Diabetes im Ueberblick

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Diabetes im Überblick

Diabetes

Unter der Diagnose "Diabetes mellitus", umgangsprachlich auch "Zuckerkrankheit" genannt, versteht man eine Stoffwechselstörung, bei der die Bauchspeicheldrüse zu wenig oder gar kein Insulin produziert.

Derzeit gibt es alleine in Deutschland ca. 4 Millionen Menschen mit Diabetes, ca. 93-95% gehören zu den so genannten Typ-2-Diabetikern, einer Diabetes-Form, die vorrangig im Alter auftritt1. Die Diagnose "Diabetes" stellt für viele Menschen zunächst einen tiefen Einschnitt in das gewohnte Leben dar. Doch mit der richtigen "Einstellung" durch den behandelnden Arzt und Ihr Diabetes-Team können Sie diese Stoffwechselerkrankung mit ein wenig Selbstbeherrschung gut in den Griff bekommen. Sie müssen weder auf eine aktive Lebensgestaltung noch auf sämtliche Genüsse verzichten.

Auf den folgenden Seiten möchten wir Sie über die Formen der Erkrankung, gezielte Behandlungsmöglichkeiten und den aktiven und effektiven Umgang mit Diabetes im täglichen Leben informieren.

Denn heute muss sich Ihr Leben nicht mehr nach der Therapie richten; vielmehr kann die Behandlung des Diabetes weitestgehend an Ihre persönliche Lebensführung angepasst werden. Sie können ein genauso ausgefülltes und "normales" Leben führen, Sport treiben und auf Reisen gehen wie jeder andere auch

Diese Informationsseiten sollen und können nicht das Gespräch mit Ihrem behandelnden Arzt oder Diabetes-Team ersetzen. Sie sollen vielmehr ein informativer Wegweiser für eine neue Lebensqualität darstellen, Sie mit wertvollen Hinweisen unterstützen und Ihnen praktikable Perspektiven bieten. Sicherlich sind unsere Tipps auch für Ihre Angehörigen interessant.

Unser Anliegen ist es, dass Sie mit modernen Therapie- und Behandlungsformen immer flexibel sind, lieb gewordene Gewohnheiten beibehalten und sich an vielen geselligen Momenten erfreuen. Schließlich ist Freude das beste Rezept für Lebensqualität.

Was passiert im Körper?
Im natürlichen Stoffwechsel wird das körpereigene Hormon "Insulin" benötigt, um Glukose (Traubenzucker) in die Körperzellen aufnehmen zu können. Der in der Nahrung vorhandene Zucker kann so in lebensnotwendige Energie umgewandelt werden. Wenn ein normaler Austausch nicht mehr funktioniert, verbleibt die Glukose im Blut und erzeugt ständig hohe Blutzuckerwerte.

Bei der Verdauung eines gesunden Menschen passiert Folgendes

1) Die in der Nahrung enthaltenen Kohlenhydrate werden bei der Verdauung in Zucker umgewandelt. Der kleinste Zuckerbaustein ist Glukose (Traubenzucker).

2) Die Glukose wird ins Blut aufgenommen – der Blutzuckerspiegel steigt.

3) Der Körper registriert den erhöhten Blutzuckerwert und sendet ein Signal zur Bauchspeicheldrüse.

4) Diese setzt Insulin ins Blut frei

5) Mit Hilfe des Insulins kann die Glukose in die Körperzellen aufgenommen werden. Insulin wirkt hierbei als eine Art Schlüssel, der die Öffnung der normalerweise verschlossen Transportkanäle für Zuckermoleküle ermöglicht.

6) Durch die Aufnahme der Glukose in die Zellen sinkt der Blutzuckerspiegel wieder

Funktioniert diese Aufnahme von Glukose in den Zellen nicht oder nur teilweise, wie es beim Diabetes mellitus der Fall ist, verbleibt die Glukose im Blut und erhöht ständig die Blutzuckerwerte – insbesondere nach kohlenhydratreichen Mahlzeiten (in diesem Fall spricht man von einer Hyperglykämie.
Auch der Urin kann zu viel Zucker enthalten (Glukosurie).

Worauf kommt es nun an?
Die Sicherstellung einer ausreichenden Insulinversorgung ist daher sehr wichtig. Wird Diabetes rechtzeitig erkannt und wirkungsvoll behandelt, können in der Folge Schädigungen der kleinen und großen Blutgefäße sowie der Nerven besser vermieden werden.

