INTERVIEW

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FRAGEN  AN MEINOLF: (Interview mit Meinolf´s eigenen Worten)

Seit wann bis Du bei den Festspielen?

--Das war 1964. Da fiel jemand aus. Ich musste hier warten, weil ich die Pferde hochbrachte. Dann lag ich hier in der Ecke rum, so 2 Stunden und habe gewartet und musste den Bauern ja die Pferde wieder bringen. Die mussten ja Heu damit machen und so was. Da fiel einer aus und man fragte mich, ob ich nicht mitmachen würde. Da hat mir das gefallen und im folgenden Jahr hatte ich mich gemeldet, weil`s mir Spaß gemacht hatte. Und dann ging´s richtig los.

 

Wie denkst Du über Fans?

--Es gibt Situationen, wo man z.B. Besuch hat oder wenn mehrere Leute da sind, mit denen man sprechen möchte. Dann gibt es, leider Gottes, immer Verschiedene, die einem nicht von der Seite weichen, obwohl man dann mal allein sein möchte und sich mit den Leuten unterhalten muss. Was nicht immer ein "MÖCHTE" ist, wo auch manchmal ein "MUSS" dahintersteht. Ich versuche das dann so klarzumachen, dass es auf diese Art und Weise nicht geht.

Es gibt mit Fans doch auch sicher schöne Sachen, die man erlebt?

--Ja. Ein 11-jähriges Mädchen hat leidenschaftlich gerne Fotografien gemacht. Die kam immer mit ihren Eltern und sie sind lange gekommen. Das war Anfang der 80er. Die hatten, ohne das ich´s  wusste, mir ein Album zusammen gebastelt, selbst erstellt, die Bilder, die sie fotografiert hatte, eingeklebt und so Sätze und Anmerkungen drunter geschrieben. Das fand ich unheimlich in Ordnung. Als das Mädchen dann 16-17 Jahre war, hat sie mir das dann geschenkt. Ich habe ihr �ne gro�e Indianerpuppe dafür geschenkt.

Wie ernst nimmst Du Deine Rolle?

--Ich schalte ab. Total ab. Ich brauche auch vorher `ne gewisse Zeit. Ich sitze hier anderthalb Stunden vor´m Spiel in meinem Kostöm. Mit dem Umziehen, damit fängts an. Ich komm hier hoch, zieh mich um - ist wie ein Ritual, wie das so abläuft. Das eine Zeug muss erst angezogen werden, bevor das andere angezogen wird. Dann geh´ ich in den Stall, putze mein Pferd, dann geh´ ich hierher und trinke etwas und bleibe hier. Ist ´ne halbe Meditation, kann man schon fast sagen. Dann sitze ich hier am Tisch und nach �ner guten Dreiviertelstunde gesellen  sich die ersten dazu. Aber sonst sitze ich hier und denke nach.

Was macht auf der Bühne am meisten Spaß?

--Action! Die Zusammenarbeit mit dem Pferd ist das größte, was es gibt. Weil ich ja gebunden an das Pferd bin und so muss es auch ein Freund sein. Da muss man darauf hin arbeiten, dass das gegenseitige Verst�ndnis da ist. Wenn es nicht da ist, kann die Rolle zu Bruch gehen.

Pferdetraining?

--Das Wichtigste und das Schwierigste ist das bekannt machen von Mensch und Tier. Wenn das Pferd das Vertrauen, das man ihm entgegen bringen sollte und muss, nicht erwidert, kann man mit dem Pferd nicht zusammen arbeiten. Das geht nicht. Das geht grundsätzlich nicht mit jedem Pferd. Da muss man darauf hin arbeiten. Ich gehe auch nicht in den Stall, ohne etwas in der Tasche zu haben. Apfel oder Möhren- das sind so Sachen, die einfach dazu gehören. Mit "Cochise" bin ich schon seit 1987 zusammen. Das ist schon so ´ne richtige Zusammenarbeit geworden. Einer wartet auf den anderen, so ungefähr. Wenn mich einer angreifen würde oder anschreien oder bösartig reagieren würde, dann bräuchte ich das Pferd nur loszulassen. Der springt den auf 4 Meter an.

