FIORELLA
Vorgeschichte
Annette von Dalmi-in-Not arbeitet nun mit Claudia zusammen, die immer wieder Hunde aus Rom aus einem verwahrlosten Tierheim nach Österreich bringt, um ihnen ein besseres Leben und eine zweite Chance zu ermöglichen. Annette hält mich mit ihren zu vermittelenden Schützlingen immer am Laufenden, sodass auch ich mich bezüglich Vermittlung immer etwas umhören kann. Eines Tages hat sich mich also angerufen und um Hilfe gebeten wegen einer Hündin, die am 20. November 2004 nach Österreich kam - Fiorella. Die kleine Maus sei eine super liebe Hündin, mit anderen Hunden absolut verträglich, aber leider hat sie absolut kein Vertrauen in die Menschen.

Nach einer Email mit einigen Fotos konnte ich natürlich nicht mehr "nein" sagen und so ist es dazu gekommen, dass wir ausgemacht haben, Fiorella bekommt bei mir einen Pflegeplatz bis sie so weit ist, dass man sie ruhigen Gewissens vermitteln kann. Meine Aufgabe ist es also, ihr das Vertrauen in den Menschen wieder zu schenken und ihr zu lernen, dass es auch ein anderes Hundeleben außerhalb des Zwingers gibt. Sie soll verstehen, dass ihr der Mensch nichts böses will und dass es ganz toll sein kann, in einem Menschen-/Hunderudel zu leben.

Fr, 10. Dezember 04
Heute ist es so weit. Die kleine Fiorella kommt zu mir. Claudia wird sie am Abend bringen, d.h. wir werden uns in Kagran treffen. Danach werden wir natürlich gleich nach Hause düsen und sie darf ihr vorläufiges Zuhause begutachten. Trolli wird sie wahrscheinlich zunächst einmal ausbellen, aber wenn sie das überstanden hat (was normalerweise max. 2 Stunden dauert), dann packen wir alles.
Claudia hat mich gestern noch angerufen und letzte Anweisungen und Tipps gegeben. Anscheinend ist sie eine recht gefinkelte und raffinierte Maus, da sie sich bei der Übergabe in Rom ganz geschickt aus dem Halsband geschält hat. Ich werde also für heute abend auch ein Brustgeschirr mitnehmen und sie am Anfang mit Brustgeschirr und Halsband führen. Sollte sie aus einem entwischen, hängt sie immer noch am anderen Teil. Es gibt ja auch Hunde, die es schon geschafft haben, sich aus einem Brustgeschirr zu "befreien" (siehe Siqua).
Nach langem Hin und Her wurde entschieden, dass sie doch erst am Samstag kommt.
Sa, 11.12.04
22°° Uhr Ankunft in Kagran
Fiorella zeigt sich total passiv und fast regungslos lässt sie sich die Leine draufgeben. Nur mit zahlreichen Aufforderungen springt sie vorsichtig aus dem Auto. Siquas Begrüßung ignoriert sie. Vor jeder Person, die vorbei geht, hat sie panische Angst und will flüchten, bei jeder knallenden Autotür zuckt sie zusammen. Kleine Wurststücke, die ich ihr anbiete, nimmt sie nicht an. In mein Auto steigt sie freiwillig nicht ein, beim Hineinheben bockt sie, geht allerdings dann von allein in die Transportbox. Die Fahrt verläuft ruhig.
Beim Aussteigen zu Hause ist sie wieder sehr zaghaft, ebenso beim Gehen. An „Lackerl“ machen oder ähnliches ist nicht zu denken. Sie hält allerdings immer wieder nach Siqua Ausschau. Den Lift betritt sie freiwillig nicht, geht aber dann oben im Dachgeschoß relativ zielstrebig wieder heraus. Die Leine lässt sie sich wieder recht passiv herunternehmen.
1. Begnung mit Troll – problemlos – er beschnuppert sie, sie duldet es und er geht wieder.
1. Begegnung mit Milo – sie schaut ihn, wagt es aber nicht, sich zu bewegen. Er sträubt die Haare. Als er merkt, dass sie ihm nichts tut, marschiert er stolz und provokant vor ihr auf und ab. Sie beobachtet ihn aus den Augenwinkeln.
1. Nacht
Sie traut sich nicht einmal ins Schlafzimmer und schläft allein im Wohnzimmer eingerollt in einer Ecke. In der Nacht gehe ich aufs WC – sie weicht mir aus. Einen Hundepolster nimmt sie dann dankbar an.

