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Inhalt

Was ist Diabetes Mellitus

Diabetes Typ 1 und Typ 2

 

Blutzuckerselbstkontrolle

 

„Normale“ Werte

 

Unterzuckerung  (Hypoglykämie)

 

Überzuckerung   (Hyperglykämie)

 

Was ist der „HbA1cWert“?

 

Risiken / Spätschäden

 


Was ist Diabetes Mellitus ?

Kurzer geschichtlicher Überblick 

Das Wort "Diabetes mellitus" kommt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie "honigsüßer Durchfluß". Bereits 100 n. Chr. wurde von ARETAIOS geschrieben: "Der Diabetes ist eine rätselhafte Erkrankung". Diese Aussage gilt letztendlich auch heute noch, da noch Iängst nicht alle Fragen der Diabetesentstehung, aber auch vor allem der Entstehung der Folgeerkrankungen geklärt sind. Im 17. Jahrhundert war erstmalig von Thomas WILLIS der honigsüße Geschmack des Urins beschrieben worden. Das "Schmecken" des Urins eines Patienten diente dem Arzt früherer Zeiten zur Diagnose des Diabetes mellitus. 1889 fand PAUL LANGERHANS erstmalig "Inseln" im Bauchspeicheldrüsengewebe, deren Bedeutung er jedoch noch nicht erkennen konnte.

MERING und MINKOWSKI erzeugten 1889 erstmalig tierexperimentell einen Diabetes mellitus durch Entfernung der Bauchspeicheldrüse. 1921 gelang es den Forschern BANTING und BEST Insulin aus Bauchspeicheldrüsengewebe zu gewinnen und einem Hund zu injizieren. 1922 konnte der erste Diabetiker mit Insulin behandelt werden. 1960 wurde die Struktur des menschlichen Insulins analysiert, 1976 gelang die erste chemische Umwandlung von Schweineinsulin in Humaninsulin, und 1979 wurde erstmalig Humaninsulin gentechnologisch vollsynthetisch hergestellt.

 

Wesen der Erkrankung   

Der Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselstörung, bei der entweder kein eigenes Insulin mehr gebildet wird (Typ I) oder das an sich genügend vorhandene Insulin nicht genügend freigesetzt werden kann oder aufgrund einer Zellverwertungsstörung nicht richtig zur Wirkung gelangt (Typ II). Das Insulin wird in der Bauchspeicheldrüse (= Pankreas) des Menschen gebildet. Diese liegt unmittelbar vor der Wirbelsäule hinter dem Magen und erstreckt sich von der Milz bis in die Schleife des Zwölffingerdarms. Sie ist 70-100 g schwer und bildet täglich ½ -1 ½ Liter Bauchspeichel neben Insulin und anderen Hormonen. Der Bauchspeichel ist wichtig für die Fettverdauung, aber auch für die Aufspaltung der Kohlenhydrate und die Aufbereitung von Eiweiß.

Die eigentlichen insulinbildenden Zellen, die sogenannten Langerhansschen Inseln oder auch Betazellen, liegen inselartig gruppiert über das gesamte Organ verteilt. Da diese Zellen von ihrem Entdecker als "Inseln" beschrieben wurden, bezeichnete man das von ihnen produzierte Hormon als Insulin. Ein gesunder Erwachsener hat ca. 1 Million solcher Inselzellen, die zusammen 1 - 2 g wiegen. Neben den Betazellen, die das Insulin bilden, gibt es in der Bauchspeicheldrüse noch die sogenannten Alphazellen, die das Gegenspielerhormon des Insulins - das Glucagon - herstellen. Das Insulinmolekül ist ein Eiweiß, das aus zwei Aminosäureketten besteht. Insulin hat eine zentrale Rolle im Stoffwechsel des Menschen. Es bewirkt hauptsächlich, daß die Gewebe Zucker aufnehmen und verbrennen können.

