Freunde von Darkover online

    Geschichte der     

Freunde von Darkover

1976 wurde die erste Serie der amerikanischen Darkover Newsletter, kurz DNL, begonnen. Der hauptsächliche Grund dafür war MZB`s viele Fanpost, so daß sie sich nicht mehr in der Lage sah, alle Briefe persönlich zu beantworten. Ein weiterer Grund waren regelrechte Haßbriefe an MZB, die sie persönlich angriffen. Also kam sie auf die Idee, den Newsletter zu herauszugeben, in dem sie ihre Leser über ihre neuesten Projekte informierte, die Fanpost wurde mit MZB`s Antworten auf die Fragen als Leserbriefe abgedruckt, und es gab eine vollständige Bücherliste. Die Fanpost wurde allerdings vorher gesichtet, bevor MZB sie las, damit sie von den Haßbriefen abgeschirmt wurde.

Viele der Fans gaben sich darkovanische Namen, erarbeiteten sich Stammbäume "ihrer" Familien oder setzten sich selbst in Beziehung zu Charakteren aus MZB`s Romanen. Natürlich wurden auch zahlreiche Darkover-Cons veranstaltet, zu denen die Fans in Kostümen, vorwiegend mittelalterlichen, aber auch als "Comyn" und "Freie Amazonen" anreisten. Die "Anachronisten" mit ihren mittelalterlichen Kostümen, Turnieren und Märkten fühlten sich Darkover aufgrund seiner Thematik natürlich besonders verbunden. In den Newsletter fanden aber auch andere Autoren wie Anne McCaffrey mit ihren "Drachenreitern von Pern" und Tolkiens "Mittelerde" Beachtung.

Walter Breen, MZB`s zweiter Ehemann, beteiligte sich ebenfalls aktiv am Darkover-Universum. "The Gemini-Problem" (mit Artikeln wie "How to create a world", "Themes & Variations", "How to write a darkover-novel") war ursprünglich ein Weihnachtsgeschenk an seine Frau, erschien dann in gedruckter und erweiterter Form für alle Leser. Die "Darkover-Concordance" war ein kleines Darkover-Lexikon, das allerdings thematisch nur die ersten elf Bücher enthält und seit Jahren vergriffen ist.

1978 erschien das "Darkovan language Review", das vom Thendara Council herausgegeben wurde und viele Sachartikel über die Sprache enthält. C. J. Cherryh und Randall Garret waren die hauptsächlichen Autoren, Walter Breen beteiligte sich ebenso daran wie Christopher Gilson und MZB selbst.

Wie gefährlich aber auch die Spiele der Fans sein können, beschreibt MZB im Newsletter 26. Dabei geht sie in einem zweiseitigen Plädoyer auf die Gefahr ein, sich in einer Phantasiewelt zu verschanzen und somit den Kontakt zur Außenwelt zu verlieren. Als ungefährlich beschreibt sie junge Frauen, die sich Amazonen-Namen geben, um die Kraft zu finden, ihr eigenes Leben zu beginnen, bei den Eltern auszuziehen oder sich scheiden zu lassen; oder wenn sich junge Männer nach der Lektüre von "Hasturs Erbe" zu ihrer Homosexualität bekennen. Aber wenn sich junge Mädchen für Bewahrerinnen halten, die im Besitz von PSI-Kräften sind, wird es gefährlich! Nicht, daß es keine Psi-Kräfte geben würde, aber wenn die Mädchen anfangen, einen "Kreis" aufzubauen, oder "Energien anderer zusammenzuschließen", dann sind es dumme, aber sehr gefährliche Kinderspiele! MZB`s Angst war durchaus begründet, können doch durch solche Dinge im Unterbewußtsein Angstneurosen oder Verfolgungswahn entstehen, es kann körperlicher Schaden wie Schwächung des Immunsystems und Allergien entstehen.

Die amerikanischen Freunde von Darkover meldeten sich 1985 mit dem Newsletter 31 zurück, nachdem sie die erste Serie mit Newsletter 28 geschlossen hatten. Der Newsletter enthielt nun auch Rätsel, sowie "Schmankerln", die geneigte Fans bestellen konnten, z.B. "The White Knights Cookbook", Filkkassetten, wie z. B. "Consenting adults of Darkover" mit Liedern über die Chieris, Bewahrer, und verschiedene Charaktere; aber auch vertonte Balladen aus den Romanen; "Liturgy of the Lady" (ein Ritualbuch des Covens um Diana L. Paxson) sowie Schreibtips wie "How to prepare a manuscript", "Why did my story did rejected", "What is a short story", "und vieles mehr. Der harte Kern um MZB, Ann Sharp und Elisabeth Waters nannte sich Thendara Council, gab nicht nur den Newsletter heraus, sondern veranstaltete jährlich das Fantasy Worlds Festival in Kalifornien, zu dem regelmäßig bekannte Fantasy-Autoren als Ehrengäste eingeladen wurden.

In regelmäßig Abständen fanden Wettbewerbe um die besten Amateur-Kurzgeschichten statt, die MZB als Forum für ihre Darkover-Anthologien nutzte. Eine wesentliche Einschränkung allerdings war, daß MZB die Fangeschichten über Darkover als ein Paralleluniversum zu ihren eigenen Darkover-Geschichten interpretierte, was bedeutet, daß die Anthologien nicht im direkten Sinn als Darkover-History galten. Kritiker beunruhigten sich natürlich über die Möglichkeit, daß MZB möglicherweise ihre eigenen Fans ausnutzen würde, was die Ideen anging. Dazu sagte sie selbst: "Diese Sorge ist unbegründet, wenn man davon absieht, daß alles, was ich lese, irgendwie seinen Weg in mein Unterbewußtsein findet und sich dort in einer totalen Umwälzung unterzieht, wobei sich grobe Ideen zu Literatur formen. Wenn ich jemals Gebrauch von den Texten eines Fans machen sollte, so werden diese nach der Reise durch meinen eigenen persönlichen Traum-Raum so verändert und umgewandelt sein, daß sogar ihre Urheber niemals ihre eigenen Ideen wiedererkennen werden, so fremdartig wird sie sein, wenn ich damit fertig bin."

