Nachdenkliches |
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Nachdenkliches Die letzten Bitten eines kranken und alten Hundes Viele Jahre durfte ich Dein treuer Begleiter sein. Du hast schon, als Du mich beim Züchter abholtest, meine Liebe gewonnen. Ich lief Dir zu und Du nahmst mich in Deine Arme. Du hast Dir viel Mühe gegeben, aus mir einen wohlerzogenen Hund zu machen. Wichtig war mir, dass Du viel mit mir gespielt hast, ich habe dabei auch gewonnen. Du hast nie mit mir geschimpft oder mich gar geschlagen, wenn eine Übung von mir nicht gleich verstanden wurde. Unsere Bindung, dabei war es Liebe, wurde immer inniger, wir wurden unzertrennliche Freunde, in Freud und auch in Leid. Stolz ging ich mit Dir spazieren und freute mich ebenso wie Du, wenn ich, wegen meines gepflegten Aussehens und meiner Folgsamkeit - manchmal war sie nur Dir zu Liebe - bewundert wurden. Nun meine letzte Bitte an Dich: Die Zeit ist vergangen, Du wurdest älter und ich alt. Ich bin zwar noch immer folgsam, aber das Spiel und der Spaziergang wird halt schon immer langsamer. Aber Du verstehst mich ja, bist noch viele Stunden, auch in der Nacht, nach einem Tierarztbesuch, wenn ich Schmerzen hatte, bei mir gewesen und die Schmerzen wurden gleich besser. Wir waren eben Freunde. Wenn nun mein Hundeleben zu Ende geht, bitte ich Dich, mich auf dem letzten Weg zu begleiten. Mein letzter Blick soll Dir gelten, bevor meine Augen brechen. Sei nicht so traurig, wenn Du einen Freund, vielleicht den besten, verloren hast. Leb wohl! Ein Brief eines Hundes an sein Herrchen Liebes Herrchen, am Morgen bist Du sehr früh aufgestanden und hast die Koffer gepackt. Du nahmst meine Leine, was war ich glücklich! Noch ein kleiner Spaziergang vor dem Urlaub - hurra! Wir fuhren mit dem Wagen, und Du hast am Straßenrand angehalten, die Tür ging auf, und Du hast einen Stock geworfen. Ich lief und lief, bis ich den Stock gefunden und zwischen meinen Zähnen hatte. Aber als ich zurückkam, warst Du nicht mehr da! In Panik bin ich in alle Richtungen gelaufen, um Dich zu finden aber vergebens! Ich wurde immer schwächer von Tag zu Tag. Ein fremder Mann kam, legte mir ein Halsband um und nahm mich mit. Bald befand ich mich in einem Käfig und wartete dort auf Deine Rückkehr. Aber Du bist nicht gekommen! Dann wurde der Käfig geöffnet. Nein, Du warst es nicht - es war der Mann, der mich gefunden hat. Er brachte mich in einen Raum - es roch nach Tod. Meine Stunde war gekommen. Geliebtes Herrchen, ich will, dass Du weißt, dass ich mich trotz meines Leidens, das Du mir angetan hast, noch stets an Dein Bild erinnere. Und falls ich noch einmal auf die Erde zurückkommen könnte, ich würde auf Dich zulaufen, denn ich hatte Dich lieb "How Could You?" Copyright Jim Willis 2001, tiergarten@onebox.com, Homepage (Übersetzt aus dem Amerikanischen von Elvira Rösch & Nicole Valentin-Willis) Als ich noch ein Welpe war, unterhielt ich Dich mit meinen Possen und brachte Dich zum Lachen. Du nanntest mich Dein Kind, und trotz einer Anzahl durchgekauter Schuhe und so manchem abgeschlachteten Sofakissen wurde ich Dein bester Freund. Immer wenn ich "böse" war, erhobst Du Deinen Finger und fragtest mich "Wie konntest Du nur?" - aber dann gabst Du nach und drehtest mich auf den Rücken, um mir den Bauch zu kraulen. Mit meiner Stubenreinheit dauerte es ein bisschen länger als erwartet, denn Du warst furchtbar beschäftigt, aber zusammen bekamen wir das in den Griff. Ich erinnere mich an jene Nächte, in denen ich mich im Bett an Dich kuschelte und Du mir Deine Geheimnisse und Träume anvertrautest, und ich glaubte, das Leben könnte nicht schöner sein. Gemeinsam machten wir lange Spaziergänge im Park, drehten Runden mit dem Auto, holten uns Eis (ich bekam immer nur die Waffel, denn "Eiskrem ist schlecht für Hunde", sagtest Du), und ich döste stundenlang in der Sonne, während ich auf Deine abendliche Rückkehr wartete. Allmählich fingst Du an, mehr Zeit mit Arbeit und Deiner Karriere zu verbringen - und auch damit, Dir einen menschlichen Gefährten zu suchen. Ich wartete geduldig auf Dich, tröstete Dich über Liebeskummer und Enttäuschungen hinweg, tadelte Dich niemals wegen schlechter Entscheidungen und überschlug mich vor Freude, wenn Du heimkamst und als Du Dich verliebtest. Sie, jetzt Deine Frau, ist kein "Hundemensch" - trotzdem hieß ich sie in unserem Heim willkommen, versuchte, ihr meine Zuneigung zu zeigen und gehorchte ihr. Ich war glücklich, weil Du glücklich warst. Dann kamen die Menschenbabies, und ich teilte Deine Aufregung darüber. Ich war fasziniert von ihrer rosa Haut und ihrem Geruch und wollte sie genauso