Eigentlich sollte es ja ein richtiges Tagebuch werden. Jetzt wird es nur eine kleine Zusammenfassung meiner Eindrücke und der Erfahrungen, die ich in den letzten vier Wochen sammeln konnte. Wenn ich zurück blicke, merke ich, das es gar nicht einmal so einfach ist etwas zusammenfassend darstellen zu können. Zu unterschiedlich ist die Auffassung etwas gut und richtig zu machen, zu verschieden die Meinungen wie man in diesem durch die Flutkatastrophe geschundenen Land effektive Hilfe leisten kann. Ich habe mir eben gedacht, das Hilfe zur Selbsthilfe wohl der beste Weg ist.
Den Anfang selber suchen.....
Eigentlich weiß man gar nicht so richtig, wo man mit einer Hilfeleistung anfangen oder aufhören soll. Das ist sehr schwer einzuschätzen. Also schaut man sich erst mal um....
Bin mit meinem Freund Mohamed die Küste hoch und runter gefahren. Einerseits um ein Blutdruckmessgerät bei einem deutschen Ärzteteam, welche mit der Versorgung der Verletzten beim Bahnunglück vor Hikkaduwa beschäftigt waren zu übergeben, andererseits um noch andere mitgebrachte Spenden bei den richtigen Adressen abzuliefern. Das ist gar nicht einmal so einfach, wenn die genaue Postanschrift fehlt. Jeder heißt dann auf einmal de Silva oder Nehal und man kommt kaum darum sich den Ausweis zeigen zu lassen, wenn man die Leute nicht persönlich kennt. Klar möchte jeder etwas von dem für sie doch erheblich großen finanziellen Kuchen abbekommen und man kann es ihnen nicht einmal verübeln. Wenigstens einige Versuche davon waren erfolgreich und ich habe ganz nette Menschen kennen gelernt. Also fährt man die Küste ab und schaut sich die Menschen an, die immer noch in den Trümmern wühlen.
An einer Stelle in Kosgoda habe ich dann angehalten und mich dank meines Dolmetschers Mohamed ein wenig unterhalten. Ihr Haus hat es weg gefegt, ist fast komplett zerstört und der kleine Verkaufsladen, den sie besaßen hat es bis auf die Grundmauern weg gespült. Ringsherum nur Trümmer. Irgendwie hat mich die ganze Aktivität mit der sie versuchten sich alles wieder neu aufzubauen beeindruckt.
Also habe ich das zu meinem kleinen Projekt auserkoren. Ein neuer Laden mußte ran. Aus Stein wäre auch für meine finanziellen Verhältnisse zu teuer geworden. Aber aus Holz zu bauen. Das ist machbar.....
Erst mal 5000 Rupees für den Anfang gesponsert mit dem Versprechen wieder zu kommen wenn ich sehe, das etwas sinnvolles mit dem Geld passiert.....
Wo sind die großen Hilfsorganisationen????
Natürlich wäre es auch interessant zu sehen was andere Hilfsorganisationen dort vor Ort leisten. Um so enttäuschter ist man dann natürlich wenn man sieht, das in der Hinsicht so gut wie gar nichts passiert. In der ganzen Zeit habe ich lediglich einige Landrover mit wichtigen Namen wie Caritas und anderen durch die Gegend heizen sehen. Erkennbare Hilfe war jedoch so gut wie gar nicht feststellbar. Viele kleinere Organisationen verteilen fast nur Schecks im blinden Vertrauen das ihr Geld von irgendwelchen Mönchen, Pastoren, Bürgermeistern oder sonstewas auch sinnvoll eingesetzt wird und verschwinden dann wieder. Das es so gut wie sicher ist, das fast jeder in irgendwelchen Führungspositionen auch korrupt ist um sich an der Macht zu halten, wird weitestgehend verdrängt oder gar nicht erst zur Kenntnis genommen. Dieses Phänomen ist aber nicht nur in Sri Lanka zu beobachten.
Andere Hilfsorganisationen beschränken sich auf die Verteilung von Spendengeldern an bestimmte ethnische Gruppen. So bekommen Buddhisten oder christliche Glaubenseinrichtungen fast immer den Vorrang. An die moslemische Minderheit wird so gut wie gar nicht gedacht. Ich habe in Beruwela fast direkt neben einem Flüchtlingslager gewohnt. Geplant für 49 Familien die alles verloren hatten. In der ganzen Zeit gab es eine einzige Delegation aus Saudi-Arabien und ein paar private Spender, die sich für das Elend dort überhaupt interessierten. Auch bei meiner neu auserkorenen Familie aus Kosgoda hat sich in der ganzen langen Zeit wie ich da war nicht ein einziger drum gekümmert. Und das, obwohl sie nun schon direkt an der Straße in Richtung Galle wohnen und sie kaum zu übersehen sind. Alle rasten nur an ihnen vorbei, ohne auch nur einmal anzuhalten. Ein paar Tage bevor ich wieder gefahren bin, hat das Rote Kreuz aus Sri Lanka ihnen ein Zelt hin gestellt. Eine Wahnsinnsleistung wie ich meine....
