Im Vereinsmagazin des 1. Basenjiklubs Deutschland v. 1977 e. V. "Basenji Buschtrommel" von mir verfasste und veröffentlichte Artikel rund ums Thema "Tierschutz".
Über Verwandtschaftsverhältnisse oder die „Sache mit Belay“
.......dann erreichte mich die email einer Dame aus dem bayerischen Raum, die ihre 6 Monate alte rot/weiße Basenjihündin wegen „Zeitmangel ???“ abgeben musste. Nachdem ich erfuhr, dass genau diese Hündin bereits per Internet-Inserat für € 300 verkauft werden sollte, nahm ich telefonischen Kontakt zu ihr auf.
Sie erklärte mir, dass die Züchterin den Hund nach einigem Hin- und Her bereits wieder zurückgenommen hat. Auf meine Frage was denn nun der wirkliche Grund für die Rückgabe des Hundes wäre erklärte sie mir, dass es wohl Verhaltensprobleme bei „Bathia“ wären. Wir telefonierten eine Zeit lang. Irgendwie war es aber meiner Gesprächspartnerin wohl nicht bekannt, dass Hunde (wie jedes andere Haustier auch!) nicht als Spielkameraden für kleine Kinder (in diesem Haushalt 4) angeschafft werden sollten. Manche Hunde (und ich glaube, Basenjis im Besonderen) möchten nicht ständig rumgetragen und festgehalten werden und verzeihen ein „Schwänzchen- oder Öhrchenziehen“ nicht immer unbedingt. Nach dieser schlimmen Basenjierfahrung ist das Thema „Hund“ in dieser Familie nun vollständig vom Tisch. Dem Himmel sei Dank!
Ich forschte dennoch weiter und erfuhr, dass Bathia von einem Züchter aus Bayern stammt der nicht nach den Richtlinien des VDH/BKD züchtet und dass diese Hündin noch dazu eine Ur-Enkelin von meinem Rüden Hatani ist.
Keine 2 Wochen später, es war genau der 2. Juli gegen 15:00 Uhr, erreichte mich der Anruf einer lieben besorgten Dame, ebenfalls aus dem bayerischen Raum, die mir erklärte, sie habe eine „Tier-Service-Agentur“ und vor ca. 2 Stunden einen 7 Monate alten rot/weißen Basenjirüden aus einer kleinen Etagenwohnung geholt. Momentan war ich total „baff“. „Wieso, warum, was ist mit dem Hund und, und, und....“ wollte ich wissen. Frau Schiff Inhaberin dieser Agentur erklärte mir, „Belay`s“ Herrchen ist schwer erkrankt, der Notarzt war bereits vor Ort. In seiner Not hätte Belay`s Besitzer wohl bei ihr, da sie im selben Wohnort lebt, um Hilfe gesucht. Von einem Basenji-Klub oder gar einer Basenji-Nothilfe wusste er nichts. Wie traurig!
Frau Schiff nimmt zeitweilig Pflegehunde auf, nennt selbst ein paar Exemplare als ihr „Eigen“ und betreibt eigentlich eine Auffangstation für Zwergkaninchen aus dem Tierschutz (ist doch ein optimaler Platz für einen Basenji, oder?). Da der Rüde wohl ein etwas anderes Verhalten an den Tag legte als es Frau Schiff von anderen Pflegehunden gewohnt war, Belay ist in ihr Haus gefetzt wie „Hans-Dampf-in-allen-Gassen“, gab ich ihr einen Crash-Kurs in Sachen Basenji.
Der Gesundheitszustand von Belay`s Besitzer war zu diesem Zeitpunkt noch nicht völlig klar. Da Frau Schiff Belay aus verschiedenen terminlichen Gründen nur kurzfristig betreuen konnte, landete der Rüde mit Foto und Kurzbeschreibung auf der Suche nach einem vorübergehenden Pflegeplatz auf der Basenji-Nothilfe-Seite.
Belay stammt ebenfalls aus Bayern. Sein Züchter gehört nicht dem BKD an. Wie ich in Erfahrung bringen konnte, ist Belay ein Enkel von Hatani. Ganz schön viel unbekannte Verwandtschaft innerhalb so kurzer Zeit.
Ich gebe zu, ich bin „Vieltelefonierer“ aber von diesem Zeitpunkt an hing ich nur noch an der Strippe.
Belay „überredete“ Frau Schiff, dass er nicht mit den anderen Hunden im Hundezimmer schlafen möchte, sondern lieber bei ihr im Schlafzimmer nächtigen will (wo sollte ein Basenji auch sonst schlafen?). Auch ein kleiner Spaziergang über den Wohnzimmertisch sei ja wohl gestattet, oder?
Der Gesundheitszustand von Belay`s Besitzer verschlechterte sich drastisch. Ich nahm Kontakt zu seinem Sohn auf. Wir sprachen sehr lange miteinander. Am nächsten Tag erfuhr ich, dass Belay`s Herrchen seinem Sohn eine Vollmacht erteilt hat um einen festen und endgültigen Platz für den Rüden zu suchen da er sich wohl nie wieder im vollem Umfang um Belay kümmern kann.
Also änderten wir unsere Pflegeplatzanzeige in der Nothilfe kurzerhand um. Es musste alles schnell gehen, Frau Schiff von der Tier-Service-Agentur hatte Termindruck und Belay musste in ein paar Tagen vermittelt sein.