Der Zucker wird z.B. im Muskel zur Energiegewinnung benötigt. Ohne Energie können die Organe ihre Aufgabe nicht erfüllen (z. B. der Muskel nicht arbeiten). Insulin wirkt daneben aber auch auf den Fetthaushalt. Außerdem hat Insulin eine Bedeutung im Eiweißhaushalt. Es sorgt dafür, daß die Zellen die Aminosäuren (= Bausteine der Eiweißherstellung) erhalten und weiterverarbeiten können. Stellt man sich in einem Modell die Körperzellen als kleine Häuser vor, die eine Eingangstür mit einem Schloß besitzen, so ist Insulin quasi als Schlüssel anzusehen, der die Eingangstür aufschließen muß, bevor die Energie als Glucose (= Traubenzucker) in die Körperzellen, also in die Häuser, gelangen kann.

 

1. Typ 1 und Typ 2 Diabetes  

Typ I Diabetes, der früher auch der jugendliche Diabetes, und Typ 2 Diabetes, der früher auch Altersdiabetes genannt wurde, sind von ihrer Entstehung her ganz unterschiedliche Erkrankungen, die lediglich eine Gemeinsamkeit haben: Bei beiden ist der Blutzucker erhöht. Diese Erhöhung des Blutzuckers ist für die gleichen Folgeerkrankungen verantwortlich. Während der Typ 1 Diabetes eine seltene Erkrankung ist, tritt der Typ 2 Diabetes häufig auf. In Deutschland leben ca. 150000 200000 Typ 1 Diabetiker, jedoch ca. 5 Millionen Typ 2 Diabetiker. Man weiß heute, dass Typ 1 und Typ 2 Diabetes in allen Altersgruppen auftreten kann,

wenngleich der Typ 1 Diabetes meistens vor dem 40.

Lebensjahr und der Typ 2 Diabetes meist erst nach dem 40. Lebensjahr in Erscheinung tritt.

a) Typ 1 Diabetes

Als Ursache des Typ 1 Diabetes nimmt man heute ein Zusammenwirken von Erbfaktoren, Virusinfekt und sogenannter Autoimmunerkrankung an. Die Lokalisation der vererbten Merkmale ist bekannt, sie befinden sich auf dem kurzen Arm des Chromosoms Nr. 6 und gehen mit einer Häufung der humanen Leukozytenantigene HLA DR 3 und DR 4 einher. Nun gibt es aber viele Menschen, die diese Erbinformation besitzen, ohne jemals an Diabetes zu erkranken. Als möglicher auslösender Faktor bei entsprechender genetischer Veranlagung wird ein Virusinfekt wie z. B. durch Masern-, Mumps- oder Grippeviren angenommen. Dieser Virusinfekt löst eine sogenannte Autoimmunerkrankung aus, bei der der Körper Antikörper (= Abwehrstoffe) gegen körpereigenes Gewebe - in diesem Fall u. a. gegen die Inselzellen - bildet. Diese Antikörper werden deshalb auch Inselzellantikörper (= ICA) genannt. Im Rahmen der fortschreitenden Erkrankung kommt es schließlich zu einer völligen Zerstörung der insulinbildenden Zellen. Erst wenn ca. 80% der Betazellen zerstört sind, tritt die Erkrankung zum ersten Mal mit ihren typischen Anzeichen wie quälendem Durst, häufigem Wasserlassen, Gewichtsabnahme und Müdigkeit in Erscheinung. Zwischen Beginn der Erkrankung und Auftreten von Symptomen des Diabetes können Wochen, Monate oder auch Jahre vergehen. Häufig kommt es nach Auftreten der Symptome vorübergehend zu einem vermeintlichen Verschwinden des Diabetes, der Patient befindet sich dann in der Remissionsphase. Tatsächlich schreitet aber der Krankheitsprozess fort, bis schließlich alle Betazellen zerstört sind und kein Eigeninsulin mehr gebildet wird. Da beim Typ 1 Diabetiker also von Anfang an ein echter Insulinmangel bzw. später ein völliges Fehlen von Eigeninsulin vorliegt, muss sofort mit Insulin behandelt werden.