Wer kennt auch schon Kosgoda? Die meisten balgen sich in rennomierten Städten wie Galle oder Hikkaduwa um Partnerschaften für Schulen und Waisenhäuser. Eben Ortschaften, wo der Name oft genug durch die Presse gegeistert ist. Alles andere wäre anscheinend auch zu uninteressant und nicht medienwirksam genug.
Zeltstädte
Erstaunt war ich über die Masse an aufgestellten Zelten. Auch dabei hat man nicht bedacht, das die Innentemperaturen bei sonst ohnehin schon über 30 Grad bestenfalls einen Hitzekoller auslösen, die Zelte jedoch weniger zum wohnen gedacht sein können. Also hat man sie überwiegend zur Lagerung von Baumaterial genommen. Am besten ist es dann natürlich noch, wenn man die geschmackvolle Farbe dunkelblau wählt. Dort dürfte der Hitzestau auch mit am höchsten sein. Warum hat man nicht gleich schwarz genommen? So werde ich euch in einigen Tagen etliche Bilder von ganzen leer stehenden Zeltstädten zeigen können, wo kein Mensch drin wohnt. Ein paar Hunde tummeln sich noch ab und an dort und einige Kühe suchen ein bißchen Schatten. Das wars aber auch schon...
Wer ein bißchen abgezockt ist, der hält es aber auch dort drin aus. Immer wenn ein paar Touristen oder andere vorbei kommen, weist man auf ein Zelt, erzählt das er alles verloren hat, jetzt dort hausen muß und hält die Hand auf. Das funktioniert auch meistens. Spätestens nach Einbruch der Dunkelheit geht man dann einfach zu seiner Familie. Wer will es ihnen verübeln? Mütter mit kleinen Kindern auf dem Arm tummeln sich in der heißen Sonne und erzählen jedem Bleichgesicht wie grausam der Tsunami war und wie viele Menschen sie verloren haben. Im Angesicht des Mitleides finanzieren sehr viele fleißige Spender schon mal ganz schnell ein neues Haus, das vielleicht diese junge Mutter mit Kind vorher niemals besessen hat.
Mich hat das ein wenig an osteuropäische Frauen hier in Berlin erinnert, welche in klirrender Kälte mit einem Kind auf dem Arm auf Treppenstufen von U-Bahnhöfen sitzen um jedem zu erzählen wie hungrig sie sind. Abends kommt dann der Mann mit gestyltem Mercedes vorbei, kassiert das Geld und kutschiert sie wieder nach Hause. Genau das gleiche ist es dort auch. Nur das die Temperaturen andere sind. Leider scheint der Blick von sehr vielen Spendern in der Hinsicht doch sehr getrübt zu sein....
Das ist auch ein Aspekt, den man nicht berücksichtigt hat, weil man zu sehr in europäischen Normen denkt. Jede Familie dort ist riesengroß. Wenn einer sein Haus verloren hat, so zieht er eben zu seiner Verwandtschaft und man rückt ein wenig enger zusammen. Zelte oder Holzhäuser für Wohnzwecke hat man dort so gut wie gar nicht nötig und wenn, dann nutzt man diese nur für einen kurzen Übergang.
Ein wenig anders ist es in richtigen Flüchtlingscamps wo es ganze Dörfer weg gespült hat. Dort haben dann aber auch alle alles verloren. Gerade in der Anfangszeit gab es ein gravierendes Ernährungs- sowie Trinkwasserproblem und eine Familie mußte wöchentlich mit 375 Rupees auskommen. Das sind umgerechnet etwa 3 Euros. In der Hinsicht hat sich die Lage in den letzten Wochen aber schon ein wenig entspannt.
Bebauungszone
Sehr schwerwiegend ist das Problem mit der jetzigen Bebauungszone. Demnach dürfen außer Hotels und Häusern ausländischer Besitzer keine Wohnbauten mehr unterhalb der 100 Meter - Grenze entstehen. Im Ostteil der Insel sind es sogar 200 Meter. Eine richtig festgelegte Norm gibt es aber immer noch nicht und viele Menschen sind deswegen sehr verunsichert. Das gleiche ist es mit der Höhe der Entschädigung für verlorenes Wohneigentum. Nach dem letzten Stand bekommen nur die Besitzer von komplett zerstörten Häusern eine finanzielle Entschädigung. Wo noch etwas stehen geblieben ist, bleibt diese jedoch vorerst aus.