bemuttern. Nur dass Du und Deine Frau Angst hattet, ich könnte ihnen wehtun, und so verbrachte ich die meiste Zeit verbannt in einem anderen Zimmer oder in meiner Hütte. Oh, wie sehr wollte auch ich sie lieben, aber ich wurde zu einem "Gefangenen der Liebe". Als sie aber grösser waren, wurde ich ihr Freund. Sie krallten sich in meinem Fell fest, zogen sich daran hoch auf wackligen Beinchen, pieksten ihre Finger in meine Augen, inspizierten meine Ohren und gaben mir Küsse auf die Nase. Ich liebte alles an ihnen und ihre Berührung - denn Deine Berührung war jetzt so selten geworden - und ich hätte sie mit meinem Leben verteidigt, wenn es nötig gewesen wäre. Ich kroch heimlich in ihre Betten, hörte ihren Sorgen und Träumen zu, und gemeinsam warteten wir auf das Geräusch Deines Wagens in der Auffahrt. Es gab einmal eine Zeit, da zogst Du auf die Frage, ob Du einen Hund hättest, ein Foto von mir aus der Brieftasche und erzähltest Geschichten über mich. In den letzten Jahren hast Du nur noch mit "Ja" geantwortet und das Thema gewechselt. Ich hatte mich von "Deinem Hund" in "nur einen Hund" verwandelt, und jede Ausgabe für mich wurde Dir zum Dorn im Auge. Jetzt hast Du eine neue Berufsmöglichkeit in einer anderen Stadt, und Du und sie werdet in eine Wohnung ziehen, in der Haustiere nicht gestattet sind. Du hast die richtige Wahl für "Deine" Familie getroffen, aber es gab einmal eine Zeit, da war ich Deine einzige Familie. Ich freute mich über die Autofahrt, bis wir am Tierheim ankamen. Es roch nach Hunden und Katzen, nach Angst, nach Hoffnungslosigkeit. Du fülltest die Formulare aus und sagtest "Ich weiss, Sie werden ein gutes Zuhause für sie finden". Mit einem Achselzucken warfen sie Dir einen gequälten Blick zu. Sie wissen, was einen Hund oder eine Katze in "mittleren" Jahren erwartet - auch mit "Stammbaum". Du musstest Deinem Sohn jeden Finger einzeln vom Halsband lösen, als er schrie "Nein, Papa, bitte! Sie dürfen mir meinen Hund nicht wegnehmen!" Und ich machte mir Sorgen um ihn und um die Lektionen, die Du ihm gerade beigebracht hattest: über Freundschaft und Loyalität, über Liebe und Verantwortung, und über Respekt vor allem Leben. Zum Abschied hast Du mir den Kopf getätschelt, meine Augen vermieden und höflich auf das Halsband und die Leine verzichtet. Du hattest einen Termin einzuhalten, und nun habe ich auch einen. Nachdem Du fort warst, sagten die beiden netten Damen, Du hättest wahrscheinlich schon seit Monaten von dem bevorstehenden Umzug gewusst und nichts unternommen, um ein gutes Zuhause für mich zu finden. Sie schüttelten den Kopf und fragten "Wie konntest Du nur?". Sie kümmern sich um uns hier im Tierheim so gut es eben geht. Natürlich werden wir gefüttert, aber ich habe meinen Appetit schon vor Tagen verloren. Anfangs rannte ich immer vor ans Gitter, sobald jemand an meinen Käfig kam, in der Hoffnung, das seiest Du - dass Du Deine Meinung geändert hättest - dass all dies nur ein schlimmer Traum gewesen sei... oder ich hoffte, dass es zumindest jemand wäre, der Interesse an mir hätte und mich retten könnte. Als ich einsah, dass ich nichts aufzubieten hatte gegen das vergnügte Um-Aufmerksamkeit-Heischen unbeschwerter Welpen, ahnungslos gegenüber ihrem eigenen Schicksal, zog ich mich in eine ferne Ecke zurück und wartete. Ich hörte ihre Schritte als sie am Ende des Tages kam, um mich zu holen, und trottete hinter ihr her den Gang entlang zu einem abgelegenen Raum. Ein angenehm ruhiger Raum. Sie hob mich auf den Tisch und kraulte meine Ohren und sagte mir, es sei alles in Ordnung. Mein Herz pochte vor Aufregung, was jetzt wohl geschehen würde, aber da war auch ein Gefühl der Erleichterung. Für den Gefangenen der Liebe war die Zeit abgelaufen. Meiner Natur gemäss war ich aber eher um sie besorgt. Ihre Aufgabe lastet schwer auf ihr, und das fühlte ich, genauso wie ich jede Deiner Stimmungen erfühlen konnte. Behutsam legte sie den Stauschlauch an meiner Vorderpfote an, während eine Träne über ihre Wange floss. Ich leckte ihre Hand, um sie zu trösten, genauso wie ich Dich vor vielen Jahren getröstet hatte. Mit geübtem Griff führte sie die Nadel in meine Vene ein. Als ich den Einstich fühlte und spürte, wie die kühle Flüssigkeit durch meinen Körper lief, wurde ich schläfrig und legte mich hin, blickte in ihre gütigen Augen und flüsterte "Wie konntest Du nur?" Vielleicht verstand sie die Hundesprache und sagte deshalb "Es tut mir ja so leid". Sie umarmte mich und beeilte sich mir zu erklären, es sei ihre Aufgabe dafür zu sorgen, dass ich bald an einem besseren Ort wäre, wo ich weder ignoriert noch missbraucht noch ausgesetzt werden könnte