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   Betrachtungen zu den   darkovanischen Backrezepten   

 

 

 

Wenn ich Darkoverfreunde einlud, bewirtete ich sie oft mit Kuchen und Tee. Ein Versuch, ungesüß­ten Kakao als "Jaco" zu servieren, kam nicht an, der "Jaco" schmeckt nur mir. Am meisten wurde Tee getrunken. In der Regel backte ich Nußkuchen, denn dies wird wohl einer der am häufigsten gebackenen Kuchen auf Darkover sein, da es dort reichlich Nüsse, aber nicht so viel Weizen geben wird wie hier.

 

Bei einem unserer Darkovertreffen hatten wir eine Diskussion über den Gebrauch von Zucker auf Darkover. Da einer unserer Darkover-Freunde (Hans-Jürgen) allergisch gegen Industriezucker ist, benutze ich Fruchtzucker oder Honig, wenn ich für Darkovertreffen backe. Aber Achtung: Für Dia­betiker ist Honig genauso gefährlich wie Industriezucker. Dabei ergab sich für mich die Frage, wel­che Backzutaten es eigentlich auf Darkover geben mag:

 

 

 Mittel zum Süßen wie Honig und  Zucker

 

Zuckerrüben und Zuckerrohr gibt es auf Darkover nicht. Deshalb dachte ich beim Backen für Dar­koverfans zunächst an Honig, wie er im Mittelalter bei uns im Gebrauch war. Erst durch den Import von Rohrzucker und später die Züchtung der Zuckerrüben gab es in Europa mit dem Zucker eine billigere Alternative zu Honig.

 

Aufgrund der niedrigeren Durchschnittstemperaturen und der Tatsache, daß Insekten wie Bienen erst ab plus zehn Grad Celsius ausfliegen, werden meines Erachtens auf Darkover wesentlich mehr Blü­tenpflanzen durch Vögel oder Säugetiere bestäubt als hier auf Terra. Vögel sind ja Warmblüter. (Anmerkung: Ich frage mich, ob die Kiriseth-Pflanze durch ihre psychedelischen Duftstoffe Vögel und Säugetiere anlockt, welche den Samen weiterschleppen, obwohl diese Pflanze keine eßbaren Früchte anbietet. Man sollte das einmal erforschen.)

 

Nur an wenigen Sommertagen wird es so heiß, daß dann etwas die Harzbäume in Brand geraten können. An solchen Tagen wird es vielleicht auch reichlich Insektenleben geben. Ansonsten werden die Darkovaner auch weniger von Insekten wie Stechmücken geplagt als die Terraner.

 

Honig gibt es meines Erachtens nur an wenigen Orten in größeren Mengen, nämlich in den Troc­kenstädten, in der Domäne Serrais und in der Tiefebene von Valeron. In den übrigen Regionen ist Honig zu kostbar, um ihn des öfteren als Backzutat zu verwenden. Trotzdem gibt es süße Kuchen und Speisen. Ich schlage hier folgende Möglichkeiten vor:

 

 

a) Honig

Honig wird wohl ein Handelsgut sein wie getrockneter Fisch und Salz. In der "Schwarzen Schwe­sternschaft" wird Honig zum Beispiel erwähnt.

 

 

b) Süßen mit Früchten

Süßen kann man direkt mit Beeren oder Kernobst, z.B. bei Obstkuchen, Rosinenkuchen oder Früchtebrot.

 

 

c) Baumsirup

Vielleicht werden auf Darkover Mittel zum Süßen auch aus Wildpflanzen gewonnen, z.B. süßer Sirup aus Baumharzen oder Blättern, vergleichbar dem terranischen Ahornsirup .

