Ich habe die Texte aus einer anderen HP kopiert (Fachhomepage), ich würde mich freuen wenn mir Betroffene schreiben, wenn was nicht stimmt oder man noch etwas ergänzen/ändern könnte.
DANKE VIELMALS
Formen:
- schneiden mit scharfen Gegenständen wie z.B. Rasierklingen, Messern od. ähnlichem
- mit Scherben die Haut einritzen
- Wiederholtes Kopfschlagen
- Ins-Gesicht-schlagen
- In-die-Augen-bohren
- Beißen in Hände, Lippen oder andere Körperpartien
- oberflächlichen Hautverletzungen
- Verbrühungen
- sich mit Zigaretten, Bügeleisen, oder ähnlichem Verbrennungen zufügen
- extremes Nägelkauen
- Abbeißen von Fingerkuppen
- exzessiver Sport
- ungesunde Ernährung
- Drogenexzesse
- zuwenig Schlaf
- chemische Substanzen oder Gegenstände schlucken
- Spritzen v. Schmutzwasser
- Extremes Tätowieren
- Extremes Piercen
- Haare ausreißen
- Wundheilung verhindern
- USW.
Die meisten SVV-ler können es nicht erklären, aber sie wissen genau, wann sie aufhören müssen. Nach einem gewissen Grad an Verletzung, ist der Bedarf irgendwie befriedigt und die sich verletzende Person fühlt sich friedlich, ruhig und getröstet. Nur 10% empfinden 'große Schmerzen'; 23% berichten von mäßigen Schmerzen und 67% empfinden wenig bis gar keinen Schmerz. Naloxone, ein Medikament welches die Wirkung von Opiaten umkehrt (inklusive der Endorphine, die natürlichen Schmerzkiller des Körpers), wurde in einer Studie an SVV-ler gegeben, aber es half nicht
Gründe:
Dies mag ein Aspekt der Selbstverletzung sein, der denjenigen sehr unverständlich scheinen mag, die sich nicht verletzen. Warum sollte sich irgendjemand selbst Verletzungen zufügen? Es gibt Beweise, daß SVV-ler, wenn sie konfrontiert sind mit starken Emotionen oder erdrückenden Situationen, die Selbstverletzung als Bewältigungsmittel wählen, weil es ihnen eine schnelle Erleichterung von der Angst und der Anspannung bringt. Diese Situationen verursachen eine Steigerung körperlicher Erregung, und die Selbstverletzung senkt schnell den Level der Erregung wieder auf "Normal-Niveau". Der SVV-ler mag eine Erleichterung verspüren, aber selbst wenn er sich danach schuldig oder ärgerlich fühlt, ist es doch in keinem Fall mit den vorhergehenden schlechten Gefühlen oder der unerträglichen Spannung zu vergleichen.
- Flucht vor der Leere, Depression, und Gefühle der Derealisation.
um damit Spannung abzubauen.
- Als Ausdruck emotionalen Schmerzes
- Flucht vor Betäubtnisgefühlen: viele derer, die sich selbst verletzen sagen, daß sie es tun, um nur irgendetwas zu fühlen, zu fühlen, daß sie noch leben.
- Um ein Gefühl der Euphorie zu erlangen
- Weiterführen von Mißbrauchserfahrungen: SVV-ler sind häufig als Kinder mißbraucht worden. Manchmal ist die Selbstverletzung ein Weg, sich selbst dafür zu bestrafen, daß man "böse" war/ist.
- Erleichterung von Wut: viele SVV-ler haben eine enorme Menge an Wut in sich. Aus Angst, sie nach außen zu richten, verletzen sie sich selber um diesen Gefühlen freien Lauf lassen zu können.
- Biochemische Erleichterung: es gibt Vermutungen, dass Erwachsene, die als Kinder wiederholt traumatisiert wurden, es sehr schwer haben zu einem normalen Erregungslevel zurückzukehren und sind in einem gewissen Sinne süchtig nach diesem "Krisenverhalten".
- Das Erreichen oder Aufrechterhalten des Einflusses auf das Verhalten Anderer
- Das Erreichen des Gefühls der Kontrolle über den eigenen Körper
- Fundament der Realität, ein Weg, um mit Gefühlen der Depersonalisation und Dissoziation umzugehen
- Erhaltung des Gefühls der Sicherheit oder Einzigartigkeit
- Ausdruck oder Unterdrückung von Sexualität
- Ausdruck oder Umgang mit einem Gefühl der Inbesitznahme
Ursachen:
Um die Ursachen für SVV herauszufinden, betrachtet man die Zeit von Kindheit bis Pubertät. Verschiedene Gegebenheiten während dieser Zeit können zuverlässige Indikatoren für die Häufigkeit wie auch die Schwere der Verletzungen sein.
