Geschichten

Hier könnt ihr ein paar Geschichten von mir lesen, die ich mal geschrieben habe. Alles unterliegt (wie immer) komplett meinem Copyright.

Diesen sehr kurzen Text hier habe ich für ein Literaturprojekt geschrieben und ich mag die Atomsphäre davon eigentlich ganz gerne.


Nacht, Leben (Okt07)
Sie steht vor dem Spiegel und malt sich mit Kajal einen schwarzen Strich auf den Lidrand, draußen geht der Mond auf und einer Straßenbahn rattert bimmelnd über die Schienen. Im Haus gegenüber gucken sie Fernsehen, ein Fußballspiel, sie kann durch die Fenster mitgucken, aber von Fußball versteht sie nichts, sie tut nur manchmal so. Gerade fällt ein Tor oder so was und das Gegröle vermischt sich mit dem Lallen der Betrunken, die unten auf der Straße sitzen und versuchen zu singen. Sie hört es nicht oder will nicht hören und legt den Kajal weg, um sich Ohrringe anzuziehen, große, lange, Glitzerohrringe und eine Kette, die im zu tiefen Ausschnitt ihres Tops verschwindet. Unter ihrem Fenster prügeln sie sich jetzt und es klingt, als würde jemand kotzen, aber sie reagiert nicht, noch nicht einmal mit Ekel, sondern wirft nur den Schlüssel in die kleine Glitzerhandtasche und verlässt das Haus, lässt sich von der Nacht verschlucken, wie jeden Tag.

Und noch mal etwas aus meiner Schreibschule.

Glauben (Aug07)
Sie streckt die Beine aus, wackelt mit den Zehen, sieht ihn an. Ganz Neugier, ganz Unschuld.

„Glaubst du an Gott?“

„Gott ist tot.“

Sie verzieht das Gesicht. Nur ein hübsches Kind.

„Ich meine es ernst.“

„Ich auch.“

Sie zieht die Beine wieder an, umschlingt sie mit den Armen, legt das Kinn auf die Knie.

„Das ist doof.“

„Das ist Nietzsche.“

Sie schweigt, für den Moment, beobachtet ihn.

„Wer ist Nietzsche?“

„Nicht so wichtig.“

Sie nickt, wirkt unzufrieden, störrisch jetzt, beharrlich auf ihre eigene Art.

„Aber glaubst du an Gott?“

„Ist das so wichtig?“

Sie wirft die Arme in die Luft, ärgerlich, hilflos, und der Ärger lässt sie fast erwachsen aussehen.

„Ja! Für mich ja.“

„Warum?“

Sie schiebt die Unterlippe vor, schmollt. Wieder ein Kind.

„Weil ich es wissen will. Darum!“

„Ist ja schon gut.“

Sie sieht ihn wieder an, die Zehen wackeln, aus Erwartung erst, dann aus Ungeduld. Sie wartet nicht gerne, versucht schnippisch zu erscheinen, schafft es nicht.

„Und?“

„Ich glaube nicht, nein.“

Sie wickelt eine Haarsträhne um den Finger, runzelt die Stirn, denkt nach, nickt.

„Ich auch nicht.“

„Schön.“

Sie lässt sich rückwärts aufs Bett fallen, ist still, zufrieden, aber natürlich nicht für lange. Sie setzt sich wieder auf.

„Glaubst du an Liebe?“

Er sieht sie an. Dieses Kind. Dieses hübsche, störrische, beharrliche Kind.

„Natürlich.“

Sie lächelt.

Geschrieben wurde dieses Stück Prosa während meiner "Schreibschule" (einem Schreibtraining für jugendliche Autoren), wobei mir die Idee allerdings schon seit Monaten im Kopf herum schwirrt.