So, 12.12.04
Der Tag beginnt mit 10minütigem Einfangen und Anleinen in der Wohnung. Zum Gassi gehen nehmen wir Siqua mit. Fiorella trägt Brustgeschirr und Agilitiyleine (Leine und Halsband in einem), um ein Herausschlüpfen zu verhindern. Liftfahren geschieht noch immer unfreiwillig. Für unsere sonst 10min-Runde benötigen wir eine halbe Stunde. Menschen mit Hunden, denen wir begegnen, schaut Fiorella staunend und ungläubig nach, als würde sie diese friedliche Hund-Mensch-Beziehung nicht verstehen. Sie macht nur ein kleines Lackerl, sonst blickt sie sich ständig nervös um.
Als wir zurückkommen, ist sie fix und fertig und schläft, wie fast die meiste Zeit des heutigen Tages. Gegen 10°° Uhr vormittags beginnen wir die erste Übung des Clickertrainings. Ihre Aufgabe ist es, meine Hand mit der Schnauze zu berühren, dafür bekommt sie Wurststückchen. Sie lernt schnell, „Click“ mit Belohnung zu verknüpfen und taut langsam auf.
Am Nachmittag sehe ich sie kurz mit einer Stoffmaus von Milo spielen. Am Abend legt sie sich sogar neben mich, als ich die Wäsche aufhänge, beim Fernsehen liegt sie ebenso neben mir. Langsam schreckt sie sich nicht mehr vor jedem Geräusch und jeder hastigen Handbewegung. Ihre Rute ist allerdings trotzdem immer zwischen den Hinterbeinen eingezwickt. Sie duldet es mittlerweile, dass ich sie streichle, beginnt dann aber schnell mit starken Beschwichtigungssignalen.
Am Abend nehme ich sie auf den Gang mit Rauchen. Sie legt sich neben mich. Meine Nachbarn kommen heraus, sie lässt sich vorsichtig anfassen, bleibt aber an meiner Seite. Meine Nachbarn geben ihr Wurststücke, die sie sehr überlegt annimmt. Immer wieder beobachtet sie Siqua, der mit der 6-jährigen Nachbarstochter spielt.
Wie gehen mit ihr zu den Nachbarn auf einen Kaffee. Fiorella ist dort (und auch am Gang) an der Leine. Meine Nachbarin streichelt sie die ganze Zeit. Allmählich entspannt sie sich und schläft sogar ein – jedoch ist sie immer in meiner Nähe. Auf Geräusche in der Küche ist sie schnell desensibilisiert und zuckt nicht mehr zusammen.
Der Abendspaziergang ist allerdings wieder sehr stressig für sie. Die wenigen Autos und Menschen machen ihr große Angst und sie macht kein einziges Mal Gassi. Insgesamt hat sie heute nur 2x „klein“ gemacht. Ich mache mir ein wenig Sorgen.
In den nächsten Tagen will ich sie baden, da sie teilweise sehr fettiges, ungut riechendes Fell hat. Ich muss ihr zur Zeit wegen einer kleinen Entzündung 1x täglich die Ohren eintropfen. Sie quietscht dabei und unterwirft sich sofort, indem sie sich regungslos auf den Rücken legt.
In der Nacht liegt sie wieder alleine im Wohnzimmer auf ihrem Polster. Ich falle um 21°° Uhr todmüde ins Bett und weiß jetzt, wie einfach meine beiden Hunde im Vergleich zu ihr sind.

