Operation
Die Vorgeschichte dazu findet ihr unter Twisters Werdegang.
Am 3.3.2003 war es dann soweit. Wir mussten schon um halb neun dort sein und daher sehr früh aufstehen. Auf der Fahrt in die Schweiz, war Twister sehr nervös, er schien zu spüren, dass heute etwas ungewöhnliches passieren würde. Nach einein halb Stunden kamen wir dann endlich vor dem TÜZ (tierärztliches Überweisungszentrum)an.
Unser Pyri war heilfroh endlich aus dem Auto rauszukommen und pinkelte erst mal direkt vor die Eingangstür.
Wir mussten fast eine kleine Ewigkeit (für uns) warten, irgendwann kam dann unser Arzt „Herr Weber“ und brachte uns in einen kleinen Behandlungsraum. In dieser Praxis, gab es keine Behandlungstische, sondern die Ärzte kamen zu den Tieren auf den Boden. Bei unserem Twister war das trotzdem ein Problem. Er ließ sich nicht von dem Arzt und der Assisitäntin anfassen und deshalb bekam er erst mal eine Beruhigungsspritze. Unser armer Hund wurde zunehmend ruhiger, er lag halb auf meinem Schoß und hatte nach 10 Minuten Mühe noch die Augen aufzuhalten. Eine der Helferinnen kam wieder rein und sagte, dass es so in Ordnung sei und wir jetzt GEHEN könnten.
Das war das furchtbarste an der ganzen Sache. Ich musste gehen und mein kleines armes Babie blieb ganz alleine in einem Raum voller fremder Leute zurück. Er versuchte, noch uns nachzugehen, doch da schloss sich auch schon die Tür.
Ich hatte Tränen in den Augen, als wir das Gebäude verließen und musste immer wieder daran denke, dass ich ihm im Stich gelassen hatte.
Meine Eltern und ich fuhren dann nach Luzern, wo zu meinem Entsetzten ein großer Fasnachtsumzug stattfand. Das war wirklich das letzte, was ich gebrauchen konnte, lauter fröhliche Menschen. Wir schlenderten durch die Stadt und gingen schließlich in ein kleines Café. Dort riefen wir dann auch beim TÜZ an, da sie um 14.00 wüssten wann wir Twister abholen könnten. Eine der Assisitäntinnen erzählte uns dann, dass die OP gut verlaufen sei und Twister sich grade in der Aufwachphase befinde. Mir fielen tausend Steine vom Herzen nach dem ich diese Nachricht hörte.
Um halb sechs standen wir wieder vor dem kleinen gemütlichem Haus, dass so gar nicht nach einer Spezialpraxis für Hunde aussah. Drinnen mussten wir wieder warten. Ich saß wie auf glühenden Kohlen bis endlich mein kleiner Sonnenschein uns benommen entgegen taumelte. Sein ganzes linkes Hinterbein war in einem blauen Watteverband verpackt, aber er konnte laufen und war überglücklich uns wieder zu sehen.
Ich schloss ihn in meine Arme und war unendlich erleichtert.
Die Ärzte erklärten uns dann noch, dass Twister in nur einer dreiviertel Stunde operiert worden war, dass es gut gelaufen sei und wir bekamen eine Anleitung wie wir Twister nun weiter behandeln sollten. Also Leinenzwang für mind. 6 Wochen, nicht spielen, Tabletten geben und vor allem auch Krankengymnastik machen.
Dann durften wir endlich nach Hause fahren. Twister trugen wir die Treppen hoch und legten ihn dann auf den Boden, eingewickelt in einem warmen Tuch (wegen der Narkose). Er schlief dort dann erschöpft, aber zufrieden weiter.

Nach der Operation galt für Twister absoluter Leinenzwang, kein spielen mit seinen Freunden und regelmäßig Krankengymnastik machen.
Uns so begann für uns ein vollkommen neuer Lebensabschnitt. Wir durften max. 15 Minuten mit Twisti am Stück gehen und das dreimal am Tag.
Es war klar, dass unser armer Pyri damit total unausgelastet war. Da auch das wilde Raufen mit uns in der Wohnung wegfiel, war das wirklich keine einfache Situation für ihn.
Ich versuchte es durch viel üben auszugleichen, außerdem bekam er einen Ball aus dessen Öffnung Leckerlis rausfielen.
Die ersten 2 Tage nach der OP war Twister noch ganz benebelt von der Narkose und auch ziemlich schlapp.
