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Diana L. Paxson
Britta Rutkowski
Die US-Bestseller-Autorin Diana Paxson bekennt sich zur heidnischen Wicca-Religion. Ihr Wissen um Heilkräuter, Rituale und Runen läßt sie in ihre Fantasy-Romane einfließen.
Lange Zeit war Diana Paxson in Deutschland nur einem kleinen Kreis von Freunden der Fantasy-Literatur ein Begriff. Das änderte sich mit ihren Überraschungserfolg "Der Zauber von Erin". Ihre Erzählung über die tragische Liebesgeschichte von Tristan und Isolde ist eine gelungene Mischung aus historischem Drama, Abenteuer und Magie. Diana Paxson erzählt dazu: "Als MZB sich entschied, "Die Nebel von Avalon" zu schreiben, war klar, daß ich über einen Teil dieses großen Zyklus schreiben würde. Ich hatte mich schon sehr viel früher für die Legende um Tristan und Isolde interessiert. Natürlich ist "Der Zauber von Erin" keine Art Fortsetzung zu Marions Buch. Aber ich glaube, daß es durch die spirituelle Sicht der Legende Verbindungen gibt. Marion schrieb "Die Nebel von Avalon" zu einer Zeit, in der wir beide sehr stark im "Darkmoon Circle" engagiert waren. Sehr viel von der Atmosphäre in diesem Kreis ging in Marions Geschichte ein, und zwar, wenn sie von den Priesterinnen in Avalon erzählte. Nach Veröffentlichung des Buches und der Popularität, die es erlangte, wurde Marion überschwemmt mit einer Verantwortung, der sie einfach nicht gerecht werden konnte. Sehr viele wollten in ihr die Hohepriesterin sehen. Doch ihr fehlte einfach die Energie, diese hohen Erwartungen zu erfüllen. Aus gesundheitlichen Gründen zog sie sich dann weitgehend aus esoterischer Arbeit zurück. Aber sie hat eine spezielle Art, einem etwas beizubringen, basierend auf den Lehren von Dione Fortune. Diese Lehren waren mein erstes Training. Wir entwickelten das dann weiter, als wir gemeinsam im "Darkmoon Circle" arbeiteten."
Ihr nächster Roman "Die Keltenkönigin" hatte ebenfalls einen Mythos zum Thema. Diesmal ging es um die Töchter des König Lear. Neben ihrer langjährigen engen Freundin Marion Zimmer Bradley hat Diana L. Paxson einen festen Platz in einem Genre eingenommen, das jahrelang von männlichen Autoren dominiert wurde. In ihrer Heimat Berkeley in Kalifornien praktiziert Diana L. Paxson zusammen mit ihrer Gruppe "Darkmoon Circle" die heidnische Wicca-Religion. Dabei wird die Natur in Form der Erdmutter, der Großen Göttin, verehrt. Die Autorinnen Starhawk und Zuzsanna Budapest sind derzeit die bekanntesten Vertreterinnen dieser Tradition.
In jedes ihrer Bücher läßt Diana L. Paxson ihr überliefertes Wissen um Kräuterheilkräfte, Runen und Rituale einfließen. "Ich arbeite auch mit dem Tarot. Aber um ehrlich zu sein, wenn ich die Karten lege, muß ich hin und wieder doch die Bedeutungen nachschlagen. Mit den Runen verhält es sich ganz anders. Jede von ihnen hat eine große Kraft, und man kann sie nicht nur zum Orakeln verwenden, sondern auch für jede andere magische Tätigkeit. Die Runen können beispielsweise auch als Schutz verwendet werden. Ich habe immer eine bestimmte Anordnung von Schutzrunen auf meinem Gepäck angebracht, bisher verlor ich noch nie ein Gepäckstück.", sagt die Autorin. "Zum Jahresbeginn kann beispielsweise ein Schutzritual für Haus oder Wohnung durchgeführt werden, bei dem Runen auch eine sehr wichtige Rolle spielen. Über die Eingangstür geschrieben, halten sie alles Negative fern. Ich arbeite mit einer Gruppe in Berkeley zusammen. Wir treffen uns immer in den ersten Tagen des Januar und ziehen jeweils eine Rune für jeden Monat des neuen Jahres. Am Ende dieses Jahres setzen wir uns wieder zusammen und lassen die Erlebnisse und Erfahrungen der vergangenen zwölf Monate Revue passieren. Wenn wir uns dann die Runen ansehen, sind wir oft überrascht, wie klar ihre Aussagen gewesen sind. So zogen wir beispielsweise im Jahr, in dem Golfkrieg ausbrach, "Teiwaz", die Rune des Kampfes.
Ich glaube, daß die Rückbesinnung auf unsere Intuition und alles, was dazu beitragen kann, neue Energien zu nutzen, wichtig ist, um wieder eine Balance zu finden. Runen und Tarot können dazu beitragen, Magie zu konzentrieren."
