Auf dieser Seite findet ihr ein paar mehr oder weniger ausgearbeitete (bzw.verworrene) Gedankenfetzen meinerseits. (c) wie immer bei mir.


Er… Sie… Es ist (Nov07)




Generation Y (Mär06)
Es ist… interessant, was man alles so über sich lesen kann. Über die ‚heutige Jugend’. Geschrieben von irgendwelchen furchtbar klugen Leuten, basierend auf irgendwelchen furchtbar wichtigen Studien.
„Generation Y“ nennen sie uns oder auch, weiter eingeschränkt, „iGeneration“. Nach den iPods. Sie benennen eine ganze Generation nach ein bisschen technischem Spielzeug. Schon irgendwie merkwürdig.
Ich meine, ja, okay, ich habe einen iPod. Um ehrlich zu sein höre ich auch gerade Musik damit. Was? ‚Bohemian Rhapsody’ von Queen. Ein Oldie. Von 1975 (wie mir paar schnelle Klicks im Internet verraten). Ich selbst bin Jahrgang 1990. Schon interessant.
‚Interessant’ in der Tat. Obwohl ich eher dazu neige, es ‚lustig’ zu nennen. Warum lustig? Weil es lustig ist. Lustig bis hin zu widersprüchlich. Warum widersprüchlich?
Ja, warum widersprüchlich? Weil sich auf meinem iPod Queen neben Slipknot, Christina Aguilera und Eminem tummeln? Auch. Aber nicht nur.
Es ist widersprüchlich, wie diese Leute uns beurteilen. Diese Leute, das sind Erwachsene, die diese Studien erstellen und meinen, uns damit einschätzen zu können.
Worin sie sich generell einig sind ist, dass wir mit vielen technischen Neuheiten aufgewachsen sind und uns gut damit auskennen. Okay, stimmt. Teilweiße.
Ich meine, ich gebe ja zu, dass ich, wenn ich müde bin, meine Hausaufgaben am PC mache. Warum? Weil ich schneller tippe, als ich mit der Hand schreibe. Und ja, ich weiß mir die meisten Funktionen eines Computers zu nutze zu machen, kann viele Probleme schnell beheben und finde im Internet generell nach ein paar Sekunden, was ich suche.
Aber andererseits habe ich auch Freundinnen, die daran scheitern, eine Mail zu schreiben. Und ganz ehrlich: Wenn man mir mit Informatik als Schulfach kommen würde… ich denke eher nicht.
Der Technik-Teil ist also überall anerkannt. Wo sich dann aber die Geister scheiden ist, was diese Technik aus uns macht.
Möglichkeit a) wäre: wir haben dadurch erst gelernt selber zu denken, nichts so hinzunehmen, wie es ist und alles grundsätzlich erstmal zu hinterfragen, bevor wir es glauben, wenn wir es glauben.
Möglichkeit b) lautet: wir sind viel zu Konsum orientiert und vergessen über unsere Fixierung auf Computer und iPods die wirklich wichtigen Sachen im Leben und der Welt, sind aber nicht zwangsläufig verdummt.
Möglichkeit c) ist: wir lassen uns von den Medien alles vorkauen, glauben vorbehaltlos alles, was im Fernsehen und Internet gesagt wird, haben verlernt selber zu denken und auch keinerlei Interesse mehr an irgendetwas.
Das ist widersprüchlich. Oder etwa nicht?
Ich zum Beispiel denke gerne. Und ich ziehe gedankliche Verrenkungen ganz sicher den Sportlichen vor. Aber dass ich zu vielem eine Meinung habe, heißt nicht, dass ich immer alles hinterfragen muss. Denn, ehrlich gesagt, ist mir das viel zu anstrengend.
Aber ich lese Zeitung. Ich richte es mir jeden morgen so ein, dass ich morgens noch zehn Minuten habe, um die Zeitung zumindest durchzublättern. Was mich interessiert wird mittags noch mal richtig gelesen, was nicht, halt nicht.
Und zum Thema Zukunft: Mit elf-zwölf Jahren wusste ich schon recht genau, was ich später mit meinem Leben anfangen wollte. Ob ich das auch zwangsläufig durchsetze, weiß ich nicht, aber bis heute hat sich daran nicht viel geändert und vielleicht bleibt es auch dabei. Das wird sich zeigen.
Worauf ich mit diesem Text eigentlich hinaus will ist, dass die ganze Zeit darüber geredet wird, wie sehr wie uns von den vorherigen Generationen unterscheiden. Die ganze Zeit versucht irgendwer, uns in irgendeine Schublade zu drängen. Ob das jetzt eine gute Schublade ist, oder eine Schlechte, dass ist immer Argumentationssache.
Aber was irgendwie will niemand so recht sehen, dass wir gar nicht so anders sind. Ein paar interessieren sich halt für Politik, andere für Sport. Einige für Mode, andere für fremde Kulturen. Einige für Geschichte, andere für Technologie. Es gibt ein paar, die sind so, andere, die sind anders und wieder andere, die noch mal anders sind. Aber das ist doch schon immer so gewesen, oder nicht?
Was unterscheidet uns also von unseren Eltern, Großeltern oder von den Menschen im viktorianischen Zeitalter? Gibt es nicht immer einfach Menschen, die sich zwar ihrer Umgebung anpassen, aber dabei trotzdem noch Individuen bleiben? Eigentlich doch schon.
Warum also die ganze Panikmache?
Und selbst wenn, man muss doch sehen, dass es gar nicht so schlecht um uns steht:
Man nehme zum Beispiel das Schulmassaker von Columbine, das, wie ich erwähnen möchte, unbestreitbar eine Tragödie ist, aber trotzdem nur die zweittödlichste Attacke auf eine US-amerikanische Schule ist. Am tödlichsten war das Bath Schuldesaster, geschehen im Mai 1927.
Oder die Golfkriege und der Terrorkrieg? Entgegensetzend haben wir nicht nur zwei Weltkriege, sondern auch eine ganze Reihe anderer.
Vogelgrippe? - Spanische Grippe von 1918.
Schlechte Wirtschaft? - Weltwirtschaftskrise in den 30ern.
Politische Differenzen? - Kalter Krieg 1947-1990.
Nukleare Bedrohung? - Atombombenabwurf 1945.
Alles schon mal da gewesen. Und das allein im letzten Jahrhundert. Schlimm? Natürlich. Aber letzten Endes hat die Menschheit doch noch alles überlebt. Beginnend mit der Vertreibung aus dem Paradies bis… heute. Warum sollte sich das ändern?
Abschließend möchte ich noch auf eine kleine, etwas kuriose Sache hinweisen. Generation Y bezeichnet ursprünglich nur die Jugendlichen in den USA, demnach ist es englisch, wird also auch so ausgesprochen. Und da der Buchstabe Y im englischen ausgesprochen wird wie das Wort ‚why’, ergibt sich: Generation Y à Generation why.
Übersetzt man das ganze, bekommt man „Generation warum“. Lustig. Oder?


