Isa und Agnes

 

Nach dem Comic-Roman „Reisende im Wind“

 

Es war ein mal ein kleines Mädchen. Nein, genau genommen waren es zwei. Agnes und Isa, erstere von höherer Herkunft, letztgenannte nur von geringem Adel, deren Mutter eine gute Be­kannte von Agnes’ Familie gewesen war. Bei beiden han­del­te es sich gewissermaßen um Waisen. Agnes hatte kaum Er­in­ne­rungen an ihren vielbeschäftigten Vater, den alten de Rouse­lande, der sich erst nach dem Tod der Erzieherin anschickte, die beiden zu sich zu holen. Da Isa und Agnes reichlich verspielt veranlagt waren, nutzten sie ihre Ähnlichkeit aus, um Agnes’ Vater einen Streich zu spielen. Sie tauschten ihre Kleider, um festzustellen, ob der Alte sie noch auseinander halten konnte. Isa vertrat die Ansicht, dass dies nicht der Fall wäre, Agnes war sich des Gegenteils sicher.

Es sah ganz danach aus, als würde Isa ihre Wette gewinnen, dachte Agnes, als sie sich von beiden plötzlich getrennt sah und in ihrer Eigenschaft als vermeintliche Isa ins Kloster geschickt wurde. De Rouselande wurde nicht auf seinen Irrtum aufmerksam gemacht. Isa, die frühere Agnes, erriet ihr Schick­sal erst, als steinalte Nonnen sie aus der Kutsche holten und ihr künftiges Leben in dünnen Worten greifbar machten.

Aus einem Brief de Rouselandes ging hervor, dass Agnes-Isa, die falsche, ihn in seinem Irrglauben bestärkte.

So wurde ich Isa.

Ich lernte, die Gebete zu hassen, die Pingeligkeit, mit der die knöchrigen Nonnen sogar harmlose Insektenjad an den Pranger stellten. Mein Hass richtete sich weniger gegen de Rouselande als gegen meinen eigenen Namen. Ich wartete auf eine Chance. So wie der Täter immer an den Ort des Verbrechens zurück­kehrt, so sollte auch Agnes zurückkehren, was auch geschah – wenn auch erst nach einigen Jahren. Sie erklärte sich bereit, mich in den Schoß ihrer (meiner) Familie als ihre Gespielin aufzu­nehmen, sofern ich ihr Schweigen gelobte. Ich unterdrückte den ersten Impuls, sie zu erwürgen. Ich heuchelte Freundschaft und gewann eine Zuneigung ihrerseits, die ich in dieser Form nicht einmal in unserer gemeinsamen Kindheit genossen hatte.

Das Leben bei den de Rouselandes unterschied sich nicht son­der­lich von den schmerzvollen Jahren im Kloster. Auf einem Ball wollte ich den Skandal bekannt geben, indem ich meinen ahnungslosen Bruder Benoit, einen schnell befördeten Admiral der königlichen Marine, ins Spiel einweihte, doch dazu kam es nicht.

Warum ich ihm vertraute, weiß ich nicht. Die Erinnerungen an ihn waren eher noch dünner als die an meinen Vater. Benoit zähl­te rund zwanzig Jahre mehr als ich, und doch sah ich keine an­dere Wahl. Wir verabredeten einen gemeinsamen Treff­punkt, um ungestört miteinander zu reden. Ich hörte nicht die selt­­samen Komplimente, die mir zu denken hätten geben müs­sen. Der einsam gelegene Platz bestand nicht ganz aus der ge­wünsch­ten Einsamkeit, Benoit hatte auch noch seinen ge­sam­ten Freundeskreis im stark angeheiterten Zustand mit­ge­nom­men, einen Freundeskreis von der Sorte, die Kinder und alte Leute belästigt. Ich möchte nicht deutlicher werden. Was passierte, ist offensichtlich. Es gab kein Entrinnen, nur an­schließende Be­ste­chungs­­versuche eines verkaterten und doch nur von zweck­mäßiger Reue erfüllten Benoit, um sich mein Schweigen zu er­kau­fen. Nun musste nicht nur Agnes, sondern auch Benoit be­zahlen. Aber nicht mit Geld.

Ich schmiedete keinen neuen Plan, sondern ließ die Dinge auf mich zukommen. Zu Agnes wurde ich immer boshafter, ich zwang sie, mich auf der Fuchsjagd zu begleiten. Ich tauchte sie unter Wasser und war versucht, sie noch länger unterzu­tau­chen als eigentlich gedacht. Aber Agnes musste auf andere Weise bezahlen, es wäre zu einfach gewesen. Zunächst mussten wir uns von der klöster­lichen Strenge der Familie befreien. Ich musste andere Länder sehen. Weil ich nichts Besseres wusste, zwang ich Agnes, mit mir zu kommen. Vielleicht würde mir später eine angemessene Idee zur Rache kommen.

