Sent: Friday, June 02, 2006 8:45 AM
Subject: Artikel Christa Meves www.eccm.de
Hier kommt der neueste Artikle von Christa Meves aus dem Rheinischen Merkur. Viel Freude beim Lesen,
Ihr Hermann Hartenstein
Koordinator des ElternColleg-Christa Meves ECCM
HERAUSGEBER ZU FRAGEN DER ZEIT
Der Geburtenschwund hat viele Gründe
CHRISTA MEVES
An Bord eines Großtankers hat ein Maschinist eine Katastrophe entdeckt, im Bug des Schiffes. Wasser bricht ein und hat die Elektronik bereits lahm gelegt. Aber es ist ein wundervoller Frühlingsmorgen, und alles ist auf einen großen sportlichen Wettkampf ausgerichtet, der heute noch auf Deck stattfinden soll.
Der Maschinist stürzt in die Kabine des Kapitäns, wird aber sofort hinausgeworfen; denn der ist in ein Telefongespräch mit einem der wichtigsten Männer der Welt verwickelt und hört einfach nicht. Das Schiff beginnt sich zur Seite zu neigen. Der Maschinist schlägt Alarm und drängt die Leute, sich in die Rettungsboote zu flüchten. Aber das hört nur eine winzige Zahl; die anderen sind auf das laute Event des Tages ausgerichtet.
Ist das nicht unsere Situation, angesichts der Folgen des Geburtenschwunds, trotz der Warnungen des Bevölkerungswissenschaftlers Herwig Birg und anderer Fachleute? Durch ein Elterngeld, das für kurze Zeit einen Lohnausfall entlastet, ist dem gewiss nicht abzuhelfen.
Wer geht hier überhaupt von der Analyse der komplexen Ursachen des Geburtenschwunds aus? Es könnte die Gefahr doch nur beseitigt werden, wenn diese Faktoren benannt und Bestrebungen nach Beseitigung des Schadens einsetzen würden. Die Ursachen sollen hier noch einmal erwähnt werden:
1. Die Hauptursache des Geburtenschwunds liegt in der Erfindung der Antibabypille und deren Freigabe 1965. Infolgedessen stürzten von 1965 bis 1972 die Geburtenzahlen auf den Level von 1,3 Kindern pro Familie in Westdeutschland; dabei blieben sie bis heute stehen.
2. Gleichlaufend damit gewann eine linke Ideologisierung die Oberhand. Sie verstand die Familie als ein Relikt des 19. Jahrhunderts, als ein Instrument zur Produktion ungleicher Chancen. Um dieser "Ungerechtigkeit" zu begegnen, entstand ein Trend zur gleichschaltenden Kollektiverziehung.
Als "Nur-Hausfrau" diffamiert, begann die Mutter ein Schattendasein zu führen. Der Mangel an Anerkennung und die Möglichkeit zum Prestige durch Erwerbstätigkeit bilden einen mächtigen Verstärker des Geburtenschwunds.
3. Diese Entwicklung wurde besonders von den Feministinnen kämpferisch unterstützt. Die berufliche Karriere der Frau galt fortan als das erstrebenswertere Lebensmodell. Das Bedürfnis vieler Frauen nach einer Familie wurde zwar durch Befragungen oft neu erhärtet, ließ sich aber immer seltener verwirklichen, denn:
4. In der zweiten Hälfte des 20.Jahrhunderts wurden die Ausbildungszeiten allgemein sehr verlängert. Aber die biologische Uhr der Frau tickt. Oft wird die Familiengründung geradezu verpasst, zumal es in höherem Lebensalter zunehmend schwerer wird, den mühsam erkämpften Arbeitsplatz um einer Familie willen aufzugeben.
5. Ein weiterer Grund besteht darin, dass die Geschlechter heute schwerer zueinander finden. Die jungen Männer fürchten sich vor den Machtansprüchen der so selbstbewusst gewordenen Frauen und dem finanziellen Ruin durch eine Scheidung, die Frauen fürchten sich vor der Bindungsschwäche der Männer. Aber auch die Anziehung der Geschlechter füreinander ist durch die Koedukation schwächer geworden.
6. Außerdem hat die physische Fähigkeit, sich fortzupflanzen, bei beiden Geschlechter abgenommen - bei den Frauen vor allem durch den Schlankheitswahn und durch zerstörte Eileiter als Folge häufiger Entzündungen im Zuge des üblich gewordenen Jugendsex.
7. Die Vielzahl der Abtreibungen ist eine besonders gewichtige Ursache des Geburtenschwunds. Acht Millionen Kinder fehlen Deutschland heute. Der Boom der Abtreibungen hat seine Ursache in einer Aufweichung des Paragrafen 218 in den Jahren 1974 und 1992.
