chobits & Arjuna

Zurück

Chobits

Gerade erst vom Land nach Tokio gezogen, fällt Hideki eine Besonderheit am Stadtleben besonders auf: "Persocom's, Computer in zumeist weiblicher Gestalt, die sich von realen Frauen nur durch die hervorstehenden Ohren unterscheiden, sind hier fast allgegenwärtig. Praktisch jeder, der nicht wie Hideki finanziell am Rande des Existenzminimums leben muss, hat in Tokio einen oder mehrere Persocons, die neben den gewöhnlichen Aufgaben eines Computers auch viele Aufgaben übernehmen, zu denen sie der humanoide Körper befähigt - wie zum Beispiel den Haushalt machen oder als Bedienung arbeiten. Hideki kann als armer Schüler von einem Persocon natürlich nur träumen - bis er eines Tages einen aus ungeklärten Gründen auf dem Müllhaufen liegenden findet und sich seiner annimmt. Doch so einfach soll die Sache nicht werden: Chii (benannt nach dem ersten Wort, das sie nach ihrer Aktivierung sagte) ist offenbar eine spezielle Persocon-Sonderanfertigung und hat keine Software vorinstalliert, zeigt dich dafür im Gegensatz zu allen anderen normalen Persocons als sehr lernfähig. Ein Bekannter, der Computer-Freak Minoru, argwöhnt gar, bei Chii könne es sich um ein Modell der sagenumwobenen "Chobits"-Reihe handeln, die angeblich sogar in der Lage sein sollen, Gefühle zu zeigen. Entsprechend zeigen mit der Zeit aber auch andere Personen und Gruppierungen großes Interesse an Chii, in deren Innerem noch ein anderes Ich zu schlummern scheint.

Während Chii immer rätselhafter wird, beschäftigt sich ein Großteil der Serie mehr mit Hidekis ganz alltäglichen Problemen: er muss auf Jobsuche gehen, Chii Damenunterwäsche kaufen (was dank Hidekis ausgeprägter Verklemmtheit immerhin Stoff für eine ganze Episode ist) oder sich auf die Schule vorbereiten. Ein Glück für ihn, dass er dabei immer tatkräftige Unterstützung von seiner Umgebung bekommt - sein Nachbar Shinbo, der ihm bei seinen tagtäglichen Problemen zur Seite steht, seine Vermieterin, der das Lächeln angeboren zu sein scheint, seine Lehrerin, die ihn trotz gelegentlicher Schlafeinheiten im Unterricht sehr gern hat, besagter etwas kühle aber doch sehr hilfsbereite Computerfreak Minoru, der sympathische Süßwarenverkäufer, bei dem Chii später arbeitet, und nicht zuletzt die jüngere Schülerin Yumiko, mit der sich Hideki besonders gut versteht. Lauter sympathische, gutaussehende, hilfsbereite Personen, die zumindest in der ersten Hälfte der Serie furchtbar platt wirken.

Nachdem die erste Hälfte der Serie großteils in voneinander unabhängigen Einzelepisoden seicht vor sich dahinplätschert, wird der zweite Teil trotz dem weiterhin humorvollem Grundton bei genauerem Hinschauen um einiges hintergründiger. Die einzelnen Figuren stehen nun nicht mehr für sich alleine, es werden Beziehungen der Personen untereinander dargestellt, die meist dazu dienen, ein Phänomen der neueren Zeit aus verschiedenen Perspektiven darzustellen: während die meisten Besitzer eines Persocons diesen Computer auch nur als Computer ansehen, gibt es zunehmend Personen, die auch Partnerschaften mit Persocons eingehen, sei es weil einige mit wirklichen Frauen nicht zurecht kommen, sei es, weil sie wirklich in die Betreffende verliebt sind - und die Probleme, die sich für die jeweiligen Personen und ihre Umgebung aus gesellschaftlicher Sicht daraus ergeben.