Auch in ihrem Roman "Die Töchter der Nibelungen" verarbeitet sie u.a. Rituale, die sie zuvor mit dem "Darkmoon Circle" ausgeführt hat. Sie bezieht sich dabei auf uralte Quellen und besuchte zur Vorbereitung historische Schauplätze. Zu Fuß begab sie sich zu heidnischen Ritualstätten und schrieb ihre Gefühle und Erfahrungen nieder, um sie später in ihrem Buch verarbeiten zu können. "Ich mußte lernen, mir die Gegenden unbebaut vorzustellen. Bebaute Plätze sind trotz allem immer noch die gleichen Orte. Ich mußte meine Phantasie nur ein wenig anstrengen. Ich habe auch die Externsteine besucht und bin auf den heiligen Berg von Heidelberg geklettert. Alte Ritualplätze versuchte ich auch aufzusuchen, es war nicht immer leicht, sie zu finden, denn ich hatte wenig Wegbeschreibungen zur Verfügung. In England ist das etwas leichter, dort sind die Ritualstätten viel bekannter als in Deutschland. Man kann teilweise mit dem Bus dorthin fahren, oder, wie ich es oft machte, trampen."
Sie studierte englische und französische Literatur. Ihre Bücher überzeugen durch ein reichhaltiges Detailwissen, sowohl die historischen als auch die kulturtypischen Elemente betreffend. "Brunhild ist zu Beginn des Buches die interessantere Figur. Gudrun leidet zur selben Zeit unter ihrer Mutter Grimhild, die sie sehr bedrängt. Grimhild ist sowohl Königin als auch Hexe. Im zweiten Teil des Buches verliert Grimhild mehr und mehr von ihrer Macht, weil sie in der Rolle der Königin gefangen ist. Ihre Kräfte gehen auf Gudrun über. Sobald diese in Berührung mit Magie kommt, wird es wieder interessant, über ihr Leben in Bezug auf den höfischen Alltag zu berichten.", meint Diana L. Paxson.
"Geschichtsbücher sind in der Regel aus männlicher Sicht geschrieben. Wir erfahren alles darüber, was Könige taten. Frauen und ihre Aufgaben werden nur am Rande erwähnt. Dabei war es oft eine Frau mit einem gewissen Einfluß, wie beispielsweise eine Königin oder die Mutter eines Regenten, die im Grunde die Fäden im Hintergrund zog. Mit Blick auf das spirituelle Erbe der Frauen müssen wir uns zurückbewegen - in die Phase, bevor das Christentum seinen Einzug hielt und sich die Dinge spirituell veränderten. Wenn wir uns beispielsweise die germanischen und keltischen Traditionen ansehen, ist es offensichtlich, daß Frauen eine sehr starke Position und entsprechenden Einfluß hatten. Mein Interesse als Amerikanerin und somit Teil einer Nation, die aus Einwanderern entstand, war nun, auch das Thema der Emigration in "Die Töchter der Nibelungen" mit einfließen zu lassen. Die Burgunder erreichten beispielsweise den Rhein als Emigranten und mußten nun versuchen, sich mit den römischen Besatzern zu arrangieren. Ich beschäftigte mich zwar mit den Problemen der Frauen zu dieser Zeit, aber ich versuche, dabei nicht zu vergessen, dies in einen Kontext mit der Kultur und den sozialen Umständen zu setzen, in denen sie lebten. Ich nehme an, daß andere Autorinnen ähnliche Gründe haben, sich mit historischen Studien zu befassen.
In den frühen Hochkulturen hatten Frauen mit heilenden oder magischen Kräften ein sehr hohes Ansehen. Sie waren nicht die kleine alte Hexe, die in einem heruntergekommenen Häuschen am Ende des Dorfes lebte und nur heimlich aufgesucht wurde. Vor einiger Zeit fand man in Rußland beispielsweise Beweise dafür, daß Frauen in alter Zeit nicht nur die spirituellen Anführerinnen waren, sondern auch in den Krieg zogen. Sie erhielten reich ausgestattete Grabstätten, und die Grabbeigaben zeugten von ihren spirituellen und auch kriegerischen Aufgaben." erzählt die Autorin zu ihren Erfahrungen.
Zu ihren Charakteren erläutert sie: "Aus der Stammtafel der Walsungen kann man ablesen, daß Sigi, Wodans Sohn und Stammhalter der Walsungen, "Wolfskopf" genannt wurde, und daß dessen Totem der Wolf war. Sigmund konnte seine Gestalt wandeln, und diese Fähigkeit ging dann auch auf seinen Sohn Sigfrid über. Der interessante Aspekt für mich, ausgerechnet den Wolf zu wählen, war, daß diese Tiere ein sehr soziales Verhalten haben und in einem Familienverband im Rudel leben.
Brunhild wird im Verlaufe ihrer Ausbildung zur Walküre die Rabenpriesterin. Der Rabe wurde sehr häufig als Symbol für die Walküren verwendet. Für mich war es wichtig, daß jede der Walküren ihr eigenes Totem hat. Brunhilds Lehrerin Huld beispielsweise hat eine Wildkatze als Totemtier. Auch während der Initiationszeremonie trägt jede der Walküren eine Robe, die ihr jeweiliges Tier zeigt.