8. Ins Gewicht fällt auch die riesige Zunahme verhaltensgestörter Kinder. Das zu beobachten wirkt abschreckend. Viele junge Frauen sehen es deshalb als ein Problem an, Berufstätigkeit und Kinder wirklich zu vereinen. Sie fürchten sich vor den heute so üblichen Schulschwierigkeiten und den Therapienotwendigkeiten als einer Folge der Fremdbetreuung im Kindesalter. Ist dann ein sicherer Arbeitsplatz vorhanden, so neigt sich die Waage dem totalen Verzicht auf Kinder zu.
9. Dass Deutschland bei dem allgemeinen Problem des Geburtenschwunds in den Industrienationen an so exponierter Stelle steht, ist auch eine Folge der Tatsache, dass es den Deutschen nach der Katastrophe des Hitlerreiches an einem natürlichen nationalen Selbstwertgefühl mangelt.
Lässt man diese komplexen Ursachen des Geburtenschwundes an sich vorüberziehen, so wird deutlich, dass es einer fundamentalen Einstellungsänderung bedürfte und einer mächtigen Bemühung aller Instanzen, um die Passagiere unseres nur noch mühsam manövrierfähigen Schiffes in Sicherheit zu bringen.
© Rheinischer Merkur Nr. 22, 01.06.2006
Hermann Hartenstein
Koordinator ECCM
Meine Überlegungen dazu: Die Pille hat vieles in Bewegung gebracht - nicht nur die Verhütung von Schwangerschaften an sich. Vergessen wird: bis 1974 waren Frauen und Kinder eine Sache, vollkommen Wert- und Rechtlos. Nicht einemal eine Waschmaschine durfte ohne einwilligung des Ehemannes oder Vaters eingekauft werden - selbst wenn den Artikel von ihrem Einkommen Sie selbst bezahlte!
Ab etwa 1900 waren Frauen - welche viele Kinder gebaren viel wert (von selbst diese Kinder aufziehen und die Kinder lebend groß zu bekommen war nie die Rede) - doch wurden ob der hohen Geburtenrate diese Frauen ausgezeichnet und damit vor den Vorhang gehoben.
Es entstand ein Wertewandel: die Frauen begriffen, das Männer ihre Arbeit in Geld definieren: je wertvoller ihre Arbeit ist, desto höhere Gehälter gestehen sie sich selbst und anderen Männern zu. Die Arbeit als Frau als Hausfrau, Mutter ec ist bis heute ehrenamtlich - ud wird bis heute als selbstverständlich hingenommen - erkennbar an Karenz: gerade mal 3% aller Männer sind bereit, zugunsten ihrer neugeborenen Kinder oder pflegebedürftigen Familienangehörigen zu Hause zu bleiben. Wer geht zum Elternabend in den Kindergarten, Schule und Hort: zu weit über 50% die Frauen = Mütter. Wenn Ehen geschieden werden: wer wird als genügend verzichtbereit eingeschätzt zugunsten der Kinder: in über 90% die Frauen. Die Frauen wurden im Laufe der letzten Jahre Selbstbwußter. Sie begriffen und definierten ihren Wert neu - denn "liebe den Nächsten wie Dich selbst". Das haben zunehmend mehr Frauen begriffen, dass genau das Sie lernen müssen, dieses "...wie Dich selbst". Und das ist in meinen Augen sehr gut so. Frauen, bitte macht weiter so.
Das wir in Europa "zu wenig Kinder" selbst produzieren - und das wir (um unseren Wohlstand zu erhalten) die Ausländer mit ihrem zahlreichen Nachwuchs bewußt in Land herein holen - ist gleichzeitig ein Zeichen dafür, das wir Solidarität leben und zu Teilen imstande sind und auch zu teílen bereit sind. Wir haben es zB in Westeuropa nach den Weltkriegen zu Wohlstand und Frieden gebracht, während andere Länder bis heute hungern, sich selbst und anderen nicht verzeihen wollen und können, obwohl auch dort die Bevölkerung jeder zwei Hände zum arbeiten von Gott geschenkt bekommen haben. Vornehmlich die Jugend kommt zu uns, weil sie Abstand von den Eltrn haben wollen, weil Sie erkannt haben, das bei uns ihre und unser aller Zukunft liegt. Dazu gehört die bewußte Entscheidung für oder gegen Kinder. Wobei: Grundsätzlich bin ich eher für (natürliche) Verhütung - denn für die Anwendung einer Schwangerschaftsunterbrechung gemäß Fristenlösung - denn die Frist löst kein Unheil, sondern verursacht neues seelisches unauslöschbares Leid, das Zeit des Lebens (teilweise sogar über Generationen hinaus) Narben hinterläßt.
MFG Gunnhild Fenia Tegenthoff, Mutter von mehreren Kindern, wovon ich zwei weitgehend allein großzog und nebenbei den Unterhalt für uns verdienen ging, indem ich Schmerzgeplagten Menschen (insbesondere Pensionisten und Kindern) als Zahntechnikerin diente. Barbara, Johanna und Christopher Marvin gingen mir voraus.
PS: das ganze wird auch auf www.sonnenstrahl.org veröffentlicht.