Woher ich den Mut nahm, Benoit in seiner Eigenschaft als Schiffs­kapitän zu zwingen, uns heimlich an Bord zu nehmen, um uns ins Ausland abzusetzen, weiß ich nicht mehr. Die Drohung mit dem Gericht wegen einer gewissen Sache wirkte jedenfalls besser, als ich glauben wollte. Selbstverständlich durfte die Besatzung nicht einge­weiht werden, so dass ich lernte, mich in Männerkleidung auf den Planken zu bewegen. Agnes verzichtete, sie wollte unser gemeinsames Zimmer ohne­hin nicht verlassen.

Eines Abends beobachtete ich den Fall eines Matrosen, der in einer Auseinandersetzung mit einigen aggressiven Möwen den Kürzeren zog. Obwohl sich auf der Stelle ein Trupp Matrosen im Rettungsboot zu Hilfsaktionen bereit stellte, gab es nichts mehr zu retten. Die Möwen stürzten sich auf den Schiffbrüchi­gen und ließen einen Sterbenden zurück. Ehe Agnes mich zurück ins Zimmer winkte, war ich unvorsichtig genug, mich von einem der Matrosen auf dem Rettungsboot anstarren zu lassen.

In der Nacht sah ich ihn wieder, als er von einem aus­schließlich den Offizieren vorbehaltenen Teil des Hecks zu uns ins Zimmer starrte, offenen Mundes. Als ich grinsend das Starren erwiderte, lief er fort.

Am nächsten Morgen hieß es, ein Matrose sei in Ketten gelegt worden, weil er auf dem Vorderdeck herumspioniert habe. Es fiel mir nicht schwer, eins plus eins zusammenzuzählen.

Ich „bat“ Benoit, was auszuprobieren, und ließ mich in Män­ner­­klei­dung zu dem Angeketteten führen. Mir war nicht ganz klar, was ich eigentlich von ihm wollte. Seinen Mut (oder war es Leichtsinn?) hatte er bewiesen. Hoel, wie er hieß, erkannte mich natürlich sofort hinter der schlechten Maskerade und riss sie mir trotz seiner Ketten förmlich vom Leib. Ich revanchierte mich mit einem Griff zur Messerklinge, deren Andenken er aus seiner rechten Wange nicht mehr loswerden würde.

Jetzt da alles offen lag, mischten wir unsere Karten neu. Wir vereinbarten einen Pakt. Ich würde sein Leben retten, er würde mir auf besonderes Verlangen zu gegebener Zeit einen Dienst erweisen. Wollte ich ihn als Killer gegen Benoit und Agnes ausspielen? Oder ging es mir wieder nur darum, Macht über einen Men­schen aus­zuüben?

Beim Kielholen, das ich ihm nicht ganz ersparen konnte, redete ich Benoit „gut“ zu, und er beließ es bei den allernötigsten Minimal-Qualen. Hoel wurde auf freien Fuß gesetzt und ging seiner Wege. Erstmal.

Britische und damit feindliche Schiffe kündigten sich an. Da Benoit mir meine Männerkleidung nahm und doch gleichzeitig unvorsichtig genug war, mir zu verraten, Hoel auf den Ausguck versetzt zu haben, half ich mir mit einem alten Regenmantel aus, um Hoel zu besuchen. Mein Plan sah vor, die kleine Agnes einfach im Stich zu lassen, Benoit durch Hoel das Hirn rausblasen zu lassen und mit Letztgenanntem per Rettungsboot in den Kriegswirren zu verduften. Ein armseliger Plan, zu dem mir, wie ich kurioserweise glaubte, nur ein Ge­wehr fehlte, worum ich Hoel eindringlich bat.

Es sollte eine verhängnisvolle Seeschlacht werden. Benoit zeigte sich als draufgängerischer Feigling, der fremdgesteuert seinen Offizieren die wesentlichen Entscheidungen übertrug, wie ich nicht überhören konnte. Genüßlich teilte ich Agnes mit, dass ich auf meine Rache verzichten und sie nunmehr ihrer selbst überlassen würde, um mich auf die Suche nach meinem Matrosen zu begeben. Sie durchschaute natürlich in meinem vermeintlichen Verzicht auf Rache meine eigentliche Rache – sie in Ängsten und Neurosen versunken auf einem sozusagen sinkenden Schiff zurückzulassen, auch wenn noch nicht sicher war, ob der Engländer den Sieg davon tragen würde. Das also sei meine Rache, stieß sie hervor, eine vornehme Rache, ohne mir die Hände schmutzig machen zu müssen – und vielleicht gerade deshalb umso subtiler. Als sie immer quengliger wurde, stieß ich sie einfach beiseite und ging.

Auf der Suche nach Wegzehrung stieß ich in der verlassenen Kombüse auf einen schwerverletzten Schiffsjungen. Während ich ihn in die Krankenabteilung zu schleppen versuchte, was bei dem hin- und her schippernden Kahn leichter gesagt als getan war, musste ich ihn wegen der bevorstehenden Arm­amputation trösten. Als ich durch sein Sterben in meinen Armen abgelenkt wurde, sah ich nicht die lose Kanone, die auf mich niedergekracht wäre, wenn Agnes, die mich die ganze Zeit verfolgt haben musste, sich nicht dazwischen geworfen hätte. Eine Blutlache breitete sich aus.