Der Typ 1 Diabetes mellitus wird mit einer Wahrscheinlichkeit von ca. 3%-5% von Mutter bzw. Vater auf die nachfolgende Generation vererbt. Sind beide Eltern Typ 1 Diabetiker, steigt das Risiko auf ca. 10% -25%. Geschwister von diabetischen Kindern haben ein Erkrankungsrisiko von mindestens 10%. Der Typ 1 Diabetes mellitus ist bis heute nicht heilbar. Versuche, bei noch vorhandener Restinsulineigenproduktion durch eine immunsuppressive Therapie, die Gabe von Insulin oder Nicotinamid (siehe Kapitel: Zukunftsperspektiven) den Krankheitsbeginn deutlich hinauszuzögern bzw. ganz zu verhindern, befinden sich noch im experimentellen Stadium. Auch die Erfolge der Bauchspeicheldrüsentransplantation bzw. neuerdings Inselzelltransplantation sind insgesamt noch nicht sehr ermutigend.

b) Typ 2 Diabetes

Die Ursache des Typ 2 Diabetes mellitus wird in einer angeborenen oder erworbenen Insulinunempfindlichkeit (= Insulinresistenz) gesehen. Diese Insulinunempfindlichkeit wird durch die in den Industrieländern allgemein vorkommende Überernährung mit nachfolgender Fettsucht verstärkt. Die Überernährung führt zu einem vermehrten Glucoseangebot. Wegen der Insulinunempfindlichkeit einerseits und dem Glucoseüberangebot andererseits muß der Körper mehr Insulin freisetzen, die Bauchspeicheldrüse muß verstärkt arbeiten. Diese Mehrarbeit führt auf lange Sicht zu einer Erschöpfung der Betazellen und bei entsprechender genetischer Veranlagung zum Auftreten eines Diabetes mellitus vom Typ 2. Andererseits bedingt der hohe Insulinspiegel im Blut auf Dauer eine Verminderung der sogenannten Insulinrezeptoren an der Körperzelle.

Insulin = Benzin, Insulinrezeptor = Motor, Zelle = Auto

hieße das, die Zahl des Benzins zu den einzelnen Autos nimmt ab und teilweise werden die vorhandenen Benzinleitungen zum Motor kein Benzin fördern, so dass die an sich in ausreichender Zahl vorhandenen Benzintanks kein Benzin mehr haben.

Eine gleiche Insulinverwertungsstörung findet man auch bei Nichtdiabetikern mit erhöhtem Blutdruck, so dass eine ähnliche genetische Veranlagung angenommen wird. Beim Typ 2 Diabetes unterscheiden wir den sogenannten Typ 2a (= den schlanken Typ II-Diabetiker mit tatsächlich vorhandenem relativen Insulinmangel) vom Typ 2b mit ausreichender Insulineigenproduktion und in erster Linie vorhandener Insulinverwertungsstörung durch Übergewicht. Die Einteilung in die Untergruppen ist wichtig, weil aufgrund der jeweiligen vorhandenen Störungen voneinander abweichende Therapiegrundsätze verfolgt werden. Der Typ 2b Diabetiker muss vor allem abnehmen, damit sein ausreichend vorhandenes Insulin wieder richtig zur Wirkung kommen kann. Unterstützend werden in der medikamentösen Therapie beim Typ 2b vor allem die sogenannten Biguanide (Präparat: Glucophage S / mite) und die Acarbose (Präparat: Glucobay) eingesetzt. Der Typ 2a zeigt durch die eingeschränkte Insulinabgabe der Betazellen einen relativen Insulinmangel. Hier werden Medikamente eingesetzt, die die Insulinabgabe fördern, die sogenannten Sulfonylharnstoffe (Präparat: Euglucon) bzw. eine Kombination von Sulfonylharnstoffen und Insulin. Der Typ 2 Diabetes hat ein Vererbungsrisiko von ca. 40% und ist bis heute nicht heilbar. Vom Typ 2 Diabetes abzugrenzen ist der sogenannte MODY- Diabetes, der mit 50-80% eine höhere Vererblichkeit aufweist. Bei dieser Diabetesform kommt es zum Auftreten eines 'Typ 2 Diabetes bereits im Jugendalter.

 

2. Pankreopriver Diabetes  

Wenn die Bauchspeicheldrüse zu großen Teilen oder gar vollständig ausfällt, so sind alle Funktionen geschädigt. Durch Mangel oder völliges Fehlen von Insulin kommt es zur diabetischen Stoffwechsellage. Darüber hinaus fehlt auch die Mithilfe bei der Verdauung, denn es fehlt ja der Bauchspeichel, der die Enzyme für die Fett- und Kohlenhydratverdauung enthält.

