Rennbericht Matschenberg

Zum Saisonende noch mal rund 600 KM, das leisten sich nicht viele. Obwohl sie es sollten! Denn lohnen tut es sich allemal.
Und so hatte ich mich dieses Jahr auch in den Kreis Bautzen aufgemacht, um die letzten Entscheidungen in der Deutschen Rallycrossmeisterschaft live zu erleben.
Die Strecke ist eine reine Autocross-Strecke, d.h. es gibt außer der Startplatte keinen Asphalt. Dazu kommt direkt nach dem Start eine bis zu 60 %ige Steigung, bei Regen ein echtes Problem. Doch es herrschte Sonnenschein.
Nach der Steigung ergibt sich eine Sprungkuppe, es folgen zwei schnelle Linkskurven, eine Gerade, und mit einer weiteren Linkskurve kommt man zurück in den Zuschauerbereich. Nun geht es fast genauso steil wieder bergab und mit einer etwa 75 Grad-Kurve ins Ziel. Hier ergibt sich eine hervorragende Möglichkeit, sich am Gegner vorbei zu bremsen. Vorausgesetzt es ist Platz, doch dazu später.
Auf dieser Strecke waren wir nun mit einer Truppe von etwa 20 Rallycrossern und Trophy-Fahrern zu Gast bei der Deutschen Autocross-Meisterschaft. Hinzu kamen Starter aus der freien Szene sowie rund 30 Trabbi-Piloten aus dem Trabant-Cross-Cup.
Gerade diese Trabbis wurden zunächst allerseits belächelt, wenn sie nur mit Mühe die Steigung hinauf krabbelten um sich kurz darauf todesmutig wieder das Gefälle hinunter zu stürzen. Doch am Sonntag, in den Finalläufen, als plötzlich eine Meute von 12 Trabbis gleichzeitig auf die Strecke ging, da ergaben sich auch hier packende Kämpfe und neben der 2-Takt-Power kam es vor allem darauf an, die beste Linie zu finden. Jedenfalls eine Disziplin, die nicht nur in den östlichen Bundesländern Tradition hat, sondern vor allem einen sehr preiswerten Einstieg in den Rennsport bietet.
Auch bei den Autocrossern gab es einige Highlights. Neben etlichen Fahrern, die bereits vom Estering bekannt waren, u.a. Michael Straub, der mit seinem Spitznagel-Eigenbau bei den Spezialcrossern wohl den weitesten Sprung des Tages hinlegte, gab es in der freien Szene einen Jeep Cherokee mit V8-Motor zu bestaunen. Gesteuert von einer Frau, (Nadja Schuster) ließ der Allradler selbst Uwe Wagner im Porsche 911 am Berg keine Chance. Und in den Kurven? Da sollte doch Deutsche Wertarbeit gegenüber Steinzeit-Amifahrwerken den Vorzug haben. Meint man…
Nun stand allerdings ein ausgefallener Teilnehmer genau ausgangs der Zielkurve. Außenrum war reichlich Platz und innen gab es auch noch eine Fahrspur. Rundenlang versuchte Wagner, sich an dieser Stelle vorbei zu schieben, doch jedes Mal zog der Jeep am Berg wieder davon. Spannend war es aber allemal. Und ein Sound… unbeschreiblich!
Doch zurück zu den Rallycrossern.
In der Division 1 war die Entscheidung ja schon gefallen. Rolf Volland, dessen Auto immer noch erst "zu 98% fertig" ist, hatte sich dies Mal von einem russischen Kunden einen der Gölfe ausgeliehen, mit deren Aufbau und Verkauf er seine Brötchen verdient. Pikanterweise war sein Kunde gleich mitgekommen und hatte in der freien Klasse genannt. Dazu kam noch der alte Haudegen Ralph Wilhelm. Das allein hätte die Klasse nicht gefüllt, es waren 3 Starter erforderlich um Punkte vergeben zu können. Erfreulicherweise entschloss sich Rene Schlöffel, eigentlich Autocrosser, mit seinem Suzuki Swift ebenfalls in dieser Division zu starten. So trieb Rolf Volland den Golf fauchend um den Kurs, musste aber schon nach dem zweiten Vorlauf mit gebrochener Kardanwelle aufgeben. Ralph Wilhelm war mit seinem betagten Lancia Delta Integrale auch recht zügig unterwegs, jedoch leider nicht standfest genug. Schließlich konnte sich Gast-Starter Schlöffel den Sieg in dieser Division kampflos holen. Trotzdem Danke für eine hervorragende Show, die diese 3 in der Königsklasse mit ihren z.T. über 500 PS starken Rennern geboten haben.