Benoit kam und rang die Hände, schickte mich zu dem Arzt Saint-Quentin, wissend, dass es sinnlos war. Als der Studierte und ich der toten Agnes die Augen zudrückten, war Benoit nicht mehr zu sehen. Agnes hatte mir noch eine letzte Warnung zugeflüstert – sie habe soeben Benoit in bester Absicht über unsere wahren Identitäten unterrichtet, doch seine Reaktion sei nicht die gewünschte gewesen. Um einen Skandal zu vermei­den, sei ihm jetzt alles zuzutrauen. Saint-Quentin versuchte meine Gedanken abzulenken, als der Kapitän mit gezücktem Revolver zwischen uns trat. Benoit musste wissen, dass ihn die ganze Mannschaft beobachtete, als er mich abwegiger politi­scher Verschwörungen beschuldigte, die uns den Engländer auf den Hals gehetzt hatten. Er habe die Pflicht, wie er stark vernehmbar über den Platz brüllte, mich für meine Kungelei mit den Feinden hart zu bestrafen.

Der Schuss krachte, aber er kam nicht aus seiner Waffe, die ihm aus der Hand gefallen war. Mein Matrose hatte über mich gewacht. Benoit war erledigt, des Lebens quitt. Aber sie hatten Hoel entdeckt und machten Jagd auf ihn. Binnen kurzem waren der loyale Saint-Quentin, Hoel und ich schiffbrüchig, weil wir einen beherzten Sprung ins Wasser dem ungewissen Lauf der Gewehre von Benoits Leuten vorzogen. Der Engländer fischte uns auf und nahm uns in Schutzhaft. Mein Glück war, dass ich mich, de Rouselande sei Dank, in Englisch verständigen konnte und eben dass ich eine Frau war, so dass ich mich frei bewegen durfte.

Irgendwie wollte ich es schaffen, Hoel und Saint-Quentin zu befreien. Auf Arbeitssuche machte ich die Bekanntschaft des reizenden Pärchens John und Mary, er ein stiller Gentleman, sie eine lebensfrohe Genießerin. Ich will Sie nicht mit Details langweilen. Es dauerte einige Wochen, aber mit Beziehungen und Geschick gelang uns Fünfen eine erfolgreiche Flucht. Mary hatte sowieso vor, mit John zu desertieren, um – von John schwanger - ebenfalls einem strengen Vater zu entkom­men. Am besten schien sich John mit seinem Geschick als „Fahnenflüchtiger“ abzufinden, was sich leider als Trugschluss er­weisen sollte. Saint-Quentin verabschiedete sich in die Berge und besorgte uns die Möglichkeit, auf einem Sklavenschiff nach Afrika auszureisen, wo wir zumindest für geraume Zeit si­cher sein würden vor den Nachstellungen der Franzosen, die Hoel als Mörder sahen, vor den Anklagen der Briten, die John als Verräter sahen, vor den Attacken des Vaters von Mary, der die Letztgenannte als Nestbeschmutzerin sah. Vielleicht war dieser die größte Ge­fahr.

Und so komme ich zu dem eigentlichen Zweck meiner Notizen – einer Auftragsarbeit für den beherzten Saint-Quentin, der ebenfalls kein Freund der Sklaverei war und mich deshalb um genaue Beobachtungen in Afrika bat.

Kapitän Boisbeauf bemühte sich um Sachlichkeit. Sein Vertreter Bernadin war das fleischgewordene Klischee eines sabbernden Sklavenjägers, der früh ergraute Arzt Jean Rous­selot wirkte dagegen sehr verbindlich. Die Überfahrt lief erstaunlich kurzweilig, was sicher auch damit zu tun hatte, dass Hoel und ich häufig unter uns waren, und oft waren Marys harmlos wirkende, seltsam häufige Störungen die einzige Unter­brechung. Sie schlug mir sogar ganz ungeniert Part­ner­tausch vor, bei der einen oder anderen Unterbrechung ihrerseits musste sie Hoel offenbar mal im Adamskostüm erlebt haben...

Bei einer philosophischen Diskussion über Sinn und Unsinn der Sklaverei kurz vor Erreichen Dahomeys warnte mich der milde Boisbeauf, die Mannschaft nicht mit zuviel liberaler will sagen sklavenfreundlicher Philosophie zu versehen. Bernadin schlug sich dröhnend auf die Seite des Kapitäns, Rousselot gestand mir zu, moralisch und edel zu denken, wies aber auch darauf­hin, dass ich die wirtschaftliche Notwendigkeit der Jahr­hun­derte währenden Sklaverei übersähe. Der junge Leutnant Vignebelle hielt sich aus der Diskussion heraus und zog sich schließlich beleidigt zurück, als Bernadin ihn unverhüllt wegen seiner Jugend und seiner bürgerlichen Herkunft aufzog, was Letzterem einen Tadel des fairen Boisbeauf einbrachte,

Die Landung an der afrikanischen Küste verlief recht aben­teuerlich, Mary und ich litten in unförmigen Edelklamotten unter den tückischen Sandbänken. Im Fort begrüßten uns der schmierige Montaguere und sein Buchhalter Viaroux, der auf mich einen tuntigen Eindruck machte.

