|
||||
EU Beschluss: Staat soll Abtreibungen finanzieren von: http://www.arte-tv.com/de/geschichte-gesellschaft/abtreibung/Abtreibung/726244.html Anfang der 1970er Jahre wurden in Frankreich täglich Dutzende Frauen wegen heimlicher Abtreibung in die Notaufnahme eingeliefert. Um eine ungewollte Schwangerschaft nicht austragen zu müssen, gingen sie hohe gesundheitliche und rechtliche Risiken ein - und täglich starb eine von ihnen. In Frankreich wurde im Dezember 1967 Verhütung legalisiert, unterlag aber der Verschreibungspflicht, ohne von der Krankenkasse zurückerstattet zu werden. Die gesetzlich vorgesehenen Informations- und Familienzentren waren noch nicht eingerichtet, viele Frauen falsch oder gar nicht informiert. Die Folge: Nur knapp 10 % der Frauen nahmen die Pille. Im Falle einer ungewollten Schwangerschaft konnten zahlreiche Frauen, oft mehrfache Mütter, nur auf sich selbst zählen. Täglich trieben über tausend Frauen in Frankreich ab, 400.000 im Jahr. Joëlle Brunerie, Gynäkologin, ehem. Mitglied der MLAC (Mouvement de Libération de l'Avortement et la Contraception/ Bewegung für die Legalisierung von Schwangerschaftsabbruch und Empfängnisverhütung), erinnert sich: "Viele Frauen hatten schon mehrere illegale Abtreibungen hinter sich. Nur bei Komplikationen kamen sie ins Krankenhaus. Dort wurden sie schlecht behandelt. Man kennt ja die Geschichten über Ausschabungen ohne Narkose. Ihnen wurde eine Lektion erteilt. Danach fingen sie wieder von vorne an. Man sagte ihnen: „Das nächste Mal sterben Sie!“, bot ihnen aber keine Lösung." Anfang der 70er Jahre war die Lösung für diejenigen, die über entsprechende finanzielle Mittel verfügten, eine Abtreibung im Ausland: In Schweiz, Holland und England war Abtreibung legal, unterlag jedoch nach wie vor der Genehmigung durch eine ärztliche Behörde. Zwar gestand keines dieser Länder den Frauen das Recht zu, selbst zu entscheiden, doch nahmen alle Länder die Spanierinnen, Italienerinnen, Deutschen oder Französinnen auf, denen eine Abtreibung im eigenen Land untersagt war – selbst im Fall von Vergewaltigung oder Inzest. Französinnen fuhren nach England, Deutsche nach Holland und Schwedinnen ins kommunistische Polen. In den Vereinigten Staaten, wo die Frauen von einer eher positiven öffentlichen Meinung und von Netzwerken unterstützt wurden, gingen sie nach Colorado, den ersten amerikanischen Bundesstaat, in dem Abtreibung seit 1967 liberalisiert war. Im Amerika der 60er Jahre kündigte sich eine Revolution an: Die Frauenbewegung. Ihr Thema Nummer 1: das Recht auf freie und kostenlose Abtreibung. Was in dieser Ära schockte, war nicht die Abtreibung an sich, sondern der Umgang mit dem Thema. Die Frauenbewegung hatte ihren Ursprung in den USA und erstreckte sich bald über die gesamte westliche Welt. Von Paris bis New York forderten Frauen das Recht auf Selbstbestimmung über ihr Leben und ihren Körper. Ihre Lieblingswaffe: Provokation. Am 5. April 1971 gaben 343 Frauen in einem Manifest öffentlich zu, abgetrieben zu haben, unter ihnen Jane Birkin, Catherine Deneuve, Françoise Sagan, Delphine Sérig, und natürlich Simone De Beauvoir. Sie setzten darauf, vom Staat nicht zur Verantwortung gezogen zu werden. Die vom M.L.F. verfolgte Strategie der Provokation und ihre starke Verbreitung über die Medien rief schnell die Gegner jeglicher Liberalisierung auf den Plan. Der Verband „Laissez-les vivre“ („Lasst sie leben“) setzte sich für das Lebensrecht der Föten und Embryonen ein. Zu seinem wissenschaftlichen Berater wurde der Genforscher Jérôme