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                                         100 Jahre SV Eintracht Trier 05

                                                                                                  

 

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 Wie alles begann...

1. Juli 1904. Szene:Trierer Hauptbahnhof. Eben ist der Koblenzer Schnellzug eingelaufen und unter den Reisenden, die er entlässt, befindet sich ein junger Mann, auf den wir den Scheinwerfer richten müssen. Der Neunzehnjährige hat eine lange Reise hinter sich und ist, wie es in diesem Alter und wenn man zum ersten Mal die Nase in die weite Welt steckt, als Regel gilt, geladen mit Lebensfreude und voll Erwartung, was ihm diese unbekannte Stadt an der Westgrenze des Reiches bringen werde. Er kommt aus der Goethe- und Schiller Stadt
Weimar, wo er geboren ist, um in Trier die Leitung einer Filiale der Saarbrücker Lebensmittelfirma L. Gottlieb anzutreten, die auch in Trier einige Verkaufsgeschäfte unterhielt. Sein Name, beinahe hätte ich gesagt, tut nichts zur Sache, denn dieser Name oder vielmehr der Mensch, der dahinter steckt, ist bis zur Stunde an der Mosel so gut wie unbekannt geblieben - also sein Name war Ernst Vent.


Besagter Jüngling sah sich auf dem Bahnhofsvorplatz um, kletterte sodann in einen auf Schienen laufenden Wagen, vor den ein Pferd gespannt war und fuhr mit dieser Pferdebahn zur Endstation nach Löwenbrücken. 
 

Der Thüringer war ein vielseitig interessierter Junge und bald wusste er in der ehrwürdigen Augusta Treverorum so gut Bescheid wie irgendein Trierer Biwack. Die Stadt gefiel ihm. Sie trug ihr hohes Alter weit handgreiflicher zur Schau als dies heutzutage der Fall ist. Die Einwohnerzahl betrug genau 46.709 und wenn man die 5.626 Militärpersonen abzog, waren es noch rund 41.000. Barbeln, Löwenbrücken, das Maar, St. Paulin und Zurlauben gehörten seit der großen Eingemeindung im Jahre 1888 zur Stadt, aber Pallien, Heiligkreuz, Mattheis und Medard lagen noch jenseits der Stadtgrenze mit zum Teil ausgesprochen ländlichem Charakter. Böse Zungen hatten unseren jungen Thüringer sogar darauf aufmerksam gemacht, dass er überhaupt nicht in eine Stadt kommen werde, sondern in das größte Dorf der Eifel. Sie wussten aber nicht, dass einen Monat nach Ernst Vent ein anderer Mann in Trier eintreffen werde, der sich von Bruchhausen nannte und den alten Oberbürgermeister de Nys ablöste. Damit begann eine Epoche, die die moderne Zeit, das Trier von heute, langsam aber sicher einführte. Vent aber sah noch die gute, alte Zeit, die - stellen wir den Scheinwerfer einmal scharf ein - eigentlich mehr alt als gut aussieht.
A propos Beleuchtung. Elektrisches Licht war nur ganz vereinzelt in der Stadt zu finden, für wenige Auserwählte, die das Geld für diese kostspielige Neuheiten hatten. Gaslaternen
brannten auf den Strassen und auch in manchen Häusern, aber in der Hauptsache wurden die Schulaufgaben noch beim trauten Schein der Petroleumlampe gemacht. Die Kanalisation war
kräftig im Gange, doch bei weitem nicht vollendet. Von den 3.610 Wohnungen hatten 2.400 etwas, das was heute WC genannt wird, während im übrigen dieses Örtchen durch jene Tür mit dem ausgeschnittenen Herzchen und eine fahrbare Tonne gekennzeichnet war. Wer in Trier etwas erleben wollte, war auf die Karnevalszeit und - wenn die zu Ende war - auf die Viez-, Wein- und Bierkneipen angewiesen. Oder auf das Stadttheater am Viehmarkt, das liebevoll seinen Spielplan pflegte und geschätzter war als heute. Kinos gab es ja noch
nicht und auch sonst beschränkten sich die Errungenschaften der aufblühenden Technik, wie Autos, Schreibmaschinen und selbst Telefonapparate auf Einzelexemplare. Man staunte sie an wie Wunder. Was sie ja auch sind und was wir bloß vergessen haben.

