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Auch Meerschweinchen werden alt. Hier im Hürsland tummeln sich inzwischen so einige ältere Herrschaften. Sie haben besondere Bedürfnisse. Wenn Ihre Meerschweine in Rente gehen, sollten Sie auf einige Dinge besonderes Augenmerk legen. Auf dieser Seite gebe ich nur Tips zur Haltung, die unseren Erfahrungen entsprechen.
1. Ach, die Krallen. Je älter das Tier, desto kringeliger die Krallen. Unsere Rentner legen großen Wert auf eine regelmäßige Pediküre, man muß ihre Krallen viel häufiger korrigieren als die der jungen Tiere. Trauen Sie sich das Schneiden nicht selbst zu, sollten Sie einen erfahrenen Meerschweinhalter um Hilfe bitten. Eingedrehte Krallen drücken sich in die empfindlichen Ballen und verursachen Fußfehlstellungen. Muß ja nicht sein.
2. Oij, die Zähne. Da gucken Sie lieber hin und wieder mal nach, ob die alten Herrschaften noch ordentlich kauen. Falls nicht: ab zum Doc.
3. Oje, der Magen. Unsere Rentner haben durchaus das eine oder andere Zipperlein und vertragen längst nicht mehr alles, was sie früher als Jungspunte unbekümmert in sich hineingefuttert haben (und Meerschweine verzehren 60-80 Mahlzeiten pro Tag!). Besonders Durchfall kann zu einem Problem werden. Sorgen Sie immer für genügend Heu im Käfig. Passen Sie beim Saftfutter auf: nicht zu viele Obstleckereien wie z.B. Weintrauben. Wird Ihr Meerschwein dünner, so sollten Sie es mit nahrhaften Leckereien verwöhnen. Einige Rentner hier sind erbsenflockensüchtig und futtern diese hellgrünen Chips mit Begeisterung. Einige mögen lieber zarte Haferflocken. Da muß man schon ausprobieren, wie die Geschmäcker so sind.
4. Unterhaltung? Unsere Rentner überwintern im Wohnzimmer, da sie die Kälte draußen nicht mehr gut wegstecken. Ich könnte schwören, dass Flocke und Klobürste mit uns TV gucken. Orlando macht dies nicht, denn er kann überhaupt nicht mehr gut sehen. Naja, vielleicht hört er ja die neuesten Charteinsteiger mit. Ansonsten mögen unsere alten Vierbeiner keine großen Veränderungen. Kleine Spielereien finden sie akzeptabel, z.B. ein bißchen Salat in einer Gitterspielkugel wird herausgeknabbert. Auch in der Gruppenstruktur vertragen die Hürsland-Oldies keine großen Wechsel. Orlando und Roxette haben sich gefunden und kuscheln sich aneinander. Fertig. Da kommt kein Schwein zwischen.
5. Hochnehmen und knuddeln? Naja. Bitte ganz vorsichtig. Eigentlich wollen die alten Herrschaften lieber ein Leckerchen aus der Hand. Wenn es sein muß, darf man ihnen vorsichtig durch das schüttere Fell fahren und ihnen mit sanfter Stimme eine Geschichte erzählen. Aber nur, wenn das nicht zu lange dauert. Alte Leute haben schon mal Blasenschwäche und pieschen eher mal auf den Schoß, auf dem sie geknuddelt werden. Das ist dann eben so. Also: ein bißchen behutsam sein mit den Oldies, bitte.
6. Vergesellschaftung mit Jungvolk? Bis zu einem gewissen Alter machen hier alle Schweine gern in der großen Gruppe mit, feiern Partys, toben mit im Stroh...was Meerschweinen eben so einfällt. Aber irgendwann fällt es den Alten sichtlich schwer, bei dem Trubel mit zu halten. Junggemüse geht ihnen auf den Wecker. Das ständige Kommen und Gehen,weil Jungtiere geboren werden, verkauft werden, Damen sich zum Herrenbesuch auf die Socken machen...das alles bedeutet zu viel Hektik. Eine kleine, nette WG ist da doch viel angenehmer. Ein Holzhaus, in das zwei Schweine passen, ein bißchen Platz zum Herumlaufen (in kleine Abstellkammern möchte Altschwein nicht weggesperrt sein), und am besten so, dass man immer noch mal einen Blick auf die Wuselbande werfen kann und sich nicht abgeschoben fühlt. Ja, so kann das Rentnermeerschwein gut alt werden.
7. Und nicht vergessen: Meerschweine sind tapfer. Sie können gar nicht anders, denn krankeTiere haben in der Gruppe keinen Platz. Also hält man sich auf den Beinen, so lange es nur geht. Beobachten Sie die Oldies genau. Kommt Ihnen irgendetwas seltsam vor, statten Sie dem Tierarzt Ihres Vertrauens einen Besuch ab, wobei Sie möglichst ein Begleitschwein im Körbchen haben, das dem Rentnerschwein Gesellschaft leistet und seelische Unterstützung bietet, sozusagen Händchen hält.
8. Oha. Ein verwitwetes Altschwein. Machen Sie was. Fix! Man trauert. Man frißt nix mehr. Man stirbt womöglich bald hinterher. Auch, wenn Sie eigentlich endlich mal mit der Meerschweinhaltung aufhören möchten und kein Meerschwein dazu kaufen wollen. Tun Sie´s trotzdem. Suchen Sie sich einen Züchter, der Leihschweine anbietet. Nicht lachen über den Begriff. Ihrem alten Meerschwein ist auch nicht zum Lachen zumute. Schieben Sie es bitte nicht ab. Holen Sie einen Kumpel ins Haus. Das Leihschwein dürfen Sie später zurück geben. Der Züchter freut sich, denn er macht sich Gedanken um jedes einzelne seiner Tiere. Wenn sich dann Ihr Meerschweinchen eines Tages auf den Weg über die Regenbogenbrücke macht, können Sie guten Gewissens sagen: Ich habe alles getan. Ich habe mein Tier in Würde altern lassen und ihm einen schönen Lebensabend ermöglicht. Und Sie dürfen zu Recht von sich behaupten, ein guter Tierhalter, verantwortungsvoll und fürsorglich, gewesen zu sein.
Wir möchten nochmals darauf hinweisen, dass die hier aufgeführten Punkte nur Ratschläge sind. Einen Tierarztbesuch können sie nie ersetzen. Auch sind die Erfahrungen verschiedener Tierhalter immer subjektiv und unterschiedlich. Niemand weiß so gut wie Sie, wie es Ihren Tieren geht, was ihnen gut tut und was sie benötigen. Sie sind vor Ort. Sie handeln. |