Ein guter Bekannter von Volland ist Wolfgang Kilb, schließlich wird sein Mercedes ebenfalls von Hohenester-Technik angetrieben. Kilb glänzte in der Trophy zunächst als Trainingsweltmeister, der mit spektakulären Driftwinkeln die Zuschauer in seinen Bann zog. Kaum langsamer war Detlef Rothe mit seinem Audi 80 Quattro. Im Race of Rallye-Champs, dem Finallauf der Trophy-Fahrer setzte sich Rothe dann sogar vor Kilb. Rundenlang konnte er den Daimler hinter sich halten bis er ausgerechnet in der letzten Runde eine etwas ungünstigere Linie am Berg erwischte und Kilb längsseits kam. "Er hatte am Berg mehr Bums und ich wollte nicht das Auto riskieren" erklärte Rothe später, war aber auch mit dem 2. Platz hochzufrieden. Dritte wurden Hagelstein/Rathje mit ihrem Polo. Das Publikum dankte den Fahrern mit Szenenapplaus für das spannende Rennen.
Das Maß der Dinge waren aber die Divisionen 4 und 5. Hier waren ja sowohl Meisterehre als auch Platzierungen noch offen. Auch wenn Gerhard Völzer  nur noch ein paar Pünktchen brauchte, "der kann sich das Auto noch beim Abladen beschädigen, und dann sieht alles ganz anders aus" meinte ein Experte. Entsprechend vorsichtig wollte Völzer zu Werke gehen, zumindest siebter müsste er werden um Meister zu sein. Umgekehrt sah es für den zweiten, Klaus Meyer aus. Nur wenn Völzer nicht…, er aber gewinnen würde, wäre er ganz oben. Und er kannte die Strecke noch gar nicht. Auch er übte sich in Zurückhaltung. Um Platz 3 balgten sich schließlich Andreas Steffen und Harald Rauch, der das Schlagwort vom "Showdown am Matschenberg" geprägt hatte. Punktgleich hieß es für beide, vor dem anderen durchs Ziel zu gehen. Allerdings ggf. in beiden Finals!
Zum freien Training trat also Völzer lieber gar nicht an. Meyer erkundete vorsichtig die Strecke und rollte auch schnell wieder zurück ins Fahrerlager. Auch die übrigen Teilnehmer absolvierten nur das nötigste, schließlich hat so eine Autocross-Strecke auch Löcher und Furchen im Schotter "und ich finde die Löcher immer" klagt Harald Rauch.
Nun das Zeittraining. Teilnahme ist Pflicht, also muss auch Völzer ran. Aber er würde langsam machen… eine Runde lang. Dann hält ihn nichts mehr und die Zuschauer erfahren vom Streckensprecher: Völzer fährt sofort die zweitschnellste Runde. Nur Volland im etwa doppelt so starken Golf ist schneller. "Ich weiß nicht, ob der überhaupt langsam fahren kann" heißt es im Gpunkt-Team. Und er selbst sagt: "Die erste Runde musste ich sehen, wo die Löcher sind, dann …" Gegenüber seinem direkten Konkurrenten Meyer ist er über 2 Sekunden schneller. In der Div. 5 hat Harry Rauch nur eine knappe Sekunde Vorsprung vor Steffen, allerdings müssen sich beide dem Honda-Piloten Gührig geschlagen geben.
Dann der erste Vorlauf. Es ist Abend geworden, es dämmert und auch die Zeitnahme bekommt Probleme. Meyer ist diesmal schneller als Völzer, Wagner wird hinter Barghoff vierter. Steffen liegt diesmal vor Harry Rauch und auch Gührig ist nur vierter, muss sich Youngster Thomas Rauch im Citroen AX geschlagen geben.
So rollt man wieder ins Fahrerlager und begibt sich zur Ruhe. Die jenigen, die am nächsten Tag keine Rennen fahren müssen, sollen angeblich noch bis 3 Uhr morgens im Festzelt gefeiert haben. Jedenfalls war das die Uhrzeit, die ich zuletzt ablesen konnte….