Eigeninitiative mit viel Spaß dabei...
Also habe ich eben mal hier ein bißchen Geld für ein paar Sack Zement, da für ein paar Steine und dort für ein neues Fenster dazu gegeben. Besonders schön war es immer, wenn man richtig zusehen konnte wie von diesem Geld auch etwas passiert. Die Maurer haben sich immer gefreut, wenn ich sie mal wieder besuchen kam. Die Begrüßung war immer ein fröhliches Salami!!!! Salami!!!! In der Hinsicht konnten sie meinen Humor absolut teilen. Das Wort Tsunami hing auch schon vielen zum Halse raus und man versuchte auf die witzige Art über alles schlimme was passiert ist hinweg zu kommen.
Und fotografieren mußte ich immer. Das war für sie ganz wichtig. So konnte ich ihnen mit der Digitalkamera immer dokumentieren was sie in den einzelnen Tagen alles so geschafft haben. Da waren sie schon ganz schön stolz, als sie das bildlich fest gehalten so gesehen haben.
Manchmal bin ich selber überrascht, mit wie wenig Geld man doch so viel erreichen kann. Mein kleiner Verkaufsladen aus Holz in Kosgoda wächst und gedeiht. Ein anderer bekam seine Erstausstattung und verkauft jetzt wieder Obst. Es war schon rührend, als mir abends ein paar Bananen und eine Papaya ( die esse ich doch so gerne ) von dort geschenkt wurden. So als Dankeschön. Dabei wollte ich mir doch gar nichts schenken lassen. Am allerschönsten ist es immer glückliche Augen zu sehen. Auch die paar Sack Zement welche ich mit finanziert habe tragen Früchte. Jeden Tag kann ich mir keine 100 Meter vom Guesthouse entfernt mit ansehen wie ein neues zu Hause damit entsteht. Es liegt so vieles noch in Trümmern, aber der Wille alles wieder aufzubauen, der ist da. Genauso wollte ich es sehen. Hilfe zur Selbsthilfe.....
Falsche Ansatzpunkte der versuchten Hilfe
Ich finde und fand es schon immer, das es der falsche Weg ist, mit der Schippe in der Hand den Strand Sri Lankas alleine umgraben zu müssen. Es gibt durch die Katastrophe so viele Arbeitslose. Warum sollte ich ihnen auch noch ihren Job wegnehmen? Zum einen finde ich, das es für die Einheimischen rein psychisch nur noch demotivierender ist, wenn man in seinem Helfereifer versucht alles alleine zu machen. Zum anderen habe ich den Eindruck, das sie es auch gar nicht wollen. Lieber lassen sie sich bei der Arbeit zusehen. Das macht beiden Seiten Spaß. Viele werden jetzt wieder sagen, das der weiße Massa im Stuhl sitzt und glotzt und sie malochen müssen. Ja, so ist es. Aber auch weil sie es so wollen. Man kommt nicht umhin sich an das Kastendenken zu gewöhnen. Dieses gibt es bei der moslemischen Bevölkerung zwar nicht in so ausgeprägter Form, ist aber auch vorhanden. Wer verliert schon gerne sein Gesicht???? Da kann man es noch so gut gemeint haben. Von all diesen europäischen Maßstäben sollte man wirklich runter kommen. Also habe ich lieber im Stuhl gesessen und zugeguckt was sie leisten. Da bin ich ganz ehrlich und ein schlechtes Gewissen hatte ich dabei nicht....
Sinnvoll organisieren ist das größte Problem
Organisieren um zu fragen woran es noch fehlt und Präsenz, das auch was mit dem Geld passiert, halte ich für viel wichtiger. Ohne dem kann man schon im Vorfeld davon ausgehen, das es in dubiosen Quellen versickert und gar nichts davon zustande gebracht wird. All das haben viele kleine Hilfsorganisationen die durchs Land düsen nicht bedacht. Deswegen waren sie auch kaum zu sehen. Eine Woche Sri Lanka um Spendengelder abzuliefern reichen ganz einfach nicht aus um die Kontrolle darüber zu behalten. Da können es noch so vertrauensvolle Personen sein, denen man sie übergeben hat. In erster Linie wird immer in die eigene Tasche gewirtschaftet werden, wenn man nicht daneben sitzt. Das sieht man dort als Selbstverständnis an, ohne sich schuldig zu fühlen und das ist es auch, was man kaum versteht.
