Vergesellschaftung von Meerschweinchen -  oder wie bringe ich ein neues Tier möglichst schonend für alle in eine bestehende Gruppe!

Sie möchten sich zu ihren Meerschweinchen ein weiteres Tier kaufen?

Hier einige Tipps,  wie die Vergesellschaftung klappt!

Genügend Platz?

Das ist das Hauptproblem,  wenn es zu Streit in einem Rudel kommt,  es ist nicht genug Platz da.

Ein Meter-Käfig mit zwei Häuschen, zwei Näpfen und zwei Meerschweinchen bedeutet ständigen Stress für die Tiere,  da sie überhaupt keinen Platz zum Toben und Laufen haben und sich nicht aus dem Weg gehen können.

Für 2 Tiere sollte man mind. einen 1,20 Meter-Käfig zur Verfügung haben!

Anstatt Häuschen empfehle ich eine 2. Ebene, die man ganz leicht mit einem unbehandelten Brett erstellen kann, was man auf einem Drittel des Stalls in ca. Hälfte der Höhe einzieht ( z. B. mit Nägeln an den Gittern seitl. befestigen).

Vorteil:   Man kann nicht nur unter das Brett als Meerschwein,  sondern auch oben drauf. Sprünge von 25 bis 35 cm  schaffen Meerschweinchen ohne weiteres,  wenn es mehr ist,  hilft eine Art Hühnerleiter mit altem Teppichboden als Belag.

Die Tiere kloppen sich nicht darum,  wer zuerst ins Häuschen darf, und das hinten sitzende Tier kann auch immer dann raus,  wenn es das möchte.

Die schönste Lösung für die Meerschweinchenhaltung sind selbstgebaute Schränke, Regale oder Bodengehege. Hier kann man mit mehreren Ebenen arbeiten, kann Aufgänge basteln, Korkröhren einbauen und den Tiern ein kleines Paradies bieten. Je größer, desto besser.

 

Haben Sie genügend Platz für ein weiteres Tier, und möchten noch eines, dann sollten sie sich überlegen,  was genau zu Ihrer Truppe paßt.

Erfahrungsgemäß fügen sich junge Tiere von ca. 8 bis 16 Wochen am besten in eine bestehende Gruppe ein.

Haben Sie eine reine Weibchengruppe,  wäre vielleicht ein kastrierter Bock nicht schlecht, der Zickenkrieg vermeidet. Wählen Sie hierfür dann einen ausgewachsenen stattlichen Kerl, der am besten schon mit Mädels zusammengewohnt hat.

Der Bock sollte schon eine Zeitlang kastriert worden sein, da er nach der OP noch bis zu 6 Wochen fortpflanzungsfähig ist. Fragen Sie den Züchter danach!

DAS NEUE TIER ZIEHT EIN

Keiner ist begeistert,  wenn sich plötzlich ein unbekannter Mitbewohner im eigenen Zuhause auf Dauer einnistet.  Das gilt auch für Meerschweinchen.

Mit ein paar Tipps und Tricks kann man dem Neuling den Start erleichtern.

1. Lassen Sie sich vorher genau beraten,  welches Tier am besten zu  Ihrer Gruppe paßt.

2. Ist die Gruppe schwierig und haben Sie viel Platz,  sind zwei Tiere auf einmal sehr gut, weil sich dann die Aufmerksamkeit nicht nur auf einen richtet.

Auch ein einsamer Bock kommt schneller klar, wenn man ihm 2 Babyböckchen unter 6 Wochen dazu setzt, vorausgesetzt, genügend Platz ist da.

 

3.. Bevor Sie das neue Tier in den Stall setzen, sollten Sie sicher sein,  dass es gesund ist und keine Parasiten hat.  Nichts ist schlimmer, als ein ganze Meute gegen eine Krankheit zu behandeln.  Bei Tieren unklarer Herkunft empfehle ich 4 Wochen Quarantäne, dann sollten Sie aber gleich 2 Tiere vom gleichen Züchter erwerben, damit kein Tier alleine ist.

Tiere können auch gesund aussehen und Krankheiten in sich tragen.

Kaufen Sie nie von Tiermärkten oder kranke, kleine Tiere aus Mitleid.

Manchem haben diese gut gemeinten Mitleidskäufe schon einen ganzen Meerschweinchenbestand ausgerottet und / oder auch Menschen, wie z. B. mit Pilz, angesteckt und schwer geschadet.

 

3. Säubern Sie den Stall. Heben Sie etwas von dem gebrauchten Einstreu auf.

4. Verändern Sie den Stall etwas, so dass sich auch Ihre Tiere etwas fremd fühlen, das nimmt ihnen etwas die Angriffslust. So kann man die Röhren aus Kork anders platzieren oder die Trinkflasche an eine andere Stelle stellen, Futternäpfe  an einen neuen Platz usw.

5. Nehmen Sie das neue Tier und reiben Sie es mit dem gebrauchten Einstreu aus dem Käfig ein. Somit riecht das Tier nicht mehr nach Feind, sondern nach Mitbewohner und vertrautem Kumpel.

6. Sorgen Sie für Platz im Käfig, keine Einbahnstraßen, in denen ein Tier, wenn es gescheucht wird, sich in die Enge getrieben fühlt.

7. Setzen Sie sich an den Stall und beobachten Sie das Treiben.

Die alten Tiere werden den Neuankömmling beschnuppern. Dieser läßt sich das gefallen, oder er rennt quiekend weg  (= tut mir nichts!) - oder -  und das ist der schlimmste Fall, er fühlt sich angemacht und droht mit Zähnegeklapper.

Auch jetzt gibt es zwei Möglichkeiten:

1.  Die anderen drohen, in dem sie mit offenem Maul auf den Neuen zurennen.

= wenn dann das Tier aufgibt und weg rennt,  ist die Rangordnung geklärt

= wenn es auch droht, kann es zu einem Kampf kommen, der nur dann gefährlich wird, wenn nach ein paar Sekunden niemand nachgibt.

Wenn sich die Tiere ineinander verbeißen,  was wirklich ganz, ganz selten vorkommt,  aber es kann passieren,  wenn ein Tier nicht richtig sozialisiert ist und die normale Art und Weise, auf ein fremdes Tier zu reagieren, nicht beherrscht -

wenn das vorkommt, gehen Sie nie !!! mit der Hand dazwischen, sondern hauen Sie mit der Hand an den Stall, klatschen Sie in die Hände und versuchen Sie, damit die Tiere zu erschrecken, damit sie von einander lassen.

Ein Biss von einem verängstigten Meerschweinchen kann böse Folgen haben, denn das Tier ist in Panik und schnappt nach allem, was ihm zu nahe kommt.

Es kann bis zu 2, 3 Tagen dauern,  bis sich eine Rangordnung neu gefunden hat.

In dieser Zeit sollten Sie nicht eingreifen ( es sei denn, es kommt zu Beißereien, aber dann ist die Vergesellschaftung sowie so auf Dauer gescheitert)

Kleine Jagereien mit Quieken, ab und zu eine Drohgebährde, die Hochspringen, Klappern mit den Zähnen,  ist o.k. und völlig normal.

Haben Sie das Gefühl,  die Tiere haben sich beruhigt,  dann servieren Sie ihnen ein paar besonders leckere Sachen, wie einen kleinen Haufen Gras, grünen Hafer oder ähnl.

Gurken und Möhren nur dann geben,  wenn für jede Tier mind. ein Stück da ist,  sonst kommt es zu Futterneid und wieder Unruhe im Stall.

 

Gemeinsames Fressen verbindet und bringt die letzten Türme des Misstrauens zum Einsturz!


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