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Lyrik


Nimm dir die Zeit, um freundlich zu sein;
Nimm dir die Zeit, um zu arbeiten;
es ist der Preis des Erfolgs.
Nimm dir die Zeit, um zu nachzudenken;
es ist die quelle der Kraft.
Nimm dir die Zeit, um spielen;
es ist das Geheimnis der Jugend.
Nimm dir die Zeit, um zu lesen;
es ist die Grundlage des Wissens.
es ist das Tor zum Glücklichsein.
Nimm dir die Zeit, um zu träumen;
es ist der Weg zu den Sternen.
Nimm dir die Zeit, um zu lieben;
es ist die wahre Lebensfreude.
Nimm dir die Zeit, um froh zu sein;
es ist die Musik der Seele.
aus Irland

Stiller Weg
Augenblicke sich verlieren,
Ganz allein sein mit der Zeit,
die monemte einfach spüren,
Mitten in der Einsamkeit!
Mit sich die Gedanken tauschen,
In Besinnung ich zu sein,
Einer Stunde still zu lauschen,
Von den Zwängen sich befrein!
Einmal stille Einkehr halten,
Auf den Frieden hier vertraun,
So noch Trost und Einsiht walten
Eine neue Hoffnung baun!
Wolfgang Burmester

Herstbild

Dies ist ein Herbsttag,
wie ich keinen sah!
Die Luft ist still,
als atmete man kaum,
und dennoch fallen raschelnd,
fern und nah,
die schönste Früchte
ab von jedem Baum.
O stört sie nicht,
die Feier der Natur!
Dies ist die Lese,
die sie selber hält,
Denn heute löst sich von Zweigen nur,
was vor dem milden Strahl der Sonne fällt.
Friedrich Hebbel


Herbst
Wir alle fallen.
Diese Hand da fällt.
Und sieh der andre an:
es ist in allen.
Und doch ist Einer,
welcher dieses Fallen
unendlich sanft in
seinen Händen hält.
Rainer Maria Rilke


Winternacht
Vor Kälte ist die erstarrt,
Es kracht der Schnee von meinen Tritten.
Es dampft mein Hauch,
er klirrt mein Bart:
Nur fort, nur immer fortgeschritten!
Wie feierlich die Gegend schweigt!
Der Mond bescheint die alten Fichten.
Die, sehnsuchsvoll zum Tod geneigt,
Den Zweig zurück zur Erde richten.
Frost! friere mir ins Herz hinein
Tief in das heißbewegte, wilde!
Das einmal Ruh mag drinnen sein,
Wie hier im nächtlichen Gefilde.
Nicolaus Lenau



Wenn die Lichter der Menschen verlöschen
und der Lärm der Welt verstummt,
dann sehen wir die Sterne in der Nacht,
die wir noch nie gesehen haben.
Wenn es noch dunkler wird, leuchten sie.
Hoffnung ist da,ein Ausweg, denn du siehst weiter.
Du schaust wieder nach oben.
Phil Bosmans

Nicht, dass von jedem Leid verschont Du mögest bleiben,
noch, dass dein künft'ger Weg stets Rosen für Dich trage
und keine bittere Träne über Deine Wangen komme
dies alles, nein, das wünsche ich Dir nicht!
Mein Wunsch für Dich ist vielmehr dieser:
dass dankbar Du und allezeit bewahrst in Deinem Herzen
die kostbare Erinnerung der guten Ding' in Deinem Leben;
Dass mutig Du stehst in Deiner Prüfung,
wenn hart das Kreuz auf Deinen Schultern liegt
und wenn der Gipfel, den es zu ersteigen gilt,
ja selbst das Licht der Hoffnung zu entschwinden droht;
Dass jede Gottesgabe in Dir wachse
und mit den Jahren sie Dir helfe,
die Herzen froh zu machen, die Du liebst;
Dass immer einen wahren Freund Du hast,
der Freundschaft wert, der Dir Vertrauen gibt,
wenn Dir's an Licht gebricht und Kraft;
Dass Du dank ihm den Stürmen standhältst
und so die Höhen doch erreichst.
Altirischer Segenswunsch