Ziel einer erfolgreichen Behandlung
ist es daher stets, Blutzuckerwerte zu erreichen, die den normalen Werten weitestgehend entsprechen. Normale Blutzuckerwerte liegen vor den Mahlzeiten bei 60-120 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) bzw. bei 3,3-6,7 Millimol pro Liter (mmol/l) und 2 Stunden nach den Mahlzeiten nicht über 160 mg/dl (8,8 mmol/l).

Die modernen Behandlungsmethoden ermöglichen heute die Stabilisierung optimaler Blutzuckerwerte. Somit ist die körperliche Gesundheit nicht länger beeinträchtigt und Ihr persönliches Wohlbefinden wieder hergestellt.

Quelle: Statistisches Bundesamt: Gesundheitsbericht für Deutschland

Typ-1- und Typ-2-Diabetes

Diabetes mellitus wird in zwei Hauptformen unterteilt. So spricht man von Typ-1-Diabetes
und Typ-2Diabetes. Der Unterschied aus medizinischer Sicht besteht darin, dass beim Typ-1-Diabetes die körpereigene Produktion von Insulin vollständig zum Erliegen gekommen ist und beim Typ-2-Diabetes der Körper nur noch ungenügend auf die körpereigene Insulinausschüttung reagiert (sog. Insulinresistenz).

Typ-1-Diabetes:

Da die Erkrankung meist vor dem 40. Lebensjahr beginnt, spricht man auch vom "jugendlichen Diabetes". Da die körpereigene Insulinproduktion vollständig eingestellt ist, können die Zellen keine Glukose mehr aufnehmen.

Bei Insulinmangel können beim Typ-1-Diabetes die Zuckerkanäle nicht geöffnet werden. Die Glukose bleibt "ausgesperrt" und reichert sich im Blut an.

Die Ursache wird auf eine Autoimmunerkrankung zurückgeführt, einer Störung, bei der wichtige körpereigene Antigene fälschlicherweise vom Immunsystem als "fremd" erkannt werden. Diese lösen wiederum eine Autoimmunreaktion aus, welche sich gegen die insulinproduzierenden Zellen richtet. Das lebensnotwendige Insulin muss auf jeden Fall ersetzt werden.

Symptome:
Der Typ-1-Diabetes tritt bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf, die meist schlank oder sogar untergewichtig sind. Folgende Anzeichen weisen auf einen stark erhöhten Blutzuckerspiegel Hyperglykämie
hin:

* Müdigkeit, Antriebsarmut
* Häufiges Wasserlassen
* Verstärkter Durst
* Trockene Haut und Juckreiz
* Sehstörungen
* Schlecht heilende Wunden
* Infektionen der Geschlechtsorgane
* Gewichtsverlust
* Süßlicher Geschmack im Mund
* Harnwegsinfekte
* Ungewollter Gewichtsverlust

Steigen die Blutzuckerwerte immer weiter an, können Menschen mit Diabetes das Bewusstsein verlieren und in ein diabetisches Koma fallen. Eine akute Behandlung mit Insulin ist lebensnotwenig!
Ein diabetisches Koma entwickelt sich langsam über Stunden oder Tage, kann jedoch durch eine adäquate Therapie immer vermieden werden.

Typ-2-Diabetes:

Bei dieser Diabetes-Form spricht man auch vom "Alters-Diabetes", da die meisten Menschen älter als 50 Jahre sind. Bei über 90% aller Menschen mit Diabetes besteht ein Typ-2-Diabetes mellitus. Bei den meist übergewichtigen Betroffenen besteht ein relativer Insulinmangel. D.h., es wird zwar noch körpereigenes Insulin produziert, jedoch nicht in der erforderlichen Menge.


Durch einen geringeren Pegel von Insulin im Blut oder eine herabgesetzten Fähigkeit der Zucker-Transportkanäle, auf das Insulin zu reagieren, wird weniger Zucker in die Zelle aufgenommen

Die Ursachen hierfür sind beispielsweise familiäre Veranlagung, aber auch Übergewicht und Bewegungsmangel. Ein Insulinersatz kann notwendig sein.

Symptome:
Der Typ-2-Diabetiker neigt häufig zu Übergewicht. Da über Jahre hinweg keine spezifischen Beschwerden vorliegen, wird die Erkrankung oft nur "zufällig", beispielsweise während einer Routineuntersuchung, erkannt. Mögliche Symptome bei Typ-2-Diabetes können sein:

* Müdigkeit, Antriebsarmut
* Häufiges Wasserlassen
* Verstärkter Durst
* Trockene Haut
* Sehstörungen
* Schlecht heilende Wunden
* Taubheitsgefühl in Händen
* und Füßen

Im späteren Stadium der Erkrankung können unter Umständen folgende Begleit- und Folgeerkrankungen hinzukommen:

* Bluthockdruck
* Gefäßerkrankungen
* Sexuelle Probleme
* Erkrankungen der Augen, Nieren und Nerven

Diese Risiken können jedoch durch eine frühzeitige und wirkungsvolle Behandlung reduziert werden.

