Der verlorene Pass

Routinemäßig fragen wir meist zu Beginn einer Kontrolle den Reisenden nach Pass und Flugticket. Beide Unterlagen liefern uns wertvolle Informationen für die Kontrolle. So auch bei Herrn S, einem Südamerikaner, der aus Amsterdam angekommen ist. Seine Reaktion ist allerdings etwas ungewöhnlich. Er kramt in mehreren Taschen und Fächern, kann jedoch scheinbar die gewünschten Dokumente nicht finden. „Die habe ich vergessen“ erklärt er uns.

Eine Ausrede? Schließlich erklären uns ständig Leute, sie hätten irgend etwas vergessen. Und ohne Pass kann er eigentlich nicht gereist sein, denn laut Koffer-Label kommt er aus Südamerika und ist in Amsterdam nur umgestiegen. Ohne Reisepass hätte man ihn in Amsterdam gar nicht erst ins Land gelassen. Gerade diese Reiseroute ist aber sehr berüchtigt für Drogen. Will er dieses verschleiern?

 

Normalerweise fangen Reisende dieser Art nun an, zu schimpfen, sie würden nur aus Schikane kontrolliert oder ähnliches, um von ihrem Problem abzulenken.

Nicht in diesem Fall. Herr S. sucht weiter nach seinen Unterlagen und ist langsam recht verzweifelt. Also überlegen wir gemeinsam, was passiert sein kann. „In Amsterdam müssen Sie doch den Pass noch gehabt haben“ sage ich. „Ja“ antwortet er, „bei der Passkontrolle war noch alles da.“ Er überlegt weiter: „…dann muss ich die Unterlagen im Flugzeug liegen gelassen haben.“

Was nun? Schnell zum Lost&Found Schalter der Fluggesellschaft, und richtig, dort hat man die Fundsache bereits vorliegen.

Erleichtert bedankt sich Herr S. bei uns für die Kontrolle. Sonst hätte er den Verlust vielleicht erst Tage später bemerkt. Und sein Rückflug-Ticket war schließlich auch dabei…

Nebenbei, geschmuggelt hatte Herr S. nichts. Trotzdem ist es selten, dass ein Reisender für die Kontrolle auch noch dankbar ist.

 

 

Der Ton macht die Musik

Der Urlaub ist zu Ende, der Flug war stressig und hat Verspätung und dann kommt auch noch der Zoll...

Klar dass man dann gern aus der Haut fahren möchte. Trotzdem sollte der eine oder andere vielleicht einmal darüber nachdenken, wie er sich ausdrückt. So auch dieser Herr, der gerade aus Antalya gekommen ist:

"Na klar, das fehlte noch!" ist seine Reaktion, als ich ihn zur Kontrolle bitte. Ungehalten knallte er mir den Koffer auf den Tresen. Bis hierher ist seine Reaktion noch ganz verständlich. Als ich dann aber den Koffer überprüfe, sagt er zu mir: "Ich seh' doch nicht aus wie so ein Katzenf....r"

Ob dieser Mann mal darüber nachdenkt, was er da gerade über die Leute gesagt hat, deren Gast wer noch vor wenigen Stunden war?

Im übrigen: Wir kontrollieren stichprobenweise bei jedermann, unabhängig davon, wie er aussieht...

 

Teegläser

Touristen bringen gerne ein kleines, möglichst landestypisches Souvenir mit. Das ist auch nicht weiter zu beanstanden, es sei denn, es lebt womöglich noch…

So bei Herrn S., der von einer Reise nach Istanbul zurückkehrte. „Ich habe nur ein paar Kleinigkeiten als Andenken gekauft“ erklärte er mir. „Nun gut, dann schauen wir uns die mal an“ sagte ich und bat ihn, sein Handgepäck zu öffnen.

Hier fand sich das übliche Konvolut aus Kleinkram, ein paar Prospekten, Essenresten, Ansichtskarten, einer Packung türkischen Tees und ein kleiner Karton.

„Was ist denn da drin?“ fragte ich.

„Das, äh… sind Teegläser…“ druckste Herr S.

Klar, das passte. Tee hatte ich ja schon gesehen, und auch die Teegläser werden häufig aus der Türkei mitgebracht. Allerdings eher von türkischen Heimaturlaubern…

Und Herr S. war ganz offensichtlich Deutscher Tourist. Außerdem waren in den Karton einige Luftlöcher geschnitten.