Mo, 13.12.04
Fiorella begrüßt mich heute morgen erstmals mit einem Schwanzwedeln und sichtlicher Freude. In ihrem Übermut erwische ich sie, als ich aus dem Badezimmer komme, mitten auf meinem Schreibtisch. Ein kurzes „nein“ genügt aber und sie springt sofort reuig wieder herunter.
Der Spaziergang heute verläuft super. Den Lift hat sie erstmals freiwillig betreten. Draußen trägt sie die Rute ganz normal und nicht mehr so stark eingeklemmt. Siqua läuft voraus und sie macht in einem Anflug kurzen Übermuts zwei Galoppsprünge hinterher. An der Leine ziehen würde sie jedoch nie. Gleich bei der Wiese macht sie ein Lackerl, nach weiteren 10min einen Haufen – kein Durchfall, sie dürfte das Barfen also gut vertragen. Bei der Rückkehr in die Wohnung geht sie gleich neugierig ins Wohnzimmer.
Sobald ich einen Raum verlasse, will sie hinterher und öffnet sich die Tür. Habe nun die Vorzimmertür, die von Siqua ohnehin schon malträtiert wurde, mit Klebeband und Küchenrolle vor den gröbsten Übergriffen geschützt.
Als ich mich zum Lernen aufs Bett setze, werde ich von allen 4en (inkl. Fiorella, die sich erstmals aufs Bett traut) umzingelt. Sie schlafen alle um mich herum und ich denke mir, wie schnell die kleine Maus schon Fortschritte macht. Was ich bisher sagen kann, ist sie ein toller Hund. Sie zieht nicht an der Leine, verträgt sich gut mit Hunden und Katzen und kann auch brav alleine bleiben.

Di, 14.12.04
Heute geht Fiorella nur mit Brustgeschirr und Flexileine Gassi. Sie macht sogar 2 Lackerln und wenn sie einmal etwas hinten bleibt, weil sie schnuppert, düst sie dann richtig vor zu mir. Überholen tut sie mich eigentlich nicht, sie bleibt meist neben mir oder eben hinter mir. Siqua, Fiorella und ich gehen aufs große Feld. Als ich Siqua von der Leine lasse und er wegzischt, will sie hinterher. Als jedoch nach 8m die Flexileine aus ist und sie zwangsläufig hineinläuft, quietscht sie kurz auf. Die Rute trägt sie bei unseren Spaziergängen jetzt immer oben. Drinnen nur teilweise. Wenn ich sie freundlich anrede, oder nach Hause komme und von allen begrüßt werde, wedelt auch sie mit ihrer Rute. Vorhin setzte sie sich zu mir aufs Bett und als ich sie ansprach, gab sie mir ihre Pfote als Aufforderung zum Streicheln.

Siqua ist ganz hin und weg von ihr – wahrscheinlich ist er verliebt :o) Immer wieder fordert er sie zu Hause zum Spielen auf und knabbert an ihren süßen Ohren. Einerseits merkt man, dass es ihr gefällt, andererseits zieht sie dann aber den Schwanz ein und will schnell ihre Ruhe.
Alles in allem machen wir schneller Fortschritte als ich dachte.
Mi, 15.12.04
Fiorella schläft nun jede Nacht bei uns im Bett. Sie kuschelt hin und wieder auch mit den Hunden und man merkt, wie sie sich sichtlich entspannt und wohler fühlt. Die Tochter meiner Nachbarin war heute da und Fina hat sich sogar streicheln lassen und zaghaft, aber doch Wurststückchen angenommen. Am Vormittag waren die Hunde 3 Stunden alleine. An und für sich gab es keine Probleme, einer der Hunde (ich vermute Troll oder Fina) haben mir jedoch die Verpackung eines Weihnachtsgeschenks zerbissen...selber Schuld, man soll halt nichts rumliegen lassen.