"... Vernachlässigung ist der stärkste Auslöser für SVV. Dieses deutet darauf hin, dass obwohl ein Kindheitstrauma ein starker Auslöser für den Beginn des selbstverletzenden Verhaltens ist, die Vernachlässigung dieses Verhalten aufrechterhält. Die, die sich nicht erinnern konnten, sich als Kind als etwas besonderes gefühlt zu haben oder von geliebt zu sein, waren am wenigsten fähig ihre Selbstverletzung unter Kontrolle zu bekommen."
Opfer von sexuellem Missbrauch neigen am ehesten von allen zum Schneiden. Je früher der Missbrauch anfing, desto eher griffen die Betroffenen zum Messer und desto tiefer waren die Schnitte.
Obwohl sexueller und physischer Missbrauch und Vernachlässigung SVV offensichtlich stark begünstigen, hält die Umkehrthese diesem nicht stand. Viele von denen die sich selber verletzen, haben in der Kindheit keinen Missbrauch erlebt.
Linehan (1993a) spricht darüber, dass Leute mit SVV in krankmachender Umgebung aufgewachsen sind. Während natürlich Missbrauch ganz sicher krank macht, so gibt es jedoch auch andere, ganz "normale" Situationen, die auch krank machen können. Sie sagt:
"Eine Umgebung, in der der Mensch nicht beachtet und geachtet wird ist eine, welche persönliche Erfahrungen unstet, unangemessen oder extrem spiegelt. In anderen Worten ist das Formulieren von eigenen Erfahrungen nicht erwünscht; anstatt dessen wird es oft bestraft und/oder ins Lächerliche gezogen. Das Formulieren von schmerzvollen Erfahrungen wird abgelehnt. Die persönliche Auslegung des eigenen Verhaltens, inklusive der Erfahrung, mit welcher Absicht und Motivation etwas getan wurde, werden abgewertet..."
"Das was krank macht, hat zwei primäre Charakteristiken. Erstens sagt es dem Individuum, dass es falsch liegt, in der Beschreibung wie auch der Analyse der eigenen Erfahrung. Speziell die Sicht dessen, was seine Gefühle, seinen Glauben und seine Handlung hervorruft. Zweitens werden ihre Erfahrungen als von der Gesellschaft unakzeptable Charakteristika oder unakzeptable persönliche Züge eingestuft."
Diese Verletzungen können verschiedene Formen annehmen:
- "Du bist wütend, aber Du willst es nicht zugeben."
- "Du sagst nein, aber Du meinst JA, ich weiss das."
- "Du hast das getan (etwas, was du in Wirklichkeit gar nicht getan hast). Hör auf zu lügen!"
- "Du bist ein Sensibelchen, Du bist Hypersensibel."
- "Du bist nur faul."
- "Ich lasse mich von Dir nicht so manipulieren."
- "Kopf hoch. Stell Dich nicht so an. Du kommst da schon drüber weg."
- "Schau mal endlich das Positive an und hör auf, so pessimistisch zu sein..."
- "Du versuchst es nur nicht hart genug."
- "Ich gebe Dir gleich einen Grund zum Weinen!"
- "Aus dir wird nie was! "
Jeder erfährt solche Verletzungen/Missachtungen wie diese hin und wieder. Aber Leute, die in einer krank machenden Umgebung aufgewachsen sind, hörten diese Aussagen ständig. Die Eltern meinen es sicher gut, aber sie können nicht mit negativen Gefühlen umgehen. Also erlauben sie ihren Kindern nicht, diese auszudrücken und das Resultat ist unabsichtliche Verletzung. Chronische Verletzung kann unweigerlich zu unterbewusster Selbstmissachtung / Unfähigkeitserklärung und Selbstzweifel führen und zu dem Gefühl 'Ich bin nichts Wert', welches Kolk et al. beschrieb.