Bereits um 8 Uhr am Sonntagmorgen heulen wieder die Motoren über den Matschenberg und der Streckensprecher ist bis in die Ortsmitte gut zu verstehen. Die Anwohner stört es nicht, im Gegenteil. Direkt an der Strecke sitzen sie auf den Balkons und schauen zu, auf dem Weg vom Fahrerlager zum Vorstart (über eine gesperrte öffentliche Straße!) feuern sie die Teilnehmer an und rund 2000 Leute bevölkern die Naturtribüne.
Der zweite Vorlauf steht an. Völzer muss nur ankommen, dann ist er Meister, nachdem Ingo Stolzenberg bereits mit gebrochener Motoraufhängung (wie war das noch mit den Löchern und Furchen?) aufgeben musste. Völzer startet in einer Gruppe mit den Div. 1 Fahrern, Volland und Schlöffel, die nacheinander ausfallen. Er fährt auf "ankommen"… und auf "Springen" Runde um Runde jagt er den Kadett über die Sprungkuppe und macht immer größere Sätze. Schließlich ist es geschafft, er ist durchs Ziel, springt aus dem Auto und reißt jubelnd die Arme hoch. Leider ist die Strecke hier etwas abschüssig… also läuft er erst einmal seinem Auto hinterher, muss im Rollen hineinspringen und die Bremse ziehen. Trotzdem, es ist geschafft! "Jetzt kann ich frei fahren." Strahlt er.
Das tut er dann auch im dritten Vorlauf. Nachdem Uwe Wagner zunächst die Nase vorn hat, kann Völzer sich unter dem Jubel der Zuschauer vorbeibremsen und die Führung übernehmen. Das ist es, was die Leute sehen wollen. Ein Kadett ist schneller als ein Porsche. Rundenlang fliegen beide Hecktriebler quer durch die Kurven, reißen die Zuschauer von den Campinghockern. Am Ende behält Völzer deutlich die Oberhand. Auch Harald Rauch kann sich diesmal deutlich von Andreas Steffen absetzen jedoch hier kann die Entscheidung ohnehin nur im Finale fallen. Trotzdem lassen beide ihre Zitronen ordentlich fliegen.
Nach der Mittagspause kommen die Finale.
Wieder ist Wagner vor Völzer. Doch der kann ja schneller, das wissen wir inzwischen. Allerdings muss er dafür erst einmal vorbei… und genau beim Ziel steht der Corrado von Dirk Rux. Direkt in der Ideallinie… und davor am Ende des Abhangs darf nun unter gelber Flagge nicht überholt werden. So muss sich diesmal der Gpunkt hinter dem Porsche einreihen. Trotzdem, die Zuschauer sind von den beiden Quertreibern immer wieder begeistert. In der Division 5 kommt es nun tatsächlich zum eingangs erwähnten Showdown. Doch so nervös die beiden Kontrahenten auch sind, zunächst fegen sie einträchtig die Startplatte um die größtmögliche Traktion beim Start zu bekommen. Den gewinnt dann Harald Rauch und gibt die Führung nicht mehr her. Steffen wird mit Problemen nur vierter. Ist das die Entscheidung um Platz 3 in der Meisterschaft?
Noch nicht ganz, denn es folgt ja noch das Superfinale. Hier stehen noch einmal die schnellsten des Tages am Start. Es gibt wertvolle Extrapunkte. Und da sich die Division 1 bereits abgemeldet hat, kommen auch unsere beiden "kleinen" zum Zuge.
Den Start gewinnt zunächst der Porsche von Wagner, dahinter Klaus Meyer, Völzer fällt etwas zurück. Das alte Getriebeproblem? Jedenfalls ist es bald behoben und der neue Meister fliegt wie eh um den Kurs. Meyer hat sich inzwischen Uwe Wagner zurecht gelegt, der mit Problemen kämpft. Schließlich können sowohl Meyer als auch Völzer vorbei ziehen. Und die lieben Kleinen? Rauch hat arge Probleme, ein Stein hat sich im Schaltgestänge verklemmt, der Wagen läuft nur im zweiten Gang. So kann man natürlich nicht sehr schnell sein... Steffen zieht davon und kann sogar einige Plätze gutmachen. Harry ist letzter, das reicht nicht…
Doch dann löst sich der Stein, das Getriebe nimmt seine Arbeit wieder auf und Harry macht sich auf die Jagd. Kurz vor Schluss kann er Thomas Rauch noch überholen und sich damit den dritten Platz in der Gesamtwertung sichern.
Neben einem Riesen Dank an alle Aktiven, die eine so tolle Show geboten und so spannende Rennen gefahren haben, muss ich hier auch einmal ausdrücklich das sehr faire und äußerst sachkundige Publikum loben.