Ich fand es schon eher belustigend, als ich vor meiner Abreise sah, wie im Fernsehen Bilder übertragen wurden, wie Vertreter verschiedenster Hilfsorganisationen medienwirksam Schecks überreicht haben. Und wieder hat man überwiegend ein privates Konto saniert....
Fazit
Während meines vierwöchigen Aufenthaltes vermochte ich trotz der täglichen Fahrerei nicht festzustellen das auch erkennbare Ergebnisse erzielt wurden. Die Zeit der Töpfe, Pfannen, Bekleidungs- und Medikamentenverteilung ist ganz einfach vorbei. Das haben sehr viele offensichtlich noch nicht begriffen. Den Siedlungsbau, welcher in und mit der "Reisespinne" praktiziert wurde ( siehe auch den Link dorthin ) finde ich gut. Auch dort hat man gesehen, das die von vielen Nationen sinnlos in die Landschaft geklatschten Zelte nicht das Non plus Ultra sein können. Aber das habe ich ja bereits kritisiert. Sehr viele andere Hilfsaktionen erachte ich als absoluten Blödsinn. Jetzt noch Container voll zu laden erst recht. Offensichtlich hat man es immer noch nicht begriffen wie hoch die Kosten bei der Entladung sein werden, wie viel davon einkassiert wird und wie schwer es werden wird all die Sachspenden sinnvoll zu verteilen.
Dort eingekaufte Sachen kurbeln erstens die Wirtschaft an und zweitens sind sie wenigstens landestypisch. Medikamente mit Gebrauchsanweisungen in deutscher Sprache helfen keinem weiter und können nur noch mehr Schaden anrichten. Für das Geld, welches alleine die Entladung kostet, könnte man schon etlichen Familien eine neue Existenz schaffen. Entrümpelungsaktionen aus deutschen Landen, wo man am besten noch seine alte Stehlampe mit Schukostecker versehen kostengünstig entsorgen will belustigen mich eher, als das ich so etwas ernst nehmen kann. Ist der ganze Schrott erst einmal dort und keiner kann es gebrauchen, so wird er verbrannt oder ins Meer gekippt. Richtige Müllverbrennungsanlagen gibt es dort kaum. Auch das ist ein ein Aspekt, der kaum bedacht wird. Was nützen tonnenweise Bekleidung, wo man sich doch an seine zwei T-Shirts gewöhnt hat und so etwas wie Kleiderschrank ein Fremdwort ist???? Matrazen werden heran gekarrt, wo man nie eine besessen hat und doch gerne auf der nackten Erde schläft, weil es so ein bißchen kühler ist.
Da wäre es das gleiche, wenn man mir für meinen "Urlaub" ein Federbett gesponsert hätte. Den würde ich achtkantig um die Ecke jagen. Das ist ja schon auferzwungene Folter. Schon ein Bettlaken zum zudecken ist fast zu viel. Es wurden LKW-weise Pullover heran gekarrt. So mancher Fischer hat sich dazu gefreut. Nachts ist es auf dem Meer doch ein bißchen kühl. Aber richtig gebraucht hat sie niemand. Es ging sonst ja auch ohne. Vieles war so lieb gemeint und ist doch absolut sinnlos.
All das sollte man bedenken, wenn man versucht Hilfsaktionen ins Leben zu rufen. Das einzige, was die Menschen jetzt brauchen ist Arbeit, Arbeit und nochmals Arbeit. Davon gibt es genug. Aber auch Arbeit die bezahlt wird. Also bezahlt sie dafür. Das ist sinnvoller als eine Autoladung an versuchten Hilfsgütern abzukippen. Ein Maurer verdient am Tag nicht mehr als 300-400 Rupees. Das sind im Schnitt etwa 3 Euro täglich. Kauft ihm für seinen Job vernünftiges Werkzeug (das gibt es dort auch) und er wird euch ewig dankbar sein. Was gerade dabei auffallend ist.... es fehlt an Leitern. Das mühsame auf- und abbauen der wackligen Holzgestelle, welches sehr viel Zeit kostet, kann man sich gar nicht mit ansehen. Damit könnt ihr jedem Handwerker einen großen Gefallen tun. Eigentlich sind das alles für uns Kleinigkeiten, nur bringen die im Moment den Wiederaufbau schneller voran als sinnlose Kleideraktionen.
