Corea

:::Corea:::

Corea?! 

Zunaechst einige Worte zur Schreibweise: Ich schreibe Corea auf diesen Seiten ausdruecklich und ausschliesslich,
soweit es nicht offizielle Bezeichnungen betrifft, mit "c" - "Warum", fragt sich der Leser vielleicht verwundert.
Ganz einfach: Die gaengige Schreibweise war seit einigen Jahrhunderten das von den Italienern eingefuehrte "Corea"
und erst die Japaner fuehrten die Schreibweise mit "k" ein, als sie ihr grausames Kolonial-Regime in Korea installierten.
"Warum", fragt sich der Leser wahrscheinlich immer verwunderter. Ganz einfach: Japan hatte es in seinem
Weltmachtstreben nicht akzeptieren koennen, dass ihre Kolonie in internationalen Aufzeichnungen nicht nur oft weiter
separat gefuehrt wurde, sondern in alphabetischer Reihenfolge vor dem "Stammland" (K vor J) lag.
Klingt unglaublich, ist aber leider so...

Corea Allgemein

Dem geneigten Leser, dem der koreanische Kulturraum nicht so gelaufig ist wie der Ballermann, seien einige Daten
an die Hand gegeben, um meinem kleinen Reisetagebuch etwas besser folgen zu koennen.

Offizielle Bezeichnung:      Republik Korea (Suedkorea) bzw. Dae Han Min Guk
Flaeche:                             99.392 km2
Einwohner:                         48.324.000
Hauptstadt:                         Seoul
Waehrung:                          Won (1 ¢æ = ca. 1300 W)
Amtssprache:                      Koreanisch
Staatsform:                         Praesidiale Republik
Staatsoberhaupt:                Roh Moo-Hyun (noch...)
Verwaltungseinheiten:       7 Freie Staedte, 9 Provinzen
Religionen:                        Christentum 25 %, Buddhismus 21%, sonst. 5 % [Atheisten 49% :D]

Corea - Ein Dritte-Welt-Land zwischen Singapur und Indonesien

Viele Deutsche denken, dass Korea ein armes und unterentwickeltes Land ist, das vom Geld der Reichen lebt.
Menschen werden dort in Kaefigen gehalten, wo sie rund um die Uhr arbeiten muessen, ansonsten werden sie
erschossen. Nicht zu vergessen dieses graessliche kommunistische Regime, das mit Atombomben droht
und erst die hungernden Menschen...

Auch wenn von meinen Freunden durch ordentliche Propaganda jeder eingehaemmert bekommen hat, dass
Corea ein tolles Land ist, noch einige Fakten, um es zu veranschaulichen:

Wusstest Du, dass Corea seit 2003 offiziell die Kriterien erfuellt, um sich "Industrienation" nennen zu koennen ?

Wusstest Du, dass Corea seit 2003 Nettogeber der UN ist und Entwicklungshilfe f? andere L?der zahlt?

Wusstest Du, dass Corea eine fuenftausendjaehrige Kultur aufzuweisen hat und dass die Stadt Gyongju
1 Million Einwohner zaehlte, waehrend in Deutschland die wilden Barbaren hausten ?

Wusstest Du, dass Corea mehr (Breitband-)Internetanschluesse, mehr Handies und mehr Computer pro Kopf
hat als Deutschland ?

Wusstest Du, dass Corea die wirtschaftlich zwoelftstaerkste Nation der Welt ist und das in Corea das groesste
Stahlwerk, sowie die groesste Werft  der Erde stehen.

Wusstest Du, dass Corea weltweit fuehrend in Biotechnologie und Schiffsbau ist, Zweiter im Bezug auf Chip-Entwicklung
und Elektronik, Vierter im Bezug auf Telekommunikation und Fuenfter im Automobil- und Maschinenbau ist ?

Wusstest Du, dass Corea durch eine (Un-?)Kultur der Bildung auf Platz 3 der Pisa-Studie gelandet ist ?

Wusstest Du, dass Coreaner meinen, dass sie sich im Moment in einer Wirtschaftskrise befinden, weil sie 2004
schaetzungsweise nur 5,6% Wachstum erreichen werden und eine "Massen"-Arbeitslosigkeit von 4,1% haben ?

Wusstest Du, dass Corea einen Spitzensteuersatz von ca. 28 % hat und der Staatshaushalt trotzdem annaehernd
ausgeglichen ist, bzw. von 1999-2003 sogar Ueberschuesse erwirtschaftet wurden ?
 

Wusstest Du, dass alle Deine Vorurteile gerade durcheinander geraten sind ?

Bananenrepublik Korea

Es gibt aber auch ein paar nicht so glanzvolle Dinge, von denen einer der schlimmsten die Art ist, Politik
zu machen. Der schnellste Weg reich zu werden ? Einfach Abgeordneter werden und ordentlich abkassieren.