Als Viaroux uns mit unserem Zimmer vertraut gemacht hatte, bemerkte er leise zu Hoel, wie sehr er die Schönheit seiner Gattin (der Begriff war mir neu) bewunderte. Hoel erwiderte höflich, dass er mehrere andere Bewerber um mich habe töten müssen, woraufhin Via­roux gönnerhaft einen Trainingskampf mit dem Degen vor­schlug, da es im Fort so wenig Möglichkeiten für Amüse­ment gäbe.

Beim anschließenden Empfang waren wir derart in unsere neue Umgebung vertieft, dass wir gar nicht bemerkten, dass John immer stiller wurde, so dass uns sein seltsames Verhalten ir­gend­­wann normal erschien, bis er zu offensichtlich ver­wahr­loste und mehr als angemessen dem Alkohol zusprach, was ihn von Mary entfremden ließ. Offenbar litt er neben seinem immer noch ungewohnten Desateur-Status noch mehr unter ihrer offensichtlichen Untreue. Wir lernten den müden Pater Forrissier kennen, der sich darüber ärgerte, dass er die Sklaven nicht bekehren durfte. Montaguere befürchtete, dies könne sei­nen Verhandlungs­part­ner Kpengla, den König von Dahomey, erzürnen.

Hoel sah in der darauffolgenden Nacht angespannt aus und ging auf meine heiteren Ablenkungsversuche kaum ein. Er mach­te sich Sorgen wegen Viaroux, der ihm nahezu unverhüllt ei­ne Sklavin als Geliebte angeboten hatte und natürlich auch so sei­ne Vor­stel­­lungen von einem gewissen Gegengeschenk heg­te.

Die nächsten Tage verbrachte ich damit, den freundlichen Rous­selot zu nerven, bis er meiner fast überdrüssig wurde. Ich woll­te Zeuge sein bei den Brandkennzeichnungen und ge­sund­heit­lichen Untersuchungen der von Boisbeauf gekauften Skla­ven. Rousselot konnte seinen Unmut nicht mehr zurück­halten, als ich ihm immer wieder mit meinen moralischen Vorstel­lun­gen von Gleichheit ankam. Zumindest schaffte er es, mir zu er­klä­ren, dass wenigstens die medizinischen Untersuchungen ab­so­lut nötig wa­ren, um Ansteckungsgefahr möglicherweise kran­­ker Sklaven zu verhindern, damit die Besatzung nicht auch noch betroffen werde.

Hoel hatte seine eigene Art, über die Sklaverei zu denken. Als Ma­trose sah er nicht ungern auch mal auf andere herab. Manch­mal hatte ich das Gefühl, dass er nur in meiner An­we­sen­heit so tat, als wäre die Sklaverei auch ihm ein Ärgernis, vor dem er längst resigniert hatte.

Mary hatte sich zu Johns Unwillen mit dem jungen Leutnant Vignebelle angefreundet, der wie ein schüchterner Junge wirkte und gerade deshalb Marys Aufmerksamkeit gewann. Sie er­zählte mir und Hoel von einem kleinen gemeinsamen Aus­flug, der zunächst aufregend (sie erwähnte ein gelbschwarz ge­punk­tetes Tier in der Ferne) und später anregend wurde, bis Viaroux mit Aouan, dem ungeschlachten Leibsklaven Mon­ta­gueres, unter den Vorwänden von Sorge und Anstand die beiden störte. Noch häufiger als mit Aouan war Viaroux mit dem düsteren Sklaven Sognigbe zu sehen, aber es war nicht zu übersehen, dass er es heimlich zu halten versuchte.

Als ich Rousselot wieder einmal schockiert zusah, wie er den Schwarzen die Kiefer auseinanderzog, näherte sich der sicht­lich und nicht zu knapp angeheiterte John, der Rousselot anpöbelte, wo­raufhin es ein Handgemenge gab und wobei sich John mit dem Brandwerkzeug verletzte. Das Zeichen, das die Sklaven auf ihrer Kehrseite trugen, lastete jetzt für alle Zeiten in seinem Gesicht. Erst als John verschwunden war, bemerkte ich, dass Hoel in eine Art Ohnmacht gefallen war. Rousselot war sicher, dass es nichts Ernstes sei. Wir liehen uns die schwarze Amme von Marys kleiner Tochter Enora, die kurz vor Erreichen von Dahomey das Licht der Welt erblickt hatte.