Im Herbst 1992 kam es zu einem Konflikt: ein Darkover-Fan schrieb eine Geschichte, die die gleichen Ideen und die gleiche Zeitperiode wie in MZB`s Roman "Contraband" enthielt. "Contraband" handelt von Dyan Ardais, Regis Hastur und Danilo Syrtis, zeitlich angesiedelt nach "Hasturs Erbe". MZB bot dem Fan eine stolze Summe an, wesentlich mehr, als sie sonst für eine Erstveröffentlichung erhalten hätte, sowie eine Widmung ihres Romans "Contraband", damit sie ihre Version nicht veröffentlichte. Die Situation ähnelte der bei der Veröffentlichung von "Gildenhaus Thendara", das Jacqueline Lichtenberg gewidmet wurde. Bewußter Fan lehnte aber ab, so daß MZB`s Darkover-Verlag DAW die Veröffentlichung von "Contraband" verweigerte. Wirklich schade, denn nun werden die vielen Fans diesen interessanten Darkover-Roman niemals lesen können! Eine weitreichende Folge war, daß MZB keine Fanfiction über Darkover mehr las, ebensowenig wie Darkover-Fanzines, und schließlich wurden aufgrunddessen die Darkover-Anthologien eingestellt. Was so positiv begann, nämlich die Förderung junger Fans zu Autoren, wurde durch einen einzigen Fan ruiniert, jedenfalls im Darkover-Universum. Für andere Fantasy-Geschichten stand weiterhin "MZB`s Fantasy Magazine" zur Verfügung.

Der Darkover-Newsletter 70 vom September 1995 sollte dann die endgültig letzte Ausgabe werden, nachdem die Abonnentenzahl auf hundert Interessenten geschrumpft war. Für deutsche Verhältnisse im Fandome sicherlich noch immer oft eine Traumzahl! Aber MZB wollte sich dann doch lieber auf ihr professionelles Magazin "Marion Zimmer Bradley`s Fantasy Magazine" konzentrieren, das ebenfalls vierteljährlich erschien und eine wesentlich bessere Leserquote besaß.

1986 war dann das Jahr, in dem die deutschen Freunde von Darkover von Petra Dombek gegründet wurden. In der Anthologie "Das Schwert des Chaos" (Erstausgabe 1986 im Moewig Verlag) erschien Petras Anzeige und die ersten Fans meldeten sich. Die ersten drei Newsletter waren sehr dünn, umfaßten höchstens sechs Seiten und erschienen in einem Zeitraum von drei Jahren. Petra übergab dann aus zeitlichen und beruflichen Gründen die ganze Sache Stephan Werner und mir, unsere erste Ausgabe "Relays 4" umfaßte bereits zwanzig Seiten und der Newsletter erschien zwei- bis dreimal im Jahr. MZB förderte uns deutsche Fans sehr und gab uns die Erlaubnis, ihre "Letter from MZB" aus den amerikanischen Fanzines zu übersetzen, um ihre deutschen Leser über ihre neuesten Projekte aktuell zu informieren.

Schließlich blieb die Herausgabe des Fanzines bei mir, da Stephan sich aus zeitlichen Gründen verabschiedete. Mittlerweile sind die Hefte zwischen dreißig und vierzig Seiten dick, der Inhalt beschränkt sich nicht nur auf Leserbriefe, sondern es werden Buchbesprechungen, Sachartikel, Portraits anderer Autoren, Rätsel, Vorstellungen der einzelnen Mitglieder, u.v.m. abgedruckt. Die Musik, die auf Darkover eine so wichtige Rolle spielt, findet natürlich auch im Heft eine Resonanz, die Filkecke taucht zwar nur sporadisch auf, aber es werden auch Musiker gewürdigt, deren Songs und Musikstil zu Darkover passen, wie z.B. Loreena McKennit.

Unsere Storyzines "Sternenkristall" standen den Mitgliedern für eigene Darkover-Geschichten zur Verfügung, aber leider nur bis zu dem Jahr, in dem die Copyright-Sache mit "Contraband" diesen Fanaktivitäten ein so trauriges Ende bescherte! In "Sternenkristall 1" erschien eine bis dahin unveröffentlichte Kurzgeschichte von MZB selbst: "Ten minutes or so", eine kleine feine Geschichte über Dyan Ardais, diese Kurzgeschichte erschien später in der Darkover-Anthologie "Towers of Darkover" (dt. "Die Türme", erschienen im Knaur-Verlag).

Trotz MZB`s Tod im September 1999 werden die deutschen Freunde von Darkover ihre Pforten nicht schließen. Ein hauptsächlicher Grund ist, daß erst in den letzten Jahren alle Darkover-Romane und –Anthologien in deutscher Sprache veröffentlicht wurden. Außerdem schreibt Deborah J. Ross an Darkover weiter, bisher erschien die "Feuer von Darkover"-Trilogie im Goldmann Verlag von ihr. Zur Zeit arbeitet Deborah J. Ross an einer weiteren Trilogie "The Children of Kings".

 

Clubhefte:

   "Relays" bis # 20

   "Relays" bis # 40

   "Sternenkristall"

 

 

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