Die große Beep-Verschwörung Teil 2
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Kapitel 1 Der Überfall
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Epilog  
"Sie haben meine Familie umgebracht!"

Traurige Augen blickten nachdenklich aus dem großen Fenster in die Dunkelheit. Eine Hand legte sich tröstend auf die hängende Schulter und eine Stimme sagte beruhigend:
"Du hattest gar keine Familie!"

"Ich hatte ein Haustier."

"Das hat niemand umgebracht." Die Hand zog sich zurück.

Der Trauernde drehte sich vom Fenster weg. Er blickte auf seine drei Freunde, die gemütlich in den gepolsterten Drehsesseln lehnten, hemmungslos tranken und sich fröhlich unterhielten.

"Euch stört es wohl gar nicht, dass man uns aus unserer Heimat vertrieben hat?"

"Mach' mal nicht so 'n Drama draus, Robert." sagte einer seiner Freunde und prostete ihm zu. "Dein Haustier hatte schwache Nerven. Das hat zu lange auf deinen Monitor geglotzt. Zu viel HTML-Code ist gesundheitsschädlich. Das weiß doch jeder. Hättest eben besser auf ihn aufpassen sollen."

Robert wurde ärgerlich: "Besser aufpassen? Wir sind genauso wie ihr bombardiert worden mit HTML und PHP! Niemand von uns wollte das sehen. NIEMAND! Logit ist beim Herumtoben einfach an die Maus gestoßen und hat den Bildschirmschoner deaktiviert. Da muss er es gesehen haben. Es war grauenvoll!"

Roberts Gesicht spiegelte die schmerzhaften Momente wider, in denen er sein verendendes Kuscheltier zuckend vor dem Bildschirm fand. Anklagend zitierte er den Bildschirmtext:
"<!DOCTYPE HTML PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01 Transitional//EN">"

Seine Freunde wanden sich gequält in ihren Sesseln, deren Gemütlichkeit nicht gegen Roberts schneidende Stimme ankam: "<meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=utf-8"> Soll ich weitermachen?"

"NEIN! Bitte! Es ist schon gut! Wir haben verstanden!"

Einer wischte sich mit zitternder Hand den Schweiß von der Stirn und leerte sein Glas in einem Zug. Alle erinnerten sich plötzlich daran, wie sie aus dem Nichts auftauchten — die kleinen schnellen HTML-Jäger und die großen effektiven PHP-Bomber. Vollgestopft bis an die Nahtstellen mit Splitter-Tags und messerscharfen Programmierfragmenten. Codeterror in seiner reinsten Form. Und der Friede ihrer kleinen bunten Welt wich der brutalen Übermacht hypertechnisierter Skript-Imperialisten.

Nur wenige schafften die Flucht in ihre kleinen Editoren-Raumschiffe und brachten sich vorübergehend in Sicherheit. Nur weg von diesen seelenlosen Codern, die verständnislos jedes harmlos animierte Gif ihres Planeten durch eine überdimensionale Abfolge Javascript gesteuerter Einzelbilder ersetzten.

Nur weg.

Aber wohin?

Robert lehnte sich wieder an das große Sichtfenster des Raumschiffes und seufzte: "Wenn wir nur eine Welt finden würden, wo das alles keine Bedeutung hat. Wo die unschuldigen Anwender verschont bleiben würden von komplizierten Codierungen und nervenschädigenden HTML-Tags. Ich würde meinen Namen ändern. Ich würde zeitlebens den Namen dieser Welt tragen, als Zeichen dafür, eine neue Heimat gefunden zu haben."

"Rob...Robby...Bob...he, lass' den Kopf nicht hängen." sein bester Freund trat hinter ihn und sagte leise: "Wir werden sie finden, Bob. Irgendwo da draußen werden wir in Sicherheit sein. Unsere neue Welt wartet nur darauf, dass wir ihre Sonne kreuzen!"

Ein winziger gelber Lichtstrahl fand den Weg durch das Fenster. Gelber als jedes Licht, das sie kannten. So klein wie es war, es spendete Wärme. Selbst durch die Schutzschirme des Schiffes war es zu spüren.

Ganz weit draußen in der Dunkelheit leuchtete ein Stern in einer Farbe, die sie noch nie gesehen hatten. Mit einer Intensität, die sie noch nie gefühlt hatten und mit einer pulsierenden Energie, die sie unaufhaltsam anzog.

"Bob, siehst du das auch?"

"Ich fühle es." Robert legte beide Hände an die Sichtscheibe, als ob er den Strahl zwischen ihnen fassen wollte. "Ändere den Kurs. Wir müssen dort hin. Ich bin sicher, wir..."