Die mit der Nahrung aufgenommene Energie kann dann nicht richtig verwertet werden. Die Nahrung wird z.T. unverdaut ausgeschieden. In der Therapie ist es daher wichtig, nicht nur das fehlende Insulin zu ersetzen, sondern auch Enzympräparate (Präparate: Kreon', Pankreon fortes) zu geben.

Die Ursache für den Ausfall der Bauchspeicheldrüse können sein:

  • Bauchspeicheldrüsenentzündungen, ausgelöst durch Alkoholmißbrauch, erhöhte Blutfette oder ein Gallensteinleiden
  • Operationen, bei denen wegen eines Unfalls oder Tumors die Bauchspeicheldrüse entfernt werden musste.  

Symptome der diabetischen Erkrankung  

Auch bei den Krankheitssymptomen muss wieder zwischen Typ 1 und Typ 2 Diabetes unterschieden werden. Der Typ 2 Diabetes kann am Anfang völlig beschwerdefrei verlaufen, so dass er oftmals "zufällig" diagnostiziert wird. Oft werden beim Augenarzt bereits Folgen einer Diabeteserkrankung am Augenhintergrund gesehen, die dann zur Diagnose "Diabetes mellitus" führen.

Je nach Ausmaß des vorhandenen Insulinmangels können jedoch auch mehr oder weniger deutliche Symptome gefunden werden, wie:

  • vermehrter Durst und vermehrtes Wasserlassen,
  • Gewichtsabnahme
  • Wadenkrämpfe
  • Sehstörungen.

Aufgrund des absoluten Insulinmangels sind die Symptome beim Beginn des Typ 1 Diabetes sehr viel heftiger. Oft kommt es bereits bei der Erstmanifestation aufgrund des Insulinmangels zu einer unvollständigen Fettverbrennung mit nachfolgender Übersäuerung des Blutes und ketoazidotischer Stoffwechsellage bis hin zum Coma diabeticum.

Diagnose des Diabetes mellitus

Blutzucker- und Urinzuckerwert  

Zur Diagnose der diabetischen Stoffwechsellage werden im wesentlichen zwei Laborwerte herangezogen:

  • der Blutzuckerwert
  • der Urinzuckerwert.

Der Blutzucker des Stoffwechselgesunden liegt nüchtern unter 120 mg/dl (= Milligramm pro Deziliter) und steigt nach dem Essen auf maximal 140 mg/dl an. Oberhalb eines Nüchternblutzuckers von 120 mg/dl spricht man von einer diabetischen Stoffwechsellage. Ab einem Blutzucker von ca. 160 - 180 mg/dl kann die Niere den Zucker nicht mehr vollständig im Blut zurückhalten, so daß mit dem Urin mehr oder weniger größere Mengen Glucose ausgeschieden werden, die im Urin mittels Teststreifen nachgewiesen werden können. Der Blutzuckerwert, ab dem Glucose im Urin erscheint, wird daher oft als "Nierenschwelle' ' bezeichnet. Gerade zur Früherkennung des Typ-II-Diabetes wird der Glucosenachweis im Urin im Rahmen sogenannter Vorsorgeprogramme der Krankenkassen durchgeführt.

Die Diagnose des Typ 1 Diabetes mellitus bereitet im allgemeinen weniger Schwierigkeiten, weil bereits die ausgeprägten Krankheitszeichen zur richtigen Verdachtsdiagnose führen. Der Nachweis erfolgt hier mittels Blutzuckerbestimmung bei bereits anfangs deutlich erhöhten Werten. Eine einmalige Bestimmung des Blutzuckers ist nicht ausreichend, wenn nicht weitere eindeutige Zeichen eines entgleisten Diabetes, wie Blutzucker im Urin, Ketonkörper im Urin und typische Symptome vorliegen. Ein manifester Diabetes liegt nach den WHO-Empfehlungen (1981) vor, wenn der Nüchternblutzucker über 120mg/dl und der postprandiale Blutzucker über 180 mg/dl liegen (venöses Blut). Da diese Werte von verschiedenen Organisationen und auch Autoren zum Teil unterschiedlich angegeben werden, muß in Zweifelsfällen zur Klärung der Situation ein sogenannter oraler Glucose - Toleranztest durchgeführt werden.