Es war eine Tatsache, dass Hoel in den nächsten Tagen förm­lich dahin siechte. Diese geheimnisvolle Krankheit war so plötz­­lich gekommen, dass ich mir meine Gedanken machte, in den­en Viaroux und die Enthüllungen und Vermutungen des freund­lichen Pater Forrissier eine Rolle spielten. Der Pater hatte mir mitgeteilt, dass die Aufdringlichkeiten von Viaroux Gerüchten der Diener zufolge mit einer Wette um meine Gunst um horrende Summen zusammen­hingen, die für Viaroux des­we­gen so wich­tig war, weil er bei Montaguere erhebliche Spiel­­schul­den hatte. Forrissier hatte vorsichtig angedeutet, dass Via­roux viel Kontakt mit dem Diener Sognigbe pflegte, der wie­derum Kon­takt mit einem Vooduno hatte, also einem ge­fährlichen Voo­doopriester...

Wollte Viaroux Hoel zumindest für eine Weile aus dem Weg schaffen, um bei mir umso leichteres Spiel zu haben? Dass sich die Amme, die Hoel pflegte, in letzter Zeit besonders ängstlich verhielt und kurz darauf verschwunden war, was auch auf Sog­nig­be zutraf, konnte kein Zufall sein. Welcher der Helfershelfer war hier am Werk, um seine Verbrechen zu vertuschen?

Gedankenverloren hing ich am Strand herum und war nicht wirklich überrascht, als der unvermeidliche Viaroux sich mit Aouan näherte. Ich wusste nicht genau, was ich eigentlich wollte, als ich Viaroux gegenüber die Bereitschaft erkennen ließ, mit ihm vor dem jetzt beginnenden Regen in einer der klei­nen unbehausten Hütten Zuflucht zu suchen. Aber ich dach­te mir, es könnte nicht schaden, dass ich seine eilig abge­leg­te Kleidung heimlich an mich nahm und meine eigene Klei­dung zur Tarnung drüber wickelte. Beides übergab ich Aouan, der zunächst ziemlich arrogant auf meine Bitte rea­gier­te, dies zur Reinigung fort- und Pater Forrissier herzubringen. Aber auf Schmuck reagierte er sehr empfänglich und entfernte sich wie­sungs­gemäß.

Im strömenden Regen wartete ich unter Aouans Sonnenschirm ab, wann Viaroux in der Hütte endlich Ungeduld zeigen würde. Als er kam (also nicht in des Wortes eigentlicher Bedeutung), wusste er sofort, was die Stunde geschlagen hatte, weil er etwas nicht sah, und das war Aouan. Wo denn seine Kleider seien? Suchend blickte Viaroux mich an. Wissend blickte ich zu­­rück. Schließlich verlor sein Gesicht den harmlosen Aus­druck, und er wich erst von mir, als ich die Pistole aus dem Strumpf­band fischte. Im Evaskostüm ging ich auf das an­gren­zende Dorf zu, das ausschließlich von Schwarzen bewohnt wur­de, im Adams­ko­stüm folgte er mit respektvollem Abstand vor meiner Waffe und rief mir immer wieder zu, dass ich ihm bitte endlich seine Kleidung zurückbringen möge...

Ich dachte mir, es könnte nicht schaden, ihn im Dorf etwas lä­cher­lich zu machen, um ihn die Defensive zu drängen. Und soll­te ich das Vergnügen nicht haben, weil er zu fei­ge wäre, mir bis dahin nachzulatschen, so konnte ich viel­leicht einen Tausch seiner Kleider gegen ein Geständnis im Fall Hoel bewirken.

Viaroux erwies sich als mutiger denn gedacht. Natürlich mach­te er mir die ganze Zeit vernünftige Vorwürfe, und was er voraussagte, trat ein, nämlich die wilde Ausgelassenheit der Schwarzen. Diese verwandelte sich erst dann in Aggressivität, als einer von ihnen mit meiner Waffe spielte, so wie ein an­derer mit der Perücke meines unerwünschten Verehrers spielte, und die Funktion des Revolvers erst dann erkannte, als er sich damit verletzte. Das rief die Schergen auf den Plan, und es gab ein Getümmel, das böse hätte enden können, wenn nicht end­lich Aouan mit Pater Forrissier und einer guten Handvoll Sol­da­ten aufgetaucht wäre. Insgesamt kamen, schockierend genug, zwei der Dorfbewohner ums Leben, einer von ihnen war derje­ni­ge, der mit meiner Waffe gespielt hatte und jetzt seinen Ver­letzungen erlag.

Bei einer internen Verhandlung waren Montaguere, Forrissier, Viaroux, Boisbeauf und ich zugegen. Montaguere lächelte be­gü­tigend und versuchte alles als einen schlechten Witz hin­zu­stellen, ohne auch nur den Versuch zu machen, den Wahrheits­gehalt von des Paters Anklagen zu bestreiten. Bois­beauf be­schul­digte Viaroux offen des Mordversuches an Hoel. Via­roux hielt den Kopf gesenkt und spielte den Reumütigen. Das mach­te ihn noch gefährlicher. Ich traute keinem Kreide fressenden Wolf. Sein Spiel war verloren, doch noch schützte ihn Monta­guere, und Verzweiflung verleiht finsteren Kräften noch mehr Macht.

