Sorayas bzw. (auch meine) Geschichte
Letztes Jahr im Oktober erfuhr ich das ich schwanger bin (1.mal)!
Ich war total glücklich und hätte die ganze Welt umarmen können.
Bis zur 14/15 SSW lief alles gut bis ich Blutungen bekam und ins Krankenhaus musste, schon da meinte der erste Arzt der mich untersuchte daß man den Kopf so schlecht
sehen und vermessen könne weil er ganz unten lag aber das wäre ja nicht so dramatisch,
man könne es ja bei der nächsten Untersuchung erneut versuchen den Kopf zu
vermessen.
Bei der nächsten Untersuchung lag es jedoch wieder mit dem Kopf unten und so
konnte nur ungefähr vermessen werden. Der Arzt meinte daß der Kopf nur so 2-3
Tage zurückliegen würde, ich solle jedoch nicht beunruhigt sein da dies in diesem
Stadium der Schwangerschaft vorkommen könne.
Im nachhinein war das völliger Quatsch was er mir da erzählte.
So machte ich mir auch weiterhin keine Gedanken da der Rest zeitgemäß entwickelt war
und das Herzchen auch so schnell schlug wie es sein sollte.
Am 08.01.04 hatte ich wieder einen Vorsorgetermin, mein FA meinte daß soweit alles gut
aussehen würde jedoch könne er den Kopf wieder nicht genau messen.
Da beschlich mich schon so ein komisches Gefühl.
Er schickte mich daraufhin zu einem Kollegen der ein besseres Ultraschallgerät besaß, damit er bessere Aufnahmen machen könne.
Am anderen Tag wartete ich schon ganz nervös auf die Untersuchung und ab da begann auch meine persönliche
Odysee.

Er meinte schon kurz nach den ersten Bildern daß es wohl nicht so gut aussieht und nach einigen
Aufnahmen mehr war klar das mein Baby unter "Anencephalie" leidet d.h. es fehlen Teile
des knöchernen Schädeldachs, der Hirnhäute, der Kopfhaut und des Gehirn und somit
eine angeborene Missbildung die mit dem Leben nicht vereinbar ist.
Der Schock saß ziemlich tief und ich lag wie benommen auf der Untersuchungsliege.
Der FA gab mir daraufhin erneut eine Überweisung mit für das Uniklinikum, damit die Spezialisten nochmals einen Blick darauf werfen könnten um seine Diagnose zu bestätigen!
Für mich gab es eigentlich nichts mehr zu bestätigen denn ich hatte auf dem Ultraschall
auch eindeutig die veränderte Kopfform gesehen.
Unter tausenden von Tränen fuhr ich nach Hause, ich konnte nicht mehr klar denken,
es ging absolut nichts mehr.
Am nächsten Tag es war der 10.01.04 gingen mein Mann und ich in die gyn. Ambulanz
zur nächsten Untersuchung, nun ja die Ärztin bestätigte alles Aussagen aber mir
ging es trotzdem nicht besser.
Sie erklärte uns wie man nun vorgehen könne, d.h. also einen medz. Indiz. Abbruch
einleiten oder auch das Kind austragen und wie vorgesehen das Baby im Juni auf
die Welt bringen, obwohl die meisten Kinder schon tot geboren werden. In den
wenigsten Fällen leben sie noch ein paar Stunden und noch seltener ein paar Tage.
Die letztere Lösung kam für mich nicht in Frage, ich konnte mir einfach nicht
Vorstellen mit einem Todgeweihten Wesen daß ich mir schon so lange wünschte
und mich so darauf gefreut hatte, ganz normal weiter zu leben, so hart das jetzt
auch klingen mag.
Ich sollte also am Montag wieder kommen um stationär aufgenommen zu werden
damit die Geburt eingeleitet werden könne
.
Die Stunden bis dahin kamen mir endlos vor, ich konnte an nichts mehr anderes
denken und zweifelte manchmal auch an meiner Entscheidung, jedoch bekam
ich von der Familie meines Mannes und Bekannten viel Zuspruch und
Unterstützung.