 

Oraler Glucose -Toleranztest  

Der Patient erhält morgens nüchtern nach der ersten Blutentnahme (für Blutglucose) 75 g Glucose (= Traubenzucker), gelöst in 300 ml Wasser oder ein ähnliches Zuckergemisch. Die Lösung muß innerhalb von 10 Minuten langsam getrunken werden. Weitere Blutentnahmen erfolgen nach 60 und 120 Minuten nach Trinkbeginn. Auch hier müssen die Blutglucosebestimmungen mit einer qualitätsgesicherten Methode erfolgen. Ein Diabetes mellitus liegt vor, wenn im kapillären Vollblut der Nüchternblutzucker über 120 mg/dl, der 2-Stunden-Blutzuckerwert über 200 mg/dl vorliegt. Eine lediglich pathologische Glucosetoleranz liegt vor, wenn der Nüchternblutzucker unter 120mg/dl, der 2-Stunden-Blutzucker zwischen 140 und 200mg/dl liegen. Kein Nachweis für eine Glucoseverwertungsstörung besteht, wenn sowohl Nüchternblutzucker unter 120, als auch 2-Stunden-Blutzucker unter 140 mg/dl liegen.

Selbstkontrolle  

Warum ist Selbstkontrolle sinnvoll?

Auf der Grundlage einer übersichtlich dokumentierten Selbstkontrolle können Patient und Arzt entscheiden, ob und in welchem Ausmaß eine Therapie verändert werden muß (Therapieanpassung).

Dadurch lassen sich akute Stoffwechselentgleisungen, sowohl nach oben (Hyperglykämie, Ketoazidose) als auch nach unten (Hypoglykämie), frühzeitig erkennen und vermeiden.

Die über längere Zeiträume dokumentierten Werte erleichtern die Kooperation mit dem Arzt und lassen bisherigen Erfahrungen mit Korrekturversuchen in "Krisenzeiten" nicht verlorengehen. Auch aus Mißerfolgen kann man lernen!

Wenn Tabletten- oder Insulindosis ohne Selbstkontrolle beibehalten oder verändern werden, handelt der Diabetiker wie "ein Seefahrer ohne Kompaß, der seine Orientierung verloren hat".

Nur durch Selbstkontrolle und Therapieanpassung können Folgeschäden durch den Diabetes verhindern oder zumindest hinausgezögert werden.

Selbstkontrolle schafft:

  • Sicherheit
  • Freiheit
  • Selbstvertrauen

Was kann man selber kontrollieren?  

Folgende Kontrollen können selbst durchführt werden:

  • Untersuchung des Harns auf Urinzucker
  • Untersuchung des Harns auf Ketonkörper (Aceton)
  • Messung des Blutzuckers
  • Ermittlung des Gewichts
  • Messung des Blutdrucks.

 Blutzuckerselbstkontrolle  

Durch eine Blutzuckermessung mit dem Teststreifen erhält man eine ungefähre Aussage über den aktuellen Blutzucker.

 

1. Wer sollte Blutzuckermessungen durchführen?

Für Typ 1 Diabetiker ist die Blutzuckermessung unerlässlich, da sie ihren Spritz- Ess- Abstand und die Insulindosis den aktuellen Blutzuckerwerten anpassen müssen.

Auch Typ 2 Diabetiker, deren Nierenschwelle sehr hoch ist, sollten den Blutzucker messen, weil sie auch bei sehr hohen Blutzuckerwerten noch keinen Harnzucker haben.

 

2. Wann sind Blutzuckermessungen notwendig?

In folgenden Situationen ist eine Blutzuckermessung angebracht:

  • vor allen Injektionen
  • als Bett – Zeit - Wert (vor dem Zubettgehen)
  • in allen unklaren Situationen (Gefühl der Unterzuckerung, Unwohlsein beim Sport).

 

3. Blutzuckerselbstkontrolle visuell oder mit Gerät?

Die Stoffwechselselbstkontrolle ist ein fester Bestandteil der Diabetesbehandlung. Die Kosten für das benötigte Testmaterial werden von den Krankenkassen übernommen, sie gehören zur sogenannten Leistungspflicht. In der Schulung erlernt man vor allem die visuelle Meßmethode, bei der der aktuelle Blutzucker durch Farbvergleich mit den Farbfeldern auf der Teststreifendose ermittelt wird.

