...::: Mein SVV :::...

 

*** Diese Seite könnte triggern! ***

Da ich mehrfach von Außenstehenden (die mich besser kennen wollen, als ich mich selbst) angegriffen wurde in Form von Mails und Gästebucheinträgen, habe ich die Bilder meines SVV und das Innere Gesetz entfernt. Ich habe nicht die Kraft, mich ständig dagegen zu wehren, dass man mir Beifallhascherei und ähnliches unterstellt. Meine "Offenheit" wird mir als Hascherei nach Aufmerksamkeit ausgelegt...Wer kann sich darüber ein Urteil erlauben? Lebt einer von diesen Alleswissern mein Leben???

 

Hier möchte ich über mein persönliches SVV schreiben...ich weiß nicht, wieviel ich schreiben werde, oder wann die Seite fertig ist...

Aber zunächst mal noch ein paar Worte an diejenigen, die auf ihrer HP Themen ansprechen, von denen sie selbst gar nicht betroffen sind...Da hätte ich doch gleich mal die Frage: Warum schreibt Ihr über SVV, wenn Ihr nicht wisst, was das ist? Das kann nur jemand nachvollziehen, der selbst betroffen ist...Dieses Thema wird so ausgereizt, weil es auf jeder HP zu finden ist, und dadurch nimmt es keiner mehr richtig wahr...Also bitte überlegt Euch, ob Ihr Nicht-Betroffenen nicht diese Seiten von Eurer Seite herunternehmt...Dasselbe gilt für Depression, Essstörungen u.ä....Ihr richtet damit mehr Schaden als Gutes an...

 

 

Dass auch ich an SVV leide, habe ich vor noch nicht allzu langer Zeit knallhart präsentiert bekommen. Geritzt und geschnitten habe ich mich schon seit Jahren. Die sogenannten Acne excoriee, die Kratzerei kam erst vor ein paar Monaten dazu. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung, bei der die Betroffenen zwanghaft immer wieder an Hautunreinheiten quetschen, kratzen oder knibbeln, auch wenn sie meist nur unter relativ leichter Akne leiden. Oft können die Betroffenen auch bereits entzündete oder verkrustete Stellen nicht abheilen lassen, so dass es zu stärkeren Entzündungen bis hin zur Narbenbildung kommen kann. Und Narben habe ich genügend, verteilt über den ganzen Körper...

Es handelt sich um eine Autoaggressive Zwangserkrankung (und nicht wirklich um ein Hautproblem). Es ist eine Art Verhaltensstörung und ganz wichtig: KEINE "dumme Angewohnheit". Oft ist es zunächst nicht so einfach, sich von dem Gedanken der "dummen Angewohnheit" zu befreien und es als psychische Erkrankung zu akzeptieren.
Ich selbst hatte damit einige Schwierigkeiten. Ich konnte mir auch nicht erklären, wieso ich das habe.
Ich wusste nur, dass ich es nicht lassen konnte und mein Leben in vielfältiger Weise beeinträchtigt. Ich habe jahrelang versucht, mir das "abzugewöhnen" und bin immer wieder gescheitert.
Das Problem mit dem Irrtum, es handele sich um eine "dumme Angewohnheit" ist, dass es bei dieser Betrachtung ziemlich viel Stoff liefert, auf sich selbst herumzuhacken (was nicht gerade besonders hilfreich ist), da man es sich
nicht einfach "mal eben abgewöhnen" kann und oft wütend und deprimiert darüber ist und Schuldgefühle hat, dass man es "schon wieder" getan hat. Es liegt nun mal im Wesen einer ZWANGSerkrankung, dass man es eben NICHT mal einfach lassen kann. An einer Erkrankung ist man nicht "schuld". Diese Einsicht kann helfen wieder freundlicher mit sich selbst umzugehen (DAS allerdings IST hilfreich).

Das zwanghafte Knibbeln an der Haut ist eine ähnliche Erkrankung wie ständiges Nägelkauen oder zwanghaftes Haare auszupfen. Der Grad der Ausprägung kann sehr unterschiedlich sein, ebenso wie es Leute gibt, die nur am Rücken knibbeln oder nur im Gesicht oder andere eben überall am Körper.