Quellen: Schettler G., Greten H.: Innere Medizin, Georg Thieme Verlag Stuttgart-New York 1998.
Schulungsteam Krankenhaus Bethanien: Schulungsmaterial für die Basis-Bolus-Therapie (ICT), Hamburg.

Diabetes: Therapie

Eine wirkungsvolle Behandlung von Diabetes mellitus muss an die vorliegende Form (Typ-1- und Typ-2-Diabetes) sowie an die individuelle köperliche Verfassung, das Alter und die persönlichen Lebensumstände angepasst werden. Eine optimale Behandlungsform für sich zu finden, kann im Einzelfall etwas Geduld erfordern. Dies liegt u. a. auch an den mittlerweile so vielfältigen Behandlungsmöglichkeiten. Es lohnt sich jedoch, diese Geduld aufzubringen – für Ihr persönliches Wohlbefinden und Ihre Lebensqualität!

Insbesondere die Entwicklung der modernen Insulintherapie, die vor über 80 Jahren begann, hat wesentlich dazu beigetragen, Menschen mit Diabetes den individuellen Umgang mit Ihrer Erkrankung zu ermöglichen.

Welche Therapieformen gibt es?

In der Behandlung des Diabetes unterscheidet man vier grundlegende Therapieformen:

1. Basistherapie (ERnährung und Bewegung)
2. Therapie mit oralen Antidiabetika
3. Insulintherapie (CT und ICT)
4. Pumpentherapie (CSll)

1. Basistherapie

Basis jeder Diabetes-Behandlung ist eine Schulung und Ernährungsberatung bei Typ 1 und Typ 2. Hinzu kommt eine ausreichende Bewegung, die den Stoffwechsel günstig beeinflusst. Wie funktioniert das?
70-80% der Menschen mit Typ-2-Diabetes haben mit Übergewicht zu kämpfen, ein Faktor, der die Erkrankung begünstigt. Die Umstellung der Ernährungsgewohnheiten kann deshalb ein effektives Mittel sein, um Blutzuckerwerte wieder in den Griff zu bekommen. Eine gesunde Ernährung bedeutet jedoch nicht (wie häufig angenommen wird), eine Reduktion von Kohlenhydraten auf dem Speiseplan. Vielmehr geht es darum, durch bewusste Ernährung den diabetischen Stoffwechsel im Körper zu verbessern. Unterstützt wird dies durch eine gesunde Lebensführung, wie z.B. sportliche Aktivität. Hier ist jedoch nicht von sportlichen Höchstleistungen die Rede: Spaziergänge, Radausflüge, gemeinsame Gymnastik usw. tragen zu einer bewussten und gesunden Lebensführung bei.

Energieverbrauch pro 30 Minuten Bewegung
ca. 100 kcal Spaziergang
ca. 200 kcal Gartenarbeit, Tanzen, Gymnastik, Schwimmen, Tischtennis, Radfahren, Wandern
ca. 300 kcal Skilanglauf, Bergwandern, Jogging

Viele Menschen haben jedoch durch die "Schreckens-Nachricht Diabetes" auch eine Bereicherung in ihrem Leben erfahren. Denn sie wissen nun, wie wichtig eine aktive Lebensweise und die richtige Ernährung für ihr persönliches Wohlbefinden und ihre Gesundheit sind.

2. Therapie mit oralen Antidiabetika

Diese Behandlungsform eignet sich ausschließlich für Typ-2-Diabetiker und kann angewendet werden, wenn die Basistherapie nicht zu einer Normalisierung der Blutzuckerwerte führt. Eingesetzt werden hier Medikamente in Tablettenform mit verschiedenen Wirkstoffen. Zum Beispiel gibt es hier so genannte Glucosidasehemmer wie Acarbose, die den Anstieg des Blutzuckerspiegels nach einer Mahlzeit verzögern, und Biguanide, die den Blutzuckerspiegel normalisieren können.

Zum anderen werden in der oralen Therapie Sulfonylharnstoffe eingesetzt, wie z.B. Glibenclamid. Dieses Medikament bewirkt, dass die Bauchspeicheldrüse mehr Insulin ausschüttet. Seit kurzer Zeit gibt es außerdem so genannte Insulinsensitizer (engl.), die die Wirkung des Insulins im Körper verbessern können.