Hideki tritt dabei anfangs vor allem als Beobachter auf, macht sich aber mit der Zeit auch selbst Gedanken, inwieweit Liebe eines Menschen einem Persocon gegenüber möglich und moralisch vertretbar ist, da es niemanden überraschen dürfte, dass er sich mit Chii früher oder später vor eine ähnliche Situation gestellt sieht. Die versuchte Beantwortung dieser Frage ist wohl wichtigstes Handlungselement der ganzen Serie, wobei sie dabei letztlich doch an die Grenzen des eigenen Genres stößt und daher bestenfalls eine Lösung für den konkret vorliegenden Fall gelingt und dieser dann unzulässig verallgemeinert wird.

Produktionstechnisch ist die Serie auf durchaus akzeptablem Standard. Die Animationen sind natürlich nicht ganz so aufwändig wie bei der Vorgängerserie "X", das dürfte aber hauptsächlich Genre-bedingt sein. Die Charakterdesigns sind ausgesprochen hübsch, besonders Chii konnte dadurch (und durch ihr naives Wesen) schnell die Herzen vieler Fans erobern.

Insgesamt ist "Chobits" eine der Serien, die guten Gewissens jedem, der entfernt etwas mit Romantik-Comedys am Hut hat zu empfehlen ist. Sie ist mit Sicherheit nicht Welt bewegendes und gerade in der ersten Hälfte dürfte dem ein oder anderem etwas Rahmenhandlung fehlen, dafür ist die zweite Hälfte dramaturgisch umso besser in Szene gesetzt, auch wenn eine wirklich durchgezogene Handlung erst im letzten Viertel stattfindet.

CLAMP-Anhänger, die sich ein wirklich konsequentes Ende wünschten, werden mit dem Schluss zwar vermutlich weniger befriedigt sein, doch hätte ein vollständiger Bruch mit dem Genre in den letzten Folgen dem Gesamtbild der Serie wohl auch nicht besser getan. "Chobits" ist eine Romantik-Comedy, die zwar zwischendurch auch mal etwas Tiefgang hat, in der Quintessenz aber doch eine reinrassige Romantik-Comedy.

                                                                  

 

"Earth Girl Arjuna"

"Earth Girl Arjuna" ("Chikyu Shojo Arjuna") ist eine 12teilige TV-Serie, die in Japan vom 9. Januar bis zum 27. März 2001 auf TV-Tokyo lief und großes Aufsehen erregte, da sie eine Thematik behandelt, wie sie auf diese Weise verhältnismäßig selten in einem Anime auftaucht: die Serie ergreift Partei für eine deutlich naturnähere und umweltbewusstere Lebensweise und übt dabei massiv direkte Kritik an der heutigen Zivilisation, insbesondere der Konsumgesellschaft. Hinzu kam, dass es sich dabei nicht um eine kleine Spartenserie handelt, sondern dass durchaus bekannte Namen hinter ihr stecken: Shoji Kawamori, bekannt durch "Macross", übernahm sowohl das Drehbuch als auch die Projektleitung, beim Soundtrack legte Star-Komponistin Yoko Kanno ("Vision of Escaflowne", "Cowboy Bebop") eine Glanzleistung hin, die selbst den Soundtrack zu Escaflowne noch einmal in den Schatten stellen kann. Auch animationstechnisch wurde hier ein großer Aufwand betrieben, was man ihr, mal abgesehen von einigen Szenen, in denen die Computeranimationen nicht gerade perfekt ins Gesamtbild integriert wurden, auch an.

