...bisher am nachhaltigsten beeindruckt haben mich Gedanken Schillers
in seinen Briefen zur Ästhetischen Erziehung des Menschen
hier eine Homepage, auf der sich reichhaltiges
Textmaterial aus Schillers Schaffen findet
Schiller, Friedrich (1759-1805) Friedrich Schillers geflügelte Worte
sind auf ihren Schwingen mitten in unsere Alltagssprache
hineingesegelt, und haben sich dort flugs eingenistet und beheimatet.
Kennt nicht jeder von uns schließlich seine Pappenheimer.
Und dass früh sich übt, was ein Meister werden will,
versteht ein jeder. Schillers Geist ist in diesen Worten
allgegenwärtig, ohne daß wir sie ihrem Urheber zuordnen.
Aufgabe
Keiner sei gleich dem Andern, doch gleich sei Jeder dem Höchsten!
Wie das zu machen? Es sei Jeder vollendet in sich.
Lebe mit deinem Jahrhundert,
aber sei nicht sein Geschöpf!
An die Muse
Was ich ohne dich wäre, ich weiß es nicht - aber mir grauet,
Seh ich, was ohne dich Hundert' und Tausende sind.
Verbunden werden auch
die Schwachen
mächtig.
Der Menschheit Würde ist in eure Hand
gegeben, bewahret sie ! Sie sinkt mit euch, mit euch wird sie sich heben.
Da die Götter noch menschlicher waren,
waren die Menschen göttlicher.
Unglück fällt, verliert sich leicht
aus der Erinnerung der Menschen.
Flehe zu den Unsichtbaren, daß sie zum Glück den Schmerz verleihen!
Welcher Religion ich bekenne? -
Keine von allen, die du mir nennst. -
Und warum keine? Aus Religion. Schiller, Mein Glaube
Man sollte sich zur heiligsten Pflicht machen, dem Kinde nicht zu früh einen Begriff von Gott beibringen zu wollen. Die Forderung muß von innen heraus geschehen, und jede Frage, die man beantwortet, ehe sie aufgeworfen ist, ist verwerflich. Das Kind hat vielleicht seine ganze Lebenszeit daran zu wenden, um jene irrigen Vorstellungen wieder zu verlieren.
Ein frohes, heiteres Gemüt ist die Quelle alles Edlen und Guten; das Grösste und Schönste, was je geschah, floss aus einer solchen Stimmung
Zweierlei Wirkungsarten
Wirke Gutes, du nährst der Menschheit göttliche Pflanze;
Bilde Schönes, du streust Keime der göttlichen Liebe aus.
An den Dichter
Laß die Sprache dir sein, was der Körper den Liebenden. Er nur
Ist's, der die Wesen trennt und die Wesen vereint.
Suchst du das Höchste, das Größte? Die Pflanze kann es dich lehren! Was sie willenlos ist, sei du es wollend, das ist`s
Der Genius
Wiederholen zwar kann der Verstand, was da schon gewesen;
Was die Natur gebaut, bauet er wählend ihr nach.
Über Natur hinaus baut die Vernunft, doch nur in das Leere.
Du nur, Genius, mehrst in der Natur die Natur.
An die Astronomen
Schwatzet mir nicht so viel von Nebelflecken und Sonnen! Ist die Natur nur groß, weil sie zu zählen euch gibt? Euer Gegenstand ist der erhabenste freilich im Raume, Aber, Freunde, im Raum wohnt das Erhabene nicht.
Den blut`gen Lorbeer
geb ich hin
mit Freuden
für das erste Veilchen,
das der März uns bringt!
Correctheit
Frei von Tadel zu sein, ist der niedrigste Grad und der höchste;
Denn nur die Ohnmacht führt oder die Größe dazu.
Das Ehrwürdige
Ehret mir immer das Ganze; ich kann nur Einzelne achten:
Immer in Einzelnen nur hab' ich das Ganze erblickt.
