



Verständnis für Katzen
Verständnis kommt von Verstehen. Bei uns Menschen ist die Sprache das wichtigste Medium des gegenseitigen Verstehens. Doch auch wir Menschen stossen schnell an sogenannte Sprachbarrieren. Ein Besuch im anderssprachigen Ausland kann für uns äusserst schwierig werden. Schon beim Kaufmann wird es kompliziert, Wünsche mitzuteilen, fast aussichtslos ist es, Gefühle und Gedanken an einen anderssprachigen Menschen zu vermitteln. Geradezu unlösbar wird dieses Problem in der Beziehung von Mensch zu Tier. Dies gilt sowohl für die Katze, als auch für den Hund. Obwohl der Hund als folgsam gilt, ist er dies keinesfalls immer - sondern höchstens "immer öfter". Ungeachtet dessen sind es nur einige wenige Befehle, die der Hund versteht. Bei der Katze ist dieses "Gehorchen" allerdings immer Glückssache. Der Unterschied liegt darin, dass Hunde von Wölfen abstammen. Wölfe sind Rudeltiere, die in der freien Wildbahn einem Anführer, dem sogenannten Alpha-Tier bedingungslos gehorchen. Wenn sie die Autorität des Alpha-Tiers nicht anerkennen, gibt es ernste Bestrafungen. Im Zusammenleben mit uns, übernimmt der Mensch die Rolle dieses Alpha-Tieres. Bei Katzen ist das nicht der Fall. Sie sind in der Natur auch weitgehend Einzelgänger und sehen keine Veranlassung, dem Alpha-Tier Mensch Referenz zu erweisen.
"Mitkatze" Mensch
Auch wenn die Katze uns in dem Sinn nicht als Herrchen oder Frauchen akzeptiert, ist sie uns gegenüber durchaus rücksichtsvoll. Sie sieht in uns einen Partner in Form einer riesigen Mitkatze. Natürlich spricht sie uns auch in ihrer Katzensprache an und wundert sich dann allerdings, dass wir sie nicht verstehen So entstehen die Missverständnisse, die manchmal das Miteinander von Mensch und Katze stark belasten. Dabei gibt uns das Tier so viele Zeichen und Hinweise, die wir im Prinzip ohne Probleme verstehen könnten, vorausgesetzt wir schauen richtig hin. Im Grunde erinnert die Situation an ein neugeborenes Kind. Auch der Säugling kann nicht sprechen, und trotzdem weiss die Mutter, ob er trinken will, fröhlich ist oder die Windeln voll hat. Mit Lauten, Mimik und Gesten kann sich der kleine Erdenbewohner schon ausdrücken.
Die Sprache der Katzen
Katzenlaute: Katzen haben nur wenige Laute. Bekannt ist natürlich der Schmerzensschrei, wenn wir z.B. der Katze aus Versehen auf den Schwanz treten. Aber den stossen alle Säugetiere aus, und auch dem Menschen ist dieser Schrei nicht fremd. Er ist also nicht unbedingt katzentypisch. Typisch für Katzen - oder besser Kater - ist dagegen ihr Drohgesang, der hört sich wie ein warnendes Heulen an. Dabei stehen sich zwei Tiere mehr oder weniger kampfbereit gegenüber, manchmal werfen sie sich auch angriffslustig auf die Seite und zeigen ihre Krallen. Das berühmte Schnurren der Katzen erinnert fast an ein Brummen. Das Geräusch wird im Kehlkopf der Katze beim Ein- und Ausatmen erzeugt. Am Schnurren sind die Kehlkopfmuskeln und die Stimmbänder beteiligt. Letztere vibrieren, wenn die Luft an ihnen vorbeistreift. Die Katze beeinflusst das Schnurren mit ihren Muskeln nicht willentlich, sondern was hier abläuft, ist quasi ein Automatismus. Im Gegensatz zum Schnarchen von Menschen, dass nur beim Einatmen entsteht, schnurrt die Katze auch kontinuierlich beim Ausatmen. Da sie praktisch immer durch die Nase atmet, kann sie beim Schnurren den Mund ruhig zulassen. Schnurren zeigt meist, dass sich die Katze wohlfühlt. Dies gilt allerdings nicht immer. Manche Katzen schnurren auch, wenn sie sehr krank sind, aus Gründen, die wir heute noch nicht verstehen.
Die Körpersprache
Viel leichter macht es uns die Katze dagegen mit ihrer Körpersprache. Da liefert sie uns quase eine Art Katzenalphabet. Ganz wichtig in diesem Alphabet ist die Stellung der Ohren. Sind diese nach oben gerichtet, ist die Katze in einer ausgeglichenen Gemütsverfassung. Dann ist das Gesicht entspannt, die Schnurrhaare zeigen seitlich nach unten und die Augen blicken freundlich. Wird`s plötzlich irgendwo interessant, spitzt sie die Ohren und dreht sie in Richtung des Geräuschs. Flach angelegte oder sogar nach hinten angelegte Ohren sind ein Zeichen von Aggressivität und Angriffslust. Meistens ist dann eine andere Katze in der Nähe, die vertrieben werden soll, oder auch ein Hund. Die Drohgebärde wird noch mit dem schon sprichwörtlichen Katzenbuckel unterstrichen. Die Katze versucht, grösser zu erscheinen. Von vorne und auch von der Seite ist ihre Silhouette dadurch sehr eindrucksvoll. Unterstützend wird noch der Schwanz aufgeplustert, der jetzt an eine Flaschenbürste erinnert, was dem Tier weiteres vorgetäuschtes Volumen verleiht. Dieses Imponiergehabe soll natürlich den Widersacher einschüchtern. Katzen haben eine ausgesprochen vielseitige und ausdrucksstarke Körpersprache. Ein Halter, der seine Katze gut kennt, kann meist mit einem Blick erkennen, in welcher Stimmung sie ist und was sie möchte. Schon alleine ein "Miau" kann ein Dutzend verschiedene Bedeutungen haben, von "streichle mich" bis zu "ich will Futter".
