Das Interview mit Denise Virieux

Die schöne Denise Virieux
Die Frau, die Schimanski küsst


Stark, selbstbewusst, erfolgreich – mit Markenzeichen Wuschelkopf: Denise Virieux, TV-Star aus der Schweiz, der große Erfolge in Frankreich, Kanada und Deutschland hat.

Foto: Christoph Krackhardt
Sie ist die Frau, die beneidet wird. Flirtet, liebt und zankt mit Deutschlands berühmtesten Bullen, legt dem einsamen Wolf Ketten an, macht den Macho zum Männchen. Denise Virieux (36) ist seit 1997 die Frau, die die Krimi-Reihe „Schimanski“ mit Sex und Sinnlichkeit würzt und dabei weiblicher Gegenpol zum starken Götz George ist.

Die gebürtige Schweizerin drehte in Kanada und Frankreich, gab 1986 im Sechsteiler ihr Deutschland-Debüt und hat seit 1999 eine Hauptrolle in „Berlin Klinikum-Mitte“. Sie ist gerade wieder für einen neuen „Schimanski“ im Rheinland. Im Sonntag-EXPRESS-Gespräch erzählt sie von den Vor- und Nachteilen eines Lebens als „die von Schimmi“.

Sonntag-EXPRESS: Wie ist es, im TV Lebenspartnerin von Götz George zu sein?

Denise Virieux: Großartig! Er ist ein fantastischer Schauspieler, ein toller Kollege und ein unheimlich umgänglicher, netter, herzlicher Mensch. Es macht wahnsinnig viel Spaß, mit ihm zu drehen. Von ihm kann man außerdem viel lernen!

Zehn Folgen mit Schimanski - würden sie gern mit ihm alt werden?

Marie-Claire und Schimanski lieben sich, das ist unbestritten. Aber sie wissen noch nicht, ob sie zusammen alt werden, welche Überraschungen das Leben für sie bereit hält. Wenn Sie mich als Denise fragen: Ich kann mir schon vorstellen, dass die beiden noch einen längeren Weg gemeinsam gehen.

Aber Marie-Claire bleibt weiter im Schatten von Schimmi...

Diese Reihe heißt nun mal „Schimanski„ und nicht „Marie-Claire“. Deswegen zeigt man ihn natürlich viel mehr und mich viel weniger. Aber dass sie im Schatten steht, finde ich nicht. Marie-Claire ist eine starke, selbstbewusste Frau mit Eigenleben, die keineswegs den ganzen Tag zu Hause sitzt und sehnsüchtig auf ihren Liebsten wartet.

Könnten Sie sich vorstellen, dass Ihre Rolle ausgebaut wird?

Das ist geplant. Aber die Story müsste besonders gut sein. Sie muss von vorne bis hinten stimmen. Wir waren mit einer Idee schon mal ganz dicht dran, aber dann passte sie doch nicht in das vorliegende Drehbuch und wir haben sie vertagt.

Was wäre denn die Idee? Sollten Sie ein Opfer spielen?

Das läge nahe. Ich könnte zum Beispiel entführt werden. Mich als Schauspielerin würde es in einem solchen Fall aber nicht reizen, dass ich lediglich in einen Keller gesteckt werde und auf meinen Retter warte.

Ich fände es viel spannender, wenn Marie-Claire mit Schimanski zusammen durch die Geschichte gehen würde, ich fände es viel reizvoller, zu erleben, wie diese beiden Menschen in einer solchen Situation miteinander umgehen, wie tief ihre Zuneigung wirklich ist.

Bei Schimanski sind Sie die starke Frau, die es mit einem starken Mann zu tun hat, und bei denen das offensichtlich klappt. Glauben Sie, dass es eine solche Art der Beziehung auch im wahren Leben gibt?

Oh ja, ganz sicher! Denn genau das lebe ich in meinem Leben auch. Ich könnte nicht 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr ununterbrochen mit einem Partner zusammen und möglicherweise auch noch abhängig von ihm sein. Ich brauche meine Unabhängigkeit. Ich finde es ganz normal und wichtig, dass der andere auch großen Wert auf seine Eigenständigkeit legt.

Man sagt, nur wer Eifersucht kennt, kennt auch die Liebe...

Man mag es vielleicht nicht glauben: Aber Eifersucht ist mir völlig fremd. Ich habe ein solches Gefühl wirklich noch nie gespürt. Die Liebe kenn ich aber doch!