Ich habe auch versucht, in meinem Buch den Todesaspekt, den die Walküren in den Mythen haben, mit dem zu verbinden, was sie sonst noch taten und wußten. Im Buch gibt es auch Szenen, die sich mit der Begleitung eines Kriegers in den Tod auseinandersetzen. Während ihrer Schlacht begleitet Brunhild einen Sterbenden bis hinein in Wodans Reich, was für sie selbst mit einer enormen Kraftanstrengung verbunden ist. Diese Magie auf dem Schlachtfeld nimmt einen großen Teil der spirituellen Tradition ein, die Walküren erlernen mußten."
In den späten sechziger Jahren gründete sie eine Gruppe, die sich mit Kulturen aus der vorchristlichen Zeit bis hin zum Mittelalter und deren Lebensweisen beschäftigte. Aus dieser Gruppe wurde im Laufe der Jahre eine Organisation, die sich ernsthaft dafür einsetzt, alte und längst vergessene Kulturtechniken wieder aufleben zu lassen. Viel Unterstützung bekam Diana L. Paxson dabei von Marion Zimmer Bradley. Die beiden Frauen verbindet nicht nur die Leidenschaft fürs Schreiben, beide arbeiten im "Darkmoon Circle" zusammen und leben nahe beieinander. "Wir feiern die Feste, die sich über das gesamte Jahr verteilen, gemeinsam. Zusammen machen wir Rituale, um neue Kraft und Energie zu schöpfen, und ähnliches. Manchmal haben wir bei unseren Treffen mehr als dreißig Teilnehmer", erzählt Diana Paxson.
Neben dieser Gruppe engagierte sich Diana L. Paxson jahrelang sehr stark in der Organisation "The Covenant of the Goddess". Als erste Vorsitzende setzte sie sich mit ihren Mitarbeitern für diejenigen ein, die durch ihre heidnische Lebensweise und -auffassung im Alltag Probleme bekamen. Sie erzählt dazu: "Es geht dabei unter anderem um den Austausch mit heidnischen Gruppen im ganzen Land und darüber hinaus. Wir haben beispielsweise auch Mitglieder aus Großbritannien. Wir tauschen uns ständig aus. Manchmal erbitten nationale Organisationen unsere Unterstützung, wenn es Probleme mit der Legalität gibt. Beispielsweise ist es häufig so, daß bei einer Scheidung die Männer das volle Sorgerecht für die Kinder haben möchten, weil die Mutter praktizierende Hexe ist und sie diesen Umstand dann für sich nutzen wollen. In solchen Fällen treten wir dann für die Mutter ein und stellen klar, daß Wicca eine Form heidnischer Religion ist und als solche auch genau wie jede andere Religion anerkannt werden sollte.
Für mich selbst würde ich als allumfassenden Begriff Hexe wählen, da er eigentlich alles mit einbezieht. Es hängt aber davon ab, was ich gerade mache. Wenn ich mit dem "Darkmoon Circle" arbeite, bin ich eine Priesterin. Wenn man in San Francisco und Umgebung lebt, dann ist es nicht nur möglich, eine alternative Religion zu leben, sondern dort können auch verschiedene alternative Richtungen nebeneinander oder gleichzeitig ausgeübt werden. Beispielsweise ist "Darkmoon Circle", meine spirituelle Gruppe, ein Teil einer Vereinigung mit dem Namen "The Fellowship of the Spiral Path". Darin haben sich verschiedene kleine Gruppen aus Nordkalifornien zusammengeschlossen. Es gibt Gruppen, die sich ausschließlich auf weiblicheSpiritualität spezialisiert haben, andere konzentrieren sich mehr auf heidnische Religion. Obwohl jede Gruppe für sich arbeitet, sind sie doch durch diese Organisation miteinander verknüpft. Wenn ich mich für "Covenant of the Goddess" engagiere, dann bin ich eine Heidin. Es hängt immer davon ab, was ich mache", meint Diana Paxson.
Da sie selbst die keltische Harfe spielt, lag es nahe, daß sie auch ihre Liedtexte vertonte. Gemeinsam mit einer Gruppe aus Berkeley nahm sie eine Kassette auf, das sie als "eine Art Soundtrack zu den ersten drei Büchern des "Westria-Zyklus" beschreibt. "Wir haben das richtig professionell aufgenommen, und ich möchte auch gerne die Musik für den Rest des Zyklus einspielen. In allen meinen Büchern sind Liedtexte enthalten, und natürlich gibt es dazu auch traditionelle Melodien".
Quelle: "Disclaimer and Community Standards" Barnes and Noble; Esotera 3/98
Bibliographie:
Zyklus "Westria" "Die Juwelen von
Westria"
Tochter des Licht("Lady of Light")
Zyklus "Töchter der Nibelungen" " "Die Töchter der Nibelungen",
Lübbe,
HC ISBN
3-7857-0892-0 Gesamtausgabe!
"Brunhilds
Lied"
TB.
Bastei-Lübbe
"Sigfrids
Tod" TB.
Bastei-Lübbe "Gudruns
Rache"
TB, Bastei-Lübbe ISBN
3-404-20394-1 Zyklus "Die Heilige Insel" (Arthor-Zyklus)
Kurzgeschichten:
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