| | Mit Diabetes leben Diabetes Erfahrungen Meine Geschichte mit und über den Diabetes.
Mein Motto heute:
"Gib jeder Stunde und einem jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden."  Bild vom 27 April 2003
Meine Eltern konnten mich nicht groß unterstützen Kurt Keese ist Jahrgang 1948, ein sehr guter Jahrgang, denn der Wein aus dem Jahrgang ist so süß wie der Kurt. Seit der Euro eingeführt wurde, da rechne ich mein Alter, nur noch in Eurojahren, also hat der Euro was gutes an sich. 1966 wurde bei der Musterung der Diabetes festgestellt. Ich ging auf Ratschlag des Musterungsarztes zu meinem Hausarzt, der aber beruhigend sprach: "Ach Kurt, dieses bisschen Zucker hat jeder." Also lebte ich weiter wie bisher. Die Jahre gingen ins Land und ich bekam einen Herzinfarkt, den ich aber nicht wahrnahm, sondern man stellte es erst beim zweiten im Krankenhaus fest. Man stellte mich auf Insulin ein, ohne Aufklärung, also spritzte ich wann Lusten und Zeit hatte, denn der Diabetes tat ja nicht weh. Mit seinem Typ1 Diabetes kommt er ganz super klar. Er kennt heute kein anderes Leben, er hat ihn seit er bei seiner Musterung festgestellt worden ist. Kurt kommt mit seiner ICT Einstellung bestens klar. Was Ihn aber am meisten nervt und auf den Draht geht: Wenn es nicht zwischen dem Diabetes Typ 1 und 2 unterschieden wird. Ich bin ein alter Diabetiker, aber junger Diabetiker, junger Diabetiker, weil ich erst spät lernte, mit seinem Diabetes zu leben, der, nichtsdestotrotz, schon eine Menge Erfahrungen gesammelt hat und sie jetzt erst richtig verarbeitet. Gerne will ich anderen mit Rat und Tat zur Seite stehen und zu verstehen geben, dass man gerade mit dem Diabetes kein schlechteres Leben, als alle anderen Menschen, haben muss.
Diagnose kam mit 18 Jahren Mein erkannter Diabetes begann im Oktober 1966, als ich gemustert wurde. Die Aussage meines Hausarztes haben Sie ja schon gelesen. Noch waren die Diabetessymptome nicht so ausgeprägt, dass man auf 100%-igen Diabetes hätte tippen können würde. So ging das Leben so weiter wie bisher. Nicht einmal als mein Blinddarm platzte und ich ins Krankenhaus musste, stellte man meinen Diabetes fest. Wenn ich andere sah denen der Bauch aufgeschlitzt war, wegen Blinddarm, staunte ich über meinen, der Schnitt war fast 25 cm lang und heilte sehr schlecht. Jahre später bekam ich wieder einen Herzinfarkt und musste ins Krankenhaus, da geriet ich an einen Zucker Doktor, der mich in die Mangel nahm und mich mit Bildern konfrontierte und auf den Boden der Tatsachen zurück holte, aber die Folgeschäden waren schon gravierend. Ich war so wütend auf meinen, schon toten, Hausarzt und es staute sich alles in mir auf, da bekam ich den dritten Infarkt, im Krankenhaus, als ich wieder erwachte fand ich mich auf der Intensivstation wieder. Nach ein paar Tagen kam ich dann wieder auf mein Zimmer auf der Station. Am nächsten Morgen marschierte ich ins Labor, wie ich es gewohnt war, denn ich mochte nicht, dass, wenn man dem Personal Wege abnehmen kann, sie kommen lässt, sondern man sollte, "Hihihi - figurbewusst handeln". Wen traf ich im Labor?, meinen Zucker Doktor, der rief nur: "Hinsetzen!", und dann klärte er mich auf, dass ich Glück hatte mit dem Herzinfarkt, weil ich im Krankenhaus war. Er stellte mich auf Human Basal und Rapid Insulin ein, er brachte mir bei, genaue Berechnungen zu machen und was ich sonst noch tun musste. Dann, nach mehreren Wochen, als ich wieder zu Hause war, kam ich mir so unnütz vor, was machte ich?, ich hatte eine alten über hundert Jahre alten Birnenbaum im Garten stehen, den wollte ich schon lange weg haben, da er krank war. Ich fuhr also in den nächsten Baumarkt und kaufte eine Axt, Keile und eine Säge und sagte mir; "Der Baum ist krank und ich bin es, entweder er oder ich." Das Ende von dem Lied war, er fiel und ich stand, da wusste ich, es wird wieder gut. Ich stürzte mich wieder in das Arbeitsleben, es ging aufwärts.