Als ich Nachtwache bei Hoel hielt, erschien John mit wildem Grinsen und seltsamen Absichten. Da ich ihn an unsere frühere Freundschaft erinnerte, an unser Vierer-Bündnis, glich er einen Augenblick wieder dem alten John, dem Gentleman von früher. Verzweifelt verriet er mir seinen Schmerz über Marys Untreue und bat mich, ihn als Einbrecher zu erschießen und hinterher auf Notwehr zu pochen. Einen Moment lang dachte ich wirk­lich, damit wäre ihm tatsächlich am besten geholfen. Aber ich zö­gerte, und er floh. Aouan hatte über mich gewacht und betrat die Szenerie. Geschickt und in gebrochenem Französisch wies er auf die Wichtigkeit von Verschwiegenheit hin, die den Schwar­zen angeboren sei, im Gegensatz zu den Weißen. Die Ge­sun­dung Hoels, die Bestrafung der oder des Schuldigen - alles hing von König Kpengla ab, wie Aouan mir mühsam bei­zu­bringen versuchte. Denn dem König gehorchten alle Schwar­zen, auch ein Vooduno, der seinen Fluch zwar nicht vollständig zurücknehmen, aber weiterleiten konnte, wie mir mein neuer Freund berichtete. Man rede nicht darüber, man müsse den König walten lassen.

Woher er denn seine Motiva­tion nehme, mich zu unterstützen, frag­te ich mich – und ihn. Darauf wies er auf die jahr­zehn­te­lan­ge Fehde zwischen seiner Familie und der Familie von Sog­nig­be hin. Es sei gut möglich, dass König Kpengla mich dem­nächst als Gast in seinem Dorf zu empfangen wünsche, um zu entscheiden.

Und wirklich gab es am nächsten Morgen eine Einladung des Königs. Er wollte nicht nur Montaguere wiedersehen, sondern auch ausdrücklich mich als weiße Frau kennenlernen, um unser Urteil in einer Gerichtsangelegenheit bezüglich einer seiner untreuen Frauen zu erfahren. Forrissier erklärte auf meine Ein­wände, ich könne unmöglich ablehnen. Er und Mary boten an, sich um Hoel zu kümmern. Fast hätte ich es vergessen – es gab noch eine zweite Nachricht, von einem anderen Boten ab­ge­geb­en, in einem Obstkorb. Hierbei handelte es sich um den Kopf von Sognigbe.

Wie besprochen, blieben Forrissier, Mary und der kranke Hoel zurück. Gott allein wusste, wo sich John herumtrieb. Rousselot, Aouan und Boisbeauf bemühten sich rührend, mir Mut zuzusprechen. Montaguere, der sich immer offener auf Seiten von Viaroux stellte, versuchte mir das Versprechen ab­zu­gewin­nen, niemanden offen anzuklagen. Viaroux wies bei einer Fußbad-Pause nach dem Passieren der Brücke darauf hin, dass es dann nämlich möglich wäre, dass Kpengla den kompletten Trupp mit einem Voodoo-Fluch belegen lassen würde, weil die Schwar­zen nur im Kollektiv zu denken bereit seien.

Kpengla empfing uns durch seinen Yovogan, er selbst sprach kein einziges Wort. „Der König wünscht...“ verkündete der Yo­vo­gan meist nach kurzen Rücksprachen mit dem be­leib­te­sten Schwarzen, den ich jemals sah, oder: „Der König fragt...“ Auf den wertlosen Plunder, den Montaguere als kost­ba­re Geschen­ke darzustellen versuchte, reagierte Kpengla mit trocke­­nem Humor, in dem er Montaguere „als aufrichtiges Dan­ke­schön“, wie der Yovogan ohne Ironie vortrug, eine hoch­be­tag­te, kaum noch des Gehens mächtige Sklavin schenkte. Montaguere lächelte mühsam und zwang sich ein paar Worte der Höf­lichkeit ab.

Schließlich richtete der Yovogan das Wort an mich. Der König wolle wissen, was die weiße Dame von dem Gebot halte, dass eine Frau einen Mann nicht lächerlich machen dürfe. Monta­guere erinnerte mich unter Schweißperlen an mein Ver­sprechen (das ich nie gegeben hatte), Boisbeauf und Aouan rie­ten mir flüsternd, mich angemessen zu verteidigen, ohne Rücksicht auf Verluste. Ich ent­schied mich, den Sachverhalt ei­ni­ger­maßen wahr und doch verhüllt zu beschreiben. Der König sollte seine eigenen Schlüsse ziehen dürfen. Ich berichtete von der Krankheit Hoels (die Kpengla unmöglich verborgen ge­blie­ben sein dürfte) und betonte das Gebot der Treue, das es mir schwerlich möglich machte, mit einem Mann allein zu sein, so dass ich vor Viaroux Zuflucht in dem Dorf suchte, wo es dann zu den bekannten unglücklichen Verwirrun­gen gekommen war. Es gab eine kleine Pause, ich fühlte mich wirklich wie in einer Gerichtsverhandlung. Montaguere und Viaroux flüsterten mit­ein­ander. Rousselot meinte, ich hätte noch viel zu gnädig ge­sprochen.