Wer:
Das Gesamtbild zeigte sich bei Menschen, die:
- sich selbst nicht leiden können und sich verneinen
- sehr empfindlich auf Ablehnung reagieren
- chronisch ärgerlich sind, normalerweise auf sich selbst
- dazu neigen, ihre Angst zu unterdrücken
- einen hohen Grad aggressiver Gefühle besitzen, was sie sehr stark mißbilligen und dann häufig unterdrücken, oder nach innen lenken
- impulsiver sind und es an Impulskontrolle mangelt
- dazu neigen nach ihrer momentanen Stimmungslage zu handeln
- dazu neigen, in den Tag hinein zu leben und nicht weiterzuplanen
- die depressiv und selbstmordgefährdet/selbstzerstörerisch sind
- unter chronischen Angstzuständen leiden
- leicht reizbar sind
- die sich selbst als nicht fähig erachten mit Situationen und Emotionen umzugehen
- keine vielfältigen Möglichkeiten der Verarbeitung und Bewältigung besitzen
- glauben, dass sie nicht die Fähigkeit besitzen, ihr Leben zu meistern
- dazu neigen, "den Kopf in den Sand zu stecken", vermeiden Probleme
- kein Selbstvertrauen besitzen
- sich als machtlos empfinden
- sich überall, wo sie sind, allein fühlen
- sich emotional niemandem anvertrauen, sich auf niemanden verlassen können
SVV ist oft nur ein Symptom unter vielen, daher kann man diese Aussagen nicht verallgemeinern, natürlich können auch ganz andere Personen betroffen sein! Vielen SVV-ler sind ihre Probleme vielleicht gar nicht bewusst, sie fühlen sich vielleicht unverstanden, weil es nach aussen so aussieht, als hätten sie ein ganz normales Leben und "dürften" gar keine Probleme haben. Gerade der Satz "was willst Du denn schon für Probleme haben" tut weh und ist sicher nicht die richtige Reaktion, wenn jemand versucht sich einem anderen Menschen anzuvertrauen!
Genaue Zahlen, wie viele Menschen sich in Deutschland selbst verletzen gibt es nicht, nach Schätzungen sind es ca. 800.000 Mädchen, mit Sicherheit sind es aber mehr. Daten über Jungen gibt es kaum, die Zahl wird aber als deutlicher geringer eingestuft, das Verhältnis ist etwa 5:1.
Das sich hauptsächlich Mädchen ritzen wird darauf zurückgeführt, dass sie nach gesellschaftlichen Normen ruhiger und fürsorglicher als Jungen sein sollen, ihre Aggressionen oft nicht ausleben dürfen. Schon in der Erziehung haben sie Angst vor Liebesentzug, da sich ihre Agressionen als erstes gegen die Mutter richten, dies führt zu einem nach Innen richten der Aggressionen, Jungen agieren eher fremdaggressiv.
SVV beginnt häufig in der Pupertät, sie ist eine schwierige Phase in der es ein grosses Aggressionspotential gibt, dass Mädchen schlecht nach aussen bringen können. Sie suchen die Fehler oft bei sich selbst, wenn sie einen Verlust von Liebe und Anerkennung erfahren, nachdem sie versucht haben ihre Interessen durchzusetzen, aus diesem Konflikt resultiert oft eine depressive oder autoaggressive Reaktion.
Comming Out:
Du bist SVV'ler und möchtest es Deiner Umgebung mitteilen. Eine Liste über die Sachen, die Du bedenken musst, wenn Du Dich anderen mitteilen willst, ist angepasst an eine Liste von Bass und Kaufman 1996.
- Respektiere die Gefühle der anderen Person
Es kann für sie fast gleich schlimm sein alles zu hören zu hören, wie es für Dich schlimm ist, es zu erzählen. Mach Dir klar, daß sie sich wahrscheinlich fragt, was sie falsch gemacht hat und wie sie Dich wohl hätte davor bewahren können, so viel Schmerz zu erfahren und warum Du Dich wohl "falsch" entwickelt hast. Du musst ihre Wertung betreffend SVV nicht akzeptieren aber sei offen dafür zu hören, was sie dazu zu sagen hat. Du könntest etwas daraus lernen und Du kannst ihr sicher viel beibringen.
- Erkläre, dass Deine ‚Offenbarung' ein Akt der Liebe ist
Lass die Person wissen, daß Du ihr über Dein SVV erzählst weil Du grosses Vertrauen zu ihr hast und Du sie magst. Normalerweise erzählt jemand über sein SVV, weil er/sie es satt hat ständig einen Teil von sich verschweigen zu müssen. Das Bedürfnis offen zu sein und jemandem zu vertrauen überwiegt die angst, abgewiesen, gehasst oder verabscheut zu werden. Sag der betreffenden Person, dass Du ihr das über Dein SVV nicht erzählst um sie zu bestrafen, manipulieren oder beschuldigen.
