gegenwartsbezugii

Zurück

In der Geschichte der „Antigone“ finden sich viele Konflikte die auch heute noch Gültigkeit haben. Wir haben versucht drei davon zu thematisieren.

 

 

Konflikt Mann – Frau

Hierzu Ausschnitte eines aufgegriffenen Gespräches:

 

Antigone ist im doppelten Sinne ein politisches Stück. Einmal ist das Thema eines, das wir als 'politisch' bezeichnen. Es geht um die Gründung eines neuen Staates mit neuen Regeln, um die Diskussion, inwieweit ein Staat sich auf Traditionen und Werte oder aber ganz neu gründen sollte. Darüber hinaus ist es politisch, weil jedes Theaterstück ein politisches ist. Denn jede Aufführung im Theater - auch wenn die Leute, die sie verantworten, behaupten, dass sie kein politisches Theater machen - ist politisch.

Eine Terroristin war die Antigone in den 60er / 70er Jahren. Hier gab es eine Reihe von Interpretationen, in denen die Figur der Antigone mit Gudrun Ensslin oder Ulrike Meinhof verbunden wird. Eine Frau wehrt sich gegen den faschistischen Staat.

Antigone verkörpert nicht so sehr das Kämpferische, sondern mehr einen stillen, weiblichen Widerstand.

Es gibt auch diesen Eros-Monolog, in dem Kreon sagt: "Eros zerstört alles." Es geht um den Konflikt zwischen Eros und Ordnung. Mit "Eros" ist die Frau gemeint. Unsere Antigone ist eine Frau, die in der Nähe der Lulu, der Salome steht, die sehr erotisch ist und sehr gefühlsbetont denkt. Sie sagt in der großen Auseinandersetzung mit Kreon: "Glaube nicht, dass du mir Angst gemacht hast." Das heißt, sie reagiert sehr instinktiv und gefühlsbetont und handelt aus diesem ganz starken, unmittelbaren Gefühl. Genau diese Art von weiblichem Widerstand ist für Kreon das Schlimmste. Das Denken Kreons gibt es auch noch heute, in unserer Gesellschaft: der Mann teilt die Frauen ein in die rote und die weiße Frau - die Hure und die Heilige. Wenn dann eine Person in der Öffentlichkeit auftaucht wie z.B. Marilyn Monroe, die plötzlich etwas sehr Intelligentes macht, ist das nicht einzuordnen.

Interessanterweise nehmen die Frauen dieses Stück anders auf als die Männer. Die Männer übernehmen es so wie Kreon. Sie haben Vorbehalte gegen eine Antigone, die so frei, so provokant, so weiblich, kindlich, fröhlich und spontan ist. Sie haben Schwierigkeiten, weil in ihrer Vorstellung die Antigone eher die Heilige, die Strenge ist.

Konflikt der Generationen…

am Beispiel eines privaten Gedankengangs des münchener Neurophysikers

Helge Vogel.

 

Schon eine komische Sache mit dem oft heraufgebeschworenen Konflikt zwischen den Generationen, also zwischen Jung und Alt, zwischen Jetzt und Damals geboren, zwischen Mutter und Tochter, oder Vater und Sohn, also so irgendwie zwischen Jedem und Allem. Meist liest oder hört man davon, von den Erwachsenen, wenn’s irgendwo Probleme gibt, für die die Lösung zwar offensichtlich auf der Hand liegt, aber leider vom verknöcherten Gehirn nicht erfasst wird.

Also wird dieses Phänomen oft als billige Ausrede hergenommen, um nur ja nicht gegenüber den Jungen zugeben zu müssen, dass man als Alter schon den Geistigen Horizont erreicht hat. Aber auch umgekehrt, kaum haben Vati oder Mutti mal Hormonschwankungen, was ganz normal ist in einem bestimmten Alter, und wollen nicht so, wie sie sollen, dann kann man schon auch von der Jungen Fraktion (hat nichts mit den alten Säcken der Jungen Union zu tun) hören, dass mit den Alten nicht auszukommen ist.

Um das Phänomen einzukreisen und schließlich die Wurzel des Übels zu finden, muss noch versucht werden ein paar Begriffe zu erklären.

Was ist schon jung? Vielleicht noch am einfachsten zu Erklären und zu Definieren, halt alles was noch nicht alt ist.

Rein biologisch gesehen, bei den Menschen irgendwie zwischen 0 und 18, kann man aber nicht unbedingt verallgemeinern. Jeder kennt doch sicherlich den Streberarsch von nebenan, der ganz und gar nicht zu den Kids um ihn herum passt, und der selbst ungeduldig darauf wartet so alt zu werden, dass er offiziell dazu gehört, zu den alten Säcken. Endlich ein Ende des ausgeschlossen sein und der ständigen Arschtritte von den gleich alten, bzw. den jüngeren. Bleibt hier nur zu wünschen, dass die Rechnung aufgeht, sonst war es schon ziemlich Madig, das kurze Dasein hier auf diesem Planeten. Spaßfaktor gab es ja dann bis dahin eher nicht und mir erscheint auch keiner mehr zu kommen.