Am Montag den 12.01.04 war es dann soweit, im Krankenhaus wurde mir 1
Zäpfchen gelegt dass die Wehen auslösen sollte und nun war klar dass es kein Zurück mehr geben würde.
Am späten Nachmittag nach dem 2 Zäpfchen fingen langsam aber stetig die ersten Wehen
an und es war schlimmer als ich es mir vorstellte.
Nach einiger Zeit konnte und wollte ich die Schmerzen nicht mehr ertragen und bat um ein Schmerzmittel, zuerst gab man mir ein Zäpfchen das entkrampfend wirken sollte, jedoch
wirkte es überhaupt nicht. Wieder eine kleine Ewigkeit später bat ich erneut um
Schmerzmittel und dann bekam ich die wirkliche Dröhnung , die Schmerzen hörten
schnell auf aber dafür stand ich total neben mir, war müde und musste mich auch
ein paar mal übergeben obwohl ich seit mittags nichts mehr essen durfte wg. einer evtl. Ausschabung nach der Geburt. An meinem Muttermund tat sich aber immer noch nichts.
Irgendwann ging nichts mehr und ich schlief ein und man ließ mich die Nacht über auch schlafen.
Am nächsten Morgen um 7 Uhr bekam ich mein 3 und letztes Zäpfchen zur Wehenauslösung.
Ich merkte keine Veränderung und dachte schon das würde ewig so weitergehen mit den
Zäpfchen.
Zwischendurch kam immer mal wieder eine Ärztin und schaute nach dem Muttermund, da tat sich jedoch nichts.
So um 11 Uhr platzte dann die Fruchtblase, so ein komisches Gefühl hatte ich noch nie als dies passierte. Ich kannte es ja auch nicht war ja schließlich mein 1. Kind !
Danach fingen die Schmerzen wieder an da das Baby kontinuierlich auf den Muttermund drückte, jedoch öffnete dieser sich kein bisschen.
Da die Schmerzen für mich unerträglich waren und es meiner Psyche auch nicht besser ging gab man mir erneut ein heftiges Schmerzmittel nur erbrachte dies keine Wirkung mehr, es drückte weiterhin stark auf meinen Muttermund und ich heulte wie verrückt.
Um 13 Uhr wurde ich zum Glück noch rechtzeitig in den Kreißsaal gebracht denn ich hatte
immer stärker das Gefühl pressen zu müssen und dann ging alles ziemlich schnell.
Ich spürte wie sich etwas öffnete und um 13.08 Uhr kam auch schon meine kleine „Soraya“ auf die Welt. Die Ärztin fragte mich ob ich Sie sehen wolle aber im ersten Moment konnte ich das nicht, nur mein Mann sah Sie der übrigens die ganze Zeit über bei mir war meine Hand hielt und versuchte mich zu trösten so gut es ging! Ich heulte und heulte und heulte und es wollte gar nicht mehr enden.
Als ich mich nach einer kleinen Ewigkeit wieder fing wollte ich Sie dann doch sehen um mich von Ihr zu verabschieden, die Hebamme legte Sie mir eingewickelt in ein Tuch in meine Arme, danach ließen die Hebamme und mein Mann mich alleine mit Ihr damit ich mich in aller Ruhe von Ihr verabschieden konnte.
Sie sah so friedlich aus wie Sie da so lag, als ob Sie nur schlafen würde und Sie war kein bisschen hässlich oder abstoßend (so hatte ich es gedacht und vorgestellt).
Die Hände und Füßchen waren gerade mal so groß wie mein Daumennagel, die Nase und Ohren waren auch noch sehr winzig aber schon gut zu erkennen, lediglich der Kopf sah nicht normal aus, jedoch aber auch nicht abstoßend o.ä. Sie wog gerade mal 110 g.
Nun ja und das machte es auch nicht gerade leichter für mich im Gegenteil wahrscheinlich eher schwerer aber ich bin froh dass ich mich von Ihr verabschiedet habe und werde Sie auch immer so in Erinnerung behalten und in meinem Herzen tragen denn Sie ist und bleibt unsere kleine „Soraya“ unsere Erstgeborene!

Zu meinem Glück musste ich nicht ausgeschabt werden da sich die Plazenta und alles andere wunderbar löste, was in diesem frühen Stadium der Schwangerschaft (18. SSW) nicht üblich ist.
Am darauf folgenden Tag wurde ich auch schon wieder entlassen da es keinerlei Komplikationen gab.
Aber kaum aus der Klinik entlassen stellten sich schon die ersten Nachwehen ein, nicht gerade körperlich eher seelisch.
Ich kann seither an fast nichts mehr anderes denken obwohl mein Mann immer darauf bedacht ist mich abzulenken was Ihm auch von Zeit zu Zeit gelingt, jedoch scheint in mir eine völlige Leere zu herrschen und ich wünsche mir nichts sehnlicher als wieder das Gefühl zu haben „schwanger“ zu sein.
Meine Gedanken kreisen immer wieder um die Geburt meiner kleinen Tochter, auch plagen mich Schuldgefühl ( hast Du auch richtig entschieden usw.)
.
Normalerweise bin ich eine starke Person und habe schon einige Krisen überwunden aber das scheint mir den Boden unter den Füßen wegzuziehen und ich habe Angst eines Tages nicht mehr aufstehen zu können!
Das einzige was mich zur Zeit ab und zu beruhigen kann ist zu wissen dass ich einen Mann habe der mich über alles liebt und mich so nehmen kann wie ich zur Zeit bin, obwohl es Ihm auch sehr schwer fällt und Familie und Freunde zu haben die hinter mir stehen und mir immer gut zureden.
Auch weiß ich dass Glaube und Zeit irgendwann die Wunden heilen können, doch wirklich trösten kann mich das auch nicht zumindest im Moment nicht.