Ach so, zückt nicht nur euer Sparbuch für all die Hotelangestellten und Beachboys, sondern kümmert euch auch mal um das Leben der kleinen Fischer, Reisbauern und Handwerker, die den größten Anteil am Wiederaufbau zu leisten haben. Ein Beachboy hat noch nie in seinem Leben richtig gearbeitet außer um Touristen abzuzocken. Dazu sind sie ja da. Ist jemand über die Funktion anderer Meinung? Ich komme auch ganz gut ohne dem klar.
Hotelangestellte haben am 26.12. die Quartiere der Touristen geplündert, die in Panik geflohen sind. Deswegen hatten im nachhinein auch so wenige noch einen Reisepaß und absolute Schwierigkeiten bei der Ausreise. Paß, Schmuck, Geld....alles weg. Das war aber nicht der Tsunami und keine Plünderer vom anderen Stern. Das waren die Menschen für die man jetzt riesengroße Hilfsaktionen ins Leben ruft. Ich weiß wie bitter weh das tut so etwas zu erwähnen. Nur ist es einfach eine Tatsache die man nicht aus der Welt reden kann.
Die schlimmen Seiten der Naturkatastrophe
Es ist eine Tatsache, das bei fast allen Toten vom Zugunglück in der Nähe von Hikkaduwa, wo fast 2000 Menschen starben, bei fast keinem noch eine Rupee gefunden wurde. Es ist eine Tatsache, das vielen die Finger und andere Extremitäten ganz einfach abgeschnitten wurden um den Schmuck zu klauen. Sie haben stundenlang geschrien und keiner konnte ihnen helfen.....
Die Mühe, Ringe einfach abzuziehen hat man sich nicht gemacht. Es ist eine Tatsache das am 26. Dezember ganz viele Helfer einige Menschen aus dem Wasser geborgen haben und sie notdürftig versorgten. Es ist auch eine Tatsache, das es zu der Zeit und im selben Atemzug viele Plünderer gab, die diesen Opfern die Halsketten und anderen Schmuck abrissen und sie wieder ins Wasser zurück geschmissen haben. Dort sind sie dann ertrunken. Es ist eine Tatsache, das durch all das viele Menschen sterben mußten, die man mehr tot als lebendig in die Lagunen geworfen hat oder notdürftig verscharrte. Tsunamiopfer eben.....
Die tägliche Post....
Täglich erreichen oder erreichten mich Mails um mich mal zu erkundigen wie es dem einen oder dem anderen geht, ob das Haus, oder dieses und jenes Hotel noch steht. Sehr vieles war gar nicht einmal so weit entfernt von Beruwela. Kilometermäßig. Da kann man schon mal nachschauen. Wenn man aber erst einmal dabei ist, so wird man ganz schnell feststellen wie kurz ein Tag ist. 30 Kilometer können bei den Straßenverhältnissen und dem Verkehrschaos einen halben Tag kosten. Hinzu kommt noch, das sehr viele Fragesteller nicht einmal die genaue Adresse wissen. Da ist es schon für Einheimische sehr schwer, diese trotz sehr viel Fragerei noch in Erfahrung zu bringen. Für einen "normalen" deutschen Touristen so gut we unmöglich. Ganz schnell ist dann ein Tag um.
Negative Aspekte...
Nicht nur in der "Reisespinne" ist sehr oft zu lesen, wie viele fleißige Spender sich ausgenutzt gefühlt haben. Da wurden Gelder geschickt mit der Bitte diese doch auch weiter zu leiten. Sehr oft kam nichts oder nur sehr wenig davon bei der richtigen Adresse an. Auch dabei hat man nicht das System des Kastendenkens bedacht. Wenn man einem singhalesischen Reiseleiter, den man irgendwann mal im Urlaub kennen gelernt hat, Geld zukommen läßt mit der Bitte auch dem Fahrer den gleichen Anteil zu geben, wird man sehr schnell feststellen, das dieses prozentual aufgeteilt wird und dieser nur einen Bruchteil dessen erhalten wird.
Dafür gibt es einen ganz einfachen Grund. Der Fahrer selber ist eine Kaste tiefer angesiedelt. Meistens darf er noch nicht einmal die Hotels von überwiegend ausländischen Gästen betreten oder darf auch nicht das Innenleben von Flughäfen bewundern. Das läßt sein gesellschaftlicher Stand nicht zu. Ein rennomierter anerkannter Reiseleiter darf das und ist letzten Endes der Chef. Warum sollte er seinen Angestellten das gleiche Geld an Spendengeldern geben, als das was er selber bekommt?
Das wird er gar nicht einsehen. Aus dem Grunde hat auch so einiges gar nichts mit absoluter Abzocke zu tun, sondern beruht einzig und allein auf dem gesellschaftlichen Status, den man besitzt. Auch dieses sollte man bei Geldüberweisungen nach dem Verteilprinzip in versucht europäischen Normen bedenken.
