Nach welchen Kriterien beurteilst Du
Bücher?
Oder anders formuliert:
"Wer glaubst Du eigentlich daß Du bist?!"
Letztendlich kommt es einzig
auf die Meinung des individuellen Lesers an: Es ist ganz einfach
Geschmackssache. Für gewöhnlich weiß man, wann einem ein Buch
gefällt, auch ohne viel Ahnung vom Schreiben. Mir geht´s da nicht
anders. Oft findet sich aber ein Zusammenhang mit einigen
Basisregeln des (fiktionalen) Schreibens. Ich empfehle hierzu Sol
Steins Buch Über das Schreiben im
Zweitausendeins-Verlag.
Hier sind einige der
wichtigsten Kriterien für einen erfolgreichen fiktionalen
Text.
Zeigen, nicht erzählen!
Natürlich kann ich
schreiben:
"Margaret war schon
wieder der Hysterie nahe. Sie keuchte wie eine alte Dampflok, aber
Lydia kannte das ja schon von unzähligen anderen Szenen, die die
Gouvernante ihr bereits gemacht hatte. Vorwürfe, immer wieder
dieselben. Sie hatte wirklich keine Lust, sich die alte Leier schon
wieder anzuhören."
Das wäre die Szene in
erzählter Form. Hier ist sie gezeigt:
"Sie haben ihm
verboten..." Margaret zögerte und wandte ihre
weitaufgerissenen blauen Augen ab, während sie ein anderes Wort
suchte. "Sie haben ihm verboten zu jagen", sagte sie
schließlich. "Als Bedingung dafür, dass er mit Ihnen reisen,
Sie beschützen darf." Ihre Stimme stockte, und sie rang die
schwarzbehandschuhten Hände. "Jetzt, wo wir unser Ziel
erreicht haben, haben sie wirklich kein Recht, weiter...
weiter..."
Lydia erstarrte. Sie konnte
Margaret nur anstarren, zu schockiert, um zu
sprechen.
Margaret, die gehofft hatte,
Lydia würde etwas sagen und es ihr ersparen, den Satz - und ihren
eigentlichen Gedanken - zu Ende zu führen, verstummte unsicher, und
einen Augenblick lang war nur ihr krampfhaftes Ein- und Ausatmen zu
hören. Dann platzte sie heraus: "Sie verstehen ihn
nicht!" (B. Hambly, Gefährten des Todes, Bastei-Lübbe
1999, S. 231f.)
Jedes Wort zuviel ist genau das - ein Wort
zuviel
Keine ellenlangen
Schachtelsätze bilden. Je knapper und präziser die Sätze sind,
desto temporeicher wird die Geschichte. Das gilt auch und vor allem
für Dialoge. In einer Geschichte wirkt es störend und hemmend, wenn
Gespräche wie wörtlich aus der Realität übernommen klingen
(Stichworte "Äh...", "na ja", "ein
bißchen" etc.) Szenen und Dialoge nicht wiederholen, wenn
dadurch keine wesentlichen neuen Informationen transportiert
werden.
Adjektive sind die falschen
Propheten
Du schreibst eine
Geschichte. Du löschst die allermeisten Adjektive heraus. Wenn die
Geschichte dann noch spannend ist, ist sie es wert, erzählt zu
werden. Wenn nicht, denke über "Zeigen, nicht erzählen"
nach.
Der erste Satz ist der wichtigste
Zur Not auch der
erste Absatz. Der Leser muß sofort gefesselt sein.
Seinen Charakteren Leben einhauchen
z.B. durch
Sprachcharakteristika, aber Vorsicht: nicht übertreiben.
Phrasen-Shooting: Redewendungen und Satzbau-Charakteristika nicht
ständig wiederholen und schon gar nicht für verschiedene Figuren
gleichzeitig verwenden.
Während einer Szene nicht die Perspektive
wechseln
Negativbeispiel:
"John grübelte über der
Landkarte - sollte er direkt auf die Autobahn fahren oder doch
lieber erst ein Stück auf der Landstraße nehmen? Anne, die ihn
betrachtete, dachte: "Wie jung er aussieht, wenn er
nachdenkt!" In diesem Moment stürmte Chris, dem wie immer zum
Feiern zumute war, in das Zimmer." Drei Sätze, drei
verschiedene Erzählperspektiven.
Klischee-Busting
Der Gutewicht sollte einen
Schuß Böses bekommen, der Bösewicht einen Schuß Gutes. Nichts ist
langweiliger als der über jeden Zweifel erhabene und dadurch völlig
berechenbare Held. Höchstens der durch und durch schlechte
Antiheld, der garantiert in jeder Situation seinen sadistischen
Trieb auslebt.