In diesem Zusammenhang ist es jedoch wichtig zu wissen, dass die Behandlung mit Tabletten keinen Ersatz für Insulin darstellt, sondern darauf abzielt, mit anderen Wirkstoffen die Senkung des Blutzuckers oder die Wirksamkeit des körpereigenen Insulins zu fördern.

3. Insulintherapie

Für die wirkungsvolle Behandlung des Diabetes mellitus gibt es in der Insulin-Therapie zwei unterschiedliche Ansätze

1. Die intensivierte konventionelle Insulintherapie (ICT)
Bei der ICT wird zu den Mahlzeiten ein kurz wirksames Insulin (z.B. Insulin Lispro) als so genanntes "Bolus-Insulin" gespritzt. Diese Therapieform erlaubt dem Patienten ein ausgesprochen hohes Maß an Flexibilität.

Denn die Dosierung erfolgt in Abhängigkeit vom gemessenen Ausgangsblutzucker und der Kohlenhydratmenge, die Sie zu sich nehmen möchten. Dies ermöglicht es Ihnen auch, mit wechselnden Essenszeiten und unterschiedlichen Kohlenhydratmengen umgehen zu können.

Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Mahlzeiteninsulinen

Das kurzwirksame Analog-Insulin wird direkt zu jeder Mahlzeit gespritzt. Eine Wartezeit zwischen Spritzen und Essen (Spritz-Ess-Abstand) entfällt also, weil die Wirkung unmittelbar eintritt. Die stärkste Wirkung ist nach ca. einer Stunde erreicht – Zwischenmahlzeiten sind nicht erforderlich. Die gesamte Wirkdauer liegt bei ca. 2-3 Stunden. Durch die schnelle Wirkung kann dieses Insulin auch nach dem Essen gespritzt werden.

Das Altinsulin beginnt nach 30 Minuten zu wirken. So lange sollte mit dem Essen gewartet werden (Spritz-Ess-Abstand erforderlich). Das Wirkmaximum ist nach ca. 1-2 Stunden zu erwarten. Da die Gesamtwirkdauer ca. 4-6 Stunden andauert, müssen oft kleine Zwischenmahlzeiten eingenommen werden, um eine Hypoglykämie zu vermeiden.

Zusätzlich wird zwei bis drei mal täglich ein so genanntes Verzögerungsinsulin injiziert, das ca. zwei Stunden nach dem Spritzen zu wirken beginnt. Es versorgt den Körper kontinuierlich über 10-14 Stunden mit Insulin und wird daher meist morgens und abends angewendet.

Die Vorteile der Therapie mit einem kurzwirksamen Analog-Insulin und einem Verzögerungs-Insulin (Basis-Bolus-Therapie genannt), die Menschen mit Diabetes am meisten zu schätzen wissen, sind eine flexiblere Gestaltung des Alltags (Berufstätige, Vielreisende etc.) und die Möglichkeit einer kurzfristigen Korrektur von erhöhten Blutzuckerwerten. Die Blutzuckerwerte werden dabei auf den individuellen Zielwert (Blutzuckertherapiebereich = Normbereich) gesenkt, also den Wert, der nüchtern und nach den Mahlzeiten erreicht werden sollte. Die Korrektur der Blutzuckerwerte kann mit einem kurzwirksamen Analog-Insulin alle 3 Stunden erfolgen.

Da Sie mit dieser Therapieform eine gute Einstellung der Blutzuckerwerte erreichen können, reduzieren sich auch die Risiken einer Folgeerkrankung. Für diese Therapie empfehlen wir Ihnen die Teilnahme an einer "strukturierten Schulung" für Typ-1-Patienten, die Ihnen das Erlernen wichtiger Themen erleichtert, wie beispielsweise:

* Stoffwechsel-Selbstkontrolle
* Unter- und Überzuckerung
* Spritztechnik
* Insulindosisanpassung
* Ernährung
* Bewegung
* Begleiterscheinungen 

                                       
Kurzwirksame                         Humaninsulin
                                        Analog-Insulin                         (Altinsuline)

Zeitpunkt der Injektion Direkt zu den Mahlzeiten       Vor den Mahlzeiten
Spritz-Ess-Abstand                Entfällt                              Ca. 30 Minuten
Wirkungseintritt                      Sofort                               15-30 Minuten
Injektion nach dem Essen      JA                                       NEIN
Gesamtwirkdauer            Ca. 2-3 Stunden                    Ca. 4-6 Stunden
Zwischenmahlzeiten erforderlich NEIN                                   JA

2. Die konventionelle Insulintherapie (CT)

Unter der konventionellen Insulintherapie versteht man die Behandlung mit Mischinsulinen, die jeweils vor dem Frühstück und dem Abendessen erfolgt. In manchen Fällen kann eine Injektion vor dem Mittagessen sinnvoll sein.