Hoffnung

Es reden und träumen die Menschen viel
von bessern künftigen Tagen;
nach einem glücklichen, goldenen Ziel
sieht man sie rennen und jagen.
Die Welt wird alt und wird wieder jung,
doch der Mensch hofft immer Verbesserung.
Die Hoffnung führt ihn ins Leben ein,
sie umflattert den fröhlichen Knaben,
den Jüngling locket ihr Zauberschein,
sie wird mit dem Greis nicht begraben;
denn beschließt er im Grabe den müden Lauf,
noch am Grabe pflanzt er - die Hoffnung auf.
Es ist kein leerer, schmeichelnder Wahn,
erzeugt im Gehirne des Toren,
im Herzen kündet es laut sich an:
zu was Besserm sind wir geboren.
Und was die innere Stimme spricht,
das täuscht die hoffende Seele nicht.
Friedrich Schiller

Das Geheimnis der Wüstenrose

Verwirf die Rose nicht! Sogar wenn du über ihr
weinst,
wird sie dereinst erblühen.
Und so verhält es sich auch mit der Weisheit
von der Bestimmung unseres Lebens.
Jetzt glaubst du, daß du betrogen bist. Und du denkst,
daß alles Gute,
wofür du jemals einstehen wolltest,
verloren ging für alle Zeit.
Doch hab Geduld, es ist ein Gleichnis Gottes,
für jene die Weisheit erfahren wollen.
Möchtest du es lernen, die Botschaft der Rose zu
vernehmen?...."
Das couragierte Mädchen
aus der komischen Oper "Die Jagd"

Als ich auf meiner Bleiche
ein Stückchen Garn begoß,
da kam aus dem Gesträuche
ein Mädchen atemlos.
Das sprach: Ach, ach Erbarmen!
Steht meinem Vater bei!
Dort schlug ein Fall dem Armen
das linke Bein entzwei.
Mitleidig, ach, verweilte
ich keinen Augenblick.
Ich lief ihr zu, da eilte
sie ins Gebüsch zurück.
Kaum war ich drin, so kamen
zwei Ritter mit dem Schwert,
ergriffen mich und nahmen
mich mit Gewalt aufs Pferd.
So sehr ich schrieb und weinte,
so ließ man mich nicht los
und bracht, eh ichs vermeinte,
mich auf des Grafen Schloß;
von da ward ich bald weiter -
es war schon finstre Nacht -
begleitet durch die Reiter,
ach, nach der Stadt gebracht.
Hier war der Graf. Mein Schreien
half nichts: durch jede Kunst,
durch Drohn und Schmeicheleien
warb er um meine Gunst.
Doch ward mein Haß nur größer,
und nun sperrt er mich ein,
und dies gefiel mir besser,
als seine Schmeichelein.
Mein Fenster ging in'n Garten.
Heut stand ich morgens früh,
die Sonne zu erwarten,
voll Kummer da, und sieh:
Ch.F.Weiss


Das Pförtchen an der Mauer
stand auf; gleich fiel mir ein,
obgleich mit manchem Schauer,
mich hurtig zu befrein.
Gedacht und auch geschehen!
Das Fenster war nicht hoch,
und, sicherer zu gehen,
nahm ich mein Bettchen noch;
das warf ich schnell hinunter,
ich sprang und sprang nicht tief,
worauf ich dann ganz munter
auf und von dannen lief.


Christian Felix
Weisse
Die Mücke
Des Lichtes Glanz in dunkler Nacht
Reizt einer Mücke unbedacht:
Sie spielt und nimmt nicht die Gefahr,
Die ihr das Leben kostet, wahr.
O ladet mich der goldne Schein
Der Wollust dieses Lebens ein:
So denke stets mein Herz daran,
Wie leicht ihr Reiz verderben kann!
1767
Karl Böhm

Es muß [was]1
Wunderbares sein
Ums Lieben zweier Seelen,
Sich schließen ganz einander ein,
Sich nie ein Wort verhehlen,
Und Freud und Leid und Glück und
Not
So mit einander tragen;
Vom ersten Kuß bis in den Tod
Sich nur von Liebe
sagen.