Brief an ein ungeborenes Kind (Mär07)
Liebes Etwas,
ich weiß eigentlich gar nicht, was ich dir schreiben will. Wenn ich ehrlich bin, weiß ich noch nicht einmal, wieso ich es überhaupt tue.
Vielleicht weil ich dir sagen will, was passiert ist. Weil ich dir sagen will, wie es passiert ist und wann und warum und dass es mir Leid tut und dass ich doch nichts dafür kann und – Ja, wahrscheinlich ist es das, was ich dir sagen will. Dass es mir Leid tut.
Ich will es doch noch nicht einmal, ich wünsche, es wäre nie passiert, das alles nicht, aber es ist passiert und sie haben gesagt, ich muss mich entscheiden. „Du kriegst ein Baby“, haben sie gesagt und dich gemeint. Du bist das Baby, von dem sie geredet haben, immer noch reden, und am liebsten hätte ich geweint oder geschrieen, damit sie aufhören, den Mund halten, mich in Ruhe lassen, aber ich war betäubt, viel zu taub um zu schreien und deshalb ganz ruhig. Gelobt haben sie mich dafür, weil ich so gelassen war und nicht „in einem Anfall von Hysterie vorschnelle Entscheidungen getroffen“ habe, wie jemand es formuliert hat, und eigentlich hatten sie doch keine Ahnung und die haben sie immer noch nicht.
Viel Ahnung habe ich auch nicht, aber ich versuche es ja, ich bemühe mich und bitte, bitte... ich habe doch einfach nur Angst.
Weißt du, ich bin sechzehn, in einem halben Jahr bin ich siebzehn und wenn ich achtzehn bin wärst du eins. „Wenn Kinder Kinder kriegen“ nennen sie es und genau so ist es, weil ich doch noch ein Kind bin, weil ich doch selber och nachts zu meiner Mutter ins Bett krabbele wenn es mir schlecht geht und weil ich meinen Vater zu einem Gespräch in die Schule schicke wenn die Lehrer mich ungerecht behandeln und weil ich doch noch nicht mal auf mich selber aufpassen kann. Wie soll ich mich da um dich kümmern?
Ich kann das nicht, ich kann das nicht und auch wenn ich mir wünsche, manchmal, dass ich es könnte, es geht nicht, nicht jetzt schon und warum machst du eigentlich alles so kompliziert? Kannst du nicht verschwinden, weggehen, dahin, wo du hergekommen bist und mich in Ruhe lassen? Ich habe das doch nicht gewollt. Ich habe das doch nicht verdient.
Er hat gesagt, es passiert nichts, ich sollte mich nicht so anstellen und für ihn ist ja auch nichts passiert, weil er einfach sagen kann, dass ihn das nichts angeht, aber ich kann das nicht. Entscheiden soll ich mich, sagen sie. Sie nennen es meine alleinige Entscheidung, in die mir keiner reinreden kann und irgendwie ist es lachhaft, dass sie es doch alle versuchen.
„Du kannst das doch gar nicht.“
„Es war dein Fehler und es sind deine Konsequenzen.“
„Willst du etwa deine ganze Jugend wegwerfen?“
„Abtreibung ist auch eine Form von Mord.“