Ich stöberte in meinem Leitz-Ordner der Basenji-Nothilfe wo ich Anfragen von Interessenten für in notgeratene Basenjis abgeheftet hatte als mich just in diesem Moment eine email von Familie Müller aus der Nähe von Kaiserslautern erreichte. Sie hatten sich seinerzeit schon für „Kimba“ aus der Notvermittlung interessiert. Keine Stunde später telefonierten wir miteinander.
Familie Müller hatte aber nun bereits einen 7 Monate alten rot/weißen Basenjirüden, ebenfalls aus dem bayerischen Raum (von wo denn sonst?) gekauft, natürlich ebenfalls aus einer nicht VDH/BKD Zucht. Was soll ich sagen, der Rüde von Familie Müller ist wiederum ein Ur-Enkel von meinem Hatani.
Da „Bartu“ der Rüde der Familie kein Einzelbasenji bleiben soll, möchten sie gerne Belay aus der Nothilfe adoptieren. Ich war sehr erfreut darüber aber etwas skeptisch, 2 junge Basenjirüden deren Testosteronschub nicht mehr lange auf sich warten lässt aneinander zu gewöhnen, schien mir nicht ganz so einfach.
Ich nahm wiederum Kontakt zu Frau Schiff und zum Sohn von Belay`s Besitzer auf. Klärte beide Parteien über die Sachlage auf denn die Zeit saß mir im Nacken, aber wir mussten die Probe aufs Exempel wagen.
Wir suchten nach einem Tag an dem wir „Alle“ Zeit hatten! Der Sohn von Belay`s Besitzer der mitten im Umzug war, wollte sich von dem kleinen Rüden verabschieden. Außerdem musste ich von ihm noch den Vermittlungsauftrag unterzeichnen lassen. Frau Schiff hatte genügend Arbeit mit ihren Tierschutz-Kaninchen, Familie Müller hatte einen langen Fahrweg und auch ich musste ausreichend Zeit aufbringen. Wir konnten uns auf Sonntag den 12.07.09 einigen. Belay war zu diesem Zeitpunkt nur 9 volle Tage in der Basenji-Nothilfe-Vermittlung!
Ich wollte eine Zusammenführung im angenehmen Rahmen von Belay und Bartu arrangieren. Immerhin sind die beiden Basenjibuben Großcousins (oder so ähnlich, jedenfalls). Ich war auf der Suche nach einem eingezäunten Hundeplatz, meine 3 Basenjis sollten mit vor Ort sein damit sich die „Sache“ nicht nur auf die beiden Jungrüden konzentriert. Leider sind Sonntag Mittag viele Hundeplätze bereits für Agility-Training oder ähnliches vergeben. Es schien aussichtslos! Frau Schiff hatte da mehr Glück und konnte für unser Treffen einen Hundeplatz in ihrer Umgebung für 2 Stunden unentgeltlich während der Mittagszeit reservieren.
Tja, wir waren alle pünktlich vor Ort und es lief alles bestens. Fotos von der Familienzusammenführung können in der Basenji-Nothilfe-Seite unter „Wir haben es gefunden“ begutachtet werden. Belay konnte zum ersten Mal in seinem Leben das tun was Basenjis so sehr lieben, nämlich rennen, rennen, rennen..... Sein Besitzer konnte ihm dies aufgrund seines schon länger andauernden schlechten Gesundheitszustandes nie ermöglichen.
Familie Müller fuhr, nach Unterzeichnung des Basenji-Schutzvertrages, gemeinsam mit Belay und Bartu in ihre Heimat. Ich freu mich immer wieder auf ein Telefongespräch mit den „Müllers“, wenn sie mir von den Aktivitäten ihrer Basenjis berichten. Außerdem freu ich mich, dass wir auf diesem Weg neue Vereinsmitglieder gewonnen haben.
Auch bin ich noch zeitweilig mit Frau Schiff in Kontakt. Bei unseren Telefonaten zeigt sich immer wieder wie wichtig Tierschutzarbeit ist, wie schlimm manche Erfahrungen daraus sein können und wie schön Erfolge sind.
Was mir aber ganz sicher in der „Sache mit Belay“ aufgezeigt wurde ist, wie wichtig es für uns Züchter im Verband des VDH/FCI/BKD ist, Aufklärungsarbeit zu leisten. Nicht nur, dass unsere Zuchthunde alle erforderlichen Gesundheitsuntersuchungen haben (bei manchen Züchtern sogar darüber hinaus), man bei Basenjiwelpen aus der Zucht des 1.Basenjiklubs Deutschland v. 1977 e.V. das „Rundumsorglospaket“ erhält. Selbstverständlich kann es jeden Züchter auch aus dem BKD treffen, dass eine Welpe/Hund aufgrund Krankheit, familiärer Probleme einen neuen Platz sucht.
Aber „unsere“ Welpenkäufer sollen sich bei solchen Problemen niemals allein gelassen fühlen. Wir klären unsere Welpeninteressenten über alle „Ecken und Kanten“ des Basenjis auf, wir erklären wie „ein Basenji tickt“ damit ein Zusammenleben mit diesen faszinierenden Hunden immer ein positives Erlebnis sein wird.
Karin Teufel
-Tierschutzbeauftragte des BKD-
Nachtrag: Nach Fertigstellung des Artikels erfuhr ich, dass sich Belay`s Züchter über den ehemaligen Besitzer bzw. bei Frau Schiff nach dem Verbleib des Rüden erkundigt hat. Der Züchter wurde an die Basenji-Nothilfe verwiesen. Bis Redaktionsschluss hat er aber keinen Kontakt zu mir aufgenommen.
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