Keine Nina-Geschichten mehr (12.04.2006)
§1 Einsichtsgesetz
Opa hat’s endlich eingesehen. Zwar wird
er weiter aufschreiben, was sein Schätzchen so sagt und tut, aber nur für den
Privatgebrauch und Nina selber, wenn sie mal richtig lesen
kann.
Die Veröffentlichungen jedoch könnten
ihr schaden. Erste Anzeichen dafür sind im Ort schon erkennbar. Leider gibt es
auch böse Menschen.
Opa hofft, alle, die diese Geschichten
gern gelesen haben, können das verstehen. Nun ist also Schluss
damit.
Matthias Platzeck (12.04.2006)
Foto: ZDF
Jetzt weiß ich, weshalb ich ihn besser
stets fand
als fast alle andern in diesem
Metier.
Nicht, weil er verfügt über großen
Verstand,
nein,
weil er ein Mensch blieb, wie nunmehr ich seh.
Wer selbstlos, human führt solch Amt
ohne Dank,
den macht das
Politikerleben nur krank.
Silvio
Berlusconi (12.04.2006)
Foto: AP
Nach der Wahl hat getobt
Berlusconi,
dass Prodi gesiegt, stimme so
nie!
Er kann es nicht fassen,
will Wahl prüfen
lassen.
Kommt hohl mir vor wie
Makkaroni.
Fusions-Spiel (25.03.2006)
Die
Pharma-Industrie wächst und wächst,
Die Zahl der
Arbeitsplätze schrumpft.
Bayer spart jährlich 700 Millionen
Euro.
600 Arbeitnehmern bleibt der Weg zur Arbeit
erspart.
Die
Konzerngewinne steigen.
Ebenso die
Arbeitslosenzahl.
Zur anstehenden Fusion von Bayer und Schering.
Die ganze Wahrheit wird erst durch Markieren des Textes sichtbar.
Keulen, keine
Neanderthaler-Reminiszenz (27.2.2006)
Erkranken Geflügelbestände,
dann ist’s für die Züchter zum Heulen.
Sie stehen so ziemlich am Ende,
die Tiere sind nämlich zu „keulen.“
Die Einnahmen sind dann entschwunden,
und zweifelhaft bleibt schon die Frage,
ob je die Betriebe gesunden.
Verständlich deshalb ihre Klage.
Kommt nicht genug Geld in die Kasse,
dann sieht es recht düster schon aus.
Und auch die beschränkteste Tasse,
kann ziehen den Schluss noch daraus.
Das Beispiel der Hühner und Gänse,
der Enten und Puten und so
erweist sich als menschliche Grenze,
nun ja, was es zeigt, macht nicht froh.
Denn auch bei des Staates Finanzen
zu groß ist das Einnahmesoll.
Sanierbar wär’n die Bilanzen,
wenn auch die Methode nicht toll…
Man könnt’ nach dem Vorbild der Tiere
im „Keulen“ doch seh’n einen Weg,
womit den Etat man saniere,
indem aus dem Wege man feg’
der Rentner gewaltige Scharen.
Das wär’ rasche Rettung im Nu.
So ließen sich Renten einsparen
und Krankenhauskosten dazu.
So wäre der Haushalt gerettet.
Die Alten würden zum Dank
ganz würdig zur Ruhe gebettet,
der letzten; das Volk würde „schlank.“
Zwar müsst’ man das Grundgesetz ändern,
das hat man ja oft schon gemacht.
Dem Bund, den Kommunen und Ländern
ging’s besser! Das wär’ doch gelacht!
Ich selber – nun ja – zu den ersten
Gehörte ich dann wohl dazu.
Die Einsicht fällt sicher am schwersten:
So früh schon die ewige Ruh’?
Arabientourismus (09.01.2006)
Wer reist denn jetzt noch in den Jemen?
Das könnt’ den Tourismus schon hemmen,
was Chrobogs passiert.
Wer nun irritiert,
der wird sich die Reise verklemmen.
Ja, sicher ist’s schön in dem Land;
doch wer noch bei wachem Verstand,
der tut sich nicht an,
was schlimm enden kann,
und ist er auch noch so gespannt.
Wort des Jahres (16.12.2005)
Das „Wort des Jahres“ heuer
wirkt recht normal, kaum neuer.
