freelight

Christian Morgenstern

 

 

Es ist schön zu denken, daß so viele Menschen heilig sind,
in den Augen derer, die sie lieben
.

 

 Einander kennenlernen
heißt lernen,
wie fremd man einander ist.

 

Ich liebe Dich

Ich liebe dich, du Seele, die da irrt
im Tal des Lebens nach dem rechten Glücke,
ich liebe dich, die manch ein Wahn verwirrt,
der manch ein Traum zerbrach in Staub und Stücke.

Ich liebe deine armen wunden Schwingen,
die ungestoßen in mir möchten wohnen;
ich möchte dich mit Güte ganz durchdringen,
ich möchte dich in allen Tiefen schonen.

 

 

 

Es gibt in Wahrheit
kein letztes Verständnis
ohne Liebe.

 

 

Eine Wahrheit kann erst wirken,
wenn der Empfänger reif für sie ist.
Nicht an der Wahrheit liegt es daher, wenn
die Menschen noch so voller Unwissenheit sind.

 

 

Ihr anderen werdet sicherer immerdar.
Ich werde fragender von jahr zu Jahr.

 

 

 

Und so hebe dich denn

Aus den Nebeln des Grams

Auf des Selbstvertrauens

Mächtigen Fittichen

Aufwärts,

bis du dir selber

mit all deinem Leide

klein wirst,

groß wirst

über dir selber

und all deinem Leide.

 

 

Die Fußwaschung

Ich danke dir, du stummer Stein,
und neige mich zu dir hernieder:
Ich schulde dir mein Pflanzensein.

Ich danke euch, ihr Grund und Flor,
und bücke mich zu euch hernieder:
Ihr halft zum Tiere mir empor.

Ich danke euch, Stein, Kraut und Tier,
und beuge mich zu euch hernieder:
Ihr halft mir alle drei zu Mir.

Wir danken dir, du Menschenkind,
und lassen fromm uns vor dir nieder:
weil dadurch, daß du bist, wir sind.

Es dankt aus aller Gottheit Ein-
und aller Gottheit Vielfalt wieder.
In Dank verschlingt sich alles Sein.

 

 

Das Weihnachtsbäumlein


Es war einmal ein Tännelein
mit braunen Kuchenherzlein
und Glitzergold und Äpflein fein
und vielen bunten Kerzlein:
Das war am Weihnachtsfest so grün
als fing es eben an zu blühn.

Doch nach nicht gar zu langer Zeit,
da stands im Garten unten,
und seine ganze Herrlichkeit
war, ach, dahingeschwunden.
die grünen Nadeln warn'n verdorrt,
die Herzlein und die Kerzlein fort.

Bis eines Tags der Gärtner kam,
den fror zu Haus im Dunkeln,
und es in seinen Ofen nahm -
Hei! Tats da sprühn und funkeln!
Und flammte jubelnd himmelwärts
in hundert Flämmlein an Gottes Herz.

...dies Gedicht weckt alte wunderbare Kindheitserinnerungen in mir: das Schönste und fazinierenste am Weihnachtsbaum war für mich als Kind, wenn er im Kamin landete und dort aus den brennenden Nadeln viele viele kleine Flammen sprühten und es prasselnd knisterte und wunderbar dabei roch!!!! freelight

 

 

Je mehr Bewegung man
in seinem Geiste
auffaßt,
je
glücklicher
ist man.

Überall Bewegung aufzeigen,
das schafft das meiste
Glück.

 

Blickt der Mensch in der Zeit zurück, so merkt er,
sein Unglück war sein Glück!

 

Man ist nicht dort zuhause, wo man seinen Wohnsitz hat,
sondern dort, wo man verstanden wird.

 

Mancher Gedanke fällt um wie ein Leichnam,
wenn er mit dem Leben konfrontiert wird.

 

Vorsicht und Misstrauen sind gute Dinge,
nur sind auch ihnen gegenüber Vorsicht und Misstrauen nötig.

 

 

Christian Morgenstern


 

 

Wer vom Ziel nichts weiß, wird den Weg nicht finden.

 
 

Der Mensch - ein Exempel der beispiellosen Geduld
der Natur.

 

Leben ist die Suche des Nichts nach dem Etwas.

 

Einander kennenlernen heißt lernen,
wie fremd man einander ist.