Das Einzige, was mir Sorgen macht ist, dass sie nur alle zwei Tage ein Hauferl macht. Ohren eintropfen hasst sie extrem..sie quietscht jedes Mal, als würde ich es ihr abschneiden wollen. Aber bald haben wir es geschafft und ihre Entzündung wird hoffentlich leichter. Am Abend ist meine Mutter gekommen. Fina war zwar wieder sehr schüchtern, hat sich jedoch berühren lassen und ist teilweise sogar von allein auf meine Mutter zugegangen.
Do, 16.12.04
Heute ist eigentlich nicht viel los gewesen. Am Nachmittag bin ich mit Siqua und Fina in den Garten gefahren, um zu sehen, wie sie reagiert, wenn sie frei läuft. Sie hat sogar ein wenig mit Siqua gespielt, war aber immer in meiner Nähe und ließ sich problemlos wieder anleinen. Am Abend bin ich mit den Beiden zu meinen Eltern gefahren. Auf meine Mutter ist sie diesmal ganz von allein zugegangen. Mit erhobener Rute ist sie zielstrebig im Haus herumgelaufen, hat zwischendurch aber wieder meine Nähe gesucht bzw. sich bei Siqua aufgehalten. Als mein Vater nach Hause kam und sich sehr um sie bemühte, nahm sie schließlich auch von ihm ein Leckerli an. Was das Fressen betrifft, hat sie heute erstmals bei den anderen gefressen, davor hat sie immer im Vorzimmer gefressen (und das sehr langsam und vorsichtig und nur in meiner Anwesenheit). Heute hat sie sich von der Gier der beiden Jungs richtig anstecken lassen und etwas zügiger gefressen, allerdings war sie trotzdem die Letzte, obwohl sie am Wenigsten bekommt.
Fr, 17.12.04
Habe Fina heute gebadet. Ich war mehr nass als sie, weil sie sich ständig schüttelte. Auch mein Badezimmer sah dementsprechend aus. Allerdings stinkt sie jetzt nicht mehr und auch das Fell ist nicht mehr fettig. Dann bin ich ihr mit dem Fön durch die Wohnung nachgelaufen. Irgendwann hat sie aber gemerkt, dass das Ding nur laut ist, der warme Luftstrom jedoch ganz angenehm ist. Dann hab ich sie noch gebürstet. Jetzt sieht sie aus, wie ein kleiner flauschiger Teddybär.

In der Früh war es ziemlich glatt und als ich zuerst mit Troll rausging, bin ich fast hingefallen, vor lauter Freude, dass bei uns dieses Jahr kein Salz, sondern Rollsplit gestreut wird, da meine Wuffis immer sehr darunter leiden und teilweise nicht mal mehr weitergehen und nur die Pfoten abwechselnd heben und winseln. Als ich dann mit Fina und Siqua raus bin, war ich natürlich vorsichtiger - die beiden Hunde klarerweise nicht, und so lag zuerst Siqua, dann aber auch wenig später Fina am Hintern. War lustig anzusehen. :o)

Sa, 18.12.04
Heute waren Fina, Siqua und ich mit Sandra und Frodo in der Hundezone bei der Alten Donau. Fina war anfangs noch sehr schüchtern und zurückhaltend und ist nicht von meiner Seite gewichen. Langsam ist sie dann aber aufgetaut und hat sogar ein wenig mit dem ein oder anderen Hund gespielt. Irgendwann hat sie dann als einziger Hund auch ein eiskaltes Bad in der Donau genommen und mich freudig angeschaut. Als ich sie gerufen habe, ist sie gleich brav gekommen bzw. zurückgeschwommen. Alles in allem war sie sehr brav und am Abend natürlich total k.o.
So, 19.12.04
Habe heute morgen an Finas Kinn eine kreisrunde Hautveränderung festegestellt. Sie ist etwa so groß wie eine 20cent Münze und gerötet mit kleinen krustenähnlichen Teilen. Es nässt allerdings nicht. Habe gleich voller Besorgnis mit Annette telefoniert und werde morgen mit Fina zum TA fahren und einen Leishmaniose-Test machen lassen. Ich bin heute wirklich sehr besorgt, vorallem, weil Fina so tolle Fortschritte macht und ich glaube, wenn der Test morgen positiv ist, fang ich zum Heulen an. Ich weiß auch nicht mehr wirklich, was ich großartiges heute schreiben soll. Fina ist total fröhlich und trägt auch zu Hause schon oft ihre Rute oben. Sie bekommt gar nichts mit von meinen Befürchtungen und Sorgen. Ich wünsch mir nur das Beste für sie und hoffe, dass ich morgen mit einem Lächeln und großer Erleichterung aus der TA-Praxis gehen werde.