oder auf mich alleine gestellt wäre - einem Ort der Liebe und des Lichts, vollkommen anders als dieser irdische Ort. Und mit meiner letzten Kraft versuchte ich ihr mit einem Klopfen meines Schwanzes zu verstehen zu geben, dass mein "Wie konntest Du nur?" nicht ihr galt. Du warst es, mein geliebtes Herrchen, an den ich dachte. Ich werde für immer an Dich denken und auf Dich warten. Möge Dir ein Jeder in Deinem Leben so viel Loyalität zeigen. Wir möchten Sie dazu ermutigen, "Wie konntest Du nur?" zu veröffentlichen und so mitzuhelfen, die verbreitete Vorstellung von Tieren als "entsorgbar" zu ändern und vor Augen zu halten, dass der Entschluss, ein Tier in eine Familie aufzunehmen, eine Verpflichtung bedeutet, welche für die Lebensdauer des Tieres anhält! Jim Willis Einfach nur zum Nachdenken Hinter einem Eisengitter sitzt ein Hund, er weint so bitter habt ihr mich denn ganz vergessen, ihr Menschen, die mich einst besessen? Wo seit ihr hin, ich kann´s nicht fassen, ihr habt mich hier...allein gelassen? Draußen kommt die finstre Nacht, habt ihr an meine Angst gedacht?! Kälte schleicht durch alle Ritzen, nirgendwo ein warmes Kissen. Müde von dem langen Stehen, von dem Warten, von dem Sehen von dem Weinen, von dem Jammern - such ich in der kalten Kammer einen Platz um auszuruhn. Um mich her sind andre Hunde, jeder ist für sich allein, ängstlich heulen sie an Wände - gegen harten, kalten Stein. Blanker Stein auf dem ich liege, feucht von meinem Seelenschmerz. Wo sind die Menschen die ich liebe?! Menschen...ohne Stein als Herz...? Lange konnte ich nicht glauben, dass ihr mich wirklich nicht mehr wollt! Bin immer hin und her gelaufen, hab geknurrt, und hab gegrollt. Tagelang hab ich gewartet, kein Futter hab ich angerührt. Wochen...sind daraus geworden...! von Euch...kam niemand mehr zurück! Lange hab ich überlegt, was hab ich euch nur getan? Sicher war es furchtbar schlimm, sonst hättet ihr das nicht getan! Draußen vor den Eisengittern gehen Viele, Tag für Tag, schauen oft zu mir herüber, aber keiner holt mich ab. Manchmal kommen Kinder, die spielen auch mit mir, doch wenn dann der Abend kommt, gehn sie Heim und ich bleib hier! Traurig stehe ich am Gitter, wedle freundlich jedem zu wer mich anschaut...Kommt doch nicht wieder, egal ob ich noch wedeln tu... Lange Zeit ist schon vergangen... ich fühle nicht mehr diesen Schmerz, irgendwann hab ich vergessen wie er war, DER MENSCH MIT HERZ...! Die Geschichte von Lea (aus Amerika) Ich weiß nicht mehr viel von dem Ort, wo ich geboren bin. Es war eng und dunkel und nie spielte ein Mensch mit uns. Ich erinnere mich noch an Mama und ihr weiches Fell, aber sie war oft krank und sehr dünn. Sie hatte nur wenig Milch für mich und meine Brüder und Schwestern. Die meisten von ihnen waren plötzlich gestorben. Als sie mich von meiner Mutter wegnahmen, hatte ich furchtbare Angst und war so traurig. Meine Milchzähne waren kaum durchgestoßen und ich hätte meine Mama doch noch so sehr gebraucht. Arme Mama, es ging ihr so schlecht. Die Menschen sagten, dass sie jetzt endlich Geld wollten und dass ihnen das Geschrei meiner Schwester und mir auf die Nerven ging. So wurden wir eines Tages in eine Kiste verladen und fortgebracht. Wir kuschelten uns aneinander und fühlten wie wir beide zitterten, ohnmächtig vor Angst. Niemand kam, um uns zu trösten. All diese seltsamen Geräusche und erst die Gerüche - wir sind in einem "Petshop", einem Laden, wo es viele verschiedene Tiere gibt. Einige miauen, andere piepsen, einige pfeifen. Wir hören auch das Wimmern von andern Welpen. Meine Schwester und ich drücken uns eng zusammen in dem kleinen Käfig. Manchmal kommen Menschen uns anschauen, oft ganz kleine Menschen, die sehr fröhlich aussehen, als wollten sie mit uns spielen. Tag um Tag verbringen wir in unserem kleinen Käfig. Manchmal packt uns jemand und hebt uns hoch, um uns zu begutachten. Einige sind freundlich und streicheln uns, andere sind grob und tun uns weh. Oft hören wir sagen: "Oh, sind die süß, ich will eines", aber dann gehen die Leute wieder fort. Letzte Nacht ist meine Schwester gestorben. Ich habe meinen Kopf an ihr weiches Fell gelegt und gespürt, wie das Leben aus dem dünnen Körperchen gewichen ist. Als man sie am Morgen aus dem Käfig nimmt, sagen sie, sie sei krank gewesen und ich sollte verbilligt abgegeben werden, damit ich bald wegkomme. Niemand beachtet mein leises Weinen, als mein kleines Schwesterchen einfach weggeworfen wird. Heute ist eine Familie gekommen und hat mich gekauft! Jetzt wird alles gut! Es sind sehr nette Leute, die sich tatsächlich für mich entschieden haben. Sie haben gutes Futter und