Theater- und Creativprojekt DIE SPIELER
Selbstverständnis: Theaterpädagogik stellt eine einzigartige Möglichkeit dar, lustvoll die eigene Ausdrucksfähigkeit zu erkunden, in neue Rollen zu schlüpfen, sich die eigene Ideenwelt und eigene Erfahrungen szenisch bewußt zu machen, Situationen und Verhaltensmuster durchzuspielen, zu klären, umzugestalten und vieles mehr. Die Mittel des Theaters werden dafür aus dem spezialisierten Kulturbetrieb herausgelöst und wieder ihrer ursprünglichen Funktion zugeführt: So verhelfen sie uns dazu, uns ganzheitlich mit uns selbst und unserer Lebensrealität zu befassen, unser Erleben zu begreifen und uns selbst begreiflich zu machen. Sie sind grundlegendes Mittel, um die eigenen Entwicklungspotentiale zu aktivieren und um Verständigungs- und Handlungsmöglichkeiten zu erschließen.
Arbeitsweise: Die Arbeitsweise ist deutlich experimentell ausgerichtet. Bestandteile des Grundkonzepts sind ein allgemeines Workshoptraining, die Mitwirkung aller Teilnehmer/innen an der gemeinsamen Gestaltung sowie die Auseinandersetzung mit der persönlichen und sozialen Lebensrealität. Häufig wird die Theaterarbeit ergänzt um Recherchen für dokumentarische Inszenierungsanteile. Neben der inhaltlichen Arbeit haben Gruppenprozesse und die individuelle Förderung der einzelnen Teilnehmer/innen gegenübergegebenenfalls stattfindenden öffentlichen Aufführungen gleichrangige Bedeutung. Wichtig sind z.B. die Auseinandersetzung mit der eigenen Ausdrucks- und Artikulationsfähigkeit, dem eigenen Wahrnehmungsverhalten und den persönlichen Kreativitäts-potentialen. Grundsätzlich wird die Theaterarbeit als ein ganzheitlicher Prozeß aufgefaßt, der in vielfältiger Weise den Körper, das Empfinden und die intellektuelle Auseinandersetzung des Einzelnen ebenso einbezieht, wie den gegenseitigen Kontakt. Aufführungen werden als zusätzliche Chance betrachtet, das Erarbeitete zu vertreten und öffentlich Stellung zu beziehen. Über Gestaltungsfragen größerer Inszenierungen entscheidet dieGruppe gemeinsam, bei Kleinaktionen und Übungen führen dieTeilnehmer/innen oft abwechselnd Regie. Die Gruppenleitung sieht ihre Aufgabe v.a. in der strukturierenden und beratenden Anleitung der Gruppe. Besonders anregend waren sind für die Entwicklung der Arbeitsweise v.a. das freie Theater, Bert Brecht, das Grips-Theater, Augusto Boal und die japanische No-Theatertradition.
Bisherige Angebote und Projekte: Unter anderem hat das Theaterprojekt "Die Spieler" im theaterpädagogischen Bereich bislang Projekte zu folgenden Themen angeboten: - Interkulturelle Theaterarbeit für junge Leute bis 27 Jahren - Fortlaufende Workshops: Schauspielerische Übungen - Theaterspielen Theaterpädagogisches Ausdruckstraining für Erwachsene - Theaterwerkstatt für Männer (Wochenendworkshops) - Interkulturelle Theaterwerkstatt für Kinder - Theaterwerkstatt für Singles und solche, die es werden wollen (Wochenendworkshops) - "Geschlechtswerkstatt" - Darstellende Kreativität in der sozialpädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen (Fortbildung) - Lebens-Geschichten-Theater - Theater spielen - in deutscher Sprache! - Theaterpädagogisch gestützte Alphabetisierungskurse - Großgruppenarbeit (Schule) zur Gesundheitserziehung (Je nach Nachfrage werden gerne auch Angebote in zusätzlichen Bereichen entwickelt)
Adressaten und Rahmenbedingungen: Je nach Kursangebot verschiede Adressaten. ( z.B. Jugendliche und junge Erwachsene aus verschiedenen Herkunftsländern; Kinder; Seniorinnen und Senioren; s.o.) Die Veranstaltungen finden in der Regel in Kooperation mit verschiedenen Bildungseinrichtungen statt.
Projekt-Beispiel: Theaterarbeit für junge Leute bis 27 Jahre Dies Projekt verfolgte das Ziel, innerhalb des Teilnehmerkreises und durch öffentliche Aufführungen den Kontakt zwischen jungen Leuten verschiedener Herkunftskulturen zu thematisieren und zu fördern. Inhalte der Arbeit waren vorwiegend Themenbereiche wie "Ausländer und Deutsche", "kulturelle Unterschiede", "ethnische Konflikte", "Rassismus" u.a.m.. Bei der gemeinsamen Theaterarbeit konnten gegenseitige Vorurteile erkannt, verdeutlicht und korrigiert werden und das Bewußtsein für ein gleichberechtigtes Zusammenleben konnte weiterentwickelt werden. Besonders wichtig war, daß sich die Teilnehmer/innen mit ihren individuellen Interessen und Elementen ihrer Herkunftskultur einbringen konnten, und daß so aus verschiedenen Einflüssen der jeweils spezielle Charakter von Inszenierungen zustandekam. Die Gruppe bestand normalerweise aus etwa sieben bis zehn Mitgliedern aus verschiedenen Herkunftsländern. (aus: Deutschland, Ghana, Großbritannien, dem Iran, Italien, dem ehemaligen Jugoslawien, den Niederlanden, Somalia, Sri Lanka, Syrien, der ehemaligen Tschechoslowakei, der Türkei und den USA.) In der Regel fand einmal pro Woche ein Übungsabend statt, der einen praktischen Übungsteil (allgemeines Darstellungs- und Inszenierungstraining), einen praktischen Probenteil (Arbeit an der jeweils aktuellen Inszenierung) und einen Besprechungsteil (Diskussionen, Analysen, Behandlung dramaturgischer Fragen u.a.m.) umfaßte. Daneben wurden auch Abende mit bestimmten thematischen Schwerpunkten angeboten. Zweimal pro Jahr fand normalerweise zusätzlich ganztägige Workshops statt, zu denen gelegentlich auch Fachreferentinnen oder Fachreferenten eingeladen wurden. Zwischen der Gründung des Projektes im Jahr 1987 und dem Jahr 2000 entstanden insgesamt 11 Produktionen. Zumeist wurden in der Probenarbeit eigene Textvorlagen erstellt und ein häufiges Gestaltungsprinzip war die szenische Collage auf der Grundlage von eigenen und fremden Texten, Text-fragmenten, musikalischen, tänzerischen und anderen Elementen. Die Aufführungen fanden in München je nach Art und Umfang der Produktion im Rahmen von Kulturveranstaltungen, als Straßentheater, in kulturell genutzten Hallen (Feierwerk, Pasinger Fabrik), in Münchner Theatern u.a.m. statt.
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