Mo, 20.12.04
Der heutige Tag war ziemlich anstrengend. Habe mit drei verschiedenen Tierärzten gesprochen und eigentlich meinten alle am Telefon, dass es - nach meinen Schilderungen - nicht nach Leishmaniose aussieht, da sie ja sonst keine Symptome hat wie verstärktes Krallenwachstum, Mattigkeit, mehrere Hautveränderungen zb bei den Beinen oder um die Augen. Fina frisst ganz normal und ist für ihre Verhältnisse putzmunter.
Leider konnten mir alle 3 TA nur sagen, dass man auf das Ergebnis des Bluttests 2-3 Tage warten muss, weil das eingeschickt werden muss. Jedenfalls habe ich dann bei meiner ehemaligen TA einen Termin um 16:30 Uhr ausgemacht. Sie meinte, es ist eine eitrige Hautentzündung und muss mit Tabletten behandelt werden - Leishmaniose sollte ich sie aber doch testen lassen. Hm. Einerseits Erleichtung, andererseits doch diese Ungewissheit. Annette meinte, das ist eben diese Sekundärinfektion. Ich will gar nicht nachdenken, was wäre, wenn sie positiv ist. Bei der Blutabnahme war sie total brav. 2 Gläschen sind ihr abgenommen worden am Hinterbein. Danach hat sie gleich nachgeschaut, was man da auf ihrem Fusserl gemacht hat. Gewogen wurde sie auch: 19,6kg. Zu meiner Überraschung muss sie aber nur etwa 1kg und nicht 3-4kg abnehmen. Die Ohren sehen recht gut aus, allerdings soll ich die Behandlung 3-4 Wochen durchmachen, damit die Entzündung nicht gleich wieder kommt. Alles in allem hab ich 62, 95 Euro hingelegt (davon 50,-- Euro für den Leishmaniose-Test). Wenn er negativ ist, ist es mir das wert. Ich mach mir echt Sorgen. Bin dann noch zu meinen Eltern gefahren. Fina war total fertig und hat ein Lackerl ins Wohnzimmer gemacht. Heute hat sie sich ihr Bettchen echt verdient.
Ich glaube, wenn sie positiv ist, tu ich ihr eine Vermittlung nicht an. Dann werd ich sie wohl behalten müssen, auch wenn dann bei mir zu Hause noch mehr Chaos ist....
Di, 21.12.04
Heute war nicht viel los. Ein Tag ohne irgendwelche Besonderheiten oder Vorkommnisse. Das Ergebnis des Tests ist noch nicht da. Das heißt noch immer endloses warten. Dafür gibts aktuelle Fotos:


Mi, 22.12.04
War heute mit allen 3en am Feld draußen. Fina ging mit der Schleppleine. Hat super Spaß gemacht, einmal mit einem Rudel rauszugehen. Am Nachmittag hab ich dann den TA angerufen - leider noch kein Ergebnis. Ich warte noch immer ungeduldig. Obwohl, eigentlich will ich´s gar nicht wissen. So gesehen genießen wir die letzten Stunden in Ungewissheit.