einen schönen Napf dabei, und das kleine Mädchen trägt mich ganz zärtlich auf den Armen. Ihr Vater und Mutter sagen, ich sei ein ganz süßes und braves Hündchen. Ich heiße jetzt Lea. Ich darf meine neue Familie sogar abschlabbern, das ist wunderbar. Sie lehren mich freundlich, was ich tun darf und was nicht, passen gut auf mich auf, geben mir herrliches Essen und viel, viel Liebe. Nichts will ich mehr, als diesen wunderbaren Menschen gefallen und nichts ist schöner, als mit dem kleinen Mädchen herumzutollen und zu spielen. Erster Besuch beim Tierarzt. Es war ein seltsamer Ort, mir schauderte. Ich bekam einige Spritzen. Meine beste Freundin, das kleine Mädchen, hielt mich sanft und sagte, alles sei gut, also entspannte ich mich. Der Tierarzt schien meinen geliebten Menschen traurige Worte zu sagen, denn sie sahen ganz bestürzt aus. Er sprach über schwere Mängel, Dysplasie E und Herz zwei. Auch erzählte er von wilden Züchtern und sagte, dass meine Eltern nie gesundheitlich getestet worden seien. Ich habe nichts von alledem begriffen, aber es war furchtbar, meine Familie so traurig zu sehen. Jetzt bin ich sechs Monate alt. Meine gleichaltrigen Artgenossen sind wild und stark, aber mir tut jede Bewegung schrecklich weh. Die Schmerzen gehen nie weg. Außerdem kriege ich gleich Atemnot, wenn ich nur ein wenig mit dem kleinen Mädchen spielen will. Ich möchte so gerne ein kräftiger Hund sein, aber ich schaffe es einfach nicht. Vater und Mutter sprechen über mich. Es bricht mir das Herz, alle so traurig zu sehen. In der Zwischenzeit war ich oft beim Tierarzt und immer hieß es "genetisch" und "nichts zu machen". Ich möchte draußen in der warmen Sonne mit meiner Familie spielen, möchte rennen und hüpfen. Es geht nicht. Letzte Nacht war es schlimmer als eh und je. Ich konnte nicht einmal mehr aufstehen, um zu trinken und nur noch schreien vor Schmerzen. Sie tragen mich ins Auto. Alle weinen. Sie sind so seltsam, was ist los? War ich böse? Sind sie am Ende böse auf mich? Nein, nein, sie liebkosen mich ja so zärtlich. Ach wenn nur diese Schmerzen aufhörten! Ich kann nicht mal die Tränen vom Gesicht des kleinen Mädchen ablecken, aber wenigstens erreiche ich ihre Hand. Der Tisch beim Tierarzt ist kalt. Ich habe Angst. Die Menschen weinen in mein Fell, ich fühle, wie sehr sie mich lieben. Mit Mühe schaffe ich es, ihre Hand zu lecken. Der Tierarzt nimmt sich heute viel Zeit und ist sehr freundlich, und ich empfinde etwas weniger Schmerzen. Das kleine Mädchen hält mich ganz sanft, ein kleiner Stich... Gott sei Dank, der Schmerz geht zurück. Ich fühle tiefen Frieden und Dankbarkeit. Ein Traum: ich sehe meine Mama, meine Brüder und Schwestern auf einer großen grünen Wiese. Sie rufen mir zu, dass es dort keine Schmerzen gibt, nur Friede und Glück. So sage ich meiner Menschenfamilie "Auf Wiedersehen" auf die einzige mir mögliche Weise: Mit einem sanften Wedeln und einem kleinen Schnuffeln. Viele glückliche Jahre wollte ich mit Euch verbringen, es hat nicht sein sollen. Stattdessen habe ich Euch so viel Kummer gemacht. Es tut mir leid, ich war eben nur eine Händlerware. Das Collie ABC Aufgaben löst der Collie gern und perfekt, vorausgesetzt, seine Menschen zeigen ihm deutlich, was sie von ihm wollen. Der agile Hütehund gehört zu den leicht lernenden Rassen und hat viele Talente. Mit ihrem Collie können Sie Turnierhundesport betreiben, Agility spielen, Obedience trainieren, die Begleithundeprüfung und andere Prüfungen machen. Britische Hütehunde, zu denen auch der Collie zählt, gibt es mehrere: Die kleinen Corgis gehören genauso dazu wie der Old English Sheepdog oder Bobtail, die kleine Version des Collies, der Sheltie, die Kurzhaarvariante des Collies und seine "Brüder": Bearded Collie und Border Collie. Colleys nannten die Landwirte die schwarzgesichtigen Schafe, die seit Anfang dieses Jahrtausends die britischen Inseln beweideten. Colleydogs waren deren Hüter, die zwar dem heutigen Collie noch unähnlich sahen, aus denen er aber im Lauf der Jahrhunderte gezüchtet wurde. Mit seiner Weiterentwicklung veränderte sich auch der Namen. Bereits die ersten eingetragenen Hunde hiessen Collie. Durst entsteht bei den langhaarigen Vertretern durch intensives Hecheln, das dem Körper sehr viel Flüssigkeit entzieht. An heissen Tagen können Collies locker einen Liter wasser trinken, auch wenn sie zusätzlich Feuchtfutter erhalten. Im perfekten Collie-Haushalt stehen immer mehrere Frischwassernäpfe gemllt bereit, damit der Hund seinen Durst nicht an unbekömmlichen Quellen löscht, wie aus pmtzen. Ernährung spielt vor allem bei den Jungtieren eine gros se Rolle mr die Gesundheit. Die