Lagebericht Open Ohr 2004 - "Drück mich!"
Endlich Pfingsten! Seit Tagen hat mich die Nina heiß gemacht aufs Open Ohr ("Nur noch 2 Tage!!!!"). Und da waren wir endlich: Sonne, Alkohol und viele sehr sehr nette Menschen. Das Wetter hatte es wirklich gut mit uns gemeint, denn es herrschte strahlender Sonnenschein (bzw sengende Hitze), doch wir waren frohen Mutes uns so richtig die Kante zu geben - VIER TAGE LANG!
Tag 1
Ich habe noch nie ein so kompliziertes Kartenverkaufsystem erlebt. Zuerst sind wir an den uns am nächsten "Schalter" (es war ein Zelt) gegangen und haben dort nach Karten gefragt. Allerdings wurden wir mysteriöserweise weitergeschickt. Fröhlich Pfadfinderlieder singend wanderten wir an den Zitadellen entlang, genossen die Aussicht und kamen am nächsten Schalter (diesmal ein wirklicher Schalter) und wurden nach 10 Minuten auch dort abgewiesen. Diesmal haben wir nicht mehr gesungen, aber fröhlich waren wir immernoch. Am letzten Schalter (den wir nach einer geschlagenen halben Stunde gefunden hatten) mussten wir sehr lange Schlange stehen. Dann stellte sich vorne heraus, dass drei von uns zurück zum vorherigen Typ mussten um dort ihre Karten zu bekommen. Man könnte meinen, nach so einem tollen Start muss der Rest doch in die Hose gehen. Fehlanzeige. Gleich am ersten Tag war die Hauptwiese Tummeplatz allerlei lustiger Gestalten und Bands, die uns den Tag versüßten, während wir faul rumlagen und uns hin und wieder bewegten um ja überall schön braun zu werden. Unser durch das ein oder andere Bier versüßte Picknick wurde durch Unterhaltungen über ein Thema immer niveauloser: Männer. Tatsächlich liefen dort sehr sehr nett aussehende Menschen der Spezies "Mann" herum, allerdings waren wir am ersten Tag noch ziemlich.. ja... nüchtern. Und deswegen beschränkte sich die Zahl der geschmacklosen Anmachen auf depremierende 0. Wie dem auch sei, Wir ließen uns nicht unterkriegen, spielten Karten, pogten, skangten, lachten, tranken und warteten auf eine göttliche Eingebung. Leider kam die nicht und als wir uns gegen 2:00 früh vom Platz trollten (es war ARSCHKALT geworden und unsere Hintern waren nass), war der Platz mit leeren Flaschen gepflastert.
Tag 2
Nach ein paar Stunden Schlaf (wir hatten noch einen "Gute Nacht Film" gesehen, während dem wir alle weggepennt waren), torkelten wir, müde, aber euphorisch, zu unserem Gastgeber und machten uns auf, die Stadt zu erkunden (und ein bisschen Nachschub zu kaufen). Nachdem unsere Rucksäcke mit allerhand Getränken gefüllt waren, fehlte nur noch eines zu unserem Glück: eine Flasche Hochprozentiges. Allerdings bekamen wir die nirgends verkauft und so heckten wir einen Schlachtplan aus. In einem kleinen GEschäft, das jeden Cent dreimal umdrehen musste, trafen wir einen großen, sehr, sehr, sehr nett aussehenden jungen Mann (er war das Abbild all meiner feuchten Träume!!!!), der auch noch sehr sehr sehr nett war und für uns die Drecksarbeit erledigte. Wir tauften ihn aufgrund unserer Kreativität und der Verrücktheit der Lage einfach "Wodka". Nun hatte "Wodka" auch ein nettes Bändchen ums Handgelenk (die Eintrittskarten zum Festival) und alle 4 freuten sich auf ein Wiedersehen mit ihm, dem Godfather of Erotik. Nach unserem Bummel, und der Erkenntnis, dass es doch einen Gott gibt, begaben wir uns zurück zum Ort des Geschehens, wo wir sofort anfingen, zu leeren, was wir gekauft haben. Innerhalb kürzester Zeit hatten wir das auch geschafft und dann wars plötzlich dunkel geworden, und Fiddler's Green sprangen auf die Bühne, um mal so richtig einzuheizen. Und wenn es etwas gibt, dass mich noch geiler macht, als ein sehr, sehr, sehr netter Kerl, der uns Wodka kauft, dann sind es Dudelsäcke