- Wähle einen ungestörten Ort und sorge für genug Zeit zum Reden Dies ist eine wichtige Angelegenheit. Finde einen Zeitpunkt, in dem alle, die darin involviert sind für eine lange Diskussion verfügbar sind. Mache es an einem Ort, an welchem sich alle wohl fühlen und wo Du Dir keine Sorgen zu machen brauchst, dass man Dich überhört. Wenn Du unter Zeitdruck stehst oder Angst davor hast, daß Leute in der Nähe das Gespräch mitbekommen und darauf reagieren, dann wirst Du nicht fähig sein Deine ganze Aufmerksamkeit dem Gespräch zu widmen und den anderen wird es nicht besser gehen.
- Offenbare Dich nicht im Streit
Missbrauche SVV nicht als eine Waffe im Stil "Oh ja, schau nur, wegen Dir schneide/brenne/kratze/schlage ich mich!" Um die Liebe und das Verständnis zu erhalten welches Du suchst, musst Du fähig sein, dieses zurückzugeben. Ob nun die Person zu Deinem Problem beigetragen hat oder nicht spielt keine Rolle bei diesem Gespräch. Wenn Du anfängst Schuldzuweisungen zu machen und wütend wirst, dann wirst Du die Person in die Defensive drängen und sie wird ärgerlich werden. Der ganze Prozess wird sich festfahren und schrecklich unschön und unproduktiv werden. SVV als Waffe zu missbrauchen erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Person genau so reagiert wie Du genau hoffst, dass sie es nicht tut.
- Überlege es, eine/n Verbündete/n für das Gespräch zu gewinnen
Wenn du eine/n FreundIn oder eine TherapeutIn hast, welche/r Dein SVV versteht könntest Du sie/ihn fragen, ob er/sie dem Gespräch beiwohnen möchte. Eine neutrale Drittperson kann helfen, die Emotionen nich zu hoch steigen zu lassen.
- Organisiere so viel Informationsmaterial wie möglich
Je mehr jemand über etwas weiss, desto weniger angst hat er davor. Viele Leute haben noch nie was über SVV gehört oder nur sensationslüsterne oberflächliche Reportagen. Sei darauf vorbereitet, der Person Namen von Büchern, Adressen und Webseiten etc. zu geben. Sammle so viele Informationen wie möglich, damit Du die Fragen exact und ehrlich beantworten kannst.
- Sei bereit (und willens) Fragen zu beantworten
Es mag sein, dass Du sie über SVV informieren musst. Ermutige sie zu fragen, was immer ihr auch durch den Kopf geht. Wenn Du etwas gefragt wirst, auf das Du keine Antwort geben kannst dann sage einfach ‚Ich weiss nicht' oder ‚Ich kann es nicht sagen' oder sogar ‚Ich möchte darüber gerade jetzt lieber nicht sprechen'. Sei so offen, wie Du kannst. Wahrscheinlich möchtest Du am liebsten schon vorher wissen, welche Fragen normalerweise so gestellt werden, damit Du Deine Antworten vorbereiten kannst. Frage doch andere SVV-ler, die es schon gemacht haben nach ihren Erfahrungen.
Du solltest Dir auch gut überlegen, was Du gegen Dein SVV unternehmen willst. Das wirst Du sicher gefragt. Willst Du eine Therapie machen? Was für eine Therapie? Wenn nicht, was ist der Grund es nicht zu behandeln? Möchtest Du, dass man Dir hilft, damit aufzuhören? Wie können sie dir helfen? Was geht Dir zu weit (ist für Dich aufdringlich) und was nicht? Jetzt ist eine gute Zeit um Grenzen zu setzen.
- Nicht gleich die schlimmsten Ereignisse im ersten Gespräch.
Fang' nicht damit an bis ins kleinste Detail zu erzählen, wie sie Dich mit 43 Stichen zusammennähen mussten und dass Du eine Transfusion gebraucht hast. Es ist wahrscheinlich sowieso am besten, nicht allzu genau Deine Verletzungen zu beschreiben. Wenn Du gefragt wirst, dann sage nur ‚Ich schneide mich ins Handgelenk' oder ‚Ich schlage an die Wand bis ich Blutergüsse bekomme' oder was auch immer. Versuche nicht, sie zu sehr zu schockieren. Du kannst in einem späteren Gespräch immer noch genauer werden.