„Du musst auch an dich denken.“
„Liebst du dein Baby etwa nicht?“
„In deinem Alter!“
„Wenn du das mit deinem Gewissen vereinbaren kannst...“
„Heutzutage ist das ganz alltäglich.“
„Schämst du dich nicht?“
„Schämst du dich nicht?“
„Schämst du dich nicht?“
Doch, doch natürlich schäme ich mich. Dafür, dass ich so naiv war ihm zu glauben. Dafür, dass ich wünschte, die Zeit zurückdrehen zu können. Dafür, dass ich über dein Leben entscheide und dabei doch so unglaublich egoistisch bin. Dafür, dass ich in Selbstmitleid versinken will, bis jemand kommt und alles wieder gut macht. Dafür, dass ich eine solche Angst habe, zu viel Angst, um zu entscheiden, was ich tun muss. Dafür, dass ich mich wegen dir schäme.
Ich schäme mich deiner und ich hasse dich, dabei ist es doch meine Schuld oder seine, aber deine ist es nicht, du bist ja noch nicht einmal geboren, wie könnte es da deine Schuld sein? Und doch bist du da und deshalb ist alles anders und ich weiß nicht mehr weiter und vielleicht ist es ja doch deine Schuld, das alles hier, vielleicht ist es deine Schuld.
Vielleicht ist es also okay, wenn ich egoistisch bin, wenn ich sage, dass ich zu jung bin und alleine und ja noch in die Schule gehe und das hier niemals schaffen werde, nicht mit einem Baby, auch wenn mal irgendjemand gesagt hat, dass der Mensch fast alles schaffen kann und dass „ich schaffe das nicht“ nur ein Ausdruck von Feigheit ist.
Dass ich Angst habe, gebe ich zu, vielleicht, dass ich feige bin, aber ich weiß auch, dass das hier keine Frage einer Entscheidung ist. Es ist gelernte Moral gegen angeborenen Egoismus und schon Freud und Schopenhauer haben gesagt, dass das Primitive im Menschen am wichtigsten ist, vielleicht die stärkste Kraft, also kann es doch gar nicht meine Schuld sein, wenn ich egoistisch bin. Es ist doch reiner Selbsterhaltungstrieb.
Ich muss ein Leben, deins oder meins, zerstören, um das andere erhalten zu können und auch wenn sie sagen, dass du ein Teil von mir bist, so fühlt es sich nicht an, du bist fremd, nur ein Baby und nicht mein Kind, ein Fremdkörper in meinem Bauch, der alles zerstören kann und heißt das jetzt, dass ich dich zuerst zerstören muss, dass es sozusagen mein Recht ist?
Ich weiß es nicht, aber ich habe diesen Brief mit einer Entschuldigung begonnen und mit einer Entschuldigung möchte ich ihn beenden, weil ich mich bereits vor langer Zeit entschieden habe, weil es nie eine Entscheidung gab und weil ich egoistisch bin, aber ich kann nun mal nicht anders und deshalb hoffe ich, dass du mir vergibst und dass es dir gut geht, wo immer du hingehst, besser als bei mir.
Entschuldigung, kleines Etwas.
Auf niemals,
Ich.