Was sich als unser Hauptproblem entwickeln sollte, waren Twister „Schleckattacken“ . Nach dem wir eine Woche später Twisters Watteverband abnehmen durften und die Wunde nicht neu verbunden werden sollte, war das für unseren Vierbeiner geradezu ein Zwang, an ihr rumzuschlecken. Er bekam förmliche Anfälle, da war nichts mehr in seinem Kopf abgesehen von an der Wunde rum machen. Was dann natürlich passieren musste war, dass er sich seine Pfote (an der Wolfskralle) entzündete. Ich saß zwei Tage mit einer Wasserspritzpistole da, aber man kann halt nicht 24 Stunden am Tag auf seinen Hund Acht geben.
Wir fuhren dann wieder zum TÜZ wegen der Krankengymnastik und sie empfahlen uns dort einen Maulkorb. Als ich (ich war nicht dabei) von der Schule nach Hause kam und dieses „Ding“ sah wurde mein Herz bereits schwer.
Am Abend kam dann der Moment, als meine Mutter unserem armen Twist den Maulkorb anzog und ihn zu machte. Dieser total verständnislose Blick, den er mir zuwarf...
Ich schlief die ganze Nacht total schlecht und nach einem weiterem Maulkorbtag ging ich zu unserer Tierärztin, die sich die Wunde anschauen sollte und fragte sie nach einem „Eimer“. Alles war besser als dieser Maulkorb.
Fr. Weber versorgte Twisters Pfote und gab mir dann eine Haube. So bewaffnet trat ich den Rückweg an und begann gleich als wir zu Hause waren mit Twister und der Haube zu üben.
Ich holte ein paar Leckerli, schnappte mir den Clicker und legte die Haube in die Mitte des Zimmers. Sobald Twister sie neugierig beschnupperte clickte ich. Er begriff sehr schnell und begann dann mit der Pfote auf sie drauf zu hauen. Er wurde immer mutiger und so hielt ich das Leckerli in die Öffnung und er folgte meiner Hand prompt. Nach 10 Minuten setzte ich sie zum ersten mal richtig auf.
Anfangs war er total irritiert, da er überall anstieß und die Geräusche durch die Trichterform sich wohl auch anders anhörten. Nach 2 Tagen lief er mit „seiner“ Haube durch die Wohnung als sei es das normalste der Welt, wenn er irgendwo anstößt ist ihm das so ziemlich egal. ER quetscht sich durch viel zu enge Öffnungen, kann trinken und fressen und sogar auf mein Bett springen. Wenn ich ihm nach dem Gassigehen den Eimer wieder aufsetzte ist das überhaupt kein Problem und an seine Pfote kommt er nicht dran.
Diese ist mittlerweile (6Wochen später) wieder ganz gut verheilt. Leider muss Twister seine Haube immer noch tragen, da er ansonsten seinen Fuß einfach nicht in Ruhe lassen würde.
Am 13.4.03 war dann Kontrollröntgen.
Wir fuhren als wieder in die Schweiz und Twister bekam im TÜZ erst mal eine Runde Krankengymnastik. Seine Muskeln haben sich sehr gut entwickelt, er kann das Bein gut durchstrecken und läuft auch viel besser als das letzte mal. Nach fast einer Stunde „Massage“ kam dann die Ärztin zu uns rein und bereitete Twisters Narkose vor.
Ich finde es immer wieder erschreckend wie schnell die Tiere weg sind. Das sind Sekunden.
Wir (meine Mutter und ich) mussten dann eine Stunde warten uns suchten uns in dem kleinen Dorf ein gemütliches Café.
Als wir wieder in die Praxis kamen hörten wir Twister schon bellen. Sein typisches Protestbellen. Dann wurde endlich die Türe geöffnet und unser Pyri kam uns noch etwas benommnen entgegen.
Leider erwartete uns dann keine so gute Neuigkeit. Twisters Knochen war noch nicht gut genug zusammengewachsen, was bedeutet, dass er noch 3-4 Wochen an der Leine laufen muss und immer noch nicht mit anderen Hunden spielen darf. Aber immerhin wurde die Gassigehzeit etwas erhöht, so dass wir jetzt 20-30 Minuten mit ihm laufen dürfen.
Als wir dann nach einem langen Stau zu Hause waren und Twister noch ein paar Leckerlis von meiner Oma bekam legte er sich total erschöpft auf seinen Platz und schlief ein.

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