Typ-2-Diabetiker, die einen regelmäßigen Tagesablauf haben und zu festen Zeitpunkten essen, können mit dieser Therapieform bei relativ geringem Aufwand eine gute Blutzuckereinstellung erreichen.

Bei der Verwendung von Insulinmischungen ist es wichtig, die festgelegte Kohlenhydratmenge zu essen. Wird eine größere Kohlenhydratmenge konsumiert, steigen die Blutzuckerwerte an. Wird eine zu geringe Kohlenhydratmenge gegessen, sinken die Blutzuckerwerte ab.

Prinzipiell stehen zwei Arten von Mischinsulinen zur Verfügung, nämlich Mischungen aus Altinsulinen und langwirksamem Insulin oder schnellwirksamem Analoginsulin und langwirksamem Insulin:

Schnell wirksame Analog-Mischinsuline wirken sofort und können direkt zum Essen (ohne Spritz-Ess-Abstand) gespritzt werden. Diese stehen in unterschiedlichen Mischungsverhältnissen (Anteil kurzwirksames Insulin) zur Verfügung. Inwieweit Zwischenmahlzeiten überhaupt noch erforderlich sind, sollte mit dem Arzt und dem Diabetes-Team anhand der Blutzuckerwerte entschieden werden.

Mischungen aus Altinsulin und langwirksamem Insulin beginnen nach ca. 30 Minuten zu wirken. Deshalb sollte zwischen dem Spritzen und dem Essen ein Abstand von ca. 30 Minuten eingehalten werden (Spritz-Ess-Abstand). Bei diesen Mischinsulinen sind Haupt- und Zwischenmahlzeiten erforderlich. Kommt es zu Unregelmäßigkeiten beim Verzehr der Mahlzeiten, kann eine Unterzuckerung die Folge sein.

                                  
Schnellwirksame             Alt- bzw. Humaninsulin-
                                  Analog-Misch-Insuline             mischungen


Zeitpunkt der Injektion   Direkt zu den Mahlzeiten         Vor den Mahlzeiten
Spritz-Ess-Abstand                Entfällt                           Ca. 30 Minuten
Wirkungseintritt            Nach ca. 15 Minuten              Nach ca. 30-45 Minuten
Gesamtwirkdauer           10-14 Stunden                       10-15 Stunden
Zwischenmahlzeiten erforderlich Muss überprüft werden          JA

Quellen: Classen, Diehl, Kochsiek: Innere Medizin, Urban & Schwarzenberg Verlag München-Wien-Baltimore 1998.
Lilly Deutschland GmbH: Diabetes und Insulin – wie Sie selbst das Beste daraus machen.

Komplikationen bei Diabetes

Durch ein Ungleichgewicht von vorhandenem Zucker im Blut und der Insulinmenge, die dem Körper zur Verfügung steht, kann es zu ungewollten Komplikationen bei einer Diabetes-Erkrankung kommen. Am wichtigsten ist es, seinen Körper gut zu kennen und die Beschwerden, die in der jeweiligen Situation auftreten, richtig einzuschätzen, um sie wirksam behandeln zu können. Unterschieden wird zwischen kurzzeitig auftretenden Komplikationen, die entstehen können, wenn der Blutzucker zu hoch
oder zu niedrig ist, und chronische Komplikationen.

Welche akuten Komplikationen können auftreten?

Der Blutzucker ist zu hoch

Eine so genannte Hyperglykämie liegt dann vor, wenn der Blutzuckerwert vor dem Essen über 6,7 mmol/l (120 mg/dl) liegt oder zwei Stunden nach dem Essen mehr als 8,9 mmol/l (160 mg/dl) gemessen werden. Für eine Überzuckerung kann es verschiedene Ursachen geben:

* Zu wenig Insulin: Das kommt vor, wenn man z.B. das Spritzen von Insulin vergessen hat, zu wenig Insulin gespritzt hat, in Hautverhärtungen gespritzt hat oder der Pen zur Insulinverabreichung defekt ist.
* Zu viele Kohlenhydrate: Passiert meistens dann, wenn die im Essen enthaltene Kohlenhydratmenge falsch eingeschätzt wurde.
* Zu wenig Bewegung: Weniger körperliche Anstrengung als sonst (z.B. aufgrund von Krankheit) verursacht höhere Blutzuckerwerte.
* Fieberhafte Infekte, Erkrankungen, Entzündungen: Hier wirkt das vorhandene Insulin schlechter und der Insulinbedarf steigt.