Lejeune, bekannt durch seine Forschungen zum Mongolismus. Der überzeugte Katholik wurde auch Berater des Vatikans, der in den Achtziger Jahren den Kreuzzug gegen die Abtreibung anführen sollte. Die Frage, wie und wann „dem Menschen eine Seele eingehaucht wird“, ist so alt wie die katholische Kirche selbst. Nach Thomas von Aquin wird der Fötus rund 6 Wochen nach der Empfängnis beseelt. Ihm folgend erklärte Papst Gregor XIV noch Ende des 16. Jahrhunderts, Abtreibung bis zum 3. Monat sei kein Verbrechen. Es war vielmehr der Staat, der als erstes den Körper der Frau vereinnahmte - im Namen der Nation. Bereits Mitte des 16. Jahrhunderts verbot der französische König Heinrich II die Abtreibung und verpflichtete Frauen dazu, ihre Schwangerschaft zu melden. Vom 16. Jahrhundert bis heute waren Frauen und der schwangere Körper immer wieder Gegenstand verschiedenster Interpretationen. Lange Zeit galten Frauen lediglich als Familienmitglied mit häuslichen Pflichten. Ein Vierteljahrhundert später forderten die westlichen Frauen das Recht auf Abtreibung und die Abschaffung jeglicher strafrechtlichen Verfolgung.Plötzlich erklären sie sich zu Individuen, proklamieren ihre Unabhängigkeit. Die Vorstellung, dass Frauen unabhängig werden könnten - auch was die Geburten oder gar ihre eigene Sexualität anbelangt - setzte eine Revolution in Gang, die dem Staat, der Kirche und auch den Männern Angst machte: Eine Frau, die ihren Körper bewusster erlebt, die selbst über ihre Sinne und ihre Lust bestimmt, die Fortpflanzung und Lust zu trennen beginnt, war revolutionär. Der Freispruch von Marie-Claire gab der Bewegung neue Impulse. Sie profitierte von der Zwickmühle, in der der Staat steckte und verstärkte ihre Demonstrationen. Unter dem Druck der Öffentlichkeit und eines Teils der Ärzteschaft erarbeitete die Regierung unter Premierminister Pierre Messmer einen Gesetzesentwurf zur Legalisierung der Abtreibung, allerdings nur bei Vergewaltigung und Inzest sowie bei Gefahr für die Gesundheit des Kindes oder der Mutter. Der Messmer-Entwurf – von Gegnern als lasch und von der Frauenbewegung als unzureichend kritisiert – setzte sich nicht durch. Auf der Straße spitzte sich die Auseinandersetzung zwischen Anhängern und Gegnern der Liberalisierung immer mehr zu. Bei seinem Tod hinterließ Georges Pompidou dem neuen Präsidenten Valéry Giscard D’Estaing eine explosive Situation. Dieser betraute rasch eine Frau mit dem Thema Abtreibung: Simone Veil "Präsident Giscard D’Estaing hatte dies auch zum Wahlkampfthema gemacht. Dieses Thema lag den Leuten am Herzen. Es galt als bedeutsam für die öffentliche Ordnung. Das war einer der Gründe, weshalb ihm daran lag, dass dieser Text sehr schnell vor das Parlament gebracht würde." Am 26. November 1974 betrat die Gesundheitsministerin der ersten Regierung unter Chirac das Rednerpult, um ihren Gesetzesentwurf vor der fast ausschließlich männlichen Nationalversammlung zu verteidigen.Die Atmosphäre war äußerst gespannt. Da die Plätze auf den Zuschauertribünen nicht ausreichten, konnten viele Frauen den Debatten nicht folgen. Nur der Tonmitschnitt, der damals erstmals erfolgte, und das Protokoll des Journal Officiel - des französischen Amtblatts - zeugen heute noch von den hitzigen 4 Tage dauernden Diskussionen. Am 18. Januar 1975 stimmte die Nationalversammlung für den Gesetzesvorschlag, mit 284 gegen 189 Stimmen. Mehr Informationen zum "Kampf um die Abtreibung" in Deutschland finden Sie auf den Seiten der Zeitschrift Emma Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular! |
||||