Welpen sollten zwar ausreichend, aber nicht zu proteinhaltig gemttert werden, denn das Skelett entwickelt sich sonst langsamer als das übrige Körpergewebe, was beim erwachsenen Hund Skelettverformungen oder Schäden hervorrufen kann. Ein idealer Collie ist unterm üppigen Pelz schlank. Futterzeiten sind grundsätzlich nach dem Gassigehen, nach Sport und Spiel. Einmal, weil er ein voller Bauch auch beim Hund nicht gern studiert, Ihr Partner sich also nicht konzentrieren kann. Zum anderen, weil ein gefüllter Magen plus viel Bewegung zur gefürchteten Magendrehung führen kann. Grundausstattung im Collie-Haushalt sind ein lockeres und ein weiches Lederhalsband, eine Erziehungs- und eine normale Leine, Kamm und Bürste zur Pflege des Fells, mehrere Wasser- und ein Futternapf (am besten mit Gestell, das die Näpfe mit dem Collie wachsen lässt, damit er sich nicht zu tief bücken muss), zwei Schlafbecken, evtl. eine Autoschondecke, Erziehungsspielzeug und "Just for fun"-Spielzeug sowie ein paar massive Kauknochen. Hüten liegt allen Collies im Blut. Wenn sie in einer dicht besiedelten Gegend wohnen, sollten sie den Hütetrieb Ihres Collies frühzeitig in die richtigen Bahnen lenken, damit er nicht Nachbars Kaninchen oder die Kinder Ihrer Mitbewohner "hütet". Denn nach Collie-Tradition hält der Hüter seine Schäfchen beisammen, umkreist sie und zwackt sie auch schon mal in die Wanden, wenn sie ausbrechen wollen. Das ist nicht jedermanns Sache. Stellen Sie deshalb von Anfang an klar, was Ihres Collies eigene Herde ist, die er "hüten" darf und in welchen fremden Revieren er nichts zu suchen hat. Impfungen hat bereits das Jungtier bei der Abgabe schon erhalten. Für Sie gilt: Jährlich einmal zum Tierarzt, um diese Immunisierungen aufzufrischen bzw. zu wiederholen. Wie alle Hunde müssen Collies gegen Leptospirose, Staupe, Hepatitis und Tollwut geimpft sein, bei Bedarf sollten sie ein- bis zweimal pro Jahr entwurmt werden. Ganz wichtig ist der Schutz gegen Parasiten, die sich im dichten Pelz unsichtbar machen und vehement vermehren können. Halsbänder sind meistens nicht so ratsam. Beim Tierarzt gibt es vorbeugende Mittel gegen Zecken und Flöhe in Ampullenform, als Puder oder Spray. Jungtiere dürfen nie überfordert werden. Bis zum ersten Geburtstag ist Laufen neben dem Fahrrad tabu, auch hohe Sprünge sind verboten, und Sie sollten möglich steile Treppen meiden oder Ihren Hund Tragen. Erst wenn das Skelett voll entwickelt ist, darf er toben. Kurzhaarcollies sind im Augenblick nicht im Trend. Eigentlich schade, denn die temperamentvollen langbeinigen Hunde haben den gleichen freundlichen Charakter wie das Langhaarpendant, sind aber sehr viel pflegeleichter. Wer sich für die Kurzhaaralternative entscheidet, muss allerdings Geduld haben, denn auch die Züchter sind rar, im Gegensatz zu den Langhaarcollie Züchtern. Langhaarcollies, die auf Ausstellungen präsentiert werden, brauchen tägliche Fellpflege, ihre Kollegen, die in Familien leben, sollten wenigstens einmal pro Woche gründliche gebürstet werden, damit der Prachtpelz nicht verfilzt. Melden gehört zu den Tugenden des Hütehundes. Deshalb bellen viele Collies, wenn das Telefon oder die Haustürglocke klingeln, oder sie schlagen an, wenn beunruhigende Geräusche wahrzunehmen sind. Loben Sie ihren Hund, wenn er einmal angezeigt hat, und lenken Sie ihn sofort mit einem Spiel ab, dann wird er ein zuverlässiger Hauswächter, aber kein Kläffer. Nässe schadet den Hunden aus den windigen Höhen der Britischen Inseln nicht, sie schwimmen gern und gehen auch bei Regen ohne zu zögern gern nach draussen. Gebadet sollten sie allerdings nicht werden, auch das mildeste Shampoo entzieht dem Haar die schützende Talgschicht. Wenn' s sein muss, benützen Sie lieber Trockenshampoo. Ohren, deren Spitzen nach vorne kippen, kennzeichnen den typischen Collie. Bei Erregung oder erhöhter Aufmerksamkeit stellt der Hund sie manchmal auf. Pflege fängt schon beim Welpen an. Damit der erwachsene Collie sich anstandslos kämmen und bürsten lässt, führen Sie beim Junghund Streichelstunden ein und wechseln Streicheleinheiten mit leichten Bürstenstrichen und ersten Kamm-Zügen ab. Dulden Sie von Anfang an nicht, dass der Hund mit den Frisierwerkzeugen spielt oder sich durch Zappeln der Prozedur entzieht. Quietschtiere wecken den Beutetrieb des Collies und lassen sich vorzüglich für die Erziehung einsetzen. Wählen Sie ein solches quietschendes Spielzeug, das der Hund nur zu ganz besonderen Anlässen bekommt, sonst ist es Ihres. Wenn er richtiggehend scharf auf dieses Teil ist, setzen Sie es als Belohnung nach der Lösung von Aufgaben ein. Der nächste