und Trommeln. Als wir auch das erfolgreich, aber dennoch mit einigen blauen Flecken überstanden hatten, (ich machte mich sogleich auf Autogrammsuche der 6 Bandmitglieder *MUHA*) stand ein italienisches Theaterstück über einen verrückten Professor an der Tagesordnung. Nach 10 Minuten herumdümpeln und nichtverstehen dieses Schauspiels, indem sich die Akteure mit Mehl beschmissen, sprangen wir zurück zu unserer Decke und suchten noch ein bisschen die Flaschen ab, ob nicht noch etwas drin sei. War es, zu unserem Glück, doch bevor wir dies ungeschehen machen konnten, kam ein sehr netter Typ zu uns und fragte ganz unverschämt, aber gleichzeitig auch charismatisch: "Habt ihr mal 10 Ct?" Dank dieses schicksalhaften Satzes verbrachten wir den Rest des Abends / der Nacht mit Tim, Jo, Clemens, Lauren und was weiß ich wie sie alle gehießen haben (ich war so blau, dass ich sowieso alles doppelt gesehen habe). An diesem Abend manifestierten sich in unseren Köpfen einige unvergessliche Zitate wie "Hol mal ne Gabel, ich glaub, das kann man noch essen!" (In Anbetracht des Erbrochenen meiner Freundin), einigen blauen Flecken (Tim der Sadist hat mich geschlagen xD ). Aber was genau wir am Zeltplatz mit ihnen angestellt haben, werde ich aus Gründen der Diskretion lieber nicht erzählen... Ok, zugegeben, ich kann mich größtenteils nicht mehr an die Einzelheiten erinnern, weil ich so hacke war. Aber so genau wollte ich das hier nicht sagen *lol*.
Leider mussten wir auch sie irgendwann verlassen und noch heute plagen mich Sehnsuchtswünsche nach diesem legendären Samstagabend. Mal wieder drängten uns unsere TV geschädigten Birnen dazu, einen Einschlaffilm zu sehen. Auch den mussten wir vorzeitig abbrechen, da wir irgendwann (als der Titel erschien) einfach eingeschlafen waren. Passiert. *schultenrzuck*
Tag 3
Ohje. Sobald ich die Augen aufschlug, wollte ich sie sofort wieder zuschlagen. LICHT!! BÄÄH!!! Mein Schädel rummorte zwar nicht wie erwartet, aber mir war speiübel und ich schwor, nie nie nie wieder einen Tropfen Alkohol anzurühren (ich habe die Willenskraft eines Toasbrots). Nachdem wir - Nina und ich - uns kaum aufrichten konnten und nur noch wie Leichen im Wohnzimmer ihrer Tante lagen, hatte diese Erbarmen mit uns und gab uns ein wirklich abscheuliches Gebräu zu trinken. Eu.. Euryth... Ach, keine Ahnung, aber irgendwas, das aussah, wie Urin, so roch, aber noch miserabler schmeckte. Und obwohl wir beide der festen Überzeugung waren, wir würden uns aufgrund dieses Gesöffs erst Recht übergeben, fühlten wir uns eine halbe Stunde später fit wie Turnschuhe und waren seelisch und moralisch bereit, einen weiteren Tag auf "der Wiesen" zu verbringen. Aber da wir alle so dermaßen faul sind, dass wir uns nur bewegen, wenn wir Geld dafür kriegen, machten wir uns keinen Stress und genossen erstmal die Sonne auf der Terasse, schließlich waren es legendäre 30° und ich käsebleich! Nachmittags beschlossen wir, uns aufm Festival weiterzusonnen, schließlich hatten wir bezahlt. Vom gestrigen Tag noch leicht angeschlagen und vorallem mit etwas Sonnenbrand (ja, auch am am vorherigen Tag waren es legendäre 30° gewesen!!) machten wir unsere Drohung war und faulenzten und spielten und machten dies und das. Vorallendingen aber hatte ich meinen guten Vorsatz von heute Morgen gebrochen, denn ich böses böses Mädchen habe mir ein Bier gekauft. Nicht irgendeins. Ein Beck's. Nicht irgendein Beck's, ein Beck's GOLD (also eigentlich das gleiche, nur in durchsichtigen statt grünen Flaschen)! Wie dem auch sei, Bier auf Restalkohol kommt nich sooo gut und ich hörte nur noch die Nina sagen: "Elena, warum wippst du so seltsam?" "Ich mach das, damit die Bäume sich nicht drehn!"