- Vertraue Deinem eigenen Urteil
Tue, was Dir richtig erscheint. Du kennst Dich, Deine Familie und Deine Freunde besser als andere.
- Teile Dich mit
Sei bereit, mit den Personen denen Du über Dein SVV erzählst über Deine Reaktionen zu sprechen und frage sie, ob sie Dir sagen, was sie denken. Kommunizieren gilt für beide Seiten!
- Narben
Für einige Leute sind Narben kein Thema. Sie verletzen sich so, dass sie keine dauerhaften Spuren hinterlassen, oder sie verletzen sich an Orten, die normalerweise mit Kleidern bedeckt sind (Rumpf, Schultern etc.). Für die meisten Leute, die sich schneiden oder verbrennen sind die Narben jedoch ein grosses Problem.
- Narben verdecken
Manchmal ist es möglich, Narben zu verdecken. Narben am Handgelenk können mit langen Ärmeln verdeckt werden (nicht so ideal im Sommer) oder mit Armreifen oder Armbanduhren. Einige Narben an den Beinen bei Frauen können unter Strumpfhosen oder Leggins versteckt werden. Eine dicke Schicht verdeckendes Make-up wie z.B. Dermablend kann dazu benutzt werden, Narben zu verdecken. Einige Leute sagen, dass regelmässiges Auftragen von Vitamin- und Aloe Vera - Produkten hilft, die Narbe weniger auffällig zu machen, damit sie besser versteckt werden kann. Injektionen mit Kortison können vernarbtes Gewebe ausglätten.
Für Freunde/Verwandte v. SVV-lern:
Jemand hat Dir anvertraut, dass er/sie sich selbst verletzt oder Du hast es zufällig selbst entdeckt. Nun möchte Du Dich zu diesem Thema informieren bzw. damit auseinandersetzen, weil Du nicht weisst, wie du damit umgehen sollst. Diese Seite soll als eine kleine Hilfe dienen.
- Nimm es nicht persönlich
SVV hat mit der Person zu tun, die es tut und weniger mit den Leuten, die um sie herum sind. Die Person, um welche Du Dich sorgst schneidet, brennt, schlägt oder kratzt tut das alles nicht, damit Du Dich schlecht oder schuldig fühlst. Sogar wenn es wie eine Manipulation aussieht; ist es wahrscheinlich nicht so gemeint. Leute verletzen sich generell nicht selber um dramatisch zu wirken, um andere zu ärgern oder um auf sich aufmerksam zu machen.
- Informiere Dich
Informiere Dich so gut es geht über SVV. Diese HP ist ein guter Start; es gibt auch einige sehr aufschlussreiche Bücher über das Thema ("Bodies under siege" von Favazza, "The scarred soul" von Alderman und "a bright red scream" von Strong).Das Buch von Favazza ist in einem sehr nüchternen Ton geschrieben, Das Buch von Alderman orientiert sich in Richtung Selbsthilfe und das Buch von Strong präsentiert die Stimmen von SVV-lern, welche darüber sprechen, was sie tun und weshalb - es lässt Dich die SVV-ler besser verstehen. Alle drei Bücher enthalten sehr viele gute Informationen und Ratschläge.
- Versuche, Deine Gefühle zu verstehen
Sei ehrlich zu Dir selbst und bei Deinen Gefühlen, wenn Du von SVV hörst und was Du darüber denkst. Mach Dir nicht vor, es sei für Dich o.k., wenn dem nicht so ist - viele Leute finden SVV abstossend, beängstigend oder provozierend. Wenn Du Hilfe brauchst um mit diesen aufkommenden Gefühlen fertig zu werden, suche eine gute Terapeutin. Sei vorsichtig, dass Du nicht versuchst eine "Ersatz-Therapie" für das betroffene Familienmitglied, den betroffenen Freund zu machen. Was in Deiner Therapie abgeht, das sollte zwischen Dir und Deiner Therapeutin bleiben.
Frag Deine Therapeutin nicht, ob sie eine Diagnose über den befreundeten/verwandten SVV-ler erstellt oder ihn/sie gar therapiert (abgesehen davon, dass eine gute Therapeutin dies sowieso ablehnen würde). Falls der SVV-ler eine Therapie möchte stell sicher, dass er/sie nicht zu Deiner Therapeutin geht. Diskutiere den Inhalt Deiner Therapie nicht in allen, aber in den meißten allgemeinen Punkten und sage nie:" meine Therapeutin sagt, du solltest..." Eine Therapie ist dazu da, sich selber zu verstehen und nicht um andere dazu zu bringen, sich zu ändern.