Entstanden ist folgende Short Story für einen bundesweiten Fremdsprachenwettbewerb, wo sie jedoch leider in der vorletzten Entscheidungsrunde rausgeflogen ist. Mir persönlich liegt sie allerdings doch sehr am Herzen.

Wasting Time (Okt06)
What if today was the last day of my life?
Sounds macabre, I know, but sometimes I do wonder about it. It’s one of my many what-ifs, of my might-have-beens. Just things, thoughts, little pieces I spend my time with – too make it pass faster, you know.
So, what if it was? The last day of my life, I mean. What would I do? How would I spend those last few hours? And maybe most importantly, how would I feel?
There’s the possibility of going crazy. No, not literally. Of course not, thanks a lot. What I mean is, going out there and doing all those things I normally wouldn’t even dream of doing.
Spending all the money I have, for example. On designer clothes and jewellery maybe. Or betting everything on... something. That, or I could always buy a hundred maxi-packages of paper handkerchiefs. You never know when they might come in handy.
And after the money is spent, a trip would be the right thing. To some foreign, far away land, where no-one speaks my language and where everything is different. Maybe to... Djibouti. I’ve never heard of it, but it does sound nice, doesn’t it? Or to Micronesia. I’ve always wanted to see Micronesia! Don’t ask why.
Or maybe, just maybe, there would be no need to go that crazy. Maybe I could stick to little things. You know, riding the roller-coaster until I’m sick. Spending the whole day at cinema, watching one movie after another. Simply not getting up, staying in bed right up until the very end.
Going bungee jumping (though knowing me, I’d probably chicken out at the last second, last day to live or not). Getting drunk. Eating pizza and popcorn and chocolate until there’s no more room left for more. Shop-lifting, just for the kicks.
Telling the guy next door I’m sweet on him. Throwing the party of the century. Locking myself in my room, refusing to see anyone, just enjoying my own presence. Going... oh, you get the picture, don’t you?
But then again, maybe going crazy isn’t the right thing to do on the last day of your life. Maybe I need to do something different. Something good. Something useful. Something that actually matters, just for a change. Maybe I need to make a difference.
First of all, I could donate the money, instead of spending it. To... oh, UNICEF perhaps or the Red Cross... or I could divide it between the local animal shelter and the orphanage on the outskirts of town.
To make a difference, I would also have to actually do something myself. I could always help at the animal shelter or the orphanage, I know, but that’s not really my kind of thing. And that won’t change, not even on my last day, not ever!
Anyway, don’t they say that even the smallest things matter? Like stopping the cars on the road, so little schoolchildren can safely cross it. Or carrying the shopping-bags of the old lady living upstairs in that stuffed, smelly flat with her fifty cats (or so it seems).
Helping my little brother’s best friend with his homework, even though he’s hopeless and will never learn. Giving the stressed out young mother the last milk carton at the supermarket instead of snatching it away from right under her nose. Smiling at strange people on the street, just to give them a reason to smile back.
Though, thinking about people, maybe I should dedicate my whole day to them. To people I know or once knew or was sure to never know completely. Maybe the last day of your life is a day to spend with those you care for and with those who were forgotten.
I could go and patch up old relationships. With my best friend from primary school, who I met in first grade and spent some of my most beautiful childhood-moments with, until we fought over a doll in the summer before fourth grade and to whom I haven’t spoken since.
Or I could go to my parents. They have certainly done most for me in my rather short life and so they deserve it most, don’t they? I could pay them a visit, talk to them, tell them everything and anything, except the fact that I’m going to die, because they aren’t as young as they once were and they wouldn’t take it well, I’m afraid.
Meeting new people, making new friends and maybe even falling in love, just for this one day (if  I manage to work up the gall to talk to the guy next door, that is) would be the other option. I mean, there are so many nice and friendly and funny people out there and I’ve never actually spoken to them.
Or perhaps, just perhaps, all those things don’t matter in the end. Not enough. Perhaps I should spend my last day wandering the streets, just to actually take them in one last time, all those things I’m leaving behind. See them, hear them, smell them, feel them, taste them, realise them.
Once I was told, that, when you know you are going to die, suddenly everything seems brighter, more vivid, more intense. Just... unique. I was told that suddenly all those little things one hardly ever notices anymore grow to be more important than anything else.
So maybe I should just go out. On the streets or to a park or maybe even to the zoo, just because I haven’t been there in years and it has always been a nice place to be. It’s hardly important anyway.
I could walk around, taking it in. Smelling the flowers on their beds along the path. Tasting the air, fresh and with just the slightest tinge of pollution and acid rain. Hearing people talk and laugh and the old man at the corner playing his guitar, softly humming along to it.
Feeling the sun burn at my back, knowing my skin is turning red where the shirt isn’t covering it, but not doing anything to prevent it or even bothering to care. Seeing all those things. The flowers and the people, the old man and the sun, the red skin and yes, even the air, just because.
Just because.
Just because, if you think about it, life is really only about wasting the time you are given. So the least thing you can do is make it worthwhile.

 

Die Idee hierzu ist mir auf dem Schulweg eingefallen. Zu Hause hab ich's dann ausgearbeitet und diese Geschichte ist entstanden.