Zweikämpfe auf der Bühne - in wie weit gehört Kampfsport dazu?

--Judo spielt insoweit eine Rolle, da kommt´s nicht auf die Würfe an. Und Takewando haben wir auch gemacht, da sind die Sprünge interessant, die wir einsetzen. Hier muss es ja immer so abgeändert werden, dass nicht der Judowurf oder vom Takewando der Schlag, oder der Fußtritt des Judo oder Takewando dem Zuschauer ins Auge springt. Muss schon ein bißchen vertuscht und kaschiert werden. Wir machen hier ja kein Kampfsport auf der Bühne.

Verletzungen auf der Bühne?

-- Dreimal Nasenbeinbruch und Armbruch.

Lieblingsrolle?

--Die war HALBBLUT und in den Anf�ngen  im "Silbersee" der "GROSSE WOLF".

Kostüme und Maske - was bedeutet Dir das?

--Ist einfach um etwas darzustellen zu können und zu wollen. Wenn ich gleich auf´s Pferd gehe, bin ich nicht mehr "Papen Meinolf" oder Meinolf Pape. Kaum ansprechbar, sondern nur noch Häuptling. - Fertig! Man weiß, dass man aggressiver reagieren muss  jetzt! Das geht ins Gefühl über.

Lampenfieber?

--Ja! Das eigentliche "Fieber", das einen richtig durchschüttelt, wo die Knie noch weich sind, das geht so ungefähr bis zur 20. Vorstellung. Wo man im Vorfeld schon, lange bevor das Spiel anfängt, "rappelt". Danach wird man ruhiger, sicherer. Es kommt aber in kurzen Abschnitten vor den Auftritten wieder vor, das der "Rappel" kommt. Lampenfieber, da bin ich einer der Gefährdesten. Bis die ersten Sätze raus sind, das erste Bild...

Hast Du eine Methode dagegen?

Das ich hier vor dem Spiel sitze. Auch wenn ich zu meinem Auftritt reite, wenn Pausen dazwischen sind, dann erzähl´ ich mir immer was. Also, das heißt meinen Text. Manche meinen auch, man guckt immer böse, aber dann befasst man sich erst mal mit sich selbst.

Du warst schon öfters in Amerika. Konntest Du dort Eindrücke für Deine Rollen sammeln?

--Ich habe solche und solche Bilder gesehen. Man sieht immer das Positive und das Negative. Und das Negative hat mich schwer belastet, da komm´ ich heut´ noch schwer mit zurecht. Wenn man außerhalb in die Indianer-Reservate kommt, z.B. Navajo - Reservation ist in Galoup oder geht durch den Ort und sieht da alle paar Meter über den Bürgersteigen die armen Indianer einhervegetieren. Vollgepumpt mit Alkohol, bis oben hin, Männlein wie Weiblein. Dann wird abends die Straße von der Polizei abgeräumt, denn das sieht ja nicht so gut aus. Oder man geht in einen Supermarkt und sie liegen davor und sind abgefüllt. Gott sei Dank hat sich das Anfang der 90er Jahre geändert. Jetzt sieht´s man nicht mehr so stark. Da hat sich irgendetwas getan.

Hobbys?

--Ich lese gerne, spiele gerne Tennis und dann noch die Sportarten, die ich sowieso hier oben gebrauchen kann. Und natürlich Reiten. Ich bin jedes Wochenende unterwegs. Also, das nähere Sauerland kenne ich so genau, weil ich alles mit dem Pferd abgegrast habe. Dabei lernt das Pferd was, ich lern´ was dabei und wir sind zusammen.

Elspe Festival und Deine Arbeit als Schweißer. Bleibt da noch Zeit für Privatleben? Würdest Du sagen, dass es manchmal zuviel wird?

--Ne. ne. Das ist mein tägliches Brot und eine Versicherung, falls ich mal die "Federhaube nicht mehr tragen kann" oder "oben" nicht mehr gebraucht werde. Dafür ist das gedacht. Meine Frau ist berufstätig. Also, wir sehen uns sowieso erst abends.