Do, 23.12.04
Das Ergebnis des Leishmaniose-Tests ist da. 1:50, sie liegt also direkt im Grenzbereich. Keine Ahnung, was das jetzt heißt. Jedenfalls laut TA wäre der Wert viel höher, wenn sie Leishmaniose hätte. Der Wert kann auch durch das Hautexzem, dass sie jetzt hat, angestiegen sein. Wir sollen in 4-6 Wochen wieder einen Test machen. Was soll ich bloß von diesem Ergebnis halten? Irgendwie weiß ich jetzt genauso viel wie vorher.
So, jetzt habe ich gerade mit Annette gesprochen. Sie meinte, man kann dieses Ergebnis als negativ bewerten, da sie bei einem Leishmaniose positiven Hund ein Ergebnis von etwa 1:140 hatte. Jetzt bin ich etwas erleichtert.

Fr, 24.12.04
Heute ist Weihnachten und Finas großer Tag. Habe ja eine Interessentin für sie - meine Mutter hätte sie gerne, aber mein Vater ist nicht so begeistert von der Idee. Fina hat so wie die anderen Hunde eine große Masche um den Hals bekommen. Jeder Hund bekommt vom Christkind einen großen Knochen. Fina wirft sich auf die Geschenke und macht es sich dort - direkt unterm Christbaum mit ihrem Knochen gemütlich. Leider ist bei der Bescherung kein "du darfst bleiben" dabei. Später, als wir fahren wollen und ich die Hunde zusammenpacke, meint mein Vater zu Fina, sie soll doch eine Nacht bleiben, damit man sieht, ob das klappen würde. Meine Mutter strahlt. Fina bekommt ihre Chance auf ein neues Zuhause - hoffentlich nutzt sie sie.


Sa, 25.12.04
Heute morgen treffen wir uns zum gemeinsamen Gassi gehen. Fina und ich freuen uns riesig, als wir uns wieder sehen. Die heutige Nacht darf sie noch bei uns verbringen, da meine Eltern spät nach Hause kommen. Siqua ist natürlich hocherfreut, denn er hatte gestern großen Liebeskummer ohne seine blonde Freundin.

So, 26.12.04
Fina ist nun wieder in ihrem neuen zu Hause. Sie genießt den Garten in vollen Zügen und wutzelt sich im Kompost. Meine Mutter und ich stecken sie gleich in die Badewanne, was ihr natürlich überhaupt nicht gefällt, aber sie lasst es brav über sich ergehen. Einerseits ist sie jetzt wieder schüchterner und zurückhaltender, andererseits aber neugierig und hinterlistig. Als sie sich unbeobachtet fühlt, steigt sie in die Schüssel mit dem Katzenfutter, um einmal nachzusehen, was da so leckeres drinnen sein könnte. Langsam gewinnt sie auch zu meiner Mutter Vertrauen und begleitet sie in den Keller zur Waschmaschine usw. Ich bin glücklich, dass es so gut klappt und Fina ein neues Zuhause und eine Chance bekommt.

Mo, 27.12.04
Heute ist der erste Arbeitstag, also die Vorbereitung auf Finas neuen Alltag. Meine Mutter verlässt um 9 Uhr das Haus und Fina und Kessy sind allein zu Hause. Als ich gegen Mittag zum Gassi gehen komme, sind die beiden hocherfreut und haben weder reingemacht, noch irgendetwas angestellt. Beim Spazierengehen entdeckt Fina bei einem Haus einen braunen Porzellanlöwen. Sie starrt ihn an und bellt ihn aus. Dann geht sie stolz und mit erhobener Rute weiter. Ich kann mit ihr schon ohne Probleme ohne Leine gehen. Immer wieder startet sie übermütig durch wie von der Tarantel gestochen und zischt eine kurze Runde. Ich würde mal sagen, es geht ihr ziemlich gut.

Nachdem Fina nun einen neuen Platz gefunden hat, schließe ich das Tagebuch vorläufig.

Hier einige Winterfotos von Fina´s neuem Leben



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