Goethe
An Lida
Den Einzigen, Lida, welchen du lieben kannst,
Forderst du ganz für dich, und mit Recht.
Auch ist er einzig dein.
Denn seit ich von dir bin,
Scheint mir des schnellstens Lebens
Lärmende Bewegung
Nur ein leichter Flor, durch den ich deine Gestalt
Immerfort wie in Wolken erblicke:
Sie leuchtet mir freundlich und treu,
Wie durch des Nordlichts bewegliche Strahlen
Ewige Sterne schimmern.


Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur, balde
Ruhest du auch.
Abendlied
Über allen Gipfeln
Ist Ruh,
In allen Wipfeln
Spürest du
Kaum einen Hauch;
(1780)

An Luna
Schwester von dem ersten Licht,
Bild der Zärtlichkeit und Trauer!
Nebel schwimmt mit Silberschauer
Um dein reizendes Gesicht;
Deines leisen Fußes Lauf
Weckt aus tagverschloßnen Höhlen
Traurig abgeschiedne Seelen,
Mich und nächtge Vögel auf.
Forschend übersieht dein Blick
Eine großgemeßne Weite.
Hebe mich an deine Seite!
Gib der Schwärmerei dies Glück,
Und in wollustvoller Ruh
Säh der weitverschlagne Ritter
Durch das gläserne Gegitter
Seines Mädchens Nächten zu.
Des Beschauens holdes Glück
Mildert solcher Ferne Qualen,
Und ich sammle deine Strahlen
Und ich schärfe meinen Blick;
Hell und heller wird es schon
Um die unverhüllten Glieder,
Und nun zieht sie mich hernieder,
Wie dich einst Endymion.


Das Beste
Wenn dirs in Kopf und Herzen schwirrt,
Was willst du Beßres haben!
Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt,
Der lasse sich begraben.


Das Veilchen (Fialka)
Ein Veilchen auf der Wiese stand,
Gebückt in sich und unbekannt;
Es war ein herzigs Veilchen.
Da kam eine junge Schäferin
Mit leichtem Schritt und munterm Sinn
Daher, daher,
Die Wiese her, und sang.
Ach! denkt das Veilchen, wär' ich nur
Die schönste Blume der Natur,
Ach, nur ein kleines Weilchen,
Bis mich das Liebchen abgepflückt
Und an dem Busen matt gedrückt!
Ach nur, ach nur
Ein Viertelstündchen lang!
Ach! aber ach! das Mädchen kam
Und nicht in acht das Veilchen nahm;
Ertrat das arme Veilchen.
Es sank und starb und freut' sich noch:
Und sterb' ich denn, so sterb' ich doch
Durch sie, durch sie,
Zu ihren Füßen doch.

Die Bekehrte

Bei dem Glanze der Abendröte
Ging ich still den Wald entlang,
Damon saß und blies die Flöte,
Daß es von den Felsen klang,
So la la!
Und er zog mich, ach, an sich nieder,
Küßte mich so hold, so süß.
Und ich sagte: Blase wieder!
Und der gute Junge blies,
So la la!
Meine Ruhe ist nun verloren,
Meine Freude floh davon,
Und ich höre vor meinen Ohren
Immer nur den alten Ton,
So la la, le ralla!

Die schöne Nacht

Nun verlaß ich diese Hütte,
Meiner Liebsten Aufenthalt,
Wandle mit verhülltem Schritte
Durch den öden, finstern Wald.
Luna bricht durch Busch und Eichen,
Zephir meldet ihren Lauf,
Und die Birken streun mit Neigen
Ihr den süßen Weihrauch auf.
Wie ergötz ich mich im Kühlen
Dieser schönen Sommernacht!
O wie still ist hier zu fühlen,
Was die Seele glücklich macht!
Läßt sich kaum die Wonne fassen!
Und doch wollt ich, Himmel, dir
Tausend solcher Nächte lassen,
Gäb mein Mädchen Eine mir.