Mißtrauen
Mißtrauen entsteht immer dann, wenn man nicht weiß, was wann mit seinem Geld oder geleisteten Sachspenden passiert. Aus dem Grunde kann ich nur empfehlen alles selber in die Hand zu nehmen und sich auf nichts und niemanden zu verlassen. Wie lange kennt man denn die meisten seiner "Freunde" ? Von einem Urlaub, wo man mal einem Beachboy ein bißchen Schmuck, einen Sari oder eine Ledertasche abgekauft hat? Einen Hotelangestellten der ihn/sie in den schönsten Wochen des Jahres tagtäglich bediente? Viel weiter läuft die "Freundschaft" meistens nicht hinaus. Bei Pauschal-oder Neckermann - Reisenden meistens noch weniger, als von Rucksacktouristen, die ein bißchen versucht haben Land und Leute richtig kennen zu lernen. Das jetzt die vorher doch ein wenig privilegierteren mit vielen Touristenkontakten die Gunst der Stunde nutzen um ihr umfangreiches Adreßbuch zu zücken um Bettelmails in alle Teile der Welt zu verschicken, kann man niemandem verübeln.
Internet, Handy oder der normale Postweg funktionieren, trotzdem man alles verloren hat, in der Hinsicht meistens wunderbar. Alleine über das Phänomen sollten sich so einige Gedanken machen, bevor man einen Scheck ausstellt. Meistens geht es da ja auch um richtige Summen, wo man sogar noch als Europäer ganz weiche Knie bekommt. Von nur 2000€ als mittelmäßige Spendensumme ( ich gehe mal von meinem Beispiel aus ) könnte eine Familie in Sri Lanka bei einem Durchschnittsverdienst von ca. 60€ fast drei Jahre leben. Warum sollte man dann noch arbeiten gehen, wenn man das so geschenkt bekommt? Vielleicht bezahlt der Staat ja doch noch das Häuschen oder beteiligt sich an der Finanzierung eines neuen Fischerbootes und man hat das Geld obendrauf. Töpfe, Pfannen und anderes muß man sich im Falle einer Naturkatastrophe bei mangelndem Versicherungsschutz auch in hiesigen Landen neu besorgen. Eine Hilfe auf dem Wege wird deshalb auch hier kaum zu erwarten sein.
Habe ich euch jetzt verunsichert? Das wollte ich nicht, sondern lediglich begreiflich machen, das die Menschen dort nichts anderes als Arbeit brauchen um sich selber ernähren zu können. Also denke ich, das der Weg der Hilfe zur Selbsthilfe nicht der verkehrteste ist. Es bringt gar nichts zu versuchen in Flüchtlingscamps die Menschen weiterhin "künstlich" zu ernähren. Dann wird man sich so schnell daran gewöhnen, das niemand mehr auf den Gedanken kommen wird, sich überhaupt noch etwas mit den eigenen Händen zu erarbeiten.
Versucht ihnen eine Grundexistenz zu schaffen wo sie sich am Wiederaufbau mit integrieren können und versucht gar nicht erst alles alleine machen zu wollen. Es sind keine unmündigen Kinder und wissen selber am besten was benötigt wird. Da muß man sich gar nicht einmischen und sollte lediglich eine kleine Kontrollfunktion übernehmen ob Spendengelder wirklich sinnvoll angelegt werden. Ansonsten wird eben rigoros gestrichen. Die ganze Mitleidsschiene bringt so gut wie gar nichts und ist nicht einmal erwünscht, wenn man sich schon ehrlich selber vorgenommen hat wieder auf die Beine zu kommen. Den größten Gefallen werdet ihr ihnen und euch damit tun, wenn ihr einfach zuseht wie etwas entsteht. Selber mit Hand anlegen halte ich für den falschen Weg. Aber das muß jeder für sich entscheiden.
Der Name "Sir" wurde nicht umsonst geprägt. Er beinhaltet auch, das sich der "Sir" nicht handwerklich um Dinge kümmert, die seinem Stand nicht entsprechen. Sonst wird man sehr schnell sein Gesicht dort verlieren und wird einzig und allein als ausländische Melkkuh benutzt. Von den kleinen Gedanken, die sich dabei im Kopf abspielen versuche ich auch noch zu berichten.