- Helfen, ohne das SVV zu verstärken
Es ist wichtig, dass Dein Freund, Liebhaber, Kind, Geschwisterteil weiss, dass Du unterscheiden kannst zwischen dem, was er tut und dem, was er ist und dass Du ihn trotz allem liebst. Sei verfügbar, so oft wie Du kannst. Lege Deine persönlichen Gefühle von Angst oder Ekel was SVV betrifft zur Seite und konzentriere Dich darauf, was mit der Person passiert.
- Drücke Dich nicht vor dem Thema SVV.
Lass die Person wissen, dass Du bereit bist darüber zu sprechen. Alles weitere überlässt du dem SVV-ler selber. Sage dem SVV-ler auch, dass du das Thema nicht selber aufbringst, weil Du ihn nicht unter Druck setzen willst und nicht, weil Du es nicht ansprechen möchtest oder eine Aversion dagegen hast.
- Mach' den ersten Schritt.
"Ich weiss, dass Du Dich ab und zu verletzt und ich würde das gerne verstehen. Es gibt so viele Gründe, weshalb jemand so etwas tut. Wenn Du mir helfen würdest, Deine Gründe zu verstehen, dann würde mir das sehr helfen." Danach forciere bitte nichts. Wenn die Person sagt, dass sie lieber nicht darüber sprechen will, dann akzeptiere das und wechsel das Thema. Sag' vielleicht, dass Du bereit bist zuzuhören, wann immer er/sie bereit dazu ist.
- Sei erreichbar.
Du kannst nur jemandem helfen, wenn du erreicht werden kannst. Setze vernünftige Grenzen. "Du bedeutest mir sehr viel. Darum habe ich grosse Mühe damit umzugehen, dass Du Dich in dem Zeitraum verletzt, wenn wir miteinander sprechen". Dies ist z.B. eine vernünftige Äusserung. Überhaupt nicht sinnvoll ist: Ich mag Dich nicht mehr, wenn Du Dich wieder verletzt, wenn Du die Beziehung erhalten möchtest.
- Missverstände vermeiden.
Mache unmissverständlich klar, dass die Person um die Du Dich sorgst kein SVV ausüben muss um von Dir beachtet und umsorgt zu werden. Fühle Dich frei, dem SVV-ler mit liebevollen, sorgenden Gesten zu begegnen, auch wenn diese nicht immer (oder sogar nur selten) erwiedert werden. Entziehe dem SVV-ler Deine Liebe nicht! Der Weg zu verhindern, dass SVV verstärkt wird ist der, konstant für den SVV-ler da zu sein. So dass es nichts ungewöhnliches oder spezielles ist sich um den SVV-ler zu kümmern, wenn er sich wieder selber verletzt hat.
- Sorge für Ablenkung, wenn nötig.
Manchmal kann etwas Ablenkung Wunder wirken. Ins Kino gehen, spazieren, ein Eis essen gehen. Einfach Sachen, die nichts mit SVV zu tun haben. Wenn die Person um die Du Dich sorgst bedrückt ist, dann kann es manchmal helfen, wenn man etwas schönes und zerstreuendes in ihr Leben bringt. Das heisst nicht, dass Du ihre Gefühle ignorieren sollst; Du kannst wahrnehmen, dass sich jemand schlecht fühlt und dennoch etwas nettes und ablenkendes tun. Es ist nicht damit zu vergleichen, dass man jemanden damit vollquatscht im Stil "da kommst Du schon drüber weg". Es soll ein Versuch sein die Negativ-Spirale zu durchbrechen, indem man etwas Positives einbringt. Es kann so etwas einfaches sein, wie jemandem eine Blume zu bringen. Glaub jedoch nicht, dass diese Bemühungen eine länger anhaltende Heilung bewirken. Hier geht es um eine ganz simple wie verbessere ich den Moment -Technik.
- Biete physisch sicheren Platz an.
Wenn Du nicht in der Nähe der Person wohnst, dann biete ihr einen physisch sicheren Platz an: "Ich sorge mich um Dich; willst Du heute nacht bei mir übernachten?" Wenn dies auch oft ausgeschlagen wird so ist es manchmal dennoch beruhigend zu wissen, dass die Möglichkeit da wäre, auszubrechen.