Vom Grundplot her könnte man "Earth Girl Arjuna" bissig als Magical-Girl-Serie bezeichnen. Protagonistin Arjuna, ein recht normales Mädchen stirbt bei einem Motorradausflug mit ihrem Freund Tokio (gemeint ist nicht die Stadt), bekommt aber eine zweite Chance: der übersinnlich begabte Junge Chris zeigt ihr die Zukunft unserer Erde - eine Zukunft, in der auf Grund der Umweltverschmutzung und Zerstörung kein Leben mehr möglich ist - und gibt ihr ein neues Leben, unter der Voraussetzung, dass sie die Kräfte, die sie von ihm erhält einsetzt, um diese Zukunft zu verhindern. Dazu kann sie sich in eine Lichtgestalt verwandeln und später in Notfällen ihren Beschützer, den Riesenroboter Ashura herbeirufen. Immer wieder erscheinen Rahjer, geheimnisvolle Geisterwesen, die mit massiven Bedrohungen und Verschmutzung der Umwelt Hand in Hand zu gehen scheinen. Um die Katastrophe abzuwenden, muss Arjuna die Rahjer... was sie genau machen muss, weiß sie selbst nicht, daher nimmt sie (fälschlicherweise) an, sie müsse diese vernichten. Die Serie läuft darauf hinaus, dass Arjuna erkennen muss, was diese Wesen sind und wie sie mit ihnen zu verfahren hat - wobei störend hinzu kommt, dass sie selbst bis eben noch ein normales, von der Zivilisation, die für jene Verschmutzung verantwortlich ist                         

Die Serie lässt sich grob in drei Teile unterteilen: in den ersten paar

Folgen bekommt Arjuna die Mission übertragen und in einem anschließenden Überlebenstraining in freier Natur wird die große Diskrepanz zwischen der bisherigen konsumorientierten, schnelllebigen und der nun verlangten naturverbundenen, bewussten Lebensführung deutlich. Gleich zu Beginn hat sie außerdem einen besonders plakativen Einsatz: Ein Kernkraftwerk steht kurz vor der Kernschmelze und sie muss den Super-GAU verhindern.

                                                                           

Im zweiten Teil kehrt sie mit ihrem Freund Tokio wieder in die Zivilisation zurück und leidet nun darunter, dass ihre neuen Kräfte sie, ob sie nun will oder nicht, hinter die Maske selbiger sehen lassen. Die Folgen dieses Teils bauen zwar grob aufeinander auf, haben aber doch starken Episodencharakter: in jeder Episode wird ein Misstand der heutigen Gesellschaft näher beleutet: von der Massenabfertigung und der Entfremdung vom eigentlichen Prozess der Nahrungskette durch Fast-Food-Ketten bis hin zur Unfähigkeit und dem Unwillen der Menschen, sich die Mühe zu machen, wirklich aufeinander einzugehen. Als krasser Kontrast zu Arjuna, die nun gezwungener maßen all jene Misstände wahrnimmt, ist hierbei immer Tokio, der weiterhin das Leben eines normalen Jugendlichen führt in Szene gesetzt.

Im dritten Teil kommt es zu einem apokalyptischen Finale: ein Bakterium verbreitet sich, das alle auf Öl basierenden Verbindungen zersetzt - die Rundum-Abhängigkeit von Konststoffen und Öl-basierenden Treibstoffen wird hier auf tödliche Art deutlich. Das globale Showdown ist gnadenlos inszeniert und spielt bewusst mit dem japanischen Nationalgefühl.

Eines kann man "Earth Girl Arjuna" nicht absprechen: dass sie engagiert ist. Es wird viel kritisiert, und die Kritik wirkt authentisch, nicht nach 08/15-"Lasst doch die lieben Tiere in Ruhe"-Kritik und scheut sich acuh nicht davor, auch Themen aufzugreifen, von denen sich der Zuschauer angegriffen fühlen könnte. Kritiken an bereits zu häufig durchgekauten Problemen wie Atomenergie oder Gen-manipulierte Bakterien tauchen zwar auf, bekommen aber letztendlich glücklicherweise immer noch eine zweite Schlagrichtung - im einen Fall gegen den verschwenderischen Umgang mit Strom, im anderen die bereits genannte Abhängigkeit vom Rohstoff Öl. Betrachtet man die Serie als Anstoß, sich überhaupt mit der entsprechenden Thematik zu beschäftigen, hat sie ihre Aufgabe voll und ganz erfüllt

                                               



Kostenlose Homepage von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!