Gedanken zum Holocaust (Jan06)
Ich lese. Ich lese Bücher, Texte, Zitate. Über Konzentrationslager. Über Folter. Über Massenmorde. Über diesen Wahnsinn, der damals Alltag zu sein schien.
Ich sehe mir Bilder an. Von halb verbrannten Leichen. Von Skeletten. Von verstümmelten Körpern. Von noch lebenden Menschen, die kaum von den Toten zu unterscheiden sind.
Ich lese, ich sehe, aber ich möchte mir nicht anmaßen, zu begreifen. Denn begreifen ist etwas, das nur den wenigsten gelingt. Wenn überhaupt.
Ich selbst kann nicht begreifen. Und vielleicht möchte ich auch gar nicht. Um meines eigenen Seelenfriedens willen. Denn begreifen, das würde bedeuten, diesen ganzen Wahnsinn in seinem ganzen Ausmaß… ja, was? Nicht anzuerkennen, denn das tue ich. Selbstverständlich. Auch nicht zu verstehen, denn bei so einem Thema gibt es nichts zu verstehen. Zu begreifen. Was immer das jetzt genau heißen soll.
Und trotzdem lese ich. Ich lese, ich sehe. Und doch muss ich zugeben, dass es mir, wäre nicht alles historisch belegt, schwer fallen würde zu glauben. Zu glauben, dass Menschen so grausam, so wahnsinnig sein können, wie die SS-Leute es waren. Zu glauben, dass Menschen, Gefangene, so etwas erdulden, erleiden können und dabei am Ende doch noch so etwas wie Überlebenswillen übrig haben. Selbst wenn es nur ein Funken ist. Manchmal reicht das aus.
Ich möchte das nicht ergründen. Nicht hier, nicht jetzt. Denn jetzt ist nicht die richtige Zeit dazu. Außerdem überlasse ich das lieber Menschen, die klüger sind als ich. Erfahrener, belesener. Was auch immer.
„Man stelle sich nur einmal vor, solche Vorkommnisse würden auf der Gegenseite bekannt und dort ausgeschlachtet! Wahrscheinlich würde eine solche Propaganda einfach nur deshalb wirkungslos bleiben, weil Hörer und Leser nicht bereit wären, derselben Glauben zu schenken.“ – Hinrich Lohse, Reichskommissar für das Ostland, an Alfred Rosenberg, Reichsminister für besetzte Ostgebiete, am 18.06.1943.
Es stimmt.
Obwohl ich nicht weiß, ob man solche Taten nicht glauben kann oder sie schlicht nicht glauben will. Was ich weiß, ist, dass es schwer ist, sich solche Taten vorzustellen. Ob es nun an dem Glauben an eine Grundmoral in jedem Mensch liegt oder aber am Versuch, den eigenen Seelenfrieden zu schützen, es ist und bleibt unvorstellbar.
Und genau hier liegt der Grund, warum man es sich vorstellen muss. Warum man versuchen muss zu begreifen, zu glauben so schwer es auch sein mag.
Und deshalb lese ich. Deshalb sehe ich. Weil ich versuche, zu begreifen. Selbst wenn ich es nicht schaffe, ich versuche es. Ich versuche es einfach. Weil ich muss.
Ich möchte nicht behaupten, mich außergewöhnlich stark mit dem ganzen Thema befasst zu haben. Denn das habe ich nicht. Weil ich nicht will. Nicht kann. Aber ich habe mich damit befasst. Ich habe gelesen, ich habe mir Bilder angesehen, ich habe Zeit geopfert. Und, was noch viel wichtiger ist, ich habe nachgedacht.
Ich möchte hier wirklich niemandem eine Moralpredigt halten. Dazu habe ich auch gar keine Befugnis. Aber ich möchte etwas loswerden. Etwas, das mir wichtig ist. Ich möchte, dass jeder nachdenkt. Für ein paar Minuten mal nicht sagt „ich will nicht“, sondern einfach mal nachdenkt. Auch wenn es einem schlaflose Nächte und Selbstzweifel beschert. Besonders dann. Weil es wichtig ist. Notwendig.
Vielleicht ist es zu viel verlangt. Vielleicht aber auch zu wenig. Ich weiß es nicht und wie immer ist es auch gar nicht mein Ziel, das herauszufinden. Denn was ich weiß genügt vollkommen.
Ich weiß, dass vergessen das Schlimmste es, was man tun kann. Und deshalb versuche ich, nicht zu vergessen. Ich lese, ich sehe, ich glaube, ich denke, vielleicht begreife ich sogar. Und all das geschieht nur mit dem Ziel zu erinnern. Weil Erinnerung manchmal lebensnotwendig sein kann. Weil sie Leben retten kann. Und weil Vergessen einer Katastrophe gleichkommt.