Frag nicht "Kann ich etwas für Dich tun"? Finde Sachen, die Du tun kannst und frage "Kann ich..?". Leute, die sich sehr schlecht fühlen wissen oft nicht, was ihnen helfen könnte um sich etwas besser zu fühlen. Da hilft es oft wenn man fragt, ob man zusammen ins Kino gehen will oder ob Du das (monatealte) dreckige Geschirr abwaschen sollst (sofern Du dies ohne Wertung machst). Spontane Handlungen der Nächstenliebe wie z.B. "Ich habe diese Blume gesehen und ich wusste, die gehört zu Dir" wirken Wunder.
- Pass auf Dich auf
Es hört sich nach harter Arbeit an und das ist es auch. Und wenn Du jemanden wirklich rund um die Uhr, sieben Tage die Woche betreuen willst, dann wirst Du ausbrennen (speziell da der SVV-ler dann keinen Ansporn mehr zur Besserung bestitzt). Du musst Wege finden, wie auch Deine Bedürfnisse gestillt werden.
- Mach eine Pause, wenn Du eine brauchst.
Wenn Du Grenzen setzt, denk daran, dass auch wenn Du jemanden noch so liebst, Du ab und zu für eine Weile von ihm/ihr weg musst. Sag' der Person, dass Du deine Batterien wieder aufladen musst und dass dies Deine Liebe für ihn/sie nicht verändert. Unterbrich jedoch solch eine Aus-Zeit nur im Fall einer Krise, in der es um Leben oder Tod geht.
Es ist sehr schwierig, hier ein gutes Mass zu finden. Je mehr Du Dich von der Person entfernst, desto grösser kann die Krise werden, in welche der SVV-ler kommt. Wenn Du den SVV-ler wissen lässt, dass er/sie nicht am sterben sein muss, damit er/sie Deine Liebe und Aufmerksamkeit erhält, kannst Du Dir eine Pause gönnen, ohne dass der SVV-ler gleich ausflippt. Der Schlüssel ist, Vertrauen aufzubauen. Dies ist ein Prozess, der längere Zeit in Anspruch nimmt. Wenn Du einmal bewiesen hast, dass Du nicht jemand bist, der bei den ersten Schwierigkeiten gleich abhaut, dann wirst du in Zeiten ohne Krise weggehen können, ohne dass Du bei der anderen Person eine Krise heraufbeschwörst.
- Ein Ultimatum setzen nützt NICHTS.
Jemanden zu lieben, der/die sich selber verletzt ist eine Übung, die eigenen Grenzen kennenzulernen. Es ist egal, wie sehr Du Dich um jemanden sorgst. Du hast kein Recht diese Person zu zwingen so zu handeln, wie Du es für richtig hältst. Manchmal wird SVV nur unterdrückt und bricht später heftiger und schlimmer aus als vorher. Manchmal wird SVV einfach heimlich gemacht. Eine Person reagierte darauf so, dass sie sich darauf konditionierte, möglichst versteckte Stellen am Körper zu finden, an denen sie sich verletzen konnte. Werkzeuge zu konfiszieren ist ebenso sinnlos. Es fordert den SVV-ler nur dazu heraus, Ersatz zu finden. Es gibt Leute, die haben es geschafft, sich mit Plastikbesteck zu verletzen.
Bestrafung heizt den Teufelskreis des Selbsthasses, wecher zu SVV führt nur an. Schuldzuweisungen ebenso. Beides ist sehr gängig und beides macht die Sache ganz klar nur schlimmer. Der grösste Trugschluss ist der Glaube, dass SVV etwas mit DIR zu tun hat; von wenigen Ausnahmen abgesehen ist das nicht der Fall.
- Akzeptiere Deine Grenzen.
- Erkenne den Schmerz der Person, um die Du Dich sorgst an. Akzeptieren und Anerkennen, dass jemand Schmerzen hat heilt die Schmerzen zwar nicht, aber sie können erträglicher werden. Lass' den SVV-ler wissen, dass Du sein SVV nicht als Erpressung siehst oder um Dir das Leben hart oder unbequem zu machen. Anerkenne, dass es sich um wirklichen Schmerz handelt, für den noch kein anderer Weg gefunden wurde, um mit ihm umzugehen. Zeige Hoffnung, dass es die Möglichkeit gibt, andere Wege zu finden damit umzugehen. Wenn der SVV-ler darauf anspricht, dann besprich mit ihm/ihr die möglichen Vorgehensweisen.