Wie bist Du darauf gekommen Deine Haare lang zu tragen?

--Damit fühlt man sich einfach sicherer und ich habe gern´ lange Haare. Ich hatte lange Haare, aber meine Naturhaarfarbe. Da hat mich der Regisseur 1973 gefragt, ob ich die nicht dunkler machen würde. Und ich hab´ dann zugestimmt und seit dem ist das so. Wird immer ein bißchen "Teer" nachgelegt und dann ist die Sache in Ordnung. Ist nicht naturschwarz. In Elspe würde mich keiner mehr erkennen, wenn ich mit meiner Naturfarbe käme. Im Herbst kommen sie runter. Mal mehr, mal weniger. Da kommen die Haare ab und dann lass´ ich sie wieder wachsen, für die nächste Saison.

Verträgst Du Kritik?

--Ja, sicher. Da lebt man ja von. Da lernt man auch von.

Fühlst Du Dich als "Star"?

--Nein! Um Himmels Willen! Nein! -Ich bin froh, wenn ich mit jedem sprechen kann. Bin ein kontaktfreudiger Kerl. Wenn jemand eine Frage hat - bitte. Bin immer da, wenn´s eben geht.

Angst?

--Ich habe vor manchem Angst. Ich musste schießen, als Winnetou zum Beispiel. Hab´ ich Angst vor. Ich hab´ mich, als ich zur Bundeswehr musste, immer vor´m schießen gedrückt. Dieses laute kann ich nicht haben. Grosse Feste, wo viele Leute sind, da gehe ich eigentlich nicht gerne hin. Wenn ich jetzt in eine Wirtschaft zum Essen gehe, bin ich durchnass geschwitzt, bis ich in dem Lokal bin. Alle sagen mir: "Guck´ mal", auf der Bühne, "da unten sitzen 4000 Zuschauer. "- Da sag ich: "Da geh´ ich doch nicht durch, oder so." Das ist etwas ganz anderes. Ich seh´ die Leute nicht. Als meine Mutter da unten saß und am Schluss fragte: "Hast du mich denn nicht gesehen?" Da sagte ich: "Mutti, ich sehe überhaupt niemanden. Da kannst du in der ersten Reihe sitzen, da seh´ ich dich nicht." Das ist dann ein Zufallstreffer, dass man sich hindreht und guckt. Es wird dir nur bewusst, wenn du dich abwendest, dass du jemanden erkannt hast.

Aber was ist mit den SALOONABENDEN?

--Hier bin ich zu Hause!!!

Worüber kannst Du Dich freuen und lachen?

--Ich kann über alles lachen. Also, wenn wir so unter uns sind, wir machen ja auch Scherze, so ist´s nicht. Man ist nicht nur der "Konzentrationsbolz". Da gibt es schon immer was zu lachen. Ich brauche das. - Freuen kann ich mich z.B. wenn beim Kampf alles klappt, zum Spiel alles klappt. Also alles, was so gute Seiten sind.

Was ein richtiger Indianer ist, der reitet ohne Sattel ?

-Ja, auf jeden Fall. Da fühlt man sich wohler und bekommt die Bewegung des Pferdes mit.Man kann sich besser austausen mit dem Tier, weil man dann näher dran ist.Und das Gefühl dafür entwickelt und gibt ein anderes Verständnis.

Könnte man sagen, Sie sind ein Indianer des Sauerlandes?

-Joh, könnte man so sagen.Das bringt allein die Zeit mit. Wenn man so durch´s Dorf geht, wird man nicht Meinolf oder Pape gerufen (lacht). Dann wird man Häuptling gerufen.

Haben Sie nach 45 Jahren noch Lampenfieber?

-Lampenfieber ist zuviel gesagt, aber eine gewisse Anspannung ist da. Und das ist immer bis zu den ersten Textzeilen. Dann ist das Normalität.

Nach der Vorstellung: Wie fühlen Sie sich? geschafft?

-Nein, gut! Bin wach geworden, bei der ganzen Sache hier. So ungefähr. (lacht)

 

 

 

 



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