Dieses Verfahren führt - sorgfältige Durchführung vorausgesetzt - in den meisten Fällen zu ausreichend genauen Werten. Entgegen den Erwartungen, die in die Genauigkeit der Technik gesetzt werden, liefern die elektronischen Testgeräte durch die Meßmethode bedingt, keine genaueren Werte. So beträgt die Meßgenauigkeit der meisten Geräte höchstens +/- 20%, d.h. wenn die Skala z.B. 140mg/dl anzeigt, kann der "wahre" Wert zwischen 120mg/dl und 160 mg/dl liegen. So genau aber können die meisten Patienten auch visuell ablesen.

Bei folgenden Patientengruppen ist die Messung mit einem elektronischen Blutzuckermessgerät dennoch sinnvoll:

  • schwer farbsehgestörte Patienten
  • Patienten, die oft bei ungünstigen Lichtverhältnissen testen müssen
  • Patienten mit einer sogenannten intensivierten Insulintherapie (ICT), d. h. mit mehr als 3 Insulinspritzen pro Tag, wobei die jeweilige Insulindosis erst aufgrund der Blutzuckermeßwerte festlegt wird.

In diesen Fällen erklären sich die jeweiligen Krankenkassen oft zur Kostenübernahme bereit, wenn der Arzt die Notwendigkeit eines Testgerätes zuvor bescheinigt hat.

Es gibt heute eine große Zahl verschiedener Messgeräte, die jedoch alle eine der beiden folgenden Messverfahren anwenden:

  • Bei der ersten Methode erfolgt die Auswertung des Farbtestfeldes mittels Reflektionsfotometer, also mit einem elektronischen "Auge".
  • Bei der zweiten Methode werden die während der Testreaktion freiwerdenden Elektronen, bzw. der fließende Strom durch die Elektroden bestimmt.

Die zuletzt genannten Testgeräte haben daher eine kürzere Messzeit von 20 Sekunden bis 40 Sekunden.

Seit Anfang der 90er Jahre Boehringer Mannheim das Accu Chek Trend auf den Markt brachte messen Reflektionsfotometer auch in 22 sec. Im Sommer 1993 wurde ein noch schnellerer Accu Chek Trend-Teststreifen auf den Markt gebracht der bis heute die schnellste Blutzuckermessung in 15 sec möglich macht.

Inzwischen wurde die Boehringer-Produktpalette, der Messgeräte die den schnellen Accu Chek Trend-Teststreifen aufnehmen, um

  • Accu Chek Trend GC (Glucose-Cholesterin),
  • Accu Chek Trend Alpha und
  • Accu Chek Trend DM (Daten Manager) erweitert.

Vor allem aufgrund der, durch die kürzeren Messzeiten "bequemeren" Selbstkontrolle entscheiden sich viele Patienten für die Anschaffung eines Testgerätes.

Eine bequeme Handhabung ist beim aufgeklärten Patienten Hauptentscheidungspunkt Nummer 1 .

 

Die Harnzuckerselbstkontrolle  

Um das Testergebnis der Harnzuckerselbstkontrolle richtig zu deuten, muss man die Höhe seiner Nierenschwelle kennen. Diese Selbstkontrolle ist technisch einfach durchzuführen, kostengünstig und schmerzlos.

Während der Blutzucker eine Momentaufnahme des Stoffwechselgeschehens darstellt, kann der Harnzucker nur einen Überblick über die Zeit seit der letzten Blasenentleerung geben.

Für Typ 2 Diabetiker, die nur mit Diät oder mit Diät und Tabletten behandelt werden, ist nach Absprache mit dem Arzt die Harnzuckerkontrolle häufig ausreichend, eine normale Nierenschwelle vorausgesetzt.

 

Acetonselbstkontrolle  

Aceton entsteht immer dann, wenn statt Kohlenhydraten Fettreserven zur Energiegewinnung verwendet werden müssen. Aceton kann im Harn mittels spezieller Teststreifen (z. B. Ketur-Test®) nachgewiesen werden.

Ketonkörper (der wichtigste ist das Aceton) können nachgewiesen werden bei:

  • Insulinmangel mit beginnender Entgleisung
  • Gewichtsabnahme ("Hungeraceton")
  • Nach länger andauernden Hypoglykämien.

Aceton = Warnsignal !  

Acetonkontrolle ist wichtig bei fraglicher Entgleisung und bei morgendlichen Kopfschmerzen, falls man eine unbemerkte nächtliche Unterzuckerung vermutet.