Der Baum
Der Baum, auf dem die Kinder Der Sterblichen verblühn, Steinalt, nichts desto minder Stets wieder jung und grün. Er kehrt auf einer Seite Die Blätter zu dem Licht, Doch kohlschwarz ist die zweite Und sieht die Sonne nicht. Er setzet neue Ringe, So oft er blühet, an, Das Alter aller Dinge Zeigt er den Menschen an. In seine grüne Rinden Drückt sich ein Name leicht, Der nicht mehr ist zu finden, Wenn sie verdorrt und bleicht. So sprich, kannst du's ergründen Was diesem Baume gleicht?
Keine Kriege werden zugleich so ehrlos und unmenschlich geführt als die, welche Religionsfanatismus und Parteihaß im Inneren eines Staates entzünden.
Wer sieht so scharf, so tief,
wer anders, als der
Falkenblick der Liebe.
Einfachheit ist das Resultat der Reife.
Die schönsten Träume von Freiheit werden im Kerker geträumt.
Wohl dem, der gelernt hat, zu ertragen, was er nicht ändern kann, und preiszugeben mit Würde, was er nicht retten kann.
Strebe nach Ruhe, aber durch das Gleichgewicht, nicht durch den Stillstand deiner Tätigkeit.
Das schwere Herz wird nicht durch Worte leicht.
Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.
Ich sei, gewährt mir die Bitte, in eurem Bunde der Dritte.
Was wir als Schönheit hier empfunden, wird bald als Wahrheit uns entgegengehn.
Des Menschen Wille, das ist sein Glück.
Was man nicht aufgibt, hat man nie verloren.
Und die Sonne Homers, siehe! Sie lächelt auch uns.
Adel ist auch in der sittlichen Welt. Gemeine Naturen zahlen mit dem, was sie tun, edle mit dem, was sie sind.
Bin ich meinem Amte in der Tat nicht gewachsen, so ist der Chef zu tadeln, der es mir anvertraut.
Was Hände bauen, können Hände stürzen.
Wer gar zu viel bedenkt, wird wenig leisten.
Verbunden werden auch die Schwachen mächtig.
Wer in Unglück fällt, verliert sich leicht aus der Erinnerung der Menschen.
Schnell fertig ist die Jugend mit dem Wort.
Alles sei recht, was du tust, doch dabei laß es bewenden,
Freund, und enthalte dich ja, alles, was recht ist, zu tun.
Wahrem Eifer genügt, daß das Vorhandne vollkommen
Sei; der falsche will stets, daß das Vollkommene sei.
War es immer wie jetzt?
Ich kann das Geschlecht nicht begreifen.
Nur das Alter ist jung, ach! und die Jugend ist alt.
Dreifach kommt die Zeit: Zögernd kommt die Zukunft hergezogen,
pfeilschnell ist das Jetzt entflogen,
ewig still steht die Vergangenheit.
Freude, schöner Götterfunken
(man vergleiche folgenden Ur-Text mit dem von Beethoven vertonten, bekannteren Text...) Freude, schöner Götterfunken, Tochter aus Elysium! Wir betreten feuertrunken, Himmlische, dein Heiligtum. Deine Zauber binden wieder, was die Mode streng geteilt, alle Menschen werden Brüder, wo dein sanfter Flügel weilt. Seid umschlungen, Millionen! Diesen Kuß der ganzen Welt! Brüder, überm Sternenzelt muß ein lieber Vater wohnen!
Wem der große Wurf gelungen, eines Freundes Freund zu sein, wer ein holdes Weib errungen, mische seinen Jubel ein! Ja, wer auch nur eine Seele sein nennt auf dem Erdenrund! Und wer's nie gekonnt, der stehle weinend sich aus diesem Bund! Was den großen Ring bewohnet, huldige der Sympathie. Zu den Sternen leitet sie, wo der Unbekannte thronet.
Freude heißt die starke Feder in der ewigen Natur; Freude, Freude treibt die Räder, in der großen Weltenuhr. Blumen lockt sie aus den Keimen, Sonnen aus dem Firmament, Sphären rollt sie in den Räumen, die des Sehers Rohr nicht kennt. Froh wie seine Sonnen fliegen durch des Himmels prächtigen Plan, laufet Brüder, eure Bahn, freudig wie ein Held zum Siegen!