Frei (Okt05)
Es klingelt an der Tür. Eigentlich willst du gar nicht aufmachen. Vielleicht ist es eine Art Vorahnung? Du weißt es nicht. Aber die Tür öffnest du trotzdem.
Dort steht er. Er, der dich vor beinahe zwei Monaten verlassen hat. Warum weißt du eigentlich nicht so genau. Er hat es dir nicht gesagt. Er ist gegangen. Einfach so. Trotzdem tat es weh. Oder vielleicht auch grade deshalb.
Er sieht dich an. Du siehst zurück. Du blinzelst nicht, hältst dich krampfhaft davon ab. Und wieder weißt du eigentlich gar nicht, wieso du es tust. Vielleicht, weil es ein Eingeständnis von Schwäche wäre. Und ihm gegenüber willst du keine Schwäche zeigen. Nicht mehr. Nicht jetzt noch.
Er lächelte zaghaft und begrüßt dich. Jetzt blinzelst du doch. Aber jetzt ist es auch okay. Jetzt zeigt es keine Schwäche mehr. Nur Unwillen, oder auch Ungeduld. Jetzt darfst du blinzeln.
Du schweigst, siehst ihn an. Worauf du wartest? Vielleicht darauf, dass er sich umdreht und geht. Aber du weißt, dass er es nicht tun wird. Und eigentlich willst du das auch gar nicht.
Er fragt dich. Fragt dich die Frage, auf die du seit fast zwei Monaten gewartet hast. Du müsstest nur nicken und alles wäre okay. Ein Nicken und die letzten zwei Monate wären Geschichte. Aber du nickst nicht.
Du hast verlernt, auf ernst gemeinte Fragen seinerseits zu antworten. Und das müsste er eigentlich wissen. Er weiß es auch, da bist du dir sicher. Was er aber auch weiß, beinahe ebenso gut wie du, ist, dass diese Frage nicht ernst gemeint ist. Und deshalb nickst du nicht. Du kannst es nicht.
Er wiederholt die Frage und du sagst immer noch nichts. Vielleicht, weil deine Stimme nicht mitmachen würde. Oder weil es ihn nervös macht. Wahrscheinlich liegt es eher an der Stimme.
Die letzten zwei Monate waren die Hölle für dich. Du weißt, beinahe unbewusst, dass die nächsten zwei nicht viel besser werden. Trotzdem nickst du nicht. Du willst es noch nicht einmal. Eigentlich verspürst du den Schmerz auch gar nicht mehr.
Was du fühlst ist Hass. Hass auf ihn. Hass und ein unbändiges Verlangen, ihn ebenso zu verletzten, wie er es bei dir getan hat. Und eigentlich ist es dir auch egal, dass du dir selbst dabei wahrscheinlich noch mehr weh tun wirst. Vielleicht hast du nicht die Kraft, dich darum zu kümmern. Vielleicht macht es auch einfach keinen Unterschied mehr.
Er hat angefangen zu erklären. Erklärt, was man eigentlich gar nicht erklären kann. Erklärt, wieso er gegangen ist. Entschuldigt sich sogar. Fast musst du lachen. Er hat sich noch nie bei dir entschuldigt. Und irgendwie tut es gut, findest du. Lachen zu müssen. Irgendwie gibt dir dass das Gefühl, stark zu sein. Stärker als er.
Du weißt nicht, ob du die ganze Zeit über mehr gemacht hast, als zu blinzeln. Und zu atmen. Ja, natürlich, geatmet hast du auch. Das weißt du. Du glaubst nicht, dass du irgendeine Gefühlsregung gezeigt hast. Aber natürlich kannst du auch falsch liegen. Eigentlich ist es auch egal.
Jetzt lächelst du. Du siehst, wie jemand die kleinen Lampen in seinen Augen anknipst. Die Lampen, die Hoffnung und Freude anzeigen. Und Siegessicherheit. Vielleicht ist es das, was dir die Kraft gibt, dass hier durchzuziehen.
Du schüttelst den Kopf, langsam, aber bestimmt. ‚Pointiert’, würde deine Großmutter sagen. Die Lichter in seinen Augen gehen aus. Er tritt einen Schritt näher, versucht, dich umzustimmen, aber der Schritt war dann wohl doch ein Schritt zu viel. Er ist dir zu nahe gekommen. Also handelst du. Du schließt die Tür. Langsam, bestimmt. Pointiert.
Du lächelst immer noch. Vielleicht hast du nur vergessen, damit aufzuhören. Vielleicht ist es mehr. Irgendwie fühlst du dich gut. Besser, als vor wenigen Minuten. Es war wohl doch gut, dass du die Tür geöffnet hast. Du ahnst etwas. Ahnst, dass das grade so etwas wie ein Ende war. Du hast ihn losgelassen. Vielleicht auch er dich. Eigentlich ist es nicht wichtig.
Wichtig ist, dass du endlich frei bist.

 

Die Geschichte kam mir auf der Fahrt vom Kino nach Hause. War so circa elf Uhr nachts und am Regnen.