 

Es gibt kaum eine größere Enttäuschung,
als wenn Du mit einer recht großen Freude im Herzen
zu gleichgültigen Menschen kommst.

 

Für mich gibt es nur ein Mittel, um die Achtung
vor mir selbst nicht einzubüßen: fortwährende Kritik.

 

Die zur Wahrheit wandern, wandern allein.

 

Jeder Mensch ist ein neuer Versuch der Natur,
über sich ins Reine zu kommen.

 

Der Welt Schlüssel heißt Demut. Ohne ihn
ist alles Klopfen, Horchen, Spähen umsonst.

 

Was ist das erste, wenn Herr und Frau
 Müller in den Himmel kommen?
Sie bitten um Ansichtskarten.

 

Den seelischen Wert einer Frau erkennst du daran,
wie sie zu altern versteht.

 

Lachen und Lächeln sind Tor und Pforte, durch die viel Gutes
in den Menschen hineinhuschen kann.

 

Wer sich selbst treu bleiben will, kann
nicht immer anderen treu bleiben.

 

Es ist merkwürdig, daß ein mittelmäßiger Mensch oft vollkommen
recht haben kann und doch nichts damit durchsetzt.

 

In dem Maße, wie der Wille und die Fähigkeit zur Selbstkritik steigen,
hebt sich auch das Niveau der Kritik am anderen.

 

Schön ist eigentlich alles,
was man mit Liebe betrachtet.

 

Die Weltanschauungen mancher Menschen
gleichen lächelnden Festungen.

 

Ein Kunstwerk schön finden heißt, den Menschen
lieben, der es hervorbrachte.

 

 

Der Körper ist der Übersetzer der Seele ins sichtbare.

 

 

 

 

 

Du kannst dein eignes Leid nicht tragen!?

Es dünkt so tief dir und so schwer!?

So mußt nach fremden Leid du fragen,

versenken dich in andrer Klagen.

Die eignen spürst du dann nicht mehr.

 

 

 Die zur Wahrheit wandern

Die zur Wahrheit wandern,
wandern allein,
keiner kann dem andern
Wegbruder sein.

Eine Spanne gehn wir,
scheint es, im Chor...
bis zuletzt sich, sehn wir,
jeder verlor.

Selbst der Liebste ringet
irgendwo fern;
doch wers ganz vollbringet,
siegt sich zum Stern,

schafft, sein selbst Durchchrister
Neugottesgrund-
und ihn grüßt Geschwister
ewiger Bund.

 

 

Wer den Einzelnen als einen Wanderer betrachtet, der immer wiederkehrt, der wird aufhören, ihm entgegenzuarbeiten. Er sieht sich Schulter an Schulter mit ihm gehn und erkennt die Sinnlosigkeit jeglicher Feindschaft zwischen ihm und sich. Mag der Andere noch sein Feind sein wollen, er selber empfindet ihn nicht mehr als Feind; für ihn fällt er, wenn er sich und ihn sub specie aeterni anschaut, mit ihm selber beinahe zusammen. Mag der Andere ihn noch hassen, ja verachten, er selber wird nichts begehren, als ihm zu helfen, zu nützen, zu dienen. Er weiß, wie alles zusammenhängt. Nicht fabelt er unbestimmt von Zusammenhang, sondern der Zusammenhang liegt klar vor ihm.

 

 

 

Sieh nicht was andre tun,
der andern sind so viel,
du kommst nur in ein Spiel,
das nimmermehr wird ruhn.

Geh einfach Gottes Pfad,
lass nichts sonst Führer sein,
so gehst du recht und grad,
und gingst du auch allein.

 

 

Von zwei Rosen
duftet eine
anders, als die
andre Rose

Von zwei Engeln
mag so einer
anders, als der
andre schön sein.

So in unzähl-
baren zarten
Andersheiten
mag der Himmel,

mag des Vaters
Göttersöhne-
reich seraphisch
abgestuft sein.

 

 

Lachen und Lächeln sind Tor und Pforte, durch die viel Gutes in den Menschen hineinhuschen kann.

 

 

 

Wer mehr, auch unterschiedliche, Informationen zu Christian Morgenstern sucht: http://www.goethe.de/os/hon/aut/demor.htm

 

 

 

 

.

 

 ein Werkstattvideo zu dem Gedicht "Verantwortung"

 

 

 

Gratis Homepage von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!