyck wull-em kenne liëre.
Wie ed-esu wick woar, maade sesch d’r Börjermeester janz staats, möt Zylinder un Pruumeschnööver (Gehrock), un trook möt waggelije Knee ob-et Schloss aan. Ävver dä huëre Heär woar hanz drop bedait, dat dä kleene Börjermeester sing Schöö aflait, un joaf sesch janz wie ene Vrünk. Dröm dit-e och Platt möd-em kalle. Et joaf jät joodes ze ääse, möt Brodem un Wing, un donoo joav-et en joode Zijaar.
Wie se möt allem väedisch woare, sait d’r Först vör dä Börjermeester:
„Nu komd-ens möt, dad-er üsch ming Waffensammlung aankickt!“
Sujät hott d’r Börjermeester noch nie jesén. De Oore veelen-em bal uus-em Kopp, wie hä all dä Kroom soach. Besongesch die wunderbare Metzer hodden-et em treck aanjedonn. Wie dä Först dat spetz kriësch, sait-e vör dä Börjermeester:
„Hüed-ens! Wenn üsch die Metzer esu joot jevalle, dann könd-er üsch ee dovan ussooche.“
„Nää, Euer Jnaaden, dat jeht doch net“, sait dä Börjermeester un kriësch ene janz ruëde Kopp.
„Doch, doch“, sait dä Först, „soocht üsch mar ee uus!“
Dä Börjermeester wull zwar emmer noch net rischtisch draan, ävver wie dä Först em noch e paarmool jenüëdischt hott, wiëß-e endlisch op e apaat fein jeärbeet Metz, wat doo aan de Wank bomelde.
„Suu es et rait“, sait dä Först, „dat Metz es nuu üsch tsoo. Ävver mer wullen-et hee hange losse! Dann kann esch jeddem, dää et süüt, saare: ‚Dat es däm Börjermeester von Bäbbere et sint.’“
Allegorie nach dem Πάντα ρεī des Heraklit (535-475 v.Chr.)
(Übersetzung des Tiroler Mundartoriginals As Wasser (Alles im Fluss) von Christian Daxer, Kufstein,
in die südniederfränkische Mundart von Mönchengladbach durch Friedhelm Schmitz, Jüchen, am 11.07.2005)
Ein weitrer Text von Christian Daxer As Lem ist auch (aber nur in meiner Übersetzung > Südniederfränkisch) im folgenden Link zu öffnen: As Lem (= Alles Leben)
Die "Trilogie" findet ihren Abschluss in der Übertragung von Daxers Da Tod (= Der Tod).
Limerick in Rheydter Platt:
Dojään (10.10.2005)
Dä Altrüüscher Manes em Stähn
wuar emmer bee alles dojään.
Et wuar net verjääs,
hä ding-et exprääs.
Un dröm stung-e dökes em Rään. (Diesmal nicht in der Rheinischen Dokumenta.)
Auf Hochdeutsch (Prosa):
Dagegen
Der Altwarenhändler Hermann aus Stähn (einem Stadtteil in Mönchengladbach) war immer gegen alles. Das blieb nicht ohne Folgen — er tat’s auch noch mit Absicht. Und deshalb stand er öfters „im Regen.“
Mengenlehre (25.10.2005)
Witz in Mönchengladbacher Platt
Hein hat beem Stammdöösch e paar Weäke jevält. Hä wuar op Löwensafari en Afrika. Hüüt es-e wi’er doo.
„No, wi völ Löwe hass-e dann nu jeschuate?“, wolle di angere wi’ete.
„Kene“, säät-e.
„Wii, kene?“ —
„Joo“, ment-e, „kene es bee Löwe al völ!“
Die langen O-Laute (oo) sind hier offen zu sprechen.
Im übrigen folgen hier noch ein paar kleinere Mundartversuche, die sich auch ohne Acrobat Reader richtig lesen lassen, weil ich sie als Bilder eingegeben habe. In jedem Falle empfiehlt sich vor der Lektüre ein Blick in die folgende
Anmerkung zur Aussprache der Mundartschreibung:
Die Mundarttexte sind in der Rheinischen Dokumenta* geschrieben. Die folgenden Beispiele sollen als Ausspracheschlüssel dienen.

* entwickelt ca.1980-84 vom Amt für rheinische Landeskunde im Landschaftsverband Rheinland (http://www.lvr.de) Bonn
Goethes Erlkönig im ripuarischen Jüchener Platt (1/2003):


Es war in der schlechten Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Ein junger Bursche aus Rheydt hatte in Giesenkirchen einen Bauern gefunden, dem er für ein gut belegtes Butterbrot einen Kubikmeter Holz hacken sollte. Damit war er gerade auf dem Hof beschäftigt.
Da kommt ein Pater vom Nikolauskloster, um Spenden zu sammeln. Für die Jahreszeit ist es schon recht kalt, und des Paters nackte Füße in den Sandalen sind schon ganz blau. Als das der Bauer sieht, tut ihm der Pater leid.
„Junge”, sagt er zu dem Burschen, „hol dem doch mal eben bei meiner Frau ein Paar Socken!”
Der Bursche geht ins Haus und sagt zu der Frau: „Ich soll für den Pater zwei Schinken holen.”
„Zwei?” erwidert die Frau, „Das glaube ich nicht!”
„Wenn ich es Ihnen sage”, sagt der Bursche, „Augenblick!” Und er stößt die Tür auf und schreit über den Hof: „Bauer, wieviel soll ich holen, einen oder zwei?”
„Zwei natürlich, du Blödmann”, brüllt der Bauer.
„Sehen Sie!” sagt der Bursche.
Die Bäuerin holt ihm zwei Schinken, die klemmt er sich unter den Arm und macht, dass er weg kommt. Und niemand hat ihn in Giesenkirchen je wieder gesehen.
Mein Bruder hat mir eine neue Mundartschrift gemacht: Mundart-Fraktur. Wie die vorstehende Geschichte darin aussieht, zeigt der folgende pdf-Link: Söck
Ein weiterer Text in Rheydter Platt ist die Schöpfungsgeschichte , die sich hier als pdf-Text öffnen lässt.