Das bekannteste Mittel des Körpersprache ist der Schweif der Katze. Eine Katze, die auf jemanden zugelaufen kommt und den Schwanz dabei hocherhoben hat, ist meistens neugierig oder möchte denjenigen begrüssen und schmusen. Generell ist ein hoch erhobener Schwanz ein Zeichen dafür, dass die Katze sich wohl und sicher fühlt. Peitscht der Schwanz dagegen seitlich, ist dies ein Indiz für Aggressivität. Dies kann man oft beobachten, wenn sich die Katze, zum Beispiel, an ein potentielles Opfer anschleicht, sei es ein Vogel oder ein Gummiball. Insbesondere Laien-Katzenfreunde erkennen dies nicht rechtzeitig. Es ist hier schon oft passiert, dass Marvin irgendwo lag und döste. Unser Besuch kreischt los, "wie niedlich" die wäre und stürzt sich streichelnder weise auf die Katze. Meistens sieht man dann, wie der Schweif der Katze zu peitschen anfängt und sie unruhig wird. Nach einigen Augenblicken macht es *zack* und der ahnungslose Störenfried bekommt die Krallen zu spüren. Ein Schwanzwedeln dagegen ist ein Zeichen von Unsicherheit oder Unentschlossenheit.
Beispiel:
Die Katze quengelt und nervt, weil sie raus möchte und ihr Mensch ihr die Tür öffnen soll. Entnervt steht man auf und öffnet der Katze die Haustür. Erfreut stürmt sie auf die Türschwelle zu und stellt dann fest, dass es draussen in Strömen regnet. "Mist," denkt sich die Katze jetzt, "was mache ich nun? Nach all dem Geschrei kann ich ja schlecht nicht rausgehen. Aber Hey!, es regnet!" Und während sie das denkt, wird sie mit dem Schwanz wedeln, damit sie etwas zu tun hat. Genauso, wie ein Mensch sich beim Nachdenken an den Schläfen reibt oder mit den Haaren spielt. Ebenfalls allgemein bekannt ist der "Wutschwanz", den eine Katze bekommt, wenn sie tobt oder kämpft. Die Haare am Schwanz der Katze stellen sich dann auf, so dass dieser grösser und imposanter erscheint, um den Gegner einzuschüchtern. Was übrigens sehr gut wirkt.
Ein weniger bekanntes Indiz für die Stimmung des Tieres sind die Ohren. Wenn man mal darauf achtet, stellt man fest, dass Katzen mit ihren Ohren die erstaunlichsten Bewegungen vollführen können. Dreht die Katze die Ohren, beispielsweise, immer von vorne zu den Seiten und zurück, ähnlich einer Radarschüssel, hat irgend etwas ihre Aufmerksamkeit erregt und sie versucht nun, das Geräusch zu lokalisieren. Meist verharrt sie dabei still, um selber kein Geräusch zu machen, das eine potentielle Beute vertreiben könnte. Sind die Ohren dagegen still und gerade erhoben, genau wie der Schweif, fühlt sich die Katze sicher und wohl. Eine Katze, die sich unmittelbar vor einem Kampf befindet, legt die Ohren dagegen nach hinten, dicht am Kopf, an, damit diese vom Gegner nicht verletzt werden können. Auch dies ist ein gutes Zeichen dafür, dass ein Streicheln im Moment unerwünscht ist.
Last but not least ist wohl jedem Katzenbesitzer schon mal aufgefallen, dass sein kleiner Mitbewohner am Fenster steht, ein paar Vögel beobachtet und dabei merkwürdig knarrt und mit den Zähnen knackt. Ich habe mich ganz schön gewundert, als ich das das erste Mal bemerkt habe. Dabei handelt es sich um den Tötungsbiss, den die Katze imaginär ausführt. Eine recht (un)romantische Vorstellung, dass die Katze dort am Fenster steht und tagträumt, wie sie heldenhaft ein Dutzend fieser Vögel erledigt...

Ausdruck / Bedeutung:
Nach vorn gestellte Ohrmuscheln: Interesse, Aufmerksamkeit, Spannung
Hochgestellt, aber nach hinten gedrehte Ohrmuscheln: Angriffsdrohung
Nach hinten eingeknickte Ohren, seitwärts herabgezogen: Abwehrbereitschaft, Angst, Fluchtbereitschaft
Verengte Pupillen: Spannung, erhöhtes Interesse, aggressive Drohung
Erweiterte Pupillen: Überraschung, Angst, Abwehrbereitschaft
Gähnen: Beschwichtigung (ich bin friedlich, du bitte auch)
Gestreckter Rumpf: Selbstsicherheit, Angriffsbereitschaft
Schnelles, ruckartiges Hin- und Herbewegen des Schwanzes: Erregung (verschiedene Arten)
Ruhig hochgerichteter Schwanz: Freundliche Begrüssung
Plötzlich hochpeitschender Schwanz: Angriffsdrohung
Haare sträuben am ganzen Körper: Ängstlichkeit
Haare sträuben nur an Rückenmittellinie und Schwanz: Drohung, Angriffsbereitschaft
Schnurren: Zufriedenheit, Beschwichtigung
Knurren und/oder Fauchen, Spucken: Drohung, Warnung
Schnattern: Angesichts begehrter aber unerreichbarer Beute