Verunsicherung
Verunsichert wird man immer dann, wenn im fernen Deutschland die Informationen ausbleiben, was denn nun mit seinen Spendengeldern passiert ist. Das Recht dazu hat ja auch jeder. Heute habe ich den halben Tag im Internet verbracht, um die Hilfsleistungen von großen wie auch kleinen Organisationen auch für mich ein wenig transparenter zu machen. Das ist mir leider nicht so gelungen wie ich es mir vorgestellt habe. Überall ist man angeblich am organisieren und was noch auffälliger ist, am Verteilen von Aufgaben an nationale Hilfsvereine. In meinen Augen wird ganz einfach die Verantwortung, die man doch selber übertragen bekommen hat, abgegeben, ohne auch nur die geringste Kontrollfunktion zu übernehmen. Irgendwann wird es aus Sri Lanka einen Erfolgsbericht geben, man wird in die Hände klatschen und sich freuen wie toll doch alles gelaufen ist.
Sehr viele Spender sind aber mit diesem Werdegang absolut nicht einverstanden und möchten schon nähere Informationen haben. Nicht einmal die großen Organisationen schaffen es ein paar News auf ihre Internetseiten zu packen. Und wenn, dann sind diese völlig veraltet. Das aktuellste was ich so sah, stammte von Ende Februar 2005. Es ist auch beachtlich oder schon fast belustigend mit welcher Sicherheit die Preise für neu zu entstehende Projekte berechnet werden. So gibt es auf dieser Seite in Kopplung mit dem Malteser Hilfsdienst folgende Schätzungen:
Erste Kostenschätzungen:
10.000 -15.000 Euro pro Haus
1.000 Euro pro kleinem Fischerboot
40.000 Euro pro großem Fischerboot
5.000 Euro pro Brunnen
.......
- Bau von Häusern für Familien (3 Zimmer, Küche, Bad mit
Tank im Haus) in Zusammenarbeit mit den Familien
Sorry, aber bei solchen Zahlen sträuben sich nun wirklich meine letzten Haare. Alleine das zeigt mir schon auf, mit welcher Unwissenheit über das Preisniveau man an die ganze Sache heran geht. 10 000 - 15 000€ für ein Haus ???? Landestypische und althergebrachte Häuser kosten im halbwegs solidem Baustil nicht mehr als 2000 - 3000€. Will man Nobelvillen für Flutopfer errichten ??? Das kann man gerne für den Preis machen. Nur ist der Neid und die Mißgunst der Nachbarn jetzt schon mal vorprogrammiert.
Woooow, drei Zimmer, Küche, Bad. Das nimmt ja schon Ausmaße an, wovon so manche deutsche Familie noch träumt. Familien mit 8 Personen sind es in der Regel gewohnt in einem Zimmer und einer Küche zu leben. Bringt man auf Grund mangelnder Recherche europäische Normen mit ins Spiel ??? Dann nenne ich das ein Armutszeugnis.....
40 000€ für ein großes Fischerboot ???? Was ist ein großes Fischerboot ???? Überwiegend gibt es Catamarane oder Glasfiberboote mit Außenbordmotor. Mit Catamaranen kann man jetzt nicht mehr sonderlich viel anfangen, da die meisten Fischgründe unweit der Küste durch die Flutwelle zerstört wurden. Ebenso wie die meisten Korallenriffe. Also bleiben überwiegend Glasfiberboote mit einem am besten 30 PS Außenbordmotor.
Dabei kostet der Motor in etwa 1500 - 2000€ und das Boot noch einmal 1000€. Alles in allem für etwa 3000€ zu haben . Aber wie kommt man auf 40 000€ ??? Meint man damit die großen, alten, lahmen Holzkähne, die bestenfalls dazu geeignet sind ein paar Netze auszulegen ??? Zum Hochseeangeln sind sie wegen ihrer Schwerfälligkeit ungeeignet. Auch diese kosten nicht das Geld....
Und was will man mit den 1000€ für ein kleines Fischerboot ??? Ein paar Bretter kaufen ????
Ja, bei solchen Zahlen eigentlich rennomierter Hilfsorganisationen setzt eben doch eine große Verunsicherung ein und man fragt sich, was die Vertreter dieser in der Anfangsphase der Projektplanung überhaupt in Sri Lanka geleistet haben. Haben sie sich einfach von ihren "Vertrauenspersonen" übers Ohr hauen lassen welche ihnen falsche Informationen gaben ??? Oder rechnen sie jetzt schon mal mit ein, das sie weitere Vertreter ihrer Organisation beim Kauf dort hin delegieren, die sich medienwirksam vor laufender Kamera präsentieren sollen ??? Dann werden sie ganz sicher mit solchen Preisen zu rechnen haben. Aber niemals, wenn sich die Einheimischen alles selber besorgen. Auch das habe ich bereits kritisiert.