Werte dokumentieren und auswerten  

Um die gemessenen Werte auch entsprechend zu bewerten und später bzw. sofort darauf reagieren zu können, ist es sinnvoll ein Tagebuch zu führen. In diesem Tagebuch werden die Werte eines jeden Tages in Tabellen eingetragen und ermöglichen sofort eine Fehlererkennung bei den Injektionsgewohnheiten.

Folgende Abbildung stellt solch ein Tagesblatt dar ...

  Bild kommt noch

HbA1c-Wert  

Hand aufs Herz: Wer hat nicht schon einmal einen bis zwei Tage vor dem nächsten Arztbesuch "Diät" gemacht, damit der Blutzuckerwert beim Arzt stimmt? Das mag auch für den Nüchternblutzucker funktionieren, das Blutzuckergedächtnis jedoch, der HbA1-oder HbA1c-Wert, läßt sich dadurch nicht täuschen.

Was ist HbA1 bzw. HbA1c?  

Hb steht für Hämoglobin, einen Eiweißstoff (roter Blutfarbstoff in den roten Blutkörperchen), der für den Sauerstofftransport im Blut verantwortlich ist. Das Hämoglobin transportiert Sauerstoff von der Lunge zu den Körperzellen und beseitigt das dort entstandene Kohlendioxid. Das Zuckermolekül kann mit Eiweißen eine chemische Reaktion eingehen, so auch mit dem Eiweißstoff Hämoglobin. Je nachdem, an welcher Stelle des Eiweißmoleküls diese Reaktion erfolgt (A1 oderA1c), unterscheidet man diese "verzuckerten" Hämoglobine. Bei einem Stoffwechselgesunden, der einen mittleren Blutzuckerspiegel von 90 mg/dl hat, sind etwa 5 % aller Hämoglobinmoleküle untrennbar mit Zucker verbunden. Diese Prozentzahl bezeichnet man als HbA1c-Wert. Hämoglobin, einen Eiweißstoff (roter Blutfarbstoff in den roten Blutkörperchen), der für den Sauerstofftransport im Blut verantwortlich ist. Das Hämoglobin transportiert Sauerstoff von der Lunge zu den Körperzellen und beseitigt das dort entstandene Kohlendioxid. Das Zuckermolekül kann mit Eiweißen eine chemische Reaktion eingehen, so auch mit dem Eiweißstoff Hämoglobin. Je nachdem, an welcher Stelle des Eiweißmoleküls diese Reaktion erfolgt (A1 oderA1c), unterscheidet man diese "verzuckerten" Hämoglobine. Bei einem Stoffwechselgesunden, der einen mittleren Blutzuckerspiegel von 90 mg/dl hat, sind etwa 5 % aller Hämoglobinmoleküle untrennbar mit Zucker verbunden. Diese Prozentzahl bezeichnet man als HbA1c-Wert.

 

HbA1 in %

HbA1c in %

 

 

 

gut

< 7,0

< 6,0

mittel

8 - 9,5

6,5 – 7,5

schlecht

> 9,5

> 7,5

abhängig von Bestimmungsmethode und Labor können diese Grenzwerte unterschiedlich sein!

 

Die folgende Tabelle zeigt den Zusammenhang zwischen Blutzuckerlangzeitwert HbA1c (in %) und mittlerem Blutzuckergehalt MBG (in mg/dl) der letzten 8 bis 10 Wochen:

HbA1c (%)

MBG (mg/dl)

17

 

16

446,8

15

413,5

14

380,2

13

346,9

12

313,6

11

280,3

10

247,0

9

213,7

8

180,4

7

147,1

6

113,8

5

80,5

4

47,2

3

13,9

abhängig von Bestimmungsmethode und Labor können diese Grenzwerte unterschiedlich sein!

 

Welche Informationen kann man aus dem HbA1 / HbA1c-Wert ablesen?