Nr. 9276002480162935711 (Mai05)
Ich bin die zweite Tochter meiner Eltern, die vierte Enkelin meiner Großeltern, die siebenundzwanzigste Schülerin in meiner Klasse, die dritte Besitzerin meines Pferdes, die… naja, es ist klar, worauf ich hinaus möchte, oder?
Unser ganzes Leben lang bekommen wir irgendwelche Nummern zugeordnet. Wir kriegen Kontonummern, Telefonnummern, Versicherungsnummern, Passnummern, Hausnummern, IP-Nummern, Handynummern und andere. Nummern, die uns identifizieren sollen.
Aber wer sagt, dass wir diese Nummern sind? Eine Aneinanderreihung von Ziffern, hinter denen wir uns verbergen. Zahlen, die jedem, der es darauf anlegt, verraten, wer wir sind. Aber wer sind wir, dass wir durch Zahlen beurteilt werden könnten?
Das System ist klar: Ein individueller Mensch bekommt eine individuelle Zahlenkette. Aber geht diese Rechnung auf?
Unser Leben lang werden wir beurteilt. Zeugnisse zum Beispiel. Ein paar Zahlen, die über unser Leben entscheiden können. Doch manchmal sind sie nicht einmal das Papier wert, auf dem sie stehen. Wie sollen diese Zahlen stellvertretend für ein Menschenleben stehen?
Ein Blatt Papier, ein paar Ziffern. Und das soll ich sein? Nicht wirklich, oder? Bin ich nicht viel mehr als das? Habe ich nicht ein Anrecht darauf, eben nicht in irgendeiner Schublade zu verstauben? Ich dachte immer, dem wäre so.
Aber was sind schon Zahlen, auf einem Stückchen Papier? Sie führen uns in die Irre. Und irgendwo sind sie unmenschlich. Wie könnten sie auch menschlich sein? Was ist menschlich überhaupt? Und wer von uns schafft es, sich den Zahlen zu entziehen? Wer schafft es, sich davon nicht täuschen zu lassen. Du? Glaubst du das wirklich?
Ich möchte dir ein Beispiel geben. Ein Krieg. Zwei Schlachten. In der ersten sterben einmillionen-zweihunderttausend Menschen. In der zweiten zehntausend. Nur ein Hundertzwanzigstel. ‚Wenig’, denkst du? Das habe ich auch – zuerst.
Dann habe ich nachgedacht. Und habe mich vor mir selber erschrocken. Zehntausend. Zehntausend was? Opfer? Soldaten? Menschen. Das ist so ziemlich dein gesamter Bekanntenkreis – du einschließlich. Findest du immer noch, dass zehntausend ‚wenig’ sind? Ich glaube es nicht. Ich hoffe es nicht.
Siehst du jetzt, dass Zahlen nicht das sind, was sie zu sein scheinen? Sie sind rational, ja. Aber wann ist das Leben, der Mensch, schon mal rational? Es sind zwei unvereinbare Dinge. Und trotzdem hat jeder Mensch ein paar Dutzend Nummern, die sagen, wer er ist. ‚Zivilisation’ nennen sie es. Und ich höre zu und frage mich:
Wo bleibe ich dabei?

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