So, hier das Ergebnis meiner Internetsuche nach allem Möglichen zu KBM oder Denise Virieux oder Dirk Martens!
Von Rainer Tittelbach
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Vorbild für «Klinikum Berlin Mitte» war die Erfolgsserie «Emergency Room», hier mit Anthony Edwards und Kellie Martin. Foto: AP | ||
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Die 999. Arztserie im deutschen Fernsehen, so scheint es. Aber eine der besten. «Klinikum Berlin Mitte», fast ausschließlich im Studio Babelsberg produziert, erzählt vom Alltag in einer Notaufnahme im Zentrum der Hauptstadt. Es herrscht Dauerstress, Menschenleben werden im Sekundentakt gerettet, für das private Glück bleibt da wenig Zeit. «Was Tempo, Bildsprache und Inszenierung angeht, war natürlich ¸Emergency Room´ (ER) unser großes Vorbild», sagt die verantwortliche ProSieben-Redakteurin Edda Sonnemann. Dass der Sender seine neue Arzt-Soap und den zwölffachen Emmy-Gewinner aus Steven Spielbergs TV-Fabrik für durchaus ebenbürtig hält, zeigt die Tatsache, dass er künftig beide Serien jeden Dienstag nacheinander ausstrahlt. 21.15 Uhr, Pro 7Man wird förmlich hineingesogen in die neue Klinik-Gemeinschaft. Ein Tag, sprich 50 TV-Minuten «Leben in Bereitschaft», und schon hat man das zwölfköpfige Team ausgiebig kennen gelernt. Da sind die sympathischen Assistenzärzte: der Frauenheld Dr. Leyendecker (Francis Fulton-Smith), der Familienvater Dr. Hauff (Thomas B. Martin) und die allein erziehende Frau Dr. Jungblut (Anke Sevenich), die beiden Letzteren mit ewig schlechtem Gewissen. Außerdem gibt es eine attraktive Anästhesistin (Rita Lengyel), einen Arzt im Praktikum (AiPler), zwei Schwestern (Dorkas Kiefer, Lisa Wolf), zwei Oberärzte, einen Widerling (Dirk Martens) und einen sanften Engel (Denise Virieux). Schließlich sind da noch der launische Klinikchef (Hans-Martin Stier) und das Faktotum der Notaufnahme, der behinderte Stationsbote Dieter. Auch die Gaststars können sich sehen lassen: Unter anderen treten Nadja Ab del Farraq, Axel Schulz und Dolly Buster in Erscheinung. Bei Vorab-Tests, so Sonnemann, sei auffallend gewesen, «dass die Zuschauer sich gleich die Figurennamen gemerkt haben und sehr schnell in den Rollen und Problemen drin waren». Wie bei «Emergency Room» steht das Team im Mittelpunkt. Dessen Alltag bestimmt nicht nur die Geschichten, die Wahrnehmung der Helden wird auch geschickt in die Dramaturgie eingewoben: Rasche Reizwechsel, hohes Tempo, so ist nun mal das Leben in der Notaufnahme. Und der Berliner Alltag bietet so einiges: In der Auftaktfolge «Hundtage» bekommen es die Mediziner mit Verätzungen, einer Kopfwunde nach Beziehungsstress und einem schweren Fall von Sonnenbrand zu tun, sogar bei einer Geburt darf die Assistenzärztin helfen. Fünf, sechs kleine Fälle kommen pro Episode zur Behandlung. Außerdem wird mit echtem medizinischem Gerät hantiert, selbst Medikamentierung, Diagnosen und Dialoge seien außerordentlich realistisch («Wir machen eine proximale selektive Vagotomie»), um einen bislang ungeahnten Realitätseffekt zu erreichen. Aber so ganz ohne «Hauptfälle», wie sie seit Tagen der «Schwarzwaldklinik» zu jeder richtigen Weißkittel-Serie gehören, geht es auch in «Klinikum Berlin Mitte» nicht. «Es sind immer Spiegelfälle zu der emotionalen Gemütslage eines unserer Haupthelden», so Sonnemann. Heute geht es für Frau Dr. Jungblut gleich lebensentscheidend zur Sache. Ihre Tochter hatte nach einem Streit mit ihr einen schweren Unfall, sie schwebt in Lebensgefahr. Zum Realismus-Konzept