- Forciere die Dinge nicht
Wenn Du ein Angebot machst und dies abgelehnt wird, warte ein paar Tage. Sei nicht ungeduldig. Es ist für einen SVV-ler nicht einfach, zu jemandem Vertrauen zu fassen. Vor allem, weil die Meisten schon viele negative Reaktionen auf ihr SVV erhalten haben.
- Hab Geduld.
Alternativen:
Hier sind nun ein paar Möglichkeiten, die Dir vielleicht in Momenten, in denen es Dir schlecht geht und Du Dich selbst verletzten möchtest, helfen könnten.
- Versuche Dich zu entspannen bzw. abzulenken, z.B. Tief durchatmen, Baden, Musik hören, Lesen, Fernsehen...
- Mit jemandem sprechen (ein Freund, Therapeut oder Telefon-Krisendienst)
- Versuche, möglichst nicht alleine zu sein (einen Freund besuchen, einkaufen, spazierengehen)
- Tagebuch schreiben bzw. schreibe das auf, was Du momentan fühlst, was Dir durch den Kopf geht
- Versuche deine Gefühle kreativ umzusetzen, z.B. durch Zeichnen
- Trage ein Gummi um Dein Handgelenk und laß es schnalzen, wenn Du den Drang hast, Dich selber verletzen zu wollen.
- Male Dir rote Striche mit wasserlöslichen Filzstiften auf die Haut anstatt zu schneiden.
- Presse Eiswürfel an Deine Haut. Die Kälte ist zwar schmerzhaft, aber weder gefährlich noch gesundheitsschädlich.
- Versuche Dich nicht in Versuchung führen zu lassen, d.h. halte Dich nicht an Orten auf, wo du z.B. deine Klingen aufbewahrst
- Versuche Deine Aggressionen loszuwerden (Schlag auf ein Kissen oder eine Matratze, geh nach draussen und schrei alles aus Dir heraus)
- Suche Dir eine Sportart, bei der Du Deinen inneren Stress abbauen kannst
- Weine, wenn du kannst. Du fühlst dich besser, wenn die Tränen erst einmal raus sind.
- Tu irgendetwas mit deinen Händen (Malen, Zeichen, Aufräumen, Abwaschen, Hausarbeiten)
- Schreibe einen Brief an die Person, die Dich traurig oder wütend macht bzw. die Dich verletzt hat.
- Schreibe Dir Deinen ganzen Frust von der Seele, verfasse Kurzgeschichten oder Gedichte.
- Mach Musik, spiele ein Instrument spielen oder erlerne es.
- Höre laut Musik und versuche dich voll auf das Lied zu konzentrieren, lasse dich sozusagen davon fesseln.
- Versuche Deine Gefühle mitzuteilen anstatt sie zu schlucken oder sie für Dich zu behalten.
- Nimm den Gegenstand, mit dem du dich sonst selber verletzt und richte es dieses Mal gegen etwas anderes als dich selbst.
- Sage Dir, dass Du Dich in 15 Minuten immer noch verletzten kannst. Versuche nach den 15 Minuten, ob du es nochmal 15 Minuten aushälst.
- Schreib eine Liste mit Gründen, warum du das Schneiden aufhören wirst. Immer wenn du dann den Drang verspürst, dich selber zu verletzen, lies die Liste als Erinnerung daran, warum du es jetzt nicht tun solltest.
- Wenn Du kurz davor bist Dich zu verletzten, versuche nachzudenken: Warum mache ich das? Möchte ich es wirklich? Hilft es mir? Was werden die Folgen sein? Möchte ich mit diesen Folgen leben?
- Wenn der Drang dennoch nicht weniger wird, erlaube Dir das SVV, aber bestimme woher wie weit und versuche die Grenze nicht zu überschreiten.
Was aus dieser Liste Dir helfen, kannst Du herausfinden. Wichtig ist es, etwas zu finden, was dem Ritzen, Schneiden, Cutten "gleichwertig" ist.
All diese Möglichkeiten sind keine keine Heilung des SVV, sondern eine Art von Verschiebung, um mit der momentanen Situation, dass es Dir schlecht geht klarzukommen, sie zu überbrücken und zu verhindert, dass es noch schlimmer wird.
Versuche eine Methode zu finden, um in belastenden Situationen auch ohne SVV auszukommen.
Erlaube dem Drang nicht, Dich zu kontrollieren!