 

 

d) Zucker aus Stärke

Zucker kann aus Stärke gewonnen werden. Setzt man rohe Kartoffeln dem Frost aus, so werden sei süß, weil die in den Kartoffeln enthaltene Stärke durch Enzyme in Zucker gespalten wird. Wer lange Brot kaut, wird einen süßlichen Geschmack bemerken: der Speichel kann ebenfalls Stärke spalten. Aber keine Sorge, ich glaube nicht, daß darkovanische Hausfrauen Spucke zur Zuckerge­winnung aus Stärke verwenden; aber ich haben noch keine genaue Vorstellung, mit welchen Enzy­men z.B. aus Kartoffelstärke Zucker gewonnen wird. Vielleicht gibt es auf Darkover "Zuckerkulturen", so wie es hierzulande Joghurtkulturen gibt. Ich stelle mir vor, daß jede Hausfrau sich ihren Zucker selber herstellt, so wie jeder im Mittelalter sich sein Bier selbst brauen konnte.

 

 

e) Süßmittel aus Getreide

Getreide läßt sich mälzen, d.h. keimen lassen. Dadurch wird Stärke zu Maltose, einer Art Zucker abgebaut. Mit Malzschrot oder sirupartigem Malzextrakt kann man dann süßen (Kuchen, Puddings, etc.).

 

 

 Mehl

In den Romanen von MZB werden als Getreide Weizen und Hafer erwähnt. Weizen wird es auf­grund des Klimas wohl nicht in der Menge geben, wie wir es bei unserer Nahrung gewohnt sind. Beim Brot und bei Kuchen wird wohl häufig auch Nußmehl verwendet.

 

 

 Nüsse

Nüsse gibt es auf Darkover reichlich. Weizenmehr dagegen ist weniger reichlich vorhanden. Von daher halte ich Nußkuchen für auf Darkover recht gebräuchlich. Nußbrot wird meines Wissens in Darkover-Romanen erwähnt.

 

 

Backpulver und andere Treibmittel

Statt Backpulver kann man Pottasche oder Hirschhornsalz verwenden. Schon im Mittelalter gab es folgende Treibmittel, die auch für Darkover in Frage kommen.

Treibmittel geben beim Backen im Ofen CO2 als Gas ab, was dazu führt, daß der Kuchen locker wird. Pottasche und Hirschhornsalz sind alkalisch (Lauge), deshalb hat heutzutage Backpulver drayierte Säuren (Zitronensäure mit Fettmantel) zur Neutralisation. Eine direkte Neutralisation, z.B. mit Früchten, führt zur Reaktion bereits beim Teigrühren, so daß der Teig in der Umgebung der Früchte nicht so locker wird weil das Treibmittel bereits verbraucht ist, wenn der Kuchen in den Ofen kommt.

 

 

a) Pottasche mit Holzasche in Wasser gelöst, chemisch ist es dann Natriumbikarbonat.

 

b) Hirschhornsalz = gemahlenes Hirschgeweih, mit Wasser und Kalk verrührt, abdestilliert. Ent­spricht Ammoniumbikarbonat. Ob auch aus Chervine-Geweihen Hirschhornsalz gewonnen werden kann, weiß ich nicht.

 

c) Hefe

Für Hefekuchen und -brot nahm man früher Bierhefe. Die Bäcker holten sie sich von den Braue­reien. Erst seit neuester Zeit gibt es die sogenannte Bäckerhefe.

 

Die Bäckerhefe, die mit der Bierhefe und Weinhefe identisch ist, werden die Kolonisten ja wohl klugerweise im Raumschiff mitgebracht haben. Von daher wird es also auch auf Darkover Hefeku­chen und Brot, wie wir es kennen, geben. Vielleicht gibt es auch einheimische Hefepilze.

 

d) Sauerteig

Sauerteig läßt sich nur mit Weizenmehl herstellen, nicht aber mit Nuß- oder Hafermehl .

 

 

Eier

Die Kolonisten werden in ihrem Raumschiff sicherlich auch Hühner bzw. befruchtete Hühnereier mitgebracht haben. Von daher wird es zum Kuchenbacken und Kochen genügend Eier geben. Ggf. werden Eier von darkovanischen Vögeln verwendet.