Ch. F. Weiss
Der bescheidene Schäfer
Mein Schäfer,
ach! der ist bescheiden!
Er liebt mich, zärtlich, zärtlich
liebt er mich!
Der Innbegriff von seinen
Freuden,
sagt er mir öfters, sei nur ich, nur
ich:
Doch ist er allezeit bescheiden.
Jüngst ließ die Mutter uns
alleine:
Was denkst du, ist alsdann
geschehn?
Da stand er starr gleich einem
Steine,
guckt in den Hut und wollte gehn,
und ach! und ach! wir waren ganz,
ganz alleine.


Philint stand jüngst vor Babetts Tür
Und klopft' und rief: »Ist niemand
hier?
Ich bin Philint! Laßt mich
hinein!«
Sie kam und sprach: »Nein, nein!«
Er seufzt' und bat recht
jämmerlich.
»Nein«, sagte sie, »ich fürchte
dich;
Es ist schon Nacht, ich bin
allein:
Philint, es kann nicht sein!«
Bekümmert will er wieder gehn,
Da hört er schnell den Schlüssel
drehn;
Er hört: »Auf einen Augenblick!
Doch geh auch gleich zurück!«
Die Nachbarn plagt die Neugier
sehr:
Sie warteten der Wiederkehr;
Er kam auch, doch erst morgens
früh.
Ei, ei! Wie lachten
sie!


Der Zauberer
Ch. F. weiss
Ihr Mädchen, flieht Damöten ja!
Als ich zum erstenmal ihn sah,
Da fühlt' ich, so was fühlt' ich
nie,
Mir ward, mir ward, ich weiß nicht
wie,
Ich seufze, zitterte, und schien
mich doch zu freu'n;
Glaubt mir, er muß ein Zaub'rer
sein.
Sah ich ihn an, so ward mir heiß,
Bald ward ich rot, bald ward ich
weiß,
Zuletzt nahm er mich bei der
Hand;
Wer sagt mir, was ich da empfand?
Ich sah, ich hörte nichts,
Sprach nichts als ja und nein;
Glaubt mir, er muß ein Zaub'rer
sein.
Er führte mich in dies Gesträuch,
Ich wollt' ihm flieh'n und folgt'
ihm gleich;
Er setzte sich, ich setzte mich;
Er sprach, nur Sylben stammelt'
ich;
Die Augen starrten ihm, die meinen
wurden klein;
Glaubt mir, er muß ein Zaub'rer
sein.
Entbrannt drückt' er mich an sein
Herz,
Was fühlt' ich Welch ein süßer
Schmerz!
Ich schluchzt', ich atmete sehr
schwer,
Da kam zum Glück die Mutter her;
Was würd', o Götter, sonst nach so
viel Zauberei'n,
Aus mir zuletzt geworden sein!


Der Kuss
Ich war bei Chloen ganz allein,
Und küssen wollt ich sie:
Jedoch sie sprach :sie würde schrein,
Es sei vergebne Müh!
Doch wagt ich es, und küßte sie,
Trotz ihrer Gegenwehr.
Und schrie sie nicht? Ja wohl, sie schrie,
Doch lange hinterher.
Christian Felix Weisse


Wenn im Sommer der rote Mohn
wieder glüht im gelben Korn,
wenn des Finken süßer Ton
wieder lockt im Hagedorn,
wenn es wieder weit und breit
feierklar und fruchtstill ist,
dann erfüllt sich uns die Zeit,
die mit vollen Massen misst.
Dann verebbt, was uns bedroht,
dann verweht, was uns bedrückt,
über dem Schlangenkopf der Not
ist das Sonnenschwert gezückt.
Glaube nur, es wird geschehn!
Wende nicht den Blick zurück!
Wenn die Sommerwinde wehn,
werden wir in Rosen gehn,
und die Sonne lacht uns Glück!
Otto Bierbaum
Schöne Grüsse aus Österreich schickt Dir Oskar