Eine Hyperglykämie kann sich durch folgende Anzeichen bemerkbar machen:

* Harndrang
* Durst
* Müdigkeit, Antriebslosigkeit
* Juckreiz
* Sehstörungen
* Schlecht heilende Wunden
* Infektionen der Geschlechtsorgane
* Harnwegsinfektionen

Ständig erhöhte Blutzuckerwerte, die zu den genannten Symptomen führen können, müssen ernst genommen werden, da sie Dauerschäden verursachen können. Der Arzt und das Diabetesteam sind hier die richtigen Ansprechpartner.

Generell ist es im Fall von häufigen Hyperglykämien richtig, viel zu trinken, sich ausreichend zu bewegen und regelmäßig den Blutzuckerspiegel zu kontrollieren. In Absprache mit dem Behandlungsteam kann auch die Insulindosis erhöht werden.

Steigen die Blutzuckerwerte durch akuten Insulinmangel eklatant an, kann es bei Typ-1-Diabetikern zu einem diabetischen Koma kommen. Man spricht von einer Ketoazidose
.

Im fortgeschrifttenen Stadium der Ketoazidose werden die Patienten bewusstlos und können in eine lebensbedrohliche Lage geraten. In einem solchen Fall muss unbedingt schnell ärztliche Hilfe herbeigeholt werden!

Typ-1-Diabetiker sollten bei Blutzuckerwerten über 250 mg/dl (13,8 mmol/l) und eventuellen Beschwerden an die Gefahr einer Ketoazidose denken und rasch reagieren. Wichtig ist, den Ketonwert im Urin (Teststreifen) zu überprüfen. Fällt der Ketontest positiv aus (++ bis +++), sind sofortige Maßnahmen notwendig:

* Blutzuckerkorrektur mit kurz wirksamem Insulin
* Viel trinken
* Keine körperliche Belastung
* Alle 2 Stunden Blutzucker und Keton testen
* Nicht einschlafen
* Diabetesteam unverzüglich verständigen!

Bei Erbrechen ist sofort eine Klinik aufzusuchen!

Keton darf innerhalb von 6 Stunden nicht mehr nachweisbar sein. Danach muss die Stoffwechselentgleisung im Krankenhaus mit Insulin, Flüssigkeit und Mineralstoffen behandelt werden.

Ketonkörper können auch bei niedrigen Blutzuckerwerten vorkommen, wenn man sehr wenig isst. Diese Ketonkörper stellen jedoch keine Gefahr dar. Hierbei ist der Blutzucker niedrig oder normal.

Der Blutzucker ist zu niedrig

Bei Menschen mit Diabetes, die Insulin verwenden, kann es auch zu einer Unterzuckerung kommen. Bei Blutzuckerwerten unter 50 mg/dl (2,8 mmol/l) spricht man dann von einer Hypoglykämie. Sie kann ausgelöst werden durch

* die falsche Anwendung von Insulin, also etwa, wenn zu viel Insulin oder das Insulin zur falschen Zeit gespritzt wurde
* zu wenig Kohlenhydrate, wenn zu wenig oder zu spät gegessen wurde
* außergewöhnlich viel Bewegung, die einen höheren Energieverbrauch und eine stärkere Wirkung des Insulins erzeugt
* Alkoholkonsum, da durch Alkohol die Zuckerfreisetzung aus der Leber gehemmt wird

Anzeichen für eine Unterzuckerung sind vor allem

* Heißhunger
* Herzklopfen
* Schweißausbrüche
* Unruhe und Gereiztheit bis hin zu Aggressivität
* Sehstörungen
* Kribbeln um den Mund
* Angst
* Zittern
* Sprachstörungen

Merke: Erst essen, dann messen!

Einer leichten Hypoglykämie kann Abhilfe geschaffen werden: Meist kann der Blutzuckerspiegel schon durch 2 Broteinheiten schnell wirkender Kohlendydrate kurzfristig wieder angehoben werden. Günstig sind z.B. 4-6 Täfelchen Traubenzucker, ein Glas gesüßter Fruchtsaft oder ein Glas normale Cola.

Prinzipiell sollten zusätzlich zu den schnellwirksamen etwas verzögert wirksame Kohlenhydrate (Kekse, Brot, Schokoriegel) gegessen werden, um das Wiederauftreten von Hypoglykämien zu vermeiden.