Zucker - Hämoglobine entstehen bei jedem Menschen, nicht nur bei Diabetikern, und sind abhängig von der durchschnittlichen Blutzuckerkonzentration. Da der Diabetiker einen im Durchschnitt höheren Blutzucker hat, ist auch der Wert des HbA1 / HbA1c im Vergleich zum Gesunden erhöht. Einmal gebildetes "verzuckertes" Hämoglobin verbleibt ca. 60 Tage im Blut, bis es abgebaut wird. Das heißt, aus dem Wert des HbA1 / HbA1c kann der Arzt ersehen, wie gut Ihre Stoffwechseleinstellung der letzten acht bis zehn Wochen war; der Wert ist eine Art durchschnittlicher Blutzuckerspiegel ("Blutzuckergedächtnis") der letzten 3 Monate, gleichgültig, ob die Werte in der Zwischenzeit stark angestiegen oder gesunken sind. Zwei Tage Diät vor dem Arztbesuch verändern den HbA1 / HbA1c-Wert also in keinem Fall. "Blutzuckergedächtnis") der letzten 3 Monate, gleichgültig, ob die Werte in der Zwischenzeit stark angestiegen oder gesunken sind. Zwei Tage Diät vor dem Arztbesuch verändern den HbA1 / HbA1c-Wert also in keinem Fall.

Welche Bedeutung hat der HbA1 / HbA1c-Wert für die Folgeschäden? 

Je besser Sie Ihren "Zucker" im Griff haben, desto niedriger ist der HbA1 / HbA1c-Wert und damit die Wahrscheinlichkeit, an diabetischen Folgekomplikationen zu leiden. Oder mit anderen Worten: Je niedriger Ihr HbA1 / HbA1c-Wert ist, desto besser für Sie.

Wie oft sollte der HbA1 / HbA1c-Wert gemessen werden?  

Die Kontrolle des HbA1 / HbA1c-Wertes sollte mindestens einmal pro Quartal durchgeführt werden. Sie ersetzt jedoch nicht die Blutzuckerkontrolle beim Arzt und auch nicht Ihre Blutzuckerselbstkontrolle. Fragen Sie Ihren Arzt nach nach den Ergebnissen der HbA1/HbA1c-Messung, und tragen Sie diese in Ihr Diabetiker-Tagebuch ein und achten Sie darauf, daß in Ihrem "Gesundheitspaß für Diabetiker" der HbA1 / HbA1c-Wert dokumentiert ist. Erkundigen Sie sich auch danach, welche Werte normal sind, da diese je nach Bestimmungsmethode und Labor unterschiedlich sind.

© u.a. Diabetiker Dialog - Boehringer Mannheim

Der "relative HbA1c"  

Ursprünglich fuer qualitätssichernde Maßnahmen der klinischen Diabetes-Schulungszentren geplant, hat PD Dr. Alfons Ulrich Müller, Jena ein Verfahren entwickelt, das die HbA1(c)-Werte von unterschiedlichen Meßmethoden direkt vergleichbar macht.

Der aktuell gemessener HbA1(c) 
    geteilt durch  
Mittelwert des Normbereichs

Beispiel:

aktuell gemessener HbA1(c)

= 8,4

Normbereich

= 4 bis 6

Mittelwert des Normbereichs

= 5

 

 

 

8,4 / 5 = 1,7

Also haben alle Menschen mit einem Wert von 1,7, unabhängig von der Meßmethode, (fast genau) den gleichen Grad der Glykierung.

Damit wird es möglich, einen Normalwert für die Glykierung anzugeben. Wie beim Cholesterin, Blutdruck und Nüchtern-BZ kann dann jeder die Qualität der Behandlung seines Diabetes selbst einschätzen. einen Normalwert für die Glykierung anzugeben. Wie beim Cholesterin, Blutdruck und Nüchtern - BZ kann dann jeder die Qualität der Behandlung seines Diabetes selbst einschätzen.

Selbst wenn das Labor gewechselt wird, bleibt der Verlauf beurteilbar.

Dieser neue Wert ist ein nützliches Instrument für SHG (Selbst-Hilfe- Gruppen), weil dadurch jedes Mitglied mit dieser Information mündiger wird in der Zusammenarbeit mit den medizinischen Beratern.

Als Zielwerte gelten:

sehr gut

< 1,4

gut

< 1,5

befriedigend

< 1,6

gemäß der Arbeitsgemeinschaft für strukturierte Diabetestherapie (DDG)

Es gibt für diesen Glykierungswert keinen bezüglichen deutschen Namen gibt, also nennen WIR ihn hier einfach den  "relativen HbA1c".

 



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