Fütterung
Meerschweinchen haben einen 2 Meter langen Darm in ihrem kleinen Körper. Der Magen hat keinen Muskel (durch den z. B. Erbrechen möglich wäre) und arbeitet so, dass die neue Nahrung die alte Nahrung weiterschiebt.
Das Meerschweinchen braucht bis zu 60 kleine Mahlzeiten, d.h. eigentlich ist es immer am Fressen.
Diese Mahlzeiten müssen aus rohfaserreichen, aber kalorienarme Nahrung bestehen, damit das Tier nicht verfettet.
Deshalb ist Heu das Grundnahrungsmittel.
Füttern man KEIN HEU, frißt das Tier Unmenge an Körnerfutter, um seinen Magen- und Darmtrakt zu füllen und hat zu viele Kalorien und zu wenige Ballaststoffe und wird auf die Dauer krank.
Außerdem haben Meerschweinchen Zähne, die ihr Leben lang wachsen. Schon im Mutterleib wird das Milchgebiss gewechselt. Damit sich die Zähne abwetzen, ist es nötig, dass das Tier lange auf der Nahrung kaut. Nur so bleiben die Zähne auf der richtigen Länge und funktionieren einwandfrei.
Bestehen Sie darauf, die Zähnchen bei einem neugekauften Baby zu sehen. Wenn die Frontzähne nicht gerade übereinander stehen, kann man damit rechnen, dass auch die Backenzähne nicht korrekt angeordnet sind.
Solange das Baby noch flüssige Nahrung aufnimmt, wächst es gut, wenn es aber feste Nahrung zu sich nehmen muss, bekommen MS-Jungtiere mit einer angeborenen Zahnfehlstellung große Problem und verhungern meistens qualvoll, wenn ihnen nicht geholfen wird.
Viel häufiger als eine angeborene Zahnfehlstellung ist die erworbene. Diese kann jederzeit entstehen, wenn dem Tier falsche Nahrung angeboten wird.
Erhält es nur weiches Gemüse und z. B. Haferflocken, können die Zähne sich nicht mehr abwetzen und wachsen unkontrolliert weiter. Im schlimmsten Fall führt das zu einer sogenannten Brückenbildung, bei der die Zähne die Zunge wie ein Brücke einengen und das Fressen unmöglich machen. Man merkt dies an einer rapiden Gewichtsabnahme und am starken Speicheln des Tieres.
Erworbene Zahnfehlstellungen können vom Tierarzt korrigiert werden. Hierzu ist meistens eine leichte Narkose nötig und eine regelmäßige Kontrolle. Auch muss natürlich das Nahrungsangebot überprüft und ggf. verbessert werden.
Eine weitere Besonderheit beim Meerschweinchen ist, dass es selbst kein Vitamin C bilden kann. Es muss daher täglich Vitamin-C-haltige Nahrung zur Verfügung haben, da sich dieses Vitamin nicht im Körper speichern läßt sondern ein Zuviel am Tag über den Urin ausgespült wird.
Da Vitamin C lichtempfindlich ist, empfiehlt sich zur Sicherheit ein mit Vitamin C angereichertes Pelletfutter. Hierbei wird das Vitamin C (und die anderen notwendigen Vitamin- und Mineralstoffe) durch ein spezielles Verfahren stabilisiert und baut sich erst nach Ende des Haltbarkeitsdatums langsam ab. Trotz dieses Futter darf man nicht auf vitaminhaltige Nahrung 1 x täglich verzichten.
Unser Fütterungsplan:
Morgens geben wir frisches Bio-Heu aus der Rhön und füllen die Trinkflaschen mit frischem Wasser auf.
Mittags gibt es dann Gemüse, Obst und im Sommer Wiesenschnitt.
Falls das Heu weggefressen wurde, wird aufgefüllt, den Heu und Wasser müssen immer vorhanden sein.
Ist nur eine zweimalige Fütterung pro Tier möglich, empfiehlt es sich, das Frischfutter mit Heu und Wasser und Pellets abends zu geben.
Beim Pelletfutter geben wir zur Zeit
MeerschweinC -Pellets von der Firma Ovator
Alle Nährstoffe, die das Tier zum Heu braucht, sind dort in jedem einzelnen Pellet in gleicher Menge vorhanden. Bei Mischfuttersorten frißt das eine Tier vielleicht gerade das kalorienhaltige Getreide und hat zu viele Kalorien, das andere Tier bekommt nur das getrocknete Gemüse und hat zu wenig Energie.
Dieses Problem kann man mit einer Ein-Pelletfütterung entschärfen.
Da meine Tiere in verschiedenen Altersgruppen zusammen sitzen, gebe ich die Pellets nach Bedarf, d.h. sie werden nicht rationiert und der Futternapf jeden Abend aufgefüllt.
Ausgewachsene Tiere in Innenhaltung, die weder Unmengen an Fell bilden müssen noch im Wachstum sind oder in der Säugephase oder Babys bekommen, kann man gänzlich ohne Trockenfutter ernähren, wenn man immer genügend Heu zur Verfügung gibt, frisches Wasser und mindestens 10 % des Gewichtes der Tiere an Saftfutter.
Das sind bei einem ausgewachsenen Meerschweinchen ca. 100 g pro Tag.
Fütterung im Winter:
Im Winter gibts bei uns Möhren, Endivien, säurearme Äpfel, Fenchel und Selerie. Pro Tier wird abend oder mittags ein Stück von ca. 100 g gereicht.
Im Sommer gibts es Wiesenschnitt, mit Gras, etwas Klee und Kräutern hier direkt aus der Rhön.
Der Übergang vom Winter- auf die Sommerfütterung muss ganz langsam erfolgen, da es sonst zu schweren Verdauungsproblemen kommen kann.
Außerdem ist das erste Gras sehr eiweißhaltig und schwer verdaulich.
Leckerlies:
Meerschweinchen nehmen gerne kleine Leckerbissen aus der Hand. Man kann ihnen jede Menge Tricks beibringen, wenn man sie damit lockt.
Gekaufte Leckerlies mit Joghurt, Honig usw. sind da allerdings völlig ungeeignet, da sie für die emfindliche Darmflora eher schädlich als nützlich sind.
Sie bereichern nur der Tiernahrungsmittelindustrie.
Versuchen Sie es mit einem Stück Gurke oder einem Löwenzahnblättchen. Die kleinen Bettler werden dies ganz begeistert annehmen und es ist auch noch gesund.
Abnutzen der Zähne
Zum Abnutzen der Zähne empfehle ich ungespritzte Zweige von Obstbäumen oder Haselnuss oder Weidenästchen.
Auch die "wilden" Triebe meiner Korkenzieher-Hasel werden gut von meinen Meerschweinchen verwertet.
Vitaminzusätze und Co.
Wenn Sie ihrem Tier täglich etwas Frisches anbieten, dazu immer Heu und Wasser, brauchen Sie keine weiteren Vitaminzusätze. Auch Salzlecksteine sind nicht nötig.
Das Gemüse sollte nicht gespritzt sein und eine kleine Schnecke auf dem Biosalat wird gerne als Eiweißzugabe mit verputzt.
Vorsicht vor Gras in der Nähe von Hundeklos. Hier drohen Würmer.
Verschimmeltes, angegährtes und welkes Gemüse und Obst gehören nicht in den Magen eines Meerschweinchens sondern auf den Kompost.
Wird fortgesetzt....
Fal