Schritt: Immer, wenn Ihr Collie z.B. im Park auf eine Gruppe Enten losstürmen will, nehmen Sie das Quietschi, lassen es lärmen und rufen ihn dazu auffordernd. Er wird alles andere stehen- und liegen lassen. Rudelhaltung ist bei Collie nicht selten. Viel Halter leben mit mehreren Hunden zusammen und kenn keinerlei Rangordnungsprobleme. Friedliche Koexistenz gibt' s auch mit Hunden anderer Rassen, Katzen und Grosskaninchen. Sensibilität zeigen Collies vor allem bei harter Erziehung: Sie gehören zu den weichen Hunden, die mit Aufmunterung und Anfeuern erzogen werden müssen. Geschrei, Schimpfen, Nackenschütteln oder Schläge vertragen sie nicht. Sie verlieren dann ihren angeborenen Optimismus, die Lernfreude und werden griesgrämig. Temperaturen über 25 Grad sind nicht des Collies Ding. Er mag' s gern kühl und verbringt heisse Zeiten am liebsten dösend im Schatten oder badend in kühlen Fluten. Denken Sie im Sommer dran, dass es ihm im Auto schon heiss wird, wenn für Sie gerade ideale Temperaturen herrschen. Urlaubsreisen will der Collies als verlässlicher Begleiter mit seinen Menschen geniessen. Seiner souveränen Ruhe wegen wird er in den Hotels meist geschätzt und in vielen Restaurants geduldet. Am liebsten sind ihm Wanderurlaube in Skandinavien, Bergtouren durch die Alpen oder Spassferien in gemässigten Regionen. In südlichen Urlaubsländern wird ihm meistens schnell zu heiss. Welpen sollten Sie ausschliesslich von einem verantwortungsvollen Züchter kaufen, niemals am Strassenrand, in einem Geschäft oder dem unseriösen Versandhandel. Schauen Sie sich das Umfeld der Züchter an, besuchen Sie ihn mehrmals und lassen Sie sich auch die Mutter zeigen. Schlecht aufgezogene Welpen neigen zu Überängstlichkeit. Zobel ist eine der Fellfarben, die den Look des Collies ausmachen. Es gibt auch Tricolor- und Blue-merle-Collies, die allesamt noch Weiss mit im Fell haben. Zobel glänzt gold bis mahagonirot. Die Regenbogenbrücke
Wenn ein geliebtes Tier auf der Erde für immer eingeschlafen ist, geht es zu diesem wunderschönen Ort. Dort gibt es immer zu fressen und zu trinken, und es ist warmes schönes Frühlingswetter. Die alten und kranken Tiere sind wieder jung und gesund. Sie spielen den ganzen Tag zusammen. Es gibt nur eine Sache, die sie vermissen. Sie sind nicht mit ihren Menschen zusammen, die sie auf der Erde so geliebt haben. So rennen und spielen sie jeden Tag zusammen, bis eines Tages plötzlich eines von ihnen innehält und aufsieht. Die Nase bebt, die Ohren stellen sich auf, und die Augen werden ganz groß! Plötzlich rennt es aus der Gruppe heraus und fliegt über das grüne Gras. Die Füße tragen es schneller und schneller. Es hat Dich gesehen. Und wenn Du und Dein spezieller Freund sich treffen, nimmst Du ihn in Deine Arme und hältst ihn fest. Dein Gesicht wird geküsst, wieder und wieder, und Du schaust endlich wieder in die Augen Deines geliebten Tieres, das so lange aus Deinem Leben verschwunden war, aber nie aus Deinem Herzen. Dann überschreitet Ihr gemeinsam die Brücke des Regenbogens, und Ihr werdet nie wieder getrennt sein... Copyright ©2003 by Jim Warren Studios 10 Bitten eines Hundes an den Menschen
1. Mein Leben dauert 10 bis 15 Jahre. Jede Trennung von Dir wird für mich Leiden bedeuten. Bedenke es, ehe Du mich anschaffst. 2. Gib mir Zeit zu verstehen, was Du von mir verlangst. 3. Setz' Vertrauen in mich - ich lebe davon. 4. Zürne mir nie lange und sperre mich zur Strafe nicht ein. Du hast Deine Arbeit, Dein Vergnügen und Deine Freunde - ich habe nur Dich. 5. Sprich mit mir. Wenn ich auch Deine Worte nicht verstehe, so höre ich doch in deiner Stimme, was du meinst. 6. Wisse, wie immer an mir gehandelt wird - ich vergesse es nie. 7. Bedenke, ehe Du mich schlägst, daß meine Kiefer mit Leichtigkeit die Knöchel in Deiner Hand zerquetschen könnten, daß ich es aber nie tun werde.. 8. Ehe Du mich bei der Arbeit "unwillig" schiltst, "bockig" oder "faul", bedenke: vielleicht plagt mich ungeeignetes Futter, vielleicht war ich zu lange der Sonne ausgesetzt oder habe ich ein verbrauchtes Herz. 9. Kümmere Dich um mich, wenn ich alt werde - auch Du wirst einmal alt sein. 10. Gehe jeden schweren Gang mit mir. Sag nie: "Ich kann sowas nicht sehen" oder "es soll in meiner Abwesenheit geschehen". Alles ist leichter für mich mit Dir! (Verfasser unbekannt) An Herrchen und Frauchen ! Heute bin ich gestorben. Ihr habt genug von mir gehabt. Ihr habt mich in ein Tierheim gebracht. Es war überfüllt. Wahrscheinlich bin ich unter einem unglücklichen Stern geboren. Jetzt liege ich in einem schwarzen Plastiksack. Mein Halsband, das zu klein war und auch schmutzig, hat