1990 machte ich eine Schulung mit, im Zentrum Bad Lauterberg, aber wie ich mit der zufrieden war, steht auf einem andern Blatt Papier. Ich habe in der Zwischenzeit gelernt, dank der guten Betreuung durch den Zucker Doktor aus dem Krankenhaus, mit der Krankheit umzugehen.
Ich muss zwar täglich spritzen, morgens um 7 Uhr Basal und um 23 Uhr Basal und zu jeder Mahlzeit noch Rapid (Altinsulin), aber daran habe ich mich mit der Zeit gewöhnt und es gehört für mich zum täglichen Alltag. Dazu messe ich mehrmals am Tage, vor dem Essen den Blutzuckerwert, berechne den BE - Wert der Speisen, um anschließend die Menge an erforderlichem Rapid zu bestimmen. Alles halte ich mit Diabass 4 im PC fest und übertrage Daten aus dem BZ Messgerät mit einem Kabel auf den PC und sende diese dann meinem Diabetologen, via ISDN, denn in den handelsüblichen Kontrollbüchern kann man alle Werte schlecht erfassen. Dadurch, dass ich mit dem Diabetes lebe, nicht gegen ihn arbeite, sondern mit ihm lebe, genieße ich die Freiheit, wie ein gesunder Mensch und kann so gut wie alle Speisen genießen. Meine Blutzuckerwerte liegen überwiegend im normalen Bereich, HbA1c 5,3 und 6. Natürlich ist Selbstdisziplin eine Voraussetzung dazu, aber auch lernen den BE Wert der Speisen richtig einzuschätzen ist eine weitere Voraussetzung.
1992 nahm man mir das rechte Bein am Unterschenkel ab (am 15. August 1992), am 3. November 1992, ging ich meinem Beruf wieder nach und baute acht Badezimmer, jeden Tag den ich arbeitete, wurde mein Selbstwertgefühl stärker. Ich habe meinen Blutzucker anerkannt, ich lebe mit Ihm und arbeite mit ihm zusammen. Im Jahr 2000 nahm man mir mein zweites Bein am Unterschenkel ab. Drei Tage war ich unten, dann regte es mich auf, dass die Schwestern mich waschen mussten und das wollte ich nicht, von dem Tage an ging es aufwärts.
Ich tanze fasst alle Tänze mit den Prothesen. An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass ich einen Video-Clip habe, wo man sehen kann, wie ich mit den Prothesen laufe. Auf Wunsch schicke ich ihn gerne zu. Eine Anmerkung noch zu dem Clip: ER IST NUR MIT DEM WINDOWS MEDIAPLAYER ZU ÖFFNEN. E-mail: KKeese@t-online.de
Ich spreche heute offen über meine Erfahrungen mit dem Diabetes und seinen Folgen.
Probleme gab es anfangs genug, z.B. bei körperlicher Betätigung. Als Beispiel möchte ich dazu einfach Arbeit erwähnen, wenn ich körperlich etwas schweres mache oder spazieren gehe. In solchen Fällen spritze ich tagsüber, vor dem Essen weniger Rapid, da genügend Zucker durch diese Arbeit, Bewegungen verbrannt wird. Aber wie gesagt, das muss ein Jeder selbst ausprobieren, denn alles sind Erfahrungswerte. Voraussetzung ist regelmäßiges messen und deren Dokumentation und am Besten ist es, man hat Selbstdisziplin, denn die ist gefragt. Ja, nach so vielen Anläufen stellte man dann die Diagnose: Diabetes mellitus Typ1.
Das nötige Selbstvertrauen Ja, das sammelte ich mit den Jahren. Ach so, nur an die allererste Insulininjektion, die ich mir selber geben musste, da erinnere ich mich so, als wäre es erst gestern gewesen, ich wollte den Starken markieren und was passierte?, unter Äugen der Schwestern trat ich ab und wurde Ohnmächtig, als ich wieder wach wurde und die Schwester in weiß sah, da dachte ich, ich bin im Himmel, bei dem Engeln.