Vorteil: Viel Geld in wenig Zeit. Wie du abstimmst, in welcher Partei du bist, ist nebensaechlich, denn wichtig
ist zur richtigen Zeit aus der richtigen Region zu kommen.

Nachteil: Du wirst irgendwann in deiner Karriere wegen deiner Korruption erwischt, denn die Gesetze sind schaerfer
als z.B. in Deutschland, nur das das hier die Leute wenig kuemmert. Wenn Du grossen Mist gebaut hast,
bist du quasi zu Selbstmord verdammt.

In unserem Kurzabriss zur koreanischen Gegenwartspolitik moechte ich im Folgenden Informationen zur interkontextualen
Vernetzung (kleiner Insiderwitz @ Michi & Daniel)
 an die Hand geben. Quasi einen Tafelanschrieb austeilen, hihi...

Ich habe mich entschieden, an dieser Stelle etwas ueber Politik zu schreiben, da es im deutschsprachigen Internet zwar
viele Seiten gibt, die sich mit Kultur, Sprache und Tourismus auseinandersetzen, aber keine geeignete Quelle fuer koreanische
Politik.

Parlament (Kuk Hoe) | 299 Sitze (243 in Wahlkreisen, 56 proportional)

Die Sitze in der Nationalversammlung werden auf zwei Arten vergeben. Zum einen durch Mehrheitswahlrecht,
d.h. der Kandidat, der im Wahlkreis die meisten Stimmen erhaelt, ist automatisch zum Abgeordneten gewaehlt.
Dazu kommen, um kleinen Parteien die Chance auf Parlamentssitze nicht voellig zu nehmen, proportionale Sitze, 
die mit einer zweiten Stimme verteilt werden, also im Groben mit der deutschen Zweitstimme vergleichbar.

Am 15. April 2004 fanden landesweite Wahlen zum Parlament statt. Ich moechte die Ergebnisse im Folgenden
mit einem Abriss ueber die Parteienlandschaft verknuepfen.
 

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Yollin Uridang (Allgemeine "Unsere Partei")
Wahlkreise gewonnen:              129
Proportionale Sitze:                     23
                                                = 152 Sitze

 Proportionale Stimmen in %:    38.8
 Aktuelle Umfrage in %:                22


Motto: "Neue Politik, gut lebendes Land"

Von mir geradezu liebevoll "Gelbjacken" genannt, ist diese Partei nur kurz nach ihrer
Gruendung bereits wieder in Aufloesung begriffen und wird von schweren Fluegelkaempfen
zerrissen.
Uebrigens die einzige, der im Parlament vertretenen Parteien, die keine englische Seite
vorweisen kann. Man merkt bei Allem, dass dieses Konstrukt nur provisorisch ist (und
populistisch...ach ja und antiamerikanisch auch noch).
In der Uridang hat sich alles zusammengefunden, was das sinkende Schiff der etablierten
Parteien noch verlassen konnte, um die eigene Haut zu retten. Dementsprechend hat die Partei
mindestens 4-5 grosse Fluegel.

Hannara-dang (Gro©¬e National Partei)

Wahlkreise gewonnen:                  100
Proportionale Sitze:                        21
                                                    =121

Proportionale Stimmen in %        35.8
Aktuelle Umfrage in %                    42

Motto: "Blaues Land, Hoffnungsland"

Im Gegensatz zu unseren anti-amerikanischen Freunden von der Uri-dang hat diese
Partei sogar eine englische Seite, auf der uns meine "Grosse Vorsitzende"
Park Geun-Hye freundlich anlaechelt.

Park Geun-Hye ist die Tochter des ehemaligen Staatschefs
Park Chung-Hee, den man gemeinhin wohl als Diktator bezeichnen
wuerde. Der Unterschied ist, dass das Volk ihn vergoettert und seine
Politik befuerwortet hat.
Park zehrt aber nicht nur von einer Sehnsucht nach der "guten alten
Zeit", sondern vor allem von dem was sie selbst ist:
Warmherzig, ehrlich, offen und bereit Konfrontationen einzugehen, auch
wenn sie sich dadurch selbst in die Schusslinie begibt.
In einer Zeit, da die Hannara-dang in Scherben lag, uebernahm sie das Ruder
und fuegte die Partei wieder zusammen.
Zur Veranschaulichung: Vor ihrem Amtsantritt als Parteivorsitzende lag die Hannara in Umfragen bei
ca. 20%, kurz danach bei 28 und bei den Parlamentswahlen wenig spaeter holte die Partei sensationelle
35.8%. Zwar wurde die Hannara-dang ein wenig abgestraft, aber die Ohrfeige war durch sie eher zu einem
erhobenen Zeigefinger geworden. Inzwischen ist die Hannara-dang, obwohl noch nicht ganz umstrukturiert,
wieder die Hoffnung der Coreaner, hauptsaechlich aber die Vorsitzende selbst, die in Umfragen zur
Praesidentschaft ueberall und in fast allen Kompetenzfeldern teils sehr deutlich vorne liegt.