K L I C K

Der Flash-Film stoppte.

Beepy-Bob lehnte unbeweglich an der Scheibe und seine kleinen grünen Alien-Freunde hörten auf, sich zu betrinken.

Thofi starrte auf den Monitor mit einer Mischung aus Abscheu und Verblüffung. Er brauchte einige Sekunden, um zu reagieren, dann griff er zum Telefon und drückte eine Taste.

"Suriel? Wie — dir ist schlecht? Das ist nichts gegen meine momentane Verfassung! Verbinde mich bitte schleunigst mit dieser Nietenfirma. Diesen unfähigen Typen da von 'www.megaflasher.com'. Die sollen mich kennen lernen!"

Thofi konnte den Blick nicht vom Bildschirm abwenden, während er auf die Verbindung wartete. Er schüttelte den Kopf und trommelte ungeduldig mit den Fingern auf die Schreibtischplatte.

"Megaflasher? Ja, hier Thofi von Beepworld! Was? Ja, ich habe es gesehen. Deshalb rufe ich an." Thofi atmete tief durch, dann machte er seinem Ärger Luft: "Für wen halten Sie sich eigentlich? Stanley Kubrick? Was glauben Sie, was Sie da für mich produzieren sollen? 'Odyssee im Weltraum – die Panik-Version'? Ich habe Kinder als Kunden und fröhliche Erwachsene, die Spaß am Websitebasteln haben und keine frustrierten Intelligenz-Allergiker mit Code-Phobien!"

Er gestikulierte wild vor sich hin und redete sich immer mehr in Rage: "Ich will Ihnen mal etwas über Flash-Intros für das durchschnittliche Online-Business erzählen, Sie Pfeife! Sie sollen die Besucher in eine positive Stimmung bringen, bevor sie eine Website betreten — UND SIE NICHT IN ANGST UND SCHRECKEN VERSETZEN! Ihre depressiven Kunst-Ausflüge in die dunkle Seele von Webversagern können Sie sich sparen!"

Er ballte eine Faust und unterstrich jeden Satz mit einem Schlag auf den Schreibtisch: "Wir sind eine fröhliche User-Familie! Beepy-Bob ist unser lustiges, außerirdisches Maskottchen! Wir mögen uns! Wir amüsieren uns im Netz. In unserem Forum!"
Die Tischplatte zitterte.
"WIR HABEN SPASS! IMMER! ALLE!"

Thofis Stimme wurde bedrohlich. Sein aggressiv wedelnder Zeigefinger schien jemanden aufzuspießen:
"Ich verlange, dass Sie diese fröhliche, aktive, lustige Stimmung im Intro wiedergeben. Sie haben eine Woche Zeit, dann will ich ein Drehbuch sehen, bei dem ich..." die letzten Worte brüllte er in den Hörer: "...GAR NICHT MEHR AUFHÖREN KANN ZU LACHEN! IST DAS KLAR?"

Kleinlautes Gewinsel drang aus dem Telefon und belästigte sein Trommelfell.

Ungehalten sagte Thofi: "Ist mir egal, ob Sie noch andere Projekte bearbeiten. Was glauben Sie, wen Sie hier vor sich haben? Irgendeinen Internetanfänger, den Sie mit Ihrem Designer-Geschwätz über den Tisch ziehen können? Keine Diskussion. In einer Woche liegt mir ein Drehbuch vor, für das witzigste, fröhlichste Flash-Intro seit Laurel und Hardy oder Sie können sich mit Ihrem Firmenpapier die Hose ausstopfen, wenn Sie demnächst unter der Brücke schlafen!"

Der Boss von Beepworld knallte den Telefonhörer auf den Apparat und löschte den misslungenen Flashfilm vom Rechner. Er seufzte und dachte, dass er immer öfter das Gefühl hatte, in einer Welt voller Kleinkinder zu leben, denen man täglich erneut den Weg zum Klo erklären musste.

Die Bürotür wurde geöffnet.
Drei Männer in grauen Anzügen traten ein.
Sie trugen kleine, schwarze Atemmasken, die sie abnahmen, als sich die Tür hinter ihnen schloss.

Thofi kannte keinen von ihnen und fragte:
"Haben Sie einen Termin?"

"Wir brauchen keinen Termin." antwortete der Mann in der Mitte und ging langsam auf ihn zu.
 

 
   
 
 Störfaktoren 

"Ohne Termin, keine Sprechstunde." erklärte Thofi. "Wir haben zwar heute den 'Beep-Tag der offenen Tür', aber der gilt nur für angemeldete User und Sie, meine Herren, gehören offensichtlich nicht dazu. Verlassen Sie bitte mein Büro."