Leichte Unterzuckerungen sind unbedenklich. Werden die ersten Anzeichen jedoch nicht bemerkt oder beachtet, kann ein starker Zuckermangel im Gehirn entstehen, der zu Bewusstlosigkeit führen kann. Angehörige sollten für einen solchen Fall geschult sein und Glukagon unter die Haut oder intramuskulär verabreichen. Bei fehlendem Ansprechen muss ein Notarzt gerufen werden, der Glukose intravenös spritzen kann. Glukagon ist ein Hormon, das wie Insulin in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird. Es wirkt als Gegenspieler zum Insulin und setzt bestehende Zuckerreserven aus Leber und Muskeln frei.

Als Vorsichtsmaßnahme sollten Diabetiker immer einen Notfallausweis bei sich tragen, um Außenstehende in möglichen Notsituationen informieren zu können. Alleinstehende sollten besonders aufmerksam mit ersten Anzeichen umgehen, da sie im Falle einer starken Unterzuckerung auf fremde Hilfe angewiesen sind.

Den Umgang mit zu hohen und zu niedrigen Blutzuckerwerten sollten Sie einmal in Ruhe mit Ihrem Arzt besprechen.

Welche chronischen Komplikationen gibt es?

Menschen mit Diabetes, die Blutzucker- und Blutdruckwerte regelmäßig kontrollieren und in einem normalen Bereich halten, können ohne Komplikationen ein langes und gutes Leben führen, ohne an schwerwiegenden Folgeerkrankungen zu leiden. Diese entstehen erst dann, wenn die Blutzuckerwerte ständig außerhalb des normalen Bereichs liegen und z.B. ein erhöhter Blutdruck hinzukommt.

Mögliche chronische Erkrankungen sind

* Gefäßleiden:
Dazu gehören Durchblutungsstörungen, Arterienverkalkung, Thrombose, erhöhte Gefahr eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls.
* Erkrankungen der Augen und der Nieren:
Sie können ebenfalls durch Durchblutungsstörungen der kleinsten Gefäße (Kapillaren) entstehen.
* Schädigung der Nerven:
Die Nerven der Haut und der Muskulatur sowie Nerven, die die inneren Organe versorgen, sind bei erhöhtem Blutzucker betroffen.
* Erhöhtes Infektionsrisiko:
Es ergibt sich durch die eingeschränkte Funktion des Immunsystems bei erhöhtem Blutzuckerspiegel.
* Diabetischer Fuß:
An der Entstehung des diabetischen Fußes ist vor allem die Neuropathie beteiligt. Verletzungen werden durch eine verminderte Empfindung der Nerven nicht bemerkt. Es bilden sich dann Entzündungen mit ernsthaften Folgen. Deshalb ist es so wichtig, dass Sie Ihren Füßen viel Aufmerksamkeit schenken.

Lilly Deutschland GmbH: Diabetes und Insulin – wie Sie selbst das Beste daraus machen

Diabetes: Glossar

BE (Broteinheit)
Mit Broteinheiten (BE) werden in der Diabetes-Therapie die Kohlenhydrate bezeichnet. Oft werden sie auch mit KE oder KHE (von Kohlenhydrateinheiten) abgekürzt. Eine Broteinheit entspricht 10-12 Gramm verwertbarer Kohlenhydrate in der Nahrung.

CT
Die konventionelle Therapie (engl. conventional therapy = CT) basiert auf dem Konzept, dem Körper ein- bis zweimal täglich zu festen Zeiten eine Mischung aus Normal- und Verzögerungsinsulin (= Mischinsulin) zuzuführen. Dies bedeutet, dass der Patient einen festen BE-Plan einhalten muss, der sich an der Insulinwirkung und der üblichen körperlichen Belastung orientiert.

Diabetes Typ 1
Die insulinproduzierenden Zellen (Betazellen) der Bauchspeicheldrüse werden durch einen Autoimmunprozess zerstört, da körpereigene Zellen als "fremd" erkannt und vom Immunsystem angegriffen werden. Dies hat zur Folge, dass die Bauchspeicheldrüse kein oder nur sehr wenig Insulin produzieren kann. Die Erkrankung beginnt meist im Kindes-, Jugend- oder frühen Erwachsenenalter. Die Betroffenen müssen lebenslang Insulin spritzen.

Diabetes Typ 2
Der Körper reagiert nur noch ungenügend auf die körpereigene Insulinausschüttung. Die Erkrankung beginnt meist im mittleren bis späten Erwachsenenalter und ist oft mit Übergewicht und anderen Erkrankungen wie Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen verbunden. Die Betroffenen nehmen orale Antidiabetika oder spritzen Insulin.