Beim zweiten Wortgefecht durften wir zunächst die Schieß­künste der Amazonen bewundern. Montaguere begann mit einem nachdenklichen Satz, indem er seine Bewunderung für die Geschicklichkeit der hiesigen Frauen bewunderte, worauf­hin Viaroux wie aufs Stichwort ergänzte, dass die weißen Frau­en leider nicht so geschickt seien. In einer seltsamen Rede brach­te er mit einigen Blumigkeiten zum Ausdruck, dass ich mei­ne eigene Glaubwürdigkeit durch meine Schießkünste beweisen möge.

Der Vogel, den ich erschoss (war es nun ein Zufallstreffer oder die frühere Kaltblütigkeit bei den guten alten Fuchsjagden?), fiel Viaroux genau vor die Füße, und für den Rest des Tages sprach er kein Wort mehr. Der Yovogan schloss die Verhand­lung mit den Worten, der wahre Schuldige könne seine Schuld nicht länger verbergen. Der König wünsche seine Gäste bei der Hin­rich­tung von zwei seiner untreuen Gemahlinnen wie­der­zusehen.

Die Köpfe der Frauen waren in der Erde eingegraben und von einem speziellen Öl umgeben, das die roten Waldameisen anlockte, was Aouan erheiterte und mich insgeheim entsetzte. Als kleines Dankeschön des Königs für meine Tapferkeit (bei dem Wettschießen oder bei der Hinrichtung?) erhielt ich die noch junge und geheimnisvolle Sklavin Alihosi geschenkt – mit dem Hinweis, eine Frau mit einem kranken Mann habe Hilfe im Haushalt nötig. Aouan war sich ganz sicher, dass Alihosi mit Zauberkünsten vertraut war, um Hoel gesunden zu lassen.

In der Nacht vor unserer Rückkehr gab es ungebetenen Besuch in meinem Zelt. Viaroux musste Aouan niedergeschlagen ha­ben und stand jetzt, sichtlich besoffen, mit einer Scherbe in der Hand vor meinem Bett. Da ich doch so gut mit Schwarzen kön­ne, wolle er mir ein kleines Andenken an ihre Maskerade, Ver­zierungen und Falten mitgeben. Boisbeauf schlug ihn von hinten bewusstlos und wusste doch, dass Montaguere selbst jetzt immer noch nichts gegen ihn unternehmen würde.

Als unsere kleine Karawane sich endlich wieder in Bewegung setzte (Montaguere und Viaroux hielten sich in der Mitte auf), bemerkte ich, dass einer der Sklaven die Greisin, das höhnische Geschenk Kpenglas an Montaguere, abseits führte und mit einem Gewehr in der Hand wartete, bis die meisten vorüber gegangen waren. Aouan versuchte mir klarzumachen, dass sie für jeden nutzlos sei, auch für sich selbst, aber der Schuss bestürzte mich so sehr, dass ich mich vom Trupp entfernen musste, um in Ruhe reihern zu können. Aouan folgte mir und hielt wieder Moralpredigten, es sei ge­fähr­lich, allein in den Dschungel hineinzugehen usw. Als ich ihn anschrie, klickte es in seiner Hand, und ein Revolver kam zum Vorschein. Er blickte aus schmalen Augen auf mich und befahl mir, still zu stehen. Einen Moment lang dachte ich,: „Jetzt erschießt er mich, weil ich ihn beleidigt habe!“ Dann sah ich den Löwen neben mir. Aouan wechselte die Taktik und begann zu brüllen, um den König der Tiere von mir abzulenken. Er zögerte zu lange mit seinem Schuss, offenbar hatte er Angst, mich zu treffen, weil ich immer noch vor lauter Schreck in der Schusslinie stand. Erst als der Löwe schon dabei war, ihn zu zerfleischen, fand ich den Mut, die Aouan aus der Hand gefallene Waffe zu nehmen und den Löwen zu töten. Aouan erklärte mir sterbend, sein Tod sei kein Verlust, er sei doch nur ein Neger gewesen. Alihosi nahm mich tröstend bei­seite.

Benommen hörte ich noch, wie Viaroux sich gegenüber Montaguere über den enormen Zeitverlust aufregte und wie Montaguere ihm befahl, mit ein paar Leuten durch die Nacht durchzumarschieren, um Forrissier mitzuteilen, dass wir un­ter­wegs seien und noch eine Nacht Rast einlegten. Viaroux sag­te kein Wort mehr, es handelte sich für ihn um ein Selbstmord-Kommando. In der Nacht waren nur Irre im Dschungel unterwegs.