„Wozu brauchen denn die Gläser jetzt Luftlöcher?“ Ich schaute Herrn S. fragend an.

„Nun ja, äh, wissen Sie, das ist… wegen der Kanarienvögel…“

Zwei kleine Piepmätze hatte Herr S. in irgendeinem Basar erstanden. Seine einzige Sorge war gewesen, die Vögel könnten vielleicht bei der Einreise beschlagnahmt werden. Und im offenen Vogelbauer so ganz allein im zugigen Frachtraum… das fand er auch nicht gut.

Nun, die zöllnerische Seite war schnell erledigt. All zu teuer waren die Tiere nicht gewesen, also konnten wir sie als Freimenge überlassen. Auch der Grenzveterinär hatte keine Bedenken.

Nur über den Tierschutz haben wir uns mit Herrn S. noch eindringlich unterhalten…

 

Die Spontanheilung

Eines Tages kontrollierte ich ein Flugzeug mit Urlaubern aus der Bulgarien. Dort sind z.B. die Zigaretten deutlich billiger als bei uns. Es war Winter und zu dieser Zeit waren überwiegend ältere Menschen unterwegs. Wie üblich wurden nicht alle Reisenden kontrolliert sondern wir machten nur Stichproben. Meine Stichprobe fiel nun auf eine Frau, die ein leicht errötetes Gesicht hatte.  Sie erklärte gleich, sie hätte ihre Kofferschlüssel tief in ihrer Handtasche und würde sie nun nicht so schnell finden können.

„Das ist kein Problem, gute Frau“ sagte ich, „wir helfen Ihnen auch gerne beim Suchen der Schlüssel“

Frau S. antwortete: „Nein, das geht nicht. Ich finde die Schlüssel jetzt wirklich nicht. Außerdem habe ich Herzprobleme. Bitte lassen Sie mich gehen.“

„Geht es Ihnen nicht gut, soll ich einen Sanitäter rufen?“ fragte ich sie.

„Nein es geht schon, ich muss nur schnell nach Hause“

Da Frau S. nun auch noch sehr kurzatmig wurde, holte ich ihr zunächst mal einen Stuhl, damit sie sich setzen konnte. Nun fragte ich sie noch mal:

„Soll ich dann mal in ihrer Tasche nach dem Schlüssel schauen, dann sind wir hier auch schnell fertig?“

Ich war inzwischen fast überzeugt, dass Frau S. wirklich nicht ganz gesund war. Zwar wollte ich nicht auf die Kontrolle verzichten, auf der anderen Seite befürchtete ich, sie würde mir gleich zusammenbrechen.

Frau S. stand wieder auf , griff nach dem Koffer, der auf dem Tresen stand und wollte ihn herunternehmen. „Ich muss jetzt wirklich schnell nach Hause, lassen Sie mich doch gehen, Sie sehen doch, dass es mir nicht gut geht“ sagte sie.

Schnell griff ich zum Koffer und hielt ihn fest. Frau S. versuchte fast, mir den Koffer aus der Hand zu reißen. Und das trotz ihres Zustandes??

Mir kamen erste Zweifel. Deshalb wurde ich nun deutlicher. „Frau S.“ sagte ich, „sie können erst gehen, wenn ich den Koffer kontrolliert habe. Wenn Sie krank sind kann ich Ihnen einen Sanitäter oder einen Rettungswagen rufen, aber der Koffer bleibt hier!“

Nun sah Frau S. ein, dass sie mit ihrer Geschichte nicht weiter kam. Sie zog aus einem Seitenfach ihrer Tasche den Schlüssel hervor und ich konnte den Koffer kontrollieren.

Nachdem ich einige Kleidungsstücke angehoben hatte erkannte ich nun auch den Grund für ihre Erkrankung.

Der gesamte Kofferboden war mit Zigarettenschalteln ausgelegt.

Insgesamt waren es etwa 1000 Stück.

Für uns war das eine kleine alltägliche Sache, die mit der Zahlung einer kleinen Geldstrafe vor Ort erledigt werden konnte. Frau S. hatte das etwas anders gesehen…

 

Trotzdem, nachdem alles wieder eingepackt worden war, konnte Frau S. endlich ihren Koffer in Empfang nehmen und gehen.

Zwar war sie um etwa 240 Euro ärmer, es ging ihr aber deutlich besser.

Ein schlechtes Gewissen ist eben auch nicht gut fürs Herz…

 

 

 

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