Von da an stehe ich auf eigenen Beinen, in den Sachen spritzen Wenn ich daran denke, wie lange der Messvorgang damals mit dem Reflolux R dauerte, das hatte etwa die 3- bis 4-fache Größe von den heutigen Messgeräte, und dauerte damals so, wie mich erinnere, um die 3 bis 4 Minuten. Auch die Injektionen waren damals um einiges komplizierter, als heute mit Pens etc. Denn das selbstständige Spritzen, lernte ich zwar, aber das selbstständige Messen erst ziemlich spät, weil ich wegen der ständigen Kontrollen immer zum Arzt musste. Heute sind Blutzuckerselbstkontrollen oder Insulinspritzen selbstverständlich.
Es gab aber so manchen Balanceakt, Arbeit, Freizeit und Unterzucker Bis etwa zu einem bestimmten Zeitpunkt lief es mit meinem Blutzucker, mit der konventionellen Therapie, also zweimal täglich Basalinsulin, mit der Spritze aufgezogen und spritzen, zu jeder Mahlzeit noch mal zusätzlich Altinsulin zu spritzen und dann sechs Mahlzeiten mit festgelegten Kohlenhydratmengen und das noch zu festgelegten Zeiten. Dass das Leben mit dieser Therapie für mich ein reiner Balanceakt war, zwischen dem Alltag, der Freizeit und dem Unterzucker. Denn wenn man sich am Morgen mit der Menge Insulin voll, oder man kann auch sagen aufgepumpt hatte, mussten ja die Mahlzeit eingenommen werden und nicht vergessen werden, um nicht in einen Hypo (hypoglykämischen Schock Unterzucker) zu fallen. Es wurde so manches Mal ziemlich eng. Es musste eben alles ein bisschen organisierter werden. Dann kam die ICT, die intensiviert konventionelle Therapie, und was ich in Bad Lauterberg nicht gelernt oder beigebracht bekam, das machte der Zuckerdoktor Herbert Wigrefe und da lernte ich viel. Der Arzt schaffte es, dass ich ein ganz normales Leben führen konnte Ich spritzte ein Basalinsulin, welches den Grundbedarf des Körpers deckte. Hinzu kommen so viele Injektionen mit einem kurz wirksamen Insulinanalogon, wie nötig, dieses ist abhängig davon, wie viel ich esse. Das bedeutet, ich spritzte um 23 Uhr Basalinsulin, um den erhöhten Bedarf in den Nachtstunden abzufangen, esse Frühstück und spritzte die Menge, die ich gerade für dieses Essen geschätzt habe, ca, 30 Minuten vorher, dasselbe tue ich mittags und sooft ich essen möchte. Von da an gab es nun keine Einschränkungen mehr. Ich konnte zu Feiern und Feten gehen, länger schlafen, auch mal mehr oder gar nichts essen, wenn ich dazu Lust hatte oder es sich Situationsmäßig ergab. So wird das Leben, gerade für Jugendliche besser, es wird so viel uneingeschränkter und spontaner.