In „Bundeskanzlerin“
steckt wenig Neues drin.
Und auf dem zweiten Platz,
da steht ein ganzer Satz.
Mit „Wir sind Papst“(Wie hohl!)
hat „Bild“ erreicht das wohl.
Dahinter folgt „Tsunami“
(Das reimt perfekt mit „Bami“,
gleich „Nudel“, indonesisch.),
die Welle, so gefräßig.
Das sind die ersten drei,
ein Hit scheint kaum dabei.
Die Wahl hat nicht erbracht
ein Wort, das wirklich kracht.
Gesagt hat Frank Ulrich Montgomery etwas anderes, als hinterher in der schriftlichen Darstellung des Interviews zu lesen ist. Zum Verbot des Ärztestreiks durch das Kölner Landgericht meinte er nämlich: „Aufgehoben ist ja nicht aufgeschoben.“ – Das habe ich jedenfalls soeben (13.12.2005, 17 Uhr) sehr deutlich in der Tagesschau gehört. Da ich allein war, hatte ich die Lautstärke des Fernsehers perfekt auf mein Hörvermögen abgestimmt.
Offenbar hat die ARD-Redaktion den Interviewtext „sorgfältig“ überarbeitet, bevor sie die schriftliche Fassung online gestellt hat.
Schade! – Denn Montgomerys Versprecher ließe sich doch richtig gut als Beleg dafür werten, dass er offenbar auch schon „zu lange im Dienst“ war.
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________________________________________________________________ Druckfassung ___________________________________________________________________________
Jammern auf hohem Niveau? Arbeitskampf auf dem Rücken der Patienten? |
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Allenthalben ertönt die Klage über die Jugend von heute. Arbeitgeber können viele Ausbildungsplätze nicht besetzen, weil es an geeigneten Bewerbern fehlt. Die PISA-Studien liefern wenig erfreuliche Ergebnisse, und viele Eltern sind nicht mehr in der Lage, den Forderungen ihrer Kinder nachzukommen. Fast jeder, der den Kinderschuhen entwachsen ist, könnte hier seine eigenen Erfahrungen anhängen.
Klinisch erkennbar ist die ständig zunehmende Zahl von Erkrankungen, wie zum Beispiel Essstörungen, Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom, Diabetes infolge Übergewicht, ja selbst Borderline-Syndrom, oder Phobien fast jeder Art. Hinzu kommt eine anscheinend immer stärkere Verrohung.
Überentwickelt ist dagegen das reine Konsumverhalten der jungen Menschen, oft bis hin zur Verschuldung in jungen Jahren und Drogenabhängigkeit. Dass Verwöhnung und Vernachlässigung längst kein Gegensatz mehr sind, dafür liefert ein leider immer größer werdender Teil unserer Jugendlichen den Beweis.
Aus der Raumfahrt ist bekannt, dass die menschliche Muskulatur schwindet, sobald sie nicht mehr der „Belastung“ durch die Erdanziehung unterworfen ist. Auf demselben Mechanismus beruht das Beispiel des Bodybuilding: Wachsen und an Umfang und Stärke zunehmen werden nur die Muskeln, die gezielten Trainingsbelastungen unterworfen sind. Ähnliches gilt auch für das Gehirn.
Wenn nun eine Gesellschaft darauf verzichtet, ihre Kinder zu erziehen, wie es die unsere seit den 68er Jahren tut, darf sie sich über die Folgen nicht wundern. Erziehen bedeutet Vorbild Sein, Grenzen Setzen, Pflichten Auferlegen, kurz: Führen – so weit nötig, aber auch wachsen Lassen, solange es nicht in Wildwuchs ausartet.
Soll unsere Jugend einmal größere Chancen haben, dann müssen dringend die Weichen umgelegt werden. Manchmal habe ich den Eindruck, viele junge Menschen schreien regelrecht nach Erziehung und Autoritäten. Das sollte allen Verantwortlichen zu denken geben.
Panne auf dem roten Teppich
Der Meister aus Singapur war mal so frei
— das hat die Frau Merkel verwirrt —
und latschte doch glatt an der Fahne vorbei,
nur weiter, durch gar nichts beirrt.
Da mochte sie gucken und rufen sogar.
Das alles ging an ihm vorbei.
