Erfahrungen

Der Berufsstress wächst, die Freizeit wird immer knapper, der Erholungsbedarf größer. Auch Mütter müssen arbeiten - aufgrund geänderter Ladenzeiten oftmals bis in den Abend hinein und auch am Wochenende. Viele sind mit der Kindererziehung überfordert. Und so können weniger Menschen ihre Freizeit für ein Ehrenamt opfern, mehr Kinder sind auf sich selbst gestellt.

Ein übrigbleibender Rest Idealisten muss sich mit einem stetig steigenden Berg an bürokratischen Auflagen und Gebühren plagen. Die Vereinsverwaltung kann vielerorts kaum noch nach Feierabend abgeleistet werden. Also müssen in größeren Vereinen oft Verwaltungskräfte eingestellt werden, die wiederum Kosten verursachen und Beiträge steigen lassen. Je höher aber die Mitgliedsbeiträge ausfallen, desto weniger engagieren sich Mitglieder: Wer teuer bezahlen muss, wird nicht kostenfrei für den Verein zur Verfügung stehen.

Solche und ähnliche Kreisläufe sorgen dafür, dass eine Abhängigkeit von der Wirtschaft wächst, denn es muss ständig Geld aufgetrieben werden, um weiterarbeiten zu können und um zu überleben. Ohne Sponsoring kommen die wenigsten Vereine aus. Behördliche Auflagen belasten die Kasse noch zusätzlich. Und so werden besonders die kleineren Vereine mangels Mittel oft zur Untätigkeit verdammt. Und das führt wieder dazu, das engagierten Menschen der Spaß an der ehrenamtlichen Arbeit verloren geht. Woher soll man auch die Motivation nehmen, wenn alle Mühe vergeblich ist.  

Die Verbände schlafen leider auch. Wenn ein Verein beispielsweise existenzbedrohende finanzielle Sorgen hat, weil Nutzungsgebühren für öffentliche Gebäude ihn zu stark belasten o. ä., gibt es pauschale Regelantworten: "So ist das überall, damit müsst ihr euch abfinden." oder "Wer keinen Sponsor hat, fällt hinten raus!" 

Mittlerweile ist auch das Zuschusswesen nicht mehr gerecht, nachdem die Behörden die Mittelvergabe an die Verbände abgeben. Auch hier ist das Musikkorps Rendsburg ein betroffener Verein. Der Kreissportverein verlangt nämlich, dass für die Auszahlung von Übungsleitergeldern (bisher vom Kreis RD-Eck bezahlt) Übungsleiterlizenzen vorgelegt werden. Und so müssen die Musikausbilder in Turnmusikervereinen einen sportlichen Lehrgang zum Erhalt der Ü-Leiterlizenz absolvieren, wenn sie aus dem Topf des Kreis RD-Eck Übungsleiterzuschüsse bekommen sollen. Zuschüsse für Sportgerät (Instrumente) bekommen die Turnermusiker dagegen nur noch, wenn am Ende des Jahres etwas übrig bleibt. Doch mit Umlagen für Baumaßnahmen an Sportanlagen des Landesverbandes wird der Verein noch zusätzlich belastet, obgleich er solche Anlagen niemals nutzen wird und auch kaum darf.

Wer wundert sich über den Rückgang bürgerschaftlichen Engagements?
Wird diese Arbeit nicht freiwillig geleistet?
Sollte man nicht dankbar dafür sein, sie fördern?
Sind die Behörden nicht verpflichtet, den Platz dafür kostenfrei zur Verfügung zu stellen?

Unser Eindruck ist: In Deutschland maßen sich zu viele Menschen Machtausübung an. Sie machen uns unmündig und versuchen das Ob, Wann, Wo und Wie zu bestimmen und sie verlangen, dass man dafür bezahlt ehrenamtlich zu arbeiten. Das muss aufhören, sonst gehen auch die letzten Idealisten, die sich ehrenamtlich betätigen, verloren. 

 




 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 








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