Also die Biologie, so schön sie auch sein mag, hilft hier leider doch wenig weiter. Eher schon beim Erklären von Alter. "Wenn die Kräfte schwinden und die Säfte stinken", könnte aber auch einfach nur eine fiese Krankheit sein oder ein beschissener Unfall, da kenne ich mich leider gerade gut aus, ist aber ein anderes Thema.

Ne, also so richtig ist das nichts mit der Biologie, wie denn auch, wenn man es sogar in der Schule lernt. Eine andere Erklärung muss her, vielleicht das Gesetz. Da gibt es ja viele Paragraphen, die sich mit der Frage beschäftigen, was Jung und was Alt ist.

Alle unter 14 sind so ziemlich das jüngste Gemüse, das wir kennen. So jung, dass es in zivilisierten Staaten, wie unserem, aber, z.B. nicht in den USA, überhaupt nicht in Konflikt gerät. Natürlich nur mit dem Gesetz, sonst wäre ja das ganze Thema ein Scheiß. Dann gibt’s noch eine spezielle Gruppe, die sich zwischen 14 und 18 befindet, also nicht so ganz jung aber auch noch nicht alt. Bei Bedarf und unter ermessen des hoffentlich gnädigen Richters wird diese Zeitspanne auch mal auf 21 angehoben. Hier gibt’s dann schon des Öfteren ordentliche Konflikte zwischen den alten Gesetzesschreibern und den jungen unwilligen Gesetzlosen. Hier dreht man sich aber schnell im Kreis mit den Überlegungen, was zuerst da war, die Gesetze oder die Gesetzlosen, und nachdem die Gesetze auch für alle ohne Generationenkonflikt gelten, kommt man hier nicht wirklich voran.
Da bleiben also nicht mehr viele Ansatzpunkte. Religion vielleicht. Auch so eine Art Grundgesetz für alle Lebenslagen. Alle, die die etwas blutigen und rauen Auseinandersetzungen um die Religion des jungen Nazarener kennen, wissen doch im Grunde auch, dass hier ein gewaltiger Generationenkonflikt schwelte, der schließlich ultimativ mit Kreuzigung á La "Das Leben Des Brian" geendet hat. Leider gab es hier auch keine ausreichende Erklärung mehr für den Generationenkonflikt. Außer dem wohl einzigen markanten Ausspruch des Alten, der mir in Gedanken geblieben ist: "Seid fruchtbar und Mehrt Euch" steht ein Eindeutiges "Liebt Euch" des Jüngeren. Wer nicht unbedingt das ganze Geld und seine komplette Freizeit den Früchtchen der Liebe opfern will, der wird wohl eher zur Liebe (und Kondom) greifen. Spaßfaktor inklusive. Aber auch dies wäre ein lohnendes weiteres Thema zum zerbröseln

Aber in den beiden genannten Sätzen, den Standpunkten von Vater und Sohn, die eigentlich auf den ersten Blick sehr ähnlich sind, aber natürlich für jeden, der schon mal Windeln gewechselt hat, grundsätzlich unterschiedlich sind, steckt die Erklärung für den Generationenkonflikt (das Thema).

Es muss für einen ordentlichen Generationskonflikt ein Generationsverhältnis vorliegen. Die Ursache des Konflikts steht in unmittelbaren Zusammenhang mit diesem Verhältnis. Es ist der Geburtsschmerz bei der Mutter und beim Vater der Zeugungsschmerz! Unterstützt durch die maßlose Ausschüttung von entsprechenden Hormonen, die bis zum Lebensende ausreichen.

Gestützt wird diese These dadurch, das bisher von keinem berichtet wurde, der einen Generationenkonflikt hatte, ohne das er Eltern hat.

 

Konflikt Individuum Gesellschaft

 Eigentlich finde ich, dass alle Konflikte der Antigone eine große Aktualität vorweisen. Das Zusammenleben der Menschen hat sich seid Sophokles’ Zeiten wohl nicht sehr Stark verändert! 

Der Konflikt zwischen Individuum und Gesellschaft:  Die zentrale Frage ist wohl, was sind meine eigenen Meinungen/Wertvorstellungen, was gibt die Gesellschaft vor, und sind meine Wertvorstellungen von der Gesellschaft vorgegeben? Ich denke, Antigone ist stark geprägt vom Glauben und von der Isolierung ihrer Familie durch ihr Schicksal, dadurch gewinnt ihre Familie einen sehr hohen Stellenwert. Doch auch ihre Grundwerte sind stark vom kulturellen Umgang, sprich der Erziehung geprägt. Der Konflikt, Gesellschaft/Individuum wird noch schwieriger weil der Einzelne immer ein Teil des Ganzen ist und durch verschiedene Faktoren (Geld, Versicherungen etc.) an die Gesellschaft gebunden ist Unsere Werte und Ansichten sind meistens vom System vorgegeben. Was sicherlich überlebenswichtig für die Menschheit an sich, schon in frühster Vergangenheit war. Ein Individuum in der Gegenüberstellung mit der Gesellschaft kann man nur sein, wenn sich völlig vom System abkapselt, was ungleich schwer und mit heutigem Luxusbedarf nahezu unmöglich ist.          

Aus der Abschlussarbeit der Sophokles-Epoche von Leon

 

Dazu noch ein Link zu einer Abhandlung über dieses Thema Georg Simmels

 

http://socio.ch/sim/gs174.htm

 

 

 



Kostenlose Homepage von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!