Doch gibt es die Gefahr von Folgeschäden. Man sollte diese nicht in einen Abfallsack packen, sondern immer darauf achten einen niedrigen BZ (Blutzucker) zu haben und man sollte sich nichts in die Tasche Lügen mit den BZ Werten, denn der HbA1c sagt dem Arzt alles. Nicht zuletzt die hohe Mobilität und die leichtere Blutzuckerführung, lassen einfach ein ganz normales Leben führen, doch sollten Sie Kontrollen nicht vernachlässigen. Man sollte auch mit offnen Karten spielen, denn man ist vor UZs (Unterzuckerungen) nicht gefeit. Es ist allerdings auch nicht zu vergessen, dass es einige seltene Exemplare von Menschen gibt, die verständnisvoll sind, die versuchen mir zu helfen, wo es geht, und die sich auch für die Hintergründe interessieren und die nicht die Augen vor allem Unbequemen verschließen. Mit dem Diabetes leben Meine persönlichen Erfahrungen Warum können so wenige Menschen den Typ1 von Typ 2 unterscheiden? Mir liegt noch am Herzen, dass sehr viele Menschen denken, Diabetiker seien ja auf eine Art krank und man müsste sie wie rohe Eier oder wie Porzellan behandeln. Nein, das ganze Gegenteil tun! Sprecht sie bitte an und sich dann aufklären lassen! Denn es gibt viele von uns Diabetikern, die sich für das Spritzen und Messen schämen. Diese aber wird man dann auch nicht in Eiscafes sitzen sehen, wie sie gerade ihr Spritzbesteck rausholen und zeigen, schaut mal, ich bin was besonderes. Man sollte als Diabetiker die Machtverhältnisse klären, denn darauf kommt es oft an Es kommt eben darauf an, wie man die Machtverhältnisse geklärt hat: Wer beherrscht wen? Natürlich ist es genau der falsche Weg, wenn man gegen seinen Diabetes arbeitet, denn davon wird er sich auch nicht verkriechen und vor Angst verschwinden. Einfach akzeptieren und mit ihm leben. Man macht sich nur das Leben schwerer, wenn man ihn nicht annimmt, denn dann werden die HbA1cwerte sehr schlecht und man bekommt es im schlimmsten Fall mit Folgeschäden zu tun, aber wer möchte dieses schon?!
Bedenkt vieles und klärt alle auf, denn der Typ 1 hat nichts mit Alterszucker zu tun! Was mir im Alltag immer wieder Unwohlsein beschert, ist die Unwissenheit der Menschen. Wenn ich ihnen erzähle, dass ich Insulin spritze, dann höre ich nicht selten die Reaktion von Menschen, so schlimm ist es schon?, dann sehe noch dazu einen weit geöffneten Mund und mitleidig blickende Augen. Allzu oft werde ich gefragt, ob ich dies und jenes nicht essen könne und ich bekomme Geschichten zu hören, dass es doch bei Verwandten oder Bekannten genauso ist.
Ich muss dazu sagen, ich kann das bald nicht mehr hören und fände es wirklich um einiges hilfreicher, wenn man Typ 1 und Typ 2 voneinander trennen könnte. Von allen Seiten hört man: Deutschlands Kinder werden zu dick, dass sie nur noch in Imbissbuden essen und der Diabetes wird noch zu einer Epidemie, wie es vor langer Zeit mit den Pocken war. Dass das Essverhalten mit einem Typ1 oder Typ2 Diabetes nichts zu tun hat, das ist vielen Menschen noch unklar und man wird deswegen in der Gesellschaft schief angesehen. Meines Erachtens nach, ist es ein großes Problem, dass man grundsätzlich mit Alterszucker in Verbindung gebracht wird.
Optimist ist nur der Diabetiker, der jeden Tag um gute Werte kämpft Der insulinabhängige Typ1 Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung, die weder besser, noch schlimmer wird und auch nicht durch bestimmtes Essverhalten begünstigt wird. Deren Ursachen sind noch nicht geklärt, es gibt zahlreiche Spekulationen, aber definitiv keine, die beinhaltet, dass der Diabetes durch Diät oder andere Sachen, die kursieren, verschwindet.
Aber ich für meinen Teil bin ein Optimist und kämpfe jeden Tag um gute Werte. Frei nach dem Motto: Gib jeder Stunde und jedem Tag die Chance, denn es könnten die schönsten deiner Stunden und deines Lebens werden. Deswegen sage ich zu mir und meinem Diabetes: "Aufhören mit dem Diabetes zu leben, heißt aufzugeben!" Ich habe auch deprimierende Erfahrungen gemacht, ein bewegungsfauler, nicht denkender Kerl zu sein, und ich mag mich nicht ständig mit den Unterlassungssünden herumschlagen, nein ich habe gesündigt, ohne nachzudenken, und heute habe ich das Ergebnis. Ich bin der Meinung: Aufhören heißt aufgeben und das kommt bei mir nicht in Frage, denn kämpfen gibt Kraft, hat man keine Kraft mehr, dann gewinnt der Diabetes! Eine Bitte habe ich an verständnisvolle Menschen und Diabetiker,. Helft andern das zu verstehen, was Diabetes ist. Kurt Keese 30. September 2003 |