die Frau, die mich auf das ewige Jagdfell geschickt hat, abgenommen. Das und die kaum benutzte Leine, die Ihr hier gelassen habt, wird ein anderer Welpe bekommen. Hätte es sein können, dass ich immer noch bei Euch zu Hause wäre, wenn ich den Schuh nicht zerkaut hätte? Ich wusste nur, dass es Leder ist, es lag vor mir auf dem Boden. Ich wollte nur spielen. Ihr habt vergessen, Hundespielzeug zu kaufen. Hätte es sein können, dass ich immer noch bei Euch zu Hause wäre, wenn ich stubenrein gewesen wäre? Ihr habt meine Nase da reingedrückt. Ich verstand es nicht. Es gibt doch Bücher und Schulen, wo man lernen kann, wie man Welpen so etwas beibringt. Hätte es sein können, dass ich immer noch bei Euch zu Hause wäre, wenn ich keine Flöhe in die Wohnung geschleppt hätte? Aber ohne Mittel kann ich sie nicht loswerden. Hätte es sein können, dass ich immer noch bei Euch zu Hause wäre, wenn ich nicht gebellt hätte? Aber ich habe doch nur gesungen: Ich bin da, ich bin da, ich bin erschrocken und so einsam. Ich möchte Euer bester Freund werden. Hätte es sein können, dass ich immer noch bei Euch zu Hause wäre, wenn ich Euch erfreut hätte? Aber wenn Ihr mich schlagt, wie kann ich Euch da erfreuen? Hätte es sein können, dass ich immer noch bei Euch zu Hause wäre, wenn Ihr mich gelehrt hättet, mich richtig zu benehmen? Nach der ersten Woche habt Ihr keine Zeit mehr für mich gefunden. Ich habe den ganzen Tag auf Euch gewartet. Heute bin ich gestorben. (Verfasser unbekannt) Der Herr der Pferde Für jedes Pferd steht im Paradies ein große Truhe mit tausend goldenen Perlen. Behandeln die Menschen das Pferd auf der Erde gut, wird bei jeder Wohltat eine Perle herausgenommen. Wenn das Pferd gestorben ist und auf die ewige Weide kommt, zählt der Herr der Pferde die übrig gebliebenen Perlen. Wer bei den Menschen Schlimmes erlebt hat, wird dann für die schlechte Erdenzeit entschädigt. Eine schöne Holsteiner Schimmelstute kam eines Nachmittags am Gatter des Paradieses an. "Deine Truhe ist fast leer”, sagte der Herr der Pferde, "du musst ein gutes Leben gehabt haben.” Die Stute nickte bedächtig. “Meine Besitzer haben alles für mich getan. Als ich Probleme mit den Hufen bekam, haben sie mich auf die Weide gestellt, damit meine Beine geschont wurden. Sie haben dafür gesorgt, dass ich jeden Tag laufen und toben konnte, und so wurde ich mit ihnen zusammen sehr alt. Und als die Stunde des Abschieds gekommen war, sind sie bis zur letzten Minute an meiner Seite geblieben.” Die Stute schwieg einen Moment. "Ja, ich habe es sehr gut gehabt da unten.” "Such dir eine Weide aus”, schlug der Herr der Pferde vor. "Ich brauche keine große Wiese”, entgegnete die Stute, "gib die großen Weiden meinen Kollegen, die auf der Erde nicht so viele gute Tage gesehen haben.” Als nächstes stand ein großer Friesenwallach vor dem Paradies-Gatter. Auch er war sehr, sehr alt. So alt, dass seine schwarze Mähne grau geworden war, was man nur ganz selten sieht. "Auch bei dir finde ich nur noch wenige Perlen in der Truhe”, sagte der Herr der Pferde. "Ich habe es sehr gut gehabt”, sagte der Friese. "All die Jahre bin ich mit Liebe umsorgt worden. Und als die Stunde des Abschieds kam, ist mein Mensch bis zur letzten Minute an meiner Seite geblieben.” Dann kamen zwei braune Schulpferde angetrabt. "Wie ist es euch ergangen in der Reitschule?”, fragte der Herr der Pferde. "Ich wundere mich, dass ich in eurer Truhe nur noch wenige Perlen sehe.” "Das muss dich nicht wundern”, sagten die Schulpferde, "unser Stallbesitzer hat uns helle Boxen bauen lassen, statt sich ein neues Auto zu kaufen. Weil wir bessere Trensen brauchten, hat er sogar auf den Urlaub verzichtet.” "Gab es denn nie Reitschüler, die hässlich zu euch waren?” - "Manchmal schon”, gaben die Schulpferde zu. "Aber die Liebe der Kinder hat uns immer wieder Mut gemacht.” Die Braunen sahen den Herrn der Pferde an und sagten: "Wir haben es wirklich gut gehabt da unten. Und als die Stunde des Abschieds kam, hat uns der Stallbesitzer auf unserem letzten Weg begleitet.” Ein zierlicher, schwarzer Traberwallach kam jetzt auf das Paradies zu, kaum älter als vier Jahre. Sein Fell glänzte wie Seide, aber seine Augen waren müde und ohne Glanz. "Warum bist du hier, mein Freund?”, fragte der Herr der Pferde. "Du bist noch zu jung zum Sterben.” "Ich war keine gute Geldanlage”, antwortete der Traber. "Auf der Trabrennbahn war ich zu langsam. Sosehr ich mich anstrengte, ich konnte nicht schneller laufen. Mein Besitzer sagte, ich sei zu teuer zum Durchfüttern und hat mich zum Schlachter bringen lassen.” Der Herr der Pferde öffnete die Truhe des Trabers und fand sie noch