Ihre andere aktuelle Rolle ist die der Oberärztin Ritter in „Klinikum Berlin - Mitte“. Sie selbst kommen aus einer Arztfamilie. Hilft Ihnen das bei der Arbeit?

Ja, ich habe sofort zugesagt. Ehrlich gestanden wollte ich unbedingt dieses Kostüm haben! Ich habe schon so viele Rollen gespielt, aber ich war noch nie eine Ärztin im weißen Kittel. Ein sehr interessantes Kostüm. Plötzlich ist man in der Lage, mit Autorität irgendwelche Dinge zu sagen, die man ohne diesen Kittel nicht sagen würde oder sagen könnte. Extrem eigenartig und aufregend zugleich.

Wie ist es im Polizistinnen-Kostüm? Gibts da einen ähnlichen Uniform-Effekt?

Es ist schon witzig, in Uniform eine Straße zu überqueren und der Verkehr stoppt von allein, nur weil man eben dieses Kostüm trägt. Die Leute gucken einen ganz anders an, irgendwie mit mehr Respekt.

Sie sind in der Schweiz aufgewachsen, arbeiten in Kanada und Deutschland, hier speziell im Rheinland und in Berlin. Wo liegt Ihre Herzensheimat?

Na ja, dann doch nicht so sehr in der Schweiz. Mein Herz schlägt mehr, wenn ich nach Paris fahre, als wenn ich in Lausanne ankomme. Mein Herz schlägt auch mehr, wenn ich in Toronto lande als in Genf. Und das gleiche erlebe ich, wenn ich in Berlin bin statt in Bern. Also sehe ich mich mehr wie eine Mischung aus Französin und Deutsche.

Haben Sie auch einen Herzensbezug zum Rheinland?

Ich war schon im Rheinland, ehe ich Schimanski drehte. Mein Bruder lebt in Bonn und ich habe sogar eine Tante in Köln. Berlin reizt mich allerdings mehr, vielleicht auch, weil es mir vertrauter ist. Denn ich arbeite dort mehr als im Rheinland.

Ist es Vor- oder Nachteil, wenn man in so vielen Ländern als Schauspielerin arbeitet?

Es hat Vor- und Nachteile. Das vielen Reisen und die unterschiedlichen Erfahrungen und Erlebnisse, die man dabei macht, sind eine große Bereicherung. Für den Beruf ergeben sich daraus sicher Nachteile, denn man hat in keinem Land richtig Zeit, seine Karriere konsequent auszubauen.

In welchem Land möchten Sie am liebsten mehr arbeiten?

Weiterhin in Deutschland natürlich. Da ich schon seit längerem relativ viel in diesem Land drehe, freue ich mich, dass man mich hierzulande inzwischen nicht nur als „die vom Schimmi“ sieht und kennt. Ich würde aber gern noch mehr in Frankreich arbeiten. Französisch ist meine Sprache, es ist die, in der ich meinen Rhythmus habe, in der ich mich absolut wohl fühle.

Und wie denken und träumen Sie?

Sie werden lachen: Ich denke inzwischen in Deutsch! Das ist in der Tat ein entscheidender Schritt in meinem Leben. Es war ein langsamer Prozess und fing in Kanada an: Erst träumte ich ausschließlich Französisch, dann plötzlich Englisch und nun Deutsch.

Sie haben eine wunderbare Stimme. Planen Sie auch eine musikalische Karriere?

Danke, aber leider habe ich in dieser Richtung gar keine Begabung. Ich habe nicht mal ein musikalisches Ohr. Wenn ich die Chance hätte, noch mal ein neues Leben zu beginnen, würde ich mir eine musikalische Begabung sehr wünschen.

Aus dem Leben der Macho-Bändigerin
Denise isst am liebsten Fisch im Pariser Restaurant „C´est le duc“. Sie trinkt am liebsten Champagner („und das nicht alleine“). Ihr Lebensmotto ist „Carpe Diem - nutze den Tag“.

Ihr Lieblingsplatz im Rheinland ist die Bar im Kölner „Savoy“ am Abend nach Drehschluss. Ihr nächster TV-Film ist „Ein Trick zu viel“, ab September wieder im Rheinland.

Ihre Film-Traumpartner sind Al Pacino und Johnny Depp. Ihre Wunschrolle ist unter anderem, eine Kommissarin zu spielen.

Ihr Lieblings-TV-Sender ist Arte, sie liest beim Drehen Krimis (gerade „Die falsche Fährte“ von Henning Mankell).



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