In dieser Nacht hatte ich Kopfschmerzen, und es schlug, wie Alihosi mir sagte, die Stunde der Schlange. Geheimnisvolle Trommeln drangen durch die Nacht, Hoel gesundete, und John machte, wie ich später hörte, Mary und Vignebelle seine Aufwartung. Mit der Drohung, seine eigene Tochter zu töten, machte er sich beide gefügig und lockte sie in den Dschungel. Dabei muss er auf Viaroux gestoßen sein, der sich anschickte, ins Fort zurückzukehren, und das Trommeln wird sie beide nicht nur etwas nervös gemacht haben. War es Zufall oder nicht? Kehrte das Böse dahin zurück, woher es gekommen war? Wie dem auch sei, Viaroux und John rieben einander auf, lieferten sich ein tödliches Fechtduell in den Sümpfen und kamen nicht wieder.

Als Dank für Alihosis Hilfe bat ich bei der Rückkehr auf die See Boisbeauf darum, sie nicht mit den anderen Sklaven ein­zusperren. Er kam mir großzügig entgegen, und das sollte sich als verhängnisvoll erweisen. Hoel war wieder gesund, aber Boisbeauf spuckte noch in der ersten Nacht Blut und starb trotz der Künste Rousselots. Das Kommando übernahm der wie schon erwähnt durch und durch versaute Bernadin, der es schaffte, die sanftmütige Alihosi gegen sich aufzubringen, indem er ihr unschickliche Avancen machte. Sie revanchierte sich mit einem herzhaften Guss Wasser in sein Gesicht, er dank­te es ihr mit fünfzig Peitschenhieben. Ich geriet in Streit mit Hoel, der meine aufmüpfige Art gegenüber Bernadin tadelte. Als ich die verwundete Alihosi pflegen wollte, spuckte sie mir ins Gesicht. Wie Rousselot vermutete, gab sie mir die Schuld dafür, dass ihr nicht klar genug war, einem Weißen Respekt entgegenzubringen.

Keiner wusste mehr genau, wie es geschehen war, aber es war Alihosi gelungen, die Sklaven zu einem Aufstand aufzuhetzen. Dabei verschwand Bernadin spurlos, und viele ahnten, dass Alihosi persönlich dafür verantwortlich war. Rousselot verlor eine Hand und bald darauf das Leben. Das Kapitänsamt über­nahm Marys kindlicher Freund Vignebelle mit etwas auf­ge­­setz­ter Kühnheit. Der Sklavenaufstand wurde endlich er­folg­reich niedergeschlagen, und Mary fand Alihosi, die bei ihr Zuflucht suchte. Sie und Hoel mussten ihre ganzen Überre­dungs­künste aufbieten, um mir das Einverständnis zu ent­locken, sie in unserem Zimmer zu verstecken. Wie eine Statue saß sie mir Tag für Tag gegenüber, Hoel sah sich den deutlichen Erpressungsversuchen eines anderen Matrosen ausgesetzt, der ihn anhand eines Steckbriefs als gesuchten Kapitänsmörder erkannte.

Irgendwann ertrug ich das vorwurfsvolle Schweigen und Starren meiner früheren Dienerin nicht mehr und schlug ihr vor, Aouans Pistole zu benutzen. In dem für sie typischen ge­bro­­chenen Französisch sprach sie endlich, woraus hervor­ging, dass es ihr nichts nutzen würde, mich zu töten, da sie selber leben wollte.

Endlich gingen wir von dem verdammten Kahn und betraten wieder französische Erde, auch wenn sich unsere Hoffnung, dass Gras über Hoels Vergangenheit gewachsen sei, nicht bestätigte. Mary und Enora verabschiedeten sich zurück in die Heimat, Hoel wurde von einem Kommando Soldaten entlarvt und verfolgt. Als einzigen Ausweg sah er das Anheuern auf einem Piratenschoner. Bei mir begnügte man sich mit weni­gen Wochen Haft wegen Beihilfe zur Flucht, weil ich einem der Soldaten in den Arm gebissen hatte, als Hoel davon gerannt war. Sein letzter Brief war wirklich sein letzter. Ich war meiner Bindungen ledig.

Ich dachte nach über das Geschehene. Vieles war Zufall, man­ches nur die logische Konsequenz. Einige blie­ben, wie Mon­ta­guere, nahezu ungestraft. Ein gemeinsames Le­ben war mir und Hoel aus irgendeinem Grunde nicht ver­gönnt. Als ich dement­sprechend trübsinnig am Strand ent­lang wan­derte, rief mir eine Schwarze lachend entgegen, dass ich nass werden könnte, weil es zu regnen begann.

Irgendwie und irgendwann öffnete mir ihre eigenartige Bemerkung die Augen. Mein Leben war nicht vorbei, sondern begann gerade erst!

ENDE
   

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