 

 

Butter

Kühe und Schafe (Milchvieh) werden in mehreren Darkoverromanen erwähnt. Von daher wird es Milch und Butter sowie Quark (für Käsekuchen!), geben. Pflanzenöl wird nicht erwähnt, dies wird es wohl höchstens in den Trockenstädten geben.

 

 

Gewürze

Dem Kakao im Schokoladenkuchen wird wohl Jaco entsprechen. Ansonsten weiß ich nicht, welche Gewürze es auf Darkover gibt. Ich selber verwende gerne Zimt, Nelken, Rumaroma, Zitrone und Vanille. Alkoholische Getränke wird es überall geben, wo es Menschen gibt. Der Mensch schaffte es immer, Rauschmittel herzustellen. Zitrone und Vanille gibt es auf Darkover sicher nicht. Zimt und Nelken sind ungewiß. Wer weiß, welche der Samen, die die ersten Siedler ausgesäten (Landung auf Darkover), gediehen. Da aber ein Kuchen ohne Gewürze sicher erst recht nicht glaubhaft darko­vanisch ist, verwende ich bei meinen darkovanischem Nußkuchen Zimt und Nelken zum Würzen.

 

 

 

Zuckerguß

Zuckerguß wird es wohl auf Darkover nicht geben. Aber - offengestanden - mir schmeckt ein Nuß­kuchen mit Zitronenguß besser als ein rein darkovanischer Nußkuchen ohne Zuckerguß.

 

 

Wasser

Wasser gibt es natürlich überall, wo es Menschen gibt.

 

 

 

         

 

 

                                               

                          Hier nun zwei darkovanische Kuchenrezepte :

 

Nußkuchen

Zutaten:

200 g Margarine (Butter)

200 g Zucker oder Honig

Rühren, bis die Masse schaumig ist.

4 Eier

Etwas Rum, Zimt und Nelken

Nochmals rühren

400 g gemahlene Haselnüsse

100 g Weizenmehl mit einer Tüte Backpulver

Etwas Wasser, damit der Teig weich fließt (etwas flüssiger als normaler Rührteig)

Etwas 45 bis 70 Minuten bei 180 Grad im Ofen backen. Die Backzeit hängt vom Ofen und den Backformen ab. Ich verwende zwei rechteckige Weißblechformen, die ich mit Margarine (Butter) bestreiche und mit Mehl bestäube. Die Formen werden je zur Hälfte mit Teig gefüllt .

 

 

                 

 

 

Haferplätzchen

Wenn Nüsse nach einer Mißernte nicht vorhanden oder zu teuer sind, kann man auch ohne Nüsse Plätzchen mit dem gewohnten Nußgeschmack backen. Dieses Rezept entstand vermutlich in der Nachkriegszeit.

Zutaten:

250 g Haferflocken

125 g Margarine (Butter)

100 g Zucker oder Honig

1 bis 2 Eier

Einige Eßlöffel Mehl (+ Backpulver)

Schmelze die Butter in einer Pfanne und rühre die Haferflocken, bis sie dunkelbraun, aber noch nicht schwarz sind. Lasse sie abkühlen und gebe den Rest dazu. Ich komme ohne Backpulver aus, wenn es echt-darkovanisch sein soll. Mache kleine Häufchen auf ein gefettetes Backblech: Andert­halb Eßlöffel pro Häufchen. Backe im vorgeheizten Ofen eine Viertelstunde. Esse die Kekse inner­halb von zwei Tagen, sonst werden sie hart .

 

 

                   

 

 

 

Rezepte können stets variiert werden. Man braucht sie nicht exakt zu befolgen .

 

 

Chris Gast, Erstveröffentlichung in "Relays 26"

 

                 

                         

 

 

 

 

 

                                                       

 

 

           

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                                                          

 

 

                                                                       

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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