Wie ich aus eigener Erfahrung weiß, sind die psychischen Auswirkungen und die Beeinträchtigung des Lebensgefühls sehr ausgeprägt. Man geht nicht mehr ins Schwimmbad, sagt Verabredungen lieber wieder ab, trägt  nur versteckende Kleidung, geht bei anderen Erkrankungen nicht zum Arzt, weil man dann seinen Rücken zeigen müßte
usw., eben alles was man aus Scham so veranstaltet.

Es gibt bisher relativ wenig Forschung über die Ursachen und wie es dazu kommt, dass jemand dieses Verhalten als Zwang entwickelt. Ist der Zwang jedoch vorhanden, sind meistens innere Spannungszustände der Auslöser für erneutes Kratzen. Das können größere seelische Probleme sein oder wenn man mal wütend auf etwas ist oder traurig. Es können jedoch ebenso weniger deutliche innere Spannungszustände, wie z.B. Langeweile, sein.

Obwohl die Krankheit relativ unbekannt zu sein scheint, glaube ich nicht mehr, das sie soo selten ist. Die Betroffenen sprechen jedoch oft nicht darüber und wer kennt schon den Begriff "Acne Excoriee"? Mit dem falschen Gedanken, es sei eine" schlechte Angewohnheit", schämt man sich für sich selbst so sehr, dass man weder zum Psychiater/Psychologen, noch zur Kosmetikerin oder zum Hautarzt, noch sonst wo hin geht, um sich Hilfe zu holen. Man fürchtet halt, der könne einem Vorwürfe machen und sagen: "Selber schuld, hör doch einfach auf zu kratzen." (Ginge das so einfach, hätte man es längst getan...)
Wenn man jedoch weiß was man hat, kann man es z.B. dem Hautarzt als Krankheit erklären und trotzdem um Hilfe gegen die Hautunreinheiten bitten, so dass man als eine erste mögliche Hilfsmaßnahme zur Schadensbegrenzung wenigstens weniger "Anlässe" zum Kratzen findet.

WARUM???

Aber warum mache ich das...Es ist ein Zwang, der Zwang, es zu tun, damit es wieder leichter wird. Ich sehe das Blut und merke, ja, ich lebe noch und es wird besser, erträglicher. Wer selbst nicht betroffen ist, kann diesen Gedankengang nicht nachvollziehen, unmöglich. Aber keiner sollte denken, dass SVV die Lösung aller Probleme ist!

Angefangen hat es bei mir mit Ritzen, dann Schneiden und dann mit dem Aufkratzen von kleinen Pickelchen, die sich dann irgendwann entzündeten und zu unschönen Narben wurden. Zuerst nur am Rücken, inzwischen überall an meinem Körper, wo ich mit meinen Händen hinkomme. Und inzwischen ritze ich auch wieder verstärkt. Was ich dabei empfinde? Erleichterung, das Gefühl, zu leben...Beim Ritzen ist es dasselbe Gefühl, dass sich einstellt...

Ich hasse mich selbst, und ich habe sehr viel Trauer und Wut in mir, die verarbeitet werden will. Ich tue das, indem ich mich selbst verletze. Es erleichtert für den Moment, ich werde wieder ruhiger und der Druck lässt nach.

Klar, jetzt kommen dann Sätze wie: Dann lenk Dich ab, mach was anderes...Aber das ist leichter gesagt, als getan. Wenn der Druck erst mal da ist, denk ich nicht mehr groß über Alternativen nach, der Schmerz muss einfach weg. Dass ich mir damit nichts Gutes tue, weiß ich, aber es ist mir egal, ich kann mich eh nicht leiden und hasse mich und meinen Körper. Ich will den seelischen Schmerz durch den körperlichen Schmerz übertünchen, vielleicht ein Stück auch davonlaufen, nenne man es, wie man will...Aber wenn ich mich verletze, verschwinden auch die Gedanken über Selbstmord für kurze Zeit...Denn darüber denke ich tagtäglich nach.

Tut das nicht weh? Natürlich tut es weh, sehr sogar, aber es tut weniger weh wie der seelische Schmerz...

 





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