der Serie gehört, dass nicht die eigene Mutter operieren darf. Auf solche Seifenoper-Effekte verzichtet die ProSieben-Serie wohlweislich. «Anders als ¸ER´ lassen wir uns schon mehr Zeit für die Patienten-Schicksale», sagt Sonnemann. Bei «Emergency Room» werden ja oft die krassesten medizinischen Fälle im Vorbeigehen erzählt. Das lässt sich gleich heute in der ersten Folge zur fünften «ER»-Staffel wieder überprüfen, wo man sich kaum Zeit nimmt für das Schicksal einer sterbenden alten Frau, die sich gegen lebenserhaltende Maßnahmen entschieden hat. «Die Amerikaner konsumieren einfach anders», betont Sonnemann. «Dem deutschen Zuschauer aber muss man die Chance geben, einen gewissen Nachhall entwickeln zu können.» Die Bedenken gegenüber allzu großer Hektik spürt man auch in den Bildern. Kein Dauer-Gewackel der Kamera wie in den ersten beiden «ER»-Staffeln. Sonnemann: «Die Steadycam verwenden wir nur in den wirklich heißen OP-Situationen.» Die Geschichten sollen «wieder erkennbar deutsch» bleiben und die Konflikte nicht arztspezifisch sein, sondern durchaus vom Zuschauer aus eigener Erfahrung nachempfunden werden können. In erster Linie erzählt deshalb «Klinikum Berlin Mitte» von der Verstrickung von Job und Privatleben. Dabei werden zwar Rollen-Klischees wie der charmante Single oder der beziehungsstressgeplagte Ehemann wiederbelebt, aber die offene Dramaturgie macht das durchaus erträglich. Die privaten Beziehungen bekommt man hier und jetzt sowieso nicht in den Griff, denn da geht schon wieder der Pieper. Und Herr oder Frau Doktor müssen rein in den OP. | ||
Füßetrappeln. Hektik. Im Eiltempo wird ein Notpatient hereingekarrt. In Sekundenschnelle sind lebenswichtige Entscheidungen zu treffen. Das Blitzlichtgewitter der Pressefotografen bricht aus. Ein Set-Motiv voller Dramatik im Counter des Klinikums Berlin-Mitte. Kino-Blut fließt.
Produzent Kaiser: "Schnelligkeit ist Trumpf. Wir fetzen durch die Gänge, dass es qualmt."
Modernste Medizintechnik blitzt hinter Glaswänden und sanftem Hellgrün. Die Marlene-Dietrich-Halle in den Babelsberger Filmstudios ist in eine Rettungsstation verwandelt. Schockraum, Wartesaal und Behandlungszimmer.
Am Rezeptionstresen lehnt Regisseur Bernd Stephan. Alte Heimat? "Ein bisschen schon." Noch vor einem Jahrzehnt war Stephan in Babelsberg fest angestellter DEFA-Mann (Debüt 1974 mit "Für die Liebe noch zu mager"). Für den heutigen TV-Serien-Profi, u.a. "Salto Postale", ist das "Klinikum Berlin- Mitte" Zwischenstation nach Arbeiten mit Horst Buchholz und Thekla Carola Wied und vor dem neuen ZDF-Staffeldreh für "Der letzte Zeuge" mit Ulrich Mühe.
"Hier wird Hightech gemacht", schwärmt Bernd Stephan. "Super 16, also Kinoqualität! Das hat mich gereizt. Wir haben Drehbücher ohne Seelen-Schmalz, ein Klasse-Team mit erfahrenen Leuten wie Hans Martin Stier, Francis Fulton Smith oder Anke Sevenich, jungen Stars wie Dorkas Kiefer und neue Gesichter wie Peter Ketnath. Und vor allem haben wir - Geld!"
Das Rezept der Weißkittel-Serie von ProSieben: Action, temporeiche Storys mit den - getreu Hemingway - großen Unterhaltungsthemen Arbeit, Kampf, Liebe und Tod. Berliner City-Shots, ein Heer von Komparsen und Außenaufnahmen, z.B. in der Diskothek mit den Strippern von "Chippendale" - gespart wird nicht!
Phoenix-Produzent Kaiser, Sachverständiger mit zwei Semestern Medizin und einer Ärztin als Ex-Frau, beziffert: "Jede der 43-Minuten-Folgen kostet eine Million, eine sehr gute Million!"
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