Die Hannara-dang befindet sich gerade im Wahlgang fuer einen neuen Vorsitzenden.
Park Geun-Hye hat sich nun doch entschlossen wieder anzutreten und gilt als klare
Favoritin.
Das Problem ist aber, dass der Wandel, der durch einige Korruptionsaffaeren (u.A. des
ehemaligen Praesidentschaftskandidaten Lee Hoi-Chang), eingelaeutet werden musste,
ziemlich radikal ist und Park zwar im Volk sehr beliebt ist, die Altvorderen der Partei
ihr aber ziemlich boese sind, dass sie aufgeraeumt und aussortiert hat...

SaechonnyonMinju-dang (Demokratische Partei des Neuen Jahrtausends)

Wahlkreise gewonnen:                     5
Proportionale Sitze:                          4                                                    
                                                       = 9

Proportionale Stimmen in %           7.1
Aktuelle Umfrage in %                       9

Motto: "Cleane Partei! Wirtschaftspartei!"

Die Partei des ehemaligen Praesidenten und Friedensnobelpreistraegers Kim Dae-Jung, die 
sich selbst als sozialdemokratisch bezeichnet, aber wohl nach unseren Massstaeben hoechstens
als linksliberal anzusehen ist, hat bei den Parlamentswahlen eine schwere Niederlage hinnehmen 
muessen. Sie hatte gemeinsam mit der Hannara-dang das Amtsenthebungsverfahren eingeleitet und
war dafuer in die Kritik geraten.

Sie ist praktisch nur noch in Jeollanam-do (ganz im Sueden) vorhanden, wo sie alle ihre 5 Wahlkreise
gewonnen hat und wo auch alle Funktionaere herkommen.
Die Partei ist jedoch auf kleinem Niveau stabil und hat vom Vertrauensverlust in die Uri-dang im
Suedwesten profitiert.

MinjuNodong-dang (Demokratische Arbeitspartei)

Wahlkreise gewonnen:              2
Proportionale Sitze:                   8
                                              = 10

Proportionale Stimmen in %:  13.0
Aktuelle Umfrage in %:              16

Motto: Die Hoffnung der Arbeiter

Darf ich vorstellen: Die einzige wirklich sozial(istisch)e Partei Koreas. Mit einem konfusen Programm,
das aus einer gehoerigen Portion Friedensbewegung, gemischt mit Antiamerikanismus und aus Arbeiter-
und Bauernpopulismus besteht, sowie einem charismatischen Vorsitzenden, Kwon Yong-Gil, der in Changwon
die Sensation schaffte ein Direktmandat zu gewinnen. Beide Direktmandate wurden in Gegenden gewonnen, wo
Industriekomplexe ihre Arbeiter in Trabantenstaedten unterbringen.
Insgesamt ist diese Partei aber eher eine Mischung aus Gruenen und PDS mit Joschka Gysi an der Spitze.
Die MinjuNodong-dang hat stark zugelegt und profitiert auch jetzt mit einer klaren linken Position von der
Zerrissenheit der Uri-dang.

JayuMinjuYonhab (Vereinigte Liberale Demokraten)

Wahlkreise gewonnen:            4
Proportionale Sitze:                 0
                                              = 4

Proportionale Stimmen in %: 2.8 (3% erforderlich fuer 1 Sitz)
Aktuelle Umfrage in %:          k.A.

Die Partei war quasi der Privatbesitz des Vorsitzenden Kim Jong-Pil, einer der drei
grossen K`s (=Kim) der koreanischen Politik, der als einziger nicht Praesident, sondern
"nur" Ministerpraesident (=Stellvertreter des Praesidenten) wurde.
Nach der vernichtenden Niederlage bei den Wahlen, hat er seinen Rueckzug erklaert und
nun ist die Partei in die Bedeutungslosigkeit abgerutscht.
Die Partei war, obwohl sie sich liberal nannte, eine absolut konservative Partei, die rechts
der Hannara-dang anzusiedeln waere.

:::Nordcorea:::

Da war noch was...

Noerdlich des Technologieparks Corea, das uebrigens auch in Umweltverschmutzung und
Bevoelkerungsdichte Japan in Nichts nachsteht, beginnt ein Land, das bei uns nur die Assoziationen
"Atom-Krise" und "Hungersnot" weckt. Ich rede von der sogenannten "Demokratischen
Volksrepublik Korea" (Choson Minjuju-ui Inmin Gonghwa Guk)...

Man beachte das Spasspotenziel noerdlich der DMZ ! Light, Camera, Action....Mist, es hapert schon am Licht....

Im Ernst: Zwar sind hungernde Kinder schon mehr als schockierend, aber ich fand dieses Bild geradezu praeestiniert den Unterschied zu zeigen, der zwischen den beiden Haelften herrscht...Da haben wir mit den Ossis ja noch richtig Glueck gehabt...

Mehr zu Nordcorea demnaechst...

 

(C) Jan Janowski 2004

 
     

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