Diabetische Nephropathie
Durch Veränderungen im Bereich der Nierengefäße kommt es zu einer Funktionseinschränkung der Niere, die bis zu völligem Nierenversagen reichen kann.

Diabetische Polyneuropathie
Durch Gefäßveränderungen aufgrund dauerhaft schlechter Blutzuckereinstellung kommt es zu Schäden an den Nervenbahnen, insbesondere in den Beinen. Dies führt zu Taubheitsgefühlen, Kribbeln und einer verminderten Schmerzwahrnehmung.

Diabetische Retinopathie
Durch Veränderungen an den feinen Blutgefäßen des Auges kommt es zu einer Schädigung der Netzhaut, die fortschreiten und bis zur Erblindung führen kann.

Diabetischer Fuß
Durch Schäden an den Nervenbahnen (siehe diabetische Polyneuropathie) werden kleine Verletzungen an den Füßen kaum noch wahrgenommen. Die verminderte Durchblutung der Beine verzögert außerdem den Heilungsprozess. Es können sich Geschwüre mit sehr schlechter Heilungstendenz entwickeln. Geeignetes Schuhwerk, regelmäßige Fußpflege und Kontrolle sind zur Vorbeugung unerlässlich.

Diabetisches Koma
Bewusstseinseintrübung, Bewusstlosigkeit, ausgelöst durch einen sehr hohen Blutzuckerspiegel. Die Ausatmungsluft der Betroffenen riecht nach Obst (Ketoazidose, siehe dort). Das diabetische Koma wird vom Arzt mit Insulin behandelt.

Glukose
Traubenzucker; Baustein der Kohlenhydrate (z.B. in Brot, Nudeln, Reis). Bei der Blutzuckerbestimmung wird der Glukosespiegel im Blut gemessen.

HbA1c
Konzentration des mit Glukose beladenen Hämoglobins im Blut. Dieser Wert wird als Marker für die Qualität der Blutzuckereinstellung verwendet. Niedrige HbA1c-Werte sind zur Vermeidung von Spätschäden ganz besonders wichtig.

Hyperglykämle
Zu hoher Glukosespiegel im Blut; Symptome: allgemeines Schwächegefühl, Übelkeit, starker Durst, häufiges Wasserlassen, Ketoazidose, diabetisches Koma

Hypoglykämle
Zu niedriger Glukosespiegel im Blut; Symptome: Schweißausbrüche, Schwächegefühl, Herzklopfen, Bewusstseinseintrübung, hypoglykämischer Schock.

ICT
Intensivierte konventionelle Diabetestherapie (engl. intensive conventional therapy = ICT) mit Insulin; morgens, mittags und spät wird eine Basalrate mit einem lang wirksamen Verzögerungsinsulin gespritzt. Dazu werden zu den Mahlzeiten der Portion angepasste Mengen eines kurz wirksamen Insulins injiziert.

Insulin
Insulin ist ein Hormon, das in der Bauchspeicheldrüse (in den "Langerhans'schen Inseln") produziert wird. Es bewirkt einen Abfall des Blutzuckerspiegels im Blut. Insulin kann nicht als Tablette geschluckt werden, da es aus einzelnen Eiweißbausteinen besteht und im Magen verdaut werden würde, d.h. es würde in seine Einzelbestandteile zerlegt werden und wäre unwirksam.

Insulinpumpen
Das Insulin wird mittels einer kontinuierlichen Infusion von kurzwirksamem Insulin (z.B. Insulin Lispro) unter die Haut gespritzt. Dies ermöglicht eine optimale Blutzuckereinstellung und wird deshalb von vielen Diabetikern bevorzugt.

Insulinresistenz
Der Körper reagiert nur unzureichend auf im Blut vorhandenes Insulin.

Ketoazidose
Wenn die Körperzellen durch fehlendes Insulin keine Glukose aufnehmen können, werden Fette und Eiweiße als alternative Energielieferanten genutzt. Infolge des Fettabbaus entstehen Fettsäuren und saure Ketonkörper, die dann im Blut, im Urin und in der Ausatmungsluft nachzuweisen sind (Geruch nach Obst). Eine Ketoazidose kann lebensbedrohlich sein.

Orale Antidiabetika
Inhomogene Medikamentengruppe, die in Tablettenform eingenommen werden und welche die Wirkung von Insulin im Gewebe verbessern oder nach einer Mahlzeit den Anstieg des Blutzuckerspiegels hinauszögern.

 



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