Freude sprudelt in Pokalen; in der Traube goldnem Blut trinken Sanftmut Kannibalen, die Verzweiflung Heldenmut. - Brüder, fliegt von euren Sitzen, wenn der volle Römer kreist; laßt den Schaum zum Himmel spritzen: dieses Glas dem guten Geist! Den der Sterne Wirbel loben, den des Seraphs Hymne preist, dieses Glas dem guten Geist überm Sternenzelt dort oben!
Festen Mut in schweren Leiden, Hilfe, wo die Unschuld weint, Ewigkeit geschwornen Eiden, Wahrheit gegen Freund und Feind, Männerstolz vor Königsthronen - Brüder, gält's Gut und Blut: dem Verdienste seine Kronen, Untergang der Lügenbrut! Schließt den heilgen Zirkel dichter! Schwört bei diesem goldnem Wein,dem Gelübde treu zu sein, schwört es bei dem Sternenrichter!
Das eigne Ideal
Allen gehört, was du denkst; dein eigen ist nur, was du fühlest.
Soll er dein Eigenthum sein, fühle den Gott, den du denkst.
Es ist Nacht,
und mein Herz kommt zu dir,
hält's nicht aus,
hält's nicht aus mehr bei mir.
Legt sich dir auf die Brust,
wie ein Stein,
sinkt hinein,
zu dem deinen hinein.
Dort erst,
dort erst kommt es zur Ruh,
liegt am Grund
seines ewigen Du
* * *
An die Mystiker
Das ist eben das wahre Geheimniß, das Allen vor Augen
Liegt, euch ewig umgibt, aber von Keinem gesehn.
Schiller kämpfte in seinem Leben für die humane Würde und den Glauben an die wirklichkeitsverwandelnde Kraft des menschlichen Geistes. Seinen persönlichen Weg kennzeichnet ein unaufhörliches Ringen gegen körperliches Leiden und wirtschaftliche Not.Schillers dichterisches und denkerisches Gesamtwerk ist ein Angriff auf die bestehenden Zeitverhältnisse. Durch eigene bittere Erfahrungen fürstlicher Willkür bricht in ihm der Protest gegen die Tyrannei aus. Schonungslos prangert der junge Dichter das verbrecherische Feudalregime und seine Unmenschlichkeit an.Aber er kämpfte nicht nur sein Leben lang gegen Willkürherrschaft und Tyrannei, sondern zugleich für die Freiheit und Einheit seiner deutschen Nation sowie für die Freiheit und Würde des Menschen. Schillers Haltung ist geprägt durch persönliche Beschwernis, unmittelbare Zeiterfahrung und weitgespannte Einsicht.
Wilhelm von Humbolt nannte den Gedanken das Element von Schillers Leben.Sein Genie,das rastlose geistige Tätigkeit kennzeichnet,strebe ins Unendliche,wie nach Ganzheit.
Das schönste Denkmal hat J. W. v.Goethedem Freund mit dem Epilog zur "Glocke" errichtet.Da ist noch einmal der mit der Geschichte,mit seiner Zeit für seine Nation und für die Menschheit ringende Dichterheld beschworen:
"Ihr kanntet ihn,wie er mit Riesenschritte
Den Kreis des Wollens,des Vollbringens maß, Durch Zeit und Land,der Völker Sinn und Sitte, Das dunkle Buch mit heiterm Blicke las. Nun glühte seine Wange rot und röter Von jener Jugend,die uns nie entfliegt, Von jenem Mut,der,früher oder später, Den Widerstand der stumpfen Welt besiegt, Von jenem Glauben,der sich,stets erhöhter, Bald kühn hervordrängt,bald geduldig schmiegt. Damit das Gute wirke,wachse,fromme, Damit der Tag dem Edlen endlich komme."
Schillers Bestattung
Ein ärmlich düster brennend Fackelpaar, das Sturm
Und Regen jeden Augenblick zu löschen droht.
Ein flatternd Bahrtuch. Ein gemeiner Tannensarg
Mit keinem Kranz, dem kargsten nicht, und kein Geleit!
Als brächte eilig einen Frevel man zu Grab.
Die Träger hasteten. Ein Unbekannter nur,
Von eines weiten Mantels kühnem Schwung umweht,
Schritt dieser Bahre nach. Der Menschheit Genius war's.