Die Straßen waren mit dicken Wackersteinen bepflastert. Manche unbefestigte Nebenstrasse glich bei Regenwetter eher einem Feldweg denn einer Fahrbahn. Die Stelle der Taxis vertraten Pferde-Droschken, und wer heute im Mercedes fährt, dessen Großvater und Großmutter kutschierten damals ein- oder zweispännig in der Equipage, auch Chaise genannt, vornehm durch die alte Stadt. Man hatte noch viel, viel Zeit. Aber schon kündigte sich das moderne Tempo an in einem "Eingesandt" an eine Trierer Zeitung, worin ein Eifelbauer sich darüber beschwerte, dass man in der Regel zwei volle Tage brauche, um von Pronsfeld nach Trier und zurück zu kommen. Hingegen, und das begreifen wir Lebenden nun wieder schlechter, gab's Wohnungen soviel das Herz begehrte und der Geldbeutel bezahlen konnte. Man brauchte bloß zu kündigen und umzuziehen. Im Bierstall bei Vanvolxems in der Simeonstrasse (heute Stadtsparkasse) konnte man einen halben Liter Bier für zehn Pfennig trinken (und was für Bier, die Finger blieben kleben); Zigarren kosteten fünf Pfennig und in einem Zeitungs-Inserat jener Tage wurden 500 echt türkische Zigaretten für 6.50 Mark angeboten. Für ein Pfund Landbutter wurden 90 Pfennig, für ein Dutzend frische Landeier eine Mark bezahlt. Die Polizei bestand aus 1 Inspektor, 3 Kommissaren und 32 Sergeanten.. Lehrjungen und Lehrmädchen arbeiteten bis 9 Uhr abends, samstags bis 10 und auch noch sonntags van 11 -3 Uhr. Die Läden waren für heutige Begriffe altmodisch und sogar die liebe Trierer Sprache war es. Denn Radfahrer fuhren nicht auf dem Fahrrad, sondern auf dem Veloziped.
Es regierte Seine Majestät, Kaiser Wilhelm II., und Trier war eine der fünf Regierungs-hauptstädte des Rheinlandes. Die Trierer galten somit als Preußen. Auch die Saarländer wussten noch nicht, dass sie Saarländer sind, sondern bildeten ein Stück des Regierungsbezirks Trier und waren folglich gleichfalls Preußen, woran einzig und allein noch der Vereinsname des FC. "Borussia" Neunkirchen zu erinnern scheint.

Der erste Fußballspieler tritt auf

So sah es also in Trier aus, als Ernst Vent 1905 "em Kraonen geländ' wurde. Das muss man wissen, um einen Begriff zu haben, was es hieß, die geruhsame Bürgerschaft dieser behäbigen und stillen Stadt mit einer so neumodischen und verrückten Sache wie das Fußballspiel aufzuschrecken. Die Turner hatten schon 50 Jahre früher Fuß gefasst, auch die Rudergesellschaft war da und eine Tennisgesellschaft. Der Radsport stand in dem Ruf, den heute der Automobilklub für sich beansprucht und die Schwerathleten stemmten die Gewichte oder rangen mit ihren Bärenkräften auf der Matte. Aber das war alles normal und "anerkanntes Vergnügen". Doch was darüber war, war auch vorn Übel. Ernst Vent hatte in seiner Heimatstadt Weimar beim SportClub 1901 gespielt und war enttäuscht, als er in Trier keinen Fußball-Club vorfand. Sofort nahm ihn der Gedanke gefangen, einen solchen Club zu gründen. Einige Monate früher hatte das schon ein anderer Zugereister versucht. Der hieß Ernst Förster, ein Berliner, der auf seinen Lehr- und Wanderjahren in Paris und London Station und sich in Trier sesshaft gemacht hatte. Zahlreiche Sieges-Medaillen, meist aus erfolgreichen Marathonläufen stammend, zierten seine stolze Schneiderbrust. Er kaufte einen Fußball, fand aber nur drei oder vier, die mitmachten und so schlief die Sache wieder ein. Bezeichnend für die Situation war, diese Handvoll Jungens sich nicht traute, auf einem freien Platz in der Stadt zu üben. Sie zogen vielmehr auf eine Wiese in der Nähe des Altenhofes und waren da gewiss, weit genug außer Schussweite.