Er nahm offenbar von dem allem nichts wahr.
Der Staatsgast, der war halt so frei!
Zu den Medienberichten, die in Wort und Bild die „Ungeheuerlichkeit“ wiedergeben, dass der Ministerpräsident Singapurs, Lee Hsien Loong, statt anzuhalten und die Fahne der Bundesrepublik zu grüßen, unbekümmert weiter ging.
Hoffentlich grämt sich die Fahne nicht! ;-)
Zum Welt-Aids-Tag, 1.12.
Da ist doch wohl heute der Welttag für Aids,
und den hätt’ ich beinah’ verpasst.
Und wieder erkenne ich: Richtig, so geht’s
mit vielem, das macht keine Last.
Das ist wohl ganz anders für den, der betroffen,
der zittert und zweifelt und bebt.
Wer letztlich nichts andres mehr kann als zu hoffen,
ist wacher, solange er lebt.
Doch wach war sogar man in Roms Vatikan
und mehrte die „Literatur“,
indem man Kondome erneut tat in Bann
und „pansexuelle Kultur.“
„Ein jeder, der kehr’ vor der eigenen Tür.“
Der Satz hat noch immer Bestand.
Wer Sex nur lässt gelten als „Fortpflanzungskür“,
rennt als Schwuler gewiss vor die Wand.
JohndeGraph
Das Graph ist das kleinste der Zeichen
beim Schreiben und so definiert.
Das M beispielsweise mag reichen,
zu zeigen, was damit passiert.
Denn schreibt man es groß oder klein,
der Sinn wird dadurch nicht verschoben.
Er bleibt immer gleich – wie ein Stein.
Dafür ist das Graph schon zu loben.
Der Graph ist dagegen ganz anders.
Er ändert sich je nach Funktion.
Mal zeigt er uns etwas Bekannter’s,
mal etwas recht Mystisches schon.
Wozu unser John jedoch zählt,
das bleibt allerdings ziemlich offen.
Er hat es als Nick-Teil gewählt
und irgendwie beide getroffen.
Denn all seine Texte sind immer
ein Stückchen von A oder B
und strahlen mit innerem Schimmer
nach außen Humor oder Weh.
Ich lese sie immer sehr gerne,
sobald bei kV ich sie seh’.
Drum wünsch ich ihm heut’ aus der Ferne
viel Glück zum Geburtstag – und Schnee.
Mit den allerherzlichsten Glückwünschen
zu deinem heutigen Ehrentag,
lieber M.
Mögest du uns noch lange
mit deinen herzerfrischen Beiträgen
erhalten bleiben!
Jüchen, am 26.11.2005
Alles, alles Gute
von
Friedhelm
Großer Zapfenstreich¹ (19.11.2005)
Der große Zapfenstreich,
wie er zu Schröders Ehren
mit großem Aufgebot
heut’ Abend war zu hören,
ging schon recht würdevoll
und feierlich vonstatten.
Nur, die ein Interview
mit Gerd erwartet hatten,
die warteten vergebens.
Zu gut war zu verstehen:
Ein Tränchen? – Ja. Doch Labern? –
Das durfte nicht geschehen.
Die Sonne schien zwar nicht;
zu spät war es dafür.
Doch trocken blieb sie auch,
des Kanzlers letzte Kür.
¹ Der „Zapfenstreich“ war beim Militär ursprünglich (seit dem 17. Jahrhundert) das Signal, den Zapfen der Bierfässer aufzusetzen, d. h. mit dem Trinken aufzuhören. Die Sitte soll von Wallenstein eingeführt worden sein. Gebräuchlich sind für diesen Vorgang auch Wendungen wie den Zapfen schlagen, niederdeutsch den Tappen tôslân gewesen, entsprechend (wohl ursprünglich als Ausruf) niederdeutsch taptô, neuniederländisch taptoe (> englisch tattoo). Im hochdeutschen Bereich ist Zapfenstreich schon früh das übliche Wort (eigentlich Streich = „Schlag auf den Zapfen“). Nachdem das Signal zur Rückkehr in die Unterkunft seinen ursprünglichen Sinn verloren hat, bezeichnet es heute eine militärische Musikdarbietung.
(Nach Kluge, Etymologisches Wörterbuch)
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