fast gefüllt bis zum Rand. "Das muss ein trauriges Leben gewesen sein”, sagte er, "hast du nicht einmal eine schöne Kindheit gehabt?” "Kindheit - was für ein wundervolles Wort”, sagte der Traber versonnen. "Was bedeutet es?” "Kindheit”, sagte der Herr der Pferde, "das heißt mit anderen Fohlen über Wiesen galoppieren, im Spiel die Kräfte messen, sich wälzen und in Seen baden, seinen Platz in der Herde suchen und Freunde finden. Man lässt doch die Pferde drei Jahre lang Kind sein, bevor die Arbeit beginnt. Hast du das nicht erlebt?” "Nein”, sagte der Traber, “für mich fing das Training mit einem Jahr an. Sie haben mir den Kopf mit Lederriemen zurückgezogen und die Zunge festgebunden, damit ich nicht galoppieren konnte. Als ich zu langsam war, haben sie mich mit Peitschen aus Stacheldraht geschlagen.” "Warum tun sie das?”, fragte der Herr der Pferde zornig. "Man kann viel Geld mit Wetten auf der Trabrennbahn verdienen”, sagte der Traber, "mit einem schellen Traber kann man reich werden. Ich war leider ein schlechtes Geschäft.” Da führte der Herr der Pferde den kleinen Traber auf die große Paradiesweide mit Seen, die gefüllt war mit schimmerndem Himmelstaub, mit Plätzen aus goldenem Sand zum Wälzen und endlosen Wiesen zum Galoppieren. Alle Traber und die anderen Pferde, die von ihren Besitzern als Sportgerät missbraucht worden waren, vergnügten sich darauf. Fasziniert blieb der Traber stehen. "Ist das Kindheit?”, fragte er entzückt. "Lauf los und genieße sie”, sagte der Vater der Pferde. Er war voller Empörung über die Menschen, aber es kam noch schlimmer. Ein polnisches Schlachtpferd schleppte sich auf das Paradies zu, ein Bild des Jammers. Ein gebrochenes Bein hing schlaff herab, Blut sickerte aus vielen Wunden im Gesicht und an der Schulter. Das Maul war grausam geschwollen, weil das Pferd sich im Pferdetransporter halb wahnsinnig vor Durst die Zunge an den Wänden wund geleckt hatte. Als der Herr die Truhe des Schlachtpferdes öffnete, fehlte nicht eine einzige Perle. „Wer hat es zugelassen, dass man dich so quält?”, fragte er erzürnt. "Die Politiker”, antwortete das Schlachtpferd mit matter Stimme. "Sie könnten die Gesetze ändern, aber es interessiert sie nicht. Es geht nur ums Geld. Man verdient viel mehr, wenn man Pferde von Polen zum Schlachten bis nach Südfrankreich oder Italien bringt.” Der Herr der Pferde führte das Schlachtpferd auf seine größte und schönste Weide mit klaren, frischen Wasserquellen und Kräutern, die jede Wunde heilen. "Was ist das für ein prächtiger, goldener Ball über der Weide?”, wollte das Schlachtpferd wissen. "Das ist die Sonne. Kennst du sie nicht?” "Nein. Aber ich habe die Menschen davon reden hören”, sagte das Schlachtpferd glücklich und ging zu den Quellen, um seinen Durst zu löschen. Da versammelten sich die Privat- und Schulpferde, die es gut gehabt hatten auf der Erde, und sagten zum Herrn der Pferde: "Es ist gut, dass unsere armen Freunde es hier so paradiesisch haben. Aber kommen ihre Peiniger ungeschoren davon?” “Sie bekommen ihre gerechte Strafe.” "Welche?”, wollten die Pferde wissen. "Sie müssen als Pferd zurück auf die Erde. Dort haben sie das Gleiche zu erdulden wie die Tiere, die sie gepeinigt haben.” Der Herr der Pferde winkte ihnen, ihm zu folgen. Sie gingen lange Zeit über einen schmalen Pfad, bis sie an einen großen Platz gelangten, auf dem eine gewaltige Waage aufgebaut war. Jeder Mensch wurde vor diese Waage gerufen, und es wurden zwei Fragen gestellt. Ein Rennstallbesitzer stand gerade vor dem höchsten Gericht. "Wer hat etwas Gutes über ihn zu berichten?”, hieß die erste Frage. Es fanden sich einige, die auf der Trabrennbahn gewonnen hatten, die mit ihm gemeinsame Sache gemacht hatten, und sein Kampfhund, der von ihm gut behandelt worden war. Dann kam die zweite Frage: "Wer von den Trabern hat etwas gegen ihn vorzubringen?” Da galoppierten alle seine Traber heran. Die, die hohe Preise gewonnen hatten und die, die er zum Schlachter geschickt hatte. "Was habt ihr ihm vorzuwerfen?”, fragte der Richter. "Er hat uns die Kindheit gestohlen”, klagten die Traber. Sie stiegen auf die andere Waagschale und drückten sie mit ihrem Gewicht ganz nach unten. Danach sahen die Pferde einen Politiker vor dem Gericht. Er fand eine ganze Anzahl von Menschen, die für ihn aussagten. "Er wird sich geschickt herausreden - wie auf der Erde”, befürchteten die Pferde, "da sind viele, die er mit Geld bestochen hat und die ihm wichtige Posten zu verdanken haben. Mindestens fünfzig Menschen. Wer wird gegen ihn aussagen?” "Fünfzigtausend Schlachtpferde”, sagte der Herr der Pferde, "er wird keine Chance haben...” |