Auch Vent ging auf die Suche nach Gleichgesinnten. Die ersten fand er in der eigenen Firma. Da waren Louis Linke, Dunkelberg und Oskar Schwarze, welch letzterer später auf dem Hauptmarkt ein Lebensmittelgeschäft eröffnete und in Trier gestorben ist. Und im Oktober kamen noch Max Riemer und Josef Kohipaitner, ein Bayer (aus Passau?), hinzu. Das waren allein sechs "Gottliebcher", eine halbe Mannschaft also, sodass mit einigem Recht zu sagen ist, der SV Eintracht-Trier 05 sei quasi als eine Firmenmannschaft gegründet worden. Systematisch suchte Vent die Bekanntschaft mit jungen Trierern. Die fand man am ehesten in den Wirtschaften. Zum rechten Mann gehörte damals ja neben einem Schnurrbart auch ein volles Glas Bier. Als besonders guter Boden erwies sich die Wirtschaft Thewalt in der Saarstrasse, wozu der Umstand beigetragen haben mag, dass eine hübsches Wirtstöchterlein namens Röschen vorhanden war. Bei Thewalts lernte Vent auch manchen bekannt gewordenen Spieler kennen: den Castors Ton, Addi Maroldt, vor allem aber das Brüderpaar Gustav und Max Blumenau, die eine so wichtige Rolle im Leben des Vereins spielen sollten.

Geburtshaus Platzstrasse 3

Ausgangs des Winters hatte Vent eine ausreichende Anzahl junger Leute zusammen, um seinen Plan verwirklichen zu können. Er wohnte damals im Hause Platzstraße 3 bei der Familie Schäfer, die noch ein zweites Zimmer hergab, als Linke und Kohlpaitner zu Vent übersiedelten. Häufig kam hier die kleine Freundesgruppe zusammen. Vent spielte Klavier oder ließ sich von Fritz Beste - auch einer Neuerwerbung und fröhlicher Sänger rheinischer Lieder - darin ablösen. An einem dieser Abende machte Vent Ernst (wozu hieß er schließlich Ernst). Auf dem Höhepunkt der Stimmung schloss er die Wohnungstür ab und erklärte mit drohender Stimme. "Hier kommt keiner mehr heraus, bevor er nicht sein Scherflein zur Gründung des Trierer Fußball-Clubs beigesteuert hat". Die zunächst ob solcher Freiheitsberaubung verdutzten Freunde des ersten Werbers für den SV Eintracht Trier 05 zückten mit gespielt süß-sauren Gesichtern ihre Geldbörsen, von denen Vent natürlich wusste, dass sie das soeben frisch gefasste Monatsgehalt enthielten.

Das war, schlicht und einfach, die eigentliche Geburtsstunde des Vereins, der allerdings noch getauft werden musste. Dies geschah, als mit der ersten Märzsonne der Sprung in die Öffentlichkeit gewagt werden sollte. Am 11. März 1905, einem Sonntag, trafen sich die Freunde im Hotel "Zum Kurfürsten" in der Kaiserstrasse und gaben in dieser ersten Generalversammlung dem Kind seinen Namen: Trierer Fußball-Club, kurz TFC genannt.
(Auszug von Hans Lerch, Jubiläumszeitschrift 50 Jahre Eintracht Trier)
 
 
 
SV Trier 05 (Trierer Fussball Club 05) 1905
 
 
 
 
 
Quelle:www.eintracht-trier.com

 

                                 

 
                                  
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