 

Gewitternacht (Mai05)

Flapp, flapp, flapp. Kontinuierlich arbeiteten die Scheibenwischer. Flapp, flapp, flapp. Der Regen prasselte aufs Dach des Autos. Mehr hörte man nicht, nur das und den flachen Atem der Insassen. Es war warm im Innenraum, vielleicht zweiundzwanzig Grad, doch trotz allem würde einen ein sonderbares Frösteln befallen, wäre man in diesem Auto. Die Stimmung war eiskalt. Nervös spielte die Frau auf dem Beifahrersitz mit dem Reisverschluss ihrer Handtasche, wagte sich aber ansonsten nicht zu rühren. Aus den Augenwinkeln warf sie einen Blick auf den Mann neben sich. Er blickte starr auf die regennasse Fahrbahn, hielt das Lenkrad so fest umklammert, dass seine Fingerknöchel weiß hervortraten. Unruhig verlagerte sie ihr Gewicht. Der Ledersessel quietschte. Er reagierte nicht, drückte höchstens das Gaspedal noch ein Stückchen weiter herunter. Der Tacho stand auf 100. Sie strich sich über die Haare, warf ihm einen schnellen Blick zu. Er drückte das Pedal weiter durch. Der Tacho kletterte auf 120, dann auf 150. Sie hustete kurz, er fuhr noch schneller. Nervös sah sie auf die Fahrbahn, dann auf den Tacho, schließlich auf ihn. 170. Sie kaute auf ihrem Daumennagel herum, er fuhr noch schneller. 200. Sie rieb die Beine aneinander, kaute auf der Unterlippe herum. Es war Wahnsinn, auf dieser patschnassen Fahrbahn so schnell zu fahren, dass wusste sie, dennoch schwieg sie, griff nicht ein, wartete ab. Der Tacho kletterte weiter hoch, immer noch zeigte er keine Regung, umklammerte das Lenkrad nur noch fester. Es war kein Wahnsinn mehr, es war Selbstmord. Die Tachonadel schlug auf 220 aus. Der Regen würde stärker. Die Scheibenwischer arbeiteten auf höchster Stufe, dennoch erkannte man durch die regenblinden Scheiben kaum noch etwas. Zu allem Überfluss war es draußen auch noch stockdunkel. Niemand sonst war auf der einsamen Landstraße unterwegs. Es kam, wie es kommen musste. Der Wagen geriet ins Schleudern, sie schrie auf, er kurbelte hektisch dagegen, trat aufs Bremspedal. Quietschend griffen die Bremsen zu, der Wagen glitt über die nasse Fahrbahn. Er verlor die Kontrolle. Das Auto drehte sich um die eigene Achse, schlitterte dann ein paar Meter, kam von der Straße ab und überschlug sich mehrmals. Nur Sekunden später war der Spuk vorbei. Alles war so ruhig wie vorher. Alles war gleich, nur das Atmen der Insassen fehlte. Der Regen prasselte unvermindert auf das Wrack. Die Scheibenwischer arbeiteten kontinuierlich weiter. Flapp, flapp, flapp…



Okay, folgende Geschichte habe ich in einer Deutscharbeit in der siebten Klasse verzapft. Ist ein 'sehr gut' geworden und ich finde es auch nicht schlecht dafür, dass ich damals erst 11 war. In Anlehnung an die 'Fear-Street'-Reihe geschrieben.

 

 