Irgendwann hatte Nina uns erzählt, dass jedes Jahr am Open Ohr eine Schlammschlacht statt fände, wenns nur regnet. Ein fragender Blick gen Himmel bestätigte uns allerdings, dass diese legendäre Schlammcatchen wohl oder übel ausfallen würde. Es war so ekelhaft schwül und am Himmel war nicht eine einzige gottverdammte Wolke und ich wechselte meine Farbe von käsebleich auf leichtgebräunt über leichtrosa bis hin zu krebsrot und wurde somit zu einem Sonnenflüchtigen. Ich suchte verzweifelt überall schattige Plätze und zuckte zusammen, wenn ich Licht sah (ihr könnt euch sicher vorstellen, wie das aussah - ich hatte keine Sonnenbrille xD). Aber wie gut, dass es Kinder mit Wasserpistolen gibt. Obwohl ich Kinder eigentlich hasse, weil sie laut sind und Dreck machen, aber wenn es SO warm ist, und sie die einzige Wasserquelle im Umkreis von einem Meter sind, dann ist man einfach dankbar. "Hey, habt ihr vielleicht Lust, mich nasszuspritzen?" "Aba klaaaaaaaaahr!!!" Danach musst ich sie gar nicht mehr auffordern, sie habens einfach so gemacht. Wenn man Kinder gut abrichtet, sind sie eben doch nützlich.
Gen Abend, als die Sonne es endlich satt hatte, sonnig zu sein und beleidigt unterging, kamen die Schnapsleichen aus ihren Löchern gekrochen und postierten sich vor der großen Bühne auf der Hauptwiese. Da die meisten von ihnen dasselbe Alkoholphänomen (Bier auf Restalk) kennenlernten wie ich, wurde es auch sehr schnell wieder sehr lustig. Allein an diesem Abend hatten wir 12 (!!!!) Anmachen abgesahnt, wobei wir die schlechten nur 0,5 gezählt haben (also ungefähr 24). Die schlichtweg beste Anmache war: "Wollt ihr einen Bagger kaufen?" "...oO ne?!" "Ach kommt, guckt ihn euch doch wenigstens mal an, son Bagger kann man immer gebrauchen...!" Einfach ignorieren, dachten wir, und wollten weitergehen. Nach zwei Schritten kam uns der zweite Marktschreier entgegen und hob einen Baggerarm mit samt Schaufel hoch und bot uns erneut an: "Ihr wollt doch sicher...?"
Platz 2 geht an die netten 4 Typen, die uns ganz am Eingang am Anfang dieses Tages mit offenen Armen (ungelogen!!!!) begrüßt hatten.
Und Platz 3 an den armen, verwirrten Mittvierziger, der mir ein Bier anbieten wollte, dem es seine Frau aber gerade noch abschlagen konnte.
Natürlich wollten wir auch am letzten Abend nicht die Tradition des Filmeguckens unterbrechen und hatten uns demokratisch für "die letzten Glühwürmchen" entschieden. Nachdem uns Katja (die Gastgeberin) versichert hatte, dass sie jedem, der bei dem Film nicht weint, eine Medaille bastelt, packten wir uns drei Packungen Taschentücher pro Kopf und setzten uns gespannt vor den Fernseher. Seltsamerweise fanden wir den Film zwar alle traurig und wunderschön, allerdings waren wir (womöglich durch zu viel Alkohol?) so gefühlstaub geworden, dass uns keine Träne über die Wange rutschte oO Katja, wir warten immernoch auf die Medaillen *gg*
Tag 4
Tja, und bevor wirs uns versahen war auch schon der letzte Tag angebrochen und es schien immernoch erbarmungslos die Sonne. Also keine Schlammschlacht. Mist. Total kaputt vom vielen Lärm, Alkohol und der Euphorie und natürlich dem Sonnenbrand machten wir uns gar nicht erst die Mühe, zum Schauplatz zurückzugehen, weil wir eh bald fahren mussten. Im Auto ließen wir das Geschehene der letzten 3 Tage nochmal Revue passieren und als wir dann um 12:00 im Zug heimwärts saßen, fing es an zu Regnen. Meinen Schrei hat man mindestens noch in Mainz hören können. Scheiße xD~
Halbwegs physikalisch erhalten zu Hause angekommen, stelle ich fest, dass wir Besuch haben und der es sich bereits mit ein paar Fläschen gemütlich gemacht hat. Nach einem kurzen Seufzer meinerseits gehts auch weiter mit Feiern...
Ende