Warum läßt man sie nicht alles alleine machen und schaut sich nur das Endergebnis an ??? Sagt es nicht zu, weil man ja die Preise kennt, wenn man sie kennt, so wird das Restgeld eben gestrichen was man sonst noch übrig hätte. Auf eine Rupee muß man nicht gucken, aber wenn auf Grund dessen alles dreimal so teuer wegen dem "Tsunamizuschlag" ist, dann sollte man schon sehen wo man seine Spendengelder sinnvoller einsetzen kann......
Einige meiner angesprochenen Themen hat bereits die Presse aus der Schweiz aufgegriffen. Dazu schreiben sie, Zitat:
Doch auch die grossen Organisationen sind nervös. Solange es um das unmittelbare Überleben ging, war die humanitäre Legitimation so evident, dass sie frei schalten und walten konnten. Aber nun meldet sich mit Macht die Politik zurück.
Die vielen kleinen Helfer werden noch allein gelassen, aus Dankbarkeit und weil sie oft unter persönlichem Einsatz in der brennenden Sonne stehen. Gegenüber den Grossen machen sich bereits erste unwirsche Äusserungen Luft über die teuren Karossen oder die hohen Tagessaläre. Auch wird kritisiert, dass die grossen Hilfsorganisationen in den lokalen Basaren die Preise für Alltagsgüter hochgetrieben haben, als sie auf Einkaufstour für die Camps gingen.............
http://www.nzz.ch/2005/02/23/al/articleCM8PX.html
So alleine stehe ich mit meinen Aussagen offensichtlich doch nicht da......
Helfen um jeden Preis?
Im Grunde genommen steht man als Helferlein so ziemlich zwischen Baum und Borke. In Deutschland wollen alle sehen was mit ihrem Geld passiert, schwingt noch kluge Reden oder gibt weise Ratschläge wie etwas zu funktionieren hat und in SL wird erwartet das man sich auf den Balkon von seinem Hotel stellt, den Koffer aufmacht und die Spendeneuros purzeln läßt. Danach kann man ja auch wieder fahren. Das ist kein Problem. Man steckt in einer ziemlichen Zwickmühle oder aber dreht sich im Kreis. Wie schön einfach hat man es dann doch als ganz normaler Tourist.....
Wer jetzt noch anfängt Container zu verladen oder meint tonnenweise Sachspenden unters Volk werfen zu müssen, dem ist ohnehin nicht mehr zu helfen. Der soll sich dann mal den Streß machen. Was ich eigentlich mit meinem Ursprungsthema sagen wollte, ist, das man mit zu wohlwollender Hilfe eine Menge Schaden anrichten kann. Warum sollen jetzt "Tsunamiopfer" besser gestellt werden als "normale" Einheimische die von der Flutwelle zwar nichts abbekommen haben, aber indirekt genauso betroffen sind ???
Aber Hauptsache ist, das Geld ist erst mal alle. Über die Folgen solcher, bereits oben genannter dilletantischer Aktionen muß man sich ja keine Gedanken machen. Bis dahin ist man ohnehin wieder in Deutschland und muß sich nicht mit ansehen, wie man damit ein vorher doch recht gutes Zusammenleben mit seiner völlig überzogenen Hilfsaktion zerstört hat....
Was für mich auffällig war, das waren Hilfsorganisationen die entweder gar nichts geleistet haben, recht wirr in die Gegend starrten und nicht einmal wußten wo sie anfangen sollten, oder aber welche, die abgesehen von den allerersten wirklich notwendigen Hilfsaktonen, nur unsinnige Sachen versuchten hochzuziehen.
Einige waren schon so weit, das sie in ihrer Verzweiflung, weil schon andere Helfer vor Ort waren, ihre liebevoll gepackten Lebensmittel fast im Bergland verteilt haben. Naja, schaden kanns ja auch nicht :-)
Wieder andere balgten sich um Patenschaften für Schulen und Waisenhäuser, um später zu sehen, das in manchen Fällen schon zehn und mehr Patenschaften bestehen. Damit das nicht wieder passiert, hat man gleich noch ein "eigenes" Waisenhaus neben dem alten versucht zu errichten, b.z.w. das Geld dazu gegeben. Ob das jemals stehen wird, das wissen alleine die Sterne.....
Sehr viele von solchen Aktionen hätte man schon vor Jahren machen können. Aber da hat es im Grunde genommen ja niemanden interessiert. Jetzt möchte man sich wegen des ganzen Medienrummels ein wenig profilieren, oder aber, man läßt sich gar nicht erst blicken....
Gruß vom Spider/Hartmut aus Berlin
Bald schreibe ich weiter.....