Da war es zu spät... (Jun03)
Der Man kam immer näher, das Messer in seiner Hand blitzte. Sie schrie, Gedanken rasten ihr durch den Kopf: "Er wird mich umbringen!" Sie wollte weglaufen, aber ihre Beine verweigerten ihr den Dienst. Er kam näher und näher und dann - wachte sie auf.
Nancy Miller lag auf dem Boden neben ihrem Bett, Decke und Bettlaken waren zerwühlt. Sie warf einen Blick auf ihren Wecker: 4.41. Nancy stöhnte. Sie beschloss erstmal etwas zu trinken, einschlafen könnte sie sowieso nicht mehr. Leise schlich sie sich in der Dunkelheit nach unten. "Mann, ich habe gar nicht gewusst, dass es hier so gruselig sein kan...", dachte sie, während sie sich ein Glas Milch eingoss. Mit ihrem Glas in der Hand setzte sie sich in den großen Wohnzimmersessel; sie spürte, wie ihr langsam die Augen zufielen und wenige Minuten später war sie auch schon eingeschlafen.
"... und dann wachte ich auf!", beendete Nancy ihre Geschichte. Es war nur wenige Stunden später und ihre beste Freundin Lucy McDonnel hatt sich die Erzählung ruhig angehört, aber jetzt sprang sie schon wieder auf. Lucy konnte nie lange stillsitzen.
Nancy und Lucy waren so unterschiedlich wie Tag und Nacht; vielleicht war das einer der Gründe, wieso sie schon seit der ersten High-School-Klasse die besten Freundinnen waren. Nancy war groß und schlank und obwohl sie sehr hübsch und beliebt war, war sie ein eher zurückhaltendes und nachdenkliches Mädchen. Sie hatte lange, dunkle Haare und kluge, braune Augen und war damit so ganz anders als die kleine, blonde Lucy, deren grüne Augen vor Abenteuerlust gradezu zu sprühen schienen.
"Ach komm, Nance, du träumst fast jede Nacht so wirres Zeug, seit dieses Mädchen - wie hieß sie noch gleich? - verschwunden ist. Deine Fantasie spielt dir einfach einen Streich", versuchte Lucy die Freundin zu beruhigen. "Ellie Anderson", bemerkte Nancy. Lucy war verwirrt: "Was?" "Ellie Anderson, so hieß das Mädchen. Aber Lucy, ich weiß nicht, ob das nur ein Traum ist, ich glaube es ist soetwas wie... wie... wie eine Botschaft", Nancy war verunsichert. Lucy rollte die Augen: "Du spinnst! Komm jetzt, dahinten sind Sheena und Kristie, vielleicht kann ich bei denen Mathe abschreiben." Damit zog sie Nancy mit sich. Aber diese konnte ihre Träume nicht so einfach abhaken. Sie war sich sicher, dass es eine Botschaft von dieser Elli war, ein Hilferuf...
Also zog Nancy nach der Schule alleine los. Sie beschloss als erstes in den alten Fear-Street-Wald zu gehen. Kaum dass sie ihn betreten hatte, wollte sie ihn auch wieder verlassen. Mann, war es gruselig hier...! Aber Nancy zwang sich weiterzugehen, sie ahnte, dass sie auf der richtigen Fährte war.
Nancy ging immer weiter in den Wald, das Sonnenlicht fand kaum einen Weg durch die Baumwipfel und so war es entsprechend dunkel. Sie stolperte über Wurzeln und stieß sich an den Bäumen die Füße an, Äster zerkratzten ihr die Arme. Doch Nancy ging immer weiter, eine unsichtbare Hand schien sie zu leiten. Plötzlich stockte ihr der Atem. Lag da nicht etwas? Nancy ging langsam hin - und schrie auf. Schon oft hatte sie das Gesicht dieses Mädchens im Fernsehn gesehen. Vor ihr lag Ellie Anderson, das vermisste Mädchen. Aber sie war tot! "Ich bin zu spät gekommen. Ich hätte sie retten können, aber jetzt ist es zu spät...", Nancy wurde von Schuldgefühlen geplagt. Doch dann wanderte ihr Blick zu dem Messer in Ellis Brust und Angst machte sich in ihr breit, es war dasselbe Messer wie in ihrem Traum. Dann hörte Nancy ein Geräusch hinter sich, Äste die unter dem Gewicht eines Menschens knackten, ein leiser Atem. Sie fuhr herum. Sie sah den Mann auf sie zukommen - Ellis Mörder.
Der Man kam immer näher, das Messer in seiner Hand blitzte. Sie schrie, Gedanken rasten ihr durch den Kopf: "Er wird mich umbringen!" Sie wollte weglaufen, aber ihre Beine verweigerten ihr den Dienst. Er kam näher und näher und dann - stach er zu.

 



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