Liebe Autocrossfans: Als Fan habe ich mich bei Euch nicht nur zu Gast, sondern auch als Freund gefühlt. Danke!

4. und 5. Lauf in Buxtehude

Berichte gibts auf rallycross-dm.de

3. Lauf in Nysum, Dänemark

400 KM nach Norden, aber es lohnte sich.

In der Division 1 konnte Jörg Jockel sein Rennen fast kampflos gewinnen. Zunächst hatte es einen Fehlstart gegeben. Doch niemand wollte wirklich anhalten. Schließlich mußte Bruno Hansen bremsen, um den Streckenposten, der verzweifelt seine Flagge schwenkte, nicht zu treffen. Er kommt quer, Volland schlägt ein, Jockel kann gerade noch ausweichen. Hansen gibt daraufhin auf, um Zeit für die Reparatur bis zum Superfinale zu bekommen. Volland ebenso. Nach dem Re-Start braucht Jockel dann nur noch mit halber Kraft zu fahren, da er als Gegner nur noch Teil Jakob Hansen (Teil Hansens Sohn) in einem betagten Ford Escord hat. Und dieser hat außer heftigem Fauchen seines Turbo-Laders nicht viel zu bieten.

In der Div. 4 konnte DM-Leader G. Völzer nur mit Mühe dem "Mineralwasser-Golf" von Klaus Meyer folgen. Im 1. Vorlauf hatte er sich die Aufhängung an einer Lei(d)tplanke verbogen. Noch schneller waren auf heimischer Strecke Peter T. Jensen und Ole Bech in ihren Volvos. So blieb im Finale nur der 4. Platz. Das reichte allerdings, um die Tabellenführung in der DM zu behaupten.

Das Rennen des Tages gab es schließlich in der Div. 5 im Finale. Harald Rauch, der am Morgen noch von einem Podestplatz geträumt hatte, setzt sich zunächst auf Position 4 fest. Rundenlang verfolgt er Clemens Meyer, der erst sein zweites Rennen überhaupt fährt. Dann bekommt der eine der führenden Christensen-Brüder (beide Suzuki Swift) Motor-Probleme und wird langsamer. Meyer und Rauch können aufschließen. Auf der langen Gegengeraden setzen beide zum Überholen an. Harry erwischt die bessere Linie und kann sich an beiden vorbei auf den zweiten Platz schieben.

Im Superfinale ist schließlich Bruno Hansen in seinem bildschönen Ford Puma das maß der Dinge, nicht nur, weil Rolf Volland nach einer Notreparatur denSkoda nur mit Zweirad-Antrieb an den Start bringen kann.

Eine Video-DVD mit allen Final-Läufen ist zum Preis von 8,- EUR erhältlich. Einfach an mich oder Harry mailen.

Bilder von Silke und Kai folgen in Kürze.

2. Lauf in Gründautal

Aus Zeit und Finanzgründen konnten wir leider nicht nach Gründau fahren. Einen guten Bericht findet man aber, wie immer hier

1. Lauf zur deutschen Rallycrossmeisterschaft 17.4.2005

Die neue Saison startete mit allerlei Überraschungen. Unter anderem damit, dass bis zu 1500 Zuschauer nach Buxtehude gefunden hatten.
Und auch damit, dass viele Aktive und Unterstützer gute Berichte über das Rennen verfasst und veröffentlicht haben. Also will ich nicht noch einmal alles wiederholen, sondern gebe an dieser Stelle nur die Links und ein paar Bilder:

gpunkt-racing

xp-racing.de

renn-harry.de

rallyesport-team.de

aber auch

rallycross-dm.de

Einen sehenswerten Kampf lieferte sich Xenia Penczek (Opel Kadett ) mit Uwe Wagner (Porsche 911), der trotz überlegener Leistung erst nach einigen Runden vorbei ziehen konnte. Den Kadett hat es dabei heftig erwischt, aber bis zum nächsten Rennen soll er wieder fit sein

Zum ersten Mal dabei und gleich begeistert: Marko Gührig, Honda Civic ("Wußte gar nicht, dass der auch so quer geht…")

Nur zum Testen, aber sauschnell: Lasse Larsson aus Schweden, Topfahrer aus der Europameisterschaft. Mit einem ähnlichen Auto wird demnächst der deutsche Rekordmeister Rolf Volland erwartet

Comeback im AX: Harry rennt wieder ("Als nächstes kauf ich mir ne Sperre…")

Die Bilder wurden mit freundlicher Genehmigung von

benutzt. Dafür vielen Dank. Dort können übrigens von jedem teilnehmenden Fahrzeug Bilder erworben werden.

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