Er griff zu seinem Terminkalender, um zu demonstrieren, dass er jetzt beschäftigt sei und nicht mehr gestört zu werden wünsche.

Der Mann in der Mitte lächelte:
"Wir verlassen Ihr Büro — in Ihrer Begleitung."

Thofi blickte von seinem Terminkalender auf: "Wie meinen?"

"Wenn Sie dann bitte mitkommen würden." sagte der Mann immer noch freundlich und griff nach Thofis Arm.

"Was fällt Ihnen ein?" Thofi war gleichermaßen erstaunt und verärgert. "Verschwinden Sie, aber zügig! Sonst machen Sie Bekanntschaft mit meinem Sicherheitsdienst!"

"Oh, die Ehre hatten wir bereits." lachte der Mann und die anderen beiden stimmten mit ein.

Thofi drückte schnell auf den Notrufknopf unter seinem Schreibtisch. Die Männer bemerkten es, aber es beunruhigte sie nicht.

"Man kann Sie nicht hören, Thofi."

"Was soll das heißen? Ich verlange eine Erklärung!"
Ein ungutes Gefühl stieg in ihm hoch.

Der Mann sagte kühl: "Sie haben zwei Möglichkeiten. Erstens, Sie folgen uns freiwillig. Zweitens, diese beiden Herren hier, werden Ihnen behilflich sein, uns freiwillig zu folgen."

Thofi stürmte nach vorn und machte einen verzweifelten Versuch, an den Männern vorbei zur Tür zu kommen, aber sie hielten ihn auf und drehten ihm schmerzhaft die Arme auf den Rücken. Bevor sie die Tür öffneten, setzten sie die schwarzen Atemmasken wieder auf.

Thofi bekam keine.

Auf den Fluren lagen die Moderatoren von Beepworld.
Regungslos.
Bewusstlos.

Zwischen ihnen, genauso unbeweglich, die Besucher.

Thofi bemerkte einen süßlichen Geruch.

"Was habt ihr mit meinen Leuten gemacht, ihr Schweine?" schrie er seine Entführer an und versuchte, sich loszureißen.

"Regen Sie sich ab, Mann." sagte einer von denen, die ihn festhielten. Die Stimme hinter der Maske klang seltsam verzerrt. "Die schlafen nur. Die wachen in ein paar Minuten wieder auf."

Der Geruch war widerlich. Thofi wurde etwas schwindelig und er wehrte sich kaum noch, als ihn die Männer durch die Flure von Beepworld in Richtung Ausgang schleppten.

Sie kamen an der Zentrale vorbei. Die Türen standen weit offen. Sein Blick verschleierte sich, aber er konnte erkennen, wie sich eine Person an den Rechnern zu schaffen machte. Sie trug ebenfalls eine Atemmaske.

"He...duuu..." rief er schwach. "Lllass' die Finger von unseren Commjuterrn!" Er kniff die Augen zusammen und versuchte, schärfer zu sehen. "Dich kenn' ich...ich kkkenn' dich, du bist...doch...du bis..." Er sackte in sich zusammen. Bevor er endgültig das Bewusstsein verlor, fiel ihm etwas an den grauen Anzügen auf: "Piinnk...ihre Knöppffe...sind pppink."

Die Männer blieben stehen. Der Wortführer wandte sich an die Person in der Zentrale: "Wir bringen ihn jetzt zum Wagen. Wie weit bist du?"

"Ich bin gleich fertig." antwortete die unbekannte Gestalt. "Es hat etwas länger gedauert. Beepworld ist besser gesichert als ich dachte. Aber jetzt läuft's. Die Schweißer sind schon raus. Wie lange haben wir noch?"

Der Mann sah auf die Uhr und wurde hektisch: "Es wird eng. Noch eine Minute, dann lässt die Wirkung nach. Wir sollten uns beeilen."

Die Männer mit dem bewusstlosen Thofi in der Mitte entfernten sich so schnell sie konnten. Nach ein paar kurzen Einträgen in einige Bildschirmmasken, beendete die unbekannte Person ihre Arbeit in der Zentrale und ging ruhig durch die Flure von Beepworld, in denen schon das leichte Stöhnen der Erwachenden zu hören war.

Nachdem sie sich weit genug von der Zentrale entfernt hatte, um damit nicht mehr in Verbindung gebracht zu werden, nahm sie die kleine Atemmaske vom Gesicht und versteckte sie in einer Jackentasche. Sie legte sich zwischen zwei noch regungslose Angestellte auf den Boden und stellte sich schlafend.

Allmählich verflüchtigte sich der süßliche Geruch.
Es kam wieder Leben in die Moderatoren von Beepworld.
 
   
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